"Girl gone wide."


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“The Perks of Being A Wallflower” von Steven Chbosky war ein verspätetes Catcher in The Rye für mich, allerdings nicht ganz so eindrucksvoll. Man hat halt bis zum Ende nicht genau verstanden, was eigentlich mit diesem verstörten, aber ganz süßen Jungen passiert ist, und wenn man es dann weiß, dann ist man irgendwie auch schon ganz verstört. Der Roman hatte damals ein knallblaues Cover und wurde irgendwie von MTV verlegt, oder zumindest war das MTV-Logo drauf, deshalb hab ich es mir gekauft. Auf Deutsch war das nicht so gut, auf Englisch habe ich es nie gelesen, aber trotzdem konnte ich mich daran erinnern.

Im Flugzeug habe ich dann gesehen, dass der Film mit Emma Watson und dem unglaublich wunderschönen Ezra Miller verfilmt wurde und da dachte ich, entweder ich fick mein Gehirn noch mal mit Cloud Atlas oder ich lasse mich auf ein bisschen Teenage-Coming-of-Age-Shit ein, der mich wahrscheinlich zum Weinen bringt. Und da habe ich natürlich, weil ich so gerne ein Emo bin, schön im A380 meine Nackenwurst rausgeholt, meine bombastischen Schlaftabletten geschluckt und zugesehen, wie schön und schwer Jugendlich sein eigentlich ist.

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by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Liebe 90er. Ich vermisse euch. Ich vermisse den Samstagmorgen, an dem ich mich schon ganz früh aus dem kuscheligen Bett schäle um früher im Wohnzimmer zu sein als meine Brüder, um die ultimative Macht – die Fernbedienung – für mich zu haben. Ich vermisse es, dass meine Mutter schon freitags die Cornflakes und die Milch so hinstellt, dass ich auch ran komme. Ich vermisse die Pyjamas, in denen ich mich auf den Teppich gesetzt habe, mit perfekt eingeweichten aber noch knusprigen, bunten Cornflakes, den Fernseher einschaltete und mich stundenlang von den schönsten Fantasiewelten Nickelodeons berieseln ließ.

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by yeahs in (Pop)Kultur


Wenn man Kindheitserinnerungen im Erwachsenenalter wiederaufleben lässt (danke, liebe mediale Möglichkeiten), dann stellt man manchmal fest dass man die Hälfte der Storyline nicht verstanden hat. Im Falle von Home Alone 2, einem meiner Lieblingskindheitsfilme (übrigens gibt es zu dem verlinkten Post vielleicht bald ein kleines Update) fällt vor allem der zeitlose Style des Kevin McCallisters auf. Wunschklamotten 2012 für alle süßen Typen die mal als Crackbabys von MJ enden möchten und mit Drew Barrymore Blutsbrüderschaft schließen: edler Strick, klassische Muster/Prints, subtile Farbspritzer, ein gewisser rustikalen Touch (der Rucksack!) und eine allgemein-gültige Funktionalität. Erst der Air Mag, dann das.

kevin mccallister fashion style home alone 2

by yeahs in Konsumbehindert

Das letzte Mal, als ich einen Song von Wy Lyf postet, war es Mai. Das Video enthielt mächtige Szenen und gewaltvolle Bilder von Aufständen, Protesten und Märschen. Das Video war eine Ode an die Demonstration. Ich machte mir meine Gedanken dazu – sagte aber nichts. Manchmal spricht eine Collage, die audiovisuell funktioniert, mehr als die Sprache, derer wir uns mächtig sind.

Im Mai, das war irgendwie vor und nach dem Arabischen Frühling gleichzeitig. Das war noch vor den Englischen Riots, das war vor den Occupy Wall Street Protesten in New York. Das war nach Fukushima. Das war noch, bevor Levis sich entschied seine Kampagne “Go Forth!” global aufzubauen und in Berlin neu zu formulieren. Das war bereits sehr lange nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktes und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, aber es war noch vor dem Zusammenbruch der Europäischen Gemeinschaft dank der Verschuldungspolitik von Staaten.

Ich habe damals, im Mai, einen Text geschrieben, der zu Gewalt aufforderte. Vielmehr: Auflehnung. Ich habe damals ein Gefühl genommen, welches in mir ruhte und langsam herausbröckeln sollte, und es in die einzigen Bilder gesteckt, die ich ausmachen konnte: Fäustschläge und brutalste Eskalation. Es war passiv-aggressive Stimmung, die ich nicht einordnen konnte. Dieses Nicht-Können machte mich wütend. Der Geist, die Gedanken, sie sind abhängig von der Sprache, und die Sprache ist genauso abhängig von ihnen. Wie konnte ich empfinden, ohne es formulieren zu können? Diese Machtlosigkeit vor dem abstrakten Gerüst der Realität lässt einen gewalttätig werden wollen, denn nun gibt es kein Ventil mehr für das, was sich tief drinnen aufstaut.

Es war eine globale Stimmung, die durch die Medienlandschaft transportiert wurde. Völlig egal, ob es sich dabei um ein Bild oder eine Nachricht handelte, die Atmosphäre des Auflehnens war schon im Mai zu spüren. Sie war schon die letzten Jahre dagewesen, aber subtiler, stellenweise, ohne besondere Reaktion. Die Rebellion der iranischen Jugend war eine kleine Welle der Gerechtigkeitsforderungen, doch er versank in den Tiefen, am Grund des Ozeans. Die entstandenen Strömungen jedoch, sie waren weiterhin da – sie zeichnen sich heute umso deutlicher ab. Unsere jungen Menschen, Generation Facebook, Generation Internet, Generation Hipster, ihnen wird der Nihilismus, der gedankenlose Konsum, die Resignation vorgeworfen — doch müssen sie sich beweisen, profilieren, gegen die Punks, gegen die Hippies, gegen die 68er, gegen alle Bewegungen, die die Vorarbeit geleistet haben. Kein Wunder – wer will da nicht resignieren, bei Erwartungen, die kaum einzuhalten sind? Was haben die Generationen vor uns geschafft, wenn nicht die Fehler, die wir heute ausbaden müssen? Wie kann man sich da noch trauen, nach Idealen oder Gutmenschlichkeit zu streben? Friss oder stirb sind unsere großzügigen Alternativen, die all diese reaktionären Subkulturen vor uns, für uns erarbeitet haben. Sie haben es nicht besser gewusst, und ihre Versuche scheiterten. Wir wollen es besser machen: es gar nicht erst versuchen.

Das Gesicht der Menschheit hat sich zu einem hässlichen verändert, wo es schwieriger geworden ist, zwischen gut und schlecht, zwischen Kollektiv und Individuum zu unterscheiden, ohne daran zu zerbrechen. Wir bekommen das Erbe unserer großen Brüder und Schwestern ausgehändigt mit den Worten, “Jetzt ist alles gut”, und kriegen gar nicht mit, wie schlecht alles ist. Wir zucken resigniert die Schultern, denn man hat uns alle Waffen aufgrund eines Friedensversprechens genommen.

Aber diese Stimmung, dieses unaussprechliche Gefühl, das gedämpfte Raunen in einer Masse voller anonymen, schulterzuckenden, katzenrettenden Schatten von Menschen, es ist der Beweis dafür dass wir noch nicht am Ende sind. Wir sind nicht abgestumpft. Wir sind keine willenlosen Marionetten, keine konsum- und marketingverblendeten Hipster, jedenfalls nicht immer. Wir sind frei, wir sind jung, wir haben alle Möglichkeiten, die Welt zu verbessern und wollen das auch, aber wir resignieren – manchmal – eben im Angesicht der Problemberge, die man vor uns stellt und geben uns mit einer kleinen Welt voller Narzissmus und Ich und Ich und Ich zufrieden. Unser kleines Ghetto der Unwirklichkeit. Doch die Stimmung vernichtet unsere heile Welt der Ignoranz. Sie steckt uns über Kontinente, soziale Netzwerke und Medienberichterstattung an. Wir merken: wir fühlen uns nicht ungerecht behandelt. Aber an diesem Gefühl stimmt etwas nicht.

Wu Lyf haben ein neues Video aus ihrem Album Go Tell Fire To The Mountain veröffentlicht. Ich führe das an, weil das ganze Album in seiner Gesamtheit, aber das Video und der Song “We Bros” speziell, diese von mir als unbetitelte “Stimmung” zusammengefasste Atmosphäre einfängt. Diese Dringlichkeit, die aufgekratzte Stimmung des englischen Quartetts, dieses unfertige, schrammelige, aber irgendwie doch ziemlich harmonische Ding, das spricht so viel aus, was unsere Generation vielleicht gerade auszuformulieren versucht. Ich glaube daran, dass wir uns auflehnen können, dass wir es besser machen können, wenn wir weiter machen, und dieses Gefühl durch alle Netze und Schichten durchtransportieren, bis wir endlich, endlich, endlich die Musik zur Politik machen.

Im Video rennen Kinder vor etwas davon. Erst am Ende sehen wir, was es ist. Sie rennen vor unserer Welt weg. Wir rennen vor unserer Welt weg. Wir werden ständig dazu aufgefordert, Dinge zu verstehen. Was, wenn wir die Dinge einfach sein lassen könnten? Wenn wir alles liegen lassen – die Supermärkte, die Gesellschaftstrukturen, die Staatsgewalten und die Normative unserer von Dichotomien zusammengesetzten Kultur – und irgendwo, frei davon, unserer Kinder zur Welt bringen und ihnen dabei zusehen, wie sie es machen?

It’s a sad song that makes a man put
money before life
a sad song that puts a man for sale
A sad song that make a man put
money before life

In jedem Fall kann ich euch Go Tell Fire To The Mountain nur ans Herz legen. Es inspiriert mich, und es wird euch inspirieren. Hört es euch an und sagt mir, dass ihr auch diese Ernsthaftigkeit unserer Schritte auf dieser Erde spürt. Sagt mir, dass euch nicht alles egal ist.

Ich bin ein Fan von Ideologien, so lange sie auch mit Tatenkraft umgesetzt werden (oder immerhin ein Versuch in die unmögliche Richtung gestartet wird)- Weltanschauungen, die jedem nahe gebracht werden sollen, nicht nur existieren, um zu existieren. Große Theorien, bei denen es nur um die Hypothetik aller menschlichen Möglichkeiten gibt, nerven mich. Deshalb finde ich es auch so schwer, mit Menschen über eine Verbesserung der Welt zu diskutieren. In den meisten Fällen liegt die Lösung erwiesen auf der Hand, und trotzdem reden wir, anstatt zu tun.

Umso begeisterter bin ich, wenn Leidenschaft nicht in brennenden Gedankenzügen zu bedeutungsloser Asche wird, sondern wenn so viel Energie hinter einer Idee entsteht, dass man “Los, Los!” schreit und anfängt zu machen, zu bauen, anzustiften. Leider passiert das nicht sehr oft. Wann habt ihr euch das letzte Mal gedacht: okay, ich riskiere das Leben der letzte 10-20 Jahre auf meinem Deckel um jetzt eine Revolution zu starten – so groß oder klein sie auch sein mag – und pumpe meine Zeit und meine ganze Energie in ein Projekt, das wahrscheinlich scheitern wird? Wer baut schon ein Leben auf – mit Ausbildung und Studium und Job und Wohnung und Familie und Sicherheit und Festigkeit und Perspektive und Normalität und Alltag und Rentenversicherung und Stabilität – um das dann innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen für eine dumme (oder, mit Glück, nicht dumme) Idee all das zu verlieren. Versteht nicht falsch, was ich hier andeute: ich bin kein Befürworter des Standard-Lebens, wo Sicherheit und Familie ganz oben stehen müssen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da menschliche Arbeit reingeflossen ist. So eine Arbeit für einen Moment wegzuschmeissen, das große Kartenhaus umpusten — wieso sich dann erst die Mühe machen aufzubauen? Nehmen wir den Satz und machen einen großen, fetten Punkt hinter “Kunst” und hinter “Nihilismus”, hinter “Bedeutungslosigkeit” und “Verzweiflung”. Und am Ende haben wir keinen Satz mehr stehen, sondern nur noch einige lose zusammenhängende Begriffe, die ein wenig darstellen, wieso “Just Do It” und “Es könnte alles so einfach sein” doch nicht so umsetzbar sind, wie man sich mit 18 und 19 vorstellt.

Als uns die Welt noch gehörte, da sahen wir alle aus wie Odd Future. Da ging es gar nicht nur um die Musik oder darum, dass wir erfolgreiche Punks sind. Es ging darum dass wir eine Idee hatten und diese auch umsetzen wollte. Wir hatten alle Zeit der Welt und wir fingen an, uns mit der Thematik zu beschäftigen. Die einen malten, die anderen skateten, einige von uns machten Musik während die anderen sich von einem Ausdauertest zum nächsten zerrten, um endlich Pilot werden zu dürfen. Wir haben nicht nur geträumt, wir haben getan. Gerade aus der Schule – was haben wir zu verlieren außer Noten, die uns noch nie etwas bedeutet haben? Wir malten uns Hakenkreuze auf den Nacken um Reaktionen zu fordern und wir haben alles und jeden ausgeschlossen, der uns ein Nein mit Ausrufezeichen auf das Antwortplakat malte. Wir zerrissen und zerstörten, was unsere Energie aufhalten wollte. Wir feierten nicht nur weil wir feiern wollten, sondern weil wir was zu feiern hatten – uns – und die ganze Welt mitbekommen sollte, dass die hochgestreckten Arme und die wilden Schreie auch nur ein Output waren um unsere Zukunft zu formen.

Das verliert sich. Das wird sich wahrscheinlich auch bei den großartigen Street-Kids von Odd Future verlieren. Das hat sich bei Britney Spears verloren, das hat sich bei unzähligen Künstlern verloren. Ich bin verlockt dazu, dass auf ausbeutendes Management und ungnädigem Publikum zu schieben, aber wir wissen alle, wie es ist: ein paar Jahre vergehen und schon hat man wieder etwas zu verlieren, das man mit viel Arbeit aufgebaut hat. Das ändert alles.

Egal, ob ihr auf OFWGKTA steht, oder ob ihr die provozierenden Texte viel zu Anti findet, ob euch das überhaupt nicht schockiert und ihr das für einen Hype abstempelt; das mag alles sein. Alles, was ich sehe, ist ein großer, fetter Erinnerungsstempel, dass ich zwar für viel gearbeitet habe, meine Kartenhäuschen aber fein säuberlich wieder mit eigenen zitternden Fingern abgebaut habe. Da ist nichts, was verloren gehen kann, was zerstört wird, oder was ich riskieren könnte. Es ist wieder Zeit für eine neue Ideologie.

by yeahs in (Pop)Kultur Gangster Musik


Das Faszinierende an einer so großartigen Band wie The National ist nicht die Konsistenz in der (überragenden!) Qualität, sondern wie sie es schaffen, eigentlich immer den gleichen, post-pubertär melancholischen Song zu schreiben, der mich in Gänsehaut einwickelt und von in Sepia gefärbten Vergangenheiten träumen lässt, die es gar nicht gab. Das ist Bewältigung von intensiven Gefühlsmomenten, die ich heute, so nach Jahren der Abstumpfung, vermisse. Nach all der Zeit, in der eintrainiert wurde, die Contenance zu behalten und sich auch mal zusammenreissen zu können, ist es schön, wenn The National Klänge einen gewissen Kontrollverlust einläuten können.

by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Meine bisherige Vergangenheit lässt sich in vier Phasen einteilen:

1. Unschuldige Kindheit
2. Pathetische Jugend
3. Videothek
4. Berlin

Die erste Phase besteht aus Gummibärchen, Glücksgefühlen und gefühlten achtundzwanzig Mal Urlaub im Jahr mit meinen Eltern und Brüdern. Nicht viel ist davon übrig geblieben — ich erinnere mich daran, dass ich mit meinen Brüdern mal in einem Hotelzimmer ausversehen einen Porno geguckt habe und wir unsere Köpfe verrenkten und uns überlegten was das wieder für eine komische Turnsportart sei. Ich erinnere mich daran, auf dem Weg zum Kindergarten einen Umweg zu machen um über einen eingefrorenen Teich zu laufen, wo ich eingekracht bin. Mein damals bester Freund, Christopher, ist schreiend weggerannt und hat mich meinem Schicksal überlassen. Christopher, falls du da draußen bist– möge Gott dich so arm machen dass du deine Kinder von deinem eigenen Samen ernähren musst (der Hass einer Vierjährigen kann bis tief in die Quarterlife Crisis hineinreichen und bietet fantastisches Material für den gutbezahlten Therapeuten den man spätestens nach der sechsten versauten Beziehung und dem Saufproblem aufsuchen muss). Es sind kleine, gut verpackte Momente voller Verstörung, liebevoller doch schmerzhafter Erziehung und vielen Prügeleien mit meinen Brüdern. Ich habe als Kind schon viel vor mich hingeträumt und gelesen und Geschichten von fernen Orten und fremden Menschen geliebt.

Dann kam eine Phase, die, wie mir meine Eltern heute gerne beim Abendessen mit Terror in ihren Stimmen erzählen, nur als “absolut unerträglich” beschrieben werden kann. Ich war eine Jugendliche, und wie jedes nervtötende, überemotionale Geschöpf meines Alters ging ich durch alle möglichen Hochs und Tiefs. Ich hörte viel wütende und traurige Musik und wusste nicht, wieso ich wütend oder traurig sein wollte, was mich noch wütender und noch trauriger machte, weil mich ja auch keiner hören konnte, und wenn ich jetzt sterbe, wen interessiert es dann, hä? HÄ? WEN INTERESSIERT DAS? MEINE ELTERN HASSEN MICH, MEINE GESCHWISTER SIND IDIOTEN, DER EINZIGE JUNGE DER MICH VERSTEHT WILL LIEBER DIE HEISSE BLONDINE, MEINE SCHENKEL SIND SO FETT, MEIN GESICHT IST SO BEHAART, ICH HASSE MICH, ICH HASSE EUCH, ICH WILL EIN HANDY HABEN, ALLE MEINE FREUNDE DÜRFEN BIS UM 10 WEG SEIN, ABER WIESO HASST IHR MICH SO SEHR? Aaaaah, wie gerne ich mich an die spontanen und überhaupt nicht peinlichen Tränenausbrüche vor versammelter Mannschaft erinnere. Und ich sage euch was: jeder Mensch, der die Pubertät ohne Narben übersteht und der mir ehrlich und offen in die Augen gucken und bestätigen kann, dass ihm das nicht peinlich war, kriegt erst mal dick von mir auf die Fresse. Ihr wisst ja gar nicht, wie viel Leid ich auf meinen Schultern tragen musste, damals, als ich fünfzehn war und ich keine Zigaretten mehr hatte und Silverchair und Disturbed für mich die Bibel der eskalierenden Jugend zitierten. Oh happy days.

An dieser Stelle überspringe ich die dringenste und bisher auch unweigerlich angenehmste Phase meines Lebens, wir kommen gleich darauf zurück; sie schließ ab mit einem dicken Knall in meinem Elternhaus und resultierte darin dass ich auszog um eine bessere Existenz in der Großstadt zu suchen. Ich fand’ sie tatsächlich auch und bis heute bin ich glücklich mit der Entscheidung, in Berlin zu leben (zumindest theoretisch, da ich gerade nicht in Berlin lebe). Ich hoffe, dieses Berlin, dieser dicke, wunderschöne Stempel auf meinem Briefumschlag des Lebens, dass es niemals aufhört. Wenn man es unter die Lupe nimmt, entdeckt man bestimmt auch weitere, einzelne kleine Phasen darin. Studium, Arbeit und die Konfettiregenzeit fallen mir auf Anhieb ein, und nicht zu vergessen meine hoffentlich noch nicht beendete Reise, aber ich komme vom eigentlichen Thema weg, nämlich Phase 3, Videothek. Damals, nur wenige Jahre her; ich war nicht erwachsen, ich war nicht in der nach Achselschweiß und brennendem Kot riechenden Hölle der Pubertät, ich war einfach ich und hatte dabei alle Freiheiten die man sich vorstellen könnte.

Wenn man 18 wird verändert sich die Welt. Ich machte meinen Führerschein. Das war die erste bürokratische Hürde außerhalb der Schule, ein Test, für den ich freiwillig lernte. Ich setzte mich nach bestandener Prüfung in mein Auto – heruntergegeben aus 4. Hand, jeder Charme, den ein roter Opel Astra noch besitzen könnte, von meinem großen Bruder heraurausgefurzt und alles an Technik zermüllt. Außer die Anlage. Die hat gepumpt. Bass vom Feinsten. Ich setzte mich rein, endlich ans Steuer, ganz alleine, ich fuhr los — ich hielt meine Hand aus dem Fenster um die kalte Herbstluft zu spüren, ich spielte Oceansize und sang laut mit, ich schloss die Augen um den Moment der Freiheit zu fühlen. Dann machte ich das Auto an und würgte erst mal dick ab.

Bis heute verfolgt mich dieser perfekt geplante Moment noch, bis ins Mark bin ich jedes Mal erschüttert. Es fasst mein Leben ziemlich perfekt zusammen: das Hollywood-Drehbuch wurde von einem autistischen Kind mit dickem Edding verschmiert bevor es noch die Gelegenheit bekam gelesen zu werden. Die Vorstellung vom optimalen Moment, einer, den man seinen Enkeln vom Sterbebett herunterleiern kann, den gibt es in meinem Leben nicht. Immer kommt etwas dazwischen. Wie beim ersten Mal Sex: top Stimmung, liebender Freund, unglaubliche Atmosphäre bis auf einmal jemand ein gebratenes Hühnchen auf deinen Kopf schmeisst und lachend abhaut. Nicht, dass mir das passiert wäre.

Es ist wie mit Songs, die einen nach Jahren noch verfolgen; sie erinnern dich an den Augenblick mit einer großen Liebe, oder an den Geruch deiner Heimat, oder an halb-komische Situationen mit deiner besten Freundin. Diese Songs sind für immer an dein Leben gekettet und du wirst sie nie wieder los. Sie werden für immer Tränen oder Lachen auslösen, für immer ein seltsames, bedrückendes Gefühl der Nostalgie in dir auslösen. Leider sind das in meinem Fall nie Songs, die ich tatsächlich auch gut finde. Bob Dylan beispielsweise, episch, zeitlos, oder Radiohead, bestimmend und zeitgenössisch. Es ist immer entweder Britney Spears oder 50 Cent oder Whitney Houston oder, und das ist im Fall meiner Videothek-Phase so eingetroffen, “London Bridge” von Fergie.

Ein Führerschein, ein Auto, Wahlrecht, ich war in der 12. Klasse und konnte mir meine eigenen Entschuldigungen schreiben (“Entschuldigungen” hätten in meinem Fall aber auch “Freifahrtsschein” genannt werden können. Spätestens nachdem ich gelernt hatte die ärztlichen Atteste unseres Dorfdoktors zu fälschen wurde ich eine kleine Berühmtheit und möchte bis heute behaupten dass sich Innovation von Notwendigkeit ernährt), ich hatte eine beste Freundin und wir verschworen uns gegen die Welt. Meine Ausdauer war scheinbar auf die Probe gestellt worden, denn Buddha belohnte mich dafür, dass ich mich nicht in der schieren Unerträglichkeit meiner pubertären Hormone selbst abgemurkst hatte: zu all dem Glück kam noch ein Job in der Videothek dazu. Der meistgewollte und seltenste und beliebteste Job überhaupt, auf der ganzen Welt. Es war, ungelogen, perfekt.

Zwei kritische Schuljahre lang verbrachte ich damit, Schule zu schwänzen, Filme (kostenlos) auszuleihen, bei McDonalds rumzuhängen, Musik zu hören und zu kiffen. Ich kiffte zu Hause, ich kiffte in den Mittagspausen, ich kiffte bei der Arbeit, ich kiffte nach der Arbeit, ich ging zur Arbeit, um zu kiffen, ich kiffte teilweise während des Unterrichts (“Muss mal kurz auf die Pipibox!”), ich kiffte so viel, dass ich nicht mehr schlafen konnte. Als Pizza-Lieferbote sponsorte mein Bruder immer das Futter, ich die Filme, unser bester Freund tickte Gras und meine beste Freundin hat einfach nur abgeschnorrt und sonst nicht viel dazu beigetragen. Es sei ihr gegönnt gewesen, denn wir waren unsterblich in unserer Lethargie.

In der Video kannte mich jeder bei Vornamen, und wenn mich die verschissenen Kartoffelkinder siezten, gab’s erstmal eine geklatscht. Ich kannte jeden. Jeder nickte mir verschüchtert zu, denn jeder wusste: wer es sich mit mir verscherzt kann den Feierabend vergessen. Man durfte in unserer Video rauchen, und das nicht nur in der Pornoabteilung (in unserem Kaff durfte man auch bis vor sehr kurzem noch in den Kinos rauchen.. bei uns kommen sowohl Filme als auch Gesetze erst ein paar Jahre später an). Uns wurde Essen gebracht (die Stammkunden der Pornoabteilung dankten uns auf diese Art und Weise für unsere Diskretion), wir stahlen Getränke aus dem Automaten und gaben Diebstahl an. Wir tickten Gras über die Theke. Wir tauschten Filme gegen Pornos (heute, wo das Internet regiert, gibt es keine seltsamen Typen mehr die alte Pornoheftchen in Baumhäuser hinterlassen um Kindern eine Freude zu machen. Das war nunmal meine Variante des Sexualkundeunterrichts). Leute, die wir nicht leiden konnten, mussten immer aufgrund irgendwelcher “Schäden” doppelt bezahlen und mit dem Geld, was wir uns aus der Kasse erwirtschafteten, gab’s dann ein paar Dosen Red Bull. Für die Anstrengung.

Aber das alles erläutert nur, warum ich heute so ein kaputter Mensch bin, notorisch lüge und frei von jeglicher Moral lebe. Wieso ich mich gerade daran erinnere liegt eher an meiner derzeitigen Lage. In meinem Kopf gehen zwölftausend Sachen steil. Ich muss Bewerbungsfotos machen, ich muss zum Arbeitsamt, ich muss Formulare ausfüllen, ich muss studieren gehen, was studiere ich, wo studiere ich, suche ich mir eine Wohnung, wo will ich wohnen, wer fährt am Wochenende, wann kommt meine Post von der Bank, wie viel Geld habe ich noch, wann kann ich wieder weiterreisen, kann der Vater nicht einmal die Fresse halten, wer hat mein Notizbuch gesehen, wieso ist mein Desktop schon wieder so unaufgeräumt, meine iTunes Bibliothek ist schon wieder abgekackt, mein Internet geht nicht, meine Koffer sind noch nicht gepackt, wann habe ich das letzte Mal meine Zähne geputzt, habe ich noch Zeit zum Haare glätten, mache ich mir einen Handyvertrag oder spare ich das Geld, sollte ich mir endlich ein Auto kaufen, sollte ich die nächsten zwei Monate arbeiten, scheisse, der Herd ist noch an, ich muss noch Urlaubsfotos sortieren, oh Gott es kommt ein neues Album von Radiohead raus!, ich hasse das derzeitige WP-Theme, dieser Typ stresst mich, gehen wir eigentlich Samstag in den Club?, ich muss neue Klamotten kaufen, schon wieder ein Brief vom Arbeitsamt, meine Krankenversicherung wurde nicht bezahlt, kriege ich überhaupt noch Kindergeld, wann laufen Bewerbungsfristen ab, meine Steuererklärung ist noch nicht gemacht, mein Mietvertrag ist noch nicht gekündigt, ich muss zum Zahnarzt, ich habe keine Kippen mehr, JA MAMA ICH HAB DICH GEHÖRT ICH KOMM JA GLEICH.

Ich liebe die Tatsache, dass jede Entscheidung in meiner eigenen Hand liegt. Ich lenke den Weg in Richtung Tod und wer mir dazwischen kommen will muss entweder verdammt gut aussehen oder bereit sein zur Schlacht. Aber wenn ich so zurückblicke war mein Leben in der Videothek auch nicht so schlecht. Ich hatte ein absehbares Ziel, nämlich die Schule zu beenden, aber das dauerte nunmal zwei Jahre. Und in diesen zwei Jahren musste ich über nichts anderes nachdenken. Ich hatte die quälende Pein des jugendlichen Alters irgendwie halb-überschritten und saß sie nur noch nachts in post-traumatischen Symptomen ab; aber ich war auch noch nicht so weit, mir über die Realität schon Sorgen zu machen. Es war ein perfekter Zen Status, Ausgeglichenheit, Balance. Und heute muss ich mir überlegen, ob ich noch irgendetwas zu tun habe, bevor ich mir den Joint anstecke, weil ich sonst nur noch ein herumsabberndes Wrack Vergesslichkeit bin, und Vergesslichkeit kann ich mir in diesen harten, von der wirtschaft gefickten Zeiten, nunmal nicht leisten.

Und dank all der synästhetischen Phänomene, die das Leben mit sich bringt, darf ich mir bei diesen Erinnerungen London Bridge von Fergie in den Sinn rufen und lehne mich zufrieden zurück und frage mich, wo die Zeit eigentlich so schnell hinrennt. Bei dem Tempo kriege ich am Ende sogar noch Hoverboards mit und das, meine Kinder, wäre doch einfach viel zu schwer zu glauben.

by yeahs in Gangster


Der Geruch von frischgebackenen Muffins in meiner Nase. Sonne, die auf meine müden Glieder scheint, Gras kitzelnd im Nacken. Konfetti in der Luft; Konfetti auf dem Boden; es glitzert. Ich schwimme in einem bunten Meer, jeder einzelne Fetzen Papier ein Puzzlestück der Wärme die durch mich fließt.

Käse, der von der Pizza auf meine Hose heruntertropft. Die Konsi stimmt halt. Blaulichter vor dem Fenster. In meinem Ohr bekannte Klänge, der Hals kratzt, der Drink leer, die Asche an den Lippen. Der Geruch von Schweiß und Bier und Zigaretten in den Haaren und Staub unter den Fingernägeln. Ein knarzendes Bett, kichern, Achterbahn im Treppenhaus fahren und sich für einen Topf bedanken.

Zuckerguss überall und T-Shirts für einen Euro und Halloumi (viel zu trocken). Geruch von Strand und Meer schon in der Nase. Goldene Schlüssel und abgeschraubte Türgriffe. Eine wunderschöne, autistische Tasche, die viel zu teuer und doch perfekt ist. Flaschen die zerbersten, aber es ist mir egal; ich schwimme in einem Meer voller Liebe und Glückseligkeit und lache und lehne mich zurück und nehme einen Zug der mich in die Unendlichkeit der vielen Realitäten eines einzigen Lebens katapultiert.

Ich bin ein Tourist in diesem Raum der von Glück und Zufriedenheit gedehnt ist; eine Reise folgt der anderen, mit Plänen, die in Hinterhöfen geschmiedet werden und Küssen und Umarmungen und Grenzenlosigkeiten. Songs, die uns immer wieder an diesen Ort zurückbringen werden- jeden 5. September vielleicht – eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben. Die Welt und jedes Gesicht in ihr befindet sich in unserer Seifenblase und wir müssten unsere Zimmer nicht einmal verlassen und hätten trotzdem alles gesehen und erlebt. Es ist absurd, beängstigend und befreiend, so lächerlich, so unbekümmert; wie Kinder, die sich gegenseitig Geschichten aus ihren Reisememoiren vorlesen, Tagebücher voller Entdeckungen und Erfahrungen die wir teilen, jeder Tag ein Ausflug, egal ob wir im Flugzeug, im Stadtbus oder auf unseren Fahrrädern sitzen. Jede Wand bemalt mit unseren Namen und vielen kleinen Herzchen und Ausrufezeichen, aber eigentlich ist es völlig egal, ob das jemals jemand sieht; wir waren hier. Wir werden uns für immer daran erinnern.

Und plötzlich ist alles so einfach, wenn es mich mitten in der Nacht so erschlägt, und ich weiß, ich weiß auf einmal: bei euch bin ich nicht nur ein Tourist; ihr seid nicht nur eine Station. Ihr seid mein Heimathafen. Ich möchte zurückspulen und dem Typen im Fernsehen erklären dass er aufpassen muss, denn das ist Glück. Und das kann ganz schnell an einem vorbeirasen. Ich will euch alle wecken und euch erzählen was ich empfinde, aber dann lege ich mich beruhigt zurück. Ihr wisst das doch schon.

Ich war hier.

by yeahs in Berlin Gangster


Hip Hop beschäftigt mich gerade von Geschichte über Sounds über Raps über Lines über Battles über Beefs über East zu West Coast zu Graffiti zu Attitüde zu Kriminalität zu Skateboarding zu Beatboxing zu Scratching zu allem, was in meinem Leben so irgendwie Einfluss hatte. Man, jeder Film, jeder Soundtrack, jeder Spruch: potenziell der Hip Hop Kultur entsprungen, aber was weiß ich schon darüber, ich bin eh viel zu jung. Für mich ist das – wie beim Graffiti schon – immer ein Ding der Selbstverständlichkeit gewesen. Wie laut wir die Boxen aufgedreht haben, damals, und es war völlig okay, das war Popmusik, man.

Lange habe ich überlegt, wie mein ultimatives Rap/Hip Hop Mixtape aussehen würde: chronologisch? Nach Phasen geordnet? Best Of Everything? Die Geschichte des Hip Hops begleitend? Nur Gangster, nur East, nur West, ich habe noch nie so lange für ein Mixtape gebraucht und ich habe auch noch nie ein Mixtape gebastelt das so umfangreich war wie dieses. Aber scheiss drauf: mein Mixtape würde aus den Tracks bestehen, die mich in meinem Leben begleitet haben, völlig egal ob die Songs selbst irgendeinen kulturellen Wert oder Durchbruch für Hip Hop bedeutet haben, ob sie bekannt, alt oder neu sind (wobei es sich durchaus eher um die Classics handelt und nicht um das was den letzten 5 Jahren entsprungen ist, Outkast vielleicht als Ausnahme).

Die letzten paar Jahre habe ich sowieso gut ausgesetzt; nie vollständig, aber immer distanziert genug. Dem Techno verschrieben habe ich mich, davor der Rockmusik, aber es kommt immer wieder hoch, diese Vergangenheit, vielleicht speziell jetzt weil Hip Hop wieder einen kleinen Turn Richtung Flow und Style und Conscious Rap gemacht hat anstelle dieses ganzen Gangster Bling Bling Quatsches.

Mein erster Walkman, gut durchgenommen, tausend Kopfhörer, im Wohnzimmer mit den Brüdern abspasten, oh man, 93 til infinity war schon längst tot als wir es entdeckt haben, und auf VH1 druff, und irgendwann Dosenbier und Aggro Berlin auf dem Skatepark– this is how we chill…

Mixtape: 93 til infinity

Souls of Mischief – 93′ til infinity Mobb Deep – Survival Of The Fittest Raekwon – Ice Cream (ft. Ghostface Killah & Method Man) Eric B & Rakim – Eric B. Is President Nas – NY State Of Mind (Pt. 2) The Pharcyde – Runnin’ The Roots – You Got Me (Erykah Badu) Mary J Blige – You’re All I Need (ft. Method Man) Luniz – I Got 5 On It Wu-Tang Clan – Wu-Tang Clan Ain’t Nothing Ta Fuck Wit Mos Def – Travelin’ Man Bizzy Bone – On The Freeway Blackstreet – No Diggity ft Dr. Dre N.W.A. – Express Yourself Run DMC – It’s Like That Afrika Bambata – Planet Rock Skee Low – I Wish I Was A Baller Outkast – ATLiens Warren G – Regulate ft. Nate Dogg LL Cool J – Doin It Ice Cube – It Was A Good Day The Roots – What They Do Lil 1/2 Dead – Had To Be A Hustla Dr. Dre – Nothing But A G Thang (ft. Snoop Dogg)

If I wasn’t ah, eight figure nigga by the name of Jigga
would you come around me or would you clown me?
If I couldn’t flow futuristic would ya
put your two lips on my wood and kiss it – could ya
see yourself with a nigga workin harder than 9 to 5
then 10 to 6, two jobs to survive, or
do you need a BALLA? So you can shop and tear the MALL UP?

Puff Daddy – Can’t Nobody Hold Me Down (ft. Ma$e) 2 Pac – California Love Jay Z – Big Pimpin’ ft. UGK B Real, Busta Rhymes, Coolio, LL Cool J, Method Man – Hit Em High Pharoahe Monch – Simon Says Wutang Clan – Gravel Pit Dead Prez – Hip Hop A Tribe Called Quest – Hot Sex On A Platter The Roots – The Seed Dr. Dre – Still Dre (ft. Snoop Dogg) Jay-Z – 99 Problems Outkast – BOB Chamillionaire – Hip Hop Police 2Pac – Hit Em Up LL Cool J – Momma Said Knock You Out Wu Tang Clan – Protect Ya Neck Nas – Made You Look Jay Z – Can I Get A … KRS-One – Sound Of Da Police A Tribe Called Quest – Scenario 8ball & Mig – Thank God LL Cool J – The Ripper Strikes Back

You soft as a newborn baby takin a nap
Make my dick hard with that bitch ass track
Where you at? Smokin in some one room flat
Suckin on Clef’s dick hopin to come back
Never that, nigga my size is unlimited
Yours is prohibited, of course that’s contributed
To not knowin ya limits and who you need to test
When you step into the house of the Lord and get blessed

Mobb Deep – Shook Ones pt 2 The Notorious BIG – Biggie (ft Junior MAFIA) Brandy – Top Of The World (ft. Ma$e) Outkast – Ms Jackson Dr. Dre – The Next Episode Jay-Z – Hard Knock Life Lauren Hill – Everything Is Everything Field Mob – Cut Loose Missy Elliot – Sock It 2 Me Outkast – Rosa Parks Bone ThugsNHarmony – Thuggish Ruggish Bone Mobb Deep – Hey Luv (ft. 112) LL Cool J – Hey Lover Nas – One Mic Missy Elliot – The Rain (Supa Dupa Fly) The Notorious BIG – Mo Money Mo Problems Jay-Z – Money Ain’t A Thang (ft. Jermaine Dupri) Nappy Roots – Hustla LL Cool J – Phenomenon Puff Daddy – Been Around The World (ft. Notorious BIG & Ma$e)

Ich musste mich auch echt zurückhalten, einfach nur die Jay Z Diskografie zu posten.
Playlist bei Grooveshark.

by yeahs in Ohne Worte


“Wir sind nur einmal jung” rechtfertigt alles- jeden Fehler, jede unmoralische Handlung, jede rücksichtslose Bewegung und jede Distanzierung vom Gemeinwohl in einem einzigen Satz gefangen und abgenickt. Wir erlauben unseren Kindern diese Freiheiten, weil sie noch früh genug die Hürden und die Lasten eines verantwortungsvollen Leben auf ihren so schwachen Schultern spüren werden. Manche entscheiden sich freiwillig dafür, manche haben nie die Gelegenheit ihre Limits zu sprengen und werden in das Erwachsensein reingeboren; ich, ich bin hier mittendrin und mir dessen bewusst. Aber nicht für immer.

Ich weiß, du und ich, wir werden die nächsten drei oder vier Jahre noch toben und spielen wollen, unsere Grenzen austesten wollen und sehen wohin uns diese verrückte Welt und die augenscheinlich nie endende Jugend hinführen wird, aber ich sage dir ganz ehrlich und unvermittelt: ich bin nicht für immer jung, und ich will mir nicht für immer alle Möglichkeiten offen halten. Ich will die nächsten Jahre mit dir und euch auf Drogen verbringen und jeden Tag chaotischer leben als vorher, dazulernen, wissbegierig aufsaugen und im Dreck aller Träume wühlen. Ich will die nächsten Jahre von einem spontanen Trip zum nächsten jetten, ich will auf Parties gehen, studieren, die Welt sehen. Ich will mit dir in einem Bett liegen und darüber philosophieren warum wir nie zusammen sein können, ich will berührt werden und verletzt werden und ich will alle Erfahrungen in eine kleine Schatzkiste packen und daraus ein Paket für meine Zukunft schnüren: voller Wortschatz, Selbstsicherheit, Erfahrung, Freundschaft, Schmerz, Meinungen und Urteil. Denn ja, eines Tages will ich wissen, was mich glücklich macht. Was mich nicht glücklich macht. Wogegen ich mich kategorisch entschieden habe, bewusst, welche Politik ich gut finde und welche Beziehungen ich nicht mehr eingehen möchte. Ich will mich festlegen. Ich will Menschen nicht gut finden, sie verurteilen können, weil sie nicht nach meinen Prinzipien leben; nicht um sie zu bessern oder um die Welt zu verändern, sondern um in meinem eigenen kleinen Mikrokosmos ein Stück Fassung zu bekommen, für mich, für dich, für meine ungeborenen Kinder und für das, was unsere Welt so viel schöner macht: die Ruhe und die Gelassenheit der Sicherheit und Liebe. Prinzipien und Grundsätze nach meinen Maßstäben finden, endlich ein fertiges Bild malen. Es muss nicht jedem gefallen, die Farben müssen nicht passen, aber ich muss endlich mit diesem Kunstwerk zufrieden sein und sagen können: das ist das, was ich in den letzten fünf Jahren mitgenommen habe, und das ist die Komposition und das sind die Farben, die mich heute zeichnen.

So weit bin ich noch nicht, natürlich nicht. Wir beide wollen das jetzt nicht für uns. Festlegen und Pläne schmieden, dafür ist unser Drang nach “mehr” noch viel zu stark. Wir können uns noch nicht für einen Weg entscheiden, weil uns so viele Wege theoretisch gefallen. Und ach. Dafür ist dieser Luxus unserer Generation ja da, um zu testen, und dafür können wir uns glücklich schätzen. Wir spielen mit uns, mit unseren Gefühlen, und wir akzeptieren jede Richtung und jede Begegnung weil es sich so schön von unserer Bucket List abhaken lässt. Aber ich kenne mich jetzt gut genug. Ich weiß, dass meine Haltestelle irgendwann kommen wird, und ich werde von diesem Highspeed-Zug springen und mich für ein Leben außerhalb der schnellen Bewegung entscheiden. Nicht um stehen zu bleiben, sondern um ein Tempo zu finden, das ich für immer halten kann.

Ich hoffe du schaffst das auch.

Für B, ohne den ich den roten Faden schon längst verloren hätte. Fotos by Tamara Lichtenstein (via)

by yeahs in Crystal Meth State of Mind Gangster