Sie starb an Herzversagen. Das war schon lange der Status Quo gewesen, aber sie merkte es jetzt erst, weil sie endlich nüchtern genug war um etwas von solchen Ausmaßen überhaupt wahrzunehmen. Erstaunlicherweise war sie nicht sonderlich betroffen davon. Sie begutachtete ihren leblosen Körper mit größtem Interesse, wunderte sich ein bisschen über die unordentlichen Augenbrauen und die Hose, die definitiv eine Waschung hätte vertragen können.
Seufzend nahm sie neben dem Korpus platz und massierte sich die pulsierenden Schläfen. Eigentlich hatte sich ja nichts so wirklich geändert, aber die Kopfschmerzen, die kann man dann doch nicht so gut ignorieren. Sie schaute sich ihre To-Do Liste für den Tag an und wusste gar nichts mehr damit anzufangen, immerhin war sie ja tot. Das Herzversagen kam ganz klar durch den unkontrollierten Liebesentzug. Cold Turkey. Keine spontanen Kuschelinfernos, keine Überraschungsküsse, keinen Grund, alle drei Sekunden auf den iPhone Screen zu schauen und sehnsüchtig nach einer Meldung zu ächzen. So viel Zeit, dass sie ihrer Uhr kaum mehr glaubte. So viel Musik, die sie auf einmal irgendwie alleine verarbeiten musste.
Dann beugte sie sich vor, um sich von ihr selbst zu verabschieden. Tatsächlich spürte sie den leisesten Schlag gegen die Haut, ein minimaler Puls. Klare Ansage: nicht ganz tot. Da ist noch ein bisschen Hoffnung. Also setzte sie sich, diesmal schon genervt davon, dass kein absehbares Ende in Sicht war, wieder hin und wartete, bis das Herz sich von so viel Schock erholte oder wenigstens endlich krepierte. Das hält ja keiner aus, der eine To-Do Liste hat.












