Ich versuche mich davon abzuhalten, in unsinnige Meta-Diskussionen über die Funktion, das Haltbarkeitsdatum oder die Sicherheit im Internet eingespannt zu werden. Es reicht mir schon, dass ich Berlin ständig aus der Vogelperspektive betrachten muss und mich selten richtig entspannen kann (wobei das durchaus auch nur meine eigene Schuld ist). Wenn mir jetzt auch noch das Internet genommen wird, weil ich es ständig als Medium und nicht als Realität ansehen muss, dann schneide ich mir die Pulsadern auf und saug mir mein eigenes Blut aus damit ich schneller sterben kann.
Wenn ich also im Feedreader irgendetwas zum Thema Internet oder Facebook oder Twitter sehe, klicke es schnell weg, überfliege es maximal, um nicht ganz außen weg zu bleiben. Durch die Arbeit muss ich mich schon oft genug über Infrastruktur und Marketing im Internet aufregen; privat will ich nichts damit zu tun haben. Ich möchte nur bloggen und googeln und facebooken und craigslisten und skypen und twittern und linken und streamen und flickern und readen. Ich möchte drin sein, daran glauben, es nutzen, es genießen.
Aber es gibt Momente – so wie dieser hier – wo ich auch das Gefühl habe, etwas sagen zu müssen. Gedanken ordnen. Ein wichtiger Punkt ist die ganze Privatsphären-Diskussion, die ich nur am Rande verfolgt habe. Eines hat mich dabei gestört, und ich möchte es hier an einem kleinen erzählerischen Beispiel darstellen.
Vor einigen Jahren meldete ich mich in einer Community für Drogen an, weil ich ein ungesundes Interesse an Biochemie und der Wirkung von synthetischen Mitteln hatte. Ich war damals kaum siebzehn Jahre alt, wollte mich aber in die Materie vertiefen. Diese Leidenschaft zerfiel zwar schon einige Monate später, als mein Chemiekurs in der achten Klasse nicht mehr lehrreich genug war, um mir bei den Formeln zu helfen, und außerdem war es Partysaison, aber die Community und einige ihrer Mitglieder wuchsen mir sehr ans Herz und so blieb ich zumindest in den Off-Topic Diskussionen und trug meinen Senf zu allem bei.
Nun war es aber auch so, dass man als Sechzehnjährige nicht unbedingt oft ernst genommen wurde. Egal, was ich sagte oder meinte, ich wurde mit gemeinen und überflüssigen Sprüchen angetrollt. Da wir uns aber hier im Schutz des anonymen Internets befanden, und ich mich nicht einfach so fertig machen lassen wollte (lies: ich unbedingt dazugehören wollte), heckte ich einen cleveren Plan aus: ich erschuf eine neue Person, eine ältere Person, jemand mit Profil, jemand mit Charakter.
Und es machte mir unendlich viel Spaß. Und plötzlich war ich jemand anderes. Und ich schrieb ganze Bücher und Romane über mein anderes Leben. Es ist gut möglich, dass mich das davor bewahrt hat, auch in der Realität zur notorischen Lügnerin zu werden und irgendwann in die Klapse eingewiesen werden zu müssen; im Internet bin ich King, Queen und Staatsoberhaupt.
Fast Forward. Heute habe ich ungefähr 10 verschiedene Charaktäre, die ich im Internet bedienen könnte, wenn ich sie aktiviere. Zehn Personen, zehn Facebook-Profile, zehn Xing-Accounts, zehn Domains, unendlich viele Bilder, sieben verschiedene Blogs, acht Twitter-Accounts, Rezensionen und Empfehlungen von anderen, ausgedachten Menschen. Ich habe nie irgendetwas anderes getan als in Foren zu trollen oder mir Geschichten aus den Fingern zu ziehen. Es war meine Art, einen Film zu drehen. Als ich später noch lernte, wie man Google ausnutzt, um Suchergebnisse bestimmter Keywords zu beeinflussen, war es nur selbstverständlich, dass ich das auch tat.
Ja, es ist ein seltsames Hobby, das wahrscheinlich auch sehr viel über meine (echte) Persönlichkeit aussagt, wenn man sich damit mal auseinandersetzen will; wie vielschichtig und unterschiedlich diese erfundenen Personen sind kann ich gar nicht beurteilen. Es sind mehrere Geschlechter, viele Geschichten und Excel-Tabellen, die alle nötigen Informationen zu den einzelnen Personen beinhalten.
Keine Ahnung, was ich damit eigentlich anstelle, sobald ich im Urlaub bin. Ich werde wohl kaum aus dem Dschungel noch daran arbeiten wollen. Letztendlich ist das gar nicht so schlimm, wenn ich mich endlich davon trenne; es war ein interessantes und zeitfressendes Experiment, das mich zu nur einem Schluss kommen ließ: es geht nicht um Privatsphäre, es geht um Manipulation.
So logisch es erscheint, so wenig habe ich diesen Teil in der Diskussion bemerkt (vielleicht ist es an mir vorbei gegangen). Während sich also alle darum streiten, wer ihre Daten erhält und wo es gefährlich ist, seine Telefonnummer einzutragen, frage ich mich, was und wer im Internet überhaupt echt ist? Angenommen, ich nehme meinen Charakter und bewerbe mich mit seinem Profil und meinem Foto bei einer Firma: würde die zuständige Person mich daraufhin googeln, sähe es völlig so aus, als wäre ich legitim. So weit muss man aber nicht mal gehen, es fängt ja wirklich bei den Suchergebnissen schon an, wenn man nach einem Hotel, einem Produkt oder irgendetwas sucht, was man zu Geld machen könnte: die Suchalgorithmen sind geknackt, auf Platz 1 steht nicht mehr das beste Produkt, sondern die beste Marketingstrategie.
Mir ist es völlig egal, ob meine Daten im Internet herumschwirren; ein bisschen Reputationmanagement betreibe ich zwar auch (z.B. finde ich es furchtbar, meinen eigenen Namen mit dragstripGirl zu verbinden, weil das nicht unbedingt ein Vorzeige-Blog ist), aber es ist kein Weltuntergang, sollte ich da mal nachlässig werden. Ich weiß, ich weiß; das ist nicht für jeden so, und ich sollte das Recht haben, darüber bestimmen zu können, wer meine Daten bekommt, das unterstütze ich auch voll und ganz und fick diejenigen, die sagen, “aber wer etwas zu verheimlichen hat,…” Es geht nicht um das verheimlichen, es geht um Kontrolle. Nichtsdestotrotz ist die ganze Diskussion darauf ausgelegt dogmatisch zu behaupten, “die Öffentlichkeit ist gefährlich, weil sie echte Daten beinhaltet”, obwohl dem ganz und gar nicht so ist. Die Öffentlichkeit ist gefährlich, weil keiner mehr weiß woher diese Daten kommen.
Das merkt man an The Onion, und an 4chan, und am Trollen generell. So viel Lüge wird mit Wahrheit vermischt, weil sich keiner mehr die Mühe macht richtig zu differenzieren, und ich meine nicht nur die Profis – Journalisten – sondern auch den allgemeinen Verbraucher, der Google blind vertraut, der nicht weiß, dass seine Daten von 123people gescraped und überall hingekotzt werden; wenn er sich nicht darum kümmert, öffentlich zu sein und seine Daten dahingehend zu kontrollieren, übernimmt das halt jemand anderes, und jetzt sollte man sich mal fragen, was wahrscheinlicher ist: volle Absicherung der Privatsphäre, vom Staat garantiert, oder dass jemand einfach Daten zusammenklaut und selber davon profitiert. Auch ich habe mich “echten” Namen und Adressen bedient, und echten Fotos (mit neuen Namen), zwar ohne Hintergedanken, aber das kann ja jeder behaupten.
Ich weiß nicht, wieso mich das in diesem Augenblick so stark beschäftigt; letztendlich wurde wohl auch alles wichtige dazu schon viel besser gesagt und formuliert als ich es je könnte, falls also jemand einen guten Link kennt, würde ich mich über einen Kommentar freuen.
Meine Szene-Affäre hat sich dann wohl ausgezahlt, immerhin habe ich es auf den B-Promi Thron der BZ geschafft. Das bedeutet zwar auch, dass ich definitiv meine Authentizität verloren habe und mir der Jutebeutel, sobald ich wieder in Berlin ankomme, von den Cool Kids kreischend weggenommen wird…
Dogmatische Grundsätze eignen sich nicht für mich. Nicht virtuell, nicht real, nicht im Leben, niemals. Alles ändert und dreht und verformt sich in meinen Händen und die Bedeutung vieler Dinge nimmt gerade einen großen Anlauf um in ein Becken voller NICHTS zu springen.
So ändert sich das alles ganz schnell, und plötzlich wird aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft, aus einer Freundschaft eine Beziehung – zu zweit steht man dann da, sich an den Händen haltend, während die Menschheit, die Welt und alle ihre Bewohner im Zeitraffer hinter diesem Portrait vorbeigespult wird, völlig belanglos. Menschen kommen und gehen, gute Dinge und schlechte Dinge passieren. Aus einem kleinen Projekt, dass als Aggregator von Vorlieben dienen sollte, wurde ein persönliches Output und ein kleines Lager mit viel Platz für Erinnerungen. Und Erlebnissen. Und Liebe. Und vielvielviel Krimskrams.
dragstripgirl. restrealität. basti und nico (die nicht mehr da sind). freunde. spreeblick. republica. stammtische. ganz viel berlin. ganz viel frust. ganz viel musik. ARBEIT/WORKAHOLIC. ganz viel persönliches. das alles wurde hier aggregiert, in weniger als einem jahr. back to the future wurde back to the past. ein stück quarterlife-crisis, ein stück erwachsenwerden hier. immer mehr text, immer weniger inhalt.
die subtilität und das nichts-sagen wurden radikal vernichtet, obwohl ich beides so liebe.
Marcel fragte mal: was ist, wenn das, was man gestartet hat, nicht mehr das ist, was man will? Was ist, wenn man selbst nicht mitgewachsen ist? Und ich sage: dann mach ich es wieder so, dass es mir gefällt. So, wie es ich will. Hatte allerdings nicht gemerkt, dass ich’s dann doch nicht so gemacht hab. Weil es sich in Stein gemeißelt fühlte.
Ist es aber nicht. Ich weiß nicht, was hier in Zukunft stehen wird, ich weiß nicht, ob es diese Ankündigung wert ist. Vielleicht ändert sich nichts – vielleicht aber doch. Ich möchte nur sagen: es beginnen bald vielleicht zwei Reisen. Mit viel Beschallung und Belichtung. Vielleicht.
Auf einen Like oder Share Button klicken. Das machen wir jetzt schon seit Ewigkeiten. Wir finden etwas gut und im Kollektiv sind wir dafür verantwortlich, dass es populär wird. Danach lehnen wir uns zurück in der Hoffnung, dass irgendwer diese Popularität vermarkten und monetarisieren kann. Wir bezahlen mit unserer Zeit und mit unserer Leidenschaft, es ernährt zwar keinen Haushalt, aber dafür arbeiten wir ja indirekt. Meistens durch Werbung, manchmal durch volle Konzerthallen oder Merchandise. Und meistens klappt es nicht, aus so vielen Gründen- weil Werbung nicht geklickt wird, weil MP3s und Filme raubkopiert werden.
Es ist verdammt schwierig, bei einem so großen n an verfügbarer Kunst (im Internet) sein Geld auf abstrakte Preise (was kostet ein Datenhaufen?) aufzuteilen, Preise, die vor zwanzig bis dreißig Jahren vielleicht mal aktuell waren. Weil man damals noch nicht so schnell und so unmittelbar da war, wenn es einen neuen Song gab. Weil Reichweite über teure Marketingkampagnen erschaffen wurde, und nicht (oder selten) durch den Kontakt mit Fans. Weil heute alles im DIY-Verfahren möglich gemacht wird (think MySpace), und weil wir unsere Aufmerksamkeit auf so viele Dinge gleichzeitig aufsplitten können. Nur unser Gehalt kommt da leider nicht mit.
Ich finde ja, dass man bestimmte Stereotypen fälschlicherweise abhängig von der Rasse gemacht hat. Nicht, weil die Stereotypen selbst keinen auf Wahrheit tragen, sondern weil Rasse damit nichts zu tun hat- es ist eher der Outkast-Kulturkreis. Dort die Schwarzen, hier die Araber und Türken. Dieses Migrantending, welches dann seine eigene Kultur-in-der-Kultur (Ebonics, Deutschtürk – Kool Aid, Döner) entwickelt und zufälligerweise immer so ein bisschen den cooleren, ungezwungeren Eindruck macht.
Vielleicht mach ich das eines Tages mal professionell mit solchen hahnebüchigen Aussagen, Stereotypen-Studies nennt sich das dann. Ich bin dann immer die Expertin im Fernsehen, die die Schlagzeilen aus der Gala abnickt und erklärt, wieso welche Prinzessin aus dieser und jener Steueroase jetzt schon wieder dies und das gemacht hat. Moment, ist das ein anderer Job? Egal.
Was ich eigentlich sagen wollte: “White Whine“, mein neuer/alter Lieblingsblog, könnte auch “German Whines” oder “Der Grund, warum keiner die Deutschen mag” heißen. Ich zähle mich in diesem Fall übrigens als Deutsche, niemand kann so herrlich Jammern wie ich, wirklich. Gut, dass meine arabischen Eltern mich da immer ganz schnell zurechtrücken. “Iih, das sieht aber nicht sehr gesund aus.” “FRISS DAS SONST HEIRATEST DU EINEN HÄSSLICHEN HAARIGEN ÖLSCHEICH!!!” “Mhm schmeckt das gut!!!!”
Hier meine Lieblings-Weinereien:
I totally want the Ralph Lauren stuff that Team USA is outfitted in, but $400 for a shawl-neck cardigan sans cashmere? Please.
Um, pretty sure I said half sweet potato fries, half regular fries, not two-thirds sweet potato fries.
I’ve got so many different things going on in my life, I’ve run out of colors for gmail labels.
A little cut on my thumb is causing me tremendous pain when I try to use the trackball on my Blackberry.
I really need new music. I have 350 GB of nothing to listen to.
Sufjan Steven’s quirky song titles are stretching out my last.fm charts!
How come no one ever “likes” my blog posts in Google Reader?
this charmin ultra-soft mega roll of toilet paper does not fit in my toilet paper holder.
Es ist so unfassbar schwierig, etwas über eine Konferenz zu erzählen, an die ich kaum Erwartungen gestellt habe außer “Gleichgesinnte treffen”. Es ist vor allem schwierig, weil ich selbst nicht genau weiß, was ich von Vorträgen auf einer Meta-Ebene außerhalb ihres eigenen, “natürlichen” Entstehungsraumes halten soll. Mich kotzt im Internet ja schon an, dass wir die ganze Zeit über das Internet reden; eigentlich will ich das gar nicht auf das “echte Leben” übertragen.
Und so bin ich also hin- und hergerissen: im echten Leben genervt davon, dass keiner meine Meme-Anspielungen versteht und meine Punchlines mit hochgezogenen Augenbrauen kommentiert werden. Im Internet bin ich genervt davon, dass nicht Web 2.0, Technologie und Social Media selbst genutzt werden, sondern nur als Gesprächsthemen im Mittelpunkt stehen. Was kann mit Twitter dies, wieso ist Facebook schlecht das, werden Blogs relevant hier, kann man Wikipedia vertrauen da. Manchmal möchte ich einfach nur frustriert schreien und jemandem, am besten Spiegel Online, ins Gesicht treten: Macht mal die Köpfe wieder zu und kommt mal klar ihr Opfer! Wir nutzen das alles doch schon. Wir sehen doch, welche Schritte gemacht werden. Wir sind doch der treibende Teil. Wieso müssen wir das immer und immer wieder so lange zerreden, bis wir es selbst nicht mehr hören können? Bis die, die eigentlich zuhören sollten, uns für völlig gestört halten?
90% meiner Freunde “aus dem echten Leben” nutzen Facebook ohne einmal zu hinterfragen, wie sich das jetzt auf unsere Gesellschaft auswirken kann. Sie tun es, sie nutzen es, es hat sich schon ausgewirkt und dafür muss man sich nicht in 12 Stunden Selbstreflektion üben. Andererseits schreibe ich selbst darüber. Und vielleicht sind nur deshalb meine Freunde so unbekümmert, weil andere Leute für sie reflektieren.
Die Frage, die ich mir stelle, ist grundsätzlich: was können wir mit dem Wissen, außer uns selbst zu bereichern (was ich hiermit keineswegs verurteilen möchte, immerhin ist das auch mein primäres Ziel gewesen), tatsächlich in unserer Welt erreichen? Nein, nicht nur die Internetwelt- die gibt es für mich nicht mehr. Es gibt nur noch eine einzige Welt, die an verschiedenen Orten stattfindet. Einmal im Internet und parallel dazu in Deutschland oder in Australien oder im Kongo.
Veranstaltungen wie die re:publica sind vielleicht deshalb wichtig, weil jeder, der daran teilnimmt, auch bewusst realisieren kann wie schnell diese Verschmelzung zweier Existenzdimensionen eigentlich stattgefunden hat. Wir bringen das “anfassbare” Leben mit all unseren Gedanken und Freunden und Netzwerken ins Internet – und holen unsere “abstrakten” Gedanken und Freunde und Netzwerke genauso aus dem Internet wieder heraus. Treffen das Gemisch “in echt” auf einer “echten” Konferenz mit echten Leuten. Nothing awkward about that- aber das war ja nicht immer so.
Zurück zur ursprünglichen Frage: was kann ich mit dem Wissen anfangen, das ich gesammelt habe? An vielen Stellen wurde bereits genörgelt, dass man überhaupt nichts Neues aus der Konferenz getragen hätte, dass die Vorträge zu einseitig waren, wie es halt immer ist. Ein einziger Circlejerk an “Wir finden uns toll” der sich in Richtung “schon wieder die gleiche Brühe” benimmt, immer die üblichen Verdächtigen- und hey, wem erzählst du hier was? Wir sind alle Social Media Experten!
Eigentlich müsste die re:publica jedem, der einen Twitteraccount besitzt und weiß, was RSS ist und mehr als eine Stunde am Tag im Internet verbringt verbieten, ein Ticket zu kaufen- und stattdessen versuchen, Menschen einzuladen, die nicht wissen, was sichere Browser sind, wie Blogs funktionieren, dass nicht jeder, der im Internet Freunde findet auch ein verpickelter Psychopath ist, und so weiter. Das sind die Menschen, die das hören müssen. Was ich also lerne? Nächstes Jahr nehme ich die Bundeskanzlerin, meine Mutter und meinen kleinen, internetbehinderten Bruder mit. In großer Hoffnung, dass noch mehr Platz gemacht wird. Und vielleicht haben wir bis dahin auch aufgehört so über das Internet zu reden, als wäre es eine andere Welt.
Kann man natürlich alles unter dem diesjährigen re:publica Motto “now:here” zusammenfassen, frei nach der Interpretation “Wir sind jetzt gerade hier und nirgendwo anders – also Fresse halten und weitertanken!”
Randnotiz: Natürlich steht und fällt der Entertainmentfaktor vor allem mit den Menschen, mit denen man unterwegs ist. Danke, Jungs ((ich habe glaube ich in 3 Tagen mit lediglich zwei weiblichen Wesen geredet. Bald wachsen mir Barthaare, ich sag’s euch)), für die köstliche Unterhaltung. Ihr wisst, wer ihr seid. Und danke an die Veranstalter für ein großartiges Line-Up. Nächstes Jahr steh ich dann auf der Bühne und erzähl euch etwas davon, wie man mit einem Blog eine Weltreise finanziert bekommt. Vielleicht.
(Irgendein Hirsch hat sich ein re:strealität T-Shirt drucken lassen. Nicht, dass ich das Wort patentiert hätte, aber ich hasse dich. Und wenn ich dich jemals mit diesem T-Shirt sehe, anonymer Mensch, dann werde ich dir ins Gesicht kotzen. Nur, dass du schon mal Bescheid weisst.)
Eine 8-Bit-Invasion von Kreaturen wütet in New York City, wo das Video gedreht wurde. Wie eine Infektion fällt die 8-Bit-Pixel-Armada in Manhattan ein und verpixelt alles, das sich nicht retten kann. Well done:
Ich kann es nicht nicht bloggen. Es ist die Wahrheit. Wir alle wissen es. Das ist einfach so. Das mit der Guten Erziehung.
Beim Kaffeetrinken mit der Verwandtschaft den Mund, in dem gerade ein mächtiges Stück Schwarzwälder Kirschtorte verschwand, weit aufreißen und rufen “Unfall im Tunnel!”. Öfter mal sagen “Ich hab´s mir anders überlegt.” Zum Beispiel vorm Altar, im Hochseilgarten beim Sichern eines guten Freundes oder beim Sex kurz vorm Abpfiff. Oder kurz nachdem man bei “Wer wird Millionär?” die Anfangsfrage richtig und am schnellsten von allen beantwortet hat und Günther Jauch gerade auf einen zukommt um einem die Hand zu schütteln.
Einfach mal den Absolut Vodka stehen lassen und lieber zum Tetra Pack Wein greifen. Auch mal auf einer Internetkonferenz dazu stehen, dass man lieber den Internet Explorer benutzt. Auch mal in der U-Bahn jemandem ins Ohr flüstern, dass er aus dem Mund riecht. Scheiss auf die gute Erziehung, verteilt Nackenschellen.
For years, Viacom continuously and secretly uploaded its content to YouTube, even while publicly complaining about its presence there. It hired no fewer than 18 different marketing agencies to upload its content to the site. It deliberately “roughed up” the videos to make them look stolen or leaked. It opened YouTube accounts using phony email addresses. It even sent employees to Kinko’s to upload clips from computers that couldn’t be traced to Viacom. And in an effort to promote its own shows, as a matter of company policy Viacom routinely left up clips from shows that had been uploaded to YouTube by ordinary users. Executives as high up as the president of Comedy Central and the head of MTV Networks felt “very strongly” that clips from shows like The Daily Show and The Colbert Report should remain on YouTube.
Viacom’s efforts to disguise its promotional use of YouTube worked so well that even its own employees could not keep track of everything it was posting or leaving up on the site. As a result, on countless occasions Viacom demanded the removal of clips that it had uploaded to YouTube, only to return later to sheepishly ask for their reinstatement. In fact, some of the very clips that Viacom is suing us over were actually uploaded by Viacom itself.
Update 11:35 Uhr, 19. März 2010
Kleines Update, habe auf Reddit eine interessante Diskussion dazu gefunden und dachte das könnte vielleicht zu einer halbwegs vernünftigen Erklärung des Viacom Super-GAUs führen:
They obviously can see the benefit of sharing media but legally they are restricted from doing so.
permalinkreportreply
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This.
Broadcasting networks make a significant portion of their money from selling their shows to foreign broadcasting networks. These are usually sold with an exclusive distribution right for the region.
As an example, CTV has the exclusive distribution rights in Canada to many of the Fox and Comedy Central shows. If Fox or Comedy Central were to distribute the shows for free online and Canadians were able to access them, they would be in breach of contract and CTV would sue them.
This is why there is geo-IP restrictions on many of the network approved, online distribution platforms like Hulu, ABC.com, etc… I suspect these lawsuits against YouTube are more about maintaining plausible deniability than actually winning the case.
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[...]
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Don’t worry, if what the YouTube Chief Counsel says is true and there is proof, this is going to be a backfire of epic proportions. Foreign broadcasting networks are probably going to start filing suit against Viacom for breach of contract.
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Viacom could simply make the “marketing” argument that their actions increased the popularity and thus interest of the foreign audience, making the show more valuable to foreign broadcasting network.
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It would depend on the particulars of the contracts, the videos that were uploaded by employees and the ones they were made aware of and allowed to remain online.
If they are all just short clips then they might successfully make the marketing claim. If they are extremely long clips or full episodes then they wouldn’t have a very compelling argument that it was merely marketing.
Und wo wir gerade bei YouTube sind: Nutzt unbedingt die Feather Beta, wenn ihr die hässlich zugeballerte und richtig schön langsame Seite wieder lieben lernen wollt.
Als mein kleiner Bruder in der Grundschule war sollte einen Aufsatz über seine Familie schreiben. Ich erinnere mich daran, weil ich ihn zur Strafe für das Resultat an den Kompost-Zaun kettete, ihm gammlige Socken in den Mund stopfte und den ganzen Tag Simply Red laufen ließ.
Ein Satz, für den er heute noch bei jeder Gelegenheit fette Nackenschellen kassiert.
“Ich habe eine große Schwester, sie ist fett und ihr bester Freund ist der Computer.”
Ich weiß, schwer vorstellbar, dass ein so intelligentes und bezauberndes Wesen wie ich jemals in solch eine prekäre Situation der Verleumdung geraten würde, aber… es stimmt. Ich war fett. Oh Boy. Ich war so fett, ich hätte praktisch den Mond ersetzen können. Aber darum geht es jetzt hier nicht.
Es geht um die Entwicklung von Kids meiner Generation, die vom Internet erzogen wurden (frage mich, inwiefern sich hier „fett“ und „Internet“ bedingen). Das ist keine Aussage über die Fehlerziehung meiner Eltern, die haben alles richtig gemacht. Immerhin verkaufe ich weder Drogen an Kinder, noch haben sie mir das Tattoo erlaubt, dass ich mit zwölf Jahren haben wollte. Es war ein Tribal. Danke Mama.
Heute ist das Standard. Morgens E-Mails, nachmittags Surfen, ein paar Songs runterladen, Status updaten, Restaurant suchen. Nachts die Fetischpornos. Normal. Das war’s vor 10 Jahren noch nicht. “Du chattest? Was ist chatten? Mit wem chattest du denn? Was gibt’s denn zu chatten?” Keine Ahnung. Ich weiß es nicht mehr.
Ich weiß nur, dass es Menschen aus der ganzen Welt waren. Nerds, Studenten, Ärzte, Punks, Programmierer. Damals gab es ja auch kein “deutsches” Internet, nicht so wie jetzt. Da musste man gezwungenermaßen Englisch lernen. Aktzentfrei. Wer im IRC Chat mithalten wollte, der musste auch mit 10 Fingern tippen können. 104 Wörter pro Minute. Webseiten gab’s nicht auf Knopfdruck. HTML, CSS, PHP, Photoshop (zugegeben, talentlos). Wenn der PC kaputt war, musste man ihn selbst reparieren. Hardware, Software. Wenn die Eltern auf schmuddeligen Seiten surften, musste man die Kindersicherung selber einstellen. Privacy. Musik gab’s “kostenlos”. The Clash, The Cure, The Smiths.
Klar, auch heute kann das jeder haben. Die Frage ist wie dringend man es will, wenn es so selbstverständlich ist; wenn man nichts mehr entdecken muss, jedenfalls nicht so wirklich. Wieso holpriges Land wenn es Autobahnen gibt? Man, was für Harry Potter Hogwarts und für die anderen bekloppten Kinder Narnia war (ich hasse Narnia), das war das Internet für mich: Perspektive. Das Land der unendlichen Möglichkeiten. Ich entwickelte eine natürliche Neugier, weil sie gestillt werden konnte (so erkläre ich mir das natürlich im Nachhinein. Vielleicht war ich auch einfach nur ein Kellerkind und hatte keine Freunde). Man lernte zu lernen. Kochen? Internet. Schlösser aufknacken? Internet. Wände tapezieren? Internet. Kritisch denken? Zumindest teilweise Internet. Alle Voraussetzungen für meinen jetzigen Job? Definitiv: Internet.
Aber nur, weil ich jetzt so viel weiß und ein Genie bin (Achtung, abwertende Anmerkung die Sarkasmus impliziert, eigentlich aber ernst gemeint ist), heisst das natürlich nicht, dass wir deshalb die Schule abschaffen und stattdessen jeden Tag einen neuen Wikipedia-Artikel auswendig lernen. Ohne Schule wüsste ich ja nicht, wie ich mit offenen Augen schlafe. Und, okay, ich wüsste auch nicht wie ich meinen Horizont nicht nur über meine Interessen hinaus erweitere, sondern auch vertiefe.
On the left is Mr. Largo, my music teacher at school? He taught me that even the noblest concerto can be drained of its beauty and soul. - Lisa Simpson
Street Smart. So nennt man Menschen, die gelernt haben, mit den nötigsten Mitteln auf der Straße das Beste aus ihrer Situation zu machen. So ist es auch mit dem Internet gewesen (etwas weniger dramatisch vielleicht). Man wurde halt Netzmart (heh, ich weiß, “Net Smart”, “Netzsmart”, clever, heh).
Ja, es klingt noch einfacher heute, aber das ist es nicht. Ich schaue mir meinen kleinen Bruder an, die perfekte Zielgruppe für Küchenutensilien wie das iPad, und weiß, dass er niemals Netzmart sein wird. Netzmart ist nicht Google richtig benutzen oder Apps programmieren: es ist sich im Wirrwarr der Möglichkeiten durchschlagen und daraus lernen können, in einem eigentlich sehr beengtem Umkreis, gerade wenn man noch so jung ist. Aus einem Kaff-Kind wird ein virtueller Backpacker, ein Online-McGyver mit intrinsischer Motivation sich zu bilden, weil es plötzlich geht.
Selbstverständlichkeit hin oder her, viele werden wahrscheinlich auch ohne diese Erfahrung lernen zu lernen und auch umzusetzen, es gibt einen Haufen cleverer Kids da draußen, die auch über Abschlüsse und den ganzen System-Firlefanz mit Schule/Studium/Sterben hinaus erfolgreich sein werden. Nur tendenziell werden es eher weniger als mehr, zumindest habe ich das im Gefühl (FYI, Gefühl ist das neue empirische Wissenschaft).
Vielleicht ist es auch nur die Wehmut; zu wissen, dass meine Schulzeit vorbei ist und die globale Vernetzung nur dann funktioniert, wenn man seine Comfort-Zone verlässt und auch in der Realität zu leben weiß. Vielleicht werde ich nur alt und habe das erste Mal das Gefühl, auf eine “Ära”, wenn auch eine persönliche, zurückblicken zu können.
Und vielleicht – aber nur vielleicht – braucht der kleine Bruder einfach nur mal wieder eine Nackenschelle dafür, dass er immer noch mit dem Internet Explorer surft…