RBSC2012 // YOUTHS

JUGENDLICHE

Ich komme in ein Alter in dem eine gesunde, natürliche Skepsis vor Jugendlichen nicht schadet. Obwohl ich nicht alt aussehe verraten mich die tiefen Sauf-Krater im Gesicht, der eitrige Auswurf nach zwanzig Jahren Lungenverstümmelung und das unweigerliche Zusammenzucken, sobald eine Gang von U-20 Jährigen an mir vorbei geht. Sie kommen in Horden, sie haben meistens Rucksäcke an und sie sind unberechenbar.

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December 10th, 2012 Posted in (Pop)Kultur | 9 Comments »

Watch My Throne

Die Dinge, die es über Jay-Z und Kanye West als symbolische Träger des letzten Jahres zu sagen gibt, sind in etwa so explosiv wie die kleinen Knallfrösche, die Kinder zu Silvester bekommen. Sie machen ein Geräusch und reizen das Auge, aber der angesagte Krach bleibt aus, und zurück bleibt ein fast unsichtbarer Rußfleck auf Asphalt, den nach dem nächsten Regen niemand mehr bemerken wird.

Nun geht es schon lange nicht mehr um die Musik. Es ging schon immer darum, zusammen, in geschlossener Mannschaft, ein Verein der Freundschaft, da jetzt nach Frankfurt herunter zu fahren und die Crowd zu sein. Es ging um das Schwitzen und Tanzen, das Lachen und Kämpfen, das Mitsingen und Staunen. Für mich ging es auch um die Blicke, die man kurz vor dem Schlappmachen mit euphorisiertem Blut austauscht, kleine Momente, die einfangen: “es ist schön, mit dir hier zu sein.”

Gerade ist es nicht immer schön, mit Menschen irgendwo zu sein. Gerade steht an höchster Stelle die Pflicht auf der Liste der Dinge, die es im Leben zu tun gibt. Der Genuss wurde mit der Liebe abgestreift, und jetzt dümpelt mein Geist in einer zeitlosen Welt, darauf wartend, von den Ketten der Müßigkeit, Apathie und Lustlosigkeit befreit zu werden. Ich muss arbeiten, ich muss essen, ich muss Sport machen, ich muss auf das Konzert. Eines Tages, wenn ich nur oft genug “ja” zu diesen Dingen sage, werde ich hoffentlich das “muss” herausstreichen können und einen neuen Kontext für das “ich will” bilden. So lange wird noch ein Heilungsprozess stattfinden, der sich mit dem ganzen letzten Jahr beschäftigt.

Ein Teil dieser Arbeit wird aber trotzdem mit Kanye & Jay-Z verbracht, auch wenn die sich ruhig hätten ins Zeug legen können, was das neue Musikvideo zu “No Church In The Wild” betrifft (Romain Gavras ist keine Dauerentschuldigung für schöne Bilder ohne Hintergrund, die Riot-Sache ist Gänsehaut, aber leider nicht zutreffend für den Song und damit eher Effekthascherei). Wir werden nicht, wie geplant, zu fünfundzwanzigst und mit ganz Kreuzberg im Gepäck nach Frankfurt fahren. Aber wir werden, ganz klein und für uns und völlig unspektakuläre, Knallfrösche anzünden und uns darüber freuen, dass manche Dinge nur ein “muss” sind, bis man sie gemacht hat.

June 1st, 2012 Posted in Musik | 2 Comments »

Mac Miller

Er war es, der mich letztes Jahr wieder resozialisierte, mich wieder auf den Boden aller Tatsachen brachte, mich von einer langjährigen Abstinenz vom Hip Hop wieder zurück brachte. So leicht ist das nicht gewesen, immerhin geht man mit einem Umzug nach Berlin auch den Pakt mit dem Techno-Teufel ein.

Es ist alles gut geworden, heute führe ich diverse Diploma in meiner Rap Expertise, bin wieder glücklich mit Ghettoslang unterwegs und rühre lange schon keine Designerdrogen mehr an. Ich trage Nikes und rauche mich in die glückliche Apathie. Mac Miller ist Schuld daran, und heute tritt er (endlich!) im Festsaal Kreuzberg auf, wo ich hoffentlich den Sommersong des letzten Jahres laut gröhlend zelebrieren darf. Mac Miller, mein Hip Hop Held.

Mac Miller – Nikes on My Feet from Ian Rex Arrow Wolfson on Vimeo.

September 12th, 2011 Posted in Berlin, Musik | 1 Comment »

Oh Land!

Ach, diese wunderschönen Skandinavierinnen.. wie sie nicht nur heiß sind, sondern endsympathisch. Und auf der Bühne hin- und herhopsen als gäbe es kein morgen mehr, und dabei auch noch so süß sind, dass man schon vom angucken Karies kriegt. Und dann, ey, dann können die meistens auch noch gut singen! Und poppig sein! Und zum mitmachen anstiften! Und uns jeder Coolness berauben!

Letzte Woche so geschehen im Privatclub, als Oh Land! in ihrem wunderschönen Antlitz auftrat und mich auch ein bisschen verzauberte. Irgendwo angesiedelt zwischen Bat for Lashes und Annie. Und das ist das Ding, wenn mich jemand auf ein Konzert mitnimmt, obwohl ich die Musik kaum oder nur flüchtig kenne: ich bin bereit dazu, mich überraschen zu lassen und wesentlich offener als bei Konzerten von großen Dingern, die ich anbete. Das gibt meistens nur Enttäuschung. Außer Odd Future, die waren so perfekt, wie man nur perfekt sein kann.

Aber ja, Oh Land. Check it out.

May 30th, 2011 Posted in Musik | Comments Off

Peaches

Peaches ist mindestens ein mal im Jahr als DJ-Show oder Live-Act drin. In Berlin ist das auch nicht schwer. Auch nicht schwer ist Peaches besoffen auf dem Bürgersteig liegend zu finden oder von ihr auf einem ihrer Konzerte mit Schampus vollgespritzt zu werden oder einen feuchten Kuss auf die Lippen abzubekommen.

Nicht, dass mir das jemals passiert wäre.

Am Samstag haben wir uns in Darmstadt einen DJ-Gig angeguckt und es hält wie jedes Mal alle Versprechen: der Sound ist scheisse, Peaches kann um’s Verrecken nicht auflegen und ihr Support besteht hauptsächlich aus maskierten Buben die ihr Handwerk auch nicht richtig versteht. Das Publikum, ein Mix aus biederen Vorstadtlesben und dreadgelockten Studentenmuffels. Ich musste ja ein bisschen ob dieser bizarren Kontraste zu Berlin lachen (oder weinen). Dass Peaches überhaupt in Darmstadt mit ihrem Bastelkatalog an schrillen Tönen angekommen ist, Wunder!

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February 15th, 2011 Posted in (Pop)Kultur, Musik | 1 Comment »