"Girl gone wide."


Info

Posts tagged internet

Trashy Look & Feel von Webseiten, exzessiver GIF-Konsum, bald wieder Marquee-Tags und ganz selbstverständlich: schlecht aufgenommener Sound brillanter Künstler, die mutig genug sind ihren Musik-Fetisch in Rohform bereitwilligem Publikum vorzuspielen. Manche haben dabei Erfolg und gehören fortan zu der Elite einer unantastbaren Bewegung, die vor Energie und Innovation und Potenz strotzt und nur darauf wartet, ganze Strömungen zu prägen.

Das neue H∆SHTAG$ Konzept der Red Bull Music Academy vereint all die blinkenden Codes, mit denen sich der Connosseur der Generation Internet gerne brüstet, um das Offensichtliche noch offensichtlicher zu zeigen. Diese Web-Doku trägt völlig unironisch Vans mit Leo-Print und trinkt Hustensaft zum Party machen, SO zeitgeistig ist sie.

(more…)

by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Leider nur ein Buch und kein Rap-Album geworden: Dackelkrieg.

Wer Ada Blitzkrieg nicht kennt, der hat schon verloren. Die witzigste Hundeschnauze im Web 2.0 hat nun ihren Debütroman auf virtuellem Papier niedergebracht und kehrt ein in die Hall of Fame derjenigen, die vom Blogstein bis zur Skyline hinaufgeklettert sind. “Dackelkrieg: Rouladen und Rap” heisst die Bibel der Hundephilosophie und ist eine Ansammlung von sprachlichem Wortwitz und amüsanten Hunde- und Alltagsbeobachtungen.

(more…)

by yeahs in (Pop)Kultur

Die “(Fashion-)Bloggerszene” (ich kotze) von Berlin findet sich selbst so wichtig, dass sie nun mehrere Blogs hervorzaubert, die diese lächerliche Wichtigkeit vorführen. Leider haben die meisten Progatonisten der vermeintlichen Szenen dadurch nur das Gefühl, sich noch ernster nehmen zu müssen. Das hat man davon, wenn Karl Lagerfeld, Rihanna und Chris Brown jeweils für 3 Minuten in Berlin sind.

(more…)

by yeahs in Berlin


Wo ist eigentlich auch der Unterschied zwischen “es möglich gemacht bekommen” und “absoluter sell-out sein”? Sponsored Partys, weil man seine Message in die Welt schreien möchte: Markenname auf der Flasche und Umsonst-Werbung für den “Enabler”. Das kenne ich noch aus meinem Abiturjahrgang, da haben wir das ganze Dorf abgeklappert um Leute zu finden, die gegen einseitige Anzeigen in unserem ABI-BUCH (!!!!) den Druck springen ließen. Ich setze die Anführungszeichen da nicht ran, weil ich das System selbst so erschreckend finde, sondern weil es lediglich ein bisschen stillos ist. Ich meine, ich hab auch nicht in einem armen Dorf in der Nähe von Bratislava gelebt, ich komme aus einer westdeutschen Kleinstadt wo jeder zum 18. Lebensjahr erstmal eine neu geleasten VW Golf vorgesetzt bekommt und pünktlich um 19 Uhr zum Abendessen nach Hause muss, zumindest in der Welt meiner Oberstufe. Da, wo ich als Quotenausländerin immerhin noch so viel Dekadenz besaß mich dafür einzusetzen, dass wir doch bitte andere Möglichkeiten für den Druck finden als irgendeinen Dulli-Bäcker aus der Einkaufspassage mit sozialem Druck zu nötigen.

Jedenfalls war die ganze Diskussion für mich sowieso gestorben als unser Abimotto gewählt wurde (AbituriENTEN). Heute lebt diese Diskussion in mir wieder auf, denn ich befinde mich in einem Strudel des Werbe-Sogs: man wird gefördert (durchaus auch mit finanziellen Mitteln… meist aber eher nicht), um ein T-Shirt des Förderes zu tragen, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Im Sport eine sehr angesehene Sache, übrigens. Im persönlichen Bereich möchte ich da gar nicht näher drauf eingehen, denn bisher lief es auf “eine Hand wäscht die andere” hinaus und ich möchte behaupten, dass meine persönlichen “Profite” immer hoch genug lagen dass ich mich nicht ausgenutzt fühlte. Und falls sich hier einige höchst beleidigte Leser angesprochen fühlen sollten auf diesen ganzen Nissan-Kram und vielleicht etwaige andere Werbe-Leistungen, die zum Beispiel auf diesem Blog getätigt wurden: macht euch mal locker, esst mal ein leckeres Eis, habt Spaß am Leben, denn den habe ich auch. Gegen Kritik sei nichts einzuwenden, aber ich glaube hier nahm bis jetzt kein Fremdkörper die Überhand und ich lege größten Wert darauf, immer ein nettes Experimentierfeld zu haben. Dennoch: es gibt Angebote, die will man nicht ausschlagen, weil sie einem Traum gleichen. Traumjobs, zum Beispiel.

Als ich meine Weltreise 2010 startete, ging ich mit eigenem Geld los. Ich hatte hart und ehrgeizig gespart, bin ungefähr 8 Monate auf Tour gewesen und zufrieden wieder in Berlin angekommen, auch wenn ich letztendlich nicht die ganze Welt gesehen habe. Heute würde ich das nicht mehr machen. Das ist zu viel Geld für zu wenig Komfort. Ich erwarte keine fünf Sterne Design Hotels, nicht nach den Holzpritschen in Bangkok; aber wer die Welt sehen will, muss entweder Reisejournalist sein, sehr niedrige Standards und viel Zeit haben oder die Gelegenheit nutzen, wenn man seine Leidenschaft (das Schreiben oder Fotografieren) mit einem gewissen kommerziellen Erfolg bündeln kann. Die Buh-Rufe kommen selbstverständlich, auch wenn ich mir heutzutage darüber keine Sorgen mehr mache. Ich weine immer noch einer gewissen amerikanischen Laxheit hinterher, die hier trotz Internet-Globalisierungs-Kommunikations-Gedings niemals angekommen ist. Wer Inhalte scheisse findet, darf sie gerne scheisse finden. Wer Inhalte scheisse findet weil sie an Geld gekoppelt sind, der soll es bitte selber und anders besser machen, wenn er wie ich sechs Kinder mit dem Namen Ahmadullah Mohammed Al-Rahman al Rahim zu pflegen hat und das nächste schon im Anmarsch ist. Just kidding. Aber wenn ich damals die Weitsicht, die Zeit für die Arbeit und die Geduld gehabt hätte, dann hätte ich es sofort anders gemacht. Mir den kleinen Ausflug bezahlen lassen im Tausch gegen Extra-Absätze (wir reden hier jetzt auch nicht von gebrandetem Urlaub, sondern von Jobs).

Worauf ich hinaus will: wenn man Dinge sowieso gerne machen würde, es aber alleine – also ohne die Anzeige des lokalen Bäckers aus der Einkaufspassage – nicht schafft, muss man sich dann dafür ein bisschen schämen? Ist das tatsächlich ein Sell-Out, oder wäre es verkappter Idealismus und ein bisschen Torheit, wenn man es für einen Sell-Out halten würde? Wie bereits erwähnt: in dieser Welt mache ich niemanden mehr den Vorwurf, in kommerziellen Rahmen zu denken und zu handeln. Please Dear God, gerade im Internet werden so viele Möglichkeiten gegeben, da möchte ich niemandem im Wege stehen. Das heißt aber nicht, dass ich die Inhalte gut finden muss, denn darauf kommt es letztendlich an. Für mich verhält es sich so: lieber lasse ich mir einen bezahlten Post oder Artikel zu einer chinesischen Wandergruppe auf einer verlorenen Insel vorlesen, der GUT ist, als eine lieblose Ansammlung an Fakten und zusammengewürfelten Bildern, die von Werbebannern umrahmt werden. Es ist eine gewisse Balance, es ist aber auch persönliche Präferenz. Whatever.

Ich denke über all das nach, weil gerade das Video vom Diplo-produzierten FKI Video “I Think She Ready” veröffentlicht wurde und man in diesem interaktiven Spektakel kleine Shopping-Links finden kann. Die Verknüpfung zu meinen unsortierten Gedanken überlasse ich euch.

(Das auch nur so, falls sich jemand mal gewundert hat, worüber ich eigentlich den ganzen Tag beim Musik hören nachdenke)

by yeahs in Gangster Musik


Wer sagt mir eigentlich, was sich lohnt, und was aussichtslos ist? Wer ist überhaupt berechtigt dazu, mir zu sagen, was ich tun sollte und was nicht? Wer kann mein Werk – nicht meine Arbeit, sondern mein Werk – tatsächlich so beurteilen, dass ich es ernst nehmen kann? Wessen Kritik sollte ich mir anhören – und was ist die Kritik eines einzelnen wert, wenn dafür tausend andere unkritisch Beifall klatschen?

Wer hat Exzellenz, die Brillianz, aber auch die Fähigkeit, die Bildung, solche professionellen Urteile zu fällen, die einem den Grund unter den Boden nehmen und klipp und klar vermitteln: du solltest lieber etwas anderes tun, denn du bist keine Bereicherung für a) die Gesellschaft und b) für deine individuelle Gegenwart. Oder auch: genau das, was du tust, ist das, was wir brauchen. Es ist eine positive Änderung, oder mindestens eine Erweiterung, ein Aufbau, eine Glanzleistung- vielleicht einfach nur “berechtigt”.

Wie viele Menschen können ein architektonisch und handwerklich einwandfreies Haus erkennen und beurteilen? Wie viele Menschen können in einer Jury sitzen und die Figuren eines Klippenspringers nach Konzept, Umsetzung und Ästhetik einschätzen? Viele Menschen können sich begeistern. Sehr wenige haben ein geschultes Auge. Und wie notwendig ist ein geschultes Auge eigentlich? Warum sollte es eine Bestimmungshoheit über Kultur oder Kunst geben, wenn uns die Demokratie in die Wiege gelegt wird? (Vielleicht, weil es auch eine Bestimmungshoheit darüber geben sollte, wie man ein Flugzeug fliegt oder ein Haus baut. Weil Menschenleben, aber auch die Art menschlichen Lebens, auf dem Spiel stehen)

Auf wen muss ich hören, wenn ich frage: sollte ich schreiben? Auf meine Freunde? Auf meine Leser? Wer sind diese Menschen, warum finden sie das, was ich mache eigentlich gut, und warum zählt ihre Meinung, und wenn nicht ihre, wessen sonst? Wie viel Gehör hätten meine Worte bekommen, wenn diese unmittelbare Do It Yourself Möglichkeit des Internets nicht gegeben wäre – wie viel hätte ich geschrieben? Wie viel Brillianz und Intelligenz gehen unter, weil sie nicht den populären Geschmack einer Masse treffen – wie viele Trial & Errors darf man sich erlauben, wenn man kein Fachgebiet, sondern nur ein “Hobby” hat?

Wir reden von Professionalisierung und Paradigmenwechsel, aber kaum einer spricht mehr von Authorität und Elite. Die Frage, die sich stellt, ist ob durch diese Umstrukturierung unserer Kreativwelten auch unser Anspruch verwaschen wird. Ob das generelle Halbwissen, welches jeder hat, das gänzliche Fachwissen eines einzelnen egalisiert. Gibt es einen Weg, beide, sich gegenüberstehenden Welten zu vereinen?

Viele Gedankenanstöße kamen bei der schwedischen Gegenwartsaufnahme “Press.Pause.Play.“, viele Fragen wurden in den Raum geworfen, nicht viele wurden beantwortet. Es bleibt spannend, sowohl gesellschaftlich als auch aus individuellem Standpunkt. Dieser Film hat großartige Standpunkte zu vielen Themen der digitalen Welt zusammengesucht und Menschen sprechen lassen, die sich dieser Welt bedienen. Unabhängig von den Inhalten ist er auch wunderschön gemacht. Wird hiermit ans Herz gelegt.

(Merci an Roitsch & Nico für die Empfehlung)

by yeahs in Ohne Worte


Alleine die erste Singleauskopplung des neuen Rihanna Albums zu hören war schon eine kleine, nun ja, bedeutsame Epiphanie (wenn auch nicht unbedingt eine positive). Ich denke, “We Found Love” ist im Lichte aller US-amerikanischer Musikentwicklung der letzten Monate ein perfektes Beispiel für den seelenlosen Untergang der letzten vertrauenswürdigen Bastion: Pop.

Ich habe meinen größten Spaß daran zu beobachten, wie sich Untergrund-Elemente der Musik plötzlich in den Mainstream schleichen, von talentierten Produzenten benutzt und ausgeschlachtet werden und inflationär in jeden (Pop) Song gepackt werden, der sich anbietet. Letztendlich ist vielleicht genau diese Methodik die richtige, um eine Entwicklung (egal ob in Form eines Revivals der 90s oder einer kontemporären Dubstep-Formel) voranzutreiben. Nur: was passiert, wenn auf einmal nicht nur musikalische Elemente des Kompositions-Bausatz ausgetauscht werden, sondern ein ganzer Lifestyle herum konstruiert wird?

Genauer gesagt werden gerade Kulturen auf ganz neuen Ebenen vermischt, die dann von der Musik repräsentiert werden. Wieder würde ich das Internet als Kommunikations- und Ideenkanal dafür beschuldigen, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Vielmehr steht eine ganz gewaltige und unüberwindbare Frage in meinem Kopfraum: Was zur Hölle machen die Amerikaner da?

Calvin Harris produziert einen Song von Rihanna, die in ihrer Person zumindest bis dato für eine Neu-Erfindung der Popmusik stand. Songs wie Pon De Replay oder Umbrella waren unverkennbar Pop und gleichzeitig in ihrer Finesse neu und erfrischend; “We Found Love” hingegen ist – und wir haben hier nicht mal im Ansatz angefangen, über das Video zu reden – vielmehr einer untersten europäischen Schublade entliehen. Die seichten Lyrics waren für einen kitschigen Einstieg in die Gute Laune irgendwie zu erwarten. Alles andere erinnert weniger an einen (und das war ja scheinbar das auditive Ziel) Warehouse Rave als an die Hintergrundbeschallung einer Dorfkirmes, Hauptattraktion “Breakdancer”, der mit “WOLLT IHR NOCH MAL SCHNELL-EEEEEEEEEEEER?” kommentiert wird.

(Das Video ist in Deutschland nicht verfügbar, falls also der Vimeo-Upload bald nicht mehr funktioniert, müsst ihr mal selbst danach googeln)

Nachdem die USA in den letzten Jahren mit all ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fehlbarkeiten sich selbst gegeißelt haben und von Europa, dem Mittleren Osten und gar China und Russland als “der kränkelnde Rechthaber” verurteilt wurden, blieb ihnen ja nichts anderes übrig und unter der schweren Last der Wahrheit zusammenzubrechen: wir sind ein Volk ohne Werte, ohne Charme, ohne Stil und ohne Geschmack, alles, was wir können ist Dinge groß ziehen, Sachen kopieren und sie so lange aussaugen bis wir nur noch einen leeren Corpus zurücklassen. Und so schaute man plötzlich nach Europa rüber, um sich inspirieren zu lassen. Der Hipster, der selbst ernannte König aller Kultureliten, reicht in den USA aber leider nicht an die Fähigkeiten eines Franzosen oder eines Engländers heran, denn Kultur, so Leid es mir tut, kann man sich nicht klauen. Man kann sie in einem abgespeckten Paket kaufen und sich dann darin suhlen.. das hat sich auch Rihanna gedacht.

Vintagebriese und Konfettistimmung: “We Found Love” hätte auch mit einem Dubstep-Edit von Skrillex nicht punktueller sein für die zeitgenössische Art, sich an der europäischen Elektro-Dance-Techno Szene zu orientieren. Leider wirkt das Ergebnis für alle (außer für die anscheinend weltfremden Amerikaner) eher befremdlich. Wenn Rihanna, eine der (international) erfolgreichsten Künstlerinnen der Pop Musik, sich an Produktionen herantraut, für die sogar Blümchen sich schämen würde, was passiert dann folglich mit uns? Waren es nicht sogar bisher die Deutschen, die sich hauptsächlich in ihren Charts an die Auswahl des Billboard Magazines gerichtet haben? Wird das jetzt ein Teufelskreis? Wird der “Trancey Keyboard Stargate” Rave wieder zu uns zurückkommen, weil die Popmaschinerie über dem Atlantik es für sich “neu erfunden” hat?

Ich frage mich, ob die Teenager aus NYC und LA verstehen, dass der Rave in Rihannas Video so nicht stattfindet. Man kotzt von einer Überdosis leider keine lustigen Zirkusfarben und man sieht nach dem Feiern leider nicht so gut aus. Die Spielautomaten klingeln dann nicht nach und die Zigaretten schmecken auch nicht gut. Muss ich mir Gedanken darüber machen, dass das Video an Requiem For A Dream angelehnt ist? Muss ich mich ärgern, dass die Kids leider wahrscheinlich nicht verstehen werden, dass es sich hier nicht um ein harmloses Trainspotting handelt? Ist die Ästhetik im Film nicht eigentlich auch schon vier Jahre alt und was ist das jetzt, ein Werk mit FFFFOUND-Ästhetik, oder eines, das für den überheblichen, elitären Europäer eine schlechte Kopie einer von Anfang an schlechten Idee war? Ist das jetzt noch Retro-Pop, oder ist das außerordentlich bescheuert? Sind Festivals in den USA jetzt in? Will man sich jetzt MDMA und Speed schmeißen, um wie in den Londoner Clubs abzugehen?

Irgendwo in mir brodelt die Hoffnung, dass die USA schon bald wieder ihre Souveränität auf dem internationalen Politikparkett wiederfinden, um vielleicht auch ihr popkulturelles Selbstbewusstsein wieder anzustacheln. Mehr Hip Hop aus Compton, bitte, mehr Indie Rock aus Seattle und mehr Popmusik aus Miami, aber eine ganze Zielgruppe zu entwickeln, die sich gehirnlos in nicht-existierende Kulturen verliebt, das ist nicht nachhaltig. Und nur weil sich die Inspirationswege verkürzt haben, heißt das ja nicht, dass man jetzt auch alles machen muss, was die anderen machen. Das soll mal weiterhin den Deutschen überlassen werden.

by yeahs in Musik


Wir müssen jetzt das als Wahrheit annehmen, was wir bislang nur vermutet haben (und mit “wir” meine ich hauptsächlich mich und meine Filzläuse): wir werden medial gespalten. Die Welt besteht nun aus zwei Lagern, denjenigen, die sich noch von Fernsehen und Radio und damit der kulturellen Geschmacklosigkeit zuballern lassen, und denjenigen, die im Internet ihre Heimat gefunden haben. Sie beißen sich im Archiv aller Möglichkeiten fest, um altes zu neuem zu machen und im Zuge dessen auch zu revolutionieren. Auf internationaler Ebene, eben im Internet.

Interessanterweise hängen beide Stränge aber untrennbar miteinander zusammen, denn die “Trends” kommen eben aus dem Internet (s. Lovestep Nation, oder: wie Dubstep sich in zwei Richtungen entwickelt, einmal nämlich in Richtung melodischer R&B und IDM, und ein einmal in “How Much Is The Fish” Verstümmlung), werden später aber potenziell genutzt, um ein Genre oder eine Bewegung kommerziell groß aufzublasen (und wieder so glatt zu produzieren, dass all das, was mal individuell und interessant daran war, kaputt gestampft wird).

Aber das sind nur einige Gedanken, die mich zum 90s Hip Hop Spirit bringen sollten, es leider aber doch nicht tun. Mein Punkt war eigentlich: auch Hip Hop entwickelt sich gerade in tausend plus fünf explodierende Richtungen. Man, wie wir alle dachten, dass der Old School tot ist und es nur noch um Titten und Fuffis um Club geht. Und ey, das gibt’s ja auch noch, und das wird auch immer größer (meistens in Kombination mit ekligem Rave-Shit), aber die Alternative dazu war bisher nur ganz langsamer, monotoner und irgendwie gleichbleibender Conscious Rap. Es zählte bislang nicht mehr, wer am geilsten rappen und schreiben konnte und einen krassen Flow draufhatte, sondern wer am besten aussah, das optimale Zeitgeist-Image vertreten konnte und die besseren Producer hatte. Das alles nehme ich niemandem übel, aber es ist durchaus Zeit für eine weitere Kategorie an Talenten, die all das kombinieren können.

Enter Nitty Scott MC (ICH MEINE SIE HAT DA EIN “MC” STEHEN, DAS IST WIE SICH SELBST EINEN DOKTORTITEL GEBEN, NICHT MAL DAS MACHEN DIE RAPPER VON HEUTE NOCH!), die ich ohne Probleme neben solche Vorzeigekandidaten wie Kendrick Lamar und Earl Sweatshirt stellen kann. Denn es geht eben nicht nur um die fettesten Beats und die krasseste Show, es geht auch um ein Gefühl für den Sprachgesang, um eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit Themen, um einen schlagfertigen Charakter in der Stimme, irgendetwas, was sie von der trüben Masse der Spaßrapper hervorhebt. Und ich meine jetzt gar nicht: lasst uns alle wieder Dead Prez sein und nur noch von Politik und gesellschaftlichen Zuständen singen, denn auch das ist eine ignorante Schiene, die ich langweilig finde. Im Gegenteil: ich will alles. Das ganze Paket. Ich will Feuer, ich will Potenzial, ich will krasse Töne und krassen Flow. Natürlich gehört auch ein Vorreiter wie Lupe Fiasco in diese Liste, aber ey, logo, das ist genau das was ich meine: er hat es mal so weit gebracht, jedem die Stimme zu verschlagen, dann wurde er in die Mangel aller wichtigen Geldmacher dieser Welt genommen und zack, das letzte Album war ein Flop, weil es sehr, sehr weit weg von dem war, was er einst konnte. Ich nehme ihm das nicht übel- das ist der Verlauf der Dinge.

BB: I ask this questions seriously because you brought up a good point when you described that people suggest collaborations. Do you feel the industry yet?

NS: Oh, yeah, definitely. I get hit with it all the time. I get a lot of feedback that’s like, “Yo, you’re dope. I love your sound. I love what you’re doing. But if you ever want to become a household name, if you ever want to become a megastar you’re going to have to do this.”

BB: Where’s that coming from? From your fans? From people in general? From Industry people?

NS: Not fans. I think it’s the industry approach to the situation because my fans specifically, I think they just love what I do. I don’t think they love me because they want me to get to “the next level.” I think they just appreciate it for what it is because my definition for success is not that. I’m here for longevity. I’m here to have a career. I’m not here for my 15 minutes. I’m humble about it and I get a lot of people that hit me with the industry [perspective], wanting me to switch up my whole style to be more mainstream and more commercial. That’s not my thing. I think an Emcee like myself, I think I can bridge gaps in a way that I can f*ck with the Underground and the Mainstream. I think the issue with an Underground artist getting to a certain height is that their sound and their message is going to be sacrificed. It’s not that we’re mad that you’re where you are. It’s more that when you get there, everything you sold us up until now gets thrown out the window. So, I feel like if you sort of make that promise to your fans like, “Yo, I’m going to be me. I’m going to stay true to what made you gravitate to me in the first place no matter where my career takes me. If you give them that security, you can go to the next level with your shit and not have to sacrifice anything because you’re fan base was built from the ground up. It wasn’t bought or sold or shoved down anyone’s throat. It was very grassroots from the bottom. They liked what I was doing. So the bigger it gets, it’s just getting bigger. It’s just being seen on a larger platform. It doesn’t mean that I’m switching everything up. There are ways to do that. Not every artist can break that mold without losing the respect of the Underground, but I think that I can do that. – (via)

Aber: ich fände es sehr, sehr schön, wenn sich dieser Trend, zurück zum Rap zu gehen, auch medial konstituiert und man zukünftig wieder damit Kohle scheffeln kann, ein einzigartiges Talent zu sein.

Nitty Scotty MC verkörpert da ja vor allem nicht nur genau meine persönliche Forderung (Authentizität, Talent, Durchschlagkraft und das Potenzial, kommerziellen Erfolg zu haben ohne gleich in den Pop-Wolf zu kommen), nein, sie ist erst verdammte 20 Jahre alt und dazu noch eine coole Frau. Sie wirkt tough und so, als wüsste sie genau was sie wollte. Das ist ‘ne Backmischung für den perfekten Kuchen. Jetzt fehlt nur noch die Aufmerksamkeit, aber an der zweifle ich keine Sekunde. Aber das eigentlich ein Kind die Wurzeln des Hip Hops aufspüren kann (im Internet), sich daran festbeisst und sie wieder hochbringt, das ist etwas ganz großes. Die Zukunft von (qualitativ hochwertigem) Rap & Hip Hop könnte gerettet sein, zumindest für mich.

(Übrigens gehe ich bei allen Beobachtungen nur von mir aus. Sicherlich gab es auch zwischenzeitlich herausragende Talente und es gibt sie bestimmt auch unter den besserverdienenden. Allerdings bemerke ich immer mehr, wie eben auch Freiräume für solche jungen Künstler geschaffen werden, die ihnen dienlich sind. Das finde ich gut.)

Vielen Dank an EeazyP für die Entdeckung.

by yeahs in Musik

Das Internet fragmentiert meinen Kopf und meine Seele so stark, dass alle populären Begrifflichkeiten von “Informationsrausch” bishin zu “Kuration” für mich in Sinnlosigkeit untergehen. Bilder, Videos, Musik, Worte, Zitate, Sammlungen, Geschmack, Fashion, Design, Ästhetik.

Früher einmal hat mich das alles berührt. Seltene Schönheiten in der Fotografie oder goldene Textstücke, die man nicht alle Tage auf den dreckigen Straßen des Netzes findet, sie haben mich inspiriert, beflügelt, angetrieben, bewegt dazu eigene Leistungen in diesen Rahmen zu bringen. Und ich sammelte all das, was mich (virtuell) erfüllte.

Leider übersteigt zur Zeit der inspirierende Content die Aufnahmefähigkeit. Stellt euch vor, all die schönen, glitzernden, bunten Dinge, sie verschwimmen zu einem Einheitsbrei und werden unverdaut wieder ausgeschissen. So machen es alle. Was übrig bleibt ist der bittere Nachgeschmack von Werbung, denn daraus scheint alles nur noch zu bestehen. (Fashion) Photography, Product Placement, DSLR Video Mini Stories mit Sponsoren.

Und weil das nicht genug ist zerstreut sich auch noch die Sammelkultur auf Plattformen, deren einziges Ziel ist eine Userbase aufzubauen die sich zugehörig fühlt um fortan ihre Musen (diese Musen sind übrigens alle Schlampen) mit anderen, gleichgesinnten Interessenten zu teilen. Tumblr ist dafür ein gutes Beispiel, auch wenn es sich als Blog-Sammelschubladen-Hybrid noch als ziemlich flexibel erweist. Wo einst der Sammelindividualismus war sehe ich aber heute eine strenge Community-Klausel (und manchmal auch elitär). Ffffound für Bildchen, Svpply für Produkte (oder halt Bildchen), Pinterest.. wieder für Bildchen, aber thematisch angeordnet. Quote.FM: für Zitate (und Texte, je nachdem), diverse Blogs, dann gibt’s ja auch noch Twitter, dann gibt’s ja auch noch tausend andere Möglichkeiten, zu sammeln, zu teilen, zu finden. Mein Feedreader explodiert vor Möglichkeiten. Kennt ihr dieses Wikipedia Ding, wo man anfängt was zu lesen und sich dann stundenlang im Informationsüberschuss verliert? Ich beschwere mich nicht darüber, dass es so ist, immerhin suche ich mir das ja selber aus und könnte mich durchaus von dieser endlosen Maschine der Ästhetik zurückziehen und mich auf das wesentliche konzentrieren.

Mich stört es nicht. Ich suche eben nur den einen Weg und bediene mich deshalb aller mir angebotenen Dienste. Und frage mich in diesem Sinne auch, wieso das alles so selbstverständlich passiert. Soll ich alle Produkte auf eine Liste packen, und die schönen Bildchen auf eine andere? Wieso führe ich überhaupt Listen, was werde ich später mit diesen Bildchen machen, oder mit den Videos, oder deren Inhalten? Bisher war es immer so, dass sie mich inspirierten, wie gesagt. Mittlerweile ziehe ich meine Inspiration aus den einsamen Momenten an meinem Ceranherd, während ich mir unspektakuläre Dinge koche, die auf keinem Foodie Blog dieser Welt zu sehen wären.

Vor allem aber: inwiefern charaktersiert uns dieses Verhalten, das scheinbar aus dem Internet entstanden ist? Ich sammel die gleichen Bilder wie alle anderen, ich mache mir da nichts vor, wenn hier jemand auf der Höhe des Zeitgeistes liegt dann ich. Nicht vorne, nicht hinten, auf der Höhe.

Ich finde es jedenfalls ziemlich interessant, dass um den Trend des “Sammeln und Teilen” herum schon Start Ups gegründet wurden, die sich genau darum kümmern sollen. Sie finanzieren sich dann wahrscheinlich über Werbung oder Placements, denn wem fällt es schon auf, wenn die Power User irgendwann nur noch Produkte / Fotos von Marken teilen, die dafür bezahlen?

Am liebsten ist ja jeder immer noch sein eigener Kurator, der sich von der Masse mit seinem geführten Museum abheben will. Mal sehen, wohin sich das noch entwickeln wird. Ich bin ja der Meinung das zu viel “Inspiration” auch eine Blockade sein kann. Ich merke es an mir selber, doch ich kann um’s Verrecken nicht aufhören.

by yeahs in (Pop)Kultur


Was ist Fotografie? Ist es ein Handwerk, ist es Kunst? Ist es eine Profession oder ein Hobby? Kann man damit Geld verdienen? Braucht man krasses Werkzeug, krasse, teure Teile? Welche Kamera ist der beste, welcher Film ist der coolste, analog oder digital? Warum fotografieren wir, was will ich mit diesem Foto sagen, oder will ich überhaupt irgendetwas sagen?

Ich fotografiere unglaublich gerne, von den artsy-fartsy Regentropfen, die nachts das Licht einer roten Ampel reflektieren, bishin zu den alkoholvergifteten Partyschnappschüssen, bei denen die Handykamera herhalten muss. Makro hier, Linse da. Es ist mir relativ egal. Ich sehe etwas, dass ich schön finde, mache ein Foto davon, und meistens gucke ich es mir für Jahre danach nicht mehr an. Andere Male gehe ich jedes einzelne Bild durch, um für meine tausend und zwei Projekte eine gerechte Zusammenstellung zu finden. Berlin macht es mir da leicht, und meine wunderschönen Freunde ebenso. Ich frage mich schon lange nicht mehr, ob ich “gut” bin; das ist eine unfaire Frage. Ich will nicht gut sein, für wen, oder für was? Wenn jemand meine Fotos gut findet, freue ich mich, aber das ist nicht das Ziel.

Ich beschäftige mich nicht mit dem neuesten Technikschnickschnack, manchmal will ich eine Wegwerfkamera, manchmal eine DSLR, manchmal auch gar nichts benutzen, um Fotos zu machen. Manchmal tue ich so, als würde ich fotografieren, um mich ganz besonders auf einen Moment aufmerksam zu machen, den ich in Erinnerung behalten will. Und das ist der Punkt: die Fotos ersetzen Erinnerungen, die verblassen oder sich auf festgefahrene Bilder versteifen. Sie erzählen eine Geschichte, nämlich die meines Lebens. Dementsprechend sind es auch diese Art von Bilder – Schnappschüsse, Momentaufnahmen, zusammenhängende Bilder, die ich am interessantesten oder aufregendsten finde. Ich will Menschen durch die Bilder durch entdecken, kennen lernen, mich wundern, was sie dort, wo sie waren, gemacht haben, wie sie heißen, wer sie sind. Wie man einen Roman liest, oder einen Film guckt. Ich will eine Story. Das ist alles. Und ich will eine Story erzählen – das bin ich.

Vielleicht gefällt mir deshalb der Just Missed Us Tumblr; weil es um Serien geht. Um Geschichten. Weil ich die Personen auf den Bildern irgendwie kennen lerne. Weil wir zusammen auf eine Reise durch Erinnerungen gehen. So ist das manchmal. Ich hoffe, dass ich eines Tages auf genau so eine Sammlung zurückblicken kann.

by yeahs in (Pop)Kultur