"Girl gone wide."


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Du bist mir egal.

Ich blättere das Fotoalbum hektisch durch, ich suche nach einem bestimmten, dem Foto, das, auf dem ich mit meinen Eltern bin, ich brauche es schnell. Erst nach vielen Minuten der Suche fällt mir auf, dass ich an deinen Bildern völlig uninteressiert vorbeigeblättert habe. Ich bin verdutzt, weil es mir das noch nie passiert war. Ich denke nicht lange darüber nach und suche weiter.

Ich spüre nichts.

Mein Telefon klingelt, dein Name ist auf dem Display, ich bin gerade mit Freunden in einer Bar, kurz vor Aufbruch zum nächsten Ort. Ein kurzer Stich irgendwo, aber ich lasse es weiterklingeln. Zwei Sekunden später habe ich es schon vergessen.

Du bist viel zu spät.

Der Schmerz ist noch zu spüren, vor allem, wenn ich die alten Songs höre oder mit Leuten darüber rede, wann wir mal wieder was machen und wer dabei ist und dein Name fällt. Ich muss mir manchmal noch in den Kopf rufen, dass ich es war, ich hatte keine Lust mehr, keine Nerven, keine Geduld, und dass die Dinge jetzt gut so sind, wie sie sind. Wir brauchen uns nicht. Ich brauche dich nicht.

Ich bin frei.

Ich vermisse dich. Auch, wenn ich dabei weinen muss, wenn ich daran denke wie es zum Schluss war, ich vermisse dich und das Gefühl der Hoffnung, dass es jemals wieder so werden könnte wie früher. Das denkt man ja immer so: dass es irgendwann wieder so wird wie damals, als es noch gut war, frisch, neu, unentdeckt, unausgenutzt. Es war meine Entscheidung, diese Hoffnung abzutreten.

Ich will nicht darüber reden.

Wir können nur darüber telefonieren, über diese endgültige Sache, über das “ich will nicht mehr”, das ich nach so vielen Jahren endlich aus mir herausbekomme. Du bist unendlich weit weg, und ich frage mich, ob ich dir das auch von Angesicht zu Angesicht so hätte sagen können. Ich sehe uns selber beim Streiten zu, wie ich versuche, ruhig und sachlich zu erklären, was du mir angetan hast und warum ich nicht mehr weitermachen werde, aber ich höre nichts. Die Szene ist stumm. Ich kann nur sehen, wie du anfängst zu weinen, wütend bist, mich wegstößt. Ich blicke nicht verschämt weg, denn ich weiß, dass du nicht um mich, sondern um dein Ego weinst.

Ich kann einfach nicht mehr.

Warten. Das ist unsere Beziehung geworden. Ich warte auf dich, darauf, dass du anrufst, dich meldest, oder wenigstens ab und zu darauf reagierst, wenn ich mich bei dir melde. Ich warte darauf, dass du deine Versprechen einlöst, ich warte darauf, dass du Entschuldigung sagst, ich warte darauf, dass du mir gratulierst, ich warte darauf, dass du mich anlächelst, ich warte darauf, dass ich wieder ein Teil deines Lebens werde, ich warte darauf, dass du auch mal auf mich wartest. Ich merke, wie ich erkalte, in Anbetracht des Schmerzes, den du mir zufügst. Mir ist es nicht egal, mir tut es weh, aber das merkst du nicht, obwohl ich es dir nicht zum ersten Mal sage.

Wenn ich an dich denke, werde ich wütend.

Ich rufe dich an um dir etwas zu erzählen, aber du unterbrichst mich schon nach wenigen Sekunden und fängst an zu reden, über die Dinge, die dir passiert sind, über die Ungerechtigkeit der Welt und die Depressionen und die schweren Zeiten und die ganzen Probleme. Ich höre dir zu und bin geduldig, so, wie man sein sollte, wenn einem etwas wichtig ist. Ich gebe dir mein Feedback. Ich überlege kurz, ob ich dich darauf aufmerksam machen sollte, dass wir schon seit Stunden telefonieren und ich noch kein einziges Mal gefragt wurde, wie es mir eigentlich geht, aber du lebst in deiner eigenen kleinen Blase. Ein bisschen gelangweilt bin ich, weil ich mir das schon siebentausendsten Mal anhören muss, und sich nie etwas ändert. Ich wollte dir dabei helfen, etwas zu ändern. Du hast mich nicht gelassen. Wir streiten uns, du wirst sauer auf mich, aber ich weiß nicht wieso.

Ich freue mich darauf endlich wieder mit dir zu telefonieren.

Wir sitzen in deinem Auto, fahren an unseren liebsten Ort, und singen zu alten, kitschigen Songs während die Sonne uns auf den Kopf scheint und wir das Leben genießen. Wir lachen darüber, das alles so einfach ist. Morgen fahre ich endgültig weg, ein kurzfristiger Abschied, eigentlich hättest du mitkommen sollen, aber du hast dich kurzfristig anders entschieden. Ich kann mich nicht dazu aufraffen, wütend zu sein, dein Leben ist schon schwierig genug, auch ohne dass ich dir Vorwürfe machen muss.

Du sagst mir, dass du nicht mitkommst.

Ich bewerfe dich mit Papierkügelchen und du regst dich darüber auf. Wir lachen, uns geht es gut. Der Sommer hat gerade begonnen. Wir haben große Ziele. Wir werden für immer zusammen sein. Nein, es ist nicht immer gut, aber wir bleiben für immer zusammen. Ich weiß das jetzt.

Auch wenn du mir weh tust.

Du lässt mich, wie oft, im Regen stehen. Du tauchst nicht auf. Ich zwinge mich dazu, nicht wütend zu werden; das hast du nicht verdient. Alles ist in Ordnung. Als wir uns endlich wiedersehen, zuckst du mit den Schultern: ist ja auch nicht schlimm. Und es stimmt: ist ja auch nicht schlimm.

Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich.

Sie reden über uns und darüber, wie gut wir zusammen sind. Sie reden darüber, wie viel Spaß wir haben, wie viel gute Laune wir verbreiten, und ich komme nicht umher dich zu bewundern: für deinen Humor und für deine Ausdrucksstärke, für deine Freunde und für deine Macht, vor allem über mich.

Du versetzt mich, aber es macht nichts.

Wir tun verbotene Dinge. Wir lachen. Ich bin überrascht darüber, dass du das mit mir durchziehst. Ich hätte dich niemals so eingeschätzt. Du bist unglaublich spontan und ich mag das. Deine Wegwerfmentalität und dein Achselzucken sind großartig, endlich jemand, der Eier hat.

Ich will dir imponieren.

Du schaust mich wissend an. Wir trauen uns nicht, zu grinsen, weil uns das wirklich Stress einbringen könnte. Wir sind wie gemacht füreinander. Und dir ist das auch klar. Das wird gut.

Ich will wissen wer du bist.

Wir rennen ineinander, du guckst mich völlig verwirrt an. Ich frage mich, wer du bist, und wieso ich dich noch nie hier gesehen habe. Du sagst irgendwas, aber ich kann mich nur darauf konzentrieren, wie viel Ausstrahlung du hast. Ich sage dir meinen Namen, während deine Freunde dich schon weiterziehen. Du blickst dich noch mal nach mir um, winkst mir lachend zu, und dann bist du weg. Wer bist du?

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Manchmal müssen wir uns vom Glauben an eine vorbestimmte Konvergenz, zwischen einem selbst und einer anderen Person, verabschieden. Der Zeitpunkt, der so kleine Veränderungen in der Liebe radikal verdreht, aus Plus ein Minus macht und so, der schleicht auf leisen Sohlen. Und schnell ist er auch, denn wenn man sich Hand in Hand gehend schnell umdreht um zu schauen, dass bisher alles okay und cool gewesen war, dann verschwindet dieser Zeitpunkt ratzefatz hinter einem Gebüsch und lacht sich ins Fäustchen: „Tanzt ihr Marionetten, tanzt!“.

Man dreht sich wieder um und ist stolz darauf, dass man von der Glückskeks-Weisheit nicht enttäuscht wurde: Liebe bedeutet nicht, sich gegenseitig mit rosaroter Brille anzuschauen. Es bedeutet in dieselbe Richtung zu blicken. Hand in Hand. Weisheiten, die von Liebe handeln, wurden von einsamen und ungeliebten Menschen geschrieben, die ihre innersten Sehnsüchte aufs Papier bringen mussten. Fickt euch.

[via bferry]

Und so sitzen wir beide wieder einmal beim Chinesen an der Ecke, essen Xiang Cai und Dim Sum, Nr. 27 und 54, zum hundertsten Mal und füllen das Schweigen mit Lächeln und vereinzelten Gedankenfetzen, die nicht zusammenhängen. Zwei Wochen und vier chinesische Gerichte später eröffnest du mir, dass du keine Perspektive mehr in unserer Beziehung siehst, dass du Angst hast, dass das schon alles gewesen sein soll. Wir beide wissen, dass du keine Angst davor hast, sondern dass du das alles schon irreversibel gegenwärtig siehst. „Ich habe Angst vor…“ – das ist der Code. Den habe ich des Öfteren schon gehört und immer war ein paar Atemzüge später Finito mit uns und den gemeinsamen drei oder mehr Jahren, in denen es uns gut ging, auch beim Chinesen an der Ecke.

Für mich ist das besonders schwierig, dieses Intro, weil ich das nicht kann, was so viele machen: Einfach mal testen, ob das mit dem anderen klappt und dann hat man die Freiheit nach ein paar Wochen zu sagen „Uh, das mit uns beiden klappt nicht, wir sind einfach nicht füreinander gemacht“. Bämm. Nach zehn solchen Versuchen ist dann mal Einer oder Eine dabei, mit dem oder der es klappt. Dann kommt der Chinese an der Ecke, Gericht Nr. 27 und 54, und dann hat das auch ein Ende. Nein, ich brauch ein Gefühl, das mir sagt „Das klappt mit derjenigen“, und keine Tests. So bin ich eben. Deswegen habe ich erst drei Beziehungen geführt, jede mehr als drei Jahre, bis das Mindesthaltbarkeitsdatum ablief. Die ganzen Frauen, die dazwischen in meinem Leben oder in meinem Bett waren, da war es entweder Trieb oder verschiedene Vorstellungen von einem „Gemeinsam“. Oder eben Ängste vor Zuständen, für die man sich noch nicht bereit gefühlt hat. Da kann ich dann denken: “Willst du nicht hübsche Kinder mit mir machen?” Nein? Gut, ich auch nicht (mehr). Hach, sind diese Gedanken großartig.

Was mache ich innerlich beim Chinesen und danach, wenn man Hand und Hand nach Hause geht? Ich schaue mich um und wiege mich in Sicherheit. Du bist dann bei mir, auch wenn du innerlich woanders bist, bei deinen „Ängsten“. Dass du bei mir bist finde ich gut und deswegen tue ich so, als könnte es für immer so sein. So im Nachhinein wünschte ich mir, du hättest auch so getan, als ob.

Wenn ich dich dann ein paar Wochen später mit einem anderen Kerl animalisch-anmutender Natur sehe, dann bin ich traurig, weil er dich ein paar Wochen jeden Tag ordentlich ficken wird, dir leere Hüllen von Perspektiven zeigt und dich ahnungslos bestätigt, dass das Aus mit uns richtig war. Das ist mir in der Tat mal so passiert und das beschissene Gefühl, das ich da hatte, war wie das eigene Gehirn in den Regen zu halten. Und ordentlich Tritte in den Bauch.

Du kannst dich auch nicht dafür schämen, dass du auch viele Jahre später noch in meinen Gedanken auftauchst. Das ist wohl normal so. Denn man vergleicht immer und im besten Fall ist es hinterher irgendwie besser – oder treffender: anders.

Ich konnte dir nie sagen, dass ich beim Chinesen bei Essen Nr. 27 damit beschäftigt war, dass mit uns toll zu finden. Ich war froh und glücklich jemanden in meinem Leben zu haben, der verstanden hat, dass es völlig unwichtig ist ein aufregender oder besonderer Mensch zu sein. Jemand kann so „unbesonders“ sein und ist für irgendwen so wichtig. So habe ich das immer gesehen. Das aufregend ist irgendwann immer weg. Immer. Ja, der animalische Typ mit Drei-Tage-bart und dem Riesenpimmel, der ist aufregender für dich als ich nach dem hundertsten chinesischen Essen. Ja, es spielt für dich keine Rolle, ob ich am Tisch auf dich warte – zwar nicht mehr aufgeregt, aber verdammt zufrieden – oder ob du eine neue Welt, einen neuen Mann und neuen Schwanz kennen lernen kannst. Wenn du hier bereits in einer Zwickmühle steckst, dann ist es vorbei. Dafür kannst du nichts. Aber was viel wichtiger ist: Ich auch nicht. Ich hasse die “neuen” Typen, die ersetzen einen ja oft schneller, als es einem lieb ist. Die können nichts dafür, ich weiß. Vielleicht ist es auch nur der Neid, dass die jetzt etwas tun können, das einem ganz allein gehört hat. Das schmerzt.

Und zwischen den ganzen Schmerzen danach und der jahrelangen Reflektion, habe ich viel mitgenommen. Und ich hoffe bei jedem Neuanfang mit jemanden, dass man ein paar Jahre später beim Chinesen dieselben Gedanken hat: „Es ist nicht mehr so aufregend, aber es ist toll, dass da jemand ist, der bleibt, einem zuhört, einem aufrichtig zur Seite steht, einen liebt, einem nicht gleich wegläuft wenn Ängste kommen, ehrlich ist und der bereit ist auch an sich zu denken, einen zwar nicht mehr täglich, aber regelmäßig fickt“.

Hand aufs Herz, das kann nicht nur Theorie sein, das kann auch verdammt echt und erfüllend sein. Und diese Hoffnung, diesen andauernden Kampf, sollte man nicht verlieren, nicht aufgeben und nicht unterschätzen, wenn man am Ende bezahlt.

„Die Rechnung, bitte“, sage ich zu dem lustig dreinblickenden chinesischem Kellner. „Nr. 27… das macht 16,99 Euro“, sagt er. Ich bezahle, puste die Kerze aus, verlasse dieses Mal alleine das Restaurant und halte meine eigene Hand.

by B in Crystal Meth State of Mind Ohne Worte


In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

Es sind diese absurden Momente, Tiefpunkte, die extremen Momente in denen man plötzlich begreift. Das Gefühl absoluter Klarheit. X und ich. Die Augenblicke sind endlos. Der Glanz ist verschwunden. Und du, X du siehst gelangweilt aus.

Y: Was ist das X, was verdammt nochmal, ist das?

Du siehst mich an. Aber du hörst mich nicht. Ich fange an X zu schütteln.

Y: Wir X, was bedeutet das, wer sind wir, was?

X: Hör auf damit. Hör auf mit deinen Schubladen, deinen Definitionen, deinen beschissenen Erwartungen. Wir sind Nichts, Y. Wir sind unendlich im nichts. Bedingungslos. Bedeutungslos. Freiheit, Y.

Y: Bedingungslos. Bedeutungslos. Ist das Liebe, X? Du wirst mich fallen lassen in deiner Bedeutungslosigkeit. Freier Fall mitten in das verfickte Nichts. Du reißt die Teile aus mir, die dir gerade gefallen. Deine beschissene grausame Willkür. X, du bist ein Heuchler. Weißt du das, du der Weltenretter. Pamphlete gegen die Ungerechtigkeit, die Konsumlust. Du bist nie satt. Du bist der gierigste Konsument. Rücksichtslos. Du hast nie gelernt zu geben, X. Du nimmst. Du sagst mir, du bist Egoist. Das bist du. Siehst du, was du angerichtet hast, X? Ich bin zerbrochen in die Stücke, die du aus mir gerissen hast. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin X. Es sind so viele Ich. So viele Splitter. Erzähl mir nichts von Definitionslosigkeit. Du definierst deine Welt. Du hast mich verschwendet, X. Es geht um dich, X nur um dich. Verstehst du das? Du belügst dich selbst. Nur hör endlich auf es Liebe zu nennen.

X: Hör auf. Ich liebe dich doch. Diesen Moment. Du willst alles, aber ich kann dir nicht alles geben. Verstehst du das, Y? Es gibt keine Ewigkeit, es gibt keine Erfüllung. Keine Vollkommenheit. Nichts ist perfekt, Y.

Y: Du weißt nicht wovon du redest, X. Wenn ich ein Messer hätte, X. Ich würde es dir in dein Fleisch stoßen, damit du verstehst was Schmerz ist, X. Damit du fühlst was Hass ist. Und damit du begreifst was Liebe bedeutet. Deine, unsere “offene Beziehung”, X? Wir haben keine Beziehung X, wir haben nichts. Nichts außer die Bedeutungslosigkeit. Die Leichtigkeit. Und ich hab mich darin verloren, X. In dir verloren. Du hast die Grenzen verwischt, als du von mir genommen hast. Du frisst und frisst, deine endlose Gier, du bist nicht bedingungslos, X. Du bist, der der alles will. Alles und du hast es genommen, X. Du hast mich ausgesaugt, mich zum Produkt gemacht. Monster! Monster! Und während du deine Zähne in mein Fleisch geschlagen hast, hast du mich angesehen und hast es Liebe genannt.

Y wird gehen. Irgendwann. Noch braucht sie X. Sie wird ihre Selbstaufgabe als Hingabe, Leidenschaft, Kunst sehen. Aber es wird sie zerstören, und sie weiß es. Stück für Stück wird sie sich verlieren. Und irgendwann wird X satt sein, und von Y werden nur noch Teile beliben. Y wird sich betrachten -auseinandergerissen, verloren- sie wird langsam lernen, wie es ist sich zu lieben. Sie wird lernen, wie es sich anfühlt, frei zu sein. Sie wird den freien Fall als Freiheit begreifen. Sie wird sich hassen, ihre Schwäche, ihre Sehnsucht, sie wird sie hassen die Abhängigkeit. Bis sie begreifen wird. Sie will fallen, und wenn sie am Boden angekommen ist wird sie nach oben sehen. Sie ist schon so oft hier gewesen. Sie kennt den Abgrund. Und sie kennt das Schimmern, das in der Ferne zu sehen ist. Irgendwo. Y wird es finden. Irgendwann.

Sie nennt es Ambivalenz, sie sagt sie kann ihr Leben nur leben, wenn sie noch weiß wie es sich anfühlt zu fallen und zu lieben. Wieder und wieder. Kunst nennt sie es. Liebe vielleicht.

Autor: Anonym

by Anonym in Restrealität


Im Großen und Ganzen ist es unmöglich in das hineinzusehen, was ich manchmal für so selbstverständlich halte. Irgendwas passiert und ich denke mir, dass es eigentlich gar nicht so schwer sein kann, auf Dinge irgendwie zu reagieren. Ehrlichmachen. Habe ich mir einreden wollen, alles sei schaffbar, wenn man nur vorher drüber nachgedacht hat oder ist es eigentlich so, dass man sich einredet, auch unbeholfen durch Situationen zu schlittern, für die man doch niemals wirklich eine Antwort hat? Tja, so verwirrend die Dinge des Lebens manchmal sind, die Wahrheit steckt doch stets im Schatten einiger Dinge, die wir uns selber weismachen. Frage ich doch die Heldin oder Ally. Und warte einfach nur darauf, was Carter sagt:

[Bild via Pasqualle]

1. Ich bin ein Frühlingsbaby. 2. Ich habe alle Milchzähne gesammelt, mit denen ich die Unschuld schlafloser Poeten zermalmt habe. 3. Ich bin ein Pirat. Ich gehe unter und zelebriere meinen Verfall. Laut. 4. Ich möchte der Fleischeslust folgen und Psalme in die leuchtenden Rapsfelder hinausbrüllen. Ich will die Liebe verprügeln, auf sie eindreschen, sie von innen aussaugen wie ein frisches stöhnendes Honignest und danach meine klebrigen Finger lecken und die leere Hülle wegwerfen. 5. Ich komme aus dem Wald, wo Krähen schwarze Blüten begatten und der Himmel durch die messerscharfen Tannen auf mein müdes Gesicht hinuntersickert. 6. Ich habe Raskolnikow das Beil in die Hand gelegt. 7. Ich habe Villon das fieber eingehaucht. 8. ich bin eine Kanalratte. Regenwasser berauscht mein Gemüt und Dreck stillt meinen Hunger. 9. Ich habe zehn Zeigefinger. Alle richtungsweisend. 10. Ich glotze skeptisch in fremde Mäuler (und manchmal speie ich hinein). 11. Tagsüber habe ich orangene Haut und Zunge. Nachts färbt sich der Mond blau. 12. Ich fresse Gift und lebe davon länger. 13. Ich habe zu Wänden gebetet. Dann meinen Kopf daran aufgeschlagen. Jetzt ist alles eine Ruine und der stille Himmel wiegt mein Haupt. 14. Ich rauche Stummel vom Boden und trete in lauwarme Spuren. Und lauwarme Spuren treten in meine Füße. Es ist dann als würde sich mein Kopf mit fremden Blut füllen. 15. Lärm und Kirschwasser sättigen meine Nervenfasern. Sie laufen davon rot an. 16. “.” 17. Und ich frage die Anderen: Narziss, wo ist die Liebe hin?

by B in Crystal Meth State of Mind


Nach vielen Versuchen, die alle in meinem kläglichen Versagen und unausgesprochen großer Unzufriedenheit resultierten, fiel mir gestern auf dem Weg nach Hause plötzlich auf, dass ich eigentlich gar nicht das perfekte Love-Mixtape brauche. Also hörte ich auf, nach den perfekten Songs zu suchen.

In den letzten Tagen hatte ich meine eigene Herausforderung angenommen, endlich das zu tun, was jeder 12-Jährige 1985 schon tat: ein Mixtape für das Herz zusammenbasteln. Ich wollte es niemandem schenken, also kein klassisches Give-Away-Mixtape machen (das dauert auch wesentlich länger als nur ein paar Tage), sondern eins machen, dass irgendwie den Moment, in dem ich mich gerade befindet, festhält. Nicht, dass ich mich je wieder so wirklich an diese völlig hirnrissigen Stimmungsschwankungen erinnern möchte. Aber ok.

Tatsächlich besitze ich für jeden Menschen und für jeden Moment in meinem Leben den passenden Soundtrack- nur das Thema Liebe, Herzschmerz, Sehnsucht, Yadda Yadda Bang Bang, das habe ich bisher gepflegt und großzügig ignoriert, vielleicht, um es aufzuheben. Für dann, wenn ich die perfekte Sammlung habe. Oder für dann, wenn ich es wirklich empfinde.

Ich dachte, das wäre jetzt- aber es stimmt nicht, es gibt keine Liebe, und es gibt auch keine perfekte Sammlung, sonst würde es mir nicht so schwer fallen. Meine gescheiterten Versuche beweisen mir, dass es nicht die Zeit dafür ist. Es ist nicht das, was ich suche. Es geht nicht um Love & Heartbreak. Es geht um viel weniger: etwas, dass dieses zerbrechliche Thema am Rand ankratzt, berührt, etwas, dass davor passiert (oder auch nicht passiert) und endet, ehe man sich versieht. Dinge, die man nicht mehr mit Worten erklären kann (weshalb man zur Musik greifen muss), Situationen und Momente, die zu schnell vorbeirauschen und nur eine Staubwolke von Verwirrung und Wehmut zurücklassen. Es geht um Abschiede, verpasste Gelegenheiten, die What-Ifs und all das, was man mit Sicherheit nicht in einem Mixtape über die Liebe finden wird.

Das hier ist nicht Time After Time von Cyndie Lauper, man. Aber es hat lange genug gedauert, das herauszufinden.

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by yeahs in Musik


In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

Wir waren in einer fremden Stadt, als wir uns wieder trafen. Es war unsere letzte Nacht. Meine Finger tanzten über sein Gesicht, strichen durch seine nassen Locken, über seine schönen Lippen.. Seine Augen waren geschlossen. Er atmete ruhig; er war erschöpft. All die Dinge, die wir uns in den Nächten zuvor durch unsere Körper gepumpt haben, brachen letztendlich unsere Standkraft. Nach fast 48 Stunden Wachsamkeit waren wir fast tot.

Das Zimmer, in dem wir lagen, spiegelte diesen halbwahnsinnigen Zustand wider. Das Rattengift hinter der Heizung. Die Brandlöcher in der Bettdecke. Die gelblichen Flecken auf den Laken, auf denen wir lagen. Die Wandbemalungen, die Requieme der trippenden Mittzwanzigern, die alle in den vergangenen 10 Jahren in diesem Hostel gewohnt haben, hatten auch uns eine Nacht zuvor gequält. Es blieb nichts ungesagt. Es blieb kein Traum unberührt. Sein Lachen hallte mir immer noch in meinen Gedanken nach.

Ich konnte trotz aller Müdigkeit nicht schlafen. Ich schlang die Decke noch enger um mich, drehte mich auf meinen Rücken und schaute aus dem Fenster hinaus, in den blau-schwarzen Himmel. Ich war völlig fertig, mein Schädel pochte. Es war die erste Nacht, in der wir nicht Arm in Arm lagen.

“Ich finde deine Pläne gut- aber mach es nicht wegen mir.”

Seine Stimme war ein Flüstern. Ich wusste nicht, ob ich ihn gehört hatte. Ich wusste nicht, ob es nur in meinem Kopf war. Ich drehte mich zu ihm, seine Augen waren verschlossen. “Was?”

“Deine Pläne- es ist gut. Aber nicht wegen mir. Ich weiß nicht, wo ich sein werde. Mein Leben ist verrückt- vielleicht bin ich nicht da… Mach es nicht wegen mir.” Sein Flüstern war kaum zu hören. Ich wollte es nicht hören.

Ich musste verächtlich schnauben, “Nein, ich mache es nicht wegen dir”, doch meine Kehle fühlte sich an, als würde sie gleich explodieren. Ich drehte mich wieder auf meinen Rücken und versuchte, meine Tränen zu unterdrücken. Ich war wütend, auf ihn, auf mich selber, ich wusste nicht wieso. Weil ich es nicht wegen ihm machen wollte und es satt war, mir diesen Vorwurf anhören zu müssen. Weil er es nicht zu schätzen wusste, selbst wenn es so wäre.

Weil unser Abenteuer hier endete.

Weil die Geschichte, die wir eines Tages erzählen werden können, niemals ein weiteres Kapitel sehen wird.

Er sagte nichts mehr, es machte mich rasend. Wie er da lag, so unbelastet, so zufrieden, ohne die Augen zu öffnen, ohne der Sache nur einen weiteren Moment zu widmen. Er hatte alles gesagt, in dieser letzten Nacht.

“Du wirst mir nicht das Herz brechen”. Ich sagte es, und ich fühlte es, während die Tränen meine Augen verließen.

“You’re not breaking my heart.”

Er machte die Augen auf.

“I’m not?”

Ich lachte. Nein. Es gab keine Splitter und keine Risse, nicht wegen ihm. Und ich lachte weiter, weil er nicht wusste, was dieses völlig verrückte Mädchen, dass von Piraten und Safaris träumte, eigentlich von ihm wollte.

“No, you’re not.”

Er machte die Augen wieder zu. Er wusste nicht, was er mir angetan hatte. Er wusste nicht, wie sehr er mich faszinierte. Er wusste nicht, dass er mein Herz nicht brechen konnte.

Er wusste nicht, dass er mein Herz geheilt hatte.

by yeahs in Restrealität


Ich habe da etwas entdeckt, dass ich eigentlich für mich behalten wollte. Ein kleines, glitzerndes Geheimnis- ein Geheimnis, wie es der erste Kuss war, von dem man noch nie jemandem erzählt hat. Ein Geheimnis, so wie den ersten Liebesbrief, den man nach zwanzig Jahren immer noch besitzt. Ein kleiner Schatz, der ein Lächeln erzeugt.

Aber natürlich kann ich es nicht für mich behalten. Es wäre nicht fair ((ok, abgesehen davon, wahrscheinlich kennt den eh schon jeder)).

Es heisst Le Love, ein TumblR, der sich als Blogspot verkleidet hat. Ein Scrapbook voller Geschichten, Bilder, Erfahrungen- gut und schlecht. Es ist kitschig, ja. Vor allem für einen Eisblock wie mich sehr waghalsig. Und trotzdem: wunderschön. Ein Thema, das so oft durchgekaut wurde, dass man nichts mehr damit zu tun haben möchte. Und trotzdem: fesselnd. Ich habe mich noch nie bis auf den Grund eines Blogs durchgeklickt. Bis jetzt.

Hier liegt noch ein Brief herum, der niemals verschickt wird- überflüssige Worte. Nichts, was ein bloßer Augenblick nicht auch vermitteln könnte. Aber vielleicht ist es wichtig, diese Dinge einmal auszusprechen. Nur um mal zugegeben zu haben, dass der Eisblock schmelzen kann. Nur um mal sich selbst zu erlauben, dass es sich gut anfühlt. Um einmal einfach zu sagen: das stimmt schon so.

Z. Thank you.

Thank you for inspiring me to do what I have always dreamed of. Thank you for your amazing and huge smile that warmed up my heart in the cold snowy weather. Thank you for being the most pleasant guy I have met in a long time. Thank you for being, not simple as you like to call yourself, but for being satisfied.

From all my heart, I mean it when I say: I hope you’ll always be happy.

Missing you already.
S.

by yeahs in Ohne Worte


Der Sonne entgegen blicken, und einen Strahl einfangen. Der geht dann durch das Auge, durch die Nerven, da ins Hirn rein, wo es irgendwas ausschüttet, total verrückte Chemiescheisse, die dann ein wunderbares Kribbeln durch den restlichen Körper schickt und ein einziges, winzig kleines aber von Milliarden Zellen verursachtes Lächeln auslöst. Ein einziges Lächeln, unbedeutet in Relation zu einem monströsen Lachen. Aber es wäre schon mal mehr als gar nichts, mehr, als man erwartet hätte, und mehr, als man jemals sonst bekam.

Sommer Chemie

Denn das war letztendlich auch das Problem mit dem Sommer und den Gefühlen und den Schmetterlingen, die immer über die verkackten blöden verliebten Päärchen herumschwirrten, aber nie über einen selbst, weil man kein Päärchen sondern ein Einzelchen war. Und da gab es jetzt auch kein so tolles Lächeln, das man einfangen konnte, weil jeglicher Sonnenstrahl höchstens Hautkrebs und den regelrecht nackten Wahnsinn auslöste. Als hätte es nicht noch gefehlt, dass die Männer jetzt ganz öffentlich ‘ne Latte hatten weil die ganzen Weiber im super engen Tanga-Bikini rumlaufen.

Besonders schlimm war es, wenn man dann auch noch von den anderen einsamen Menschen erfahren musste, dass sie zumindest eine reelle Chance darin verspürten, bald nicht mehr einsam sein zu müssen. Würde ja auch langsam Zeit, dass sich ein geeigneter Partner findet, das passt im Winter nicht, da passt ja wohl wirklich gar nichts, da wird man nur fett und rasiert sich die Beine nicht mehr, aber jetzt, wo die allgemeine Rammelei anfängt, müsste man doch mal daran arbeiten, und siehe da, schon hat man einen willigen Bett- und vielleicht sogar Lebenspartner gefunden. Schon waren es einige einsame Menschen weniger, und plötzlich sitzt man Samstagabend alleine in irgendeiner Bar und guckt sich die anderen Alleine-Menschen an, die genauso alleine und apathisch reingucken wie einer selbst und dann setzt man zum trinken an und merkt dass da jetzt irgendein Arschloch seine Asche ins gute Vodkaglas gefeuert hat. Man trinkt’s aber trotzdem, kann ja nur besser werden, und Asche ist angeblich gut für die Verdauung.

An so einem Abend kann noch so viel Gutes passieren. Man kann im Lotto gewinnen, man kann von allen für irgendwelche Leistungen hochgelobt werden, man kann einem Kind das leben retten oder den High Score bei Pac Man knacken. Ist scheiss egal, wirklich, weil die Chemie im Kopf löst ein bestimmtes Gefühl im Bauch aus, das einfach nur noch kotzen will. Ja. Das ist wie, als würde da im Magen einer stehen und den Magen vollkotzen, und die Kotze breitet sich dann überall aus und plötzlich ist man nichts anderes mehr als unverdauter, völlig ungesunder Fraß, völlig unnütz, am besten das Klo runterspülen und drauf scheissen. Wirklich jetzt.

Jedenfalls, da hatte man im Winter das Problem noch nicht. Da war man zwar einsam und alleine, aber wohlwissend, dass man nicht alleine einsam und alleine war. Da gab es tatsächlich noch Mitspieler im Game, oh ja, Menschen, die absolut Plan davon hatten, wie es einem erging, bis es eben Sommer wurde, und man die emotionale Verkrüppelung nicht mehr auf temporäre Wetterbedingungen schieben konnte. Jetzt war klar: Es liegt an mir selber. Nicht am Wetter. Nicht an den Umständen. Alleine an mir liegt es.

Dann arbeitet man daran, zumindest denkt man das, und wenn man dann glaubt, es endlich geschafft zu haben, guckt man in die Sonne, kriegt Augenkrebs, fällt schreiend auf den Boden, die Schmetterlinge scheissen noch schön auf einen und schließlich verschwindet man im Boden, als wäre man nie dagewesen, man kann den anderen ja auch wirklich nicht das super Wetter verderben jetzt, wäre ja unerhört.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Die meisten scheitern an Erwartungsbildern. Weil das Zusammensein mit einem Menschen irgendwann einen Namen bekommt: Eine Beziehung. Wunsch und Panik. Und weil das irgendwann so heißt, hat es so und so zu laufen.

Kein schlimmes Ende, kein hässliches Ende, aber ein sehr schmerzhaftes Ende. So schmerzhaft, wie es sein kann, wenn man irgendwie erwachsen geworden ist. Ich – oder auch wir – sind am Ende immer irgendwie über unsere Erwartungsbilder gestolpert. Oder wir haben schlichtweg das Interesse, den Flow für den Anderen, für das Sichere, für das Vertraute verloren. Mit Wohlwollen oder einfach nur wegen der allgemeinen Vergesslichkeit, die eintritt, wenn man mit Menschen lebt.

con17[Fotografie: Lena Burmann]

Man vergisst verdammt schnell, dass keine Beziehung wie ein Hollywood-Streifen abläuft und schon gar nicht so, wie die von das Glück auskotzenden Freunden, die im Übrigen auch nie besser oder schlechter dran sind, als man selbst. Zu den Erwartungsbildern, die sich verflucht hoch auftürmen können, die der Physik am Fundament trotzen, das einfach nicht so stehen kann, so wie es da wackelt, ja, zu diesen Erwartungsbildern vergleicht man auch noch.

Nie mehr muss sich Rauch wieder legen. Auch der Status Quo ist Geschichte. Irgendwie und irgendwann hat man aufgehört darüber nachzudenken, wie es war, als man noch glücklich war. Daran wollen oder können sich die Wenigsten erinnern, wenn sie ihr Erwartungstürmchen und das letzte bisschen Verständnis für das Denken und Fühlen des Anderen wegfegen: Grau-staubiger Beziehungskehricht aus der Vergangenheit in strahlender Frische der Gegenwart. Bitte mit Drama, wenn es geht, und mit Vergessen des Umstandes, dass irgendwer alleine eine Entscheidung getroffen hat.

Es gibt da drei Dinge, über die es sich lohnt – wie ich finde – nachzudenken:

1. Macht man es sich zu leicht? Wenn alles schon so furchtbar schwer sein muss, dann sei es doch einmal gestattet, den Weg des geringsten Widerstandes zu wählen. Oder machen es einem die Anderen zu schwer? Oder doch vielleicht genau andersherum? So ein ehrlicher Umstand ohne Mittelweg?

Liebe – großes Wort – ist nun mal keine Verpackung, die man wegwirft, weil man glaubt, der Inhalt sei verloren gegangen. Diejenigen, die das tun, verlieren sehr viel, wenn sie nicht mehr auf pubertäre Albträume angewiesen sein wollen. Ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die mit so einem Verhalten mehr Liebe verfeuern, als andere in ihrem ganzen Leben erhalten. Erwartungstürme und Trophäen sind voll nicht gut.

2. Man ist mal ganz furchtbar auf die Schnauze gefallen, wurde hintergangen, betrogen, abgeschossen, einfach ganz mies behandelt, redet sich danach ein, keine Lust mehr auf eine Beziehung zu haben und scheitert aber genau an dieser komischen Vorstellung über Erleuchtung. In einer Sache läuft vor allem Folgendes falsch: Man ist der Meinung, man müsse geliebt werden, weil einem vorher ja so was Schlimmes passiert ist.

(Oder man will prinzipiell keine Beziehungen, weil entweder nur Ficken in die Tüte kommt oder eben die Erleuchtung über sich und seine Wünsche und auch Erwartungen noch ausgeblieben ist).

Dazu gibt es eigentlich auch gar nichts Schlaues zu formulieren. Das sind einfach nur Geschichten, Geschichten des Lebens und so, die auch in diesem Fall ein jähes Ende finden, weil man eingesehen hat, dass man was ändern muss. Und zwar bei sich selbst, wenn man nicht möchte, dass sich die Dinge wiederholen. Wiederholungen passen auch nicht zum Finden des Glücks.

3. Man muss sich selber aus der Scheiße ziehen. Und dann vergisst man diese blöden und naiven Flausen im Kopf, die einem ohne Unterlass einreden wollen, dass es eine viel spannendere, komplexere, erleuchtendere, intensivere und tiefergreifendere Antwort gibt, als diese hier:

Man sollte sich nicht mit der Vergangenheit vergleichen oder mit mit anderen Menschen. Andere Menschen sind anders, weil sie anders sind. Dafür, dass sie anders sind, sind sie ja andere Menschen. Wir sind wir – für immer und in alle Ewigkeit. Und das muss man so easy schlucken, wie es sich anhört. Was auch ganz einfach klingt: Man muss sich dabei treu bleiben mit allen Macken, Ängsten und Spinnereien. Derjenige, der das mitmacht, der ist genau Derjenige, der zu einem passt. Punkt.

So was geht im Drama schnell unter oder wird unter den zusammenpurzelnden Erwartungstürmen begraben. Begraben unter einer grau-staubigen Schicht Beziehungskehricht. Und so.

Alles andere ist zwischenmenschlicher Zufall und ungünstige Sternkonstellation. Oder ein Mensch, der am Ende einer Beziehung in den Irrwegen der Zeit seine Liebe verloren oder verletzt zurückgelassen hat. In der Brust pocht es: Bumm Bumm. Frei übersetzt heißt das: „Ich war da…!

by B in Crystal Meth State of Mind


Solche Bilder, wie Stacie & Geoff sie zu ihrem Hochzeitstag machen durften, solche Bilder sehen Frauen den ganzen Tag in ihren Köpfen. Das ist Romantik-Porno. Die perfekte Gefühlswelt, sozusagen, in ein paar kleinen Pixeln zusammengeschoben. Bei solchen Bildern müssen doch aber auch Männer verstehen können, wieso wir so gestört sind:

Stacie & Geoff

Stacie & Geoff

Stacie & Geoff

[via]

Sloan Photographers dürfen definitiv auch auf meiner Hochzeit die Fotos schießen. Und bei meiner Scheidung auch.

by yeahs in (Pop)Kultur