Jung, Schön, Schlecht

Jung, Schön, Schlecht

Im neuen Francois Ozon “Jung & Schön” geht es um ein junges und schönes Mädchen, dass sich aus Spaß (oder aus welchen Beweggründen auch immer) prostituiert. Über das gefährliche Internet trifft sie sich mit den Männern. Im Film wird hier und da angedeutet, dass das an einem lang verdrängten Vaterkomplex liegen könnte. Vielleicht aber auch aus Langweile. Das Fazit ist aber, dass die Beweggründe total egal sind, denn das jugendliche Mädchen ist ein Mysterium, ein Geheimnis, eine Blume. So oder so gibt der Film keine Antwort auf die ungestellten Fragen. Er dümpelt einfach nur vor sich hin. Hier eine Brust, da die vollen Lippen der Hauptdarstellerin, ein bisschen Unverständnis gegenüber den Eltern und von den Eltern, ein paar Sex-Szenen und dann ist der Film glücklicherweise auch schon vorbei.

Vielleicht ist es die immanente Logik französischer Filme, die es mir verweigert, komplett durchzusteigen. Vielleicht ist meine Nähe zu diesem sinnfreien, wilden und ungestümen Alter ein Hindernis daran, die komplexen erwachsenen Perspektiven von Francois Ozon zu verstehen. Vielleicht ist “Jung & Schön” aber in seinen subtil angedeuteten Themenfeldern einfach auch ein bisschen zu verschwiegen gewesen, um irgendeine Substanz zu haben. Ich kauerte zeitweise in meinem Sitz und wollte nicht mehr hinsehen, weil es immer anstrengender und immer schlimmer und immer klischeebeladener wurde.

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December 4th, 2013 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off

2012

FUCK MICHAEL BAY! Hier ist es, das Weltuntergangsspektakel von MC Emmerich, zwei Stunden Klischee-Tsunami, Dolby-Surround-Fremdschämen und eine Achterbahnfahrt in alle Hollywood-Filme, die seit 1980 gedreht wurden! Und glaubt mir, es wäre jetzt einfach VIEL zu einfach, diesen Film in alle Kleinteile zu zerreissen, aber für das, was es war, war es perfekt. My mind: blown! Endlich finde ich meine Hoffnung in Hollywood-Blockbuster wieder, endlich versuchen die gar nicht mehr, einen auf Anspruch zu machen. EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, MAN!

2012

[Im Folgenden einige willkürliche Gedanken, die man auch als Spoiler empfinden könnte, wenn man noch nie einen Action-Film gesehen hat]

  • Wie lange muss ich eigentlich noch warten, bis CGI echt aussieht?
  • DIE LEGENDE DES INTERNETS WURDE FÜR EINE SCHÄNDLICHE NACHAHMUNG MISSBRAUCHT!
  • Im Making Of war zu sehen, dass Emmerich extra ein Katapult für Autos gebaut hat, die er auf die Straßen krachen ließ. Damit das realistischer aussieht. Die Szene war genau 4-5 Sekunden im Film zu sehen. Da frage ich mich: Oh Gott, was kann man noch für 200 Millionen machen?
  • Amanda Peet als leichenblasse, abgemagerte MILF. GEBT DER FRAU SONNE UND WAS ZU ESSEN, VERDAMMT NOCHMAL!
  • Abspannmusik. Ein richtiger Männerfilm. :D

Weiterin: einige der Klischees, die Verwendung fanden:

  • Ein Auto, dass es gerade so über die sich auftuende Schlucht schafft (in der Autoolympiade unter “Weitsprung” kategorisiert)
  • Ein Mann fällt über den Rand in einen tiefen Abgrund hinein, und jeder denkt er ist tot, aber es ist okay weil dann plötzlich eine Hand erscheint und er sich über die Klippe hochziehen kann
  • Ein Flugzeug, dass vor den Explosionen zu fliehen versucht, im Rauch verschwindet und dann mit unglaublicher Geschwindigkeit wieder aus der Wolke hinausrast (und dann “cut”)
  • EIN COUNTDOWN BIS ZUM ENDE DER WELT!! MAN!!
  • Die Geschiedenen, die sich doch wieder ineinander verlieben, weil sie merkt, was für ein großartiger, selbstloser Mann er ist
  • Der Russe! DER RUSSE! Ich bin so stolz auf E, der hat echt den Russenschrank wieder aufgemacht! Endlich wieder Rassismus im Kino!
  • Der obligatorische Typ, der irgendwann in seinem Leben gelernt hat, wie man ein Flugzeug fliegt. Seriously, wenn ich jetzt vor einem Flugzeug stehen würde und hinter mir auf der Erde der Massenvernichtungsherpes ausbräche, ich würde mich vor das Flugzeug hinlegen,  in Fetusposition einkugeln und leise schluchzen.

… oh, man. 2012. Da werden erstmal viele mit ihrem Gewissen kämpfen müssen, weil ja, ja, der Film ist furchtbar, und es tut weh, aber ich bezweifle, dass auch nur einer gestern im Kino tatsächlich gelangweilt war. Jeder Gag war einfach so gut abgestimmt mit allen anderen Action-Schinken-Gags, man wusste einfach schon, was kommt. Und dann ist das ja nur noch wie das Lieblingsessen, das man zu sich nimmt: nix neues, aber oh so good. Diese grandiose Achterbahnfahrt kann man dahingehend auch nicht mit einer furchtbaren Transformers II Katastrophe vergleichen, wo zwar vergleichsweise viele Sachen in die Luft geflogen sind, der Charme und der amerikanische Emotionslastwagen aber einfach mal gefehlt haben. Aber so eine Kartoffel kann das ja eh besser. Und Emmerich, mit dem kann man bestimmt viel Spaß haben.

November 13th, 2009 Posted in Uncategorized | 8 Comments »