Ausdruck

Veröffentlicht November 4, 2009

Lieblingsblogger Jeriko hat ein Stück Blog-History in einem unglaublich schicken PDF konserviert. Es nennt sich “Ausdruck“, und ich erwähne es hier nicht nur, weil auch ein Beitrag von mir drin ist, den ich nicht mehr auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen durfte.

Nicht nur wegen mir, aber hauptsächlich, wohlgemerkt.

Vielen Dank, Jeriko, dass ich ein Teil davon sein sollte. An alle anderen: reinziehen und das letzte bisschen Blogkultur noch miterleben, bevor Twitter die Weltherrschaft übernimmt. Übrigens melde ich mich hiermit als Interessent für eine Printausgabe und bin dafür, dass du eine PayPal-Spendenbox aufmachst.

 
 

Tattergreis-Humor

Veröffentlicht September 16, 2009

Karamellbonbons, gehäkelte Topflappen, Nachttöpfe und immer dieses Bild von Leichenschauhaus hinter den Glasaugen: Senioren sind die stärksten Horror-Motive, die ich mir in meiner jungen Welt vorstellen kann. Zombies, Wolfmenschen, Aliens, Psychokiller – anytime. Aber sobald da so ein Hans Maulwurf um die Ecke schneckt und sich in Zeitlupe die Karamellbonbon-Überreste aus dem Gebiss pult geht mir das Arschwasser wie beim besten Thriller nicht ((diese völlig politisch unkorrekten Aussagen stemmen aus meiner eigenen, überwältigenden Angst, eines Tages alt und zittrig zu sein.))

Hans Maulwurf

Aber es kann auch Vorteile haben, zum Gammelfleisch zu gehören. Erstens kann man sich ganz legal den ganzen Tag irgendwelche Pillen schmeissen um besser drauf (oder überhaupt auch nur irgendwie drauf) zu sein, und zweitens hat man eine ganze Ladung alter Wörter, die keiner mehr kennt und einen immer an die großartigen Zeiten erinnern, die man mit Omma und Oppa hatte. Oder vielleicht finde ich das auch nur so toll, weil ich diese Zeiten ausgerechnet nicht hatte, da meine Großeltern fernab von Deutschland geboren sind. Egal.

Jedenfalls bildet die Sprache unserer Seniors eine Art eigenen Rentner-Slang, den ich großartig finde. Die regen sich über die Jugend von heute auf? Die sollten sich mal selbst hören, mit ihrem Muckefuck und Büstenhaltern und Lausebuben. Ich muss zum Beispiel beim Wort “Tattergreis” schon mal ein bisschen furzen vor lachen. Hier eine Liste mit weiteren Goldstücken:

Backpfeife Firlefanz Papperlapapp Schabernack Liebkosen Muffensausen Gemächt Harlekin Luftikus Obacht! Kokolores Potzblitz Donnerwetter! Mumpitz Hottentotten Straßenland Hurtig Trottoir Haudegen Brimborium

    Großartig. Und was gibt’s noch?

     
     

    Politik und Kultur in Berlin

    Veröffentlicht September 10, 2009

    Dieses Wochenende geht einiges vor sich in Berlin, aber um den Fokus nicht immer nur auf die großartigen Partys zu legen, die ich regelmäßig verpasse, will ich euch heute auch einige persönliche Anliegen ans Herz legen.

    Demo in Berlin

    Noch nie habe ich so ein Zusammengehörigkeitsgefühl erlebt wie im Streit um die Datenschutz- und Zensurpolitik der großen Parteien. Während es zur Fußball WM 2006 zwar ein Stimmungsbad der Euphorie gab, fühle ich mich als (fast) Einundzwanzigjährige zum ersten Mal als Teil von etwas, dass mich wirklich bewegt und beschäftigt. Dabei ist nicht nur der politische Diskurs der größte Reiz- für mich ergeben sich hier auch viele ethische und philosophische Fragen, gerade in Bezug auf den Staat, auf Gewaltenteilung, auf Machtverhältnisse. Und ähnlich, wie man in der Wirtschaft das Große und das Kleine (grob ausgedrückt) auf die Marko- und die Mikroökonomie verteilt, so ziehe ich Schlüsse, die auch psychologisch interpretiert werden können. Das ist wichtig für mich und mein Leben, und ich würde so weit gehen zu behaupten (oder zu “manifestieren”), dass es auch wichtig ist für meine Generation. Es ist wichtig, aufzustehen und zu kämpfen. Immer. Es ist jetzt besonders wichtig, weil die Gefahr so akut ist. Es war aber auch schon immer wichtig, das merken wir erst jetzt.

    Das also erstmal von mir dazu. Politik kann verdammt langweilig sein, aber auf einer Demo gibt’s immer gut zu feiern. Und deshalb möchte ich die ganzen Berliner und diejenigen, die es gerne wären, darauf hinweisen, dass am Samstag die riesige “Freiheit Statt Angst” Demo stattfinden wird. Diese Demo wird um 15 Uhr am Potsdamer Platz beginnen, und ausführliche Details gibt es bei netzpolitik.org.

    Für alle Blogger sei auch noch Piratenblogger.de vorgestellt. Wer ein Pirat mit virtueller Stimme ist, sofort eintragen!

    Wer nach der Demo noch Lust und Laune hat, kann sich ja das ganze Wochenende und noch bis zum 20. September auf dem Internationalen Literatur Festival vergnügen, das leider ein bisschen untergegangen ist. Es ist interessant, wie mittlerweile alles mögliche an Gesocks zu wahllosen und überflüssigen Bar-Camps schlurft, um mal wieder zu “networken” — für was, weiß man noch nicht mal so genau –, aber diese kleinen, wunderbaren Kunstereignisse werden völlig außer Acht gelassen. Gerade für Schreiberlinge, die die meiste Zeit über getippte Buchstaben kommunizieren, ist das doch mal die Gelegenheit, von der 140Zeichen-Zwangsfütterung wegzukommen.

    Wem das aber alles nicht genug ist: am Freitag legen Moonbootica im Watergate auf. Ab 24 Uhr geht’s da los, Dresscode ist wahrscheinlich so wahllos und ungerechtfertigt wie immer, es wird erstickend heiß da drin und viel zu teuer sein. So ist das mit dem Watergate. Aber für Moonbootica nimmt man ja auch das Leid in Kauf.

     
     
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