Chiang Mai Province – Waspy

Das mit dem Trekken durch den Dschungel war mir ja bereits vor der Reise sehr suspekt. Möchten sich Menschen wirklich in ihrem Urlaub aktiv, gar sportlich betätigen? Ich gebe mir hier redlich Mühe, sogar vom Reis noch Fett zu werden. Dazu kommt mein derzeitiger Anblick: behaart von Kopf bis Fuß inklusive Medusahaaren, zerstochen und zugeschwollen von wütenden Mücken, halb verbrannte, sich abpellende Schlangenhaut in chamäleonartig sich ändernden Farbtönen, Bangkokschmockpickel im Gesicht, ständig sonnenbedingt schielende Augen, ein kauerndes Humpeln vom tonnenschweren Rucksack und der ewige Gestank, der sich nicht mehr abwaschen lässt. Zu groß also die Gefahr, im Urwald für einen selten hässlichen Big Foot gehalten zu werden. Scheisse, sogar die Ameisen machen mittlerweile einen Umweg, wenn sie mich rollen hören.

Anyway. Trekking. Wenn man denn schon mal in der Nähe von Käfern, Spinnen, Moskitos und anderen wilden Viechern ist und sich noch nicht verausgabt genug fühlt, dann ist es ja nur selbstverständlich, dass man das bequeme Hotel für eine Holzpritsche und akuter Verstopfung aufgibt. Zumindest ist das der allgemeingültige Konsens wenn man Backpacker vom Fach fragt. Das sind übrigens die gleichen Typen, die auch damals in der Schule gefragt haben, ob man denn jetzt endlich die Hausaufgaben abgeben könne, und damit alle anderen in die Scheisse ritten, die sie nicht gemacht hatten. Scheiss CDU-Wähler sind das, elendige.

Zudem kommt, dass “Trekking”, der Begriff selbst, in Thailand verschiedenen Interpretationen geläufig ist. Es kann bedeuten, dass man im Dschungel mit dem Auto durchgekarrt wird, zwischendrin anhält, um einen besonders langweiligen Baum zu betrachten um dann ins hässliche Hotel verfrachtet zu werden oder die strunzdumme Bootsfahrt zu machen. Trekking kann bedeuten, dass man zwanzig Minuten von A nach B läuft um dort seltene Tiere zu sehen, Tiger oder Affen oder Spiderschwein, also irgendwie eine Art Safari in anstrengend. In unserem (gebuchten) Fall hieß Trekking tatsächlich Wandern und wir sahen uns plötzlich mit Schlamm, Bergen und gefühlten zweihundert Kilo auf dem Rücken konfrontiert.

Kurze Story: Hoch und runter, durch Matsch, durch Lehm, wir sind ausgerutscht und haben uns gegenseitig angefaucht und das Wasser in unsere Rachen gekippt, darauf wartend, dass sich diese Qual lohnen würde. Leider blieb der ersehnte Moment aus. Bei so einer verdammten Anstrengung bleibt nicht viel Zeit, sich der Natur zu erfreuen, und wenn man nicht gerade in der Vogel- oder Gekrabbelkunde bewandt ist, kann man mit der Flora und Fauna auch nicht viel anfangen. Die Szenerie wiederholt sich nach wenigen Stunden bereits. Die Wasserfälle sind zwar schön und angenehm kühl, wenn einem die Brühe gerade den Arsch langläuft, aber in diesem speziellen Fall hätte ich mich auch in Elefantenpisse gewälzt und es wäre gut gewesen.

Weiter im Trekkfieber erwartet einen im Dorf auf dem höchsten Berg, den sich die bekloppten Nomaden je aussuchen konnten, das völlig ausgeleierte und bereits zerfressene Moskitonetz über der Knastpritsche, Streunerhunde mit Krätze und lauwarmes Bier. Und dann betankt man sich mit dem Dorfobersten, weil es nichts anderes zu tun gibt, wenn es um 6 Uhr stockeduster wird und man wirklich keine einzige andere Quelle der Unterhaltung findet. Der Dorfoberste ist ein alter Mann in kulturell relevantem Gewand und einer Pfeife im Maul. Ich bin mir nicht sicher, ob die wirklich so rumlaufen (immerhin fahren die auch Roller), oder ob das nur für uns so aufgemacht wurde. Und da fängt für mich die ganze Problematik auch schon an. Man soll die Ureinwohner kennen lernen und verstehen, man kriegt viele Geschichten erzählt, wieso und weshalb und am Ende darf man sogar (!) dem ehrenwerten Herren eloquente Fragen stellen, wie etwa “wieso wohnen Sie eigentlich auf dem Dorf am Sack von Herkules und nicht in der Stadt”? Dabei fällt mir leider bisher immer noch keine gute Begründung dafür ein. ER geht ja auch nicht runter in die Stadt und begafft den modernen Homo Behindertus bei seinem täglichen Kampf gegen das Leben selbst. Der Tourismus spült nötiges Geld ins Dorf, aber ich frage mich, welche Lehre ich für mein persönliches Seelenheil daraus ziehen soll. Mein Gott, ich frage ja auch nicht Frau Hildebrandt aus Villingen-Schwennigen, wieso sie lieber mit Neandertalern zusammenlebt als mit den feschen Leuten aus der Metropole. Ich wander auch nicht durch den Schwarzwald und sammel auf dem Weg interessante Steine. Nennt mich einen Kulturbanause; aber wieso ich das alles jetzt auf einmal in Thailand machen muss, das kommt mir nicht in den Schädel. Ungeachtet dessen war es natürlich eine interessante Erfahrung. Und immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht im Dschungel leben werde. Wenn ich da mal nichts über mich selbst gelernt habe, dann weiß ich auch nicht.

Erwähnenswert ist auch der Ritt auf Elefanten, den wir dank falscher Buchung nun schon zum zweiten Mal machen durften. Lasst euch eines gesagt sein: Elefanten sind keine Gazellen, und bequem sind sie auch nicht, und wenn man auf einem Elefant schon mal geritten ist, hat man alle Elefanten schon mal geritten. Und Kamele, und andere Packtiere. Zumal die Tour nicht gemacht wurde, um als Teil des Trekks von A nach B zu kommen, sondern um halt mal auf Elefanten im Kreis zu reiten. Wie authentisch. Instant-Eingeborene, ein voyeuristischer Einblick in ein Leben, das es nicht gibt, das nur angelehnt an die Vergangenheit konstruiert wurde, um als Abenteuer auf meiner Lebens-To-Do-Liste abgehakt werden zu können. Nicht traurig… aber irgendwie eine sehr nüchterne Erkenntnis.

Um dem ganzen doch noch etwas Positives abzugewinnen (ich habe mich übrigens entschieden, diese Reise durchweg negativ darzustellen, damit ihr nicht so neidisch werdet): zwei Nächte in absoluter Hilflosigkeit zu verbringen schweisst sogar die fremdesten und verfeindetsten Menschen, wie etwa Deutsche und Engländer, zusammen. Und so wundert man gemeinsam bei Trunk und Tabak, wieso man sich freiwillig durch die Pampa führen lässt (und sogar dafür bezahlt). Man schmiedet gemeinsame Reisepläne, bewundert sich gegenseitig für die Ekelresistenz und hat am Ende der Nacht, wenn auch die letzte Dose ausgetrunken wurde, sogar Blutsbrüderschaft geschworen. Best Friends Forever. Das Leben ist schön.

If real life hit her she wouldn’t know what it was…

October 16th, 2010 Posted in Urlaub | 11 Comments »

Tulsa / Teenage Lust

Als ich das erste Mal den Film KIDS sah war ich jünger als die Protagonisten. Trotzdem war alles, was in der erzählten (und sehr intensiv erlebten) Geschichte für mich glasklar greifbar, und kaum so schockierend, wie es wahrscheinlich einst auf ein Kind in der Vorstadt vielleicht gewirkt haben mag.

Im MMK Larry Clarks Photografien zu entdecken war unschuldig, und obwohl ich den Namen selbst nie gehört habe, waren die Fotos ganz klar zuzuordnen, aus derselben Zeit, in dieselbe Situation, mit einem Unterschied: so viele Jahre später bin ich gerührt. Oder bis ins Mark erschüttert. Oder vielleicht auch einfach nur zergangen in Ehrfurcht, so richtig zuordnen lässt sich das nicht.

Zeithistorische Dokumente aus einer faszinierenden Ära voll mit Verlust, Spritzen und viel zu früher Ejakulationen in Schwarz/Weiß. Ich kann meine Faszination nicht in Worte fassen. Larry Clark.

Falls jemand übrigens weiß, wo ich eine große Version des Jungens auf dem letzten Bild (der rechte) herbekommen kann, bin ich für jeden Hinweis sehr dankbar.

September 27th, 2010 Posted in (Pop)Kultur | 1 Comment »

Neverland Ranch

Unbedingt lesen. Und ich meine unbedingt. Vielleicht ist das der Grund, wieso in Berlin stetig dieser Feenstaub herumwedelt: weil hier niemand erwachsen werden will, und jeder der herkommt, eigentlich nach seiner verlorenen Kindheit sucht (oder seinem Erwachsenwerden aus dem Weg gehen will…).

It’s happening all over, in all sorts of families, not just young people moving back home but also young people taking longer to reach adulthood overall. It’s a development that predates the current economic doldrums, and no one knows yet what the impact will be — on the prospects of the young men and women; on the parents on whom so many of them depend; on society, built on the expectation of an orderly progression in which kids finish school, grow up, start careers, make a family and eventually retire to live on pensions supported by the next crop of kids who finish school, grow up, start careers, make a family and on and on. The traditional cycle seems to have gone off course, as young people remain un tethered to romantic partners or to permanent homes, going back to school for lack of better options, traveling, avoiding commitments, competing ferociously for unpaid internships or temporary (and often grueling) Teach for America jobs, forestalling the beginning of adult life.

August 18th, 2010 Posted in Ohne Worte | 2 Comments »

Street History

Ich bin mit Graffiti aufgewachsen. Genauso wie mit E-Mails und mit Billigflügen: es ist selbstverständlich, dass es da ist. Auf Städtereisen habe ich immer lieber die Kunst an Zügen oder Hauswänden fotografiert als die Architektur selbst, und das zieht sich bis heute durch meine Urlausbilder. Als strunzdebile Teenager haben wir in unserem Skater-Freundeskreis oft genug unsere Namen an Hauswände geschmiert, YEAH SARA WAS HERE, aber das hatte für mich (ganz im Gegensatz zu den Profiwerken) nie einen künstlerischen Hintergrund. Ich sah mich selbst als jemanden, der vandaliert, und die coolen Sprayer, die mich jeden morgen mit einem anderen Bild auf dem Schulweg überraschten, waren meine Picassos.

Und eigentlich sehe ich das auch immer noch so: ich differenziere stark zwischen “ey, das sieht gut aus, da hat jemand lange dran gearbeitet und sich Mühe gegeben” und “oh nein, nicht schon wieder so ein Geschmiere”. Erst seit einigen Wochen beschäftige ich mich auch (im Zuge meines auflodernden Interesse an Hip Hop History) mit den Hintergründen dieser Szene, nicht zuletzt auch dank einiger wichtiger Begegnungen mit Menschen die im Graffiti Kreis verkehren.

“S”, werdet ihr jetzt sagen, “du bist behindert. Du wächst mit Skatern auf, du hörst den ganzen Tag nur Rap Musik, aber du weisst nichts über Graffiti außer dass es glitzert im Dunkeln?”und ich werde meinen Kopf in Scham beugen und anfangen Blut zu weinen. Nein, ich weiß nichts über die Graffiti Geschichte. Ich weiß nur dass ich mir heute die Straßenkunst lieber ansehe als irgendwelche halbdadaistischen Furz-Ausstellungen die mich dreißig Euro Eintritt kosten, in denen ich dann sechs Stunden zwischen vermodert riechenden und sterbenden Rentnern stehe.

Gestern habe ich mir Style Wars angeschaut und komm immer noch nicht drauf klar. Vor einigen habe ich mich mit Malte mal darüber gestritten habe, worum es beim Graffiti ging. Er machte mich wütend. Einerseits, weil er das sehr gut kann, und anderseits, weil er zur Behauptung stand dass Graffiti ein Posergeschäft ist, “hey Bitch ich hab den Dicksten”. Langsam sickert das auch in mein Erbsenhirn, auch wenn ich in einem anderen Begriff davon aufgewachsen bin: Graffiti ist nur in zweiter Linie tatsächlich als Kunst zu verstehen. In erster Linie ist es eine Mischung aus Lifestyle, Zugehörigkeit, Attitude und Differenzierung. DAS erst einmal auf die Reihe zu kriegen ist für mich nicht einfach gewesen. Dafür gibt es auch einen sehr guten Grund: zu sagen, Graffiti ist Kunst, rechtfertigt auch die Existenz im Stadtraum. Daher auch immer meine Nachfrage: wieso ist das heutzutage eigentlich noch illegal? Es verschönert doch die Stadt! Klar, das Gekritzel muss verboten werden, aber…

Dabei ging es gerade darum, nicht kulturkonform zu sein ((ihr habt jederzeit das recht einzugreifen, wenn ich mich irgendwo in meinem zweifelhaften Halbwissen verzettele)). Und plötzlich stellt sich für mich eine ganz andere Frage: in welchem Zusammenhang muss man Graffiti heute sehen? Ist es nur noch aufgrund der Gesetze ein Standpunkt der Rebellion und sonst nur kreatives Output, oder sollte man (als Sprayer oder Maler) an sich selbst zuerst noch den ursprünglichen Anspruch der Stadteroberung stellen?

Falls ihr mich jetzt wirklich schlagen wollt, weil ich mein Leben lang so ahnungslos durch die Gegend laufe, dann schiebe ich meine Bildungslücken wieder auf die Tatsache, dass ich wirklich lieber die Dinge so genieße, wie sie kommen, und nicht ständig über alles immer nachdenken und reden möchte was nicht direkt zu meinen “Leidenschaften” gehört. Ich kann nicht malen, ich kann nicht zeichnen, ich kann nicht mal richtig geradeaus schreiben ohne dass es aussieht als wäre gerade ein Baboon elektroschocktherapiert worden. Deshalb war es auch nie wirklich naheliegend, mich damit auseinanderzusetzen. Daran hat sich sogesehen nichts geändert- außer mein Umfeld, und die Tatsache, dass ich immer mehr das Gefühl verspüre, dringend mal “ICH WAR HIER” auf alles zu schreiben, was mir in die Quere kommt. Die Psychologie dahinter mag zwar meine (zugegeben unzulängliche) Allgemeinbildung überschreiten, aber irgendwie erscheint mir das sehr, sehr menschlich: der Kampf gegen die Vergänglichkeit, der Schrei nach Aufmerksamkeit, die Angst, in den Treibsandmassen an bedeutungslosen und nichtserschaffenden und langweiligen und ungesehenen Menschen unterzugehen.

Vielleicht ist Graffiti ein Parallelausdruck zum Blog oder zu Twitter, vielleicht sogar in direkter Abhängigkeit, vielleicht überzeichne ich das alles auch wieder. Wie dem auch ist: ich verliere mich darin, und nichts fasziniert mich augenblicklich mehr als die Geschichte jener Kultur, die meiner Generation das Standbein zur Ignoranz gegeben hat. Tut mir leid dafür übrigens, Jungs. Ich hol das jetzt mal nach.

(Auf dem Plan stehen übrigens noch Wild Style, Beat Street, Breakin’, Krush Groove, Whole Train, Tougher Than Hell, wer noch Empfehlungen hat darf gerne beisteuern)

August 18th, 2010 Posted in (Pop)Kultur | 7 Comments »

Migrationshintergrund 23

Statistisch gesehen gibt es in Deutschland knapp 30% Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländern und Eingebürgerten. 30% von 23 sind knapp 7. In der deutschen Nationalmannschaft finden sich zehn. Drei über dem Durchschnitt, davon ein Eingebürgerter und neun mit Migrationshintergrund.

Überträgt man das wieder auf die Bevölkerung kann man ohne Probleme behaupten, dass Migrationshintergrund das neue Deutsch ist. Daher möchte ich an dieser Stelle auch die in letzter Zeit häufig gestellte Frage beantworten, wieso ich eigentlich nicht meine Brüder aus dem Vaterland (Özil oder Khedira) auf dem Trikot trage, sondern tatsächlich den deutschesten aller Deutschen, nämlich den Müller:

Selbstverständlich um das makellose, fleckenfreie, fehlerbehobene Deutsch im Fußball zu unterstützen. Sonst nehmen die Migrationshintergründler uns auch noch die Plätze elf bis dreiundzwanzig weg. Mir ist dabei natürlich egal, ob es sich um gute oder schlechte Spieler handelt, ob sie in Deutschland geboren sind, wer wann zugewandert ist und sowieso.

In dem aktuellen WM-Kader der Nationalmannschaft, die mich beim Spiel gegen Spanien ja sehr enttäuscht und vor allem bewiesen hat, dass es ohne Müller keine Stabilität gibt (das nur mal so am Rande), gibt es tatsächlich nur einen, der als Eingebürgerter durchgeht: nämlich Cacau. Die anderen neun gelten als Deutsche mit Migrationshintergrund, landläufig immer noch als Ausländer bezeichnet. Neun Spieler, davon sieben in Deutschland geboren und aufgewachsen, zwei, die spätestens zum fünften Lebensjahr in Deutschland waren, Klose, der schon acht war, als er nach Deutschland kam. Jemand, der hier aufwächst, lebt, liebt, zur Schule geht, mit seinen Freunden durch die Straßen zieht und zum Karneval Schlagerkappellen mitgröhlt – wie kann der nicht Deutsch sein?

Wie kann der irgendetwas anderes sein? Wann hatte er denn jemals die Wahl, etwas anderes zu sein? Es gibt nicht mehr nur das eine Deutsch. Es gibt eine Million, und ich bin eins davon, und Özil ist eins davon, und Trochowski, und Müller auch, und Podolski ist halt eins mit Sprachfehler.

Sie nennen uns Ausländer. Ausgesprochen: “Deutsch mit Migrationshintergrund”.

Migrationshintergrund. Wenn es dieses Wort nicht gäbe, wäre ich dann Deutsche?

July 9th, 2010 Posted in Gangster | 22 Comments »

Wishlist

Ich feier kein Weihnachten. Als Kind gläubiger Moslems durften wir einmal im Jahr für knapp 30 Tage hungern und wenige Wochen später zum Dank ein Schaf schlachten, um die blutigen Überreste an arme Menschen zu verteilen. Meine deutschen Freunde Silke und Klaus haben sich in der Zwischenzeit an kleinen Hundewelpen, Holzmöbel und neuen Schulranzen von 4You erfreut. Und ihr fragt euch, warum ich gestört bin.

Später haben meine Brüder und ich uns angewöhnt, an Heiligabend zu McDonalds zu fahren und dort mit den anderen Immigrantenkindern auf drei eintönige Feiertage anzustoßen (die Juden durften nicht, die hatten Hanukkah, aber meistens schimmelten da noch ein paar Chinesen rum. Von denen waren einige auch hundertprozentig Massenmörder oder mindestens Tierquäler, so, wie die von ihren Eltern getriezt wurden. Dabei habe ich mich immer gefragt, was die eigentlich bei McDonalds machten).

Aber nur, weil ich Weihnachten aufgrund der Langweile boykottiere und völlig davon traumatisiert bin, jedes Jahr drei Tage lang aus Mangel an heidnischen Freunden und geschlossenen Etablissements mit meinen Eltern und Brüdern in einem Haus eingesperrt zu sein– jedenfalls, nur weil ich diesem Feiertag gegenüber latent abgeneigt bin, heisst das nicht, dass ich solche Feste des Konsums und Größenwahns wehement ablehne oder gar boykottiere. Mitnichten.

Ich werde zwar ungerne beschenkt (weil ich meine Wutausbrüche unterdrücken muss, wenn man nach unzähligen Bemerkungen einfach nicht verstanden hat, was ich denn eigentlich wollte), habe aber eine Leidenschaft für das Verfassen von Wunschzetteln entwickelt. Von einem komplett möbilierten Traumhaus in ewiger Perfektion bishin zu meiner eigenen H&M-Filiale steht da so einiges drauf. Für das, was halbwegs machbar ist, gibt es Amazon.

Das mit dem Konsum und dem Geld, alles schön und gut. Irgendwann wird es stumpf, weil man vieles von dem, was auf der Liste steht, weder braucht noch eigentlich dringend will. Ich möchte hier keinesfalls behaupten, dass Geld nicht glücklich macht, ich will ja nicht den Eindruck einer sentimentalen alten Trulla erwecken.. aber: es ist zu einfach. Deshalb habe ich letztens eine ganz andere Liste erstellt. Einen Wunschzettel an Dingen, die man sich nicht kaufen kann ((wenn wir ehrlich sind, dann können wir wahrscheinlich alles heutzutage kaufen. Ich möchte damit sagen, dass das Dinge sind, die man sich echt nicht kaufen müssen sollte)). Ich habe es mal in etwa so realistisch gehalten wie bei einem herkömmlichen Wunschzettel, deshalb steht da Weltfrieden und so ein Gesülze nicht drauf. Ich wünsch mir ja auch keinen neuen A5 für meinen Nachbarn.

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December 20th, 2009 Posted in Uncategorized | 11 Comments »