Hole In My Heart

Veröffentlicht January 12, 2010

Als ich in der 3. Klasse war, lud mich meine beste Freundin Sabrina– heute hat sie eine freche Kurzhaarfrisur, drei Kinder, raucht Stange und versucht ihre gelben Fingernägel mit einer dicken Gel-Schicht zu verstecken – auf ihren Geburtstag ein. Ich war immer sehr fasziniert von Sabrinas Haus, und ihren Eltern.

Wir wohnten beide in Reihenhäusern, mehr Gemeinsamkeiten fanden wir nicht. Wir waren beste Freundinnen geworden weil der Platz neben ihr in der ersten Klasse als einziger noch frei war. Die Regeln der Grundschule besagen dass die Person, die im Unterricht neben dir sitzt, sofort und ohne möglichen Widerruf dein bester Freund wird. Und so kam es also.

Bei uns gab’s zum Frühstück Humus und Cornflakes, bei ihr gab es Corned Beef und Butterkäse. Ihre Mutter war Hausfrau, Sabrina Einzelkind, meine Ma (die ich seit jeher auch wirklich Ma nenne) hatte vier Kinder (mich, zwei Brüder und Darth Vater), zu der Zeit mindestens drei Jobs und die nervigsten Freunde die man sich vorstellen kann. Ich gluabe, meine Mutter war damals  beschäftigter als der amerikanische Präsident, aber wenn das die Clinton-Ära war dann ist das auch nicht schwer. Bei uns war alles mega chaotisch und zusammengewürfelt (ich bin bis heute überzeugt davon, dass meine Mutter ein Messi ist und sich lediglich vor uns noch zusammenreißen kann). Bei Sabrina zu sein war damit eine Oase der Ruhe: Terrakotta als wirkungsvolle Sinnesbetäubung. Überall. Osterdeko in grün und blau. Jeder Raum farblich abgestimmt- das Badezimmer war gelb, ich erinnere mich noch.

Sabrinas Vater war LKW-Fahrer, dickbäuchig und immer für einen Spaß zu haben. Er redete immer in seinem hessischen Dialekt so auf mich ein, dass ich ihn unmöglich verstehen konnte. Wenn ich dann nach Hause ging und statt “ich will nicht” “ich will net” sagte, gab es von meinem Vater Schelle. “Ausländer müssen Hochdeutsch reden, sonst schaffen sie es nicht!” Ich antwortete darauf sehr oft “DU NAZI!”, weil er meinte, so müsste man die Kinder nennen, die einen als Ausländer beschimpfen.

Sabrina hat zu ihrem 8. oder 9. Geburtstag einen CD-Player und gleich die passende Sammlung aktueller Popmusik geschenkt bekommen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Einen CD-Player! Man, ich hatte eine Kassette zu meinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen, mit Rolf Zack’s Kinderliedern, der erste Schritt zur Kinderschlagerkarriere. Bis heute setzt sich aus dem Spruch “Take It Easy” ein Reim in meinem Kopf zusammen, der dieser Kassette verschuldet ist, “Take It Easy, Nimm’s Leicht, Hast du denn heute NICHTS ERREICHT ARRRGH!”, das verhält sich wie der Ohrwurm zu “Danke für diesen guten Morgen“, auch so eine deutsch-musikalische Pest, die mir mein Leben lang wichtigen Platz im Langzeitgedächtnis raubt ((auch gut war “Was zieh ich an, was zieh ich an, damit man mich auch gut sehen kann, gelb leuchtet hell, rot sieht man schnell, darum ist klar was ich jetzt wählOMG ICH KANN NICHT AUFHÖREN”)). Sabrina war auch diejenige, die schon auf das Backstreet Boys Konzert gehen durfte mit ihren Eltern. BACKSTREET BOYS! Da durften normalerweise nur die Großen hin! Sabrina fand Brian immer toll, und unsere andere Freundin, Natalie, fand immer Nick gut, das heisst ich musste mir noch einen von den anderen, hässlichen Mitgliedern aussuchen und schwankte immer zwischen Howie und AJ. Als Natalie nicht mehr zu uns gehörte, durfte ich endlich Nick gut finden. Anyway.

Zusammen mit den vier anderen Kackstelzen-Kindern saßen wir im Garten auf der Terrasse und tanzten zu Ace of Base, Captain Jack und Mr. President ((haha, bei YouTube kommt Mr. President schon automatisch in den Related Videos, wenn man Ace of Base abspielt– überhaupt, bei den Related Videos findet sich die ganze Playlist von Sabrinas Geburtstag, ich bin völlig überwältigt)), ich bin mir auch ziemlich sicher, das Sabrina’s Mutter die Blonde in Mr. President war, die hatte auch so eine Platinblonde Kurzhaarfrisur und ein Nasenpiercing (hätte sich aber ruhig mal öfter liften lassen können).

Hach.

An das erinnere ich mich, wenn ich Alphabeat höre. Nicht an Sabrina, sondern an Mr. President, Ace of Base und so weiter. Aber dann erinnere ich mich auch gleichzeitig an Sabrina, das gibt der ganzen Sache einen bitteren Nachgeschmack, und dann muss man ja auch irgendwie erwähnen, dass diese Menschen den ganzen Tag SZ-Schnitten gefuttert haben. Meine Mutter hat, als ich mal Schokolade zum Frühstück forderte, einfach ein Snickers auf dem Fladenbrot zerbröselt. Das hat’s auch getan, und die Deutschen müssen dafür wieder was Neues erfinden, hah.

Alphabeat also. Ich dachte ja, mit 10000 Nights of Thunder hätte sich ein neuer Karaoke-Hit für alle Zeiten etabliert, but naw man, es blieb bei meinen Road Trips und dem Singen-aus-dem-Fenster. 10000 Nights Of Thunder.  Hach. Bis heute suche ich noch einen würdigen Duettpartner, der sich mit mir auf die Bühne traut.

I was not looking for arty farty love
I wanted someone to love completely
Someone more than weekly

Arty farty love. Hach.

Dann kam die orgasmische Coca-Cola Werbung, “Fascination”, aber anale grande. Nichts mehr ging in meinem Nervenzentrum, nur noch “FAASCINATION!” und meine Antwort darauf, jedes Mal, auch noch im Burger Kind Drive Thru, “PENETRATION!!“, nur im BH bekleidet, völlig dicht und mit Pappkrone auf der Platte. FASCINATION!! PENETRATION!! FASCINATION!! PENETRATION!!

Der Typ sieht halt auch genau so aus, wie man ihn sich vorstellt. Ach, diese Skandinavier. Alles machen sie richtig.

.. und  jetzt erst recht: “Hole In My Heart” (welches man natürlich nicht embedden kann, Leben wäre ja auch sonst zu schön) was ja für sich alleine schon ein Pop-Meisterwerk ist (wie kann man denn Britney Spears oder Timbaland noch als Pop bezeichnen? Das sind ABC-Waffen zur Betäubung aller funktionierenden Gehirnzellen, gehört vor das Kriegsgericht nach Nürnberg, auf eine Bank neben Jamba und Tila Tequila und dieses Ramalamadingdongzeug), wurde nochmal von Sound of Arrows durchgeflext und ich krieg mich nicht mehr ein, das ist wie das Zeug, dass auf der Zunge so bitzelt wenn man es sich in den Mund steckt.

Hört auf versaute Dinge zu denken.

Alphabeat also. Ein Traum von Popmusik. Mein Herz seufzt vor Freude.

Alphabeat – Hole In My Heart (Sound Of Arrows Remix)
Alphabeat- Hole In My Heart

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Favourite Tracks #3

Veröffentlicht December 23, 2009

Uh, es ist mal wieder so weit: meine Temporäre Favorite Tracks Playlist (die ich in iTunes mit dem spirituellen Namen “Momentum” belegt habe) beinhaltet mehr als (nur) irgendwelche R&B-Rotze, die mir immer im Gehör kleben bleibt. Anders ausgedrückt: eine Version der Favorites, die mir nicht (nur) peinlich ist. Die Songs, die ich finden konnte, habe ich bei Grooveshark in die Playlist gehauenLet it roll, baby.

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Private – Secret Lover

Veröffentlicht December 15, 2009

Synth-Pop! Ich liebe Synth-Pop! Die Welt braucht einfach mehr Synth-Pop, damit man ihr das prädikat “gut” verleihen kann! Private, eine dänische Band, hat vor zwei Jahren den fetten Killersong “Secret Lover” veröffentlicht, der seitdem durch die Intertubes-Remix-Maschine gedreht wurde bis er letztendlich verstümmelt wimmernd auf dem Boden lag und alle nur noch vorbeiliefen..

Anyway: jetzt wurde das Video zum Song veröffentlicht, und ich jauchze vor Freude. Ist es Perversion? Man weiß es nicht…

 
 

Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free

Veröffentlicht November 17, 2009

Als ich 15 war, bin ich kurzzeitig von zu Hause ausgebüchst. Ich habe niemals jemandem davon erzählt, was aber jetzt nicht so tragisch ist, weil ich ungefähr vier Stunden (“Ich geh in die Bibliothek”) durch die Gegend geirrt bin und aus Trotz nicht nach Hause gegangen bin, weiß Gott wieso. Naja, als es kalt wurde bin ich wieder zurückgekrochen und habe mir hoch und heilig geschworen, ich würde es am nächsten Tag durchziehen (hab ich nicht).

Ich war damals die Ausgeburt der Depression, glaube ich. Ich bemitleide im Nachhinein alle, die so einen schwierigen, melancholischen und depremierten Teenager um sich herum ertragen mussten, ein Teenager, der dachte, er wäre in seinem Weltschmerz einzigartig. Das erinnert mich auch immer an das furchtbare Schicksal, dass Kunstkritiker erleiden müssen, wenn sie sich die Werke von jungen Menschen zu Gemüte führen, die die Kunst ausschließlich als Ventil für ihren Schmerz nutzen. Nicht, dass man ihn deshalb weniger Ernst nehmen sollte– aber irgendwann merkt man eben doch, dass fast jeder diese Entwicklung durchmacht… das nimmt der Sache ihren Charme.

… ich habe den Gefühlszustand nicht vergessen. Ich weiß, wie aufgeschmissen ich war. Daran erinnert mich immer wieder ein einziger Song, der mittlerweile aber auch mehr ist, als nur die Oper meines anstehenden Suizids (ich war mir ziemlich sicher, dass ich mit 21 nicht mehr Leben würde– ich bin mir heute auch noch ziemlich sicher, dass ich spätestens mit 24 an einem Herzinfarkt krepiere, aber wohl kaum freiwillig).

“To Be Free”, aus dem Album Love In the Time of Science von Emiliana Torrini (Affiliate Link), die bis heute mit jedem Song ein Stück meines Herzens bewegen kann. Eine wunderschöner Song für einen nassen Herbst. Übrigens macht das Island auch wieder ein ganzes Stück sympathischer.

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Rewind: Uh Huh Her, Explode

Veröffentlicht October 27, 2009

… und damit die Einführung einer neuen Unterkategorie: Rewind, Musik aus der Vergangenheit. Kennt ihr das, wenn ihr ein Lied hört, und plötzlich fühlt ihr euch in einen vergangenen Zustand versetzt? Meistens weiß ich noch nicht mal, welche Situation genau das betrifft– es ist eher ein vager Zeitraum, den ich wieder spüren kann. Genauso wie bei einem Duft, der plötzlich meine Gedanken stoppt und zurückwirft.

Hier also Uh Huh Her: Explode, aus dem Album Common Reaction. Ist gar nicht so lange her- diesen März, ungefähr, als es langsam warm wurde, und ich gerade in das größere Zimmer zog, dass ich aber nur zwischenzeitlich bewohnte. Nach einem Minus-Zwanzig-Grad Winter war jedes bisschen Sonnenschein willkommen. Erstaunlicherweise passt dieser Track mindestens genauso gut in diesen kommenden Winter. Whatever. Ein furchtbares Video, übrigens, in dem Lyrics wie “I’ve got you inside me” gekürzt werden. Entschuldigung? Ich empfehle jedem einen Trip zu eurem örtlichen Abfixxer, der kann euch den Track dann vollständig übermitteln.

Rewind: Uh Huh Her, Explode · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 

Florence For Lashes

Veröffentlicht October 8, 2009

Okay, ich hätte es ja kaum vorhersagen können, dass in der Hipster-Hochburg Berlin das Florence + The Machine Konzert ausverkauft sein würde. Ich vergesse halt manchmal, dass mein großartiger und elitärer Musikgeschmack in Berlin nicht als solcher wahrgenommen wird. Als ich noch bei den Eltern gewohnt habe wurde ich mit Respekt und Bewunderung als “Track Dealer” bezeichnet, weil ich die Suchtkrüppel mit den neuesten Klängen aus der Musikwelt fütterte. Fuck, ich wusste immer ganz genau, was groß rauskommt, noch bevor es rauskam. Seriously.

Florence + The Machine

… in Berlin schaffe ich es gerade so, mitzuhalten. Klar könnte ich mich da auch noch weiter reinsteigern, aber ich hab mittlerweile besseres zu tun und bin lediglich frustriert, wenn ich drei Wochen lang die gleichen Songs höre und mir davon langweilig wird. Umso ärgerlicher ist es, dass ich das Tickets kaufen für Florence & The Machine ständig aufgeschoben habe. Florence hat es als einzige in ungefähr 6 Monaten geschafft, meine Artists Charts mal ein bisschen aufzurütteln. Und dabei bin ich mit dem Album noch nicht mal vollständig durch! Eine Katastrophe ist das alles.

Weil ich aber diesen Verlust an Live-Action kompensieren möchte und nicht auf meine monatliche Dosis “Gutaussehende Frau mit Hammer Stimme” verzichten will, habe ich mich in einer spontanen Aktion mit Marcel zusammengeschlossen – der übrigens immer noch jammert wie ein Akkordeon weil er eine leichte Erkältung hat- und werde stattdessen dem Bat For Lashes Konzert im Postbahnhof beiwohnen dürfen. Und spontan war das jetzt eigentlich auch nicht.

Bat For Lashes hat meiner Meinung nach ein eigenes Genre entwickelt, dass Florence dann halbherzig übernommen und noch in etwas viel besseres umgewandelt hat. Natasha Khan (so heißt die Bat For Lashes Uschi, und ich musste echt ein bisschen überlegen ob ich sie nicht liebevoll “Bat” nennen soll) hat so eine milde Thrillermusik auf den Tisch gekloppt. Ich nenne es “Panik-Pop”. Ich komme nicht drumherum, mir bei ihrem zweiten Album,  Two Suns, ständig irgendwleche nebelige und dunkle Märchenwälder mit schizophrenen Einhorns vorzustellen. Und ja, ich weiß dass “Einhorns” kein Plural ist, und es ist mir egal.

Anyway. Natasha und Florence, das nenn ich einen Girl on Girl Porno. Wer also noch ein Ticket für das F+tM Konzert am Montag übrig hat, weiß, wen er damit glücklich macht: mich. Und wenn ich nicht glücklich bin, gibt’s auch keine Umsonst-BJs (die gibt’s auch nicht, wenn ich glücklich bin, aber dann schrumpft immerhin das Risiko dass ich euch verprügel).

 
 

Kindheitsschwarm

Veröffentlicht September 9, 2009

Oh man, die Franzi, die macht hier Sachen.. die haut irgendwelchen alten Songs raus, die man echt vergessen wollte.. beziehungsweise die von Menschen gemacht wurden, die damals die Stars an meinen Mädchenzimmerwänden waren… boah, THE MOFFATS. Ich kann dazu ja echt nicht viel mehr sagen außer:

1. Kinderporno

2. Mädchenschwarm:

Kindheitsschwarm · Kategorien: Musik · 3 Kommentare
 
 

Mixtape: Sick, Sick, Sick

Veröffentlicht August 20, 2009

Was macht man, wenn man krank ist, zu Hause rumliegt und vor Langeweile fast umkommt? Richtig, man lässt die Beine schön am Fenster bräunen und schimmelt im Bett rum. Und hört natürlich Musik.

Mixtape: Sick, Sick, Sick

Deshalb gibt’s nämlich jetzt auch mein Krankheits-Mixtape, eine Mischung aus alten und neuen Lieblingsliedern, die mich aufheitern, bzw. bei denen ich mich schön selbstbemitleiden kann während ich wie ein Meth-Junkie rumhuste. Der Spaß, der Spaß.

Tracklist:

  • Bob Dylan – Like A Rolling Stone
  • Julian Plenti – Only If You Run
  • Justine Electra – Killalady
  • Elephant – Misfit
  • Simian Mobile Disco – Bad Blood
  • Xx – Basic Space
  • Calvin Harris – Worst Day
  • Lykke Li – Everybody But Me
  • Plain White T’s – 1, 2, 3, 4
  • Fleetwood Mac – Go Your Own Way
  • Tracy Chapman – Fast Car
  • Lynyrd Skynyrd – Free Bird

Wo man diese tollen Töne zu hören bekommt? Nun ja, wer auf das Gezwitscher hört, der weiß, wo er suchen muss…

 
 
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