Die Manchmal-Freunde

Manchmal will man die fest verankerten Beziehungen nicht, die das übliche Rettungsnetzwerk im Leben abbilden. Denn: sie vergegenwärtigen das Scheitern im Alltag.

Manchmal will man eben nicht über seine Magersucht reden müssen und trotzdem eine enge Verbindung eingehen- inklusive Lachen, sich freuen, und viel Leichtigkeit. Manchmal will man kein emotionaler Tampon für die typischen Männerprobleme der Freundinnen sein und sucht sich ein Ventil in erlogenen, aber unterhaltsamen Geschichten. Manchmal will man sich über andere lustig machen, richtig viel Scheisse reden und sich schlecht anziehen dürfen, ohne von den besten Freunden für dieses “sich gehen lassen” und die Geschmacklosigkeit verurteilt zu werden.

Manchmal möchte man ganz laut peinliche Musik aufdrehen und sich in Tränen des Gelächters verausgaben. Sich nicht ernst nehmen müssen. Eine andere Maske aufziehen. Eine neue Rolle einnehmen. Eine erfundene Person mit ganz anderen Problemen oder Eigenschaften vorschieben, die das innere Wesen, das mit dem Frust und der Wut und den Krisen, einfach so unterdrückt. Manchmal will man so tun, als wäre man sicher und fest und genauso wie die anderen. Manchmal reicht es dafür eine temporäre Oberfläche zu konstruieren. Es ist nicht nur eine Schutzwand, es ist eine Schutzwand mit einer Tür zu einer einfacheren Welt. Wo es nicht immer nur um die Monster geht.

Manchmal will man deshalb nicht mit seinen Freunden essen gehen, die ernsthaft und besorgt fragen, wie es einem geht. Manchmal möchte man sich mit Fremden treffen, mit denen man auf der Oberfläche Trampolin springt und nach den Sternen greift. Für die Dauer eines Getränks, oder einer durchzechten Nacht, wo keiner sich ernsthaft für das echte Leben interessiert.

Manchmal wird die Spannung an der Oberfläche auch durchbrochen. Das wünschen wir uns, wenn es echte Freundschaften werden. Manchmal bleiben sie aber für immer das, was sie sind: kleine Fäden, die uns aus der Routine ziehen. Große Projektionsflächen für unser Alter Ego. Für den Menschen in uns, der nicht nur ein komplexes, vom Schicksal drangsaliertes Wesen mit allen möglichen Wehwehchen ist. Für das Kind. Für die Sorgenlosigkeit. Für Freundschaften, die immer gut gelaunt sind. Manchmal, hoffentlich.

November 21st, 2011 Posted in Crystal Meth | 5 Comments »