Odd Future

Veröffentlicht April 18, 2011

Ich versuche zu rekonstruieren, was passiert ist, seitdem ich hier eingezogen bin und Nacht für Nacht an meinem Fenster sitze und mir dabei “Yonkers” oder “Earl” anhöre und mitwippe und mitrappe und meine Arme hektisch bewege. Alles dreht sich gerade um OFWGKTA. Alles. Das geht hier leider ein bisschen unter, weil viel passiert. Fahrräder passieren, Nightrides passieren, Rumstromern und beim Versuch, in einen Yard zu klettern und von den Cops gebustet zu werden passiert, beim James Blake Konzert vor’m Berghain rumhängen und nach Tickets suchen und für viel Geld Tickets finden und dann vom Bass erhängt zu werden passiert, zu wenige Champions für die Crew kochen passiert, sich beim Einkaufen totschleppen passiert, beim Arbeitsamt Scheisse labern passiert, sich den Kaffee über die Hose schütten passiert, eine Stunde vor Abfahrt Wäsche waschen und hoffen dass sie rechtzeitig trocknet passiert, im Luzia nicht reingehen weil man zu müde ist passiert, im Jenseits für 15 Minuten mit nur 3 anderen Menschen zu Hip Hop tanzen und danach direkt wieder reinhauen passiert, sich mit seinen eigenen Stiften vollmalen passiert, sich zwei Achter reinfahren passiert, sich die Birne wegkiffen passiert, sich um drei Uhr morgens auf die Oberbaumbrücke setzen und kurz Luft holen passiert, im Sysyphos raven und die Location für gut befinden passiert, die liebsten Freunde umarmen passiert, mit Nico wahllos streiten und ihn in den Wahnsinn trollen passiert, ohne Absätze schreiben passiert, Nadines Aufführung zum zweiten Mal gucken und dabei Gänsehaut bekommen passiert, nach Mitte fahren um ein Magazin zu kaufen passiert, an der Strandbar Mitte chillen passiert, Jackass 3D gucken und bei der Phantom staunen passiert, Frank Ocean rauf und runter hören passiert, tausend andere Sachen, die passieren, einfach wieder vergessen.

Aber eine schöne Konstante gibt es: Odd Future. Ja ja, es ist ein Hype, von mir aus. Nennt es doch so. Vielleicht ist es in ein paar Monaten vorbei und ich werde mich nur noch an das rohe Potenzial dieser krassen Dudes aus LA erinnern, aber am Ende des Tages zählt nur, wie sehr mich dieses Rap-Kollektiv, bestehend aus vorlauten Kindern mit Ambitionen, eigentlich inspiriert. Und ich darf zu diesem Höhepunkt meines eigenen Groupie-Daseins einfach mal zu einem Konzert. In diesen stillen, ruhigen Tagen der Vorfreude werde ich nichts anderes tun außer mich darauf optisch als auch mental vorzubereiten. In dem Sinne: Fuck School Burn Shit Kill Them All. SWAAAAAAAAAAG.

 
 

Someone Great

Veröffentlicht March 6, 2011

Intensität. Ich habe Angst, das zu verlieren. Ich habe Angst dass das blendende, fantastische rot irgendwann in meinen Augen verblasst, weil ich übersättigt bin. Ich habe Angst, dass es mir zwischen den Händen entgleitet, weil ich es nicht richtig sehe, nicht richtig verfolgen kann mit meinen normalsterblichen Nervensträngen, das was du siehst, das was du fühlst, das was du denkst. Meinem Herz ist deine Logik egal, aber mein Gehirn muss auf mich aufpassen. Ich habe Angst, dass es dich gegen die Wand fahren lässt, um mich zu schützen.

Ich will mich daran festhalten. An das Lachen. An den Aufräum-Tick. An dem Altersding. Am Tee. An dem ADS und der resoluten Bestimmung, jetzt bloß nichts mehr essen zu müsse. Am Drehtabak. Damit du die Sachen nicht nimmst und wegfliegst und mich hier lässt, paralysiert, weil ich es nicht verstehe. Nicht, dass ich das spüren würde, aber meine Erfahrung spricht gegen Intensität und für Stabilität. Meine Erfahrung spricht dafür, das Chaos vorher abzutesten und sich dann ganz schnell zu verpissen, wenn es mehr ist als man selbst ertragen kann, denn noch mal werde ich mich nicht an den Abgrund der Menschheit für jemanden schleifen lassen, der gar nicht weiß, was er tut. Der nur dachte, er würde empfinden. Der so viel Stress mit sich selbst herumträgt, dass er keinen Platz mehr für andere hat. Ich brauche nicht viel Platz, minimal. Etwa so viel wie Klopapier. Aber du hast mich reingelassen in diese Welt, und jetzt muss ich das beanspruchen. Und ich habe Angst, denn deine Welt ist unberechenbar. Ich habe keine Ahnung, was hier vorgeht.

Dabei weiß ich, dass das unbegründet ist. Da war nichts von “hey, kannst du mich auffangen?”, denn du hast mich gar nicht erst fallen lassen. Und ich sehe dich und deine großen Augen und dein großes Herz und ich höre dem Motor zu, wie er sich warm macht, um dem nächsten Menschen in deinem Leben einen irrsinnigen Gefallen zu tun. Nein gehört nicht ins Vokabular. Das ist dumm von dir, das zu tun, denke ich, und gleichzeitig liebe ich dich für diese irrsinnige Dummheit. Du hast selbst nicht viel, und auch den letzten Rest gibst du noch weg. Ich versuche das, zu verstehen, wo so viel Liebe herkommt, und frage mich, ob das vom Schmerz bedingt ist, der dir unter der Haut kriecht. Manchmal denke ich, ich habe es kapiert. In logischer Reihenfolge höre ich Sätze, die aus deinem Mund in meine Ohren marschieren, und es macht Sinn, Textbuchpsychologie, Analysen, Interpretationen. Aber dann sagt mir irgendetwas: das Wissen darum hat nichts geändert. Du könntest trotzdem morgen einfach gehen und nie wieder kommen, und ich könnte nicht mal wütend sein. Ich könnte dich nicht mal beschuldigen, dass du mich einfach stehen gelassen hast. Und dass ich nur noch einen Lichtschweif von rot sehen, der mich daran erinnert, wie sehr ich dich nicht festhalten konnte.

Das alles macht mir Angst. Dass es irgendwann aufhört. Dass unsere Herzen dicht machen und Sonnenaufgänge im Schein unserer dunklen Vergangenheiten verblassen. Wir werden uns dann nur noch in Erinnerungen kennen, und es bleibt die Frage – gute oder schlechte? Alles in mir sagt, “mach das nicht schon wieder, fessel dich nicht schon wieder, wenn du einmal in dieser Welt drin steckst, kommst du da nicht mehr heil wieder raus”, und ich war schon kurz davor abzuhauen. Aber dann hast du mir deine Hand gegeben und gefragt, ob alles in Ordnung sei, und ich habe dich angeguckt, ein rot, so umwerfend wie ich es noch nie vorher gesehen habe… die Stimmen hörten auf zu tosen und in der Stille wurde mir bewusst, dass es völlig egal war, ob ich bei dieser Sache sterbe oder nicht. Es wäre immerhin einer der besten Gründe, den ich habe. Intensität. Und du halt.

 
 

Death Proof

Veröffentlicht February 2, 2011

Nahtoderlebnisse sollen einem ja dem Märchen nach eine gewisse Lebenslust bringen, insbesondere dann, wenn man schon bis zum Hals in Zynismus und Engstirnigkeit steckt. Nach dem Fast-Tod soll man begeistert, voller Elan und Euphorie aufspringen und die Faust in den Himmel recken und “ICH FICK EUCH ALLE RICHTIG HART” schreien, mit einem wahnsinnigen Lachen, nur mit Krankenhauslappen bedeckt, aus dem Fenster springen und die Welt erobern.

Ich sag euch jetzt mal was: das gilt maximal für die Menschen, die Schmerzen erlitten, den Tod vor Augen gesehen, und mit filmreifer Action davongekommen sind. Menschen, die gefoltert wurden, Menschen, die sich selbst in die Situation verfrachtet haben, Menschen, die durch Erfahrungen rennen mussten, die sie niemals machen wollten und nie wieder machen werden. Ich hingegen fühle mich genauso gut oder schlecht wie vorher, denn mein Nahtoderlebnis war nicht mal im Ansatz so befreiend oder beeinflussend wie die der geläufigen Dramen der Welt.

Ein Nahtoderlebnis mit Nachwirkungen (Epiphanie, Tragik, Schock, Lebenslust, der ganze apokalyptische Kram eben, den man aus Filmen und Literatur und Musik kennt) muss genossen werden. Ein Nahtoderlebnis, das in irgendeiner weise nachwirkt, muss erlebt werden. Ich kann euch eines sagen, Leute: ein allergischer Schock ist weder romantisch noch erwähnenswert und damit quasi fast schon zu bedauern. Jemand, der beim Surfen von einem Hai erwischt wird und sich losreissen kann, der weiß, was das Leben wert ist. Jemand, der in einen schweren Autounfall verwickelt ist, weil er gerne mal einen zu viel trinkt, wird daraus lernen, es nie wieder zu tun. Jemand, der einen allergischen Schock erleidet – also jemand wie ich – fühlt sich einfach nur von Gott und der Welt betrogen, denn niemals gab es eine unwürdigere Form des Nicht-Sterbens, und gar auch noch in einem Flugzeug. Und das alles mit fettem Ausschlag.

In kurzgefasster Form habe ich Australien mit Juckreiz verlassen, der plötzlich seinen Weg über meine Haut ebnete. Nesselsucht wird das in Fachkreisen genannt, Ursprung unbekannt. Mein letzter Allergietest liegt kaum ein Jahr zurück, wozu sich also sorgen machen? Vielleicht waren es auch nur Bisse von böswilligem, australischen Gekreuche. Man weiß es nicht. Man weiß es vor allem immer noch nicht.

Im Flugzeug steigerte sich mein Unwohlsein in ein Fieber, das ich nicht mit dem Ausschlag, sondern mit der Abreise in Verbindung brachte. Nach wenigen Stunden des hin-und-her-herumruckelns in meinem Sitz, merkte ich, dass ich keuchte. Oder vielmehr mein Sitznachbar, der unglaubliche Gary, der aus Borneo kommt, in Australien lebt und chinesische Vorfahren hat, merkte, dass ich keuchte. Er wachte nämlich davon auf. Und fragte mich, ob es mir gut ginge. Ab dann ging alles genau so schnell, dass ich nicht mal mehr Zeit hatte, in Panik zu geraten: ich bekam keine Luft, ich sah aus wie als hätte ich eine seltene Form von Lepra, der zuständige Steward rannte zum Notfallkasten, kramte etwas heraus, setzte mir die Kunst-Adrenalin-Spritze ins Bein und zack war alles wieder so, als wäre niemals etwas passiert. Ich murmelte ein Danke und schlief ein.

Nur das mit dem Aufwachen schien erst mal nicht zu klappen, denn meine Augen öffneten sich erst, als ich schon (4 Stunden später) am Tropf der Flughafenklinik hing. Auch hier setzte weder Angst noch Panik ein, verblüffend, wenn man bedenkt, wie sehr ich das dramatische Ende, dieses ganze Szenario, in meinem Leben schon herbeifantasiert habe. Wie heroisch, zu sterben, wenn man sich für jemanden opfert! Oder unter den Boden gehieft zu werden, weil man für sein Land gekämpft hat und drei Kinder hinterlässt und für immer als Held in den Erinnerungen der liebsten Menschen verbleibt.

An einem allergischen Schock zu Grunde zu gehen, das muss man erst mal verarbeiten. So ein fantastisches Leben, so viel Schönheit, all das für ein bisschen Ausschlag und natürliche Körperabwehrreaktionen verschwendet? Für so einen Abgang würde ich mich doch nur schämen. Haleluja also, das mir dieses Schicksal erspart geblieben ist. Für das nächste Mal habe ich mich bereits informiert und recherchiert, sorgfältig meine letzten (wohlformulierten) Worte ausgewählt und werde versuchen, mich an der Situation festzuhalten, die dann meine letzte im Leben sein soll. Unerwarteter Abgang. Pah, dass ich nicht lache.

Death Proof · Kategorien: Weltreise · 13 Kommentare
 
 

Life of Y

Veröffentlicht February 1, 2011

Menschen ziehen an fremde Orte auf der Suche nach einem besseren Leben. Das bessere Leben erweist sich meist in der Reise selbst, zumindest müssen das viele bisher so festgestellt haben, denn es hat sich herumgesprochen und heutzutage ist es normal, ja verdammt noch mal erwartet, dass man den Arsch hochbekommt und weggeht um vielleicht, eventuell, mit Zufriedenheit zurückzukommen, oder, im wortwörtlichen „sehnsüchtigem Sinn“, irgendwo das bessere Leben tatsächlich zu finden.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die sind stehen geblieben. Nicht anders, als auch in ihrer Heimat, nur eben woanders. Im seltensten Fall war diese Entscheidung aufgrund von örtlicher Begebenheiten getroffen worden, sondern aufgrund von Umständen; Menschen, die man trifft und die zu Freunden werden, Arbeit, die man schon immer machen wollte und plötzlich (oder zufällig) angeboten wird. Wenn man das Meer und den ewigen Sonnenschein addiert, erscheint einem alles viel einfacher als in, sagen wir mal, Deutschland.

Für mich war (und ist) Berlin ein Ort, der mir vieles beigebracht hat, mir in einer ausschlaggebenden Phase des Lebens bei- oder im Weg stand, aber immerhin immer da war, wenn ich ihn gebraucht habe. Der Grund für meine Reise – und das wird mir jetzt erst klar – ist gar nicht die Flucht gewesen, oder sogar die Suche nach einem besseren Leben. Die Reise war (und ist) ein wohlgeformter, mit dem Zirkel gemalter Kreis, der mich immer wieder ohne Anfang oder Ende nach Berlin zurückbringen wird. Um für immer irgendwo bleiben zu wollen, muss man sich sicher sein, dass man nirgendswo anders sein möchte. Ich dachte, ich könnte mir das per Anhalter durch sieben Kontinente beweisen, mein Herz beweist mir allerdings etwas anderes: die schönen Länder, Städte und Gelegenheiten der Welt verblassen im strahlenden Sonnenschein der fantastischen Begegnungen und der dadurch entstandenen Freundschaften, die damals in Berlin ihren Platz gefunden haben. Meine Freunde und mein Leben, das ich verlassen habe, haben mich nicht verlassen. Niemals. Und mein Heimweh ist keine Sehnsucht nach Sicherheit oder Commitment oder Settlement; mein Heimweh ist pure Liebe und ein Herz, platzend vor Glück, das viel aufnehmen und durchstehen und ertragen kann, ohne jemals aufzuhören für die Menschen zu pochen, die das magische Berlin zu meinem zu Hause gemacht haben.

Ich bin mir bei all dem, mit meinen unglaublich jungen zweiundzwanzigeinviertel Jahren ziemlich sicher. Wieso – diese Frage wird sich wohl kaum jetzt beantworten lassen – fällt es mir also so schwer, von meiner Reise Abschied zu nehmen und nach Hause zu finden? Genauso schwer, wie vor meiner Reise Abschied von meiner Heimat zu nehmen? Oder von meiner Familie, als ich ausgezogen bin? Von meiner Schule, als ich Abitur gemacht habe?

Jede Entscheidung weiterzuziehen wurde bewusst abgewogen, jedes einzelne Mal habe ich mich schlecht gefühlt, nur um nach wenigen Monaten des Durchbeissens an ein Hoch zu kommen, dass ich mir nie erträumt hätte… um dann alles abzubrechen und wieder weiterzumachen. Nur zu gerne würde ich die Ironie des Schicksals für so viele Widersprüche verantwortlich machen, aber ich weiß es viel besser: es muss so sein. Denn wie in jedem Kreis gibt es nicht nur Abschiede, sondern auch Widersehen.

Und auf die freue ich mich ganz besonders.

Life of Y · Kategorien: Weltreise · 6 Kommentare
 
 

Hey, c’mon

Veröffentlicht September 9, 2010

Ich muss gerade ein bisschen weinen oder so. Wunderschön, und wenn ich noch eine Wand zum Bekleben hätte, ich würde mir dieses Poster bestellen und direkt aufhängen. Das ganze Bild.

Hey, c’mon · Kategorien: Netzwelt · Ein Kommentar
 
 

Tourist

Veröffentlicht September 6, 2010

Der Geruch von frischgebackenen Muffins in meiner Nase. Sonne, die auf meine müden Glieder scheint, Gras kitzelnd im Nacken. Konfetti in der Luft; Konfetti auf dem Boden; es glitzert. Ich schwimme in einem bunten Meer, jeder einzelne Fetzen Papier ein Puzzlestück der Wärme die durch mich fließt.

Käse, der von der Pizza auf meine Hose heruntertropft. Die Konsi stimmt halt. Blaulichter vor dem Fenster. In meinem Ohr bekannte Klänge, der Hals kratzt, der Drink leer, die Asche an den Lippen. Der Geruch von Schweiß und Bier und Zigaretten in den Haaren und Staub unter den Fingernägeln. Ein knarzendes Bett, kichern, Achterbahn im Treppenhaus fahren und sich für einen Topf bedanken.

Zuckerguss überall und T-Shirts für einen Euro und Halloumi (viel zu trocken). Geruch von Strand und Meer schon in der Nase. Goldene Schlüssel und abgeschraubte Türgriffe. Eine wunderschöne, autistische Tasche, die viel zu teuer und doch perfekt ist. Flaschen die zerbersten, aber es ist mir egal; ich schwimme in einem Meer voller Liebe und Glückseligkeit und lache und lehne mich zurück und nehme einen Zug der mich in die Unendlichkeit der vielen Realitäten eines einzigen Lebens katapultiert.

Ich bin ein Tourist in diesem Raum der von Glück und Zufriedenheit gedehnt ist; eine Reise folgt der anderen, mit Plänen, die in Hinterhöfen geschmiedet werden und Küssen und Umarmungen und Grenzenlosigkeiten. Songs, die uns immer wieder an diesen Ort zurückbringen werden- jeden 5. September vielleicht – eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben. Die Welt und jedes Gesicht in ihr befindet sich in unserer Seifenblase und wir müssten unsere Zimmer nicht einmal verlassen und hätten trotzdem alles gesehen und erlebt. Es ist absurd, beängstigend und befreiend, so lächerlich, so unbekümmert; wie Kinder, die sich gegenseitig Geschichten aus ihren Reisememoiren vorlesen, Tagebücher voller Entdeckungen und Erfahrungen die wir teilen, jeder Tag ein Ausflug, egal ob wir im Flugzeug, im Stadtbus oder auf unseren Fahrrädern sitzen. Jede Wand bemalt mit unseren Namen und vielen kleinen Herzchen und Ausrufezeichen, aber eigentlich ist es völlig egal, ob das jemals jemand sieht; wir waren hier. Wir werden uns für immer daran erinnern.

Und plötzlich ist alles so einfach, wenn es mich mitten in der Nacht so erschlägt, und ich weiß, ich weiß auf einmal: bei euch bin ich nicht nur ein Tourist; ihr seid nicht nur eine Station. Ihr seid mein Heimathafen. Ich möchte zurückspulen und dem Typen im Fernsehen erklären dass er aufpassen muss, denn das ist Glück. Und das kann ganz schnell an einem vorbeirasen. Ich will euch alle wecken und euch erzählen was ich empfinde, aber dann lege ich mich beruhigt zurück. Ihr wisst das doch schon.

Ich war hier.

Tourist · Kategorien: Berlin Realwelt · 11 Kommentare
 
 

Zeitmanagement

Veröffentlicht August 16, 2010

Dinge, von denen ich glaube, dass ich sie tun würde, wenn ich mehr Zeit hätte:

Mehr Zeitschriften, Romane und verpasste Klassiker lesen, mehr Serien schauen, exotische Filme und beliebtes Kunstkramzeugs nachholen, mehr Ausstellungen besuchen, mich mehr mit Kameras und Fotografie beschäftigen, ein paar Wörter auf Thai lernen, mehr kochen und lernen, wie man einen Kräutergarten züchtet, alte Freunde auf einen Kaffee treffen in einem Stadtteil, den ich nicht kenne, neue Freunde machen, Ideen für bestehende Projekte umsetzen, joggen, mit entfernten Verwandten telefonieren, Bilder bearbeiten, lernen wie man Videos schneidet, lernen wie man Komplimente mit Würde annimmt, mehr mit Politik beschäftigen, mich ehrenamtlich engagieren, Alben, die ich herunterlade, einmal am Stück durchhören, Animal Collective Hype nachvollziehen können, Fixie fahren lernen um auf Menschen jeglichen Geschlechts attraktiv zu wirken, Zähennägel lackieren um auf Menschen jeglichen Geschlechts auch nackt noch attraktiv zu wirken, Sex haben.

Dinge, die ich tatsächlich tun würde, wenn ich mehr Zeit hätte:

Nichts, und schon gar nicht Sex haben.

Zeitmanagement · Kategorien: Uncategorized · 2 Kommentare
 
 

(absender unbekannt)

Veröffentlicht July 24, 2010

Dogmatische Grundsätze eignen sich nicht für mich. Nicht virtuell, nicht real, nicht im Leben, niemals. Alles ändert und dreht und verformt sich in meinen Händen und die Bedeutung vieler Dinge nimmt gerade einen großen Anlauf um in ein Becken voller NICHTS zu springen.

So ändert sich das alles ganz schnell, und plötzlich wird aus einer Bekanntschaft eine Freundschaft, aus einer Freundschaft eine Beziehung – zu zweit steht man dann da, sich an den Händen haltend, während die Menschheit, die Welt und alle ihre Bewohner im Zeitraffer hinter diesem Portrait vorbeigespult wird, völlig belanglos. Menschen kommen und gehen, gute Dinge und schlechte Dinge passieren. Aus einem kleinen Projekt, dass als Aggregator von Vorlieben dienen sollte, wurde ein persönliches Output und ein kleines Lager mit viel Platz für Erinnerungen. Und Erlebnissen. Und Liebe. Und vielvielviel Krimskrams.

dragstripgirl. restrealität. basti und nico (die nicht mehr da sind). freunde. spreeblick. republica. stammtische. ganz viel berlin. ganz viel frust. ganz viel musik. ARBEIT/WORKAHOLIC. ganz viel persönliches. das alles wurde hier aggregiert, in weniger als einem jahr. back to the future wurde back to the past. ein stück quarterlife-crisis, ein stück erwachsenwerden hier. immer mehr text, immer weniger inhalt.

die subtilität und das nichts-sagen wurden radikal vernichtet, obwohl ich beides so liebe.

Marcel fragte mal: was ist, wenn das, was man gestartet hat, nicht mehr das ist, was man will? Was ist, wenn man selbst nicht mitgewachsen ist? Und ich sage: dann mach ich es wieder so, dass es mir gefällt. So, wie es ich will. Hatte allerdings nicht gemerkt, dass ich’s dann doch nicht so gemacht hab. Weil es sich in Stein gemeißelt fühlte.

Ist es aber nicht. Ich weiß nicht, was hier in Zukunft stehen wird, ich weiß nicht, ob es diese Ankündigung wert ist. Vielleicht ändert sich nichts – vielleicht aber doch. Ich möchte nur sagen: es beginnen bald vielleicht zwei Reisen. Mit viel Beschallung und Belichtung. Vielleicht.

(und auch: danke.)

 
 

I Told My Therapist About You

Veröffentlicht June 22, 2010

Vielleicht kommen die Zweifel von der Bucket List, die ich seit sechs Jahren führe, und von der ich mittlerweile fast monatlich einen Punkt runterstreiche um dafür zwanzig Dinge hinzuzufügen. Wie immer, wenn es in die Nähe einer Ziellinie geht, dieses aufkeimende, schmerzhafte Bauchgefühl, zuerst Zufriedenheit, bis es irgendwann zur quälenden Unruhe wird. Und dabei ist das Ziel völlig nebensächlich, es ist der Weg, das beschäftigt sein, das nicht-nachdenken, das “der nächste Schritt ist abgesichert”. Nur- wie lange?

… in einer kleinen Seifenblase voller unrealistischer Erwartungen leben, ein bisschen Ehrgeiz und gute Laune und Oberflächlichkeit durchmischen und einen Teig voller Chaos und Unwissen erhalten. Nein, ich will nicht die beste sein, ich will nicht undankbar sein, ich will auch nicht im absoluten Stillstand verweilen- aber wann hört die Suche nach “ausgewogen” auf? Wann darf ich ausatmen und mich glücklich zurücklehnen – für mehr als nur einen temporären Zeitpunkt – für mehr als nur einem Ziel, das ich von meiner Liste abhaken kann?

Was kommt nach einer Weltreise? Was kommt nach einer Großstadt? Was kommt nach der Liste? Was kommt nach Unruhe, Ungeduld, nach pleite sein, nach reich sein, nach hungrig sein, nach schlank sein, nach fett sein, nach Mann, nach Frau, nach gelangweilt sein, nach verrückt sein, nach verliebt sein, nach bekifft sein, nach wach sein, nach fertig sein, nach fertig sein?

 
 

Stuff No One Told Me…

Veröffentlicht June 17, 2010

(But I Learned Anyway) – Ich sage ja immer, es gibt Dinge, die werden einem in der Schule nicht beigebracht. Richtige Lebensweisheiten. Andererseits ist es auch gut, dass sie einem nicht beigebracht werden: so kann man nämlich ganz leicht die Sorte Menschen rausfiltern, mit denen man nichts zu tun haben möchte. Oder die man belehren will. Oder mit denen man gerade deshalb etwas zu tun hat. Wer weiß, es kann nie genug Schubladen und Etiketten geben.

Eine wunderschöne Sammlung Illustrationen mit Wahrheitsgehalt. Eine kleine Auswahl.

Letzteres gilt natürlich nur für Jobs, die man nicht mag. Die, die man mag, macht man eh schnell (und gut). Ansonsten gilt die Theorie vor allem, wenn Mutti will dass man putzt: “ICH MACH NOCH HAUSAUFGABEN!”

 
 
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