Vitamin B6

Vitamin B6

Und das Beste, das allerbeste was man machen kann ist, Gedanken immer häufiger einfach für sich zu behalten, sie aufzuschreiben, aber niemandem zeigen, nur sammeln, jeden noch so kleinen Gedanken, jede kleine Idee. Sich immer mal wieder ein bisschen verlieren in diesem Sammeln von Worten, Seiten füllen, ohne Struktur, ohne irgendeinen roten Faden, einfach jeden noch so banalen Halbsatz kurz festhalten, ihn später wieder aufgreifen, zusammenknüllen, zerreißen, wegwerfen, später die Grenzen neu abstecken. Feststellen, dass man auf einem völlig neuem Niveau denkt, schreibt, beobachtet. Sich darüber freuen, dass da plötzlich ein Gedankenaustausch stattfindet zwischen dir und jemandem, der du mal warst oder mal sein wirst.

Was sie sagt.

February 10th, 2014 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

What Would I Say

What Would I Say

Facebook: das Innerste wird zum Äußersten, fragmentiert, in Zeitkapseln aufbewahrt und auf ewig zum Spiegelbild der Idioten gemacht, die sich selbst mit anderen Augen sehen wollten. Wenn man all die Statusmeldungen, die Kommentare, sozusagen die Essenz der Kommunikation nach Innen und Außen zusammenträgt, dann erhält man mitnichten nur Kauderwelsch, sondern vielleicht das Gros einer Persönlichkeit. “What Would I Say” ist eine mutige App, die den eigenen Narzissmus ad absurdum führt und gleichzeitig so wundervolle, glorreiche Dinge verfasst – es könnte Poesie sein.

Natürlich aber eben nur die eigene. Wenn also jemand mal nicht so genau weiß, was er nach außen kommunizieren sollte – viele Brands sollten sich daran womöglich orientieren – dann hilft What Would I Say mit Freude und unerwarteter Präzision. Hier meine eigenen Favoriten.

 

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November 15th, 2013 Posted in (Pop)Kultur | 2 Comments »

Dackelkrieg: Rouladen & Rap

Leider nur ein Buch und kein Rap-Album geworden: Dackelkrieg.

Wer Ada Blitzkrieg nicht kennt, der hat schon verloren. Die witzigste Hundeschnauze im Web 2.0 hat nun ihren Debütroman auf virtuellem Papier niedergebracht und kehrt ein in die Hall of Fame derjenigen, die vom Blogstein bis zur Skyline hinaufgeklettert sind. “Dackelkrieg: Rouladen und Rap” heisst die Bibel der Hundephilosophie und ist eine Ansammlung von sprachlichem Wortwitz und amüsanten Hunde- und Alltagsbeobachtungen.

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December 17th, 2012 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off

Die Manchmal-Freunde

Manchmal will man die fest verankerten Beziehungen nicht, die das übliche Rettungsnetzwerk im Leben abbilden. Denn: sie vergegenwärtigen das Scheitern im Alltag.

Manchmal will man eben nicht über seine Magersucht reden müssen und trotzdem eine enge Verbindung eingehen- inklusive Lachen, sich freuen, und viel Leichtigkeit. Manchmal will man kein emotionaler Tampon für die typischen Männerprobleme der Freundinnen sein und sucht sich ein Ventil in erlogenen, aber unterhaltsamen Geschichten. Manchmal will man sich über andere lustig machen, richtig viel Scheisse reden und sich schlecht anziehen dürfen, ohne von den besten Freunden für dieses “sich gehen lassen” und die Geschmacklosigkeit verurteilt zu werden.

Manchmal möchte man ganz laut peinliche Musik aufdrehen und sich in Tränen des Gelächters verausgaben. Sich nicht ernst nehmen müssen. Eine andere Maske aufziehen. Eine neue Rolle einnehmen. Eine erfundene Person mit ganz anderen Problemen oder Eigenschaften vorschieben, die das innere Wesen, das mit dem Frust und der Wut und den Krisen, einfach so unterdrückt. Manchmal will man so tun, als wäre man sicher und fest und genauso wie die anderen. Manchmal reicht es dafür eine temporäre Oberfläche zu konstruieren. Es ist nicht nur eine Schutzwand, es ist eine Schutzwand mit einer Tür zu einer einfacheren Welt. Wo es nicht immer nur um die Monster geht.

Manchmal will man deshalb nicht mit seinen Freunden essen gehen, die ernsthaft und besorgt fragen, wie es einem geht. Manchmal möchte man sich mit Fremden treffen, mit denen man auf der Oberfläche Trampolin springt und nach den Sternen greift. Für die Dauer eines Getränks, oder einer durchzechten Nacht, wo keiner sich ernsthaft für das echte Leben interessiert.

Manchmal wird die Spannung an der Oberfläche auch durchbrochen. Das wünschen wir uns, wenn es echte Freundschaften werden. Manchmal bleiben sie aber für immer das, was sie sind: kleine Fäden, die uns aus der Routine ziehen. Große Projektionsflächen für unser Alter Ego. Für den Menschen in uns, der nicht nur ein komplexes, vom Schicksal drangsaliertes Wesen mit allen möglichen Wehwehchen ist. Für das Kind. Für die Sorgenlosigkeit. Für Freundschaften, die immer gut gelaunt sind. Manchmal, hoffentlich.

November 21st, 2011 Posted in Crystal Meth | 5 Comments »

Drank In My Cup

Ach, dieses Umsturzgefühl schon wieder. Lyrik, Literatur, gute Texte, eine Aneinanderreihung von Wörtern, die ja auch irgendwie Sinn machen sollen. Es will ja auch keiner in der kargen verfügbaren Zeit, die man sonst mit Möpsen, lustigen .Gifs oder absolut durchbrechenden Schlagzeilen verbringen könnte, irgendwelche Texte lesen wo jemand mit vielen Adjektiven beschreibt, wie er gerade melancholisch aus dem Fenster guckt und über zwischenmenschliche, emotionale Scheisse grübelt.

Das will einfach keiner lesen, ich ja auch nicht. Es langweilt mich ja schon wenn ich JDs (durchaus auch humorvollen!) Gedankengänge bei Scrubs folgen muss und mir dann gegen Ende jeder Episode fast eine Träne herunterkullert weil das wieder so schwergängig und moralisch wertvoll war. Lieber poste ich noch einen Song, Worte zählen nicht, geht zurück dahin, wo ihr herkommt, konsumiert fleißig bedeutungslos weiter, am Ende des Tages läuft es doch alles auf dasselbe hinaus. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass dieses mir auferlegte Hobby des Schreibens eine immer sinnlosere Richtung annimmt. Vielleicht sollte ich auch einfach die Fresse halten und Musik machen, so, wie jeder andere Mensch, der heute (im Internet und außerhalb) auch mal Erfolg haben möchte.

September 27th, 2011 Posted in Crystal Meth | 1 Comment »

Zeit für Messersets

Ich sehne mich immer genau dann danach, eine Zeitung zur Hand zu haben, wenn mich entweder eine Fliege nervt oder ich spontan gekaufte Tankstellen-Geburtstagsgeschenke verpacken muss. Da ich aber in Zeiten geboren wurde, die das Abhölzern von Regenwäldern für etwas, dass eine durchschnittliche Lebenszeit von 12 Stunden hat, zunichte machen, habe ich nie eine Zeitung zur Hand. Die Fliegen fange ich mit meinen wabbeligen Arschbacken und die Geschenke wickel ich in Lidl-Prospekte ein oder werfe sie dem Geburtstagskind einfach in die hässliche Fresse.

Mein mediales Leben befindet sich hauptsächlich im Internet, und das zurecht. Ihr Steinzeitmenschen, die ihre Informationen noch mit 24-stündiger Verspätung einholt- ihr wisst überhaupt nicht, wie das ist, on the fast lane. Ein Harlekin des Nachrichtenzeitalters! Harder, Better, Faster, Stronger. Wir trinken unseren Kaffee nicht, wir kauen die Bohnen beim Stuhlgang-Bloggen auf dem Klo! Wir kaufen Batterien für unsere Bücher! Wir töten die Kinder des Feindes mit ABC-Waffen und nuklearen Analbomben!

Allerdings habe ich auch einsehen können, dass der schnelle Neuigkeiten-Konsum von Twitter, Feedreader und Co. nicht unbedingt ausreicht, um tatsächlich “im Bilde” zu sein. Das ist ja ein bisschen wie Waldorfschule. Man macht immer nur die Sachen, die einem Spaß machen, und blockiert die Horizonterweiterung. Ich finde, ein bisschen Bildungszwang darf auch im Alter nicht fehlen. Klar, in der 5. Klasse hätte ich auch am liebsten nur Kunst-, Deutsch- und Englischunterricht gehabt, weil ich meine Mitschüler in diesen Fächern regelrecht zerfickt habe, aber dann könnte ich heute auch niemals das:

2+2=5

Impressive, I know.

Jedenfalls habe ich mir also überlegt, dass ich mich mit einem Zeitungsabo (also ausgegebenem Geld) dazu zwingen könnte, auch mal über Style, Musik, Kultur und Schlagzeilen hinaus mehr Wissen aufzubauen und damit der Weltherrschaft immer näher zu kommen. Und, okay, ich will auch das ganz großartige Messer-Set als Prämie. Aus persönlichen Gründen, und weil die Frankfurter Rundschau nicht mehr das typische Zeitungslayout hat, mit dem man andere (und sich selbst) so schön in den Wahnsinn treiben kann, habe ich mich für die Zeit entschieden. Hach, die Zeit! Stellt euch vor: das sind Blogbeiträge zu ganz vielen Themen, die (im besten Falle) informativ sind, durchdacht sind, richtig erarbeitet und recherchiert wurden! Keine Rechtschreibfehler! Und wenn, dann ist es mir auch egal! Hauptsache eine Stange Geld ausgeben, um sowieso keine Zeit zu haben, um die Meinung fremder Menschen zu lesen! Was für ein irres Konzept. Da gibt’s nicht mal ein “Über den Autor”. Da steht dann nicht, was seine Lieblingsbücher sind, was er so twittert und ob man gemeinsame Freunde bei Facebook hat. Und der wird dann mein Lehrer für’s Leben (oder zumindest so lange, bis mich irgendwer rechtzeitig daran erinnert, dass ich diese Naturkatastrophe kündigen muss).

So viel zum geplanten Zeitungsabo. Nachdem ich also eines morgens aufwachte und das Thema “Weiterbildung durch Papierverschwendung” ganz oben auf der Prioritäten-Liste stand, schritt ich zur Tat. Ich füllte das Online-Formular aus und schickte die Studentenbescheinigung per E-Mail hin. Das ist jetzt zwei Wochen her. Es passierte: nichts.

Es kam keine Rechnung und erst recht keine Zeitung. Vielleicht ist das auch das Geheimnis der Bild-Zeitung: die schicken ihre Verdummungspropaganda wahrscheinlich innerhalb der ersten 4 Minuten raus und kommen persönlich jedes Jahr mit den Zeugen Jehovas und den Scientology Fotzen vorbei, um das Geld einzutreiben. Und in der Zwischenzeit warte ich auf meine akademische Bereicherung und nichts passiert, rein gar nichts. Auf meine E-Mail mit der essentiellen Frage “HALLO WANN KRIEGE ICH MEIN MESSERSET!” wurde mir auch nicht geantwortet (die GASAG hat mir übrigens auch noch nicht geantwortet; das ist jetzt für das Zeitungsthema nicht unbedingt relevant, aber man fragt sich ja trotzdem, warum seelenlose Wirtschaftshuren mein Geld nicht wollen. Vielleicht, weil ich eine islamische Frau bin mit Wurzeln in der Achse des Bösen und meinen Lebensunterhalt mit SEO verdiene und die Heteroflexibilität der College-Jahre vertrete. Das passt ja auch alles nicht ins gutbürgerliche deutsche Vorstellungsbild der perfekten Frau).

Und so ist das jetzt also. Seitdem ich auf meine Zeitung warte, sind folgende Dinge passiert, über die ich mich nicht ausreichend informieren konnte, weil mir dafür der selbstgebaute Druck fehlte:

- Menschen starben in Norwegen
- Amy Winehouse starb in London
- Irgendwas mit Griechenland
- Der Sommer wurde abgeschafft

Für meine Bildungslücken mache ich die Scheisse mit der fehlenden Zeitung verantwortlich, denn man kann nicht behaupten, dass ich mich nicht zumindest bemüht habe, ein intelligenterer, belesenerer Mensch zu werden. Selbstverständlich lese ich die Zeit Ausgabe auch täglich online, um auf dem neuesten Stand zu bleiben; nichtsdestotrotz ärgere ich mich über den fehlenden thematischen Tiefgang und auch die 15 Minuten Ruhe, die ich mit dem Lesen der Zeitung assoziiere (nein, keine Sorge; ich mache mir nichts vor. Das wird so in etwa wie eine Anmeldung im Fitnessstudio, wo man drei Mal hingeht um dann vier Jahre zumindest für’s Gewissen zu bezahlen).

Ich komme also in eigenem Selbstversuch endgültig zu dem Schluss, dass die fetten Print-Jahre vorbei sind. Print ist tot, weil es arschlangsam ist und die eine Sekretärin, die meine Anmeldung verbummelt hat, ist daran Schuld. Die Post ist auch Schuld. Alles, was älter als 25 Jahre ist, ist Schuld. Und nicht mal das Messerset habe ich bekommen.

August 1st, 2011 Posted in Gangster | 7 Comments »

Writersblock

Wenn ich mir anschaue, was ich so für Posts vor genau einem Jahr auf DragstripGirl veröffentlicht habe, dann frage ich mich ja schon ein bisschen, wieso ich hier mittlerweile mehr Leser habe als damals. Nicht, dass ich damals qualitativ anspruchsvollere Texte gebracht hätte, aber immerhin war es abwechslungsreicher (und hat viel mehr dem Zeitgeist entsprochen). Heute findet man hier hauptsächlich persönliche Anekdoten und pseudo-erwachsene Weisheiten die sich alle nur um mein Leben drehen. Klar, ist ja auch ein Tagebuch, so ein Blog; aber ich erzähle euch ja nicht mal, was ich den ganzen Tag eigentlich mache.

Ich beschwere mich nicht, ich finde es ja toll, dass so viele Menschen anscheinend Lust haben, daran teilzunehmen (so oft ich auch selber gerne nicht daran teilnehmen würde). Aber ich stehe gerade vor einem Problem, das mit dem Schreiben zusammenhängt, und jetzt brauche ich mal die Hilfe von den Menschen, die hier schon öfter mitgelesen haben (vom Rest natürlich auch). Und zwar schreibe ich gerade spaßeshalber eine etwas längere Geschichte. Sie geistert mir seid Monaten schon im Hirn, aber nie hatte ich die Zeit, sie wirklich auszuformulieren. Nun bin ich fast fertig, will sie aber wieder komplett verwerfen, weil sie mir stilstisch (nicht inhaltlich) überhaupt nicht gefällt. Ich langweile mich selber an meinem eigenen Stil, kann aber nicht wirklich identifizieren, was ihn ausmacht.

In vollem Wissen darüber, dass ihr natürlich nicht alle Sprach- und Literaturkritiker sein könnt, brauche ich eben einen kurzen Arschtritt. Was fällt euch an meinem Schreibstil auf, was euch überhaupt nicht gefällt, was euch sehr gut gefällt, was man besser machen könnte? Das können auch so Sachen wie “zu viele Kommas, zu viele Fremdwörter, hör auf zu fluchen” sein. Wenn euch was aufgefallen ist, wäre ich euch sehr dankbar. Und Bonuspunkte, wenn ihr mir sagen könnt, ob es eine Entwicklung gab.. also ob ich letztes Jahr auch stilistisch und nicht nur inhaltlich anders geschrieben habe.

(Ihr dürft mich ausnahmsweise auch mal inhaltlich zerreissen, aber seid nicht zu hart, meine Seele verkraftet so viel Hate nicht auf einmal) — Danke.

April 13th, 2011 Posted in Gangster | 11 Comments »

Post Travel Stress Disorder

Ich habe auf der Reise mit Sicherheit mehr Geld für Bücher als für Zigaretten ausgegeben, was zwar gut ist, weil es bedeutet, dass ich immer noch (finanziell gesehen) mich eher weiterbilde als umbringe, allerdings auch, dass gefühlte 1000 Euro für Print draufgegangen sind. Ich habe Wörter und Texte und Romane von Klassikern bishin zu Contemporary Literature verschlungen, alle gängigen Reisetaschenbücher in Bangkok gekauft (Fear & Loathing, The Beach, Into The Wild) und vearbeitet und mich dann weiterbewegt zu potenziell lebensverändernden Werken (American Psycho, Life of Pi, The Alchemist). Ich habe Lieblingsbücher und -romane, wie etwa Stephen Frys “The Stars’ Tennisballs” oder John Nivens “Kill Your Friends”, die vielleicht keine internationale Anerkennung gefunden haben, die ich on the road einfach noch einmal verschlungen habe, weil es irgendwie gepasst hat.

Und jetzt ist diese Zeit vorbei, irgendwie. Nicht nur das Unterwegs sein, sondern auch das Lesen hat sich zu einer sozialen Aktivität entwickelt. Man setzt sich mit seinr Packung Kippen auf die Terrasse, den Balkon, Bürgersteig, in die Hostellobby, egal wohin, zündet sich eine an und fängt an zu lesen. Fünf Minuten später sitzt jemand neben dir und unterhält sich über das Werk, dass du gerade in der Hand hälst, mit dir und irgendwie hat das nichts mehr mit entspanntem Aufnehmen zu tun, sondern nur noch mit einer Jagd nach Menschen, mit denen man sich verstehen könnte. Mit dem Laptop ist das nicht so einfach.

Obwohl ich mit einigen Büchern zurück gekommen bin, und auch nur krank im Bett rumliege und sonst nichts besseres zu tun hätte, fällt es mir unglaublich schwer, mich zum Lesen zu motivieren. Der Laptop raucht, der Fernseher läuft und wenn ich mich auch nur kurz nicht beschäftige schlafe ich direkt ein. Das ist ein Relikt des Jetlags, der Krankheit und der Hostelzeit: einfach schlafen, wenn die Augen zu sind, es kann nämlich sein dass diese Gelegenheit so schnell nicht wieder kommt.

Und irgendwie fühlt es sich jetzt auch einsam an, zu Hause, in meinem Bett, oder in der Badewanne (sprich: auf dem Klo) zu lesen. Die Sonne scheint nicht, keiner setzt sich zu mir um mich in meiner ganzen Intellektualität kennen zu lernen, ich kann mit niemandem darüber diskutieren, wie faszinierend dieses Buch ist, kann dann auch nicht mit anderen Reisenden die Lektüren tauschen, wenn wir fertig sind und außerdem kann ich keine Kippen quarzen als wäre morgen mein Todestag. Ich kann auch keine Filme alleine gucken, weil mich das langweilt, und Serien waren früher auch irgendwie ansteckender.

Jeder, der mehr als zwei Stunden am Tag chillen kann ohne im Selbstmitleid zu versinken, hat meinen größten Respekt. Ich gehe dann mal weiterjammern und mir für Twitter lustige Sprüche ausdenken. So werden Politiker und Amokläufer geboren.

February 10th, 2011 Posted in Gangster | 7 Comments »

punktpunktpunkt

photo by the duckduckcollective, from "Americana II"

Wir haben alle Uhren, die wir finden konnten, rückwärtsgedreht. Haben gegenwärtige Impulse an Lunten angezündet und die Streichhölzer danach ausgeblasen. Wir haben von ‚Morgen‘ geredet und ‚Gestern‘ gemeint. Haben falsche Fährten für das Outro gelegt. Haben das Repeat rücksichtslos, aber gutgemeint in die Logik installiert und das Warten mit Hoffen ausgewechselt. Wir wollen nichts sagen, nur halten, auftürmen, alles in unsere Taschen stecken und für uns behalten. Wir haben Luftschlösser mit Granit angedeutet, Fenster in dunkle, feuchte Keller gebaut. Wir haben ‚auf leisen Sohlen gehen‘ gelernt und sind rückwärts geschlichen. Wir haben nachts das Licht angemacht und tagsüber die Augen geschlossen. Ja, du hast recht, wir lassen einfach nichts unversucht

- danke, bisaz

September 28th, 2010 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off

FROH!

Manchmal ist es das bisschen Glitter auf dem Kackhaufen, der dann alles wieder gülden glitzernd ins Reine bringt. Vor allem, wenn man nicht mehr daran geglaubt hat, dass eine engelgleiche Fee an einem Sonntag noch arbeitet.

Fünf Stunden Autofahrt am frühen Morgen, Abschiede von der Familie und von Freunden, zurück in den Arbeitsalltag; eine in der Abwesenheit herausgekrachte Balkontür im Schlafzimmer (ja, herrgott. Die Balkontür. Dass ich nicht direkt an Speiseröhrenhämorrhoiden erstickt bin, als ich das gesehen habe, ist scharf an der Grenze zur Unsterblichkeit), ein fallengelassenes 1.8er Objektiv, dass in meinen Tränen begraben wird und zu guter letzt ein Schlafzimmer, dass wahrscheinlich mittlerweile noch ganz andere Lebewesen neben meinen Haustier-Amöben und Staubpflanzen beherbergt. Vom chinesischen Parasiten hier ganz zu schweigen.

In einem Anfall aus Frust und weil mich das zwölfstündige Gebrüll von morgens bis abends ein bisschen geschlaucht hat, packte ich den Stapel Post auf den Schreibtisch und begann durchzuwühlen – Rechnung, Rechnung, Werbung, Uninteressant, und dann…

Hach. Und da ist dann dieses unscheinbare, wertvolle Ding, das mir den Tag versüßt.

Selbst, wenn der deutschen Sprache nicht mächtig wäre (wir gehen jetzt der Einfachkeit halber davon aus, dass meine Texte nicht zu 90% aus Syntaxfehlern und grammatikalischen Wort-Satz-Monster-Mutanten bestehen, die Verb-Konstellationsbasis scheisse auch Fäkalausdrück): es ist so schön. Es ist so schön anzufassen. Es strahlt eine Zufriedenheit aus, die nicht an mir abprallt, sondern die ich zulassen kann. Es macht so viel Spaß, etwas in den Händen zu halten, was mit Liebe gemacht wurde. Die Art von Liebe, die man selbst irgendwie empfindet, wenn man etwas schafft (ohne auf einen bestimmten “Zweck” zu achten).

Ich halte Kunst, die keinen kommerziellen Zielen folgt, für ein Geschenk. Für ein ehrliches Geschenk ohne Hintergedanken. Entertainment, gute Laune, ein aufgehendes semi-kreatives Herz und dann auch noch so wunderbare Texte und Themen. Das lässt meine Seele ein bisschen an das Gute im Menschen glauben, und ihr wisst, mein Herz glaubt nur an Allah und Karate Kid und Erdnussbutter (ABER NUR DIE MIT STÜCKCHEN!!).

Daher: alle hin, alle ausprobieren. Wenn ich einmal alle zwei bis drei Jahrhunderte schon mal etwas öffentlich anpreise, dann solltet ihr meiner weisen Stimme auch folgen. FOLGT MIR, WERDET MEINE MÄRTYRER, UND DANN ZIEHT EUCH AUS UND MACHT LIEBE!

FROH! ist ein Gesellschaftsmagazin, das besondere Ereignisse des Jahres aufgreift und sich neugierig auf die Fragen und Themen hinter diesen Anlässen einlässt. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern den Lesern auch neue und überraschende Blickwinkel. Durch die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten entsteht ein hochwertig gestaltetes Magazin, das nicht nur FROH! heißt, sondern auch froh macht.

Hier noch der passende Sonnenuntergang zu den Glücksgefühlen, aufgenommen von einem echten Weddinger Dach mit unverbautem Ausblick auf ungefähr alles, was in Berlin Rang und Namen hat, also eigentlich nur der Fernsehturm. Auch, wenn das bedeutet, dass die verbleibenden Stunden bis in den Alltag zurück nur noch einstellig abgezählt werden können.

July 19th, 2010 Posted in (Pop)Kultur | 6 Comments »