Chiang Khong Mortal Kombat

Veröffentlicht October 24, 2010

Die Ueberlandfahrt von Thailand nach Laos hat uns bis an unser Lebensende traumatisiert. Eigentlich haetten wir noch mal eine aehnliche, aber 24-stuendige Fahrt von Ventiane nach Hanoi machen sollen. Mittlerweile tut es nicht mehr so weh, fuer ein sicheres Ueberleben viel Geld zu bezahlen, weshalb wir 130 Euro fuer einen einfachen Flug latzen muessen. Gut, dass wir das fruehestens in Australien bereuen werden.

Ein Zwischenstop auf unserer Fahrt war das beschauliche Chiang Khong. Es waren die bis dato teuersten Zimmer, die wir je gebucht haben, und gleichzeitig auch die schlechtesten. Da wir die Strecke mit unserem Guesthouse organisiert hatten, hatten wir eigentlich null Einfluss auf das, was geschehen wuerde. Riesenkakerlaken, Geckos und Spinnen im undichten Zimmer ohne Ventilator. Zu dritt. Noch nie hat man uns so in Angstschweiss und Ekel kuscheln sehen.

Von Chiang Khong ging es dann nach Huay Xai, der Grenzstadt auf laotischer Seite. Von dort haetten wir EIGENTLICH ein Slowboat ueber den Mekong nach Luang Prabang nehmen sollen. Eigentlich. Als wir naemlich auf unsere Stempel warteten, erzaehlte uns der Orgaisator, dass es ja auch einen Bus gaebe. Der wuerde auch nur 10 Stunden und nicht 2 Tage brauchen, und man muesste nicht noch wahlloserweise eine Nacht in einem Dorf voller Diebe verbringen. Und ueberhaupt, das Slowboat waere furchtbar, der Bus aber immerhin voll klimatisiert und… alle fielen darauf rein und buchten den Bus.

Wann genau eine 10 stuendige Busfahrt durch die unasphaltierten BERGE von Laos je genau attraktiv schien ist mir bis heute noch unklar. Als wir im Regen mit einem Reifen ueber die Klippe rutschten wusste ich, dass mein Leben vorbei war. Ich rief meine Mutter an und sagte ihr, dass ich sie liebte. In ihrer unantastbaren Coolness sagte sie nur: “Kind, hoer auf rumzujammern, sterben wirst du erst, wenn ich dich mit meinen eigenen Haenden dafuer erwuergen darf, dass du je weggegangen bist”. Wir haben tatsaechlich ueberlebt, aber nicht, ohne einen immensen Schaden davon zu tragen. Hier noch einige Dinge, die ganz interessant waren:

- Die Busfahrt dauerte 16 Stunden. Wir kamen erst um 5 Uhr morgens in Luang Prabang an und mussten samt Gepaeck erst mal alle Guesthaeuser wach klingeln und fuer viel zu viel Geld uebernachten.
- Der Bus hatte keine Klimaanlage
- Die Sitze waren aus durchgedruecktem Plastik.
- Es gab null Beinfreiheit, und die behinderten, fotzenfruehstueckenden Englaenderinnen vor mir mussten ihren Sitz auch noch zurueckklappen. Oh Gott, ich haette denen sowieso am liebsten so hart ins Gesicht getreten, diese unfaehigen, vollgeschaedigten, durchgefickten, abgeleierten Hurenstuecke von Menschen, sowas habe ich in meinem Leben noch nie gesehen, Tussis, die einfach nur zurueckgefickt und abgetrieben gehoeren, alle beide. Und dann sind die uns auch noch immer hinterhergelaufen, und haben immer unseren Scheiss mitgebucht, mir waren schon die Aederchen im Auge geplatzt, so sehr tat es weh.
- Wir hatten Huehner im Bus
- Es kamen staendig mehr Leute in den schon vollgepackten Bus. Die sassen dann entweder auf Plastikstuehlen im Gang, oder standen einfach ein paar Stunden.
- Der Busfahrer trank bei jeder Pause erst mal ein paar Bier, wahrscheinlich, um sich besser auf den Weg konzentrieren zu koennen.

Leider gibt es von dieser Reise keine Beweisfotos, weil ich mich zu stark darauf konzentrieren musste, die unkontrollierbare Durchfallexplosion zu zaehmen. Am Ende hat es sich natuerlich fuer Luang Prabang gelohnt. Es gab bisher wirklich keine Stadt, die mich so um den Finger gewickelt hat, so viel Charme und Sexyness. Und die Laoten selbst, staendig nur am Opium chillen und smilen, als ob es sonst nichts gaebe. Sowas zerbackenes, da steht quasi mein Name drauf… aber dazu spaeter mehr..

 
 

Stranger Than Kindness

Veröffentlicht October 22, 2009

Fever Ray ist das musikalische Pendant zu jedem Psycho-Horror-Film, der euch je zum zittern gebracht hat. Psycho. Der Exorzist. Dirty Dancing. Wer sich bei Karin Dreijers Stimme nicht zu seiner Mutter unter die Bettdecke verkriechen will, der hat als Kind bestimmt auch die Nachbarskatze gequält und den größten Spaß daran gehabt, fette Kinder zu verprügeln.

Fever Ray - sieht aus, als würde sie Möpse grabschen wollen

Das Soloprojekt der Schwedin kommt meiner Meinung nach zwar noch nicht mal ansatzweise an das glorreiche “The Knife” Projekt heran; aber vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, diesen Anspruch zu stellen. Mir gefällt Fever Ray in dieser schaurigen Gruselmärchen-Manier, und ich hoffe, dass dieses Projekt auch fortgeführt wird. Und weil es so schön ist: das bereits erschienene Album, “Fever Ray“, wird bald noch mal als Deluxe-Edition aufgelegt. In dieser Auflage finden sich zwei Cover, “Stranger Than Kindness” (Nick Cave & Anita Lane), “Here Before” (Vashti Bunyan), sowie eine Bonus Disc mit voller Liveshow und einer DVD mit allen bisher veröffentlichten Fever Ray Videos.

Vanity Fair hat exklusiv das Video zu “Stranger Than Kindness” ergattern können, aber weil das Medium absoluter Scheiss ist und ich soetwas nicht auf meinem Blog einbinden will, gibt es nur den Link- in jedem Fall ist das Video genauso sehenswert und düster wie die Vorgänger.

Diese Gelegenheit werde ich trotzdem nutzen, nämlich für einen anderen großartigen Song, erschienen im Jahre 2003, der mich nicht nur im Wesentlichen The Knife hat lieben lassen, sondern die Grundlage für meine Minimal/Techno Obsession wurde und den Weg in eine unglaublich schöne (und schmerzhafte) Freundschaft ebnete. Und an diese Zeit erinnert mich “Pass This On“. Dafür danke ich Schweden: mitsamt Ikea, H&M und The Knife.

 
 
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