World Unite! Lucifer Youth Foundation

Veröffentlicht November 19, 2011

Das letzte Mal, als ich einen Song von Wy Lyf postet, war es Mai. Das Video enthielt mächtige Szenen und gewaltvolle Bilder von Aufständen, Protesten und Märschen. Das Video war eine Ode an die Demonstration. Ich machte mir meine Gedanken dazu – sagte aber nichts. Manchmal spricht eine Collage, die audiovisuell funktioniert, mehr als die Sprache, derer wir uns mächtig sind.

Im Mai, das war irgendwie vor und nach dem Arabischen Frühling gleichzeitig. Das war noch vor den Englischen Riots, das war vor den Occupy Wall Street Protesten in New York. Das war nach Fukushima. Das war noch, bevor Levis sich entschied seine Kampagne “Go Forth!” global aufzubauen und in Berlin neu zu formulieren. Das war bereits sehr lange nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktes und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, aber es war noch vor dem Zusammenbruch der Europäischen Gemeinschaft dank der Verschuldungspolitik von Staaten.

Ich habe damals, im Mai, einen Text geschrieben, der zu Gewalt aufforderte. Vielmehr: Auflehnung. Ich habe damals ein Gefühl genommen, welches in mir ruhte und langsam herausbröckeln sollte, und es in die einzigen Bilder gesteckt, die ich ausmachen konnte: Fäustschläge und brutalste Eskalation. Es war passiv-aggressive Stimmung, die ich nicht einordnen konnte. Dieses Nicht-Können machte mich wütend. Der Geist, die Gedanken, sie sind abhängig von der Sprache, und die Sprache ist genauso abhängig von ihnen. Wie konnte ich empfinden, ohne es formulieren zu können? Diese Machtlosigkeit vor dem abstrakten Gerüst der Realität lässt einen gewalttätig werden wollen, denn nun gibt es kein Ventil mehr für das, was sich tief drinnen aufstaut.

Es war eine globale Stimmung, die durch die Medienlandschaft transportiert wurde. Völlig egal, ob es sich dabei um ein Bild oder eine Nachricht handelte, die Atmosphäre des Auflehnens war schon im Mai zu spüren. Sie war schon die letzten Jahre dagewesen, aber subtiler, stellenweise, ohne besondere Reaktion. Die Rebellion der iranischen Jugend war eine kleine Welle der Gerechtigkeitsforderungen, doch er versank in den Tiefen, am Grund des Ozeans. Die entstandenen Strömungen jedoch, sie waren weiterhin da – sie zeichnen sich heute umso deutlicher ab. Unsere jungen Menschen, Generation Facebook, Generation Internet, Generation Hipster, ihnen wird der Nihilismus, der gedankenlose Konsum, die Resignation vorgeworfen — doch müssen sie sich beweisen, profilieren, gegen die Punks, gegen die Hippies, gegen die 68er, gegen alle Bewegungen, die die Vorarbeit geleistet haben. Kein Wunder – wer will da nicht resignieren, bei Erwartungen, die kaum einzuhalten sind? Was haben die Generationen vor uns geschafft, wenn nicht die Fehler, die wir heute ausbaden müssen? Wie kann man sich da noch trauen, nach Idealen oder Gutmenschlichkeit zu streben? Friss oder stirb sind unsere großzügigen Alternativen, die all diese reaktionären Subkulturen vor uns, für uns erarbeitet haben. Sie haben es nicht besser gewusst, und ihre Versuche scheiterten. Wir wollen es besser machen: es gar nicht erst versuchen.

Das Gesicht der Menschheit hat sich zu einem hässlichen verändert, wo es schwieriger geworden ist, zwischen gut und schlecht, zwischen Kollektiv und Individuum zu unterscheiden, ohne daran zu zerbrechen. Wir bekommen das Erbe unserer großen Brüder und Schwestern ausgehändigt mit den Worten, “Jetzt ist alles gut”, und kriegen gar nicht mit, wie schlecht alles ist. Wir zucken resigniert die Schultern, denn man hat uns alle Waffen aufgrund eines Friedensversprechens genommen.

Aber diese Stimmung, dieses unaussprechliche Gefühl, das gedämpfte Raunen in einer Masse voller anonymen, schulterzuckenden, katzenrettenden Schatten von Menschen, es ist der Beweis dafür dass wir noch nicht am Ende sind. Wir sind nicht abgestumpft. Wir sind keine willenlosen Marionetten, keine konsum- und marketingverblendeten Hipster, jedenfalls nicht immer. Wir sind frei, wir sind jung, wir haben alle Möglichkeiten, die Welt zu verbessern und wollen das auch, aber wir resignieren – manchmal – eben im Angesicht der Problemberge, die man vor uns stellt und geben uns mit einer kleinen Welt voller Narzissmus und Ich und Ich und Ich zufrieden. Unser kleines Ghetto der Unwirklichkeit. Doch die Stimmung vernichtet unsere heile Welt der Ignoranz. Sie steckt uns über Kontinente, soziale Netzwerke und Medienberichterstattung an. Wir merken: wir fühlen uns nicht ungerecht behandelt. Aber an diesem Gefühl stimmt etwas nicht.

Wu Lyf haben ein neues Video aus ihrem Album Go Tell Fire To The Mountain veröffentlicht. Ich führe das an, weil das ganze Album in seiner Gesamtheit, aber das Video und der Song “We Bros” speziell, diese von mir als unbetitelte “Stimmung” zusammengefasste Atmosphäre einfängt. Diese Dringlichkeit, die aufgekratzte Stimmung des englischen Quartetts, dieses unfertige, schrammelige, aber irgendwie doch ziemlich harmonische Ding, das spricht so viel aus, was unsere Generation vielleicht gerade auszuformulieren versucht. Ich glaube daran, dass wir uns auflehnen können, dass wir es besser machen können, wenn wir weiter machen, und dieses Gefühl durch alle Netze und Schichten durchtransportieren, bis wir endlich, endlich, endlich die Musik zur Politik machen.

Im Video rennen Kinder vor etwas davon. Erst am Ende sehen wir, was es ist. Sie rennen vor unserer Welt weg. Wir rennen vor unserer Welt weg. Wir werden ständig dazu aufgefordert, Dinge zu verstehen. Was, wenn wir die Dinge einfach sein lassen könnten? Wenn wir alles liegen lassen – die Supermärkte, die Gesellschaftstrukturen, die Staatsgewalten und die Normative unserer von Dichotomien zusammengesetzten Kultur – und irgendwo, frei davon, unserer Kinder zur Welt bringen und ihnen dabei zusehen, wie sie es machen?

It’s a sad song that makes a man put
money before life
a sad song that puts a man for sale
A sad song that make a man put
money before life

In jedem Fall kann ich euch Go Tell Fire To The Mountain nur ans Herz legen. Es inspiriert mich, und es wird euch inspirieren. Hört es euch an und sagt mir, dass ihr auch diese Ernsthaftigkeit unserer Schritte auf dieser Erde spürt. Sagt mir, dass euch nicht alles egal ist.

 
 

On My Level

Veröffentlicht August 2, 2011

Ich mache es mir zur Lebensaufgabe alle Videos gut zu finden, die nicht von der GEMA-YouTube-Affäre behindert werden.

On My Level · Kategorien: Musik · Ein Kommentar
 
 

Light Bulb

Veröffentlicht May 31, 2011

It feels good to be a gangster.

Light Bulb · Kategorien: Musik · 3 Kommentare
 
 

DIRT

Veröffentlicht May 30, 2011

Wir brauchen wirklich mehr davon.

DIRT · Kategorien: Inspiration Musik · 5 Kommentare
 
 

untitled

Veröffentlicht February 25, 2011

untitled · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 

Ghosts

Veröffentlicht February 24, 2011

Es wird definitiv Zeit für Sommer, oder mindestens Frühling. Ich sehe diesen Song übrigens demnächst in einigen Serien oder sogar in einem US-College-Film im Hintergrund dudeln… das letzte Mal, dass ich das gesagt habe, war das bei Harlem Shakes’ “Strictly Game” und hey, ich hatte recht.

Ghosts · Kategorien: Musik · 4 Kommentare
 
 

Lost In Dances x Spike Jonze

Veröffentlicht September 27, 2010

 
 

Diet Mtn Dew

Veröffentlicht May 15, 2010

 

Ich sitze mit meinem kleinen stonerhead Bruder im Keller des Gammelns, wir sind gerade erst aufgestanden. Meine Mutter schläft, mein Vater guckt fernsehen. Wir löffeln Cornflakes und essen Erdnussbuttersandwiches. Er erzählt mir von seiner Freundin, ich erzähle ihm von meinen Plänen, davon, dass ich um die Welt reisen werde. In einem unvorsichtigen Moment versucht er mir seine Socken in den Mund zu stopfen und verpasst mir dabei einen blauen Fleck. Ich räche mich später indem ich Nacktbilder von ihm, als er klein war, ins Internet stelle.

Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich an etwas erinnern kann, dass mehr als zehn Jahre her ist. Es sind meine Erinnerungen, keine Erzählungen- meine Gefühle und meine Bilder, alles gespeichert. Lückenhaft, aber existent. Als ich von zu Hause auszog, weil ich samstagmorgens nicht mehr vom Hämmern des Staubsaugers gegen die Schlafzimmertür aufgeweckt werden wollte, war mein Bruder noch 16 Jahre alt. Nächste Woche wird er 18. Für mich hat sich fast nichts geändert; für ihn alles.

Wir kennen uns nicht, aber ich glaube, dass er ein ziemlich cooler Typ ist.

 
 

Best Of: SXSW 2010

Veröffentlicht March 30, 2010

SXSW. Ich werde es wohl nie dort in schaffen. Jedes Frühjahr tröste ich mich dann aber immerhin am SXSW-Showcasing zum völlig kostenlosen und legalen Download. Dieses Jahr gab es fast 6 GB (unbekannter) Songs die durchzukämpfen waren. Ich hab’s mal gemacht, das erste und das letzte Mal. Kein Wunder, dass Musikjournalismus den Bach runtergeht, für sowas will nicht mal meine würdelose Wenigkeit sich bezahlen lassen ((Das ist gelogen. Wenn ihr mir Geld geben wollt, lasst euch nicht aufhalten.))

Denn die Hälfte der Musik war nicht nur absolut nicht mein Fall, sondern auch noch grottenschlecht. Es war die größte Qual, etwas Gutes herauszusortieren, immerhin ist es ja auch schwer, Songs nach einmaligem Anhören zu bewerten. Die, die mir also auf Anhieb gefielen, kamen in eine bestimmte Liste, welche ich aussortierte, welche ich widerrum aussortierte, welche.. und irgendwann war ich dann hier gelandet. Ich glaube jedenfalls nicht, dass ich The Next Best Thing dabei entdeckt habe, außer vielleicht Electric President, aber die kannte ich schon vorher, also auch nicht sehr aussagekräftig. Anyway: have fun.

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Favourite Tracks #3

Veröffentlicht December 23, 2009

Uh, es ist mal wieder so weit: meine Temporäre Favorite Tracks Playlist (die ich in iTunes mit dem spirituellen Namen “Momentum” belegt habe) beinhaltet mehr als (nur) irgendwelche R&B-Rotze, die mir immer im Gehör kleben bleibt. Anders ausgedrückt: eine Version der Favorites, die mir nicht (nur) peinlich ist. Die Songs, die ich finden konnte, habe ich bei Grooveshark in die Playlist gehauenLet it roll, baby.

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