
Hit-Boys Beats dominieren vor allem da, wo sie unerwartet sind. Als Producer schafft er es problemlos, gute Rapper – oder gute Musiker – zu besseren zu machen, sie an ihren Schwächen herauszufordern und bei ihren Stärken zu schmeicheln. So gab er – in seiner göttlichen Funktion erinnert er geradezu an Kanye West – Beyoncé für dieses zerstörerische Gerät viel mehr Edge, als sie tragen kann, ohne ihre Stimme oder mit ihrer Attitüde zu brechen. Ich hoffe, da kommt noch mehr; das Schicksalskind könnte als Midlife-Crisis-Mutti mit neuer Subversität und Rebellion gegen die Hausfrau-Schiene mit den Death Gripz auf Tour zurück kommen und dann wäre Popmusik auch endlich gerettet.
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Alabama Shakes

Saturday Night Live ist – Hulu sei Dank – mein neuestes Fenster in eine Fernsehwelt, die uns in der BRD spätestens seit dem Ende von Viva+ verwehrt bleibt. SNL ist ein Einblick in die Bewältigung des amerikanischen Medienalltag mit Humor, der funktioniert.
Die letzte Folge war vor allem deshalb viral angehaucht, weil Christoph Walz – der erste “German speaking SNL-host” – die ganze Sendung mit Finesse und Albernheit moderierte. Viel intensiver gefühlt als Walz (Django immer noch nicht geguckt, manchmal muss man sich ja Filme auch aufheben) habe ich allerdings die Band, die zu Gast war.
Cyril Hahn Guest Mix For Rob Da Bank

BBCs Radio 1 setzt die Messlatte für gute Musiksendungen im öffentlichen britischen Radio – oder generell überall – ziemlich hoch. Immer wieder holen sich die Moderatoren für ihre Sendungen die angesagtesten und heißesten DJs ins Studio, die ihre raffinierten Tanzmusik-Selektionen für die Ohren ungeschulter auflegen. Ich bin ein großer Fan vieler dieser Mixe – man erinnere sich an James Blake, Jamie XX und viele andere Sendungen, die es regelmäßig in den Umlauf schaffen.
Für Radio 1s Rob Da Bank durfte nun Cyril Hahn seine Kunst zum Besten geben. Eine halbe Stunde gut komponierte House-Exzellenz! Whoop Whoop! House hat sowieso derzeit sein großes Comeback. Man denke da an Bicep, die mit ihren 90er Jahre Synth wieder ein bisschen die Stimmung aufpeppen. Cyril Hahn bleibt allerdings klassisch ruhig und gewohnt uneklektisch: stringente Beats und magische Vocals.
Cyril Hahn hat mit seinem Destinys Child Bootleg “Say My Name” vor einigen Wochen einen Monster-Hit für alle House-Besessenen erschaffen. Immer häufiger werden die klassischen R&B- & Popsongs der frühen 2000er gesampelt, sodass der Erinnerungswert, Mitsinggehalt und Eingängigkeit der bereits erfolgreichen Stücke in das House-Genre transportiert werden. Cyril Hahn perfektioniert dieses Anliegen, und sein neuester Mix kann sich – überraschenderweise ohne die kontemporäre EDM-Trap-Bass-HipHop Schiene zu fahren – voll und ganz sehen lassen. Schade, dass die meisten Club DJs nicht so richtig wissen, wie man abwechslungsreiche und spaßbringende House-Musik auflegt. Ich wäre mit Sicherheit wieder öfter beim Tanzen zu finden.
Jessie Ware & BenZel // If You Love Me

Jessie Ware. Diese Frau hat es geschafft, Pferde in meinem Herzen zum Gallopieren zu bringen. Sie laufen in ihrer wilden Schönheit durch Wüsten und Wälder und wirbeln einiges an Staub und Emotionen auf. Ihre Stimme kommt im Gesamtpaket mit einem wunderbar kontemporären Pop-Konzept, dass sich aus der üppigen Schatzkiste der englischen Tanzmusik bedient.
Jessie Ware wird auch bald in Berlin auftreten- im Rahmen der Konzertserie “Introducing“. Dort kann man sich auch noch für die Gästeliste eintragen. Am 19.11. wird sie im Bi “schlechtester Clubname ever” Nuu am Schlesischen Tor zu besten geben und selten habe ich mich so sehr auf einen Pop-Gig gefreut.
Petite Noir // Südafrika

Die Südafrikaner stehen ganz hoch im Kurs der kontemporären Pop-Musik. Im Hip Hop haben sich schon einige kleine Sternchen am Himmel zeigen können. Mit Acts wie Die Antwoord hat sich zudem auch eine kulturelle Annäherung eingeschlichen. Plötzlich ist es irgendwie auch selbstverständlich, neue Bands zu entdecken, die weder britisch noch US-amerikanisch sind, aber mindestens genauso dasselbe Level an Innovation und Sleekness in der Produktion aufweisen können. Das alles trotzdem ohne auf eine gewisse, womöglich heimatverbundene Persönlichkeit zu verzichten, die die Südafrikaner ganz eigenständig mitbringen.
Forever <36
Ich stehe auf diese Mädchen und ihre Sommer-Songs. Auch die Prinzessin vom Block muss mal ihren Schlagring zur Seite legen und einen Mopswelpen streicheln und dabei ein bisschen weinen. Der Move: wenn man es zulässt, werden die doofen Phasen kürzer und die guten wieder intensiver. Dann macht das Spucken in hässliche Gesichter dummer Menschen auch endlich wieder Spaß.
Return of the Mack
Etwas passierte mit ihr, als Morrissons nölige Stimme aus den verstaubten Boxen ertönte. Als hätte ihr ganzer Körper auf diesen Song gewartet, zuckten und zappelten ihre Gliedmaßen mit Gewalt. Sie wollten tanzen, also tanzten sie. Ihre Seele schmollte beleidigt in der Ecke, aber nach einigen Tagen des absoluten Return Of the Mack Overkill ließ sie sich auch auffordern, wenn auch nur, um endlich wieder Kontrolle über diesen nutzlosen Körper zu erlangen und einen anderen Song aufzulegen. Schließlich machte aber auch ihre Seele die Augen zu und hörte auf die weisen Worte englischer One Hit Wonder der 90er Jahre. Ihr Herz tanzte sie aus einer bisher unentdeckten Tür hinaus auf die Tanzfläche zu all den anderen, ihre Seele und ihr Körper gaben sich die Hand und Return Of The Mack wurde für etwas coolere Musik ersetzt, aber sie wusste, ganz tief drinnen, dass es dieser Song war, der sie gerettet hatte. Sie hatte es immer gewusst.
Jesse Boykins III
Was macht Jesse Boykins III anders (oder besser), als Rihanna’s We Found Love es jemals könnte? Eigentlich bestehen beide Songs, sogar beide Videos, aus denselben Zutaten: glitzerpoppige Synth-Rhythmen mit R&B-Stimme und Vintagefeeling. Es gibt womöglich nur eine kleine, feine Linie der Würzmischung, die dann das Rezeptergebnis abrundet, und obwohl ich verlockt bin hier die Köche aufzuführen (Calvin Harris vs. Gold Panda), komme ich eher zu dem Schluss dass das eineRezept nämlich das Original von Muttern ist, das andere die skalierte Formel für die Systemgastronomie.
Der Kantinenfraß ist notwendig und richtungsgebend und bereichernd, aber er enthält keine Vitamine und wahrscheinlich keine Inhalte, hat keinen gesellschaftlichen Mehrwert, dient nicht dem Genuss sondern nur der Sättigung und rechtfertigt nur noch die Existenz von Radiosendern und bedient Menschen, die sich gerne einreden, innerhalb der Populärkultur zur Subkultur zu werden.
Ich bin mittlerweile ein großer Fan von Jesse Boykins geworden, der sich perfekt in den aktuellen Synth-Bass-R&B-Post-Dubstep Trend einreiht, immerhin doch mit konsequentem Sound und sympathischer Bewandung. Sein Mixtape, Way Of A Wayfarer, welches ausschließlich von Gold Panda produziert wurde, kann man sich kostenlos herunterladen.
Terius Nash
The-Dream ist nicht ein altbackener Usher, der jetzt (genauso wie Swiss Beats oder Rihanna) auf den “oh mein Gott RAVE IS THE NEW SHIT” Trend aus der USA aufspringt. Das schöne an The-Dream ist, dass er dem kitschigen, melodischen R&B seiner Zeit treu bleibt, seine Lyrics in Liebessaft tränkt und dann Frauen mit widerlicher Romantik bezirzen möchte. Wenn man aber hinter den Horizont der Klischees blickt, merkt man schnell, dass er sich auch auf Experimente einlässt, kleine Ausschläge in einer geraden musikalischen Kurve. Mit seinem aktuellen Alter Ego Mixtape “Terius Nash” beweist er, wie Vielfältig R&B/Hip-Hop heute ist. Fick dich, Usher, dafür dass du dich beugst um von Pop gebumst zu werden. Und mit Pop meine ich schlechten Mainstream-Geschmack. Alicia Keys, du dumme Nutte.
Ich muss dazu sagen, dass ich nicht jeden Track von Terius Nash / The-Dream feier als wäre es Prince. Im Gegenteil- einiges ist ein bisschen too much, anderes zu crazy. Aber an keiner Stelle fehlt die Innovation, das finde ich schön, das finde ich rund. Und er bleibt durchweg konsequent bei dem, was er macht: Experimente ja, sich wie David Guetta anhören nein. Soviel Konsequenz muss eben belohnt werden, von mir. Und irgendwie macht es ihn ja nur sympathischer, dass er ein Pummelchen ist, das gibt ihm den Credibility Bonus. Ich glaube ihm vielmehr als Usher, dass er Herzschmerz empfindet und sensibel ist. Aber eigentlich steht der obige Song – This Shit Real Ni**a für sich selbst ganz gut. Und Pharrell? Der beweist, dass er auch mehr kann als nur gut aussehen. Obwohl das bei ihm auch ausreicht. Ich weiß auch nicht, was ich hier erzähle. Es war ein perfekter Sonntag und ich bin leicht verstrahlt.
Light Bulb
It feels good to be a gangster.
