"Girl gone wide."


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Posts tagged piraten

Auf einen Like oder Share Button klicken. Das machen wir jetzt schon seit Ewigkeiten. Wir finden etwas gut und im Kollektiv sind wir dafür verantwortlich, dass es populär wird. Danach lehnen wir uns zurück in der Hoffnung, dass irgendwer diese Popularität vermarkten und monetarisieren kann. Wir bezahlen mit unserer Zeit und mit unserer Leidenschaft, es ernährt zwar keinen Haushalt, aber dafür arbeiten wir ja indirekt. Meistens durch Werbung, manchmal durch volle Konzerthallen oder Merchandise. Und meistens klappt es nicht, aus so vielen Gründen- weil Werbung nicht geklickt wird, weil MP3s und Filme raubkopiert werden.

Es ist verdammt schwierig, bei einem so großen n an verfügbarer Kunst (im Internet) sein Geld auf abstrakte Preise (was kostet ein Datenhaufen?) aufzuteilen, Preise, die vor zwanzig bis dreißig Jahren vielleicht mal aktuell waren. Weil man damals noch nicht so schnell und so unmittelbar da war, wenn es einen neuen Song gab. Weil Reichweite über teure Marketingkampagnen erschaffen wurde, und nicht (oder selten) durch den Kontakt mit Fans. Weil heute alles im DIY-Verfahren möglich gemacht wird (think MySpace), und weil wir unsere Aufmerksamkeit auf so viele Dinge gleichzeitig aufsplitten können. Nur unser Gehalt kommt da leider nicht mit.

(more…)

by yeahs in Ohne Worte


Es gibt Dinge, die sind so absurd und lächerlich, die kann man einfach ohne weitere Worte so stehen lassen. Copyright, my ass.

Aus dem offiziellen YouTube Blog:

For years, Viacom continuously and secretly uploaded its content to YouTube, even while publicly complaining about its presence there. It hired no fewer than 18 different marketing agencies to upload its content to the site. It deliberately “roughed up” the videos to make them look stolen or leaked. It opened YouTube accounts using phony email addresses. It even sent employees to Kinko’s to upload clips from computers that couldn’t be traced to Viacom. And in an effort to promote its own shows, as a matter of company policy Viacom routinely left up clips from shows that had been uploaded to YouTube by ordinary users. Executives as high up as the president of Comedy Central and the head of MTV Networks felt “very strongly” that clips from shows like The Daily Show and The Colbert Report should remain on YouTube.

Viacom’s efforts to disguise its promotional use of YouTube worked so well that even its own employees could not keep track of everything it was posting or leaving up on the site. As a result, on countless occasions Viacom demanded the removal of clips that it had uploaded to YouTube, only to return later to sheepishly ask for their reinstatement. In fact, some of the very clips that Viacom is suing us over were actually uploaded by Viacom itself.

Update 11:35 Uhr, 19. März 2010

Kleines Update, habe auf Reddit eine interessante Diskussion dazu gefunden und dachte das könnte vielleicht zu einer halbwegs vernünftigen Erklärung des Viacom Super-GAUs führen:

from Reddit.com:

They obviously can see the benefit of sharing media but legally they are restricted from doing so.
permalinkreportreply
—-
This.
Broadcasting networks make a significant portion of their money from selling their shows to foreign broadcasting networks. These are usually sold with an exclusive distribution right for the region.
As an example, CTV has the exclusive distribution rights in Canada to many of the Fox and Comedy Central shows. If Fox or Comedy Central were to distribute the shows for free online and Canadians were able to access them, they would be in breach of contract and CTV would sue them.
This is why there is geo-IP restrictions on many of the network approved, online distribution platforms like Hulu, ABC.com, etc…
I suspect these lawsuits against YouTube are more about maintaining plausible deniability than actually winning the case.

—-
[...]
—-
Don’t worry, if what the YouTube Chief Counsel says is true and there is proof, this is going to be a backfire of epic proportions. Foreign broadcasting networks are probably going to start filing suit against Viacom for breach of contract.
—-
Viacom could simply make the “marketing” argument that their actions increased the popularity and thus interest of the foreign audience, making the show more valuable to foreign broadcasting network.
—-
It would depend on the particulars of the contracts, the videos that were uploaded by employees and the ones they were made aware of and allowed to remain online.
If they are all just short clips then they might successfully make the marketing claim. If they are extremely long clips or full episodes then they wouldn’t have a very compelling argument that it was merely marketing.

Und wo wir gerade bei YouTube sind: Nutzt unbedingt die Feather Beta, wenn ihr die hässlich zugeballerte und richtig schön langsame Seite wieder lieben lernen wollt.

by yeahs in Ohne Worte


Es kostet $26000 einen 160 GB iPod legal mit Musik zu füllen (via).

Ein bisschen reißerisch, so eine Headline. Man geht davon aus, dass ein Song bei iTunes $0.99 kostet, ein Song circa 6 MB groß ist und dass es tatsächlich Menschen auf diesem Planeten gibt, die einen 160 GB iPod ausschließlich mit Musik füllen können. Auf meinen 30 GB iPod passen circa. 5200 Songs (und die sind auch drauf). Im iTunes Store kostet ein Song €0.99 ((Zeit, mir eine Kreditkarte anzuschaffen und die Tracks per Dollar zu kaufen)). Das heisst, ich bin knapp 5200 € los, wenn mein iPod voll mit Musik laufen soll (was ich hier nicht berücksichtigt habe: ein Album mit 10 Songs ist durchaus günstiger als 10 einzelne Tracks. Ich kaufe mir aber grundsätzlich keine Alben, und höre mir Musik auch nicht in Alben an, deshalb will ich diesen Fall hier ausschließen).

Young Music

Ich bin jetzt 21 Jahre alt. Ich würde sagen, ich habe ganz bewusst angefangen, mich für Musik zu interessieren (und auch Geld dafür auszugeben), als ich dreizehn wurde. Das sind also 8 Jahre. Angenommen, ich hätte acht Jahre lang jeden Monat 30 € für Musik ausgeben können (was gänzlich unrealistisch ist, weil ich bis ich 16 wurde noch nicht mal über Taschengeld verfügte): Dann hätte ich heute 2909 Songs. Und ich würde noch die nächsten 6 Jahre und vier Monate brauchen, um auf die 5200 zu kommen.

Das ist natürlich alles sehr überspitzt, vor allem aber auch Sache der eigenen Nachfrage. Wie wichtig ist mir denn die Musik, dass ich wirklich so viel Geld reinstecken muss? Wo liegen meine Opportunitätskosten? Es gibt immerhin auch noch Radio, TV, Last.FM, YouTube, Spotify– angenommen, ich würde mir nicht jeden Song direkt “besorgen”, sobald jemand ihn erwähnt. Angenommen, ich würde erst einige Male streamen und im Radio darauf warten, dass dieser Song läuft, ihn genau anhören, um mich dann entscheiden zu müssen, etwa wie bei einem Klamottenkauf: vielleicht würde ich den Song dann mehr zu schätzen lernen. Wenn ich tatsächlich einen Euro investieren muss, ändert sich mein Konsumverhalten gegenüber der Musik dramatisch, zum Besseren oder zum Schlechteren sei mal dahingestellt.

Man, Musik ist Kunst. Und in Kunst musste man früher Zeit investieren, Geduld, Mühe! Nicht jeder CD-Laden hatte genau das, wonach man gesucht hat, und es war umso schwieriger, etwas Neues zu finden, das gefiel. Ich bin 21 Jahre alt, und ich bin mir ziemlich sicher, ich habe bisher schon mehr Musik gehört, verinnertlich und gelebt als die meisten 40-Jährigen da draußen. Ich bin auch noch lange nicht durch, denn die letzten 7 Jahre habe ich damit verbracht, in der Gegenwart an aktueller Musik mitzuhalten, genauso wie die Kunst aus den letzten 50 Jahren nachzuholen. Wenn ich mich mit Menschen anderer Generationen über Musik unterhalte, bemerke ich, wie krass unterschiedlich die Auffassungen sind. Während für viele Musik auf verschiedene Lieblingsbands aufgeteilt ist, die man von Konzert zu Konzert verfolgt hat und deren komplette Diskographie wie ein Heiligtum aufbewahrt wird, ist für mich der Künstler und die Performance in erster Linie völlig uninteressant.

Ja, am Ende des Tages gehe ich auf das Konzert, wenn mich die Musik wirklich beeindruckt. Dann bin ich auch voll bereit dazu, mehr zu investieren, das Album in hochwertiger Qualität zu kaufen und Merchandise zu beschaffen, koste es was es wolle. Aber es interessiert mich im seltensten Fall, was Bob Dylan überhaupt für ein Typ war. Ich höre seine Musik, das ist das wichtige. Seine Songs bedeuten etwas für mich, egal, ob ich viel zu jung bin, um das Gefühl von damals zu verstehen. Ich hänge mir auch keine Poster auf (um nicht zu sagen, dass ich das früher nicht gemacht hätte; mit irgendetwas muss man sich als Teenager ja beschäftigen), ich sammel keine Zeitungsausschnitte, ich lese keine Interviews, es interessiert mich keine Interpretation des Albums und auch keine Kritiken. Gott, die meiste Zeit kenne ich nicht mal die Musikvideos der Bands, die Geschichten oder die Gesichter dahinter, geschweige denn die Namen.

Here’s the thing: Ich würde mir Alben kaufen, weil es auf Dauer günstiger wäre. Ich würde mich wieder für die Künstler interessieren, genauso, wie ich mich dafür interessiere, ob ich meinen Pullover jetzt bei 40 oder 60 Grad wasche, immerhin habe ich dafür viel Geld bezahlt. Ich würde mehr Zeit investieren, weil das Geld es so diktiert. Gleichzeitig würde ich definitiv weniger Musik kennen, weniger Künstler vergangener Tage, weniger Eindrücke sammeln, weniger Inspiration, wüsste jetzt nicht so gut, was ich eigentlich hören will, wenn ich etwas höre, und wäre wahrscheinlich weniger offen für neue Dinge, weil mich das nur verbittern würde in Anbetracht meiner finanziellen Lage (die ja nicht immer gut oder komfortabel sein muss).

Ich war mir beim Schreiben dieser Gedanken die ganze Zeit unsicher, ob ich überhaupt das illegale Beschaffen und die Piraterie von Musik ansprechen soll, aber vielleicht eine Randbemerkung: Es ist eine Definitionssache, eine Rechtsangelegenheit. Das Urheberrecht ist nicht nur in Bezug auf die Musik veraltet, so sehe ich das zumindest. Dass man deshalb Kunst und Kultur mit einem fetten Copyright-Stempel ausbeutet, das kann nicht sein, und schadet nur dem Künstler. Wie das jeder für sich persönlich nun abhandelt– eben, das ist eine persönliche Sache.

Aber das hat nichts mit der Allgegenwärtigkeit von losen MP3s zu tun, die man entweder im iTunes Store, bei Amazon oder eben über eine illegale Plattform schnell finden kann. Das hat etwas damit zu tun, dass man Musik in seiner Form anders wahrnehmen kann. Die technischen Einschränkungen, wie etwa bei Vinyl oder CD, sind nicht mehr vorhanden, die Beschaffung der Artikel geht innerhalb weniger Klicks, genauso wie das Entfernen. Die Produktionsverfahren haben sich geändert, der Vertrieb findet hauptsächlich virtuell statt, das Marketing geschieht auf einem ganz anderen Level.

Was genau definiert heute den Erfolg eines Musikers, ab wann ist man ein Fan, oder fehlt mir einfach nur die Loyalität? Ist das wie mit einem Fußballteam, in das man viel Schweiß, Liebe und Hoffnung setzt, und auch zehn Jahre später nicht verlässt, weil man schon so viel investiert hat– egal wie schlecht die Mannschaft ist? Oder ist das völlig legitim, Wegwerf-Musik, Einmal-Songs, Listen and Ditch immediately, wie ein schnelles High, bis das nächste in Form eines anderen Tracks daherkommt?

crowd

Eine Frage, die ich am Anfang des Beitrages gestellt habe: Wie wichtig ist es mir überhaupt, dass ich so viel Geld in Musik investiere? An diesem Punkt meines Lebens würde ich behaupten, dass ich fast 500 € im Monat – locker – für Musik ausgeben könnte und wahrscheinlich sogar würde. Davon wären dann 50 Tracks tatsächlich auch sticky in meiner Bibliothek, davon widerrum ungefähr 10, die ich auch so gut finde, dass ich sie in meine “Faves” Playlist verschiebe. Vielleicht sollte ich mich aber was ganz anderes fragen: wäre es mir jemals so wichtig gewesen, wenn ich nicht irgendwann mit 12 oder 13 Napster entdeckt hätte?

Ich weiß nicht, wie es je anders hätte sein können als so. Ich habe es ja nie anders kennen gelernt.

by yeahs in Musik


Gestern abend: das märchenhafte Bat For Lashes Konzert, irgendwo in Ostberlin. Ein Konzert, bei dem ich mir nicht den dicken Zeh verstauchen musste, um zu sehen, was auf der Bühne passierte, da das Publikum fast ausschließlich aus kleinen Spaniern bestand. Bis auf den klobigen Stein im Magen und der hässlichen Alten neben mir spielte das Leben ausnahmsweise mal bei meinem Drehbuch mit ((gut, wieder keine Spur von Herm, den ich jetzt so lange trackbacken werde, bis er sich in mich verliebt und sich für mich auch mit Faxe Bier besäuft. Übrigens, Herm, wenn du das hier liest und dich die ganze Zeit wunderst, was das für eine psychopathische Trulla ist, die dich hier die ganze Zeit bei Twitter und über diesen Blog stalkt: ich schäme mich ein bisschen, aber nicht genug, um aufzuhören)).

Bat For Lashes

Ich würde Natasha Khan gerne in Zeitungspapier einwickeln und behutsam in meine Box an großartigen Künstlern mit Stil und Impact packen, gleich neben The Doors und *NSync (ja, *NSync. Ihr habt richtig gehört. Sie sind die wahren Helden der Musik, und niemand kann sich dieser Tatsache verwehren). Es war wirklich ein schönes Konzert und ein schöner Auftritt.

Überraschenderweise ist mir Eines beim Anblick von Natashas Hipster-Thrift-Store Kleid und der ganzen seltsamen Kloster-Instrumente klar geworden: Das Gefühl von Magie, und die extrovertierte Hingabe zu dieser Emotion, mag zwar nicht cooler sein als ein lila Turnbeutel von McNeal, aber nichtsdestotrotz befreiend und irgendwie zufriedenstellend.

Ich bin so ein Typ Mensch, ich verprügel verbal alle diejenigen, die sich irgendeiner Form von Spiritualität hingeben, die rational – also für mich – nicht zu erklären ist. Ich weiß, dass ich so bin, und ich weiß, dass ich dahingehend absolut ignorant sein kann. Yoga, Ginseng, Feng Fucking Shui? So weit, so gut. Ich kann es gerade so tolerieren, aber Toleranz ist ein Schimpfwort der Political Correctness, dass ich so nicht hinnehmen kann. Natasha Khan ernährt sich bestimmt super gesund und befolgt den Lebensstil der Kabbalah ((ich bin Deutsche mit arabischer Herkunft. Ich hatte nie eine Chance)).

Und dann steh ich plötzlich da, und höre und sehe etwas, was man eher als eine Ausdruckstanzaufführung mit Harfenklängen bezeichnen könnte als ein Popkonzert. Natasha Khan, das Kind, das bei McDonalds die Fruchttüte bestellt und Wasser auf Partys trinkt, während ich in meiner zerfetzten Lederjacke von Kik an der Ecke stehe, Loser bin und kleine Kinder vom Fahrrad schubse. Ich kann mit diesem Chakra-Scheiss nichts anfangen. Einerseits, weil meine Eltern mich mit ihrer Religiösität hin und wieder in den Wahnsinn getrieben haben, und andererseits, weil ich gerne ein arrogantes Miststück bin. Und, was lernen wir daraus? Richtig, Bat For Lashes geht auf Tour und verdient die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt, während ich die ganze Woche arbeite und mich auf’s Schlafen freue. Yeee-fucking-ha.

… Ich applaudiere im Nachhinein allen Menschen, die zu Schulzeiten in der Theatergruppe waren und Flöte gespielt haben. Ich applaudiere, verbeuge mich und bitte euch um Entschuldigung. Jeder kann etwas wunderschönes aus seiner Fantasie machen, auch wenn ihr eigentlich völlig zugedröhnte, langweilige Öko-Kinder aus Charlottenburg seid (ihr habt richtig gehört, CHARLOTTENBURG!). Meine Einzelpacht auf Asozial wird damit für ein weiteres Stück durch Respekt ersetzt. So viel zum Thema “Erwachsenwerden” ((Ich werde mich trotzdem weiterhin über fette Kinder und hässliche Schabracken lustig machen, sonst hat das Leben keinen Sinn mehr)).

Ich kann mich natürlich vollständig irren, was Natasha Khan angeht. Vielleicht hat sie sich auch mit Achtzehn prostituiert und hat schon drei Crackbabys das Klo runtergespült, ich möchte diese Out-of-Body-Experience deshalb aber nicht weniger anerkennen.

Anekdote: Ich habe Bat For Lashes entdeckt, weil ich ihre Musik geklaut habe. Ich war zu geizig für zwölf Euro kleiner Fileschnipsel, die ich nicht kopieren durfte und die bei Verlust nicht ersetzt wurden. Ihr habt richtig gehört: Ich habe das Urheberrecht mit Füßen getreten und stattdessen lieber insgesamt mehr als fünfzig Euro für Konzert und Merchandise ausgegeben, plus Extra-Promo auf diesem Blog, plus ein persönliches Geburtstagsständchen aus dem Publikum. Fickt euch.

Anekdote 2: Ich weiß, dass eingebundene Video vom Konzert lebt in einer eigenen Dimension von “OMG wer hat dir überhaupt erlaubt eine Kamera zu halten”, aber ich bin so stolz drauf, überhaupt etwas gesehen zu haben, dass es mir diese Schmach wert ist.

by yeahs in Berlin Musik


Ich bin dieses Wochenende zu Hause in FFM und lasse mich mal wieder von meiner Mama mästen, weshalb es hier ungewöhnlich still ist (obwohl das Internet mal wieder vor Neuigkeiten explodiert). Ich will euch nicht mit alten Nachrichten füttern oder ewige Diskussionen fortsetzen, aber wenn ich schon nichts zu sagen habe, dann will ich jemand anderen mal ans Mikrofon lassen. Das wird dann wohl der letzte politische Beitrag sein.

Mathieu ist kein Pirat und hat in einem Kommentar zu meinem Artikel “Geh nicht Wählen” ausführlich erklärt, wieso das so ist. Ich stimme nicht unbedingt mit allen Aussagen überein, bin aber ein Fan von Kritik. Deshalb vielen Dank an dich, M., dafür, dass ich das hier veröffentlichen darf.

Pirates Only!

Hilfe, ich fühle mich einsam. Ich bin umzingelt von Piraten. Ich überlege mir gerade, ob ich fliehen soll. In die reale Welt. Wählen ist wie Kaufen, reinste Gefühlssache. Deshalb werde ich mir hier auch Argumente verkneifen.

Seltsame Sache: Parteien fand ich schon immer unsexy, Piraten hört sich nach Karneval an, so wie Cowboys oder Indianer. Und die Funktionäre erinnern mich irgendwie an die Typen, die mich anmachen, wenn ich mich im Aldi vor den beiden Pfandautomaten nicht in EINER Reihe anstelle, weil EINE Reihe vor ZWEI Automaten gerechter ist. Mich haben sie nicht romanized. Ich bin auch ein elitäres Schwein, das immer behauptet, sein eigener Pirat zu sein, und dass mich Massenansammlungen ankotzen (was sich aber nicht halten lässt, egal, ich behaupte es trotzdem). Deshalb bekomme ich bei den Piraten eine Gänsehaut. Wie gesagt, das ist die Gefühlsseite daran. Ich muss auch sagen, dass ich Werte-Wähler bin und nicht Protest-Wähler. Ich lese mir keine Wahlprogramme und Standpunkte zu allen Themen durch (außer bei den Piraten, weil`s so schön überschaubar ist) Und: ich wähle zwar nicht konservativ, aber ich muss ehrlich sagen, wenn eine Partei verspräche, es bleibt alles so wie es ist… so etwas hätte schon seinen Reiz. Ich bin manchmal radikal, aber die Politik möchte ich so nicht, die soll sein wie ein Lieblingsonkel, nett und gerecht, über alles Bescheid wissen und mich ansonsten in Ruhe lassen.
Ich bin nicht als Piratengegner geboren worden. Sie haben mich interessiert, weil sie den Nerd-Aspekt meiner Persönlichkeit vereinnahmt haben. Wer spricht also in meinem Namen? Wer hat sich zur Internet-Partei ausgerufen? Das hat mich dann ziemlich schnell angekotzt. Jetzt höre ich von verschiedenen Seiten, engagier dich doch, du kannst die Piraten verändern, mitgestalten. Nein danke. Ich bin kein Politiker. Mein politisches Engagement reduziert sich darauf, alle paar Jahre ein Kreuz zu machen. Ansonsten, könnte man sagen, ist sowieso alles politisch, also, was du kaufst, wie du wegwirfst, was du sagst, an wem du vorbei gehst usw.

Interessant ist aber trotzdem, ob die Piraten sich nun verändern, ob sie professioneller werden, ob sie zu einer Partei werden, die genug Macht erhält, um etwas zu verändern. Man zieht den Vergleich zu Grünen. Das sehe ich anders. Die Öko-Bewegung war viel größer, es gab eine ganze Reihe ökologischer Parteien, von denen die meisten verschwanden. Die Grünen haben viel aufgesaugt von den Vorgänger-Protest-Bewegungen. Das sehe ich bei den Piraten nicht. Kein Bezug zu den Globalisierungsgegnern zum Beispiel. Ich befürchte eher, dass die Piraten nach der Wahl auseinander brechen werden. Die Anliegen kann man eh nicht durchsetzen und dann wird zwangsläufig die Frage kommen, was sind denn die Piraten überhaupt: eine Internet-Partei, eine Generationen-Partei, ein Sammelbecken für Frustrierte? Die meisten Sympathisanten werden sich entlieben und merken, dass sie außer dem “hallo ihr Vollpfosten, könnt ihr mal bitte aufhören, uns was wegzunehmen?” nicht so viel mit anderen Anhängern gemeinsam hatten. Die Piraten sind ja keine normale Partei, die man wählt und dann machen die schon. Die Piraten, das sind ja wir. Noch kann ja jeder mitreden. Jeder kennt ja zehn Piraten mindestens. Die sind ja alle zum Anfassen. Wer hat schon mal einen CDU- oder SPD-Politiker angefasst? Aber das Wir ist eben eine Illusion. Nein, man kann die Piraten sicher nicht für das verantwortlich machen, was ihre Anhänger so loslassen, aber es zeigt, wie der gemeinsame Protest auch eine Welle von Vorurteilen, von Beschimpfungen, Frust bis hin zu durchsickernder brauner Soße losgetreten hat. Vielleicht sollte man dafür dankbar sein, jetzt ist es raus.

Die Piraten haben vielleicht die Generation Doof aufgeweckt und wenn es so wäre, könnte man das meinetwegen als Verdienst ansehen. Aber die Romanze ist irgendwann vorbei und dann muss man anders argumentieren, als „die haben ja gar nicht verstanden, um was es geht, die Vollpfosten“.

by yeahs in Ohne Worte


Ich werde die Piraten wählen ((an dieser Stelle danke an Mathieu für die Inspiration, mal etwas ausführlicher etwas zum Thema zu schreiben)). Das soll zu Anfang gesagt sein. Ich werde sie wählen im vollständigen Wissen, dass ich ohne ihre Existenz a) sonst niemanden gewählt hätte, b) meine Stimme womöglich völlig wertlos ist, und c) ich selbst im Falle des Erfolges nicht das serviert bekomme, was ich eigentlich von der Politik erwarte.

Ach so. Sind wir nicht?

Schwachsinn und Polemik

Jeder kann die folgende Geschichte erzählen. Jeder aus meiner Generation. Generation Doof, Generation Praktikum, Generation Pirat. Hier ist die Geschichte: Ich bin zwanzig Jahre alt, und ich scheiss auf die Politik. Und wisst ihr was? Die Politik hat auf mich zurückgeschissen.

Ich weiß noch, welche Streber damals der Jungen Union beigetreten sind ((ich habe das Beispiel schon mal im Beitrag “Sinead’s Hand” benutzt, aber einmal ist keinmal )). Ich weiß noch, dass deren Eltern schon da drin waren. Das waren die Typen, die nur Äpfel essen durften und maximal zum Tippen an den PC konnten. Das waren gutbürgerliche Familien, die Mercedes und BMW fuhren, um die deutsche Wirtschaft anzukurbeln. Das waren die, die die Ausländer jetzt irgendwie nicht “raus” haben wollten, oder so, aber “es sind ja jetzt auch schon genug da, oder?”. Sicher, sicher. Dagegen hätte man früh ankämpfen können: entweder jeden Tag dem Nachwuchs die Nahrungsmittel aus dem Schulranzen klauen, oder selbst bei einer Partei eintreten, um mal den alten Tattergreisen ein bisschen frischen Wind in den Arsch zu blasen.

In die SPD zum Beispiel. Man hätte auch mal den Grünen einen Besuch abstatten können. Sogar in die CDU, dann kann man wenigstens von Innen arbeiten. Aber wisst ihr, was wir gemacht haben? Wir saßen vor dem PC, haben Freunde geknüpft, Webseiten programmiert und uns illegal Musik runtergeladen. Klar, hat ja auch Spaß gemacht. Das Internet ist für uns ein Universalspielzeug geworden. Wir brauchen jetzt nicht (nur noch) zu daddeln wie die Bekloppten, sondern können bei der Informationsflut zeitig mit ADHS unser Grab besteigen. Und wieso streuben die sich jetzt so gegen diese Funktionalität und erzählen uns irgendetwas von Kinderpornos? Weil die auf einmal an Kriminellen keine Exempel mehr statuieren können, und Angst haben, ihre Gewalt zu verlieren. So würde ich das jedenfalls machen.

Rewind: Anstatt uns mal früher zu überlegen, dass man das was Spaß macht ja auch irgendwie Oma & Opa erklären muss, haben wir uns zu einer Elite an Schwachmaten zusammengeschlossen, die ihre eigenen Weltregeln aufgestellt haben. Ich will dabei nicht von der Ignoranz heutiger Politiker und “Internetgegner” (bitch please. Wer bitte schön hat denn jemals was von “gegen Internet” erzählt?) ablenken, sondern einfach verdeutlichen, was ich bei der ganzen Sache empfinde. Ja, die blöden Ärsche verstehen es nicht, und jetzt wollen die uns das wegnehmen, was für uns wichtiger geworden ist als die eigene Mutter. Herzlichen Glückwunsch: Das haben wir uns auch selbst zu verdanken.

Ich betone noch einmal: Ich habe keine Ahnung von Politik, und es hat mich nie interessiert. Wenn man mir mein Gehalt wegnimmt, weil die Steuern so hoch sind, dann halte ich das irgendwie für angebracht, immerhin müssen doch die armen Kinder arbeitsloser Asozialer was zu essen bekommen. Und wenn die hier irgendwo Atomkraftwerke anschalten, dann habe ich keine größeren Probleme beim Atmen. Aber wenn die jetzt kommen und mir mein Internet in seiner vollen Pracht wegnehme, dann werde ich zu einem exorbitanten Monster. Ich suche mir Gleichgesinnte und gründe eine Partei.

Die Piraten Partei.

Und weil man so wie ich nicht argumentieren kann – “hallo ihr Vollpfosten, könnt ihr mal bitte aufhören, uns was wegzunehmen?”, argumentieren wir – rechtmäßig – damit, dass hier die demokratischen Prinzipien eingeschränkt werden, was aber natürlich niemanden interessiert. Wieso auch? Was sind schon 8000 Nerds gegen den Rest von Deutschland? Generation Teenager, Generation Zweifel, Generation Irgendwas-Mit-Medien. Und bis auf die drei Typen, die wirklich was über Politik wissen und die Piraten auch zurecht hier und da kritisieren, weiß doch keiner, was Deutschland eigentlich braucht. Schon gar nicht wir.

Rein Hypothetisch: Was wäre wohl passiert, wenn das “politische Interesse”, welches nun in uns entfacht wurde, vor zehn bis zwanzig Jahren schon entfacht worden wäre? Ich frage mich: was wäre, wenn diese Nerds, die sich heute Piraten nennen, heute flächendeckend auf die Volksparteien verteilt wären, die sich jetzt so wehement unserer Armee der Zukunft widersetzen? Wir haben uns diese Mühe nie gemacht, Leute. Man kann sich natürlich auch über meinen Idealismus streiten und sagen, dass das ja auch nichts gebracht hätte, weil die Motivation hitner Zensur und Kontrolle ja nichts mit der PiratenPartei zu tun hat, oder mit dem Internet an sich, sondern eben mit dem Profit, der dahinter steht. Joah, und genau dafür brauchen wir ja auch eine Piratenpartei. Die Piraten Partei, die von einigen cleveren und weniger cleveren Menschen geführt, und von tausenden Halbstarken verfolgt wird. Halbstarke, die drei Schamhaare und keinen Plan von Steuern, Hartz IV oder Bildungspolitik haben, sondern einfach nur emotionalisiert sind. Kids, die Angst haben um ihre Freiheit, Angst haben um das, was sie so tatkräftig aufgebaut haben. Ich gehöre dazu. Ich weiß von nichts.

Ich werde die Piraten Partei wählen, weil auf dem Bundestagswahl-Menü nichts steht, was mir besser schmeckt. Das bedeutet aber nicht, dass das die Empfehlung des Tages ist. Es bedeutet nur, dass ich so unglaublich enttäuscht von uns bin, von unserer Generation, von mir. Ich bin enttäuscht von unserem Land. Wir legen hier Prinzipien und Normen fest und dann zerbomben wir sie wieder, wie es uns gefällt? Ich meine, mir braucht ja keiner was von Gerechtigkeit zu erzählen — aber Integrität, das ist doch Vorraussetzung für einen Staat, oder? Vor allem und gerade WEIL wir die Regeln hier doch ständig selbst aufstellen könnten!

Ich will die Piraten weder gut noch schlecht machen. Ich will damit nur sagen: Was für eine Alternative bleibt mir? Wenn ich gar nicht wähle, dann habe ich minus Tausend dazu beigetragen. Und wenn ich was anderes wähle, dann ja auch nur mit Halbwissen… Himmel Arsch und Zwirn, dann wähle ich doch zumindest mit stolzem Halbwissen das, womit ich wenigstens teilweise übereinstimmen kann! Und wenn jetzt jemand zu mir sagt: Man, was laberst du da für eine Scheisse, du hast ja keine Ahnung, wo das Problem ist, dann ist das auch angebracht. Weil es stimmt. Aber ich bin nicht die einzige.

Ja, ich habe Angst. Keiner von meinen Freunden ist in irgendeiner Partei. Weit und breit niemand. Ach, Partei, ich würd mich mittlerweile darüber freuen, wenn überhaupt jemand wählen gehen würde. Und hier ist der Punkt: Mittlerweile. Ich würde mittlerweile wählen, ja freilich dazu animieren, wählen zu gehen. Weil das hier mein Leben ist, worüber die bestimmen wollen.

Das, was die schon die ganze Zeit gemacht haben.

by yeahs in Ohne Worte


Hm, ich bin ja kein besonders politischer Mensch. Das mit den Piraten ist ja mehr ein Trend, sozusagen eine Proteststimme meinerseits, als tatsächliches Interesse an der Politik, und letztendlich hat es bei mir nur dann etwas mit Leidenschaft zu tun, wenn es persönlich wird.

Sineads Hand

Daher bin ich immer sehr zurückhaltend, was Kommentare zu Parteien, Politik und so weiter angeht (mal abgesehen davon, dass meine Kommentare wenig hilfreich wären). Eben habe ich allerdings ein Video gesehen, dass es definitiv wert ist, mal ein Wort zu verlieren – vor allem, weil es einen durchaus zum nachdenken anregt. Das Video wurde in Irland gedreht und soll für die Rechte Homosexueller einstehen. Ich möchte es so ausdrücken: wenn Werbespots so gut wären, würde ich definitiv häufiger auch fernsehen. Und hier die politische Frage:  Wieso müssen Homosexuelle immer noch protestieren, für ihre Recht betteln?

Seitdem ich in Berlin wohne, bin ich mit vielen Leuten zusammen, die eine völlig andere Weltansicht haben als ich. Ich dachte früher, nur die letzten Dinosaurierer in Deutschland würden noch CDU oder SPD wählen, in die Kirche gehen und “sich nicht für Musik interessieren”. Ausgerechnet in Berlin, dem hedonistischen Gefilde der Seligen,  musste ich dann kapitulieren. Junge Menschen, gebildete Menschen, mit Verstand, Herz und Charme– das können Leute sein, die den Download von urheberrechtlich geschützten Dateien für Diebstahl halten, oder die einfach mit den Achseln zucken, wenn es um Atomkraft geht. Das sind Leute, die wissen nicht, was Blogs sind und keinen Lieblingsfilm haben. ICH MEINE, WIE KANN MAN KEINEN LIEBLINGSFILM HABEN?

Ja, für die meisten mag das jetzt keine Überraschung sein, jeder hatte schon mal das Vergnügen mit dem opportunistischen Streber in der Oberstufe, der in seiner Freizeit Junge Union Sticker verteilte. Damals dachte man, dass seine Eltern ganz schön kaputt gewesen sind. Ich meine, wem macht schon Politik Spaß? Natürlich wurde der dazu gezwungen, der Klaus! Und Klaus hat einfach bestimmt noch nie Zucker gegessen oder ein Schmuddelmagazin in der Hand gehalten.

Ich will das ja gar nicht verurteilen, auch wenn sich das in erster Linie so anhört. Am Anfang war das, wie schon erwähnt, einfach neu, nicht nur mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Sei es aus beruflichen Gründen oder einfach, weil man sich selbst auch ein bisschen ändert und aufhört, mit dem Kopf im Arsch die Welt zu betrachten. Also, keine Kritik. Im Gegenteil: diese Begegnungen haben mich in meinem eigenen Horizont bereichert. Ich kann nur hoffen, dass diese Begegnungen (mit mir) auch in irgendeiner Form bereichernd war, selbst wenn die meisten jetzt nur glauben, dass meine Frisur noch schlimmer ist als die von Wolle Petry.

Doch genau so ist es, wenn man sich sein Leben lang fragt, wer eigentlich diese drei Millionen Leute sind, die angeblich jeden Tag die Bild Zeitung lesen. Sind das alles Typen ohne Schulabschluss und Vokuhila? Sind wir/bin ich wirklich schon so verblendet in meiner eigenen Arroganz, dass ich in die gleichen Fallen tappe, die ich so großmäulig kritisiere?

Es ist gefährlich, Menschen den Maßstab anzulegen, den man für sich selbst in langer Arbeit erschaffen hat (und meistens merkt man gar nicht, wie hoch die Fluktuation der eigenen Prinzipien ist). Es ist vor allem dann gefährlich, wenn man nicht sieht, das man auf weiter Flur alleine da ist mit seiner Meinung, weil man ganz fest daran glaubt, dass man eines Tages diese ganzen Zurückgebliebenen ausrotten kann. Und schon wird das “irgendwann” zum “heute”, und die Bild Zeitung in den Händen der Menschen verschwindet aus dem Blickfeld und man sieht nur noch Gleichgesinnte, die das “doch einfach verstehen müssen“.

Freunde kann man sich aussuchen, Gesellschaftsformen, Maßstäbe von Moral und Normen allerdings nicht. Wer das versucht, erschafft sein eigenes Loch. Es hilft genauso wenig, Menschen neue und revolutionäre Technologien und Philosophien aufzudrücken, wie den Iraq einzunehmen und da Demokratie zu pflanzen, wo der Boden noch gar nicht vorbereitet ist.

Es frustriert mich, ja! Es frustriert mich, mit Menschen über Dinge zu diskutieren, nur um dann festzustellen, dass jegliche Logik einfach ausgesiebt und durch wertlose Meinungen und Überzeugungsarbeit ersetzt wird. Es bedrückt mich, weil ich weiß, es wird noch so lange Dauern, bis Homosexuelle gleiche Rechte haben und bis jeder gerafft hat, dass man alte Methoden zur Unterdrückung von Kriminalität nicht in heutigen Zeiten anwenden kann; aber ich will nicht die andere Partei unterschätzen. Und vor allem will ich nicht als letzte Wissen, wenn ich doch einen Denkfehler gemacht habe.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Jeder Mensch muss fünf Wochen damit verbringen, jeden Tag einem anderen Menschen zuzuhören, und zwar mindestens 50% des Tages. Vielleicht gibt es dann einige weniger, die sich mit Menschenbildern das Leben ausmalen.

Hah, eben noch darüber geredet, welchen Businessplan die neuen Geschäftsführer von The Pirate Bay verfolgen, schon gibt es ein annehmliche Alternative zum Torrent-Riesen: eine identische Kopie.

by earcos

by earcos

Vor einigen Tagen ist schon ein riesiger  Torrent durch die Netzwelt geschwommen: der komplette Inhalt von The Pirate Bay, das heisst die meisten Torrents und damit die verdammte Unabhängigkeit von einer Onlinekollektion (naja, dafür halt ohne Updates). Damit könnte jeder, der Lust hat, sein eigenes Archiv zusammenstellen. Nerdig? Vielleicht. Nötig? Definitiv nicht. Denn jetzt gibt es unter btarena.net eine identische The Pirate Bay Kopie ((getrackt wird ab sofort über tracker.btarena.net) . Das bestätigt nur mal wieder, dass es nichts bringt, Torrentseiten zu verbieten, oder in diesem Falle zu verkaufen und dann irgendwas vollkommen schwachsinniges daraus zu basteln, das keiner braucht.

Stattdessen sollte sich die Konkurrenz einfach mal überlegen, wie tatsächlich konkurriert werden könnte. Irgendwas muss schließlich an der Situation geändert werden. Aber so geht das schon mal nicht.

by yeahs in Ohne Worte

The Pirate Bay wird, wie schon im Juni angekündigt, an die schwedische Firma GGF verkauft (zumindest, wenn die Gesellschafter bald ihr OK in den Pott geben). Als aktiver TPB User ist das für mich ein erheblicher Zusammenbruch meiner Datentransferinfrastraktur (ein sehr nettes Wort, übrigens).

The Pirate Bay

Ich unterstütze die Macher und die Motivation hinter ihren Projekten, weshalb mir der neue Kurs, wie auf Torrentfreak.com beschrieben, überhaupt nicht gefällt (die Hervorhebungen sind von mir):

[...] Pirate Bay will become a pay site while revealing some additional details on how GGF plans to legalize it.

To please the entertainment industry GGF will install a system that will allow the copyright holders to either authorize the ‘illegal’ torrent or have it removed from the site. If the copyright holder opts to choose the first option they will be compensated every time the file is downloaded. In addition, the board says that it will pay penalties if it has to.

Ich frage mich ganz ehrlich, welchen Sinn das eigentlich hat. Wenn ich für Content bezahlen will, brauche ich doch keine Torrents zu laden, immer mit dem Risiko, dass die Qualität schlecht, ein Virus dabei oder ein komplett falscher Film drin ist. Manchmal auch alles gleichzeitig. Wenn ich bereit bin, zu bezahlen, dann gehe ich ins Kino oder kaufe mir die Songs über iTunes. Wenn ich nicht bereit bin zu bezahlen, lade ich mir Torrents auf The Pirate Bay. Ich mache das ganz bestimmt nicht, weil .torrent so ein schönes Dateiformat ist. Die Technologie könnte mir nicht egaler sein.

Ob dieser Businessplan mit den Usern aufgeht ist verdammt fraglich. Ich bin überzeugt davon, dass neue Kunden den Laden betreten werden. Das sind aber genau die, die auch vorher bezahlt haben. Mehr Umsatz wird dadurch nicht gemacht. Ich stimme da mit dem Artikel komplett überein:

[...] but we estimate, based on talks with several Pirate Bay users, that the majority will wave goodbye and move on to the next torrent site.

The Pirate Bay ist für mich bisher immer die beste Quelle gewesen, für so ziemlich alles. Es wird schwierig sein, einen äquivalenten Ersatz zu finden, und traurig erst recht, wenn ich mein Fan T-Shirt ausziehen muss.

by yeahs in Ohne Worte