Greatest Guy on Earth: Mozart
„Leck mir den Arsch fein recht schön sauber.“ Und ich finde gut, dass ich diesen Beitrag auch mit diesem Satz eröffne, denn er richtet sich an unersättliche Hedonisten, ebenso wie an Kulturpessimisten. Was ich mit diesem Satz sagen möchte, ist nicht etwa das neue Tiefstnievau hier, nein, ich möchte auf ein Stück Kulturgeschichte aufmerksam machen, das höchst vergleichbar ist mit dem Fernsehprogramm der Privaten.

„Leck mir den Arsch fein recht schön sauber“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart, ist ein dreistimmiger Kanon, 1782 in Wien entstanden und trägt die Nummer 382d in seinem Werkverzeichnis. Nicht zu verwechseln mit 382c: „Leck mich im Arsch“ (und nein, das ist weder ein Rechtschreibfehler, noch ein Scherz). OMG.
Als ich mir nun gerade den Arsch abgelacht hatte, insbesondere auch weil das Kommentar von „mssfleischberg“ unter dem YouTube-Video (Ansehen!) vom Autor entfernt wurde (Äh: LOL), bin ich dem Titel dieses Kanons aus Sicht der Volkskunde mal auf den Grund gegangen. Das, was ich bereits während meines Studiums geahnt hatte, hat sich noch einmal bestätigt: Die Hedonisten-Kultur des 21. Jahrhunderts ist nur eine verfluchte kulturelle Renaissance der Wiener Klassik. Vor allem das Hause Mozart: Alles Schmutzfinken.
Mozart, mann, Mozart. Und so obszön und vulgär das alles klingen mag, dieser Sprachgebrauch war einst völlige Normalität in allen Bevölkerungsschichten. Roche, Bukowski, Faldbakken und Konsorten können Stiften gehen. Oder sich eben irgendwas fein recht schön sauber lecken.
In Zukunft spiele ich Mozart auch auf Partys. Aus heutiger Sicht ist der einfach wunderbar subversiv. Wirklich.

