"Girl gone wide."


Info

Posts tagged konzert

Im Auto Musik zu hören ist besser als alles andere. Das ist wissenschaftlich belegt so. Ich glaube, das liegt daran, dass das Soundsystem im Auto auch auf die Person am Steuer ausgerichtet ist. Der Sound ist einfach viel besser, selbst wenn er schlecht ist.
Aber das ist ja auch nur Quatsch. Wann hast du das letzte Mal nichts gemacht außer die Musik laut aufzudrehen und dich hinzusetzen und einfach nur zu zu hören? Beim Auto fahren passiert das ja ständig. Man vergisst alles. Man dreht das Fenster auf und hält die Hand heraus und macht die Augen bitte nicht zu und schreit aus ganzem Leib mit, wenn Justin Timberlake im Radio kommt, oder man fängt auf einer beseelten Landstraße an zu heulen und macht eine ganze Abenteuerreise der Emotionen mit obwohl man doch nur an die Tanke musste um Kippen und Kondome zu holen aber da war dann auf einmal The National angelaufen und wenn The National läuft wird jeder plötzlich zur 16-jährigen Prinzessin mit Liebeskummer. WENN THE NATIONAL LÄUFT IST ALLES VORBEI.

Das Auto als musikalischer Funktionsträger und emotionaler Katalysator: ich muss da immer an diese Zeiten des Abiturs denken. Um 3 Uhr morgens bin ich in meinen popeligen Opel Astra gestiegen und quer durch die Dörfer gefahren, einfach so. Nicht mal unter dem Vorwand nachzudenken. Ich war schlaflos und gelangweilt, und das war das teuerste Heilmittel, und ich konnte heimlich rauchen. Mittlerweile ist das ganze Autofahren-Gedöhns einfach zu politisch geworden, täglich sterben jede Sekunde eine Trillionen Bäume, weil ein kleines Mädchen durch deutsche Kuhkäffer fährt und Incubus hört. Unsere Kinder werden dieses Gefühl vielleicht nicht mehr kennen, wenn Rauchen, laute Musik und Auto fahren in der Zukunft verboten werden. Sie werden nicht mehr wissen, was es transportiert – nicht nur den Menschen im Vehikel, sondern das Roadtrip-Gefühl der Freiheit, wenn die Musik läuft.

(more…)

by yeahs in Musik


Die Foals haben mir eine emotionale Achterbahnfahrt beschert, damals, im Jahre 2010, bevor alles irgendwie total chaotisch war. Bei Spanish Sahara haben wir – glaube ich – in den virtuellen Sternenhimmel geguckt, gelacht und gedacht “mensch, das fühlt sich aber komisch an”. Und jetzt fühlt sich das unendlich lange her an. Und ganz andere Sachen sind komisch.

(more…)

by yeahs in Musik


Am 1.2.2013 ist Kendrick Lamar live on Tour in Berlin – und zwar im Huxley’s. Das ist ein bisschen so, als würden sich 1000 Leute dem blechernden, kaputten Reisefön meiner Mitbewohnerin ans Ohr halten – für zwei volle Stunden. Irgendwo im Hintergrund brüllt das an Tourette erkrankte Nachbarskind mit türkischen Schimpfwörtern gegen Erwachsene auf der Straße an und zwischendurch hört man noch durch die rauschenden Frequenzen eines kaputten Duschradios den Beat, für den man knapp 30 Euro bezahlt hat. So ungefähr ist es, wenn man sich “Musik” im Huxleys anhören möchte.

(more…)

by yeahs in Berlin Musik


Jessie Ware. Diese Frau hat es geschafft, Pferde in meinem Herzen zum Gallopieren zu bringen. Sie laufen in ihrer wilden Schönheit durch Wüsten und Wälder und wirbeln einiges an Staub und Emotionen auf. Ihre Stimme kommt im Gesamtpaket mit einem wunderbar kontemporären Pop-Konzept, dass sich aus der üppigen Schatzkiste der englischen Tanzmusik bedient.

Jessie Ware wird auch bald in Berlin auftreten- im Rahmen der Konzertserie “Introducing“. Dort kann man sich auch noch für die Gästeliste eintragen. Am 19.11. wird sie im Bi “schlechtester Clubname ever” Nuu am Schlesischen Tor zu besten geben und selten habe ich mich so sehr auf einen Pop-Gig gefreut.

(more…)

by yeahs in (Pop)Kultur Berlin Musik

How To Dress Well hat mich überfahren wie ein Betonmischer auf einer schockgefrosteten Autobahn ohne Leitplanken in Russland. Bisher fand ich das lo-fi Geplänkel nur annehmlich und bezeichnete Tom Krell’s kleine Abenteuer der Geräuscheproduktion als typischen White Noise, den ich mir beim arbeiten anhöre. Leider – oder glücklicherweise – musste ich feststellen, dass mir so ziemlich alles entgangen ist, was How To Dress Well richtig gut gemacht hat. Und dass es wesentlich mehr ist als Einschlafgedusel mit einem kriminellen R&B-Twist.

(more…)

by yeahs in Berlin Musik

The XX haben Revolution gemacht. Teenager, die ein Rad neu erfunden haben: Pop-Musik. Ihre Stimmen im Vordergrund, minimalistischer Ansatz, sympathische Bandmitglieder. Der englische Bass, der sich durch den Zeitgeist zieht, wurde vor allem von diesen Kids in den Vordergrund gerückt. Und als auch ich endlich darüber hinweg sehen konnte – damals – dass sich “jeder Song gleich anhört”, war ich dankbar für so ein wohl konstruiertes Stück Kunst.

Mit Mount Everest hohen Erwartungen steppten wir sodann in den Admiralspalast, um das Konzert zum aktuellen Album – CoExist – zu sehen. Diese Erwartungen wurden übertroffen. Die Bühnenshow ist eine perfekte Komposition von Licht, Musik und Effekten. Der Admiralspalast – endlich Sitzplätze – bietet eine unglaublich schöne und passende Atmosphäre. Der Sound: einwandfrei. Atemberaubend, das kann ich sagen. Spätestens als Intro angespielt wurde, als einer der letzten Songs, gab es keinen Menschen mehr im Raum der nicht Gänsehaut und Ehrfurcht vor den Klängen verspürte. Wie demütig man sich hingeben kann, wenn alles stimmt.

Das war schon immer das schöne an The XX: sie müssen nicht übertreiben. Sie haben eine Rolle, die sie einhalten. Da wird nicht gejammt und auch nicht geeiert. Perfekte Choreografien gehören zu ihrer Show und zu ihrem Act und zu ihrer Musik dazu. Ich musste schmunzeln, weil ich automatisch an das Wort “Playback” dachte. Und auch auf dem neuen Album möchte man oft sagen, hach, Jamie, hättest du da nicht ein bisschen aufdrehen können? Aber eigentlich ist alles optimal so. Sphärisch und atmosphärisch, Musik, die in ihrem eigenen Limbo festhängt. Speaking of Jamie: der junge Mann an den Schaltknöpfen macht keine Fehler. Das XX Konzert im Admiralspalast: ein perfekt dirigiertes Set, zwischen Fine Arts und Pop gefangen, elitär, ohne verschlossen zu sein, geisterfüllend und einnehmend, ohne Coolness zu verlieren.

Und nur, um das noch mal gesagt zu haben: ICH hätte nicht gedacht, dass es so, SO gut wird. Heart Skipped A Beat.

by yeahs in Berlin Musik


Die Kamikaze-Entscheidung schlechthin: es ist unter der Woche, wir haben viel zu tun (WIR HABEN IMMER VIEL ZU TUN), wir haben Stress untereinander, wir haben Stress mit anderen, wir wollen alle dort hin, aber es ist viel zu weit weg und vor allem TEUER ASS FUCK, machen wir das jetzt oder nicht, mieten wir ein Auto oder fahren wir mit dem Zug, wie lange wird das dauern und werden wir auf der Rückfahrt einschlafen? Watch The Throne oder Watch Nothing At All?

Bis zur letzten Sekunde, bis wir tatsächlich zu viert ins Auto sprangen und endlich los fuhren, war nichts klar. Wir hatten Tickets übrig, wir hatten abgesprungene Käufer, wir hatten auf einmal gar keine Tickets mehr, kleine Mädchenblasen und einfach viel zu viel Kopf für dieses Konzert mitgenommen. Alles am Ende egal. Wir saßen in unserem süßen Mini-Auto und schoben uns in Mach Minus Tausend über die Autobahn. Wir spielten die Banger rauf und runter. Sechs Stunden, Berlin bis Frankfurt. Time to beat.

Heard she fucked the doorman / Well that’s cool I fucked the waitress

An der Festhalle Frankfurt ergibt sich das typisch angespannte, aber losgelöst-aufgeregte Bild der Horden von Fans, die sich vor dem Eingang positioniert haben. Für mich ein Meer von soziologischen Studien. Sie fallen in kein Muster, zehntausend Menschen können nur eine einzige Gemeinsamkeit haben: Jigga und Yeezy. Aber doch haben sie alle ihre besten Outfits angezogen, die Ladies in ihren unfiligranen Jordans, die Boys mit Kappen, die ersten fallen vom Druck der Sonne und vermutlich viel zu viel Alkohol in den Reihen vor uns um. Wir fragen uns, ob das nicht auch zu einer Enttäuschung führen kann, ob die richtige Entscheidung nicht auch einfach gewesen sein könnte: bleib zu Hause und lass gar nicht erst zu, dass die Götter dich hängen lassen. Aber das ist nur ein Gedankenblitz, unwichtig.

Als es losgeht sind wir alle schon völlig erschöpft von unseren Erwartungen und weichen Knien. Und es kam genauso unmittelbar wie man es sich vorstellt. Von breiter Beleuchtung zur absoluten Dunkelheit. Es knallt. Würfel werden hochgefahren. Alle rasten aus. Da stehen sie nun: Hova und Yeezy. Zuerst Yeezy, dann Hova, muss man dazu sagen. Das schöne daran ist: jeder hatte was davon, denn ein Würfel vorne, ein Würfel hinten. Yeezy, mein Rap-Ritter, praktisch direkt vor mir. Leider auch direkt vor mir: große Hühnen, Menschenwände. Alle heben ihre Handys hoch um zu filmen, und ich frage mich: was macht ihr eigentlich hier, ihr Idioten? Alle heben ihre Hände hoch, weil sie filmen müssen, denn sie sehen nichts, weil alle filmen. Irgendwann gucke ich nur noch auf die Mini-Screenwände, weil ich sonst überhaupt nichts mehr von der Performance mitbekomme. Wir gucken durch unsere Finger ein Konzert. Das 21. Jahrhundert hat unsere Sinne gestohlen und verformt. Irgendwann kann man nur noch die Augen schließen und sich von den Massen wiegen lassen. Am Ende geht es ja sowieso nur darum, für eine Stunde sehr Aufmerksam zu hören, was unsere Prediger zu sagen haben.

I’m losing myself, I’m stuck in the moment / I look in the mirror, My only opponent

Wenn ich “Prediger” sage, dann meine ich das nicht nur im metaphorischen Sinne. Sie sind die Prediger des 21. Jahrhunderts – genauso wie viele andere Musiker und Künstler. Wie alle, die Menschen an einem Ort vereinen können, um sie dann mit ihren Thesen und Weisheiten vom Leben zu übergießen. Wie sie – wie wir – alle dastehen und den Diamanten mit unseren Händen formen (traurig für alle, die eigentlich auch filmen wollen, was die Pop-Päpste zu sagen haben), die Message aufsaugen, uns gehen lassen. Und sie feiern, weil sie angebliche Wahrheiten so gekonnt und charmant formulieren, mit so viel tosendem Lärm auf uns herunterkrachen lassen, dass wir vielleicht gar nicht mehr merken, dass es sich auch um Lügen handeln könnte. Religion ist Ansichtssache. Das Konzert ist unsere Kirche. Woran noch glauben, wenn nicht an das, was vor uns ist?

Sie haben definitiv was wir brauchen, aber man sieht ihren Gesichtern an, dass sie alt werden. Sie ersaufen in ihrem Schweiß. Das Licht, die Flammenshow – Alter, Rammstein wäre neidisch – und doch wirken sie immer noch so unrealistisch weit weg. Wir so im Publikum: Boom, krass. Die so auf der Bühne: schon wieder eine Show. Eine von tausenden. Und nicht unbedingt die interessanteste. Sie wird untergehen. Ich gucke mich um und sehe gespaltene Meinungen. Wer noch nie auf so einem großen Konzert war, der weiß nicht, was purer Hass auf die Menschheit ist: purer Hass dass die Fotzen vor mir glauben, sie wären in einem Streichelzoo und gelangweilt jeden böse anmachen, der sie ausversehen kurz berührt. Ausschließlich Hass für den Dude daneben, der eine halbe Stunde an seiner richtig miesen Kamera rumspielt und das ganze Konzert verpasst. Hass an alle, die Geld für ein Ticket bezahlen um das monumentale Ereignis direkt vor ihren Augen dann zu verpassen.

She wanted us to end cause I fucked her friend // She gave me one more chance and I fucked her again

Kanye kann man vorwerfen, einen ziemlich kalten Part zu spielen. Natürlich ist Jay-Z der Profi, und natürlich haben wir uns alle darüber am meisten gefreut, dass er immer noch spitten kann wie ein Monster. Aber Kanye West ist für mich die tragende Säule. Er ist mein Jay-Z, man. Beide könnten letztendlich mit ihren endlosen Diskografien stundenlange Shows füllen. Ich bilde mir ein, sie reisen einfach gerne zusammen und wollen nicht alleine sein. So geht es schneller und präziser. So kann man King sein: wenn man seinen Platz teilt. Nur so kommt keiner von beiden so richtig richtig zur Geltung. Es wird Zeit, sie auf ihren Solo-Touren – sollten jemals wieder welche stattfinden – zu jagen.

I feel the pressure, under more scrutiny, and what I do? Act more stupidly.

Meine Geschichte mit Kanye West ist voll von Widersprüchen. Ich konnte ihn nicht immer leiden, und ich kann ihn auch heute manchmal nicht ausstehen. Vielleicht ist er ein bisschen hohl, vielleicht ist seine Musik nicht immer konsequent die beste. Vielleicht ist er nicht der allerbeste Produzent, und mit Sicherheit ist er nicht der beste Rapper. Nicht der schnellste, nicht der mit der krassesten Story. Damals erschien Through The Wire, ich kannte ihn davor nicht, und er rappte durch die Schiene und ich war fasziniert davon. In all den Dingen, die er nicht ist, ist er der authentischste. Nie hat ein Rapper so wenig Platz irgendwo gefunden – nicht East, nicht West, nicht der Flow und nicht der Beat und nicht die Lyrics, aber alles zusammen, inklusive seiner schrägen persönlichen Einlagen, all das sprengte er über Horizonte hinaus weg, poof. Er steht oben mit Jay-Z, und wenn ich einen bevorzugen müsste, jetzt und für immer, wäre es Yeezy. Ich glaube ihm, dass er nicht nur spielt. Ich glaube ihm, dass er ehrlich ist. Ich weiß nicht, was das noch mit Musik zu tun hat. Das ist blasphemische Anhimmelei. Der Versuch, in anderen Menschen Götter zu finden. Bevorzugt Menschen, die alles schon erreicht haben und deshalb umso mehr Zeit dafür finden, über die Scheisse zu philosophieren, die tagtäglich auf sie heruntergeworfen wird.

Feeling like Katrina with no fema / Like Martin with no Gina / Like a flight with no visa

Wie erfolgreich sie sind merkt man immer daran, dass man jeden einzelnen Song kennt, immer mitgröhlen kann. Konzertqualität hoch tausend. Tausend mal würde ich das wieder machen, nicht wegen ihnen persönlich, sondern wegen der Zeit, die man damit verbringt, über all das nachzudenken was sie einen in den Jahren davor schon mitgegeben haben. Jeder einzelne Song eine Box voller Erinnerungen. Wie lange haben sie – beide – mich begleitet? Es ist wie als könnte in so einem Augenblick jede einzelne Sekunde aus diesen festgehaltenen Zeitfenstern ausgeschwitzt werden. Und schwitzen ist gut gesagt: die Brühe lief uns über die Augen durch die T-Shirts in unsere Hosen auf den sumpfigen Boden. Ich hätte trotzdem keinen Sitzplatz gewollt.

I ain’t here to argue about his facial features / Or here to convert atheists into believers

Manchmal denke ich trotzdem: Fuck you, Kanye. Du laberst scheisse. Du bist so abgehoben, wie ein normaler Mensch nicht abheben kann. Das sind Gedanken, die man für sich behält, denn wir wollen alle so abheben können. Wir brauchen nur die perfekte Legitimation. Reichtum, Macht, Fame? Ernsthaft, reden wir jetzt darüber, dass Rapper Götter darstellen können, ist das überhaupt legal? Brauchen wir nicht nur jemanden, der unsere Hand hält, wenn wir Sysiphos-Style immer wieder den Berg rauf und runter klettern müssen? Das könnte auch Mutti gut machen, die musste da auch schon durch.

I’m not a businessman, I’m a business, man

“Diamonds Are Forever” dürfte der vielschichtigste und beste Song sein, den die beiden zusammen gemacht haben. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn aufführen, aber beim ersten Klang starben alte süße Menschen in meinem Herzen vor Schreck. Jigga und Yeezy lassen Gänsehaut herabregnen. Immer, immer, immer wieder. Ich glaube das war eine halbe Stunde nach Beginn – schon dann fühlte es sich so an, als stünden wir bereits sieben Stunden vor dieser Lärm-Hypnose. Ich war nicht glücklich mit dem Sound. Es echote und dröhnte. Vielleicht fand das Konzert deshalb nicht in Berlin statt. Dort hätten sich die Leute mit verschränkten Armen und schmollenden Fressen um die letzte Reihe geprügelt. Es gibt nichts uncooleres, als sich trotz störendem Sound zu freuen. Gut, dass keiner meine Euphorie gesehen hat.

Ich habe meinen Homie vermisst. Er war entschuldigt, wir sind einfach zu busy für dieses Leben. Im Geiste warst du da und wir haben uns ständig gegenseitig geschüttelt, weil wir einfach nicht klarkommen. Trotzdem war meine Gang am Start. Das ist die Glücks-Tüte, mit der man die Hundescheisse auf dem Asphalt des Lebens aufheben kann. Family, Crew, Gang, Mob, alle Arm in Arm, alle in einer Schweiß- und Speichelbrühe. Manchmal fühle ich mich dann so extrem jung und mutwillig, mich so gehen zu lassen. Könnte ja jemand sehen, wie eklig das ist – könnte jemand denken, ich wäre erst 12 und total debil, wie ich so vor mich hingrinse, drogenabhängig, absolut hässlich. Das dachte ich mir letztes Jahr schon, als ich die Konzertvideos vom Odd Future Konzert nachträglich angeschaut habe. Ich sagte mir: oh man, nie wieder, du siehst aus wie Sonderschule. Was soll’s? Es ist ja auch nicht so, als könne ich das groß kontrollieren. Musik läuft, ich geh steil. Lieber Sonderschule als Spaßbremse.

Love I don’t get enough of it / all I get is these vampires and blood suckers

Ich würde schon behaupten, dass ich noch nie ein beeindruckenderes Konzert gesehen habe. Aber das liegt nicht nur an der Show und an den Songs und an der Stimmung, das liegt natürlich auch an meinem State of Mind. Wenn dir jemand aus deinem Lieblingsbuch vorliest und du zufällig dabei in einem Schaumbad liegst und alle deine Freunde dabei sind und es dir unglaublich gut geht in diesem Augenblick – nachdem man dir beide Beine und beide Arme amputiert und deiner Frisur einen Sidecut verpasst hat – dann ist das wahrscheinlich auch die schönste Geschichte, die man je gehört hat. Ich möchte also damit sagen, nur so, falls es noch nicht deutlich geworden ist: ich verstehe es, wenn jemand das Konzert nicht gut fand. Oder nicht so übertrieben gut um sich zu 3000 Wörtern motiviert zu fühlen.

I don’t need your pussy, bitch I’m on my own dick

Kein Ende in Sicht. In meinem Kopf explodierten meine Zellen in spektakulären Action-Filmen vor Durst und Müdigkeit, aber das war weniger etwas, was ich fühlte, als etwas, dass ich wusste. Niemand hätte mich jemals aus der ungefähr 14. Reihe vor der Bühne kriegen können. Ich hatte kurzzeitig überlegt meinen Tampon zu “Power” zu wechseln und ließ es dann doch. Mein Magen rebellierte gegen den Hunger. Der Gedanke daran, sechs Stunden durch die Nacht zurück zu fahren – im nassen T-Shirt mit vier Menschen im Auto – kam mir vor wie ein weit entfernter Witz. Mitten im Song stellte ich der kleinen Fotze vor mir endlich ein Bein und drückte ihr volle Granate meinen Ellenbogen in den Nacken. Ich glaube, Georg wurde am Ende sogar vor dem Circle of Death geklatscht – wahrscheinlich von der selben Fotze. Ich wünsche ihr nichts anderes als den schmerzhaftesten Durchfall-Tod. Scheiss dich mal richtig aus kleine Maus, ich kauf mir ein Ticket für deine Beerdigung und steh erste Reihe.

Ghetto Anthem hin oder her, Ghetto ist das ganze nicht mehr. Sogar meine Mutter weiß, wer die zwei Typen sind. Meine Mutter kennt sonst nur Michael Jackson, Britney Spears und Madonna, ich schwöre. Und damit erklärt sich auch das heterogene Publikum. Nicht unbedingt die die-hard Fans, nicht unbedingt die krassesten Hip Hop Kids. Was Kings of Leon für Indie und Rockmusik waren, das ist Watch The Throne für Hip Hop. Das muss nicht bedeuten, dass es unbedingt schlecht ist. Es bedeutet halt nur, dass Fotzen vor mir stehen und dass Rap als Musikrichtung nun die Gelegenheit finden kann, einen neuen Underground zu etablieren (was ja auch schon ein bisschen geschieht, siehe ODFWGKTA oder Black Hippy). Ich erinnere mich noch daran, als Hard Knock Life erschien. Da war ich ungefähr 8 Jahre alt. Zumindest habe ich damals mit meinem Cousin immer ausgesucht, wer in dem Video wir sein wollen. So viele Jahre später nun das.

Es war nicht nur ziemlich cool, dass sie auch die eigenen Klassiker zum besten gaben. Es war auch ziemlich erleichternd, denn Watch The Throne als Album mag zwar einige Hits drauf haben, aber das ganze Teil am Stück, hintereinander, ohne Pause, ist eher eine emotionale Belastung. So viele eklektische Beats drücken schon mal auf’s Ohr. Da gibt es keine Storyline, keine Höhepunkte. Die braucht man, so finde ich, aber für ein Konzert. Etwas, dass sich mit Spannung füllt und die Luft zerreisst. Watch The Throne ist solide und gut, aber ich weiß noch, dass ich nach dem ersten Mal nur angestrengt war.

And I just blame everything on you / At least you know that’s what I’m good at

Der soeben angesprochene “Höhepunkt” entlud sich in einer zwanzigminütigen Odyssee durch Kanye Wests emotionalste Vorführung, die er am Ende einer fast einjährigen Tour noch geben konnte. Dude hat auch Liebeskummer gehabt. Dieser Teil der Show soll für immer der Moment sein, an dem Yeah Sara beschlossen hat für immer alleine zu sein und sich der Liebe zu entsagen. Auch wenn er eigentlich etwas anderes damit beschreiben wollte. Wenn ich von Katzenkot umgeben sterbe, dann war Yeezy Schuld.

You run and tell your friends that you’re leaving me / They say that they don’t see what you see in me

You wait a couple months then you gon’ see / You’ll never find nobody better than me

Aber natürlich ist die Crowd nicht da, um seinen gescheiterten Liebesbeziehungen kollektiv nachzutrauern. Wäre ja auch zu schön. Ich beneide ihn aber: immerhin kann er seiner Scheisse Luft machen ohne als sensibles Mauerblümchen zu gelten. Da muss man auch nichts mehr reininterpretieren, das steht alles so da. Fuck you, Amber Rose. Sogar ich hasse dich mittlerweile.

Irgendwie haben wir es geschafft, während des ganzen Konzerts zusammen zu bleiben. Die richtigen Prügeleien blieben aus, alle wussten, dass die letzten Reserven, alle Kräfte noch für das Highlight aufgespart werden mussten. In der Zwischenzeit stand mein Cousin tatsächlich in der 3. Reihe (wie er mir freudig per SMS mitteilte) und warf glaube ich sogar seinen BH hoch. So viel Ehrgeiz muss sein, ich glaube man musste fünf Stunden im Pulk vor dem Einlass stehen, um so weit vorne sein zu können. Bei unserer Ankunft um 18 Uhr waren wir zwar nicht die letzten, aber vor allem nicht die ersten. Zwischen Toilettenpause und kurzwaszutrinkenholen landet man dann eben nicht mehr ganz so weit vorne. Mir sollte es recht sein, ich hätte ja so oder so nichts gesehen. Die Screens im Backdrop der Show waren zwar hilfreich um alles mitzuverfolgen, aber vor allem waren es die tatsächlichen Größen der Rapper, die alles wieder auf den Boden der Tatsachen holten. Sie waren klein. Ganz, ganz klein.

Als es mit Dirt Off Your Shoulders, Big Pimpin’ und I Just Wanna Love You wieder richtig losging, war in mir schon etwas faszinierendes losgetreten worden. Eine gewisse Erleichterung: ja, das ist alles gut so, wie es ist.

Und dann natürlich N*ggas in Paris. Wie zu erwarten: absolutes Armageddon im Publikum. Intensive Hochgefühle machten sich breit. Mir fehlten zwar ungefähr siebzehn Liter Wasser und ein Grab in das ich mich zur Ruhe legen konnte, aber scheiss egal. Man hob mich auf Schultern und plötzlich war ich über allen, guckte Jay und Yeezy direkt in die Augen, schrie mir alles aus der Kehle und sah wie tausende Menschen wie uniformierte Roboter im Stroboskop auf und ab sprangen, sich gegenseitig festhielten und vor einem Moment wie diesem einfach nur kapitulieren mussten. Egal ob Musik oder Film oder irgendetwas anderes. Wer es schafft, andere Menschen innerhalb weniger Stunden so viel durchleben zu lassen, der trägt etwas – egal was – zu einer Gesamtkultur bei. Der lehrt in gewisser Weise, wie das Leben funktioniert.

Klatschnass und mit miesen Temperaturen (dafür aber Vollmond im Anschlag) pumpten wir uns literweise Cola in die Rachen um zumindest ein bisschen fitter zu werden. Weil wir den Pumakäfig im Auto nicht riskieren wollten, kauften wir uns für schlappe 40 Euro – GELDSORGEN WAREN GESTERN – bomben Merch. Ich gebe zu, dass ich sowieso nur eine Ausrede brauchte. Dachten sich tausende andere auch. Zusammen liefen wir neu maskiert zur Tiefgarage. Wenn schon, denn schon.

Wir fuhren erschöpft und ausgelaugt um ein Uhr morgens nach Hause. Zu viert wechselten wir uns im Stundentakt ab während eine einzige CD in Dauerrotation im Player lag (es war nicht Watch The Throne. So schön es war, dieses Album werde ich wahrscheinlich erst in ein paar Jahren wieder auspacken). Der Sonnenaufgang, als wir kurz vor Berlin waren, erschütterte den Rest unserer lebenden Körperfunktionen. Irgendwann lag ich wieder in meinem Bett und fragte mich, was das bedeutet, nach sehr langer Zeit mal wieder einen Sonnenaufgang mitzuerleben.

Vielleicht nur, dass es im letzten Jahr viel zu viele Sonnenuntergänge waren.

What’s a mob to a king? / What’s a king to a god? / What’s a god to a non-believer? / Who don’t believe in anything?

by yeahs in Musik


Wer fünfzig Euro für ein Konzertticket ausgibt, der muss schon wissen, wieso er das tut. Für mich teilte sich das in etwa so ein: 5 Euro für Drake und 45 Euro für seine Support Acts der Club Paradise Tour, nämlich sowohl A$AP Rocky als auch meinen persönlichen Helden Kendrick Lamar. Natürlich war das ein naiver Wunschtraum, denn weder noch waren letztendlich vor Ort um mit ihrer Musik mein Gehirn zu verwüsten (dafür immerhin Tini Tempah, den wir dank Parkplatzsuche verpasst haben). Vielleicht war das aber nur die Entschuldigung, die wir benötigten, um ohne schlechtes Gewissen den Robbie Williams der Rap Musik von Nahem zu betrachten (und natürlich zu verurteilen. Immerhin ist Aubrey bei mir nicht immer gesegnet mit Lob).

Letztendlich war Drake on stage, anders als Rick Ross, ein großartiger Entertainer. Ich meine, es bleibt halt weiterhin dabei: er macht solide Pop-Musik, die sich aus dem Genre Rap zusammenfügt. Alles am Start: die Codes, die Styles, die Wörter und die Rhymes, aber inhaltlich und auch als gesamte Komposition ist und bleibt er eine kontemporäre Marionette in einem Entertainment-Business. Auch andere Rapper fallen in diese Kategorie, haben dabei aber noch weniger Authentizität und schon gar nicht so einen eindrucksvollen Live Auftritt. Drake vereint live Charisma und Talent: ja, der Mann kann singen und rappen, und wenn man ihn ließe, würde er bestimmt auch gerne eine Pirouette im Tütü drehen. Er ist eben ein Heartdraker, der gute Aubrey, und sympathisch allemal: auch den zynischsten Herzen konnte noch ein bisschen Liebe abgewonnen werden. Seine Danksagung an das Publikum mag vielleicht geschauspielert gewesen sein, immerhin war sie aber schmeichelnd. Und wo wir schon bei der Crowd sind: auch die war um einiges durchmischter und diverser als bei Rick Ross, dem Rap-Äquivalent zu einer Wrestling-Show.

Die Max-Schmeling-Halle tobte für Berliner Verhältnisse, mindestens drei Leute klatschten mit und ich könnte schwören, dass ein Mädchen ihren BH auf die Bühne warf. Fast wäre auch ich verleitet gewesen, mich in die erste Reihe zu boxen, allerdings nur, um ihm die schicken Jordans von den Füßen zu reißen. Auch wenn er nicht immer den richtigen Ton in seiner Musik trifft: das, was er macht, macht er souverän, und dafür hat sich das Konzert gelohnt. Ein Banger-Konzert für die OGs war es sicherlich nicht, dafür gab es zu viele schmalzig-süße Momente, bei denen sogar harte Familienpolitikerinnen in Ohnmacht gefallen wären. Wie würde Kay-Z jetzt sagen? “Du wurdest durch den Drake gezogen!”

(Bonuspunkte gab es für den quasi-pünktlichen Beginn und dafür, dass das Publikum scheinbar nur aus Mädchen mit lockigen Haaren bestand, denn die hat er alle persönlich begrüßt und das dauerte ungefähr drei Stunden. Er meinte übrigens mich, bitches- und falls ihr euch fragt, wieso ich es nicht schaffe, mal ein ordentliches Foto auf so einem Konzert zu schießen: das ist die Perspektive der kleinen Menschen, die sich zu schade sind, für die erste Reihe zu sterben).

by yeahs in Gangster Musik

Lieblingsdickerchen Rick Ross hat es immerhin bis nach Germany “accomplisht”, so hat er es jedenfalls auf der Columbiahalle zum Besten gegeben. Die Columbiahalle, die gerne mal aus allen Nähten platzt, konnte gestern Abend sehr lange noch ihre Echo-Fähigkeiten zur Schau stellen. Tickets für ‘nen Fuffi gab’s tatsächlich an der Abendkasse, als ob “Abendkasse” nicht Beleidigung genug wäre.

Rozay gab trotz Schnappatmung sein bestes, das hat man ihm angesehen. Die kleinen Zusatz-Predigten für das Publikum, die er angestrengt zwischen den 5 Sekunden Songs flüsterte, waren inspirativ und erholsam neben den repetitiven Bangern und dem Brainwash MAYBACH MUSIC Einspieler. Dass sich faszinierenderweise jeder Song aus Rick Ross’ Repertoire genau gleich anhört, ist wahrscheinlich ein Teil seines Erfolgsrezeptes: das Publikum näher betrachtet wären kompliziertere Abläufe oder flexiblere Beats nicht mit Dankbarkeit, sondern Unverständnis empfangen worden. Naja, lieber die lebensbejahenden Lex Luger Banger als die tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit dem Alter. Lieber Megaloh: du bist gar nicht mal ein schlechter Rapper. Du bist einfach nur langweilig. Und überhaupt, danke für den deutschen Support Act bei so einer Veranstaltung. Da hat man richtig was für sein Geld bekommen. Oh warte, Megaloh kann man bestimmt auch umsonst bei einer Grillgartenparty in Moabit hören. Nur die Anwesenheit von Hadnet, die für 2 Sätze die Bühne betrat, war vielleicht sinnloser (aber auch wegweisend: die Präsenter-Karriere soll, falls es für Mutterschaft bei mir nicht reicht, auch meinen Ansprüchen genügen).

Und zum Thema Publikum: ob sie aus Berlin-Mitte oder aus dem Speckgürtel kommen macht wohl keinen Stimmungsunterschied mehr, die Hipstercoolness ist überall da, wo San Gabriel auflegt. Wie schwer ist es – so auf einer Skala von 1 bis 10 – vor einem Hip Hop Konzert die Crowd mit Hip Hop aufzuwärmen? Stattdessen werden einzelne Tracks in tausend Bestandteile zerlyncht und richtige Klassiker per Dubstep-Remix den gelähmten, quasi-toten Zuschauern entgegen geschmissen. Dubstep Remixe. Das verdeutlicht auch die Softness der Crowd: in anderen Städten hätten sie randaliert. In der Columbiahalle hat man die Dinge einfach ertragen. Hauptsache dressed to have Stress und dann nur leise ausbuhen. Dafür konnte Rozay natürlich nichts, aber wenn auf einem gewaltgeladenen, spektakulären Konzert DES derzeit wohl fettesten Rappers der USA, ein kleines Mädchen in der 3. Reihe unbehelligt Aufnahmen mit ihrem iPad machen kann, dann ist irgendwas mit unserem Ghetto nicht in Ordnung.

Ansonsten gelten die berühmten Regeln des Konzertgehens: man kommt zu früh und steht sich die Beine in den Bauch. Meine Beine sind dabei auch noch so kurz, dass ich mich auch direkt hinsetzen kann, denn die Bühne sehen ist ein Wunschtraum, alte, verblassende Fantasien.. viel zu teure Getränke, viel zu kalt, viel zu warm (das könnte am Fieber gelegen haben), viel zu laut, viel zu leise. Am Ende waren alle ziemlich froh, dass es vorbei war. Nicht etwa, weil die Performance nicht interessant gewesen wäre, oder unterhaltsam. Aber das ist wie mit Frauentausch gucken: man lacht sich noch jahrelang darüber mit seinen besten Freunden kaputt, aber innerlich schämt man sich zu Tode, das man das jemals überhaupt gucken konnte.

Das wirf die Frage auf, wieso Rick Ross überhaupt beliebt ist, und wieso er die Columbiahalle immerhin zur Hälfte füllen kann? Er ist der unauthentische Nickelback der Rap-Musik. “Playback Music”, wie es in den Reihen der Zuschauer wie stille Post herumging. Und doch: man möchte ihn vor allem streicheln, wenn er auf der Bühne steht und in intensiver Anstrengung auf seinen kleinen Füßen herumrutscht beim rappen. Man glaubt ihm nicht das Gangstergehabe, so wie man es einem Biggie glauben würde. Aber man glaubt an die schöne Fassade, die einem die Entertainment-Welt da so aufgebaut hat. Irgendwie ist das sowohl nüchtern als auch schön illusioniert betrachtet. Es macht Spaß, über so etwas für zwei Minuten nachzudenken, um dann alle Gedankengänge doch nicht richtig verknüpfen zu können. Rick Ross wird eines Tages Mittelpunkt einer ungeheuer wichtigen wissenschaftlichen Arbeit meinerseits, vielleicht sogar ein TED-Talk. Stay tuned.

by yeahs in Gangster Musik


Nach dem hochauflösendem Shiny-Scheiss wurde mir immer mehr nach Rohkost; nicht nur etwas, dass so aussieht, weil man es so aussehen lassen kann. Nach Glitzer und Make Up und Technik kommt Realität für mich. Realität, die mit einer einzigen Kamera, inmitten tobender Massen aufgenommen wird, und nicht in Mille Euro Produktionen für ein Riesenpublikum in einer Special DVD veröffentlicht wird.

Ja, auf sowas stehe ich gerade irgendwie.

by yeahs in (Pop)Kultur Musik