"Girl gone wide."


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Und so ist das also. Ein Unfall passiert, der Arm ist ab, dann kommt die Genesung: zuerst vom Schock, dann vom Schmerz und letztlich heilt auch die abgerissene Zukunftsvorstellung an ihren Stümmeln wieder ab. Nachts wird man von den Phantomschmerzen noch mal wachgerüttelt, dann hält man sich kurz fest, wo nichts mehr ist und merkt: ah, ja, klar. Ich in in der Realität angekommen. So fühlt sich das an: echt, rau, roh und bis ins Mark erschütternd. Aber: real. So real, dass man sich manchmal fragt, in welchem Traum man vorher gelebt hat. Oder: so surreal, dass man an seiner Realität wieder anfängt zu zweifeln. Tief im Loch gefangene Gedanken werden mit Alltäglichkeit betäubt, und ich sehe der Wunde zu, wie sie sich schließt. Sie nässt jedenfalls nicht mehr, das ist ein großer Sprung nach vorne. Manchmal, wenn ich so da sitze und nichts denke und nichts fühle, dann vergesse ich, dass es je einen Unfall gab, und dann vergesse ich, dass ich je Schmerzen hatte, und dann vergesse ich, dass tiefe Narben meine Haut zeichnen und hey, mir fehlt ein Arm. Aber das ist es jetzt: Realität.

Das kann man einfach nur noch achselzuckend hinnehmen. Es ist der Garden State Dualismus, es ist nicht richtig und nicht falsch, es gibt keine Antworten und es gibt auch keine Fragen mehr.

Es ist:

This isn’t a conversation about this being over, it’s, it’s… I’m not, like, putting a period at the end of this, you know, I’m putting, like, an ellipsis on it, cause I’m- I’m- I’m worried that if I don’t figure myself out, if I don’t go like land on my own two feet, then I’m just gonna to mess this whole thing up, and this is too important. I gotta go… you changed my life in four days. This is the beginning of something really big. But right now, I gotta go.

vs.

Yeah, the ellipsis, it’s dumb. It’s dumb. It’s an awful idea. I’m not gonna do it, okay? Cause like you said, this is it. This is life. And I’m in love with you… I think that’s the only thing I’ve ever really been sure of in my entire life. And I’m really messed up right now, and I got a whole lot of stuff I have to work out, but I don’t want to waste any more of my life without you in it. And I think I can do this. I mean, I want to. I have to, right?

Aber ich bin nicht Largeman. Wie soll ich sagen? I Am Sam.

Kennt ihr diese “Inspirational Quotes”, die man sich gerne mal durchliest um kopfnickend und mit Tatendrang wieder geladen in den Alltag zu stürzen und loszuschreien? Vergesst diese Quotes. Es gibt nur einen, der Gültigkeit trägt, nämlich folgender:

The advice I like to give young artists, or really anybody who’ll listen to me, is not to wait around for inspiration. Inspiration is for amateurs; the rest of us just show up and get to work. If you wait around for the clouds to part and a bolt of lightning to strike you in the brain, you are not going to make an awful lot of work. All the best ideas come out of the process; they come out of the work itself. Things occur to you. If you’re sitting around trying to dream up a great art idea, you can sit there a long time before anything happens. But if you just get to work, something will occur to you and something else will occur to you and something else that you reject will push you in another direction. Inspiration is absolutely unnecessary and somehow deceptive. You feel like you need this great idea before you can get down to work, and I find that’s almost never the case. – Chuck Close, via Marks.dk, via Quote.FM

Der Witz ist ja, dass das nicht nur eine Lebenseinstellung ist, die blockiert – dieses “Inspiration” sammeln. Es ist auch ein altbewährter Produktionshemmer in jedem Unternehmen, angefangen beim persönlichen Haushalten als auch in einer größeren Firma. Es gibt Menschen, die sind dafür bekannt, dass sie nichts auf die Reihe kriegen. Nicht weil sie dumm sind und nicht weil sie etwa faul wären (vielleicht aber ein bisschen), sondern weil sie auf einen Kick warten. Eine Idee, die sie reich/glücklich macht. Sie warten und verschwenden ihre Zeit, anstatt einfach mal aufzustehen und zumindest versuchen, auch stehen zu bleiben. Diese Menschen träumen und schwafeln meistens von großen Dingen, ohne jemals etwas umzusetzen. Niemand will so sein, und doch, so überkommt mich manchmal das Gefühl, sind die meisten so.

Ich unterscheide hier sehr kritisch zwischen “dem Streben nach Perfektion” und “dem Warten auf Inspiration”. Beide Situationen ähneln sich. Projekte umzusetzen, die konzeptionell nicht perfekt ausgearbeitet sind, das macht nicht oft Spaß und ist vielleicht auch nicht immer die ratsame Entscheidung. Aber darum geht es nicht. Es geht ausschließlich um Inspiration. Ich möchte nicht sagen, dass es nicht soetwas wie eine Muse, oder gar Inspiration gibt. Ich möchte aber behaupten, dass man sie sich erarbeiten muss, und das geht nur in direkter Auseinandersetzung mit Tätigkeit. Mit Übung. Inspiration darf nämlich auch nicht gleichbleibend sein, sie muss sich ändern und an verschiedenen Ecken und Orten gefunden werden, die man nunmal erschließen muss.

Ich stelle mir das wie in einem Videospiel vor: jedes Level an Arbeit führt zu einem neuen Level der Inspiration. Inspiration: eine Ansammlung an Wissen und Erfahrung, die man eben nicht geschenkt bekommt. Die Muse küsst dich nicht, wenn du nicht auf sie zu gehst. Wie Hitch schon sagte: 80% du, 20% ich. Oder, sorry für das Marketingbrainwashing, Nike: Just Do It. Anders ausgedrückt: Inspiration ist nichts wert, wenn man sie nicht umsetzt.

by yeahs in (Pop)Kultur


Lederjacken mit Hoodies, International Klein Bleu, der Schriftzug von Coca Cola in verschiedenen Sprachen, Larry Clark, der Geruch von frischer Wäsche, süßer Minztee, fette Katzen, Kinder mit dunklen Haaren und hellen Augen, sehr dünne blaue Kugelschreiber, Kreide, der saure Schock beim Reinbeißen in eine Zitrone, gerade Linien, Diplo, To Do Listen, Notizbücher in Lederbänden, karierte Boxershorts, Life of Pi, Kanye West, Explosm, Zahnlücken, Geigenspiel, der Sonnenaufgang im Robert Johnson oder in der Panorama Bar, das Klicken meines iPod Wheels, große Bibliotheken, der Geruch von Weed, lange Autofahrten/Busfahrten/Zugfahrten, das Zimmer von Julian, alte Postkarten, Aril Brikha, schöne Frauenhüften, das Geräusch von Skateboardrollen, die Akustik in Flughäfen, Burlesque, Bücher mit Widmungen, klebrige Körperflüssigkeiten, Mützen, Wörter wie “Backpfeife” und “Tattergreis”, ein Motorrad zwischen den Beinen, das Wort “Vienna”, Dessous, So Me, Darren Aronofsky, DT64, Polaroidbilder, Fußbälle, die Website von Vimeo, alte Campervans in Australien, das eine Surfbrett von Martin und Alex, Rucksackschnallen, vollgetaggte Sperrmüll-Fernseher, Sprüche auf Klowänden, Himbeeren, Portugiesisch, britische Höflichkeit, Batman Comics, Boarding Passes, Kokain, malaysische 5 Ringid Scheine, getrocknete Aprikosen, Asics Onitsuka Tigers, Ellen Allien & Apparat, HB Bleistifte, amerikanische College Notebooks, Weltkarten, Bass, Goldketten, Casio Uhren, T-Shirts mit Dreiecksausschnitt, to be continued

by yeahs in (Pop)Kultur

Ich bewundere Menschen, die in ihren Ambitionen und Leidenschaften auch eine berufliche Zukunft sehen, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dabei auch noch verdammt cool aussehen. Das gilt nicht für jeden Beruf, es gibt nämlich kein Universum, in dem Sportreiten oder Kunstturnen als “cool” bezeichnen werden könnte, aber lassen wir das.

Mein ganzes Leben lang wollte ich nichts anderes außer auf der Couch skommern und hin und wieder schlechten GV praktizieren, aber es sollte nicht sein. Ich musste mich einem unfairen System unterwerfen, Mathe und Physik lernen, mit den Opfern unseres Planeten zur Schule gehen und auch noch mit Firlefanzen wie Eltern und Religion und ganz furchtbar rücksichtslosen Männern ertragen. Also runter von der Couch, ganz bestimmt keinen GV und dem elendigen Leben nachgehen. Der einzige Pluspunkt bei dieser Qual war, dass ich anfing mich in Geschichten zu verstecken und irgendwann selber Lust hatte, Geschichten zu schreiben. Glücklicherweise habe ich die FanFiction-Phase eines jeden 12-Jährigen Autors übersprungen und bin direkt zum Bloggen gekommen. Und das ist sowohl der Anfang, als auch das Ende meiner künstlerischen Passion. Ich schreibe gerne auf, welch Pein und Höllenleiden meine Nerven zwingen, weil ich sonst meinen Kopf auf Beton aufschlagen würde. Nicht zu schreiben ist für mich wie für einen Heroin Junkie nicht zu fixen, wie Charlie Sheen nicht zu ficken, wie für Xena nicht zu fisten und wie für Guttenberg nicht zu fußnoten. Eine durstige Notwendigkeit also.

Das alleine sagt leider nichts über die Qualität meines Gekritzels aus; ich rede und reflektiere meine eigenen Texte nicht sehr gerne und mir fehlt die Geduld, die Ausdauer, die Motivation, daran irgendetwas zu ändern. Ich habe keine gesunde Beziehung zu Meta-Ebenen. Themen so lange in Wörter aufzulösen bis sie verschwinden ist wie so lange ein Wort laut aufzusagen bis es seinen Sinn verliert. Einigen wir uns auf die Tatsache, dass ich hier bin, weil ich hier sein muss, und ihr hier seid, weil ihr sonst nichts Besseres zu tun habt und weil ich gut aussehe.

Aber egal, wie sehr ich es brauche und liebe, mir fehlen Worte. Mir fehlen Sätze, ganze Konzepte, Strukturen. Ich kann viel über die Gehirnwindungen gestörter Menschen (also ich) philosophieren, aber ich kann nichts beschreiben, ich kann keine Situationen oder Momente oder Äußerlichkeiten in Worte fassen. Ich kann sagen, was ich denke; das kann jeder Stammtischbesucher. Ich kann keine Filme und keine Musik kritisieren oder reflektieren, weil mir Vokabeln fehlen und ich keine Metaphern finde. Ich fliege in den Urlaub und rieche und sehe unglaubliche Dinge und könnte bestimmt Romane darüber schreiben, aber tatsächlich kann ich es nicht. Ich höre und fühle und nicht ein Wort lässt sich finden um das für immer in Papier (oder in die digitale Alternative) zu prägen. So lange, wie meine Erinnerungen reichen, und dann… nichts mehr.

Also habe ich mir eine Kamera gekauft. Nicht, dass ich fantastische Fotos schießen würde, das meine ich nicht; deshalb auch meine anfängliche Bewunderung für Menschen, die in ihrer Freizeit etwas finden, was sie in ihrem Leben erfolgreich (also mit Anerkennung und ohne finanziellen Stress) integrieren können. Versteht mich nicht falsch; mein Drang, etwas zu fotografieren, hat nichts mit der Aussortierung meines kranken Kopfes zu tun, kompensiert also nicht die fehlenden Worte. Aber das Werkzeug der Fotografie ist wertvoll, unglaublich wichtig, um vielleicht, eines Tages, wenn meine eigenen Bilder schon verblasst sind, endlich die richtigen Worte zu finden…

Leider reicht alles nicht an die Farben und Momente und fantastischen Explosionen der Inspiration und Ästhetik meiner Kurzreise nach Marrakech heran. Dieser Ort ist toxisch und ansteckend in seiner Schönheit und in seinem Chaos. Obwohl ich selbst in Damaskus schon viele Male in der alten Stadt war und dort eher genervt war von herumlaufenden Hühnern und ständig pöbelnden Verkäufern, war dasselbe Bild mit einer Kamera verfolgt und mit einem ganz anderen Auge für die schönen Dinge ein komplett anderes. Auf einmal juckt es mich umso mehr, in den Mittleren Osten zu reisen und all die Dinge, die mich vorher so frustriert haben, weil ich sie nicht benennen konnte, für immer auf Bildern zu verbannen. Selbst, wenn sie auf Ewigkeiten in meiner Schublade (oder halt auf meiner Festplatte) zerrotten, das ist es mir wert. Und an dieser Stelle bedanke ich von ganzem Herzen bei meiner guten, alten Canon. Ohne sie hätte mir das alles nicht halb so viel Spaß gemacht (und aus Prinzip auch ein ganz spezielles Dankeschön an mein Moleskine).

by yeahs in Urlaub


Ich bin wieder zurück im Land, und bevor ich meinem Internet- und Schreibentzug gerecht werde, möchte ich einen aktuellen Seth Godin Artikel zitieren. Dazu muss man auch erwähnen, dass ich wirklich jedes Wort aus der Feder dieses Mannes nehmen und mir auf den Körper tättowieren könnte in voller Überzeugung, dass es sich um wahre Aussagen handeln; ja tatsächlich niemals mehr Wahrheit im Leben existiert hat. Seth Godin könnte der erste Mann sein, mit dem ich eine währende Beziehung führe und für die ich kein Ende absehen kann. Eine Quelle der Inspiration der es lediglich an Existenz fehlt.

“Art is what we call…

the thing an artist does.

It’s not the medium or the oil or the price or whether it hangs on a wall or you eat it. What matters, what makes it art, is that the person who made it overcame the resistance, ignored the voice of doubt and made something worth making. Something risky. Something human.

Art is not in the eye of the beholder. It’s in the soul of the artist.”

- Seth Godin, God of Words

by yeahs in (Pop)Kultur

Als ich das erste Mal den Film KIDS sah war ich jünger als die Protagonisten. Trotzdem war alles, was in der erzählten (und sehr intensiv erlebten) Geschichte für mich glasklar greifbar, und kaum so schockierend, wie es wahrscheinlich einst auf ein Kind in der Vorstadt vielleicht gewirkt haben mag.

Im MMK Larry Clarks Photografien zu entdecken war unschuldig, und obwohl ich den Namen selbst nie gehört habe, waren die Fotos ganz klar zuzuordnen, aus derselben Zeit, in dieselbe Situation, mit einem Unterschied: so viele Jahre später bin ich gerührt. Oder bis ins Mark erschüttert. Oder vielleicht auch einfach nur zergangen in Ehrfurcht, so richtig zuordnen lässt sich das nicht.

Zeithistorische Dokumente aus einer faszinierenden Ära voll mit Verlust, Spritzen und viel zu früher Ejakulationen in Schwarz/Weiß. Ich kann meine Faszination nicht in Worte fassen. Larry Clark.

Falls jemand übrigens weiß, wo ich eine große Version des Jungens auf dem letzten Bild (der rechte) herbekommen kann, bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.

by yeahs in (Pop)Kultur


Katschunk am dritten Tag. Immer wieder Katschunk. Der Zug rauscht geräuschlos durch grüne nasse Felder, an den Gleisen tauchen kleine Waldstücke auf, verschlammte Trampelpfade, dunkle, flache und kleine Staubecken, wahrscheinlich mit Kies am Grund und über die ich nicht nachdenke, weil der Zug es so eilig hat.

1. Mir schräg gegenüber sitzt ein rothaariger Junge, etwas jünger als ich, der den ICE-Waggon, in dem wir sitzen, mit penetranten Schweißgeruch tränkt. Er trägt eine Brille, löst ein Kreuzworträtsel in der BILD (oder einem Blatt, das so aussieht wie die BILD) und schlingt gierig an einem Salat in Einschweißtüte. Sein Handy klingelt und er redet Belangloses. Ich schaue aus dem Fenster und überspringe mit meinen Augen jeden erkennbaren Gegenstand, der sich in der bayrischen, verregneten Landschaft bemerkbar macht.

Hob mior n Guglschreibor von dir geklaut, hehe“, sagt der rothaarige Junge, der etwas laut im Wagon in sein Handy spricht. Sein Unterkiefer ragt leicht unter seinem Oberkiefer hervor. Er wischt sich die Nase an seinem Pullover ab, ich erkenne ihn in der Fensterspiegelung deutlich.

„Norr. In so vier Stunden“, sagt er. Er muss aus Naumburg kommen. Auf Wiedersehen, München.

2. Am Hauptbahnhof sitze ich in der Coca-Cola-Bar in der ersten Etage, gleich neben dem Kaffeehaus und dem Burger King. Man darf hier rauchen. Ich warte auf den Zug und trinke Coca Cola. Und rauche. Über der Bar hängt ein Fernseher, in dem in Endlosschleife alle Coca-Cola-Werbespots laufen, die anscheinend jemals gedreht wurden. Mir ist kalt, die letzten beiden Tage liegen mir in den Knochen.

Ich trinke aus, bezahle und habe einen kurzen Augenkontakt mit einer blonden, hübschen Frau, die Mitte Dreißig sein muss. Wir lächeln beide. Auf dem Weg zum Zug stelle ich fest, dass ich es mir noch immer nicht abgewöhnt habe, 15 Minuten für einen einminütigen Weg einzuplanen und so stehe ich mit meiner Tasche noch mal am Haupteingang und rauche noch eine Zigarette. Und verschenke zwei an einen betrunken Typen, der mir fast in die Arme fällt, während er mir mit seinem Bayrisch versucht zu erklären, dass ich das Gleis 26 meiden solle, wegen der Bombengefahr. Ich will nach Hause.

3. Der ganze dritte Tag ist eine verworrene Mischung aus grauen Wolken, schlechten Witzen, viel Hunger und Durst und einer halben Schachtel Zigaretten. Ich schwanke über die Flure der Messe, rede da mit einem Vertriebler einer Agentur, dort mit einem Marketing-Angestellten. Ich habe nicht übel Lust, das Sechs-Euro-Lachsbaguette hinter den Tresen zu feuern. Unverschämt, einfach unverschämt. Eine halbe Stunde lang sitze ich auf einem freigewordenen Hocker zwischen Anzugsträgern, die smalltalken und Tweets in ihre iPhones hacken. In meinem krawattenlosen Hemd wage ich es nicht mein Netbook rauszuholen. Ich schweige, habe Durst, verdaue ein Lachsbrötchen und weiß einfach nicht, ob es schon spät oder noch früh ist. Die Zeit bremst so stark. Es regnet. Ich denke viel und habe noch ein bisschen Restalkohol von gestern.

4. Der Tag vor Tag 3 klingt äußerst schön aus. Caro wartet an der Messehalle München um mich abzuholen. Ich telefoniere mit Christian aus Jena und er erzählt mir, dass er sich auch endlich A Serious Man von den Coen-Brüdern im Kino angesehen hat und das er ihn nochmal sehen muss um ein Urteil fällen zu können. Ich erzähle ihm, dass ich gerade in einem Vortrag saß, in dem drei leitende Angestellte aus drei Unternehmen ihre Penisse verglichen. Bis auf den letzten Referent, der sich kokserisch gab, wirres Zeug erzählte, während sich alle im Saal nach einer Weile anblickten und kicherten oder die Augen verdrehten. Mitten im Satz bricht er ab, blickt an die Decke, es ist muxmäuschenstill, alle starren ihn an. Es ist so awkward. Er saß schon bevor er ans Rednerpult ging auf seinem Platz und wischte sich mit einem Stofftaschentuch aus seiner Blazertasche die schweißnassen Geheimratsecken trocken. Dann setzte er wieder ein und redete wirr weiter. Ich verstand kein Wort, wie alle anderen. Immer mehr gingen und ich spielte am Ende mit dem Gedanken einfach aufzustehen und langsam immer schneller werdend zu klatschen. Er hat den sonst sehr interessanten Tag gut auf den Punkt gebracht.

5. Danach fuhren Caro und ich in die Innenstadt, ich musste nur an Essen denken. Mein Magen knurrte schon den ganzen Tag. In einer Bar oder einem Restaurant trinken wir Vodka-Lemon und ich esse eine übertrieben große Pizza, die so lächerlich groß ist, dass mir immer noch warm ums Herz wird – scheißegal wie komisch das jetzt klingen mag. Caro erzählt mir viel von sich und ich viel von mir. Und irgendwie habe ich permanent das Gefühl, dass wir beide uns verdammt gut verstehen und uns mögen und ich mich, ja, einfach nur wohl fühlte. Und dann gehen wir in die Favourit-Bar und keiner von uns wagte zu sagen, dass man schon im Großen und Ganzen total angetrunken ist, von dem Vodka-Lemon. Auf in die Favourit-Bar. Der Alkohol steht mir schwer im Kopf, Caro und ich lachen viel, während die kalte Luft und das Verlaufen in Gassen die Köpfe klarer zu machen versucht. DJ und noch einen Drink. Lallende Menschen, rotes Licht und wir betrunken, schweigend, lachend, erzählend, sitzend, dann wassertrinkend, wankend und dann zu Caro nach Hause. Der Tag vor Tag drei, heute, war schön und wir schlafen nach fünf Sekunden Liegen ein. Es hat Spaß gemacht. Der Kater wird kommen.

6. Der Tag vor dem Tag vor Tag drei endet abends, nach Feierabend im ICE nach München. Nur noch dreieinhalb Stunden fahren und dann München, dann Arbeit und vor allem Caro. Auf der Fahrt sitzen zwei Nerds neben mir, die in ihrem Gesicht geballtes Wissen über Web-2.0 und Videogames und Arroganz vereinen. Sie sind mir unsymphatisch und bilden eine Symmetrie mit dem rothaarigen, sächselnden Jungen, der mir jetzt während der Rückfaht schräg gegenüber sitzt. Sie reden nicht und spielen gegeneinander tragbare Videogames und schreien sich abwechselnd immer an, wenn der andere was Fieses gemacht hat. Ich möchte sie auf der Stelle ankotzen oder durchschütteln. In München wartet Caro am Hauptbahnhof auf mich und sie ist genauso cool, wie ich es mir dachte. Nett, ruhig, aber quasselnd. Ich mag sie sofort. In ihrer großen Wohnung sitzen wir in ihrer hellen Küche und lernen uns persönlich kennen. Ich sitze in einem abgespaceden, rotschwarzen Designer-Drehsessel aus den 60er Jahren und trinke erst Wodka mit Cola und dann Cola mit Wodka. Mir kommt es so vor, als sei ich hier auf Besuch anstatt aus beruflichen Gründen. Später schlafen wir viel zu spät für meine Planung des nächsten Tages ein und morgens quäle ich mich aus dem Schlaf. Es bleibt keine Zeit um noch bei Caro was essen zu können. Es wird bis zu der Pizza am Abend in der Bar so bleiben.

Es waren zwei, drei Tage in dem ich jemanden ein bisschen kennen lernen konnte, der voll auf meiner Wellenlänge liegt. Danke München, danke Caro. Und jetzt fahre ich heim. Müde und hungrig. Draußen dunkel. Katschunk. Immer wieder.

by B in Crystal Meth State of Mind


Manchmal rastet man einfach aus. Mit der Faust wird auf die harte, kalte Wand eingeschlagen, die all das symbolisiert, was einem im Weg steht. Frustriert blickt man nach diesem Anfall von blinder Wut auf seine Fingerknöchel und spürt nicht mal den Schmerz, den das verschmierte Blut vorschlägt. Betäubt.

Manchmal muss das auch einfach sein. Dann schreit man und dreht durch und beschimpft jeden und will sich undankbar fühlen, sich schwach fühlen, man heult und heult und man schämt sich nicht, wenn jemand einen entgeistert dabei beobachtet. Türen werden zugeschlagen, Porzellan zerschmettert, Gelegenheiten verworfen.

Es passiert. Es muss passieren, unweigerlich, und das ist okay, wenn man den richtigen Halt findet. Denn nachdem man alles Teller gegen die Tür geworfen, die Kabel aus der Wand gerissen und sich selbst die Haare ausgerauft hat, dann zählt nur, wer am Ende beim Aufräumen hilft und die Tränen von den Wangen wischen kann. Vielleicht wird nicht alles gut am Ende, vielleicht leben wir nicht in dieser wundervollen Welt, wo alles gut werden kann. Aber es macht es leichter, wenn man nicht alleine den Scherbenhaufen zusammenfegen muss, den man angerichtet hat.

Halt. Familie, Freunde. Jemand, der festhält. Nicht nur im Nachhinein. Nicht nur, wenn alles schon explodiert ist, nicht nur, wenn man dazu einlädt, nach der Katastrophe dem Opfer zu helfen. Es wirkt auch schon davor, wenn man davon absieht, Dummheiten zu machen. Wenn man sich den Konsequenzen bewusst ist, die man auch selbst als haltender Mensch verantworten muss. Wenn man vor dem Sprung schon festgehalten wird.

… so oder so ähnlich hätte es klingen können, aber ich hab die Worte nicht gefunden für das, was ich sagen wollte. Ich finde die Worte nie, bis ich einen Song höre, oder bis ich einen Menschen kennen lerne, der ein Wort benutzt, dass ich seit Jahren nicht mehr gehört habe. Ein Blinder in der U-Bahn. Ein zerfleddertes Buch, irgendwo auf der Straße, verlassen und dreckig. Tauender Schnee. Was weiß ich.

Manchmal fallen mir die Worte nie ein, weil es nicht immer richtig oder passend ist, ein Gefühl mit Worten auszudrücken. Manchmal ist es eine Melodie. Manchmal ist es ein Produkt, der Notwendigkeit entsprungen. Manchmal ist es ein Geruch. Manchmal ist es sogar ein Werbespot. Wo Worte versagen, sind es vielleicht die Bilder, die am besten ausdrücken können, was gemeint ist.

Es ist immer und immer wieder faszinierend zu bemerken, wie Inspiration und Kreativität funktionieren. Gerade nach Begegnungen mit Menschen, die sich in einer Welt voller Farbe und Fantasie befinden (und es auch als Lebensaufgabe ansehen, für immer in dieser Welt zu bleiben), die Kreativität zum Beruf machen und aus allen Momenten und Lebenslagen ihre Energie saugen, um Messages durch Bilder, Videos, Wörter oder schlicht und einfach kleinen Strichen auf Papier umzusetzen, sei es für die Kunst an sich oder für ein Produkt, gerade dann wird meine Ehrfurcht dem menschlichen Geist gegenüber nur noch gesteigert. Wie ist das möglich, dass dieses kleine Video mich endlich dazu bringt, einen Gedanken, der noch nie so aktuell, allerdings auch nie greifbar war, nieder zu schreiben? Was passiert mit der Inspiration, wenn man sich selbst inspirieren lässt– wird sie in Form von Energie weitergegeben, ist es ein endloses Momentum, oder nur ein kurzes Blitzlicht, ein Fingerjucken, unwichtig, belanglos, nur mal ganz kurz angewendet und dann verschwunden?

Halt. Inspiration. Für mich ist das mittlerweile auch synonym, so abwegig es scheinen mag. Aber wenn mal niemand da ist, der einen festhält, ist es vielleicht die eigene Fantasie, die eigene Naivität, und der eigene bunte Kopf, der einem den Rückhalt gibt, den man benötigt…

Fever Ray ist das musikalische Pendant zu jedem Psycho-Horror-Film, der euch je zum zittern gebracht hat. Psycho. Der Exorzist. Dirty Dancing. Wer sich bei Karin Dreijers Stimme nicht zu seiner Mutter unter die Bettdecke verkriechen will, der hat als Kind bestimmt auch die Nachbarskatze gequält und den größten Spaß daran gehabt, fette Kinder zu verprügeln.

Fever Ray - sieht aus, als würde sie Möpse grabschen wollen

Das Soloprojekt der Schwedin kommt meiner Meinung nach zwar noch nicht mal ansatzweise an das glorreiche “The Knife” Projekt heran; aber vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, diesen Anspruch zu stellen. Mir gefällt Fever Ray in dieser schaurigen Gruselmärchen-Manier, und ich hoffe, dass dieses Projekt auch fortgeführt wird. Und weil es so schön ist: das bereits erschienene Album, “Fever Ray“, wird bald noch mal als Deluxe-Edition aufgelegt. In dieser Auflage finden sich zwei Cover, “Stranger Than Kindness” (Nick Cave & Anita Lane), “Here Before” (Vashti Bunyan), sowie eine Bonus Disc mit voller Liveshow und einer DVD mit allen bisher veröffentlichten Fever Ray Videos.

Vanity Fair hat exklusiv das Video zu “Stranger Than Kindness” ergattern können, aber weil das Medium absoluter Scheiss ist und ich soetwas nicht auf meinem Blog einbinden will, gibt es nur den Link- in jedem Fall ist das Video genauso sehenswert und düster wie die Vorgänger.

Diese Gelegenheit werde ich trotzdem nutzen, nämlich für einen anderen großartigen Song, erschienen im Jahre 2003, der mich nicht nur im Wesentlichen The Knife hat lieben lassen, sondern die Grundlage für meine Minimal/Techno Obsession wurde und den Weg in eine unglaublich schöne (und schmerzhafte) Freundschaft ebnete. Und an diese Zeit erinnert mich “Pass This On“. Dafür danke ich Schweden: mitsamt Ikea, H&M und The Knife.

by yeahs in Musik


Während ich vor einiger Zeit von Opera zu Chrome wechselte, um schneller surfen zu können (und zwar um einiges), habe ich natürlich nie die Gefielde von Firefox verlassen. Mit dem aktuellen 3.5 Release bin ich im Großen und Ganzen zufrieden, obwohl ich den Browser wohl nie wieder aufmachen würde, wenn es nicht um die Extensions wäre (die ich auf der Arbeit sehr dringend benötige).

Bei einer Sache könnte ich aber ständig ausrasten: Videos anzuschauen, gerade über YouTube oder Hulu, ist unmöglich, ohne dass der Film ständig ruckelt. Ich meine damit nicht den üblichen Buffer oder die lahme Internetverbindung, die verantwortlich gemacht werden sollte, sondern ein Ruckeln, welches tatsächlich vom Browser ausgeht. Heute habe ich gelernt, wieso das passiert, und wichtiger, wie man das beheben kann.

firefox

Firefox macht alle 10 Sekunden ein Tab Backup. Deshalb ruckelt das Bild auch alle 10 Sekunden. Man kann diesen Intervall aber verlängern, wenn man dieses Backup für unnötig hält.

  • In der Adresszeile des Firefox “about:config” eingeben (die Warnung dürft ihr zwar ernst nehmen, aber in diesem Falle kurz ignorieren)
  • browser.sessionstore.interval” im Filter eingeben
  • Den Eintrag doppelklicken und die bisherige Nummer um eine Null ergänzen (von zehntausend auf hunderttausend)