Blackout / Hangover

Sie starb an Herzversagen. Das war schon lange der Status Quo gewesen, aber sie merkte es jetzt erst, weil sie endlich nüchtern genug war um etwas von solchen Ausmaßen überhaupt wahrzunehmen. Erstaunlicherweise war sie nicht sonderlich betroffen davon. Sie begutachtete ihren leblosen Körper mit größtem Interesse, wunderte sich ein bisschen über die unordentlichen Augenbrauen und die Hose, die definitiv eine Waschung hätte vertragen können.

Seufzend nahm sie neben dem Korpus platz und massierte sich die pulsierenden Schläfen. Eigentlich hatte sich ja nichts so wirklich geändert, aber die Kopfschmerzen, die kann man dann doch nicht so gut ignorieren. Sie schaute sich ihre To-Do Liste für den Tag an und wusste gar nichts mehr damit anzufangen, immerhin war sie ja tot. Das Herzversagen kam ganz klar durch den unkontrollierten Liebesentzug. Cold Turkey. Keine spontanen Kuschelinfernos, keine Überraschungsküsse, keinen Grund, alle drei Sekunden auf den iPhone Screen zu schauen und sehnsüchtig nach einer Meldung zu ächzen. So viel Zeit, dass sie ihrer Uhr kaum mehr glaubte. So viel Musik, die sie auf einmal irgendwie alleine verarbeiten musste.

Dann beugte sie sich vor, um sich von ihr selbst zu verabschieden. Tatsächlich spürte sie den leisesten Schlag gegen die Haut, ein minimaler Puls. Klare Ansage: nicht ganz tot. Da ist noch ein bisschen Hoffnung. Also setzte sie sich, diesmal schon genervt davon, dass kein absehbares Ende in Sicht war, wieder hin und wartete, bis das Herz sich von so viel Schock erholte oder wenigstens endlich krepierte. Das hält ja keiner aus, der eine To-Do Liste hat.

June 26th, 2012 Posted in Crystal Meth, Musik | 2 Comments »

Brand New Guy

Schoolboy Q (Black Hippy) vs. A$AP Rocky (A$AP Mob) fasst eigentlich den aktuellen Hip Hop Zeitgeist perfekt zusammen. Kann da jemand noch K. Dot und Frank Ocean reinwerfen? Dann könnten wir die übertriebenen Styles und die bombastischen Beats noch um mehr als nur oberflächliche Flows und destruktive Sinnlosigkeit ergänzen. Außerdem wären mit Frank Ocean und A$AP Rocky die best aussehendsten Typen im Game vereint. Der Traum eines jeden Gay Porn Regisseurs.

Am 14. Juni ist zudem das A$AP Rocky Konzert im Festsaal Kreuzberg. Ich erwarte keine sound-optimale Performance, sondern eine schweißtreibende Party. Ich werde nackt sein.

June 4th, 2012 Posted in Musik | Comments Off

BLESSED / CARTOONS & CEREAL

Kendrick Lamar hat sich in mich verbissen, ich schwöre es. Ich will ihn überhaupt nicht mögen, auch wenn er ein Ausnahmetalent ist: zu hoch der Grad der Enttäuschung, wenn man die Künstler dann machen lässt. Siehe Lupe Fiasco, ein Drama in 3 Alben. Und außerdem nervt mich Kendricks nölige Stimme, und sein destruktiver Flow lässt mich nicht mitfühlen. Aber doch, und doch, und immer wieder saugt er sich fest, bis ich seine Tracks auf Repeat verschlinge und das Ghetto in mir durchbricht. Kendrick Lamar, man.

February 22nd, 2012 Posted in (Pop)Kultur, Musik | Comments Off

GE NE SUNG

Und so ist das also. Ein Unfall passiert, der Arm ist ab, dann kommt die Genesung: zuerst vom Schock, dann vom Schmerz und letztlich heilt auch die abgerissene Zukunftsvorstellung an ihren Stümmeln wieder ab. Nachts wird man von den Phantomschmerzen noch mal wachgerüttelt, dann hält man sich kurz fest, wo nichts mehr ist und merkt: ah, ja, klar. Ich in in der Realität angekommen. So fühlt sich das an: echt, rau, roh und bis ins Mark erschütternd. Aber: real. So real, dass man sich manchmal fragt, in welchem Traum man vorher gelebt hat. Oder: so surreal, dass man an seiner Realität wieder anfängt zu zweifeln. Tief im Loch gefangene Gedanken werden mit Alltäglichkeit betäubt, und ich sehe der Wunde zu, wie sie sich schließt. Sie nässt jedenfalls nicht mehr, das ist ein großer Sprung nach vorne. Manchmal, wenn ich so da sitze und nichts denke und nichts fühle, dann vergesse ich, dass es je einen Unfall gab, und dann vergesse ich, dass ich je Schmerzen hatte, und dann vergesse ich, dass tiefe Narben meine Haut zeichnen und hey, mir fehlt ein Arm. Aber das ist es jetzt: Realität.

Das kann man einfach nur noch achselzuckend hinnehmen. Es ist der Garden State Dualismus, es ist nicht richtig und nicht falsch, es gibt keine Antworten und es gibt auch keine Fragen mehr.

Es ist:

This isn’t a conversation about this being over, it’s, it’s… I’m not, like, putting a period at the end of this, you know, I’m putting, like, an ellipsis on it, cause I’m- I’m- I’m worried that if I don’t figure myself out, if I don’t go like land on my own two feet, then I’m just gonna to mess this whole thing up, and this is too important. I gotta go… you changed my life in four days. This is the beginning of something really big. But right now, I gotta go.

vs.

Yeah, the ellipsis, it’s dumb. It’s dumb. It’s an awful idea. I’m not gonna do it, okay? Cause like you said, this is it. This is life. And I’m in love with you… I think that’s the only thing I’ve ever really been sure of in my entire life. And I’m really messed up right now, and I got a whole lot of stuff I have to work out, but I don’t want to waste any more of my life without you in it. And I think I can do this. I mean, I want to. I have to, right?

Aber ich bin nicht Largeman. Wie soll ich sagen? I Am Sam.

February 20th, 2012 Posted in (Pop)Kultur, Crystal Meth, Gangster | 2 Comments »

Hands On The Wheel

With a little bit of crack, little bit of dope
Little bit of smoke, little coke
Little weed, when they on them pills
Little bit of E, little bit of shrooms
Little bit of deuce, what it do, hand on the wheels
And I keep the illest, trillest bitches while I’m swaggin’ it
Crush a bit, little bit, that’s my pursuit of happiness

February 3rd, 2012 Posted in Musik | Comments Off

Dance A$$

Da wären wir wieder bei Big Sean gelandet, der, so mittelmäßig er auch sein mag, immerhin gerne mal wieder bei mir auftaucht. Im seltensten Fall kann man ihn dafür verantwortlich machen, dass er solide Arbeit liefert. Leider. Auch in seinem neuen Video ist es mit Sicherheit nicht BS, der mich den Atem anhalten lässt, sondern Nicki FUCKING Minaj. Ich komm überhaupt nicht mehr klar auf meinem Leben seit ich sie in diesem Video gesehen und gehört habe. Nicht nur, dass das der nächste Club-Banger wird (insofern mir jemand mal den zumutbaren Club findet, in dem neuer Hip Hop Shit gespielt wird), sondern auch meine persönliche Waffe gegen alle Minaj Hater. Die Frau ist der Wahnsinn.

November 5th, 2011 Posted in Musik | 5 Comments »

Woman + Woman

Das Konzept der ménage à trois ist ja ein altbekanntes und womöglich der Traum vieler Männer und Frauen. Michael Francis kann davon ein Lied singen. Vielmehr singt er vor allem von der wunderbaren “Girl on Girl” Konstellation. Ich möchte es eine neu-formulierte “Sex-Architektur” nennen, seine “Vision”, eine Einladung in “Welten”. Weil ich einfach nicht aufhören kann, über so viel (aber immerhin schön anzuhörende) Niveaulosigkeit zu lachen und mir auch sicher bin, dass dieser Typ es absolut ernst meint, habe ich mir an dieser Stelle auch die Mühe gemacht, euch das lyrische Meisterwerk runterzuschreiben.

Michael Francis – Woman

I’ve never seen nothing as beautiful, no
like your body
never seen nothing as beautiful, no
like a womans body
so baby come and share my world,
my vision, yeah
cause I brought something home for you, to try, try, try
girl you gon love a woman tonight
you gon love a woman tonight, just like me
you gon love a, oh
girl you gon love a woman tonight,
you gon love a woman, just like me

baby go ahead and put your lips on her
when you’re done she gon do the same

you love it don’t you love it…
BABY COME AND SHARE MY WORLD, MY VISION
CAUSE I BROUGHT SOMETHING HOME FOR YOU TO TRY, TRY, TRY

Übrigens bin ich ja kein Hater, ich finde das alles sehr, sehr amüsant (und so typisch fucking R&B), aber das Potenzial von so viel Sex, R&B und Rap (der Typ rappt angeblich) machen die Sache immerhin noch spannend, daher auch der Hinweis das sein neues Mixtape morgen erscheint und ich ihm definitiv noch eine Chance gebe.

October 30th, 2011 Posted in Musik | Comments Off

Burial x Massive Attack

Was ist eigentlich mit diesem überkrassen Teil von Burial los? Was ist das für ein unfehlbares, perfekt komponiertes Stück der Vollendung, das mir hier zuteil wird? Welche übersinnlichen Kräfte haben auf Paradise Circus und in den Gehirnströmen von Burial wirken müssen, um mich in eine unwirkliche, außerkörperliche Trance zu befördern? Wenn Sinnlichkeit auditiv greifbar wäre, könnte man sie in diesem Song finden. Sie, mich und alle anderen Menschen, die die höhere Kunst der dunklen, vernebelten Stimmungsmusik wertschätzen können. Das geht übrigens mittlerweile auch Hand in Hand mit dem vollständigen Verzicht auf die gefährliche Nikotin-Teer-Mischung. Damals dachte ich noch, man müsse, um zur avant-garde zu gehören, mindestens rauchen können, besser noch drogenabhängig sein. Ich verzichte jetzt mal auf beides und befinde mich mit den anderen Trend-Spießern auf Höhe der grünen Rebellion.

Aber erstmal die Gänsehautattacke nach diesem Song überleben.

October 21st, 2011 Posted in Musik | 1 Comment »

RUCKUS

Ich hab Bock auf Ruckus. Auf richtig Stress machen. Ich will mit meiner Gang in Slo Mo von einem Gebäude loslaufen, dass hinter uns in tausende Flammen und einem riesigen Atompilz explodiert – wir drehen uns nicht danach um, denn unsere Kevlar-Lederjacken schützen uns vor dem Schutt und der Asche, die auf den Rest der staunenden Bürgersteigbesudler und Straßenflanierer herabprasseln.

Ey man, ich will Spotlight sehen und mit der Crew im gleißenden Licht der Bühnen dieser Welt stehen. Ich will langsam den zu uns heraufblickenden Kids zunicken und ihnen herablassend über den Kopf streicheln, meine Augen versteckt hinter den dicksten Sonnenbrillen. Ich will grüßende Internetspasten ignorieren und hässlichen DJs, die ständig zwischen die Tracks brüllen, mit einem Baseballschläger die Fressen zerficken. Ich will ernsthaft Mobb Deep hören und in der U-Bahn mit den Ellbogen die Idioten vorbeischubsen, die bei absoluter Überfüllung einfach stehen bleiben, anstatt sich im Abteil zu verteilen.

Ich will von Rooftops springen und nicht sterben, alter. Ich will dass mir reiche Unternehmer und wichtigtuerische Politiker mir die Hand geben damit ich auf sie spucken kann. Asozial? Ich bin doch tierlieb, guck mal, ich geb dem Hund deinen Arsch zum Fressen! Ich will dass alle das Maul halten wenn ich was sage, ich will schweigende Ossi-Fistbumps an die coolen Hood Rats verteilen und feiere den Ghettosound der abgeparkten 3er BMWs vor dem Späti meines Vertrauens.

Man, diese Welt braucht mehr Pow!, mehr Ansage, mehr Legende, mehr EPIC, mehr FUCK DIS FUCK DAT. Alle wollen nur klein sein und nett und sympathisch und von jedem gemocht, aber dis reicht nicht. Ich will motherfucking SWAGGER, BAD BITCHES, nichts Bescheidenheit, nichts Großzügigkeit, nichts Konfrontationslosigkeit. Ich will Stress, ich will auf’s Maul, ich will Selbstbewusstsein, eine Critical Mass der gereckten Fäuste. Fetter, ohrenzerschmetternder Bass soll auf den Straßen regieren, und Tritte werden an diejenigen verteilt, die nie sagen, was sie denken. Ich will Wut und ich will Revolution. Ich will Bang Boom Bang, keine Remakes, keine Fakes, keine Prequels, keine Sequels mehr. Ich will Original, ich will Laut, ich will krasse, kranke Forderungen, die man nur mit richtiger Gewalt umsetzen kann.

Weil alter, wir sind sowas von lame, wie wir nichts machen und darauf warten dass uns das Glück die Pussy streichelt. Wir sitzen so in der Sonne und genießen das Ungleichgewicht der Welt anstatt uns das Mikrofon zu nehmen und Dinge in Brand zu stecken. Fick dis mit der Angst vor Terror– wir müssen Terror sein. Fuck, wenn nicht wir, dann niemand, never fucking ever.

May 18th, 2011 Posted in (Pop)Kultur, Crystal Meth | 4 Comments »