VW x MoMa Aftershow Party

Veröffentlicht May 24, 2011

Red Carpet, Blue Carpet, Tomato, Tomahto, alles dassellbe, bis man auf einmal selbst ein bisschen fotografiert und dem regen Treiben der Journalisten und Profiknipser zusehen darf. Alles in allem gesitteter Umgang, nicht viel Gedränge und eigentlich auch ziemlich Down-To-Earth; dass sich Menschen die Gala kaufen, um nachzusehen, wer wann wie wo in welchem Kleid aufgetaucht ist, relativiert sich an dieser Stelle extrem.

Ich hatte bei der VW + MoMa Pressekonferenz After Show Party zwar nicht den besten Platz zum Fotografieren (und nicht mal eine gute Kamera dabei), aber sehr viel Spaß an meiner Perspektive. Gelohnt hat sich der Besuch dann vor allem, weil Penn Badgley aufkreuzte und meinem jugendlichen Herzen einen kleinen Amor-Schock zuführte. Hach, und dann war der auch noch so nett. Also so richtig nett, wie Dan aus der Serie, einfach nur nett. Und süß. Und klein und süß und nett.

Ansonsten sind Aftershow Partys in New York nicht viel anders als in Berlin: die Leute sehen alle zu gut aus, um wahr zu sein, die Musik ist laut aber nicht aufdringlich, die angesagten DJs werden ignoriert, jeder kennt jeden, alle sind happy und am Ende des Abends betrunken. Nur dass in New York die Leute um 12 nach Hause geschickt werden- Curfew und so – und in Berlin sich da gerade mal alle zum Vorglühen treffen. That’s how we roll, motherchuckers.

 
 

Full Moon Jacket

Veröffentlicht November 24, 2010

Die Full Moon Party verdrängt ehrenhaft die Fuckparade 2010 vom dritten Platz der schlechtesten Parties, auf denen ich je anwesend war. Getoppt wurde die Horrorveranstaltung nur noch von meinem Abiball, ein fürchterlicher Zombiemarsch in Anzug und Kleid, der mich für Monate traumatisierte und zur Halbalkoholikerin machte, und meinem 12. Geburtstag, an dem nicht ein einziger Mensch anwesend war, nicht mal meine eigenen Eltern, und ich eine Lebensmittelvergiftung aufgrund von Überfressung an rohem Teig erlitt.

Um mit dem kürzesten Teil schnell abzuschliessen, fange ich mal mit den positiven Seiten des Abends an: der Mond war der volle Wahnsinn. Ich habe noch nie in meinem Leben so einen Mond gesehen, und gar nicht erst versucht, ihn irgendwie festzuhalten. Soetwas sieht man nur ein mal im Leben oder gar nicht und dafür, alleine dafür, war ich sehr dankbar an diesem Ort in dieser Zeit anwesend zu sein. Der Mond hatte einen verdammten Regenbogen! EINEN EIGENEN REGENBOGEN! Ich weiss, ihr sagt, dass ist unmöglich, das waren wieder die Drogen, aber ich schwöre es, es war absolut fantastisch.

So, und das war‘s dann auch an den guten Dingen der Full Moon Party. Das Trauerspiel fängt schon in Haad Rin an, dem Strand, an dem sich die Katastrophe abspielt. Ich kann mir durchaus vorstellen dass das mal ein paradiesischer Ort war, an den sich nur wenige einsame Seelen verlieren wollten und ihre seltene Gemeinsamkeit mit einem kleinen Feuerwerk und ein bisschen Alkohol befeierten. Wahrscheinlich sind die guten Männer und Frauen, die einst dem Aussteiger-Hippie-Pfad folgten, sogar noch selbst in die Wälder gegangen um ihre Pilze zu pflücken, haben mit Speeren ihre Fische gefangen und gegrillt und den lokalen, selbstgebrauten Whisky genossen. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber wie dem auch sei: die absolute Apokalpyse findet nun monatlich an diesem Strand statt, der eher einem Kotsumpf entspricht, eine Bremsspur auf der Karte Thailands. Noch nie in meinem Leben habe ich so eine traurige Ekokultur beobachten können wie auf Ko Phan-Gan, oder eher, Haad Rin. Von Larva Migraine bis E.Coli über in AIDS getankte Hero-Nadeln hinaus gab es noch eine geballte Ladung Idiotie umsonst oben drauf, Happy Hour für Knochenbrüche und ertrinkende Spasten, die von Insel zu Insel schwimmen möchten, ohne überhaupt das gegenüberliegende Land sehen zu können.

Ich habe mich natürlich gefreut, denn Ko Phan-Gan ist voll und ganz auf die Feierwut der von Backpackern zu Paketurlaubern mutierten Touristen eingestellt und die Apotheken platzen geradezu nur von großartig stimulierenden Mitteln, rezeptfrei nachgeschmissen, ohne den kleinsten Zweifel daran, dass man durchaus wirklich krank sein könnte und diese Medikamente braucht; für 100 Baht die geballte Überdosis, Prozac, Valium, Xanax, Speed, Ritalin, Adderall, und hätte man noch mal gezwinkert, wäre der Yabba-Man wahrscheinlich sogar persönlich mit dem gutem alten Meth vorbeigekommen, Crackpfeife oder Spritze wahlweise inklusive. Totalabschuss auf einer Insel die für Pfeifen erfunden wurden. Ich verurteile dabei nicht den Konsum von Drogen, ach, schiebt euch die Pillen doch in den Arsch wenn ihr wollt, ich mach‘s auch, ich kann eure Fressen nämlich nicht mehr sehen. Was mich stört ist der Drogentourismus, der so leichtsinnig passiert, Kids, die sich Teile und Weed und Mushrooms reinhauen ohne einmal überlegt zu haben, was da überhaupt drin ist, was sie da Fressen. Aus „einmal ausprobieren“ wird dann vielleicht „ewig hängenbleiben“ oder direkt Tod wegen Herzversagen, und das ist wirklich noch die schönere Variante, die, wo man nicht völlig zerleicht halb im Meer hängt und die Kacke von anderen Druffimeistern im Gesicht schwimmen hat. Da lob ich mir die Berghainer, die sich jeden Tag McSmack in die Venen schießen und sich nachts am Bahnhof für die Patte bücken müssen, aber wenigstens einen Plan davon haben, wie Uppers und Downers funktionieren. Dass man selbst beim Gehirnfick noch scheisse bauen kann, das geht über mein Verständnis hinaus.

Die ganze Nacht kamen mir irgendwelche verwesten Leute entgegen, die ihre Whiskey Buckets tranken und direkt wieder reinkotzten, die nicht mehr wussten, wo vorne und hinten war.. 30k vollgepisste Leute, und um 2 Uhr morgens war die Hälfte entweder schon im Krankenhaus, oder wurde in den Büschen vergewaltigt, oder hatte sich selbst komplett kampfunfähig geschaltet.

Für mich war das alles Krieg. An der Front mit Panzerfäusten voller Ekel. Die absolute Naturkatastrophe, reines menschliches Versagen, ein beispielhaftes Bild dafür, wie schlecht die touristische Entwicklung teilweise in Thailand durch die einstigen Backpackerträume hochgezogen wurde, völlig unnatürlich und widerlich. Es ist schwer, dabei die Verantwortung bei irgendjemandem zu suchen. Es gibt niemanden, der jemals etwas böses wollte, und vielleicht ist es genau das, was mich noch am meisten toben lässt. Dass diese Zerstörung und Destruktion ein Teil von dem ist, was den angeblichen Wohlstand ins Land bringt, Billigtourismus für Europäer die normalerweise in Finanzen arbeiten und einmal im Jahr aus dem Hamsterrad raus kommen möchten um genau das zu tun, was sie überall anders auch tun könnte, nur billiger: saufen. Und für so manch glücklichen: ficken.

Während ich also all das zu ignorieren versuchte, während ich mir schlechten Goa auf 747-Dezibel fahren musste, tröstete mich nicht mal die Tatsache, dass ich das schönste Mädchen auf dieser Insel war. Ja, der haarige Gorilla aus dem arabischen Hinterwald gewann, und wenn auch nur, weil ich keine Kotzbrocken vermischt mit Neonfarbe und Schweiss am ganzen Körper verschmiert hatte. Gott, waren die alle hässlich. Insbesondere die fetten Engländerinnen mit den gelb-krummen Zähnen. Was zur Hölle IST das? Wieso? WIESO SIND DIE SO HÄSSLICH UND WIESO SIND DAS ALLES ENGLÄNDER?

Ich würde das gerne mit einem lustigen Satz beenden, einer, der aussagt, „ich bereue nicht hingegangen zu sein, weil man sowas auch mal gemacht haben muss“, aber eigentlich war es wirklich nur durch und durch traurig. Um 4 Uhr morgens saß ich kichernd auf Mushroom Mountain und feuerte verwirrten Opfern mit meiner selbstgebauten Zwille Geckos und Steine an die Fressen, und das war so ziemlich mein persönliches Highlight. Aber ich war da, und ich habe beigetragen, jeder Besucher ein Gewinn für den Untergang, harder better faster fuck you. Und ich bereue es, da gewesen zu sein, weil ich vorher genau wusste, dass ich es scheisse finden würde. Lediglich das Vorglühen, beziehungsweise das Neonfarbiganmalen, hat mir anfangs die Zweifel nehmen können, nur um sie mir dann wieder mit Breitseite und absoluter Bestätigung direkt ins Gesicht zu schlagen.

Seht ihr, ich kann mich nicht nicht beschweren. Das geht nicht. Ob ich was auf meiner Reise gelernt oder gefühlt oder so habe, das passt hier sowieso nicht hin, dafür ist kein Raum, dafür ist nicht mal Raum in meinem Kopf – die wunderschönen Sonnenuntergänge und die fantastischen Menschen, die man hier trifft, wie soll man das in Worte fassen? Deshalb ist es meine Aufgabe, alles so einseitig schlecht darzustellen, wie es mir nur möglich ist. Mir bleibt quasi nichts anderes übrig. Aber die Full Moon Party, die hat den Vogel abgeschossen. Wir sind für einen Visa Run nach Malaysien gefahren und werden morgen wieder zurück nach Koh Tao reisen, wo ich vier Tage lang unter Wasser statt über meinen Frust loswerde. Aber auf jeden Fall pinkel ich noch mal in Richtung Koh Panghan und freue mich jetzt schon darauf mir in 5 Jahren die Kugel zu geben weil ich den Weltschmerz, den ich dort aufgesaugt habe, bis dahin wahrscheinlich nicht mehr loswerde.

By the way, sollte es jemand doch noch mal nach Koh Panghan wagen ohne unbedingt die Full Moon Party im Visier zu haben: Haad Yao ist ein wunderschöner Ort zum Sterben. Nur das Schnorcheln fällt aus, da das Korallenriff seid einigen Jahren tot ist dank Verschmutzung. Barbaren!

Und für meine Freunde, denen ich schon lange nicht mehr geschrieben habe: mir geht es gut, aber ich bin so head over heels und so weit weg von allem und vor allem von einer guten Internetverbindung, dass ich kaum noch Zeit finde, mehr zu tun als mich um meine neue Visa Karte zu kümmern. Ich vermisse euch, und ich hoffe, es geht euch gut.

 
 

Vang Vieng – My Party

Veröffentlicht October 23, 2010

Ich würde gerne davon berichten, wir wir heute tuben waren, uns danach Joints und Happy Shakes rektal einführten und glücklich im Sonnenlicht dem Hedonismus fröhnten um dann im Siffwasser von Vang Vieng mit fremden Menschen Liebe zu machen. Stattdessen berichte ich euch lieber davon, wie es mir geht. Man kann es mit einem “mittel bis DU VERDAMMTER HURENSOHN VON KÖRPER” zusammenfassen. Seit gestern tun mir die Glieder furchtbar weh, und ich empfinde nichts außer Übelkeit. Ich kann mich kaum bewegen, aber schlafen kann ich auch nicht. Wir liegen hier in der Chill-Out Area unseres Guesthouse und lassen uns mit Family Guy berieseln, und immer, wenn der Fleischgeruch der gegenüberliegenden Ad-Hoc Grillerei rübergeweht wird, muss ich würgen.

In Chiang Mai haben wir einen Hund erbrechen sehen. Er lief neben uns her, machte langsam halt, und ließ weißen Schaum aus seinem Mund hinauslaufen. Kein großes Würgen, kein Maulen, nichts. Ich habe noch nie in meinem Leben – weder Mensch noch Tier – jemanden so resigniert kotzen sehen. Und so weit ist es jetzt auch mit mir. Ich würde wohl glücklich und zufrieden in meiner eigenen, breiigen Lache vor mich hin zittern.

Jedenfalls ist Vang Vieng wohl von Satan höchstpersönlich geschaffen worden. Hier vegetieren alle Touristen zombiemäßig in den Lobbies ihrer Gästehäuser, wo nur Family Guy oder Friends läuft, rauchen ihr Weed oder Opium und lassen es sich gut gehen. Viele müssen leider aber auch ihr Leben hier lassen, weil sie so bescheuert sind, volldruff oder druckbetankt in den Sifffluss zu springen. Traurig, traurig. Wir haben, während wir rumleichen, nicht viele Touristen getroffen, deshalb kann ich mich noch nicht zu sehr über diese mallorcaartigen Zustände beschweren. Aber glaubt mir, die Motzerei wird noch kommen (aber erst nach der Party, mich endlich wieder herablassend über polohemdentragende Spastitouristen aus England und Amerika zu beschweren lasse ich mir hier mit sicherheit nicht entgehen).

In der Zwischenzeit bin ich ja glücklicherweise nicht alleine. Mein Mitreisender, JJ, hat seit gestern Denguefieber-Symptome. Wir waren im Krankenhaus und haben ihn durchchecken lassen, aber es wäre wohl noch zu früh, um hektisch nach Bangkok abzureisen. Deshalb werden wir heute noch abwarten, was sein Fieber so zu berichten hat. Allerdings wird mit Sicherheit keiner von uns Vang Vieng verlassen, denn wenn wir wirklich wegen ihm nach BKK zurück müssen, bringe ich ihn einfach um und mache weiter.

Für so viel Partystimmung habe ich sogar auf der Horrorbusfahrt von Chiang Khong nach Luang Prabang (kommt noch) ein passendes Mixtape zusammengestellt. Mal sehen, wann ich das endlich auspacken darf. Und wer die Songs dazu online findet bzw. die entsprechenden YouTube Videos, darf sie gerne in den Kommentaren posten, ich kann hier nämlich nada hochladen und YouTube reagiert hier fast nicht..

3 6 Mafia – I’d Rather (Arthur King Remix)
Prince – Erotic City (Morsy Mix)
Telephoned – Pop Champagne
Major Lazer – Keep It Going Louder
Gucci Mane – Break Yourself (Diplo Remix)
Too Short – Blow The Whistle
The Dream – I Luv Your Girl (Morsy Mix)
M.I.A. – U.R.A.Q.T (Konrad Remix)
M.I.A. – Death To The Throne
Cidinho e Doca – Cidade de Deus
Laura Branigan – Self Control
Shannon – Let The Music Play
Oh Snap! – I’m Too Fat To Be A Hipster
Spank Rock – Loose (ft. Amanda Blank)

Ach ja, und Fotos gibt es auch nicht. Suck on it, faggot.

 
 

Robert Johnson

Veröffentlicht September 29, 2010

Es gibt eine Sache, die kann Offenbach besser als Berlin. Einer geht noch vor der Reise.

(via)

 
 

leave my body

Veröffentlicht September 13, 2010

Der Nachteil am Chaos findet sich dann in den vergessenen, liegengelassenen, völlig unterschätzten Dingen. Wie etwa: oh nein, der Akku meines iPods ist leer. Oder: mein Feedreader platzt. Oder: 10 Stunden Schlaf in 72 Stunden, eine dicke Nasennebenhöhlenentzündung und Ausbruch des dritten Weltkrieges in meinem Gesicht machen wir irgendwie einen Strich durch die Partyrechnung.

Es beginnt nun meine letzte und wahrscheinlich sowohl stressigste als auch schönste Woche in Berlin, nachdem schon einige schöne und stressige und vor allem sehr bizarre/surreale Wochen vergangen sind. Offiziell nun das erste Mal, seitdem ich in den Kindergarten gekommen bin, nicht mehr an irgendetwas gebunden. Keine Schule, kein Studium, keine Arbeit, kein Hartz4, kein schweren Krankheiten, keine sonstigen Abhängigkeiten. Das erste Mal wirklich frei, und ich liege mit einer fetten Packung Schleim im Gesicht flach rum. Meine Augen tränen, meine Haut juckt, meine Lippen brennen und meine Nase wurde wie mit Schleifpapier zu einem unförmig aufgequollenen Stopfobjekt geformt.

Aber bis jetzt hat sich das alles immerhin gelohnt. Danke auch an Michi Mayer, der maßgeblich an meiner wiedergefundenen Lust auf lange Clubnächte beteiligt war.

leave my body · Kategorien: Realwelt · 2 Kommentare
 
 

Tourist

Veröffentlicht September 6, 2010

Der Geruch von frischgebackenen Muffins in meiner Nase. Sonne, die auf meine müden Glieder scheint, Gras kitzelnd im Nacken. Konfetti in der Luft; Konfetti auf dem Boden; es glitzert. Ich schwimme in einem bunten Meer, jeder einzelne Fetzen Papier ein Puzzlestück der Wärme die durch mich fließt.

Käse, der von der Pizza auf meine Hose heruntertropft. Die Konsi stimmt halt. Blaulichter vor dem Fenster. In meinem Ohr bekannte Klänge, der Hals kratzt, der Drink leer, die Asche an den Lippen. Der Geruch von Schweiß und Bier und Zigaretten in den Haaren und Staub unter den Fingernägeln. Ein knarzendes Bett, kichern, Achterbahn im Treppenhaus fahren und sich für einen Topf bedanken.

Zuckerguss überall und T-Shirts für einen Euro und Halloumi (viel zu trocken). Geruch von Strand und Meer schon in der Nase. Goldene Schlüssel und abgeschraubte Türgriffe. Eine wunderschöne, autistische Tasche, die viel zu teuer und doch perfekt ist. Flaschen die zerbersten, aber es ist mir egal; ich schwimme in einem Meer voller Liebe und Glückseligkeit und lache und lehne mich zurück und nehme einen Zug der mich in die Unendlichkeit der vielen Realitäten eines einzigen Lebens katapultiert.

Ich bin ein Tourist in diesem Raum der von Glück und Zufriedenheit gedehnt ist; eine Reise folgt der anderen, mit Plänen, die in Hinterhöfen geschmiedet werden und Küssen und Umarmungen und Grenzenlosigkeiten. Songs, die uns immer wieder an diesen Ort zurückbringen werden- jeden 5. September vielleicht – eine einzige Stadt; wir leben nicht in ihr, wir erleben sie. Wir bringen sie zum Leben. Die Welt und jedes Gesicht in ihr befindet sich in unserer Seifenblase und wir müssten unsere Zimmer nicht einmal verlassen und hätten trotzdem alles gesehen und erlebt. Es ist absurd, beängstigend und befreiend, so lächerlich, so unbekümmert; wie Kinder, die sich gegenseitig Geschichten aus ihren Reisememoiren vorlesen, Tagebücher voller Entdeckungen und Erfahrungen die wir teilen, jeder Tag ein Ausflug, egal ob wir im Flugzeug, im Stadtbus oder auf unseren Fahrrädern sitzen. Jede Wand bemalt mit unseren Namen und vielen kleinen Herzchen und Ausrufezeichen, aber eigentlich ist es völlig egal, ob das jemals jemand sieht; wir waren hier. Wir werden uns für immer daran erinnern.

Und plötzlich ist alles so einfach, wenn es mich mitten in der Nacht so erschlägt, und ich weiß, ich weiß auf einmal: bei euch bin ich nicht nur ein Tourist; ihr seid nicht nur eine Station. Ihr seid mein Heimathafen. Ich möchte zurückspulen und dem Typen im Fernsehen erklären dass er aufpassen muss, denn das ist Glück. Und das kann ganz schnell an einem vorbeirasen. Ich will euch alle wecken und euch erzählen was ich empfinde, aber dann lege ich mich beruhigt zurück. Ihr wisst das doch schon.

Ich war hier.

Tourist · Kategorien: Berlin Realwelt · 11 Kommentare
 
 

Any Given Saturday

Veröffentlicht August 16, 2010

Man möchte meinen, dass man sich ja irgendwann mal von Berlin auch langweilt und raus möchte und so weiter, aber je nächer mein Abflugdatum rückt, desto eher frage ich mich, wieso ich diese Stadt eigentlich je verlassen wollte. Mittlerweile rede ich mir ein, dass ich unbedingt gehen muss, damit ich es bei meiner Rückkehr auf jeden Fall noch doppelt genießen werde.

Mit genießen meine ich unter anderem Spasti Aktionen von irgendwelchen Expats die die Berliner Öffis huldigen möchten und einen Contest für die Miss U-Bahn 2010 machen, wo so ziemlich alles (inklusive Wetter) schief läuft und man mit einem Gefühl von “WTF IS THIS SHIT” zurück bleibt. Großartig im Mittelpunkt waren vor allem die Fotografen, die wahrscheinlich von jedem noch so kleinem Presseblättchen der Stadt ausgesandt wurden um dieses Happening für immer und ewig festzuhalten. Was auch gut so ist, denn (ein Teufelskreis!), wenn man da war, hat man ja sowieso nix gesehen, also muss man sich am Ende Videos und Bilder angucken. So machen diese Pappnasen also ihre Kohle ((und ich war wirklich froh, nur meine kleine Kamera mitgenommen zu haben, so konnte ich mich nämlich voller Inbrunst über diesen Medienmissbrauch lustig machen ohne direkt dazu zu gehören. Heuchlerisch, aber gutanfühlend)).

Und dann gibt’s auch so Boote auf der Spree, von denen man den absolut wunderschönsten Ausblick hat, und sich von absolut unschlagbarer Achtziger Jahre Mukke berieseln lassen kann. Ein Tag, an dem man sich einfach partout nicht ernst nehmen kann oder will, hat das prädikat “perfekt” verdient. Kommt nicht oft vor. Umso besser.

Any Given Saturday · Kategorien: Berlin Realwelt · Comments Off
 
 

Lucky Strikes Back

Veröffentlicht June 13, 2010

photo by Valentin Ottone

Clean sein. Kein Hämmern mehr, kein Tinnitus mehr. Kein atomarer Mundgeruch mehr. Die Hände riechen nicht so, als hätte man einen Aschenbecher gefingert. Die Haare stinken nicht. Die Klamotten müssen nicht gewaschen werden. Keine Dehydrierung. Keine Halsschmerzen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich noch nie physisch so wohlgefühlt habe (mal abgesehen von dem Schwabbelwabbel am Bauch, der zehn Minuten nach einem Anstoß noch für Nachbeben sorgen kann). Ich bin fit, man. Ich bin so fit, ich tanz’ nachts um drei hauptsächlich mit schnuckeligen schwulen Butterschnitten noch zu Apparat und laufe fast komplett von Kulturbrauerei bis Reinickendorferstraße, weil ich keine Lust habe auf die U-Bahn zu warten – und auch nicht zu betrunken bin, und nicht tot hinfalle, wenn ich es versuche. Und auf dem Weg durch den frühen morgen ist es auch nicht schlimm daran zu denken, dass ich am nächsten Tag wieder arbeiten muss, mit 21 kann man schon mal nur zwei Stunden pennen und trotzdem gut drauf sein (das wusste ich nicht, ich hab mit sechzehn schon geglaubt, ich wäre alt).

Die ersten Vögel geben den Takt zu den Beat aus meinen Kopfhörern und die ersten Sonnenstrahlen bewandern die Straßen (so, dass sogar die potthässliche BND-Baustelle irgendwie romantisch aussieht). Ich nicke und singe laut mit zu den Songs in meiner Playlist weil niemand da ist, den das stören könnte (bis auf die zwei, die am Fenster standen und mir entsetzt zugesehen haben, bis ich sie bemerkte und mich erschreckte und lachte und weinend wegrannte).

Das Verlangen ist nicht mehr da. Die Gewohnheit ist nicht mehr da. Vierzehn Tage! Und nicht einmal habe ich überhaupt mit dem Gedanken gespielt. Es ist einfach… weg. Wie kam das? Ich weiß es nicht. Fast drei Jahre habe ich versucht, es loszuwerden. Zum 10. Tag wachte ich nachts weinend und schwitzend und schreiend auf, und habe meine Fäuste ins Kissen geschlagen, weil ich dachte, ich hätte geraucht. Ich hasste mich. Ich habe nicht verstanden, wieso ich jetzt geraucht hatte. Aber das war nur ein böser Traum gewesen.

Seitdem will ich einfach nur noch tanzen und vielleicht einen Marathon laufen (und vor allem möchte ich viel Zucker und Fett in mich hineinschaufeln). Wenn man bei Flickr nach Raucherthemen sucht, kommen meist Frauen zum Vorschein, die ein sexy-verrucht rebellisches Image verkörpern wollen/sollen. Falten, Husten und grüne dicke Brocken rausschleimen sind irgendwie nicht sexy. Stinken auch nicht. Wenn man damit verführerisch aussehen will, darf man halt nicht mehr als 2-3 Zigaretten pro Jahr rauchen. Viel Glück dabei, ich bin raus.

 
 

Straight Edge

Veröffentlicht June 3, 2010

Nach einem ernüchternden Blick auf meinen Kontoauszug am ersten des Monats, nachdem meine Lunge nur noch rotgrüne Schleimbrocken fabrizierte und das Kopfkissen von einer dicken Schicht meiner vornächtlichen Magensäure überzogen war, wusste ich, dass das schöne Leben als unbesiegbares Stück Jugendfleisch vorbei war. Es summierte sich langsam, aber mit tragendem Fortschritt. In den letzten Wochen waren die Symptome meines leichtsinnigen Lebens nicht mehr zu ignorieren.

via Chris.Jeriko

Ich bin in den kalten Monaten wieder regelrecht aufgequollen. Die Speckebene, die sich um meinen Körper gelegt hat, droht zum allesfressendem, lebendem Tier zu mutieren. Meine Haut sieht aus wie ein Mienengraben in Sarajewo. Ich schmecke ohne Glutamat nicht mehr. Harte Wahrheit: ich bin klinisch tot. Und deshalb muss sich in meinem Leben etwas grundlegend ändern.
[Weiterlesen]

 
 

STT BD

Veröffentlicht May 30, 2010

“Ich würde das hier alles am liebsten aufnehmen. Nicht für mich – ich werde das nie vergessen – sondern für die ganzen Leute zu Hause. Ich will ihnen zeigen, dass es das hier wirklich gibt, dass es nicht nur Legenden sind. Das hier ist Berlin, und das hier gibt es nur in Berlin.”

Natürlich tun wir es nicht. Erstens fehlt uns das Equipment, um soetwas auch nur ansatzweise realitätsnah festzuhalten. Es ist zu dunkel. Die Musik nicht auf Video greifbar. Unmöglich. Dazu noch: nicht teilhaben, nur observieren, um es später greifen zu können- den Moment ziehen lassen? Nein. Und dennoch: ein bisschen sticht es. Wie erzählen wir davon, wenn es vorbei ist? Ohne die Bilder- ohne den optischen und akustischen Eindruck? Und wem erklären wir, wie unfassbar die Location war, wie aufwendig die Vorbereitung, wie fantastisch die Musik, wie groß und vollkommen der Abend und wie es sich angefühlt hat, in den Sonnenschein des Wedding herauszutreten und Arm in Arm wankend die frische Morgenbrise auf der Haut zu spüren? Wer will uns zuhören, ohne es sehen zu können?
[Weiterlesen]

 
 
« Previous ·
© Copyright 2009-2011 dragstripgirl · All rights reserved