Creepy 2012, Crispy 2013

Dinge, die ich Ende 2012 nicht gemacht habe: Jahresrückblicke, wildes Feiern, im Schnee ersticken. Das hat sich zur Abwechslung mal gut angefühlt. Diesmal machen wir nämlich folgendes: Jahresvorblicke. Stimmt einen ja auch positiver. Die meisten Leute unterschätzen ja, wie sehr sie sich in der Zukunft verändern. You Won’t Be The Person You Expect To Be. Das ist der Wahnsinn, Leute: wir denken, nur weil wir aus der Vergangenheit “gelernt” haben oder mit einem nostalgischen Schmunzeln zurückblicken können, können wir unser Selbst in die Zukunft transportieren.

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January 7th, 2013 Posted in Crystal Meth | 5 Comments »

Akute Lebensmittelvergiftung 2012

Das Leben rauscht an mir wie ein D-Zug vorbei, aber zur Silvesternacht hatte ich die einmalige Gelegenheit, einmal in Ruhe durchzuatmen und meine konstruierte Welt von oben zu betrachten. Genauer gesagt: ich saß auf einem Bett im Urbankrankenhaus vor dem Panoramaausblick und starrte auf den Himmel von Schöneberg, während die Stadt in einem tosenden Feuerwerksinferno erleuchtet wurde. Es war ein sehr fightclubesquer Moment. Das war so ein Augenblick, bei dem ich immer von dieser Überzeugung eingeholt werde, dass er von besonderem symbolischen Wert sein muss, ich diesen symbolischen Wert aber noch nicht so richtig erkannt habe. Trotzdem: in dieser kurzen Minute der totalen Hingebung für Zeit und Raum sauge ich die Bilder und Geräusche auf wie ein ausgedörrter Schwamm und setze die interpretativen Teile für mich später zusammen. Bisher hatte ich mit dieser Strategie noch nie Erfolg, denn auch in Retrospektive sind meine persönlichen, bedeutungstragenden Momente nie so richtig transparent.

Schon wieder war alles anders gekommen als gedacht. Schon wieder hatte ich Pläne, das Leben, sogar meine zukünftigen Gedanken und Taten in Stein gemeißelt und wurde anschließend von der Realitätsdampfwalze eingeholt: dein Leben kann nicht nur aus To-Do Listen bestehen, aus sorgfältig gepflegten Kalendereinträgen, aus unvergessenen Geburtstagen, aus behutsam ausgewählten Argumenten, aus rationalen Überlegungen und vernünftigen Entscheidungen. Die Realität will nämlich Platz, der nicht von dem strukturierten Netz der Sicherheit eingenommen werden sollte, sonst wird dieses Netz nämlich trotz aller Mühe beim Aufbau gnadenlos zerrissen und Realität macht es sich sowieso bequem. Ich kann also machen, was ich will: nicht das Unerwartete ist das Problem, sondern mein Umgang mit dem Unerwarteten. Mein Gesicht kann sich keine Stresspickel mehr leisten. Ich kann mir keine Versicherungen mehr leisten. Ich kann es mir nicht mehr leisten, mich an den weltlichen Aufgaben des Erwachsenwerdens zu zermürben. Jedes Mal, wenn es so weit war, habe ich Entschlüsse gefasst, die doofen Sachen alle abzubrechen “und endlich das zu tun, was ich wirklich tun will”, sprich: Job kündigen, Weltreise machen. Oder Job kündigen, Studium aufnehmen. Und dann noch mal kleinteiliger. Aber am Ende des Tages komme ich trotzdem an den Punkt der Überforderung, an dem ich mich frage:

Warum habe ich so viel Angst davor, zu schnell in die Kurve zu gehen in der Autobahnauffahrt, und was ist bitte so schlimm daran, wenn ein Plan nicht aufgeht? Sicherheiten sind Trugschlüsse. 2012 muss ich hart auf die Fresse fallen, um vielleicht endlich zu verstehen, dass es nicht so schlimm ist, wie ich dachte.

January 4th, 2012 Posted in Gangster | 2 Comments »

punktpunktpunkt

photo by the duckduckcollective, from "Americana II"

Wir haben alle Uhren, die wir finden konnten, rückwärtsgedreht. Haben gegenwärtige Impulse an Lunten angezündet und die Streichhölzer danach ausgeblasen. Wir haben von ‚Morgen‘ geredet und ‚Gestern‘ gemeint. Haben falsche Fährten für das Outro gelegt. Haben das Repeat rücksichtslos, aber gutgemeint in die Logik installiert und das Warten mit Hoffen ausgewechselt. Wir wollen nichts sagen, nur halten, auftürmen, alles in unsere Taschen stecken und für uns behalten. Wir haben Luftschlösser mit Granit angedeutet, Fenster in dunkle, feuchte Keller gebaut. Wir haben ‚auf leisen Sohlen gehen‘ gelernt und sind rückwärts geschlichen. Wir haben nachts das Licht angemacht und tagsüber die Augen geschlossen. Ja, du hast recht, wir lassen einfach nichts unversucht

- danke, bisaz

September 28th, 2010 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off

Horcrux

Obwohl ich schon immer wusste dass ich nach der Schule weggehen würde – weil ich alles und jeden hasste und nie richtige Freunde und Zusammenhalt fand – war es kurz vor meinem Umzug nach Berlin doch nicht so einfach. Plötzlich hatte ich einen Freundeskreis, plötzlich war es auch gut, zu Hause zu sein. Nachdem meine damals beste Freundin von unserem Plan absprang und ich mich auf einmal völlig alleine in dieser riesigen und beeindruckenden Stadt befand, war es so als hätte mir das Schicksal einen Streich spielen wollen. Es hat lange gedauert, bis ich darüber hinwegkam. Und jetzt, wo ich endlich angekommen bin, reise ich wieder aus in die weite Welt.

Vielleicht brauche ich das, damit dieser befürchtete Stillstand nie einsetzt, der mich geistig völlig lähmt; vielleicht ist das jetzt auch nur so weil ich jung bin und Entscheidungen treffe, die ich nicht richtig einschätzen kann. Ich nehme keine dieser Entscheidungen zurück: auch wenn es hart war, Berlin hat mir nicht nur gut getan sondern mein Wesen regelrecht verändert. Und auch wenn es jetzt erst mal hart wird, mein endlich, ENDLICH geschmücktes und vorbereitetes Nest zu verlassen, wird auch die Reise gut, keine Frage.

Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, meine Seele gerade ein bisschen aufzusplitten und meine Horcruxe in der Welt zu verteilen. Niemals richtig zum Atem gekommen sein. Nie wissen, wo ich nächstes Jahr bin – und obwohl ich das genau SO will, macht es mich auch völlig verrückt. Ich fange ja jetzt schon an zu planen, was nach der Reise ist, obwohl ich noch hier bin. Gleichzeitig möchte ich nichts darüber wissen, so verwirrend das klingen mag. Ich provoziere das geplante Chaos. Es wirkt verzerrt und kompliziert und auswegslos, aber für mich ist es ganz klar konstruiert und kontrolliert. Ich warte auf den Tag, an dem ich unerwartet, unbewusst stolpere und so tief falle und hart aufpralle wie noch nie in meinem Leben.

Diese Entscheidungen waren aus der Flucht heraus geboren; sie haben mich befreit, jedes Mal wieder haben sie mein Leben besser gemacht. Aber nicht, weil ich gegangen bin, sondern weil ich mir bewusst geworden bin, dass ich gehen kann wenn ich will. Vielleicht ist es auch das, was mich in dieser ganzen Beziehungswelt so aufhält, diese langen Strecken, aus denen man eben nicht mehr flüchten kann sobald man sich darauf eingelassen hat. Diese augenscheinliche Bewegungslosigkeit, der einem den Wind aus den Segeln nehmen will- ein anderes Leben zu führen, dass einen dazu zwingt, einen anderen Weg zu wählen, vielleicht sogar ein anderes Ziel. Einer der nicht schlechter ist, sondern anders und gefestigter. Wie soll man noch flüchten, wenn man die Verantwortung einer Familie oder eines Menschen auf den Schultern trägt? Wenn man gar keinen Grund hat zu flüchten und es trotzdem tut, um seine Seele zu beruhigen, so lächerlich es klingt? Und dabei tun wir gerade nichts lieber als in der Vergangenheit und in unserer Kindheit herumzuwühlen um vielleicht eines Tages ein bisschen zu verstehen, woher unsere Angst eigentlich rührt.

Ich und alle anderen sagen auch immer “du bist so jung”, aber so jung fühle ich mich gar nicht mehr. Es liegt alles vor mir, jede Möglichkeit mein Leben zu gestalten, und ich entscheide mich bewusst gegen Commitment, egal ob es um Arbeit, um Freundschaften, um Beziehungen, um Familie geht. Vielleicht komme ich davon eines Tages weg. Aber die traurige Wahrheit ist: ich wäre nicht die erste, die es nicht schafft. Ich sehe mich selbst in zehn Jahren an der selben Stelle herumtreten wie jetzt, wo man es noch entschuldigen kann, und der chaotischen, nie festgelegten Unendlichkeit hinterherrennen ohne jemals eine richtige Berechnung angestellt zu haben, ohne mal angehalten und nach dem Weg gefragt zu haben: im Alleingang, Top-Speed, mit flüchtigen Bekanntschaften und einem Hustenanfall auf halber Strecke.

Und in zehn Jahren immer noch alleine und festgebunden an meine “Freiheit”. Genauso festgebunden wie man in einer Beziehung wäre; nur einsamer.

Wie es sich anfühlt.

August 23rd, 2010 Posted in Crystal Meth | 4 Comments »

Bewusstsein/slos

Ich habe keine Ahnung von Ernährung, ich habe nie hinterfragt, wieso es Menschen gibt, die sich vegan oder vegetarisch ernähren. Ich wusste bis gestern nicht wer Christoph Schlingensief ist und um ehrlich zu sein weiß ich jetzt immer noch nicht und ein bisschen ist es mir auch egal. Die Geschichte von Berlin ist ein unaufgeschlagenes Kapitel für mich, besetzte Häuser, die Entwicklung der Stadt, die Menschen die in ihnen und in der Stadt leben oder gelebt haben. Politische Auseinandersetzungen, links gegen rechts, Antifa, Neonazis, Demonstrationen: willkommen in eine neue Welt, die außerhalb deines Blickfeldes stattfindet. Ich kann nicht alles wissen, aber nicht nur das, ich weiß anscheinend gar nichts.

Zwei Jahre lang arbeiten in einer Videothek und alles, was ich mitgenommen habe, ist oberflächliches Wissen. Zwei Jahre lang im Online Marketing gearbeitet und nicht mal in der Nische groß geworden. Dreihundertfünfzig Blogs später und ich habe immer noch nicht die Muse, ein richtiges Buch zu schreiben, richtige Geschichten zu formulieren.

Fotografie, Skaten, Graffiti, Filme, Musik; unendlich viele Hobbies angebrochen und nie etwas fertig gebracht. Das Bewusstsein nie für Dinge entwickelt, die um meine Seifenblase herum passiert. Mich nie auf irgendetwas festgelegt, eine saftige Portion Halbwissen und Halbgemeinbildung, die für Konversationen mit der Peer Group reichen, bei Konversationen mit gebildeten Menschen allerdings auf Belustigung stoßen.

Alles und nichts können und wissen scheint auch ein exklusiv auf mich zugeschnittenes Talent zu sein.

August 22nd, 2010 Posted in Gangster | 12 Comments »

We Own The Sky

Aber die Wahrheit ist dass ich hier weg muss, erst mal, um mein eigenes Ding zu finden. Um mich nicht ständig neuen Eindrücken so hinzugeben, dass ich in ihnen aufgehen und explodieren möchte. Ich muss die Einsamkeit über mich schwappen lassen, auch in der Angst, alles zu verlieren was noch im Wachsstum steckt. Ob es dumm ist, das frage ich mich, aber es ist völlig irrelevant.

Ich muss hier weg und Dinge denken, die wichtig sind- ich muss hier weg um mir einzugestehen, dass ich durchaus Schmerz empfinde, ich muss hier weg und mitbekommen, dass die Welt trotzdem weiter geht, auch ohne mich, oder gerade ohne mich. Ich muss lernen wie ich mich selbst beherrschen kann ohne bei jeder Niederlage direkt zusammenzubrechen, nicht mehr zu funktionieren.

Weg, vielleicht auch, um nicht mehr funktionieren zu müssen. Nicht weg vor allen anderen, sondern auch weg von mir selbst, diesem Bild, was ich von mir habe, was ich hier gemalt habe, um neu anzufangen. Dabei habe ich nie neu angefangen, sondern die Vergangenheit umgangen und gelogen. Hier ist sie, die nächste Chance; vielleicht auch die letzte.

August 10th, 2010 Posted in Crystal Meth | 2 Comments »

Mommy

My mom is more beautiful than your mom. Suck on it.

Mommy

Auf dem Foto ist sie etwas jünger als ich heute, wahrscheinlich kurz vor der Hochzeit. Ich liebe dieses Foto, weil meine Mom schon damals fett Style hatte und mich daran erinnert, dass sich wohl in dreißig Jahren immer noch cooler anziehen wird als ich. Meh.

October 26th, 2009 Posted in Uncategorized | 11 Comments »