"Girl gone wide."


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JUGENDLICHE

Ich komme in ein Alter in dem eine gesunde, natürliche Skepsis vor Jugendlichen nicht schadet. Obwohl ich nicht alt aussehe verraten mich die tiefen Sauf-Krater im Gesicht, der eitrige Auswurf nach zwanzig Jahren Lungenverstümmelung und das unweigerliche Zusammenzucken, sobald eine Gang von U-20 Jährigen an mir vorbei geht. Sie kommen in Horden, sie haben meistens Rucksäcke an und sie sind unberechenbar.

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by yeahs in (Pop)Kultur


Die Dinge, die es über Jay-Z und Kanye West als symbolische Träger des letzten Jahres zu sagen gibt, sind in etwa so explosiv wie die kleinen Knallfrösche, die Kinder zu Silvester bekommen. Sie machen ein Geräusch und reizen das Auge, aber der angesagte Krach bleibt aus, und zurück bleibt ein fast unsichtbarer Rußfleck auf Asphalt, den nach dem nächsten Regen niemand mehr bemerken wird.

Nun geht es schon lange nicht mehr um die Musik. Es ging schon immer darum, zusammen, in geschlossener Mannschaft, ein Verein der Freundschaft, da jetzt nach Frankfurt herunter zu fahren und die Crowd zu sein. Es ging um das Schwitzen und Tanzen, das Lachen und Kämpfen, das Mitsingen und Staunen. Für mich ging es auch um die Blicke, die man kurz vor dem Schlappmachen mit euphorisiertem Blut austauscht, kleine Momente, die einfangen: “es ist schön, mit dir hier zu sein.”

Gerade ist es nicht immer schön, mit Menschen irgendwo zu sein. Gerade steht an höchster Stelle die Pflicht auf der Liste der Dinge, die es im Leben zu tun gibt. Der Genuss wurde mit der Liebe abgestreift, und jetzt dümpelt mein Geist in einer zeitlosen Welt, darauf wartend, von den Ketten der Müßigkeit, Apathie und Lustlosigkeit befreit zu werden. Ich muss arbeiten, ich muss essen, ich muss Sport machen, ich muss auf das Konzert. Eines Tages, wenn ich nur oft genug “ja” zu diesen Dingen sage, werde ich hoffentlich das “muss” herausstreichen können und einen neuen Kontext für das “ich will” bilden. So lange wird noch ein Heilungsprozess stattfinden, der sich mit dem ganzen letzten Jahr beschäftigt.

Ein Teil dieser Arbeit wird aber trotzdem mit Kanye & Jay-Z verbracht, auch wenn die sich ruhig hätten ins Zeug legen können, was das neue Musikvideo zu “No Church In The Wild” betrifft (Romain Gavras ist keine Dauerentschuldigung für schöne Bilder ohne Hintergrund, die Riot-Sache ist Gänsehaut, aber leider nicht zutreffend für den Song und damit eher Effekthascherei). Wir werden nicht, wie geplant, zu fünfundzwanzigst und mit ganz Kreuzberg im Gepäck nach Frankfurt fahren. Aber wir werden, ganz klein und für uns und völlig unspektakuläre, Knallfrösche anzünden und uns darüber freuen, dass manche Dinge nur ein “muss” sind, bis man sie gemacht hat.

by yeahs in Musik


Er war es, der mich letztes Jahr wieder resozialisierte, mich wieder auf den Boden aller Tatsachen brachte, mich von einer langjährigen Abstinenz vom Hip Hop wieder zurück brachte. So leicht ist das nicht gewesen, immerhin geht man mit einem Umzug nach Berlin auch den Pakt mit dem Techno-Teufel ein.

Es ist alles gut geworden, heute führe ich diverse Diploma in meiner Rap Expertise, bin wieder glücklich mit Ghettoslang unterwegs und rühre lange schon keine Designerdrogen mehr an. Ich trage Nikes und rauche mich in die glückliche Apathie. Mac Miller ist Schuld daran, und heute tritt er (endlich!) im Festsaal Kreuzberg auf, wo ich hoffentlich den Sommersong des letzten Jahres laut gröhlend zelebrieren darf. Mac Miller, mein Hip Hop Held.

Mac Miller – Nikes on My Feet from Ian Rex Arrow Wolfson on Vimeo.

by yeahs in Berlin Musik


Eigentlich wollte ich ja nach meinem letzten Festival-Trauma (s.a. “das Hurricane ist eine Beleidigung an alle Musikfans dieser Welt” – Barack Obama) nur noch im Schutze der Geschlossenen weilen, die nächsten Jahre in Vegetation und sicherer Einöde verbringen und nie wieder das Zimmer oder gar die Zwangsjacke verlassen.

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by yeahs in Gangster Musik


Ach, diese wunderschönen Skandinavierinnen.. wie sie nicht nur heiß sind, sondern endsympathisch. Und auf der Bühne hin- und herhopsen als gäbe es kein morgen mehr, und dabei auch noch so süß sind, dass man schon vom angucken Karies kriegt. Und dann, ey, dann können die meistens auch noch gut singen! Und poppig sein! Und zum mitmachen anstiften! Und uns jeder Coolness berauben!

Letzte Woche so geschehen im Privatclub, als Oh Land! in ihrem wunderschönen Antlitz auftrat und mich auch ein bisschen verzauberte. Irgendwo angesiedelt zwischen Bat for Lashes und Annie. Und das ist das Ding, wenn mich jemand auf ein Konzert mitnimmt, obwohl ich die Musik kaum oder nur flüchtig kenne: ich bin bereit dazu, mich überraschen zu lassen und wesentlich offener als bei Konzerten von großen Dingern, die ich anbete. Das gibt meistens nur Enttäuschung. Außer Odd Future, die waren so perfekt, wie man nur perfekt sein kann.

Aber ja, Oh Land. Check it out.

by yeahs in Musik

Peaches ist mindestens ein mal im Jahr als DJ-Show oder Live-Act drin. In Berlin ist das auch nicht schwer. Auch nicht schwer ist Peaches besoffen auf dem Bürgersteig liegend zu finden oder von ihr auf einem ihrer Konzerte mit Schampus vollgespritzt zu werden oder einen feuchten Kuss auf die Lippen abzubekommen.

Nicht, dass mir das jemals passiert wäre.

Am Samstag haben wir uns in Darmstadt einen DJ-Gig angeguckt und es hält wie jedes Mal alle Versprechen: der Sound ist scheisse, Peaches kann um’s Verrecken nicht auflegen und ihr Support besteht hauptsächlich aus maskierten Buben die ihr Handwerk auch nicht richtig versteht. Das Publikum, ein Mix aus biederen Vorstadtlesben und dreadgelockten Studentenmuffels. Ich musste ja ein bisschen ob dieser bizarren Kontraste zu Berlin lachen (oder weinen). Dass Peaches überhaupt in Darmstadt mit ihrem Bastelkatalog an schrillen Tönen angekommen ist, Wunder!

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by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Es kostet $26000 einen 160 GB iPod legal mit Musik zu füllen (via).

Ein bisschen reißerisch, so eine Headline. Man geht davon aus, dass ein Song bei iTunes $0.99 kostet, ein Song circa 6 MB groß ist und dass es tatsächlich Menschen auf diesem Planeten gibt, die einen 160 GB iPod ausschließlich mit Musik füllen können. Auf meinen 30 GB iPod passen circa. 5200 Songs (und die sind auch drauf). Im iTunes Store kostet ein Song €0.99 ((Zeit, mir eine Kreditkarte anzuschaffen und die Tracks per Dollar zu kaufen)). Das heisst, ich bin knapp 5200 € los, wenn mein iPod voll mit Musik laufen soll (was ich hier nicht berücksichtigt habe: ein Album mit 10 Songs ist durchaus günstiger als 10 einzelne Tracks. Ich kaufe mir aber grundsätzlich keine Alben, und höre mir Musik auch nicht in Alben an, deshalb will ich diesen Fall hier ausschließen).

Young Music

Ich bin jetzt 21 Jahre alt. Ich würde sagen, ich habe ganz bewusst angefangen, mich für Musik zu interessieren (und auch Geld dafür auszugeben), als ich dreizehn wurde. Das sind also 8 Jahre. Angenommen, ich hätte acht Jahre lang jeden Monat 30 € für Musik ausgeben können (was gänzlich unrealistisch ist, weil ich bis ich 16 wurde noch nicht mal über Taschengeld verfügte): Dann hätte ich heute 2909 Songs. Und ich würde noch die nächsten 6 Jahre und vier Monate brauchen, um auf die 5200 zu kommen.

Das ist natürlich alles sehr überspitzt, vor allem aber auch Sache der eigenen Nachfrage. Wie wichtig ist mir denn die Musik, dass ich wirklich so viel Geld reinstecken muss? Wo liegen meine Opportunitätskosten? Es gibt immerhin auch noch Radio, TV, Last.FM, YouTube, Spotify– angenommen, ich würde mir nicht jeden Song direkt “besorgen”, sobald jemand ihn erwähnt. Angenommen, ich würde erst einige Male streamen und im Radio darauf warten, dass dieser Song läuft, ihn genau anhören, um mich dann entscheiden zu müssen, etwa wie bei einem Klamottenkauf: vielleicht würde ich den Song dann mehr zu schätzen lernen. Wenn ich tatsächlich einen Euro investieren muss, ändert sich mein Konsumverhalten gegenüber der Musik dramatisch, zum Besseren oder zum Schlechteren sei mal dahingestellt.

Man, Musik ist Kunst. Und in Kunst musste man früher Zeit investieren, Geduld, Mühe! Nicht jeder CD-Laden hatte genau das, wonach man gesucht hat, und es war umso schwieriger, etwas Neues zu finden, das gefiel. Ich bin 21 Jahre alt, und ich bin mir ziemlich sicher, ich habe bisher schon mehr Musik gehört, verinnertlich und gelebt als die meisten 40-Jährigen da draußen. Ich bin auch noch lange nicht durch, denn die letzten 7 Jahre habe ich damit verbracht, in der Gegenwart an aktueller Musik mitzuhalten, genauso wie die Kunst aus den letzten 50 Jahren nachzuholen. Wenn ich mich mit Menschen anderer Generationen über Musik unterhalte, bemerke ich, wie krass unterschiedlich die Auffassungen sind. Während für viele Musik auf verschiedene Lieblingsbands aufgeteilt ist, die man von Konzert zu Konzert verfolgt hat und deren komplette Diskographie wie ein Heiligtum aufbewahrt wird, ist für mich der Künstler und die Performance in erster Linie völlig uninteressant.

Ja, am Ende des Tages gehe ich auf das Konzert, wenn mich die Musik wirklich beeindruckt. Dann bin ich auch voll bereit dazu, mehr zu investieren, das Album in hochwertiger Qualität zu kaufen und Merchandise zu beschaffen, koste es was es wolle. Aber es interessiert mich im seltensten Fall, was Bob Dylan überhaupt für ein Typ war. Ich höre seine Musik, das ist das wichtige. Seine Songs bedeuten etwas für mich, egal, ob ich viel zu jung bin, um das Gefühl von damals zu verstehen. Ich hänge mir auch keine Poster auf (um nicht zu sagen, dass ich das früher nicht gemacht hätte; mit irgendetwas muss man sich als Teenager ja beschäftigen), ich sammel keine Zeitungsausschnitte, ich lese keine Interviews, es interessiert mich keine Interpretation des Albums und auch keine Kritiken. Gott, die meiste Zeit kenne ich nicht mal die Musikvideos der Bands, die Geschichten oder die Gesichter dahinter, geschweige denn die Namen.

Here’s the thing: Ich würde mir Alben kaufen, weil es auf Dauer günstiger wäre. Ich würde mich wieder für die Künstler interessieren, genauso, wie ich mich dafür interessiere, ob ich meinen Pullover jetzt bei 40 oder 60 Grad wasche, immerhin habe ich dafür viel Geld bezahlt. Ich würde mehr Zeit investieren, weil das Geld es so diktiert. Gleichzeitig würde ich definitiv weniger Musik kennen, weniger Künstler vergangener Tage, weniger Eindrücke sammeln, weniger Inspiration, wüsste jetzt nicht so gut, was ich eigentlich hören will, wenn ich etwas höre, und wäre wahrscheinlich weniger offen für neue Dinge, weil mich das nur verbittern würde in Anbetracht meiner finanziellen Lage (die ja nicht immer gut oder komfortabel sein muss).

Ich war mir beim Schreiben dieser Gedanken die ganze Zeit unsicher, ob ich überhaupt das illegale Beschaffen und die Piraterie von Musik ansprechen soll, aber vielleicht eine Randbemerkung: Es ist eine Definitionssache, eine Rechtsangelegenheit. Das Urheberrecht ist nicht nur in Bezug auf die Musik veraltet, so sehe ich das zumindest. Dass man deshalb Kunst und Kultur mit einem fetten Copyright-Stempel ausbeutet, das kann nicht sein, und schadet nur dem Künstler. Wie das jeder für sich persönlich nun abhandelt– eben, das ist eine persönliche Sache.

Aber das hat nichts mit der Allgegenwärtigkeit von losen MP3s zu tun, die man entweder im iTunes Store, bei Amazon oder eben über eine illegale Plattform schnell finden kann. Das hat etwas damit zu tun, dass man Musik in seiner Form anders wahrnehmen kann. Die technischen Einschränkungen, wie etwa bei Vinyl oder CD, sind nicht mehr vorhanden, die Beschaffung der Artikel geht innerhalb weniger Klicks, genauso wie das Entfernen. Die Produktionsverfahren haben sich geändert, der Vertrieb findet hauptsächlich virtuell statt, das Marketing geschieht auf einem ganz anderen Level.

Was genau definiert heute den Erfolg eines Musikers, ab wann ist man ein Fan, oder fehlt mir einfach nur die Loyalität? Ist das wie mit einem Fußballteam, in das man viel Schweiß, Liebe und Hoffnung setzt, und auch zehn Jahre später nicht verlässt, weil man schon so viel investiert hat– egal wie schlecht die Mannschaft ist? Oder ist das völlig legitim, Wegwerf-Musik, Einmal-Songs, Listen and Ditch immediately, wie ein schnelles High, bis das nächste in Form eines anderen Tracks daherkommt?

crowd

Eine Frage, die ich am Anfang des Beitrages gestellt habe: Wie wichtig ist es mir überhaupt, dass ich so viel Geld in Musik investiere? An diesem Punkt meines Lebens würde ich behaupten, dass ich fast 500 € im Monat – locker – für Musik ausgeben könnte und wahrscheinlich sogar würde. Davon wären dann 50 Tracks tatsächlich auch sticky in meiner Bibliothek, davon widerrum ungefähr 10, die ich auch so gut finde, dass ich sie in meine “Faves” Playlist verschiebe. Vielleicht sollte ich mich aber was ganz anderes fragen: wäre es mir jemals so wichtig gewesen, wenn ich nicht irgendwann mit 12 oder 13 Napster entdeckt hätte?

Ich weiß nicht, wie es je anders hätte sein können als so. Ich habe es ja nie anders kennen gelernt.

by yeahs in Musik