Nach einigen Tagen der fleißigen Posts über nichtige und wichtige Dinge, die meinen Alltag berühren, will ich kurz rekapitulieren, kurz durchatmen. Das, was bei septemberRAVE.com zurückgelassen wird, ist nicht vorbei. Das war auch nicht der Grundgedanke dahinter, die Seite zu schließen.

Im Gegenteil. In meiner Welt mögen Tugenden wie Ehrlichkeit, Geduld und Großzügigkeit zwar tendenziell vorkommen, aber viel schöner sind die Worte, die all das umgeben. Dinge, Zustände, Gefühle, Momente beschreiben- das ist all das, was mich befreit, von genau dem Alltag, den ich so willkürlich hier Preis gebe. Es gibt so eine Unmengen an schöner, faszinierender und bewegender Literatur, die mich jeden Tag auf’s Neue bannt. Ich wüsste nicht, was ich ohne Worte machen sollte. Manchmal glaube ich, dass ich tatsächlich stumm bin, und meine Stimme lediglich ein Mittel ist, um meine Bedürfnisse zu äußern. Das Schreiben nimmt diese Stummheit von mir. Es sind nicht mehr (ausschließlich) Bedürfnisse, die herausfließen, es sind die Grundzüge einer Persönlichkeit.
In gewisser Art und Weise war das alles mit gewisser Distanz und Kühlheit betrachtet. Das, was man auf einem Blog postet, hat nichts mit persönlichen Erlebnissen zu tun. Im Gegenteil; eigentlich ist das hier, dieses kleine Projekt, so viel intimer, weil es tatsächlich das betrifft, was ich jeden Tag sehe und höre und denke. Weil all das zu dem summiert wird, was letztendlich in meinem Kopf explodiert und aus meinen Fingern blutet: Worte, die beschreiben, was diese Dinge eigentlich in mir anrichten.
Ich will nicht, dass sich das verändert. Das könnte ich auch nicht. Andererseits möchte ich gleichzeitig einen Weg finden, eben diese Distanz wirklich sichtbar aufrecht zu erhalten. Ich will nicht, dass man ein etwas abstrakteres, nunja, “Werk” liest, und dann mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: “Hey S., das bist du. Ich weiß, wie du tickst, ich weiß, was du fühlst”. Denn so ist es nicht. Es sind Geschichten, die erzählt werden, ganz kleine Momentaufnahmen aus einer lebhaften Fantasie.
Wenn man nur darüber denkt, wie viele intelligente und scharf denkende Leute mich durch meine Zeit bei septemberRAVE hinweg begleitet haben! Speziell BastiH, dem ich so viel zu verdanken habe – so viel Einsicht, so viele großartige Texte, so viele hilfreiche, amüsante oder einfach nur gute Kommentare. Oder Sven, der immer wieder mit seinem Zeug schockt. Es gibt noch so viele Leute, die ich hier aufzählen könnte, aber es reicht einfach nicht, das alles hinter mir zu lassen. Was man manchmal braucht, wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht: einen Abschluss. Ein Resumé, “was bisher geschah”.
septemberRAVE, bzw. der Vorgänger, der damals noch auf wordpress.com lag, ist in einer Phase meines Lebens entstanden, wo nichts klar war. Ein Chaos, ein innerer Tumult. Langsam hat sich etwas entwickelt, mit dem ich mich gar nicht mehr identifizieren wollte: septemberRAVE wurde zu einer Flucht für all das, was ich nicht aussprechen konnte. Das war auch vollkommen okay so, aber jetzt muss ich diese Konfrontation auch in mein Leben bringen, und nicht nur in einem anonymen (oder mehr oder weniger anonymen) Raum offen diskutiert werden lassen.
Zwei Dinge werden passieren: 1. Ich werde die Dinge, die ich sonst immer aus mir “herausgeschrieben” habe, nicht nur herausschreiben, sondern tatsächlich bewältigen. 2. Ich werde das, was daraus resultiert, die Kreativität, die dabei ausbricht, in echte Texte umwandeln.
Ich will einen Teil, den (überheblich genannten) “literarischen” Teil, hier fest integrieren. Aber diesmal richtig, diesmal mit Distanz. Mit etwas mehr Horizont. Ein Schritt, der erstmal unmöglich erscheint, wenn man den Raum bedenkt, wenn man den Zustand dieser Seite bedenkt… aber ich glaube, ich kann das sogar hinkriegen. Auch das ist etwas, was ich brauche, um mich nicht selbst hängen zu lassen.
So, und wenn das jetzt verwirrend war, dann solltet ihr öfter mal meinen Hirngespinsten hallo sagen.