Drake

Drake

Der Auftritt von Drake in der O2-Arena gestern Abend hat so einige Menschen – mich zum Beispiel – mit einem unerwarteten Wasserfall an schönen Gefühlen übergossen. Obwohl ich mich lange dagegen wehrte, Tickets zu kaufen, habe ich mich schließlich doch dazu entschlossen. Das lag nicht zuletzt daran, dass die Wertschätzung für sein zweites Album “Nothing Was The Same” Zeit zum Reifen bekommen hatte. Trotzdem konnte ich, anders als bei seinem Auftritt in der Max-Schmeling-Halle 2012, nicht jeden Song mitsingen. Ich sehe das nicht unbedingt als Nachteil. Auf dem Konzert konnte ich so noch einige Hits für mich entdecken, auch wenn ich’s ein bisschen schade fand, dass er meine Favoriten aus alten Tagen nur im DJ Set kurz anschneiden ließ (Forever, Over, Best I Ever Had).

Pünktlich fing The Weeknd an. “Pünktlich” gefällt mir sehr gut. No fuss, 20 Uhr, Licht aus, direkt losträllern. The Weeknd hat eine großartige Stimme, leider ging in der seelenlosen O2-World seine so herrlich und mühsam erarbeitete Schlafzimmer-Atmosphäre verloren. Einige Songs hatten keineswegs die Strahlkraft, die man sonst beim Hören seiner Alben empfindet. “Wicked Games” und “What You Need” sind in einem Schlagzeug-Inferno untergegangen. Trotzdem: The Weeknd, als dankbarer Opening Act für Drake, hat bewiesen dass er wandelbar ist. Das ist ein Pluspunkt. Statt Sülze zu performen, hat er kurzerhand seine besten Michael Jackson Moves rausgeholt und die Halle zelebriert. Er hätte sie auch willkürlich zu Intimität zwingen können, aber das wäre falsch gewesen in Anbetracht des großen Drakes. Die Zuschauer waren dankbar: die meisten hatten keine Ahnung, welche Pop-Elfe ihnen da gerade die Lenden ins Gesicht twerkt. Hätte Abel Tesfaye sich auf seine sanften Töne beschränkt, wären die meisten wahrscheinlich im Stehen eingeschlafen. Den “Bedroom Sound” kann man auf der Bühne nicht produzieren, das ist gut so. Das Rohe an The Weeknd gibt es nur als schlecht abgemischtes, digitales File. Analog dazu hat er ab und zu den Ton verfehlt; das hat’s wieder genullt und ihm die Street-Cred gegeben, die er als leidender Künstler braucht.

Schemenhaft zu sehen: The Weeknd.

Mein Fazit zu The Weeknd: ich bin nicht unzufrieden. Es war klar, dass die Erotik, die Verruchtheit und die düstere Verzweiflung nach 2011 nicht mehr funktionieren, und schon gar nicht, wenn man sie mit vielen schwitzenden Menschen teilt, die alle einen harten für Drake haben. The Weeknd höre ich mir lieber weiterhin alleine an (in meinem 300 qm Loft, völlig breit, mit nackten Mädchen die lasziv und willig um mich herum tanzen).

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February 28th, 2014 Posted in Berlin, Musik | Comments Off

TOTD: Black Print

TOTD: Black Print

Wer sich Ibn Inglors noch übersichtliche Diskografie mal genauer anschaut, der wird nicht um ein paar Assoziationen mit den führenden Kings of Rap herum kommen. Das Lovechild von einem experimentellen Kanye West und einem tiefgängigen Kendrick Lamar versucht sich nicht nur an lyrischen Herausforderungen, sondern auch an einem eigenen – naja, zeitgemäßen – Stil. Nicht alles, was direkt von Yeezus inspiriert ist, steht dem jungen Mann auch. Aber Black Print hat meine Aufmerksamkeit bekommen.

Das Mixtape New Wave hat einige Schätze zwischen dem ein wenig monotonen experimentellen Beat-Overdose. Für Kanye reicht es noch nicht, aber ich bin schon mal froh, dass sich jemand der Sache angenommen hat und nicht schon wieder so einen Larifari-Basedrap Scheiss draus macht.

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November 25th, 2013 Posted in Track Of The Day | Comments Off

Rap Genius: 15 Millionen Interpretationsmöglichkeiten

Genau vier Seiten die in meinem Freizeitleben von Relevanz sind: PornHub, Sparkasse Finanzstatus (REFRESH REFRESH REFRESH REFRESH REFRESH), MaxGif, Rap Genius.

Rap Genius. Das ist wie das Röntgengerät für den Fremdkörper voller popkultureller Referenzen. Ohne den Talmud des Ghetto-Crowdsourcing wäre ich heute nicht das weiße Mädchen, das ich bin. Statt meine Haare vom Turm zu hängen, weil ich meine Schuppen ausschütten muss, deale ich mit Aspirin Effect im Altbau und schreie FIVE OH wenn der Vermieter kommt.

Rap Genius, das Tiefträger-Wikipedia, vielleicht auch Sozialisierungsmaßnahme für ehemalige Crack-Babys, Sozialisierungsmaßnahme definitiv für alle weißen Kids die überhaupt keine Ahnung haben, worum es im Hip Hop geht. Chart-Zeitgeist eingefangen in erklärenden Worten. Preach, baby, Preach!

Rap Genius launched in 2009 as a “hip-hop Wikipedia” that encouraged a community of “hip-hop scholars,” with users spending hours analyzing and annotating one rap lyric after another. The site blew up pretty quickly, and currently averages over 10 million unique visitors a month.

Rap Genius hat jetzt ein paar Goldbarren in den Schrank gelegt bekommen, um dasselbe nun über Hip Hop hinaus zu machen. Also, für alles. Für Gedichte und Filmdialoge und alte ägyptische Pergamente. Ist das das Ende der Literaturwissenschafts-Lehre, wie wir sie mal kannten? Unsere Kinder werden sich so smooth durch das Schulsystem schummeln können. Ist Rap Genius das neue Twitter? Kann man damit die Welt regieren? Wird Kanye West das Projekt direkt im Keim ersticken, damit keiner je die satanischen Botschaften entdeckt, die er in seinen Lyrics einbaut?

Anyway, was ich damit sagen wollte: ich kannte Rap Genius schon, bevor es alle kannten, aber ich finde es immer noch gut.

October 15th, 2012 Posted in (Pop)Kultur, Musik | Comments Off

New God Flow

Wieso ist das eigentlich so, dass viele berühmte und reiche Menschen irgendwann religiös werden? Gibt es am Ende keine andere Beschäftigung mehr, die einen anstrengt und bemüht? Oder ist das Leben, wenn man nach unten guckt, so schlimm, dass man sich eben nur noch nach oben orientieren kann?

Hat man es geschafft, wenn man schafft, an Gott zu glauben?

July 3rd, 2012 Posted in (Pop)Kultur, Musik | 2 Comments »

Watch The Throne Frankfurt: The Blueprint

Die Kamikaze-Entscheidung schlechthin: es ist unter der Woche, wir haben viel zu tun (WIR HABEN IMMER VIEL ZU TUN), wir haben Stress untereinander, wir haben Stress mit anderen, wir wollen alle dort hin, aber es ist viel zu weit weg und vor allem TEUER ASS FUCK, machen wir das jetzt oder nicht, mieten wir ein Auto oder fahren wir mit dem Zug, wie lange wird das dauern und werden wir auf der Rückfahrt einschlafen? Watch The Throne oder Watch Nothing At All?

Bis zur letzten Sekunde, bis wir tatsächlich zu viert ins Auto sprangen und endlich los fuhren, war nichts klar. Wir hatten Tickets übrig, wir hatten abgesprungene Käufer, wir hatten auf einmal gar keine Tickets mehr, kleine Mädchenblasen und einfach viel zu viel Kopf für dieses Konzert mitgenommen. Alles am Ende egal. Wir saßen in unserem süßen Mini-Auto und schoben uns in Mach Minus Tausend über die Autobahn. Wir spielten die Banger rauf und runter. Sechs Stunden, Berlin bis Frankfurt. Time to beat.

Heard she fucked the doorman / Well that’s cool I fucked the waitress

An der Festhalle Frankfurt ergibt sich das typisch angespannte, aber losgelöst-aufgeregte Bild der Horden von Fans, die sich vor dem Eingang positioniert haben. Für mich ein Meer von soziologischen Studien. Sie fallen in kein Muster, zehntausend Menschen können nur eine einzige Gemeinsamkeit haben: Jigga und Yeezy. Aber doch haben sie alle ihre besten Outfits angezogen, die Ladies in ihren unfiligranen Jordans, die Boys mit Kappen, die ersten fallen vom Druck der Sonne und vermutlich viel zu viel Alkohol in den Reihen vor uns um. Wir fragen uns, ob das nicht auch zu einer Enttäuschung führen kann, ob die richtige Entscheidung nicht auch einfach gewesen sein könnte: bleib zu Hause und lass gar nicht erst zu, dass die Götter dich hängen lassen. Aber das ist nur ein Gedankenblitz, unwichtig.

Als es losgeht sind wir alle schon völlig erschöpft von unseren Erwartungen und weichen Knien. Und es kam genauso unmittelbar wie man es sich vorstellt. Von breiter Beleuchtung zur absoluten Dunkelheit. Es knallt. Würfel werden hochgefahren. Alle rasten aus. Da stehen sie nun: Hova und Yeezy. Zuerst Yeezy, dann Hova, muss man dazu sagen. Das schöne daran ist: jeder hatte was davon, denn ein Würfel vorne, ein Würfel hinten. Yeezy, mein Rap-Ritter, praktisch direkt vor mir. Leider auch direkt vor mir: große Hühnen, Menschenwände. Alle heben ihre Handys hoch um zu filmen, und ich frage mich: was macht ihr eigentlich hier, ihr Idioten? Alle heben ihre Hände hoch, weil sie filmen müssen, denn sie sehen nichts, weil alle filmen. Irgendwann gucke ich nur noch auf die Mini-Screenwände, weil ich sonst überhaupt nichts mehr von der Performance mitbekomme. Wir gucken durch unsere Finger ein Konzert. Das 21. Jahrhundert hat unsere Sinne gestohlen und verformt. Irgendwann kann man nur noch die Augen schließen und sich von den Massen wiegen lassen. Am Ende geht es ja sowieso nur darum, für eine Stunde sehr Aufmerksam zu hören, was unsere Prediger zu sagen haben.

I’m losing myself, I’m stuck in the moment / I look in the mirror, My only opponent

Wenn ich “Prediger” sage, dann meine ich das nicht nur im metaphorischen Sinne. Sie sind die Prediger des 21. Jahrhunderts – genauso wie viele andere Musiker und Künstler. Wie alle, die Menschen an einem Ort vereinen können, um sie dann mit ihren Thesen und Weisheiten vom Leben zu übergießen. Wie sie – wie wir – alle dastehen und den Diamanten mit unseren Händen formen (traurig für alle, die eigentlich auch filmen wollen, was die Pop-Päpste zu sagen haben), die Message aufsaugen, uns gehen lassen. Und sie feiern, weil sie angebliche Wahrheiten so gekonnt und charmant formulieren, mit so viel tosendem Lärm auf uns herunterkrachen lassen, dass wir vielleicht gar nicht mehr merken, dass es sich auch um Lügen handeln könnte. Religion ist Ansichtssache. Das Konzert ist unsere Kirche. Woran noch glauben, wenn nicht an das, was vor uns ist?

Sie haben definitiv was wir brauchen, aber man sieht ihren Gesichtern an, dass sie alt werden. Sie ersaufen in ihrem Schweiß. Das Licht, die Flammenshow – Alter, Rammstein wäre neidisch – und doch wirken sie immer noch so unrealistisch weit weg. Wir so im Publikum: Boom, krass. Die so auf der Bühne: schon wieder eine Show. Eine von tausenden. Und nicht unbedingt die interessanteste. Sie wird untergehen. Ich gucke mich um und sehe gespaltene Meinungen. Wer noch nie auf so einem großen Konzert war, der weiß nicht, was purer Hass auf die Menschheit ist: purer Hass dass die Fotzen vor mir glauben, sie wären in einem Streichelzoo und gelangweilt jeden böse anmachen, der sie ausversehen kurz berührt. Ausschließlich Hass für den Dude daneben, der eine halbe Stunde an seiner richtig miesen Kamera rumspielt und das ganze Konzert verpasst. Hass an alle, die Geld für ein Ticket bezahlen um das monumentale Ereignis direkt vor ihren Augen dann zu verpassen.

She wanted us to end cause I fucked her friend // She gave me one more chance and I fucked her again

Kanye kann man vorwerfen, einen ziemlich kalten Part zu spielen. Natürlich ist Jay-Z der Profi, und natürlich haben wir uns alle darüber am meisten gefreut, dass er immer noch spitten kann wie ein Monster. Aber Kanye West ist für mich die tragende Säule. Er ist mein Jay-Z, man. Beide könnten letztendlich mit ihren endlosen Diskografien stundenlange Shows füllen. Ich bilde mir ein, sie reisen einfach gerne zusammen und wollen nicht alleine sein. So geht es schneller und präziser. So kann man King sein: wenn man seinen Platz teilt. Nur so kommt keiner von beiden so richtig richtig zur Geltung. Es wird Zeit, sie auf ihren Solo-Touren – sollten jemals wieder welche stattfinden – zu jagen.

I feel the pressure, under more scrutiny, and what I do? Act more stupidly.

Meine Geschichte mit Kanye West ist voll von Widersprüchen. Ich konnte ihn nicht immer leiden, und ich kann ihn auch heute manchmal nicht ausstehen. Vielleicht ist er ein bisschen hohl, vielleicht ist seine Musik nicht immer konsequent die beste. Vielleicht ist er nicht der allerbeste Produzent, und mit Sicherheit ist er nicht der beste Rapper. Nicht der schnellste, nicht der mit der krassesten Story. Damals erschien Through The Wire, ich kannte ihn davor nicht, und er rappte durch die Schiene und ich war fasziniert davon. In all den Dingen, die er nicht ist, ist er der authentischste. Nie hat ein Rapper so wenig Platz irgendwo gefunden – nicht East, nicht West, nicht der Flow und nicht der Beat und nicht die Lyrics, aber alles zusammen, inklusive seiner schrägen persönlichen Einlagen, all das sprengte er über Horizonte hinaus weg, poof. Er steht oben mit Jay-Z, und wenn ich einen bevorzugen müsste, jetzt und für immer, wäre es Yeezy. Ich glaube ihm, dass er nicht nur spielt. Ich glaube ihm, dass er ehrlich ist. Ich weiß nicht, was das noch mit Musik zu tun hat. Das ist blasphemische Anhimmelei. Der Versuch, in anderen Menschen Götter zu finden. Bevorzugt Menschen, die alles schon erreicht haben und deshalb umso mehr Zeit dafür finden, über die Scheisse zu philosophieren, die tagtäglich auf sie heruntergeworfen wird.

Feeling like Katrina with no fema / Like Martin with no Gina / Like a flight with no visa

Wie erfolgreich sie sind merkt man immer daran, dass man jeden einzelnen Song kennt, immer mitgröhlen kann. Konzertqualität hoch tausend. Tausend mal würde ich das wieder machen, nicht wegen ihnen persönlich, sondern wegen der Zeit, die man damit verbringt, über all das nachzudenken was sie einen in den Jahren davor schon mitgegeben haben. Jeder einzelne Song eine Box voller Erinnerungen. Wie lange haben sie – beide – mich begleitet? Es ist wie als könnte in so einem Augenblick jede einzelne Sekunde aus diesen festgehaltenen Zeitfenstern ausgeschwitzt werden. Und schwitzen ist gut gesagt: die Brühe lief uns über die Augen durch die T-Shirts in unsere Hosen auf den sumpfigen Boden. Ich hätte trotzdem keinen Sitzplatz gewollt.

I ain’t here to argue about his facial features / Or here to convert atheists into believers

Manchmal denke ich trotzdem: Fuck you, Kanye. Du laberst scheisse. Du bist so abgehoben, wie ein normaler Mensch nicht abheben kann. Das sind Gedanken, die man für sich behält, denn wir wollen alle so abheben können. Wir brauchen nur die perfekte Legitimation. Reichtum, Macht, Fame? Ernsthaft, reden wir jetzt darüber, dass Rapper Götter darstellen können, ist das überhaupt legal? Brauchen wir nicht nur jemanden, der unsere Hand hält, wenn wir Sysiphos-Style immer wieder den Berg rauf und runter klettern müssen? Das könnte auch Mutti gut machen, die musste da auch schon durch.

I’m not a businessman, I’m a business, man

“Diamonds Are Forever” dürfte der vielschichtigste und beste Song sein, den die beiden zusammen gemacht haben. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn aufführen, aber beim ersten Klang starben alte süße Menschen in meinem Herzen vor Schreck. Jigga und Yeezy lassen Gänsehaut herabregnen. Immer, immer, immer wieder. Ich glaube das war eine halbe Stunde nach Beginn – schon dann fühlte es sich so an, als stünden wir bereits sieben Stunden vor dieser Lärm-Hypnose. Ich war nicht glücklich mit dem Sound. Es echote und dröhnte. Vielleicht fand das Konzert deshalb nicht in Berlin statt. Dort hätten sich die Leute mit verschränkten Armen und schmollenden Fressen um die letzte Reihe geprügelt. Es gibt nichts uncooleres, als sich trotz störendem Sound zu freuen. Gut, dass keiner meine Euphorie gesehen hat.

Ich habe meinen Homie vermisst. Er war entschuldigt, wir sind einfach zu busy für dieses Leben. Im Geiste warst du da und wir haben uns ständig gegenseitig geschüttelt, weil wir einfach nicht klarkommen. Trotzdem war meine Gang am Start. Das ist die Glücks-Tüte, mit der man die Hundescheisse auf dem Asphalt des Lebens aufheben kann. Family, Crew, Gang, Mob, alle Arm in Arm, alle in einer Schweiß- und Speichelbrühe. Manchmal fühle ich mich dann so extrem jung und mutwillig, mich so gehen zu lassen. Könnte ja jemand sehen, wie eklig das ist – könnte jemand denken, ich wäre erst 12 und total debil, wie ich so vor mich hingrinse, drogenabhängig, absolut hässlich. Das dachte ich mir letztes Jahr schon, als ich die Konzertvideos vom Odd Future Konzert nachträglich angeschaut habe. Ich sagte mir: oh man, nie wieder, du siehst aus wie Sonderschule. Was soll’s? Es ist ja auch nicht so, als könne ich das groß kontrollieren. Musik läuft, ich geh steil. Lieber Sonderschule als Spaßbremse.

Love I don’t get enough of it / all I get is these vampires and blood suckers

Ich würde schon behaupten, dass ich noch nie ein beeindruckenderes Konzert gesehen habe. Aber das liegt nicht nur an der Show und an den Songs und an der Stimmung, das liegt natürlich auch an meinem State of Mind. Wenn dir jemand aus deinem Lieblingsbuch vorliest und du zufällig dabei in einem Schaumbad liegst und alle deine Freunde dabei sind und es dir unglaublich gut geht in diesem Augenblick – nachdem man dir beide Beine und beide Arme amputiert und deiner Frisur einen Sidecut verpasst hat – dann ist das wahrscheinlich auch die schönste Geschichte, die man je gehört hat. Ich möchte also damit sagen, nur so, falls es noch nicht deutlich geworden ist: ich verstehe es, wenn jemand das Konzert nicht gut fand. Oder nicht so übertrieben gut um sich zu 3000 Wörtern motiviert zu fühlen.

I don’t need your pussy, bitch I’m on my own dick

Kein Ende in Sicht. In meinem Kopf explodierten meine Zellen in spektakulären Action-Filmen vor Durst und Müdigkeit, aber das war weniger etwas, was ich fühlte, als etwas, dass ich wusste. Niemand hätte mich jemals aus der ungefähr 14. Reihe vor der Bühne kriegen können. Ich hatte kurzzeitig überlegt meinen Tampon zu “Power” zu wechseln und ließ es dann doch. Mein Magen rebellierte gegen den Hunger. Der Gedanke daran, sechs Stunden durch die Nacht zurück zu fahren – im nassen T-Shirt mit vier Menschen im Auto – kam mir vor wie ein weit entfernter Witz. Mitten im Song stellte ich der kleinen Fotze vor mir endlich ein Bein und drückte ihr volle Granate meinen Ellenbogen in den Nacken. Ich glaube, Georg wurde am Ende sogar vor dem Circle of Death geklatscht – wahrscheinlich von der selben Fotze. Ich wünsche ihr nichts anderes als den schmerzhaftesten Durchfall-Tod. Scheiss dich mal richtig aus kleine Maus, ich kauf mir ein Ticket für deine Beerdigung und steh erste Reihe.

Ghetto Anthem hin oder her, Ghetto ist das ganze nicht mehr. Sogar meine Mutter weiß, wer die zwei Typen sind. Meine Mutter kennt sonst nur Michael Jackson, Britney Spears und Madonna, ich schwöre. Und damit erklärt sich auch das heterogene Publikum. Nicht unbedingt die die-hard Fans, nicht unbedingt die krassesten Hip Hop Kids. Was Kings of Leon für Indie und Rockmusik waren, das ist Watch The Throne für Hip Hop. Das muss nicht bedeuten, dass es unbedingt schlecht ist. Es bedeutet halt nur, dass Fotzen vor mir stehen und dass Rap als Musikrichtung nun die Gelegenheit finden kann, einen neuen Underground zu etablieren (was ja auch schon ein bisschen geschieht, siehe ODFWGKTA oder Black Hippy). Ich erinnere mich noch daran, als Hard Knock Life erschien. Da war ich ungefähr 8 Jahre alt. Zumindest habe ich damals mit meinem Cousin immer ausgesucht, wer in dem Video wir sein wollen. So viele Jahre später nun das.

Es war nicht nur ziemlich cool, dass sie auch die eigenen Klassiker zum besten gaben. Es war auch ziemlich erleichternd, denn Watch The Throne als Album mag zwar einige Hits drauf haben, aber das ganze Teil am Stück, hintereinander, ohne Pause, ist eher eine emotionale Belastung. So viele eklektische Beats drücken schon mal auf’s Ohr. Da gibt es keine Storyline, keine Höhepunkte. Die braucht man, so finde ich, aber für ein Konzert. Etwas, dass sich mit Spannung füllt und die Luft zerreisst. Watch The Throne ist solide und gut, aber ich weiß noch, dass ich nach dem ersten Mal nur angestrengt war.

And I just blame everything on you / At least you know that’s what I’m good at

Der soeben angesprochene “Höhepunkt” entlud sich in einer zwanzigminütigen Odyssee durch Kanye Wests emotionalste Vorführung, die er am Ende einer fast einjährigen Tour noch geben konnte. Dude hat auch Liebeskummer gehabt. Dieser Teil der Show soll für immer der Moment sein, an dem Yeah Sara beschlossen hat für immer alleine zu sein und sich der Liebe zu entsagen. Auch wenn er eigentlich etwas anderes damit beschreiben wollte. Wenn ich von Katzenkot umgeben sterbe, dann war Yeezy Schuld.

You run and tell your friends that you’re leaving me / They say that they don’t see what you see in me

You wait a couple months then you gon’ see / You’ll never find nobody better than me

Aber natürlich ist die Crowd nicht da, um seinen gescheiterten Liebesbeziehungen kollektiv nachzutrauern. Wäre ja auch zu schön. Ich beneide ihn aber: immerhin kann er seiner Scheisse Luft machen ohne als sensibles Mauerblümchen zu gelten. Da muss man auch nichts mehr reininterpretieren, das steht alles so da. Fuck you, Amber Rose. Sogar ich hasse dich mittlerweile.

Irgendwie haben wir es geschafft, während des ganzen Konzerts zusammen zu bleiben. Die richtigen Prügeleien blieben aus, alle wussten, dass die letzten Reserven, alle Kräfte noch für das Highlight aufgespart werden mussten. In der Zwischenzeit stand mein Cousin tatsächlich in der 3. Reihe (wie er mir freudig per SMS mitteilte) und warf glaube ich sogar seinen BH hoch. So viel Ehrgeiz muss sein, ich glaube man musste fünf Stunden im Pulk vor dem Einlass stehen, um so weit vorne sein zu können. Bei unserer Ankunft um 18 Uhr waren wir zwar nicht die letzten, aber vor allem nicht die ersten. Zwischen Toilettenpause und kurzwaszutrinkenholen landet man dann eben nicht mehr ganz so weit vorne. Mir sollte es recht sein, ich hätte ja so oder so nichts gesehen. Die Screens im Backdrop der Show waren zwar hilfreich um alles mitzuverfolgen, aber vor allem waren es die tatsächlichen Größen der Rapper, die alles wieder auf den Boden der Tatsachen holten. Sie waren klein. Ganz, ganz klein.

Als es mit Dirt Off Your Shoulders, Big Pimpin’ und I Just Wanna Love You wieder richtig losging, war in mir schon etwas faszinierendes losgetreten worden. Eine gewisse Erleichterung: ja, das ist alles gut so, wie es ist.

Und dann natürlich N*ggas in Paris. Wie zu erwarten: absolutes Armageddon im Publikum. Intensive Hochgefühle machten sich breit. Mir fehlten zwar ungefähr siebzehn Liter Wasser und ein Grab in das ich mich zur Ruhe legen konnte, aber scheiss egal. Man hob mich auf Schultern und plötzlich war ich über allen, guckte Jay und Yeezy direkt in die Augen, schrie mir alles aus der Kehle und sah wie tausende Menschen wie uniformierte Roboter im Stroboskop auf und ab sprangen, sich gegenseitig festhielten und vor einem Moment wie diesem einfach nur kapitulieren mussten. Egal ob Musik oder Film oder irgendetwas anderes. Wer es schafft, andere Menschen innerhalb weniger Stunden so viel durchleben zu lassen, der trägt etwas – egal was – zu einer Gesamtkultur bei. Der lehrt in gewisser Weise, wie das Leben funktioniert.

Klatschnass und mit miesen Temperaturen (dafür aber Vollmond im Anschlag) pumpten wir uns literweise Cola in die Rachen um zumindest ein bisschen fitter zu werden. Weil wir den Pumakäfig im Auto nicht riskieren wollten, kauften wir uns für schlappe 40 Euro – GELDSORGEN WAREN GESTERN – bomben Merch. Ich gebe zu, dass ich sowieso nur eine Ausrede brauchte. Dachten sich tausende andere auch. Zusammen liefen wir neu maskiert zur Tiefgarage. Wenn schon, denn schon.

Wir fuhren erschöpft und ausgelaugt um ein Uhr morgens nach Hause. Zu viert wechselten wir uns im Stundentakt ab während eine einzige CD in Dauerrotation im Player lag (es war nicht Watch The Throne. So schön es war, dieses Album werde ich wahrscheinlich erst in ein paar Jahren wieder auspacken). Der Sonnenaufgang, als wir kurz vor Berlin waren, erschütterte den Rest unserer lebenden Körperfunktionen. Irgendwann lag ich wieder in meinem Bett und fragte mich, was das bedeutet, nach sehr langer Zeit mal wieder einen Sonnenaufgang mitzuerleben.

Vielleicht nur, dass es im letzten Jahr viel zu viele Sonnenuntergänge waren.

What’s a mob to a king? / What’s a king to a god? / What’s a god to a non-believer? / Who don’t believe in anything?

June 7th, 2012 Posted in Musik | 4 Comments »

MERCY

Ein ausgewogener wenn auch nicht kritikloser Bericht zum Watch The Throne Konzert und der extremen Reise nach Frankfurt und zurück wird folgen. Doch erstmal lassen wir Yeezy einen seiner besten und fettesten Teile der letzten Monate pumpen. Das Video spricht mich und mein arabisches Erbe hart an. Der Style ist bombastisch. Ich liebe ihn. Ich liebe ihn einfach. Fuck the haters. GOOD MUSIC.

June 6th, 2012 Posted in Musik | Comments Off

Watch My Throne

Die Dinge, die es über Jay-Z und Kanye West als symbolische Träger des letzten Jahres zu sagen gibt, sind in etwa so explosiv wie die kleinen Knallfrösche, die Kinder zu Silvester bekommen. Sie machen ein Geräusch und reizen das Auge, aber der angesagte Krach bleibt aus, und zurück bleibt ein fast unsichtbarer Rußfleck auf Asphalt, den nach dem nächsten Regen niemand mehr bemerken wird.

Nun geht es schon lange nicht mehr um die Musik. Es ging schon immer darum, zusammen, in geschlossener Mannschaft, ein Verein der Freundschaft, da jetzt nach Frankfurt herunter zu fahren und die Crowd zu sein. Es ging um das Schwitzen und Tanzen, das Lachen und Kämpfen, das Mitsingen und Staunen. Für mich ging es auch um die Blicke, die man kurz vor dem Schlappmachen mit euphorisiertem Blut austauscht, kleine Momente, die einfangen: “es ist schön, mit dir hier zu sein.”

Gerade ist es nicht immer schön, mit Menschen irgendwo zu sein. Gerade steht an höchster Stelle die Pflicht auf der Liste der Dinge, die es im Leben zu tun gibt. Der Genuss wurde mit der Liebe abgestreift, und jetzt dümpelt mein Geist in einer zeitlosen Welt, darauf wartend, von den Ketten der Müßigkeit, Apathie und Lustlosigkeit befreit zu werden. Ich muss arbeiten, ich muss essen, ich muss Sport machen, ich muss auf das Konzert. Eines Tages, wenn ich nur oft genug “ja” zu diesen Dingen sage, werde ich hoffentlich das “muss” herausstreichen können und einen neuen Kontext für das “ich will” bilden. So lange wird noch ein Heilungsprozess stattfinden, der sich mit dem ganzen letzten Jahr beschäftigt.

Ein Teil dieser Arbeit wird aber trotzdem mit Kanye & Jay-Z verbracht, auch wenn die sich ruhig hätten ins Zeug legen können, was das neue Musikvideo zu “No Church In The Wild” betrifft (Romain Gavras ist keine Dauerentschuldigung für schöne Bilder ohne Hintergrund, die Riot-Sache ist Gänsehaut, aber leider nicht zutreffend für den Song und damit eher Effekthascherei). Wir werden nicht, wie geplant, zu fünfundzwanzigst und mit ganz Kreuzberg im Gepäck nach Frankfurt fahren. Aber wir werden, ganz klein und für uns und völlig unspektakuläre, Knallfrösche anzünden und uns darüber freuen, dass manche Dinge nur ein “muss” sind, bis man sie gemacht hat.

June 1st, 2012 Posted in Musik | 2 Comments »

All Falls Down

Noch bevor ihre Augen offen waren wusste sie, dass sie schon wieder in derselben fürchterlichen Dimension gelandet war. Dieselbe Kälte, dasselbe einstürzende Haus, dieselbe Verzweiflung und dieses immerwährende Fall-Gefühl im Bauch, als hätten ihre Eltern sie damals im Free Fall Tower der Universal Studios vergessen. Als wäre Fallen jetzt der Normalzustand. Als wäre Beten für den Aufprall eine menschliche Hoffnung.

Aber sie wollte in dieser Runde stark sein und ihre Angst überwinden: das hier ist kein Horrorfilm, das hier ist das Limbo, von dem Christopher Nolan in Inception berichtete. Man kommt hier nur raus, wenn man Rückgrat beweist. Also befreite sie ihre rostigen Beine von ihrer kauernden Position am Treppenabsatz, stand auf und ging hinunter in die dunkle, unbekannte Welt, in der man nicht sterben und nicht leben konnte.

Als sie die Dunkelheit nunmehr vollständig umgab, knallte sie mit dem Kopf vornüber gegen eine schwere Metallwand, die sich nach einigem zögerlichen Tasten mit ungelenken Fingern als Tür herausstellte. Sie hielt den Atmen an und zog am Knauf, doch die Tür ging nicht auf. Erleichtert, doch gleichzeitig am Rande der Tränen, trat sie wieder einen Schritt zurück von der Tür. Eine leichte Vibration ging unter ihren Füßen durch den Boden. Tränen rollten wieder ihre Wange lang. “Scheisse”, murmelte sie leise. “Scheisse.”

Nach einigen Minuten hörte sie ein lautes, männliches Seufzen. Sie erschrak, zuckte stehend zusammen, verlor beinahe das Bewusstsein vor Angst. “Wer… wer ist da?”, flüsterte sie in das Nichts, vor ihr die Tür, hinter ihr die Treppe, das Licht zu weit weg, um sie in ihrer Position zu unterstützen. Es dauerte eine Weile, bis eine Antwort kam.

“Du musst drücken, Mädchen.”

Ihre Tränen passierten den letzten Checkpoint und brachen den bewachten Zaun der Selbstbeherrschung. Es war zu spät. Angst und Wahnsinn überkamen sie, “das ist nur ein böser Traum, das ist nur ein böser Traum”, sagte sie sich immer und immer wieder. “Wenn man sich nicht daran erinnern kann, wie man hergekommen ist, dann ist man in einem Traum”, wie ein Mantra sagte sie die fiktive Formel des Filmes nach, der sie im Jahre 2010 so fasziniert hatte.

“DU MUSST AN DER TÜR DRÜCKEN, NICHT ZIEHEN!”, donnerte es nochmals. Sie kauerte wieder auf ihren Knien, wippe vor und zurück, hielt sich die Ohren mit ihren kalten Händen zu und ignorierte das Beben und den Kiesel, der auf sie rieselte. Sie wollte nur noch hier raus und fragte sich, wieso sie bei jedem mutigen Schritt nach Hause wieder von der grausamen Realität ihres Traumes eingeholt werden musste. Noch bevor sie eine Antwort finden konnte, ging ein Ruck durch die Tür; langsam schiebt sich das Metall über den Steinboden. Ein Spalt von Licht schimmerte jetzt hindurch. Sie hörte auf zu schluchzen. Als sich nichts mehr bewegte, atmete sie tief ein und stand auf. Ihre Hand griff nach der Tür, sie drückte und trat in einen Raum voller Licht.

Die Tür knallte hinter ihr zu, doch wo sie vorher blind vor Dunkelheit war, war sie nun geblendet von einer radioaktiven Sonnenstrahlung. Sie musste sich die Hände über die Augen falten, um das grelle Brennen abzuwenden. “Wo bin ich?”, rief sie in den Raum rein. Erst jetzt bemerkte sie den unterschwelligen Tinitus, den sie sich wohl eingefangen haben musste. Wie ein liegengebliebenes EKG hörte sich das an – wie symbolisch, dachte sie. Der Tod kann nicht weit sein.

“Hör auf, über den Tod nachzudenken!”, schallte es aus einer fernen Ecke des Raumes. Sie zuckte zusammen.

“Und überhaupt – wenn eine Tür beim ersten Ziehen nicht aufgeht, dann versuch es beim nächsten Mal mit Drücken. Du bist nicht Alice im Wunderland. Das hier ist nicht mit Helferlein konzipiert. Das nächste Mal helfe ich dir nicht mehr so!”

Sie war in ihrer geblendeten Starre gelähmt. Sie verstand, dass jemand mit ihr redete, aber sie konnte nicht zuordnen, ob tatsächlich gesprochen wurde oder ob ihre Gedanken bearbeitet wurden. Diese ungreifbare Stimme jedoch konnte sie ganz klar zuordnen.

“Bist du… bist… bist du Kanye West?”, fragte sie in den Raum hinein, ohne sich selbst zu hören. Wie ein Vakuum wurde jedes Wort von der Sonne verschlungen. Bis auf das tote EKG gab es keine Akustik. Umso erstaunter war sie, dass die Antwort tatsächlich in ihrem Kopf landete.
“Nein. Ich bin Gott.”
“Oh.”, sagte sie, enttäuscht. “Aber du hörst dich so an.”
“Das ist, um dir die Angst zu nehmen. Du weinst ganz schön viel. Kanye West beruhigte dich schon als kleines Kind.”
“Als.. Kind? Ich bin 23.. Kanye West macht doch noch nicht so lange..”, doch Gott unterbrach ihren Einwand.
“Nebensächlich! All Falls Down! Alles an Sicherheit hat er dir gegeben, du warst 7 Jahre alt, da wusste ich, Yeezy gehört zu dir! Ich bin hier um dir zu helfen, als Kanye West verkleidet!”

Doch der immer lauter werdende Tinnitus und die radioaktie Sonnenstrahlung brannten All Falls Down aus ihrem Gehirn. Sie fiel weiter, tiefer, aus dem Licht und aus dem Akustik-Vakuum hinaus in eine neue Welt. Kein Kanye West, kein Sonnenschein. Sie wusste nichts mehr, als die Dunkelheit durch ihre Adern strömte, verlor ihre Gedanken, ihre Erinnerung und ihr Bewusstsein gleichzeitig. Ein Hauch von Limbo umgab sie, als der Schlaf sie in eine neue Welt holte…

January 28th, 2012 Posted in Crystal Meth, Musik | Comments Off

Watch The Throne

Sind sie nicht süß, diese alten Männer? Wie sie freudestrahlend auf einen Runway laufen und eine Art Choregraphie hinlegen, die sie nicht als harte Typen, sondern als interessante Entertainer auszeichnet? Wie sie, ich fasse es nicht, “crazy” voll aussprechen und nicht zu “cray” verstümmeln (wobei ich den innovativen Aspekt dahinter ehrlich gesagt nicht abstreiten möchte). Wie sie in Ledermontur (Kanye, du Fashionmonster – und die göttlichen Air Yeezys, diese fantastischen Dinger, die ich niemals besitzen werde) triumphieren und die Versace x H&M Jacke aus der aktuellen Kollektion mit einem Extra-Grinsen Erwähnung findet…

Die Musik selbst, mit diesem elektronischen Rumgewabere am Ende, das so ein bisschen an Skrillex’ Nicht-Dubstep, Nicht-Elektro Talent erinnert, aber auch die Plattform – wer ist die Zielgruppe für Victorias Secret Fashion Show? Harte Gangster-Typen? Hm – ist so ein bisschen der Abgesang auf die Einschränkungen, die dem Hip Hop in seiner Geschichte widerfahren sind. Wenn Mutti und ihre Töchter zu Kay & Jay abgrunzen können, dann kann das jetzt jeder. Das mag vielleicht keine überraschende Entwicklung sein, weil vor allem Kanye die Marketingfläche nicht unwesentlich gedehnt hat mit seinen Pop-Ambitionen (und ey, wenn Jay-Z nicht seit jeher eingänglich war, wer sonst?). Ich finde es trotzdem erstaunlich, wie schön sich das ganze in die Szenerie einfügt, so natürlich, als wäre es nie etwas anderes gewesen. Irgendwie so, als wäre der nächste Stopp bei Wetten, Dass? // es wundert mich nicht, wenn es da einen nervigen Drang gibt von Kids, unabhängig der Herkunft, anderen “rebellischen” Kids zu folgen, die zwar nicht minder den Erfolg haben wollen, aber dabei noch ein paar Leuten in die Fresse spucken möchten (ie Odd Future wollen Wu-Tang sein). Fragt sich, ob es am Alter von Hip Hop liegt (“endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen”) oder eben am Alter der anführenden Künstler… (was übrigens nichts über die Qualität von The Throne aussagen soll).

PS: Das Hip Hop Künstler noch mal Gianni Versace “neu” auftragen würden- wer hätte das schon gedacht.
PPS: Ich will diese Jacke. Ich will, ich will, ich will.

December 1st, 2011 Posted in Musik | 6 Comments »

Runaway

Unglaublich, Kanye West fickt mich bis nach Vietnam.

Wenn ich diesen Song nur hätte.

October 30th, 2010 Posted in Musik | 4 Comments »