Ach, diese wunderschönen Skandinavierinnen.. wie sie nicht nur heiß sind, sondern endsympathisch. Und auf der Bühne hin- und herhopsen als gäbe es kein morgen mehr, und dabei auch noch so süß sind, dass man schon vom angucken Karies kriegt. Und dann, ey, dann können die meistens auch noch gut singen! Und poppig sein! Und zum mitmachen anstiften! Und uns jeder Coolness berauben!
Letzte Woche so geschehen im Privatclub, als Oh Land! in ihrem wunderschönen Antlitz auftrat und mich auch ein bisschen verzauberte. Irgendwo angesiedelt zwischen Bat for Lashes und Annie. Und das ist das Ding, wenn mich jemand auf ein Konzert mitnimmt, obwohl ich die Musik kaum oder nur flüchtig kenne: ich bin bereit dazu, mich überraschen zu lassen und wesentlich offener als bei Konzerten von großen Dingern, die ich anbete. Das gibt meistens nur Enttäuschung. Außer Odd Future, die waren so perfekt, wie man nur perfekt sein kann.
Es wird definitiv Zeit für Sommer, oder mindestens Frühling. Ich sehe diesen Song übrigens demnächst in einigen Serien oder sogar in einem US-College-Film im Hintergrund dudeln… das letzte Mal, dass ich das gesagt habe, war das bei Harlem Shakes’ “Strictly Game” und hey, ich hatte recht.
Ganz, ganz furchtbar; danach muss man eigentlich duschen gehen, so furchtbar ist das, was jetzt kommt. Ich bin ja nur im Herzen so ein Zuckertörtchen, ich muss mich gleich mal selber verprügeln.
Minimal. Alles, woran man denken kann, wenn man in Berlin ist – dreckiger Minimal. Oder vielleicht auch harter Techno. Aber hauptsächlich Minimal. Ich jedenfalls.
Umso entspannter wenn dann soetwas wie ZPYZ auftaucht. Und ich meine nicht nur ein Album, was im Briefkasten liegt. Ich meine die Jutebeutel, die in Bars rumhängen, mit diesem Logo, das einen wieder backflashen lässt.. da war doch so ein Sound, man.. und diese kleinen Videos..
Das Album – 2080 – ist endlich veröffenlticht worden. Ich hasse Alben, in ihnen zerfließen die Tracks, die aus einem Handgelenk, aus einer Session gekommen sind, zu einem einzigen, undurchsichtigen Song. ZPYZ haben die Tradition für mich durchbrochen- ziemlich interessant, fast schon legendär, sowas zu schaffen…
Dreckig ist es trotzdem, dieses Elektropopding, und das düstere Sci-Fi Image, dass die Jungs sich aufgebaut haben. Immer wieder habe ich sie verpasst; Konzerte, Interviews. Shit. Und beim Berlin Festival sind sie auch nicht. Dafür halt hier; neben Marteria zur Zeit der einzige deutsche Gig, der halt genau meinen Geschmack trifft. Vielleicht neben Marteria auch der einzige deutsche Gig zur Zeit, der überhaupt irgendeinen Geschmack trifft. Wenn auch nur popmäßig.
Nachdem anscheinend gerade sowieso Music Week ist, möchte ich einen weiteren Schritt in unsere gemeinsame Vergangenheit wagen und mal eines klar stellen: auch, wenn es nicht ganz meiner Vorstellung von Coolness entspricht, verdammt, ich liebe Hanson (um die Coolness wieder hochzuhebeln: ich besaß mit Vierzehn ein T-Shirt auf dem drauf stand “I Fucked The Girl In Hanson” was mir meine Mutter dann aber ziemlich übel nahm und wegschmiss. Die vier Tage hatte es sich jedenfalls gelohnt, und ich war wieder Heldin der Finsternis).
Hanson, für alle, die es nicht wissen, machten auch nach ihrem One Hit Wonder Mmmbop weiter Musik (und haben damit wohl als einzige 90er-Jahre-Sensation überlebt), und zwar überraschend gute. In der Zwischenzeit sind die Jungs übrigens auch echt lecker geworden. Was? Das wird man ja wohl einfach mal behaupten dürfen…
Als ich in der 3. Klasse war, lud mich meine beste Freundin Sabrina– heute hat sie eine freche Kurzhaarfrisur, drei Kinder, raucht Stange und versucht ihre gelben Fingernägel mit einer dicken Gel-Schicht zu verstecken – auf ihren Geburtstag ein. Ich war immer sehr fasziniert von Sabrinas Haus, und ihren Eltern.
Wir wohnten beide in Reihenhäusern, mehr Gemeinsamkeiten fanden wir nicht. Wir waren beste Freundinnen geworden weil der Platz neben ihr in der ersten Klasse als einziger noch frei war. Die Regeln der Grundschule besagen dass die Person, die im Unterricht neben dir sitzt, sofort und ohne möglichen Widerruf dein bester Freund wird. Und so kam es also.
Bei uns gab’s zum Frühstück Humus und Cornflakes, bei ihr gab es Corned Beef und Butterkäse. Ihre Mutter war Hausfrau, Sabrina Einzelkind, meine Ma (die ich seit jeher auch wirklich Ma nenne) hatte vier Kinder (mich, zwei Brüder und Darth Vater), zu der Zeit mindestens drei Jobs und die nervigsten Freunde die man sich vorstellen kann. Ich gluabe, meine Mutter war damals beschäftigter als der amerikanische Präsident, aber wenn das die Clinton-Ära war dann ist das auch nicht schwer. Bei uns war alles mega chaotisch und zusammengewürfelt (ich bin bis heute überzeugt davon, dass meine Mutter ein Messi ist und sich lediglich vor uns noch zusammenreißen kann). Bei Sabrina zu sein war damit eine Oase der Ruhe: Terrakotta als wirkungsvolle Sinnesbetäubung. Überall. Osterdeko in grün und blau. Jeder Raum farblich abgestimmt- das Badezimmer war gelb, ich erinnere mich noch.
Sabrinas Vater war LKW-Fahrer, dickbäuchig und immer für einen Spaß zu haben. Er redete immer in seinem hessischen Dialekt so auf mich ein, dass ich ihn unmöglich verstehen konnte. Wenn ich dann nach Hause ging und statt “ich will nicht” “ich will net” sagte, gab es von meinem Vater Schelle. “Ausländer müssen Hochdeutsch reden, sonst schaffen sie es nicht!” Ich antwortete darauf sehr oft “DU NAZI!”, weil er meinte, so müsste man die Kinder nennen, die einen als Ausländer beschimpfen.
Sabrina hat zu ihrem 8. oder 9. Geburtstag einen CD-Player und gleich die passende Sammlung aktueller Popmusik geschenkt bekommen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Einen CD-Player! Man, ich hatte eine Kassette zu meinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen, mit Rolf Zack’s Kinderliedern, der erste Schritt zur Kinderschlagerkarriere. Bis heute setzt sich aus dem Spruch “Take It Easy” ein Reim in meinem Kopf zusammen, der dieser Kassette verschuldet ist, “Take It Easy, Nimm’s Leicht, Hast du denn heute NICHTS ERREICHT ARRRGH!”, das verhält sich wie der Ohrwurm zu “Danke für diesen guten Morgen“, auch so eine deutsch-musikalische Pest, die mir mein Leben lang wichtigen Platz im Langzeitgedächtnis raubt ((auch gut war “Was zieh ich an, was zieh ich an, damit man mich auch gut sehen kann, gelb leuchtet hell, rot sieht man schnell, darum ist klar was ich jetzt wählOMG ICH KANN NICHT AUFHÖREN”)). Sabrina war auch diejenige, die schon auf das Backstreet Boys Konzert gehen durfte mit ihren Eltern. BACKSTREET BOYS! Da durften normalerweise nur die Großen hin! Sabrina fand Brian immer toll, und unsere andere Freundin, Natalie, fand immer Nick gut, das heisst ich musste mir noch einen von den anderen, hässlichen Mitgliedern aussuchen und schwankte immer zwischen Howie und AJ. Als Natalie nicht mehr zu uns gehörte, durfte ich endlich Nick gut finden. Anyway.
Zusammen mit den vier anderen Kackstelzen-Kindern saßen wir im Garten auf der Terrasse und tanzten zu Ace of Base, Captain Jack und Mr. President ((haha, bei YouTube kommt Mr. President schon automatisch in den Related Videos, wenn man Ace of Base abspielt– überhaupt, bei den Related Videos findet sich die ganze Playlist von Sabrinas Geburtstag, ich bin völlig überwältigt)), ich bin mir auch ziemlich sicher, das Sabrina’s Mutter die Blonde in Mr. President war, die hatte auch so eine Platinblonde Kurzhaarfrisur und ein Nasenpiercing (hätte sich aber ruhig mal öfter liften lassen können).
Hach.
An das erinnere ich mich, wenn ich Alphabeat höre. Nicht an Sabrina, sondern an Mr. President, Ace of Base und so weiter. Aber dann erinnere ich mich auch gleichzeitig an Sabrina, das gibt der ganzen Sache einen bitteren Nachgeschmack, und dann muss man ja auch irgendwie erwähnen, dass diese Menschen den ganzen Tag SZ-Schnitten gefuttert haben. Meine Mutter hat, als ich mal Schokolade zum Frühstück forderte, einfach ein Snickers auf dem Fladenbrot zerbröselt. Das hat’s auch getan, und die Deutschen müssen dafür wieder was Neues erfinden, hah.
Alphabeat also. Ich dachte ja, mit 10000 Nights of Thunder hätte sich ein neuer Karaoke-Hit für alle Zeiten etabliert, but naw man, es blieb bei meinen Road Trips und dem Singen-aus-dem-Fenster. 10000 Nights Of Thunder. Hach. Bis heute suche ich noch einen würdigen Duettpartner, der sich mit mir auf die Bühne traut.
I was not looking for arty farty love
I wanted someone to love completely
Someone more than weekly
Arty farty love. Hach.
Dann kam die orgasmische Coca-Cola Werbung, “Fascination”, aber anale grande. Nichts mehr ging in meinem Nervenzentrum, nur noch “FAASCINATION!” und meine Antwort darauf, jedes Mal, auch noch im Burger Kind Drive Thru, “PENETRATION!!“, nur im BH bekleidet, völlig dicht und mit Pappkrone auf der Platte. FASCINATION!! PENETRATION!! FASCINATION!! PENETRATION!!
Der Typ sieht halt auch genau so aus, wie man ihn sich vorstellt. Ach, diese Skandinavier. Alles machen sie richtig.
.. und jetzt erst recht: “Hole In My Heart” (welches man natürlich nicht embedden kann, Leben wäre ja auch sonst zu schön) was ja für sich alleine schon ein Pop-Meisterwerk ist (wie kann man denn Britney Spears oder Timbaland noch als Pop bezeichnen? Das sind ABC-Waffen zur Betäubung aller funktionierenden Gehirnzellen, gehört vor das Kriegsgericht nach Nürnberg, auf eine Bank neben Jamba und Tila Tequila und dieses Ramalamadingdongzeug), wurde nochmal von Sound of Arrows durchgeflext und ich krieg mich nicht mehr ein, das ist wie das Zeug, dass auf der Zunge so bitzelt wenn man es sich in den Mund steckt.
Hört auf versaute Dinge zu denken.
Alphabeat also. Ein Traum von Popmusik. Mein Herz seufzt vor Freude.
Uh, es ist mal wieder so weit: meine Temporäre Favorite Tracks Playlist (die ich in iTunes mit dem spirituellen Namen “Momentum” belegt habe) beinhaltet mehr als (nur) irgendwelche R&B-Rotze, die mir immer im Gehör kleben bleibt. Anders ausgedrückt: eine Version der Favorites, die mir nicht (nur) peinlich ist. Die Songs, die ich finden konnte, habe ich bei Grooveshark in die Playlist gehauen. Let it roll, baby.
Synth-Pop! Ich liebe Synth-Pop! Die Welt braucht einfach mehr Synth-Pop, damit man ihr das prädikat “gut” verleihen kann! Private, eine dänische Band, hat vor zwei Jahren den fetten Killersong “Secret Lover” veröffentlicht, der seitdem durch die Intertubes-Remix-Maschine gedreht wurde bis er letztendlich verstümmelt wimmernd auf dem Boden lag und alle nur noch vorbeiliefen..
Anyway: jetzt wurde das Video zum Song veröffentlicht, und ich jauchze vor Freude. Ist es Perversion? Man weiß es nicht…
Als ich 15 war, bin ich kurzzeitig von zu Hause ausgebüchst. Ich habe niemals jemandem davon erzählt, was aber jetzt nicht so tragisch ist, weil ich ungefähr vier Stunden (“Ich geh in die Bibliothek”) durch die Gegend geirrt bin und aus Trotz nicht nach Hause gegangen bin, weiß Gott wieso. Naja, als es kalt wurde bin ich wieder zurückgekrochen und habe mir hoch und heilig geschworen, ich würde es am nächsten Tag durchziehen (hab ich nicht).
Ich war damals die Ausgeburt der Depression, glaube ich. Ich bemitleide im Nachhinein alle, die so einen schwierigen, melancholischen und depremierten Teenager um sich herum ertragen mussten, ein Teenager, der dachte, er wäre in seinem Weltschmerz einzigartig. Das erinnert mich auch immer an das furchtbare Schicksal, dass Kunstkritiker erleiden müssen, wenn sie sich die Werke von jungen Menschen zu Gemüte führen, die die Kunst ausschließlich als Ventil für ihren Schmerz nutzen. Nicht, dass man ihn deshalb weniger Ernst nehmen sollte– aber irgendwann merkt man eben doch, dass fast jeder diese Entwicklung durchmacht… das nimmt der Sache ihren Charme.
… ich habe den Gefühlszustand nicht vergessen. Ich weiß, wie aufgeschmissen ich war. Daran erinnert mich immer wieder ein einziger Song, der mittlerweile aber auch mehr ist, als nur die Oper meines anstehenden Suizids (ich war mir ziemlich sicher, dass ich mit 21 nicht mehr Leben würde– ich bin mir heute auch noch ziemlich sicher, dass ich spätestens mit 24 an einem Herzinfarkt krepiere, aber wohl kaum freiwillig).
“To Be Free”, aus dem Album Love In the Time of Science von Emiliana Torrini (Affiliate Link), die bis heute mit jedem Song ein Stück meines Herzens bewegen kann. Eine wunderschöner Song für einen nassen Herbst. Übrigens macht das Island auch wieder ein ganzes Stück sympathischer.