Leaf & I (#nissanleafcar36 #tbto #nissanleaftbto)

Nach mehr als fünfzig Tagen mit dem Nissan Leaf wird es Zeit, das Auto mal etwas zu bewerten. Es hat mich schon einige Male vor Regen, Laufen oder Faulheit gerettet und mir ein bequemeres Leben verschafft, aber überraschenderweise ist das nicht der wirkungsvollste Faktor an einem Elektroauto. Es stellte sich vor allem ein ganz unerwartetes Phänomen ein: die Leute reden darüber. Besser gesagt: sie reden mit mir darüber und erwarten leider ausgiebige Informationen, die ich ihnen nicht geben kann, weil ich nichts von Autos weiß und eigentlich auch nichts darüber lernen möchte. Ich weiß nicht, ob mir das mehr über den Nissan und seine Voll-Elektro-Ausstattung oder über die deutsche Mobilfahrzeugmentalität sagt, aber in jedem Fall ist es immer eine Konversation wert. Egal ob in meinem Freundeskreis oder bei Fremden auf der Straße, die sich über das zerlotterte Kind mit dem unordentlichen Taxi wundern – alle quatschen darüber, was das wohl kann, wie viel es kostet, was es auf dieser Erde möchte und warum sich jemand wie ich nicht endlich seinem Stereotypen hingibt und einen mit richtig lauter Engine kauft um die Welt zu verpesten (lies: dieses Auto stiehlt mir die Show und muss deshalb sterben).

Natürlich findet mein ganzer Freundeskreis plus deren Mütter und angeheirateten Onkel das Auto auch gut, weil hey, Sara hat ein Auto. Sara kann jetzt die ganze Zeit durch die Gegend fahren und einkaufen, abholen, zurückbringen und generell Dinge erledigen. Ich habe dann einen ganz einfachen Deal draus gemacht: wer das Auto bzw. meine Dienste möchte, der muss es dann aber auch vollgetankt zurückbringen. An dem Punkt hatte dann doch niemand mehr so richtig Lust, denn der Nissan ist zwar ein smoothes Gerät, aber nicht unbedingt zeitschonend. Der verbraucht mit einem vollen Tank im Eco-Modus ungefähr 100 km. Das ist auch innerhalb der Stadt nicht besonders viel. So kommt es im Schnitt dazu, dass ich alle drei Tage für eine Stunde an der einzigen Schnell-Ladestation in Berlin stehe. Wehe dem, der ihr weh tut! Denn dann wird es stressig: in der Stadt sind zwar auch einige “normale” Ladestationen (8 Stunden bis zum vollen Tank) verteilt, aber die sind immer wirklich so schlecht platziert und deren Parkplätze fast immer belegt, dass ich lieber den Umweg nach Schöneberg in Kauf nehme und dort eine Stunde warte, als mich auf der Suche zur Quälen.

Der Nissan ist groß, geräumig, schön und elegant zu fahren. Aber das Tanken ist ein ausschlaggebender Punkt, der richtig nervt. Das bringt aber wahrscheinlich auch ganz ungewollt einen weiteren energiesparenden Effekt: man lässt das Auto dann eher einmal mehr stehen. Aber das ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. In einem Notfall kann man nicht einfach in das Auto springen und ins nächste Krankenhaus fahren, wenn nicht genug E-Sprit drin ist. Man kann nicht schnell für 4 Minuten an der Tankstelle rausspringen, abzapfen und losfahren. Das tut ein bisschen weh, wenn man bedenkt, wie praktisch und schön und sauber die Alternative zu den Standard-Karren ist.

Vielleicht ist das bei kleineren E-Autos anders. Der Leaf ist ja ziemlich groß für einen Kleinwagen. Er ist zwar immer noch kompakt, aber da passt wirklich eine ganze arabische Familie rein, wenn man es drauf anlegt, und die Oma von den Nachbarn, und noch einen Kühl-Korb mit Leckereien aus der Heimat. Ebbe liebt das Auto. Sie transportiert immer halb Berlin darin herum, hat seit dem ein Faible für Sperrmüll entwickelt, den sie in den Kofferraum schmeisst um zu Hause zu gucken ob er noch funktioniert. Man könnte also behaupten, der Nissan Leaf induziert ein gewisses Messi-Verhalten. Aber dafür gibt es noch keine empirischen Studien.

Jetzt, wo der Sommer mit Bazukaladungen Hitzestrahlen da ist, bleibt der Leaf immer öfter auch mal alleine zu Hause um Elektroteilchen zu schonen. Allerdings stehen noch einige Dinge an, für die er durchaus nützlich sein könnte: ein Ausflug an den See, eine Foto-Tour durch Berlin, ein Besuch bei Ikea und natürlich um Menschen anzufahren die mir hart gegen den Strich gehen. Der Derby hat übrigens auch einen schönen Beitrag geschrieben, der ein bisschen mehr ins Detail geht.

(Was das Auto sehr gut kann: Musik. Und so könnte man theoretisch den Tag damit verträumen, auf ausgiebigen Landstraßen zu fahren und die Freiheit der grenzenlosen Bewegung zu spüren. Wenn da nicht das mit dem Aufladen wäre).

May 26th, 2012 Posted in Ohne Worte | 1 Comment »

The Big Turn On

Es gibt ja so eine Sache, die jeder Autofahrer gemeinsam hat: jeder hält sich für den besten. Mit einer Ausnahme: meine Wenigkeit. Ich rate insbesondere alten Menschen und Kindern, erstmal eine Art Lebensversicherung abzuschließen, bevor sie mit mir in die Karre steigen. Sogar ICH habe Angst, wenn ich hinter’m Steuer sitze. So oft, wie ich schon im Stehen stolpere, ist es nur eine Frage der Zeit, bis mir so ein Teil unter meinem zuckersüßen Popo explodiert. Umso erleichterter war ich, als ich aus der Kleinstadt, wo das Auto die Lebensfähigkeit einer Person darstellt, nach Berlin zog. Ich händigte die Schlüssel zu meinem verrosteten Astra aus dritter Hand an meinen kleinen Bruder weiter und fuhr seitdem nur noch U-Bahn. Sogar Fahrrad fahren ist für mich ein Nervenkitzel, den andere nicht mal mit Fallschirmspringen erfahren würden.

Doch das Leben gibt mir jetzt eine zweite Chance, um mich zu beweisen. Nach drei Jahren Auto-Abstinenz vertrauen mir die netten Menschen von Nissan ihre Zukunftsvision an, eine mit der ich 100 Tage lang ab heute meine Nachbarschaft in den Wahnsinn treiben kann. Stundelang  vor einer Parklücke stehen und weinen, weil ich das Teil nicht reinkriege? Check. Auf der Autobahn mit maximal 80 km/h auf der linken Spur fahren, weil ich zu viel Angst habe, den Laster zu überholen? Check. Vor Sorge, einen Fahrradfahrer umzunieten, lieber mal die begrünte Betonfläche am Moritzplatz-Kreisel mitnehmen und über das Teil mit 90 km/h donnern und das Ende meiner Tage in absehbarer Nähe sehen? Check. Letzteres ist mir NICHT WIRKLICH HEUTE AM ERSTEN TAG SCHON PASSIERT.

Folgendermaßen läuft die ganze Sache ab: ich, als nicht-gerne-Autofahrer, teste den neuen Nissan Leaf, ein hundertprozentiges Elektroauto, und ihr dürft dabei sein. Mehr als das: ihr dürft sogar für mich abstimmen. Nach dem Wettbewerb mit vielen anderen großartigen Bloggern darf der Gewinner entscheiden, an welche gemeinnützige Einrichtung das Auto geht. Ich mache das natürlich hauptsächlich aus altruistischen Gründen, denn obwohl das Auto extrem nützlich und entspannt zu fahren ist, gibt es einen kleinen Haken bei der Sache: das Aufladeproblem. Ich bin ja voll für Nachhaltigkeit und Fortschritt, was unsere Technologien angeht. Autos mit Elektromotor sind da eine spannende Geschichte. Doch ohne die passende Infrastruktur wird die größte Aufgabe sein, das Auto so flexibel nutzen zu können wie jedes andere. Der Nissan Leaf schafft mit einer Aufladung knapp 200 km/h – wenn man sparsam fährt. So zumindest die Ansage. Ob das stimmt, werde ich noch auf die Probe stellen. Doch was dann? Aufladestationen können schon mal etwas länger brauchen – ungefähr 8 Stunden für eine volle Ladung. Und sie sind spärlicher besäht, als mir lieb ist. In Kreuzberg etwa gibt es keine. Jedesmal nach Mitte fahren und mit der U-Bahn nach Hause? Sheesh. Oder eben an die Schnellladestation nach Schöneberg am Gasometer. Im Sommer mal ‘ne halbe Stunde chillen, kein Ding, denn so lange braucht es, um 80% geladen zu werden. Das lädt natürlich dazu ein, mal den Grill aufzustellen, ist ja ein schöner Ort. Lange Trips werden dadurch aber eher zur Qual, denn solange es keine Schnellladestationen am Wegesrand der Autobahnen gibt – no chance.

So weit zu der Aufgabe, der ich mich stelle. 100 Tage lang ein Auto, und ihr dürft ab und zu hier dabei sein, meistens jedoch auf der offiziellen Big Turn On Seite (TBTO) Mein Nissan Leaf trägt die Nummer 36 für Kreuzberg. Wenn ihr mich seht, lenkt mich bitte nicht ab, sonst habt ihr direkt ein Nahtoderlebenis verursacht. Weil ich euch auch so lieb habe, gibt es hier noch mein schickes Intro-Video. Ich schwöre ich bin eigentlich cooler, aber das wisst ihr ja hoffentlich.

Relevante Hashtags:
#NissanLeafTBTO
#NissanCar36
(falls ihr der Sache auch auf Twitter followen wollt)

March 30th, 2012 Posted in Gangster | 21 Comments »