"Girl gone wide."


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Dinge, die ich Ende 2012 nicht gemacht habe: Jahresrückblicke, wildes Feiern, im Schnee ersticken. Das hat sich zur Abwechslung mal gut angefühlt. Diesmal machen wir nämlich folgendes: Jahresvorblicke. Stimmt einen ja auch positiver. Die meisten Leute unterschätzen ja, wie sehr sie sich in der Zukunft verändern. You Won’t Be The Person You Expect To Be. Das ist der Wahnsinn, Leute: wir denken, nur weil wir aus der Vergangenheit “gelernt” haben oder mit einem nostalgischen Schmunzeln zurückblicken können, können wir unser Selbst in die Zukunft transportieren.

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by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Das Leben rauscht an mir wie ein D-Zug vorbei, aber zur Silvesternacht hatte ich die einmalige Gelegenheit, einmal in Ruhe durchzuatmen und meine konstruierte Welt von oben zu betrachten. Genauer gesagt: ich saß auf einem Bett im Urbankrankenhaus vor dem Panoramaausblick und starrte auf den Himmel von Schöneberg, während die Stadt in einem tosenden Feuerwerksinferno erleuchtet wurde. Es war ein sehr fightclubesquer Moment. Das war so ein Augenblick, bei dem ich immer von dieser Überzeugung eingeholt werde, dass er von besonderem symbolischen Wert sein muss, ich diesen symbolischen Wert aber noch nicht so richtig erkannt habe. Trotzdem: in dieser kurzen Minute der totalen Hingebung für Zeit und Raum sauge ich die Bilder und Geräusche auf wie ein ausgedörrter Schwamm und setze die interpretativen Teile für mich später zusammen. Bisher hatte ich mit dieser Strategie noch nie Erfolg, denn auch in Retrospektive sind meine persönlichen, bedeutungstragenden Momente nie so richtig transparent.

Schon wieder war alles anders gekommen als gedacht. Schon wieder hatte ich Pläne, das Leben, sogar meine zukünftigen Gedanken und Taten in Stein gemeißelt und wurde anschließend von der Realitätsdampfwalze eingeholt: dein Leben kann nicht nur aus To-Do Listen bestehen, aus sorgfältig gepflegten Kalendereinträgen, aus unvergessenen Geburtstagen, aus behutsam ausgewählten Argumenten, aus rationalen Überlegungen und vernünftigen Entscheidungen. Die Realität will nämlich Platz, der nicht von dem strukturierten Netz der Sicherheit eingenommen werden sollte, sonst wird dieses Netz nämlich trotz aller Mühe beim Aufbau gnadenlos zerrissen und Realität macht es sich sowieso bequem. Ich kann also machen, was ich will: nicht das Unerwartete ist das Problem, sondern mein Umgang mit dem Unerwarteten. Mein Gesicht kann sich keine Stresspickel mehr leisten. Ich kann mir keine Versicherungen mehr leisten. Ich kann es mir nicht mehr leisten, mich an den weltlichen Aufgaben des Erwachsenwerdens zu zermürben. Jedes Mal, wenn es so weit war, habe ich Entschlüsse gefasst, die doofen Sachen alle abzubrechen “und endlich das zu tun, was ich wirklich tun will”, sprich: Job kündigen, Weltreise machen. Oder Job kündigen, Studium aufnehmen. Und dann noch mal kleinteiliger. Aber am Ende des Tages komme ich trotzdem an den Punkt der Überforderung, an dem ich mich frage:

Warum habe ich so viel Angst davor, zu schnell in die Kurve zu gehen in der Autobahnauffahrt, und was ist bitte so schlimm daran, wenn ein Plan nicht aufgeht? Sicherheiten sind Trugschlüsse. 2012 muss ich hart auf die Fresse fallen, um vielleicht endlich zu verstehen, dass es nicht so schlimm ist, wie ich dachte.

by yeahs in Gangster


photo by the duckduckcollective, from "Americana II"

Wir haben alle Uhren, die wir finden konnten, rückwärtsgedreht. Haben gegenwärtige Impulse an Lunten angezündet und die Streichhölzer danach ausgeblasen. Wir haben von ‚Morgen‘ geredet und ‚Gestern‘ gemeint. Haben falsche Fährten für das Outro gelegt. Haben das Repeat rücksichtslos, aber gutgemeint in die Logik installiert und das Warten mit Hoffen ausgewechselt. Wir wollen nichts sagen, nur halten, auftürmen, alles in unsere Taschen stecken und für uns behalten. Wir haben Luftschlösser mit Granit angedeutet, Fenster in dunkle, feuchte Keller gebaut. Wir haben ‚auf leisen Sohlen gehen‘ gelernt und sind rückwärts geschlichen. Wir haben nachts das Licht angemacht und tagsüber die Augen geschlossen. Ja, du hast recht, wir lassen einfach nichts unversucht

- danke, bisaz

by yeahs in (Pop)Kultur

Obwohl ich schon immer wusste dass ich nach der Schule weggehen würde – weil ich alles und jeden hasste und nie richtige Freunde und Zusammenhalt fand – war es kurz vor meinem Umzug nach Berlin doch nicht so einfach. Plötzlich hatte ich einen Freundeskreis, plötzlich war es auch gut, zu Hause zu sein. Nachdem meine damals beste Freundin von unserem Plan absprang und ich mich auf einmal völlig alleine in dieser riesigen und beeindruckenden Stadt befand, war es so als hätte mir das Schicksal einen Streich spielen wollen. Es hat lange gedauert, bis ich darüber hinwegkam. Und jetzt, wo ich endlich angekommen bin, reise ich wieder aus in die weite Welt.

Vielleicht brauche ich das, damit dieser befürchtete Stillstand nie einsetzt, der mich geistig völlig lähmt; vielleicht ist das jetzt auch nur so weil ich jung bin und Entscheidungen treffe, die ich nicht richtig einschätzen kann. Ich nehme keine dieser Entscheidungen zurück: auch wenn es hart war, Berlin hat mir nicht nur gut getan sondern mein Wesen regelrecht verändert. Und auch wenn es jetzt erst mal hart wird, mein endlich, ENDLICH geschmücktes und vorbereitetes Nest zu verlassen, wird auch die Reise gut, keine Frage.

Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, meine Seele gerade ein bisschen aufzusplitten und meine Horcruxe in der Welt zu verteilen. Niemals richtig zum Atem gekommen sein. Nie wissen, wo ich nächstes Jahr bin – und obwohl ich das genau SO will, macht es mich auch völlig verrückt. Ich fange ja jetzt schon an zu planen, was nach der Reise ist, obwohl ich noch hier bin. Gleichzeitig möchte ich nichts darüber wissen, so verwirrend das klingen mag. Ich provoziere das geplante Chaos. Es wirkt verzerrt und kompliziert und auswegslos, aber für mich ist es ganz klar konstruiert und kontrolliert. Ich warte auf den Tag, an dem ich unerwartet, unbewusst stolpere und so tief falle und hart aufpralle wie noch nie in meinem Leben.

Diese Entscheidungen waren aus der Flucht heraus geboren; sie haben mich befreit, jedes Mal wieder haben sie mein Leben besser gemacht. Aber nicht, weil ich gegangen bin, sondern weil ich mir bewusst geworden bin, dass ich gehen kann wenn ich will. Vielleicht ist es auch das, was mich in dieser ganzen Beziehungswelt so aufhält, diese langen Strecken, aus denen man eben nicht mehr flüchten kann sobald man sich darauf eingelassen hat. Diese augenscheinliche Bewegungslosigkeit, der einem den Wind aus den Segeln nehmen will- ein anderes Leben zu führen, dass einen dazu zwingt, einen anderen Weg zu wählen, vielleicht sogar ein anderes Ziel. Einer der nicht schlechter ist, sondern anders und gefestigter. Wie soll man noch flüchten, wenn man die Verantwortung einer Familie oder eines Menschen auf den Schultern trägt? Wenn man gar keinen Grund hat zu flüchten und es trotzdem tut, um seine Seele zu beruhigen, so lächerlich es klingt? Und dabei tun wir gerade nichts lieber als in der Vergangenheit und in unserer Kindheit herumzuwühlen um vielleicht eines Tages ein bisschen zu verstehen, woher unsere Angst eigentlich rührt.

Ich und alle anderen sagen auch immer “du bist so jung”, aber so jung fühle ich mich gar nicht mehr. Es liegt alles vor mir, jede Möglichkeit mein Leben zu gestalten, und ich entscheide mich bewusst gegen Commitment, egal ob es um Arbeit, um Freundschaften, um Beziehungen, um Familie geht. Vielleicht komme ich davon eines Tages weg. Aber die traurige Wahrheit ist: ich wäre nicht die erste, die es nicht schafft. Ich sehe mich selbst in zehn Jahren an der selben Stelle herumtreten wie jetzt, wo man es noch entschuldigen kann, und der chaotischen, nie festgelegten Unendlichkeit hinterherrennen ohne jemals eine richtige Berechnung angestellt zu haben, ohne mal angehalten und nach dem Weg gefragt zu haben: im Alleingang, Top-Speed, mit flüchtigen Bekanntschaften und einem Hustenanfall auf halber Strecke.

Und in zehn Jahren immer noch alleine und festgebunden an meine “Freiheit”. Genauso festgebunden wie man in einer Beziehung wäre; nur einsamer.

Wie es sich anfühlt.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Ich habe keine Ahnung von Ernährung, ich habe nie hinterfragt, wieso es Menschen gibt, die sich vegan oder vegetarisch ernähren. Ich wusste bis gestern nicht wer Christoph Schlingensief ist und um ehrlich zu sein weiß ich jetzt immer noch nicht und ein bisschen ist es mir auch egal. Die Geschichte von Berlin ist ein unaufgeschlagenes Kapitel für mich, besetzte Häuser, die Entwicklung der Stadt, die Menschen die in ihnen und in der Stadt leben oder gelebt haben. Politische Auseinandersetzungen, links gegen rechts, Antifa, Neonazis, Demonstrationen: willkommen in eine neue Welt, die außerhalb deines Blickfeldes stattfindet. Ich kann nicht alles wissen, aber nicht nur das, ich weiß anscheinend gar nichts.

Zwei Jahre lang arbeiten in einer Videothek und alles, was ich mitgenommen habe, ist oberflächliches Wissen. Zwei Jahre lang im Online Marketing gearbeitet und nicht mal in der Nische groß geworden. Dreihundertfünfzig Blogs später und ich habe immer noch nicht die Muse, ein richtiges Buch zu schreiben, richtige Geschichten zu formulieren.

Fotografie, Skaten, Graffiti, Filme, Musik; unendlich viele Hobbies angebrochen und nie etwas fertig gebracht. Das Bewusstsein nie für Dinge entwickelt, die um meine Seifenblase herum passiert. Mich nie auf irgendetwas festgelegt, eine saftige Portion Halbwissen und Halbgemeinbildung, die für Konversationen mit der Peer Group reichen, bei Konversationen mit gebildeten Menschen allerdings auf Belustigung stoßen.

Alles und nichts können und wissen scheint auch ein exklusiv auf mich zugeschnittenes Talent zu sein.

by yeahs in Gangster


Aber die Wahrheit ist dass ich hier weg muss, erst mal, um mein eigenes Ding zu finden. Um mich nicht ständig neuen Eindrücken so hinzugeben, dass ich in ihnen aufgehen und explodieren möchte. Ich muss die Einsamkeit über mich schwappen lassen, auch in der Angst, alles zu verlieren was noch im Wachsstum steckt. Ob es dumm ist, das frage ich mich, aber es ist völlig irrelevant.

Ich muss hier weg und Dinge denken, die wichtig sind- ich muss hier weg um mir einzugestehen, dass ich durchaus Schmerz empfinde, ich muss hier weg und mitbekommen, dass die Welt trotzdem weiter geht, auch ohne mich, oder gerade ohne mich. Ich muss lernen wie ich mich selbst beherrschen kann ohne bei jeder Niederlage direkt zusammenzubrechen, nicht mehr zu funktionieren.

Weg, vielleicht auch, um nicht mehr funktionieren zu müssen. Nicht weg vor allen anderen, sondern auch weg von mir selbst, diesem Bild, was ich von mir habe, was ich hier gemalt habe, um neu anzufangen. Dabei habe ich nie neu angefangen, sondern die Vergangenheit umgangen und gelogen. Hier ist sie, die nächste Chance; vielleicht auch die letzte.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich für die Zukunft. Unter dem nötigen Ernst und den Augen seiner persönlichen Umwelt bewegt er sich leichtfüßig und definiert sich.

Er ist das wandelnde Abziehbild eines Menschen, der seinen Ernst, seine Vernunft und seinen Wunsch nach Sicherheit vor sich her spielt wie einen viel zu alten und abgenutzten Ball.

Menschen wie er kommen zwangsläufig an einen Punkt, egal wie alt oder jung sie sein mögen, sich ein paar Fragen zu stellen:

Bin ich so wie ich sein will? Passt das, was ich will, überhaupt zu mir? Bin ich neidisch auf die Menschen, die unbefangen und leichter sind? Ertrage ich es, wenn man mich nicht so sieht, wie ich es schön finde? Bin ich zu ernst? Ist Ernstsein so was wie Erwachsensein oder erwachsener sein? Erwarte ich zu viel von anderen Menschen? Erwarte ich zu viel von mir selber? Sind die Anderen freier als ich? Nur durch ihre Art? Ist schüchtern, ernst oder nachdenklich zu sein etwas, das man im ungesunden Maße praktizieren kann? Reflektiere ich zu viel und dränge andere damit? Was ist Zufriedenheit und was ist Glücklichsein? Sind das Dinge, die man gleichsetzen kann oder unterscheiden sich die Dinge und wenn ja, ist es wichtig, das zu wissen und vielleicht auch ein bisschen darüber nachzudenken? Nur für sich? Messe und vergleiche ich mich zu sehr mit anderen? Leben die Anderen besser, die unbeschwert sind? Bin ich anstrengend, kompliziert oder beides?

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Nur ein kleines bisschen noch“, verspricht er sich, „dann habe ich verstanden, dass ich so bin wie ich bin und dass es nur wichtig ist, meinen wirklichen Freunden nicht fremd zu werden.

Egal wie der Lebensentwurf aussieht, für den man sich entschieden hat, auch wenn das ein Leben ist, das man so nicht erwarten oder geplant hat, es ist da und es bringt nichts weg zu laufen oder sich Freiheiten und Vorstellungen zu erkämpfen, von denen man keine Vorstellungen hat. Nicht wenn man sich da wo man ist, trotz der vielen Zweifel, eigentlich angekommen fühlt. Auch wenn das ein Leben ist, das man unter 20 nie leben wollte.

Wenn es da ist, dann ist es da. Und es gibt immer Möglichkeiten noch woanders zu suchen. Nach Zufriedenheit, nach Glück, nach Irgendwas. Es wird diese Möglichkeiten immer geben. Die einen nutzen diese Möglichkeiten um auszubrechen, neue Wege zu gehen. Welche Gründe solche Menschen auch immer haben, das zu tun. Sie tun es. Und das ist gut.

Kategorien über Kategorien. Sie abzustreiten ist seltsam.

Für beiden Schlag von Menschen, die Unbeschwerten und die Komplizierten gilt, wie ging das Sprichwort doch gleich: „Stärke wächst aus unbeugsamen Willen.

Beide sind auf ihre Art und Weise frei. Manchmal auch zufrieden. Und manchmal auch glücklich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

by B in Crystal Meth State of Mind


Gestern wurde Lars Vilks, der schwedische Künstler, der damals den Propheten Mohammad als Hund gezeichnet hat, in Uppsala von ungezügelten, naja, “Moslems” attackiert. Ich setze das ganz absichtlich in Anführungszeichen, weil die sich maximal selbst als Moslems bezeichnen. Würde ihnen ja doch viel lieber die Bezeichnung “Evolutionsbremsen” geben.

Ich gehe jetzt das große Risiko ein, von allen möglichen Fronten angegriffen zu werden, aber ich habe es satt mich wegen solchen blutpissenden Vollidioten für meine Religion, für meine Kultur und für meine Taten zu rechtfertigen und das, obwohl ich noch nicht mal was getan habe. Ich habe es satt, dass man es meinen Eltern schwer macht, obwohl  sie ganz stinknormale Menschen sind, die niemanden missionieren wollen, die eine Familie haben, die ein Leben haben wie das von unserem guten deutschen Nachbarn Rainer. Mit dem Unterschied, dass Rainer Bier trinkt, und meine Eltern Tee.

Lars Vilks, the Swedish cartoonist who drew Mohammed as a dog, was recently told that a scheduled lecture on free speech, to be held at Jönköping Högskolan, would be canceled due to “security concerns.” This, of course, is a common evasion, intended to protect the brittle sensibilities of Muslim students while supposedly standing four square behind the right of free speech.

Alas, the administrators in Jönköping had a point. During a lecture in Uppsala today Vilks was attacked by a pack of feral fundamentalists, one of whom managed to headbutt the artist and break his glasses. Police intervened and waged a short battle with the religious nutters who can be heard in the video below, captured by the newspaper UNT, shouting Allahu Akbar! The AP has a quick report, explaining that “Uppsala University spokeswoman Pernilla Bjork said Vilks was showing a provocative film with sexual content to the crowd when the attacker ran up and hit him in the face with his fists.”

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by yeahs in Gangster


Im j.kinski warten wir auf dampfende Honey Mustard Burger in mehlig-knusprigem Ciabatta-Brot mit Kartoffelspalten, warten auf unsere Drinks, lauschen den leisen, ehrlich, kalkbrenneresken Beats aus den Winkeln der himmelblau-violett gestrichenen Wänden und sind uns einig, dass wir der Liebe und dem Spiel, dessen Regeln Viele nicht folgen wollen und können, auf die Schliche gekommen sind.

Unsere Regeln sind wertlos. Die Gläser sind leer, die Burger werden zwischen unseren Kiefern zermalmt und eine kleine braun-weiß-gefleckte Dogge streift unseren Tisch zu unseren Füßen. Keine Regeln für die Liebe, wenn sie ungreifbar ist; und ja, sie ist greifbar. Sie ist greifbar, ohne ihren Zauber, ohne ihren Trick zu verraten.

Wie unsagbar gleich alles geblieben ist, wenn sich Menschen im Lieben verlieren wollen, aber aus irgendeinem Grund alles dafür tun, um eben das zu verhindern. Und es ist so unglaublich schwierig herauszufinden, was in dem Kopf des Anderen passiert, der einem das Wasser abgräbt, nicht weiß wohin.

Drink Nummer 2. Die Regeln sind radikal und jeder hat seine Blaupause dafür, wenn es darum geht, wie und ob man was zu entscheiden hat. Menschen sagen sie lieben einen und dann spüren die anderen das gar nicht. Vielleicht liegt das daran, dass sich Menschen, die es sagen eigentlich nur in das Gefühl verliebt haben und es eigentlich nicht teilen wollen.

Wir kauen zu Ende und bündeln unsere naiven Erkenntnisse über das größte Geheimnis der Zwischenmenschlichkeit. Die kühle Luft von draußen weht durch die geöffnete Tür des j.kinski und kühlt unsere Köpfe. Alles, was du ihr zu sagen hast, sagst du:

ziemlich viel was du da verlangst. ich kann nichts versprechen. und wenn es jetzt das vorerst letzte ist was du von mir hören wirst. es vielleicht dir weh tut oder einfach dumm von mir ist. ich liebe dich. werde glücklich und sei das glück der anderen.”

Es ist so, dass wenn jemand sich dafür entschieden hat, sich nicht zu entscheiden, dann steht man als der Andere auf einer ganz schlechten Position, in der man so wenig richtig und so viel falsch machen kann. Man kann in den Kopf des Unentschlossenen nicht rein sehen. Man weiß nur, da passiert etwas, das einem vorenthalten wird. Als würde man sein Ohr an die Außenwand einer großen Fabrik aus rotem Backstein legen mit dampfenden Essen und horchen, was darin produziert wird. Man hört Lärm, aber es reicht einfach nicht aus um genau zu bestimmen, was es ist.

Sowas kann einen wahnsinnig machen.

Wir zahlen. Tequila Silber zum Abschied. Ich ziehe meine blaue Jacke an und rieche schmerzenden Zigarettenqualm draußen, der sich aus rauchenden Aschenbechern das letzte Mal regt.

Danke B+. Auch für die Drinks.

Wir sind ein Stück voran gekommen. Es hat uns nicht schlauer gemacht. Nur ratloser. Aber lieber die Bewegung erzwingen, als den Stillstand zu akzeptieren.

by B in Crystal Meth State of Mind


Du bist mir egal.

Ich blättere das Fotoalbum hektisch durch, ich suche nach einem bestimmten, dem Foto, das, auf dem ich mit meinen Eltern bin, ich brauche es schnell. Erst nach vielen Minuten der Suche fällt mir auf, dass ich an deinen Bildern völlig uninteressiert vorbeigeblättert habe. Ich bin verdutzt, weil es mir das noch nie passiert war. Ich denke nicht lange darüber nach und suche weiter.

Ich spüre nichts.

Mein Telefon klingelt, dein Name ist auf dem Display, ich bin gerade mit Freunden in einer Bar, kurz vor Aufbruch zum nächsten Ort. Ein kurzer Stich irgendwo, aber ich lasse es weiterklingeln. Zwei Sekunden später habe ich es schon vergessen.

Du bist viel zu spät.

Der Schmerz ist noch zu spüren, vor allem, wenn ich die alten Songs höre oder mit Leuten darüber rede, wann wir mal wieder was machen und wer dabei ist und dein Name fällt. Ich muss mir manchmal noch in den Kopf rufen, dass ich es war, ich hatte keine Lust mehr, keine Nerven, keine Geduld, und dass die Dinge jetzt gut so sind, wie sie sind. Wir brauchen uns nicht. Ich brauche dich nicht.

Ich bin frei.

Ich vermisse dich. Auch, wenn ich dabei weinen muss, wenn ich daran denke wie es zum Schluss war, ich vermisse dich und das Gefühl der Hoffnung, dass es jemals wieder so werden könnte wie früher. Das denkt man ja immer so: dass es irgendwann wieder so wird wie damals, als es noch gut war, frisch, neu, unentdeckt, unausgenutzt. Es war meine Entscheidung, diese Hoffnung abzutreten.

Ich will nicht darüber reden.

Wir können nur darüber telefonieren, über diese endgültige Sache, über das “ich will nicht mehr”, das ich nach so vielen Jahren endlich aus mir herausbekomme. Du bist unendlich weit weg, und ich frage mich, ob ich dir das auch von Angesicht zu Angesicht so hätte sagen können. Ich sehe uns selber beim Streiten zu, wie ich versuche, ruhig und sachlich zu erklären, was du mir angetan hast und warum ich nicht mehr weitermachen werde, aber ich höre nichts. Die Szene ist stumm. Ich kann nur sehen, wie du anfängst zu weinen, wütend bist, mich wegstößt. Ich blicke nicht verschämt weg, denn ich weiß, dass du nicht um mich, sondern um dein Ego weinst.

Ich kann einfach nicht mehr.

Warten. Das ist unsere Beziehung geworden. Ich warte auf dich, darauf, dass du anrufst, dich meldest, oder wenigstens ab und zu darauf reagierst, wenn ich mich bei dir melde. Ich warte darauf, dass du deine Versprechen einlöst, ich warte darauf, dass du Entschuldigung sagst, ich warte darauf, dass du mir gratulierst, ich warte darauf, dass du mich anlächelst, ich warte darauf, dass ich wieder ein Teil deines Lebens werde, ich warte darauf, dass du auch mal auf mich wartest. Ich merke, wie ich erkalte, in Anbetracht des Schmerzes, den du mir zufügst. Mir ist es nicht egal, mir tut es weh, aber das merkst du nicht, obwohl ich es dir nicht zum ersten Mal sage.

Wenn ich an dich denke, werde ich wütend.

Ich rufe dich an um dir etwas zu erzählen, aber du unterbrichst mich schon nach wenigen Sekunden und fängst an zu reden, über die Dinge, die dir passiert sind, über die Ungerechtigkeit der Welt und die Depressionen und die schweren Zeiten und die ganzen Probleme. Ich höre dir zu und bin geduldig, so, wie man sein sollte, wenn einem etwas wichtig ist. Ich gebe dir mein Feedback. Ich überlege kurz, ob ich dich darauf aufmerksam machen sollte, dass wir schon seit Stunden telefonieren und ich noch kein einziges Mal gefragt wurde, wie es mir eigentlich geht, aber du lebst in deiner eigenen kleinen Blase. Ein bisschen gelangweilt bin ich, weil ich mir das schon siebentausendsten Mal anhören muss, und sich nie etwas ändert. Ich wollte dir dabei helfen, etwas zu ändern. Du hast mich nicht gelassen. Wir streiten uns, du wirst sauer auf mich, aber ich weiß nicht wieso.

Ich freue mich darauf endlich wieder mit dir zu telefonieren.

Wir sitzen in deinem Auto, fahren an unseren liebsten Ort, und singen zu alten, kitschigen Songs während die Sonne uns auf den Kopf scheint und wir das Leben genießen. Wir lachen darüber, das alles so einfach ist. Morgen fahre ich endgültig weg, ein kurzfristiger Abschied, eigentlich hättest du mitkommen sollen, aber du hast dich kurzfristig anders entschieden. Ich kann mich nicht dazu aufraffen, wütend zu sein, dein Leben ist schon schwierig genug, auch ohne dass ich dir Vorwürfe machen muss.

Du sagst mir, dass du nicht mitkommst.

Ich bewerfe dich mit Papierkügelchen und du regst dich darüber auf. Wir lachen, uns geht es gut. Der Sommer hat gerade begonnen. Wir haben große Ziele. Wir werden für immer zusammen sein. Nein, es ist nicht immer gut, aber wir bleiben für immer zusammen. Ich weiß das jetzt.

Auch wenn du mir weh tust.

Du lässt mich, wie oft, im Regen stehen. Du tauchst nicht auf. Ich zwinge mich dazu, nicht wütend zu werden; das hast du nicht verdient. Alles ist in Ordnung. Als wir uns endlich wiedersehen, zuckst du mit den Schultern: ist ja auch nicht schlimm. Und es stimmt: ist ja auch nicht schlimm.

Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich.

Sie reden über uns und darüber, wie gut wir zusammen sind. Sie reden darüber, wie viel Spaß wir haben, wie viel gute Laune wir verbreiten, und ich komme nicht umher dich zu bewundern: für deinen Humor und für deine Ausdrucksstärke, für deine Freunde und für deine Macht, vor allem über mich.

Du versetzt mich, aber es macht nichts.

Wir tun verbotene Dinge. Wir lachen. Ich bin überrascht darüber, dass du das mit mir durchziehst. Ich hätte dich niemals so eingeschätzt. Du bist unglaublich spontan und ich mag das. Deine Wegwerfmentalität und dein Achselzucken sind großartig, endlich jemand, der Eier hat.

Ich will dir imponieren.

Du schaust mich wissend an. Wir trauen uns nicht, zu grinsen, weil uns das wirklich Stress einbringen könnte. Wir sind wie gemacht füreinander. Und dir ist das auch klar. Das wird gut.

Ich will wissen wer du bist.

Wir rennen ineinander, du guckst mich völlig verwirrt an. Ich frage mich, wer du bist, und wieso ich dich noch nie hier gesehen habe. Du sagst irgendwas, aber ich kann mich nur darauf konzentrieren, wie viel Ausstrahlung du hast. Ich sage dir meinen Namen, während deine Freunde dich schon weiterziehen. Du blickst dich noch mal nach mir um, winkst mir lachend zu, und dann bist du weg. Wer bist du?

by yeahs in Crystal Meth State of Mind