Die Tür knarzt voller Schmerz, als sie sich nach so langer Zeit wieder bewegt. Von ihr fällt eine Armada von Staub, welcher mit den Luftpartikeln zu einem kleinen Wirbelsturm im Luftzug wird bevor er nach wenigen Sekunden erneut die Starre der Leblosigkeit annimmt.
Sie blickt auf ihre nun dreckigen Handinnenfläche, verwirft einen nie ausformulierten Gedanken zur Symbolhaftigkeit dieser speziellen Schmutzschicht, reibt ihre Hand an ihrer verwaschen gekauften Denim Jeans, die ihre Oberschenkel extrem dick wirken lässt, und tritt in das augenscheinlich leer stehende Haus aus ihrer Vergangenheit ein. Sie konnte sich trotz aller Anstrengungen nicht erklären, wie sie überhaupt hier her gekommen war; sie wusste nicht mehr, wie dieser Traum angefangen hatte. Aber nun war sie hier und ließ die Sonnenstrahlen der hellen Welt in das dunkle Haus einfallen. Sie erschloss, Schritt für Schritt, nur mäßig bekanntes Land: hier war sie schon mal gewesen. Aber wann?
Nur mit Mühe kann sie ihre angetrockneten Lippen befeuchten und krächzt ein leises “Hallo” aus ihrer Kehle, welches sich in ein Ungeheuer von Echo verwandelt. HALLOLOLOLOLOLOLOLOLOLOLOLOLO… die Decke gibt einer Lawine an Staub nach, im hinteren Zimmer, dort, wo die Dunkelheit herrscht, entsteht ein tosender Lärm, ein regelrechtes Chaos, in dem sie sich auf den Boden wirft und die Arme über den Kopf schlägt, so, wie sie es in diversen amerikanischen Action-Filmen schon oft gesehen hatte. “Oh Gott”, denkt sie still in ihren pulsierenden Geist hinein. “Das Teil kracht mir gleich auseinander”. Ihre noch vom Kommunikationsversuch nassen Lippen sind nun perfekt von einer millimeterdicken Lage aus Staub bedeckt. Mit einigem Prusten und vielen Sabberfäden, die schließlich an ihrem Kinn eine dunkle Dreckspur hinterlassen die sie nicht bemerkt, kann sie ohne Einsatz ihrer Zunge den Dreck aus ihrem Mund entfernen. Sie findet, für den Bruchteil eines Gedankenblicks, sogar ein bisschen Stolz für die souveräne Leistung, die sie noch im Schmutz liegend vollbrachte.
Während sie mit ihren zarten, kleinen Händen auf dem Kopf auf den abgezogenen Dielen liegt und darauf wartet dass das Beben sich beruhigt – mit größter Chance, unter den Trümmern des einstürzenden Altbau begraben zu werden – erreicht sie ein Signal. Es kitzelt sie mit größter Unvernunft in der Nase und verhält sich der Situation unangemessen, aber ihr Herz macht einen fiktiven Sprung aus ihrer Brust, als sie den Geruch endlich identifizieren kann: Gras. Marihuana. Der süße, grüne Rauch, der die Nasennebenhöhlen füllt, der sich seinen Weg durch die Lunge ins Blut und schließlich in die Gedanken bahnt um den Menschen mit Magie zu füllen…
Mit dieser Erkenntnis stützt sie sich auf die Ellenbogen und bemerkt zugleich, dass auch die Gewalt des Echos nun nachgelassen hat. Das Haus steht noch. Sie rafft sich auf, schüttelt den Staub pro forma von den Klamotten und hält kurz inne. Ein schüchternes Lächeln macht sich in der Dunkelheit auf ihren Lippen breit. Keiner kann es sehen; sie selbst bemerkt es nicht. In ihren Gedanken stürzen die Ziegel auf sie. In ihren Gedanken wird sie bereits von schwerem Stein erschlagen. Aber sie kommt nicht umher, ein bisschen Romantik für die Situation zu verspüren: mag sein, dass sie in dieser Tragödie vergessen wird. Mag sein, dass sie sich selbst schon längst vergessen hat. Mag sein, dass sie ihr aufgeschriebenes Leben in dieser anderen Dimension nun lassen muss. Doch hat es etwas beruhigendes zu wissen, dass sie trotz all dem noch die Chance bekommt, richtig breit zu sein.
Die hinter ihr bereits zugefallene Tür zur Außenwelt versperrt den Lichtfluss. Nur mit wenigen, gleißenden Sonnenstrahlen, die durch die Ritzen der morschen Architektur fallen, tastet sie sich ihren Weg langsam in das Haus hinein, dem zauberhaften Geruch hinterher. Der Gedanke, wieder aus diesem Geisterhaus rauszugehen, erreicht sie nicht. Schritt für Schritt arbeitet sie sich an der Dunkelheit ab, schließt sogar die Augen, um ihren Geruchssinn walten zu lassen und steht plötzlich auf einer Treppe, die in ein tiefes Schwarz herabführt.
Große Angst fabriziert den Schweiß auf ihrer Stirn, der über ihre Augen und Lippen tröpfelt. Ihre Hände, so unbeschäftigt und ohne Geländer zum festhalten, verschränken sich zitternd und feucht vor ihrem Oberkörper, der kalt und versteinert und fiebrig und schmutzig ist. “Wo bin ich”, fragte sie sich zum ersten Mal konkret. “Was mache ich hier. Wieso ist hier niemand, wieso muss ich da jetzt runter?” Sie wünscht sich weinend in eine einfachere Zeit zurück. Wie damals, wenn sie beim Arzt gefragt wurde, wo es denn weh tat und sie sich einfach nur zu ihrer Mutter umdrehen musste, die dann den Rest geklärt hat. Wie damals, als das letzte Klingeln vor den Sommerferien ertönte und sie nach Hause ging und sich für sechs Wochen nur sinnlose Filme und Serien anschaute und sich in einen Jungen verliebte, der sich nicht zurückverliebte.
Schließlich kauert sie sich auf die oberste Treppenstufe und lehnt ihren Rücken an die unsichtbare Wand neben ihr. Irgendwann wird sie den Weg nach unten wagen. Aber mit viel Glück, so sagt sie sich, stürzt alles ein, bevor sie es tatsächlich muss. Mit geschlossenen Augen und unruhigem Atem und dem intensiven Grasgeruch, der sie an den Görlitzer Park und den Keller ihres Bruders erinnert, schläft sie ein, auf einen bunten Traum hoffend, einer, der sie wieder nach Hause bringt, in das andere Jahr 2012, mit den anderen Menschen, mit der warmen Liebe und dem bewohnten Haus.
Sie riss ihre Augen auf. Ihr Puls bewegte ihren Atem zu einem schmerzhaften Dauerlauf der Angst. Panisch blickte sie sich um, immer noch unwissend, ob sie sich in einem Traum oder in der Realität befand. Sie suchte nach dem Schalter, der das Licht in ihre Welt bringen sollte, doch der Tastsinn war ihren verschwitzten, zitternden Fingern entsagt worden. Mit einem Griff an ihre Brust, dort wo ihr Herz verborgen lag, fragte sie sich, was nach dem schnellen Atmen kommt, wenn das Gehirn nicht mehr Sauerstoff aufnehmen kann? Wie groß die Angst vor dem Fall sein kann, wenn man schon längst aufgeschlagen ist? Was passiert, wenn es plötzlich nicht mehr um offene Wunden, sondern um fehlende Beine geht? Wie lange kann man seine Augen vor der Dunkelheit verschließen, bis sie vergessen, sich je wieder zu öffnen?
Sie konnte sich nicht unter Kontrolle bringen und weinte, und weinte, und weinte, und wünschte sich einen fernen Traum zurück, den sie ihre Vergangenheit und ihre Zukunft und ihre Gegenwart nannte, überall und alles, nur nicht hier und das, und schlief schließlich ein mit dem Wunsch, nie wieder zu erwachen.
Jeder Song bindet sich an einen Moment und wird damit zu einem Bedeutungsträger, einem Symbol für die Zeit, ein Konservat, gebündelte Erinnerungen. Meine Lieblingssongs werden zu kleinen Schatztruhen, die Gefühle und Bilder vergangener Zeiten in sich bergen. Eine Liste der besten Songs ist willkürlich; jeder einzelne davon gehört auf meinen Number 1 Spot, denn jeder einzelne wiegt schwer in meiner Geschichte. Am Ende des Tages bewährt sich dann, was ich im Lichte aller mir verfügbaren Gedanken und Gefühle auch bewusst als “das beste” bewerte; nur, das kann man dann eher im subjektiven Licht betrachten, rein objektiv liegt mir nichts ferner als musikalische Rezensionen zu den 100 besten Songs des Jahres schreiben…
Zusammengefasst: Musik ist anekdotisch. Diesmal soll der Jahresrückblick aber mehr sein als nur eine Liste mit seltsam-introvertierten Kommentaren meinerseits. Diesmal sollt ihr auch was davon haben. Der Berliner Lifestyle- und Streetwear-Store Def-Shop war so großzügig, für diesen Beitrag 2×1 WESC Kopfhörer zu spendieren. Was ihr dafür machen müsst? Euren Lieblingssong 2011 in die Kommentare posten (mit einer funktionierenden E-Mail Adresse!). Dafür habt ihr bis zum 3. Januar 2012 Zeit. Wer in Berlin ist, sollte sich auf jeden Fall den Store auf der Friedrichstraße mal reinfahren. Basketballschuhe, Sneaker, alles da – nicht entgehen lassen.
Wer die Vergangenheit auch noch mal antesten möchte, findet die 200 aus 2000 Liste und das Best Of 2010 in den Archiven. Zu 2011 gibt es folgende Zusammenfassung: dieses Jahr war dem Hip Hop verschrieben, mehr als jemals zu vor. Dieses Jahr hat vor allem Drake (rein quantitativ) die Liste erobern können. Was das über mich und ihn aussagt ist zwar fraglich, aber wir wollen jetzt nicht zu weit vorgreifen. Einzig wofür ich keine Zeit mehr hatte: die mediale Ausstattung mit Download-Links oder Grooveshark-Playlist. Aber ich denke, das werden wir alle gemeinsam überleben. Habt Geduld beim Laden: so viele YouTube-Videos auf einer einzigen Seite sind für die schnellste W-Lan Connection nur schwer zu verkraften (ich habe es bereits nach den ersten Beschwerden ausgedünnt).
Sie pirschte sich ran wie eine unkontrollierbar hungrige Katze die keine Angst vor Verlust sah; sie wollte nur. Wollte, wollte, wollte. Ihre unbarmherzigen Krallen bohrten sich tief in die Haut ihres Gegenübers. Sie fraß sie lebendig auf und spuckte danach das Blut von Herz und Schweiß auf den Teppich. Anders ausgedrückt: der leise tropfende Wasserhahn macht wahnsinnig, die Hitze im Wartezimmer ist kaum mehr erträglich, die Lösung für das alles findet sich nur in der gewalttätigen Befreiung.
PS: Wer einen Download-Link hat macht mir große Freude bei meinen nächtlichen Aktivitäten.
Obwohl es nun einige Tage draußen ist und meine Leser sicherlich schon auf soetwas wie eine Ansage warten, habe ich mich bisher geweigert, das neue Album von Aubrey hier zu zerreissen. Ich denke, wer auch nur ein bisschen Geschmack hat, wird ihren Erfolg auf den Pop schieben und Aubrey für immer vernichtend in die Ecke der größten Huren aller Zeiten stellen. Er hätte wirklich eine Chance gehabt, ein Stunter wie sein Daddy zu werden. Ich hatte Hoffnungen. Die Wörter sind alle da, aber die Art, wie er sie aneinanderreiht und nein, die Art, wie er sie benutzt, wie er sie ausspricht, katapultiert ihn aus dem Game der Player in das Game Over der katastrophalen Pop-Figuren. Drake ist nicht der neue Eminem, oder der neue Lil Wayne oder was auch immer. Drake ist die ambitionierte Experiment-Leitfigur in einer Welt in der Lady Gaga das Zepter schwingt.
Aubrey hatte Chancen. Er war nie ein Rick Ross, den man nicht ernst nimmt und einfach lachend gut findet. Ricky ist süß und furchterregend gleichzeitig, er hat keinen großen Rap, aber sein Style und seine Attitude gleichen das aus. Er hat Charisma. Drake hat nur 13 Jährige Mädchen die ihn lieben. Keine Ahnung, Mann. Sogar Justin Bieber kann besser rappen als Aubrey auf Take Care. Aubrey, du bist mein Vanilla Ice, und dafür musst du nicht mal weiß sein.
Allerdings gibt es einen Höhepunkt auf dem Album (zwei, wenn man Kendrick Lamar auch wertschätzen möchte, aber nicht kann, weil man erst Mal 4 Minuten durch gequirlte Scheisse “Marvins Room” spulen muss, um bei ihm anzukommen). Einer, der leider immer und immer wieder von Drake selbst zerstört wird: Lord Knows.
Der von Just Blaze produzierte Beat ist Wahnsinn. Das kann man gar nicht in Worte fassen wie gut er ist. Doch jedesmal, wenn mich die Gänsehautdusche überschüttet, muss die Hure Dreck einsetzen mit seinem Weibergefasel und macht mich zur axtschwingenden Blutprinzessin. Rick Ross muss man hier nicht zusätzlich erwähnen. Der ist da und erfreut sich seinem üblichen Ablauf.
Der ganze Track, eine Tragödie erster Güte. Was die Welt braucht ist ein Rapper, der diesem Beat gewachsen ist. Einer, der ihn zerstört, der ihn zerfickt und bekämpft und blutend aus einer Schlacht rauskommt. Ich warte, und warte, und warte. Hier noch mal das Instrumental:
Es regnet wieder. Das ist gut, denn der Feinstaub machte sich in der Stadt schon breit. Und es ist gut, denn Regen ist nicht Schnee. An diesem Samstagmittag scheint die Zeit stehen zu bleiben während ich mein Gesicht in die seltenen Sonnenstrahlen strecke. Gut so, denn es gibt viel zu tun. Mit dem neuen Aeroplane Mix dürfte das aber immerhin sehr smooth gehen.
Ach Aubrey, du kleiner Pimmel. Ich kann mich einfach nicht entscheiden ob ich dich hart geil oder hart scheisse finden soll. Einerseits bist du süß, und du bist emotional und talentiert. Du kannst schreiben und auch ein bisschen singen, und außerdem hast du Songs gemacht, tja, die haben mich ganz schön berührt. Ich denke da an den einen mit Lykke Li im Remix, oder an den, wo du eine (oder mehrere) Frauen besingst, oder den, wo du morgens schon mal reinhalten möchtest.
Aber nicht alles, was du tust, ist auch wirklich gut. Zum Beispiel das neue mit Rihanna, wo du nur Scheisse auf Scheisse reimst. Vielleicht, weil du ein Riesenspast bist und unbedingt auf dem Jamie XX Zug aufspringen wolltest und keinen Bock auf guten Rap hattest. Vielleicht, weil du einfach nicht anders kannst. Ich kenne das: wenn man viel Output hat, dann verschwendet man auch viele gute kleine Gedanken an viele mittelmäßige Tracks, anstatt sie in ein riesiges, krasses Ding zu investieren. Das bedeutet Zeit, und Sammelgeduld. Das hast du beides nicht. Und hör endlich auf, so zu tun, als wärst du der schönste Mann der Welt. Du bist nämlich echt hässlich und wir alle wissen es.
Ich mag dich aber trotzdem, und deshalb feiere ich auch deinen neuen Song mit Lil Wayne (und im Tyga Remix), “The Motto”, irgendwo zwischen sehr exzentrisch und sehr poppig angesiedelt. So und nicht anders, Aubrey. Außerdem, so hässlich bist du gar nicht. Solange es noch Tyga gibt, bleibst du vielleicht sogar der Schönling, für den du dich so hälst. Hab dich ganz doll lieb, Aubrey.
Es ist kein Geheimnis, dass man mich mit knackigen Beats und einem englischen Drift kriegen kann. Wenn ich den überladenen Sound von Chris Brown & Tyga mit diesem Schmuckstück hier vergleiche, kann ich auch die eher seichte Thematik (Käppis, alter) ignorieren.
Ein lebhaftes, schwarzhaariges Mädchen, das Wrestling liebt. Sie trägt eine orangefarbene Skimütze, ein rotes Kleid mit einer schwarzen Lederjacke, rot-gelb gestreifte Strümpfe und graue Stiefel. Spinelli wird beinahe immer mit ihrem Nachnamen angesprochen, weil sie ihren Vornamen nicht leiden kann. Ihr Zweitname wird in der Episode „Die perfekte Tochter“ („More Like Gretchen“) enthüllt. Spinelli ist sehr temperamentvoll, sagt klar raus, wenn ihr etwas nicht passt und lässt auch gelegentlich beherzt die Fäuste spielen. Spinelli ist ein italienischer Nachname. Ihre Eltern haben ein langweiliges Erscheinungsbild, doch ihr Vater ist Geheimagent. Auch ist Spinelli in T.J. verliebt, was aber in wenigen Folgen lediglich Erwähnung findet. Spinelli hat auch einen älteren Bruder Tony, der im Gefängnis als Mechaniker arbeitete („Operation Klassenfahrt“). Manchmal malt sie, um ihrer Langeweile zu entkommen.
Man nennt mich nicht zu unrecht Spinelli, immerhin bin ich die coolste Sau auf dem Dragstrip. Aber auch coole Säue müssen sich ihrer Gedankenwut hingeben, und so, wie alle Jahre wieder, der Rundumschlag.
- Contagion ist ein guter Film – Soderbergh lässt Paltrow abkratzen, das kann nur ein guter Film sein. Aber letztendlich ist es die unspektakuläre Art und Weise, auf die eine Epedemie dargestellt wird, die überzeugt. Keine grauende Dramatik oder Heldentaten, keine Unruhe, und am wichtigsten: keine Zombies. Eine Dystopie mit Überlebenschancen, spannendes Kino.
- Apropos Kino: heutzutage im Kino einen Film zu finden, den man tatsächlich sehen will, also in den Reihen von Inception oder The Dark Knight, ist einfach schwierig. Oder sagen wir es, wie es ist: ohne Christopher Nolan macht Kino keinen Sinn.
- Außer natürlich, es geht um das Pornofilmfestival, wo man dann mit Nike zwischen (einstimmig entschieden!) seltsamsten Menschen sitzt, die die zum Interview zur Verfügung gestellten Pornodarsteller solch eloquenten Dinge fragen wie etwa: Tut es weh, wenn ihnen der Mann unvorbereitet ins Gesicht spritzt?
- Und wo wir schon bei Nike sind: dass diese dumme Firma es nicht auf die Reihe bekommt, Schuhe in Größen herzustellen, die auch meine Pygmäenfüße tragen können, ruft mich persönlich zu einem Boykott auf. Größe 39! WE ARE THE 99%!
- In other news: mein Leben ist eine kaum bewegliche Linie auf einem Blatt Papier. Hin und wieder wird beim Ziehen des Bleistiftes ein kleiner Ruck die Genauigkeit der Geraden beeinträchtigen, man endet mit einer straighten Line, die beim genauen Hingucken gar nicht so straight ist. Was mir zum Teil als Apathie vorgeworfen wird, lässt sich (mir selbst jedenfalls) ganz gut erklären:
- Es bringt nichts, sich aufzuregen. Wenn einen etwas erschüttert oder entsetzt, verletzt oder Trauer auslöst, muss man warten, bis das Erdbeben inklusiver aller seiner Nachbeben, egal in welcher Stärke, versagt sind. Erst dann kann man feststellen, wo das Pendel zwischen Glück und Unglück stehen bleibt, und ob es sich lohnt, unter so viel Pein zusammenzubrechen. Meistens behält sich das Drama vor, nur für kurze Zeit aktiv mit meinem Gehirn im Bett verrückte Spiele zu spielen. Dann verschwindet es wieder und lässt mich in absoluter Euphorie zurück. Es sind die orgasmischen Höhen dieser Besserung, die das Leben lebenswert machen. Leider machen das viele andere (meiner Ansicht nach) falsch: sie reden, während das Pendel noch schwingt.
- Manchmal hört die Erde nicht auf zu beben. Aber das ist mir noch nie passiert.
- Was mir durchaus passiert: kleine Explosionen, die dafür sorgen, dass ich eines wunderschönen Herbstsamstagnachmittags in den Friseurladen gehe um mir ein Drittel meines Haupthaares blond zu färben. Wie das aussieht, das zeige ich euch, sobald die Gerüchteküche mal ein bisschen abgeklungen ist. Ich fasse es nicht, dass auf Twitter schon Fotos verlangt werden, ihr könnt mich von Montags bis Mittwoch immerhin auch im Uni-Zoo beim widerlichen Kantinenessenschmeissen beobachten (kostet Eintritt).
- Ich bin mir nicht sicher, worüber ich zuerst schreiben soll: über die Auswirkungen von blonden Strähnen und einer quasi-M.I.A-Frisur auf das männliche Geschlecht oder über die wunderbaren Herbstmomente dieses Jahres. Ihr wisst aber ohne große Ausführungen womöglich sowieso, was sowohl damit als auch damit gemeint ist. Nein? Ich bin heiß und das Wetter ist schön, soll das bedeuten.
- Enttäuschung ist, wenn alle guten Tracks von A$AP Rocky schon vor dem offiziellen Release des Mixtapes veröffentlicht waren und die anderen zehn Songs richtig KACKA sind. But you know what? Das sind halt die neuen Niggas With Attire. Die haben Style ey, sehen gut aus. Raf Simons Rick Owens usually what I’m dressed in. Aber, damit mir die Oberflächlichkeit nicht schon wieder (weil es so einfach ist!) vorgeworfen wird, möchte ich an der Stelle auch erwähnen wieso ich A$AP Rocky trotz der Schwächen abfeier: weil er avant/garde ist und zulässt, dass sich East Coast Hip Hop entfaltet. Harlem Trill, Brother. Der Beat läuft wie zäher Schleim raus, man hört den Trill, aber der Rap knallt mit der Peitsche, wie es nur NYC kann.
- Mir ist vor Kurzem aufgefallen, dass ich zwar Alice im Wunderland nie gelesen habe, aber aufgrund meiner Zitatkenntnis das ganze Teil zusammensetzen könnte. Hier mein Liebling:
Alice asked the Chesire Cat, who was sitting in a tree, “What road do I take?”
The cat asked, “Where do you want to go?”
“I don’t know”, Alice answered.
“Then,” said the cat, “it really doesn’t matter, does it?”
Alice in Wonderland, LEWIS CARROLL
- Ich weiß auch nicht so genau, welche Wege ich einschlagen werde. Gerade ist immer so viel am Start, wer hat da noch Zeit, nachzudenken? Für eine kurze Atempause wird dem Messi-Elternhaus ein Besuch gestattet. So schön Berlin auch ist, manchmal sehnt sich das Herz nach einem deftigen, arabischen Eintopf und sich mit den Erzeugern so hart streiten, dass man für die nächsten drei Monate ziemlich sicher glücklich mit seiner Wahlheimat sein wird. Egal, wie viel Wurst von den Suffi-Nachbarn im Treppenhaus verteilt wird.
Ich bin weder ein großer Fan von Adidas, noch mag ich Big Sean- er ist ein bemerkenswerter Newcomer im Rap-Ghetto, aber auch nichts besonderes. Sein Album “Finally Famous” erntete an meiner Innovationsskala ein dröges “Meh”. Jetzt wurde das Teil noch mal vom Streifentier und mit Hilfe von talentierten Produzenten neu aufgelegt und abgemischt. Das Resultat, “Finally Famous”, ist, ich kann das nicht anders ausdrücken, ziemlich fresh. I dig that shit.
01 Intro (Prod. KeY Wane)
02 I Do It (Prod. KeY Wane)
03 My Last (Prod. Dj AC Slater)
04 Wait For Me (Prod. Filthy Rockwell)
05 Marvin & Chardonnay (Prod. Xaphoon Jones)
06 Dance (A$$) (Prod. KeY Wane)
07 Donald Trump (Prod. The Olympicks)
08 Memories Pt 2(Prod Drumma Boy)
09 High (Prod. DJ Bonics)
10 So Much More (Prod. Cardo)
11 My House (Prod. The Olympicks)
12 100 Keys (Prod. Bei Maejor)