"Girl gone wide."


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Die aktuelle Entwicklung von Pop-Musik sieht man am besten an Ushers Diskographie. Er ist nicht nur schon ziemlich lange dabei, er ist dabei auch konsequent erfolgreich. Und das nicht trotz, sondern weil er sein Genre subtil (und dann nicht mehr ganz so subtil) mit der Zeit in etwas anderes reformiert hat. Einst von R&B geformt ist er nun die Bronze-Statue auf dem Dancefloor der elektronischen Tanzmusik.

Usher: My Way (1997)

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by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Alleine die erste Singleauskopplung des neuen Rihanna Albums zu hören war schon eine kleine, nun ja, bedeutsame Epiphanie (wenn auch nicht unbedingt eine positive). Ich denke, “We Found Love” ist im Lichte aller US-amerikanischer Musikentwicklung der letzten Monate ein perfektes Beispiel für den seelenlosen Untergang der letzten vertrauenswürdigen Bastion: Pop.

Ich habe meinen größten Spaß daran zu beobachten, wie sich Untergrund-Elemente der Musik plötzlich in den Mainstream schleichen, von talentierten Produzenten benutzt und ausgeschlachtet werden und inflationär in jeden (Pop) Song gepackt werden, der sich anbietet. Letztendlich ist vielleicht genau diese Methodik die richtige, um eine Entwicklung (egal ob in Form eines Revivals der 90s oder einer kontemporären Dubstep-Formel) voranzutreiben. Nur: was passiert, wenn auf einmal nicht nur musikalische Elemente des Kompositions-Bausatz ausgetauscht werden, sondern ein ganzer Lifestyle herum konstruiert wird?

Genauer gesagt werden gerade Kulturen auf ganz neuen Ebenen vermischt, die dann von der Musik repräsentiert werden. Wieder würde ich das Internet als Kommunikations- und Ideenkanal dafür beschuldigen, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Vielmehr steht eine ganz gewaltige und unüberwindbare Frage in meinem Kopfraum: Was zur Hölle machen die Amerikaner da?

Calvin Harris produziert einen Song von Rihanna, die in ihrer Person zumindest bis dato für eine Neu-Erfindung der Popmusik stand. Songs wie Pon De Replay oder Umbrella waren unverkennbar Pop und gleichzeitig in ihrer Finesse neu und erfrischend; “We Found Love” hingegen ist – und wir haben hier nicht mal im Ansatz angefangen, über das Video zu reden – vielmehr einer untersten europäischen Schublade entliehen. Die seichten Lyrics waren für einen kitschigen Einstieg in die Gute Laune irgendwie zu erwarten. Alles andere erinnert weniger an einen (und das war ja scheinbar das auditive Ziel) Warehouse Rave als an die Hintergrundbeschallung einer Dorfkirmes, Hauptattraktion “Breakdancer”, der mit “WOLLT IHR NOCH MAL SCHNELL-EEEEEEEEEEEER?” kommentiert wird.

(Das Video ist in Deutschland nicht verfügbar, falls also der Vimeo-Upload bald nicht mehr funktioniert, müsst ihr mal selbst danach googeln)

Nachdem die USA in den letzten Jahren mit all ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fehlbarkeiten sich selbst gegeißelt haben und von Europa, dem Mittleren Osten und gar China und Russland als “der kränkelnde Rechthaber” verurteilt wurden, blieb ihnen ja nichts anderes übrig und unter der schweren Last der Wahrheit zusammenzubrechen: wir sind ein Volk ohne Werte, ohne Charme, ohne Stil und ohne Geschmack, alles, was wir können ist Dinge groß ziehen, Sachen kopieren und sie so lange aussaugen bis wir nur noch einen leeren Corpus zurücklassen. Und so schaute man plötzlich nach Europa rüber, um sich inspirieren zu lassen. Der Hipster, der selbst ernannte König aller Kultureliten, reicht in den USA aber leider nicht an die Fähigkeiten eines Franzosen oder eines Engländers heran, denn Kultur, so Leid es mir tut, kann man sich nicht klauen. Man kann sie in einem abgespeckten Paket kaufen und sich dann darin suhlen.. das hat sich auch Rihanna gedacht.

Vintagebriese und Konfettistimmung: “We Found Love” hätte auch mit einem Dubstep-Edit von Skrillex nicht punktueller sein für die zeitgenössische Art, sich an der europäischen Elektro-Dance-Techno Szene zu orientieren. Leider wirkt das Ergebnis für alle (außer für die anscheinend weltfremden Amerikaner) eher befremdlich. Wenn Rihanna, eine der (international) erfolgreichsten Künstlerinnen der Pop Musik, sich an Produktionen herantraut, für die sogar Blümchen sich schämen würde, was passiert dann folglich mit uns? Waren es nicht sogar bisher die Deutschen, die sich hauptsächlich in ihren Charts an die Auswahl des Billboard Magazines gerichtet haben? Wird das jetzt ein Teufelskreis? Wird der “Trancey Keyboard Stargate” Rave wieder zu uns zurückkommen, weil die Popmaschinerie über dem Atlantik es für sich “neu erfunden” hat?

Ich frage mich, ob die Teenager aus NYC und LA verstehen, dass der Rave in Rihannas Video so nicht stattfindet. Man kotzt von einer Überdosis leider keine lustigen Zirkusfarben und man sieht nach dem Feiern leider nicht so gut aus. Die Spielautomaten klingeln dann nicht nach und die Zigaretten schmecken auch nicht gut. Muss ich mir Gedanken darüber machen, dass das Video an Requiem For A Dream angelehnt ist? Muss ich mich ärgern, dass die Kids leider wahrscheinlich nicht verstehen werden, dass es sich hier nicht um ein harmloses Trainspotting handelt? Ist die Ästhetik im Film nicht eigentlich auch schon vier Jahre alt und was ist das jetzt, ein Werk mit FFFFOUND-Ästhetik, oder eines, das für den überheblichen, elitären Europäer eine schlechte Kopie einer von Anfang an schlechten Idee war? Ist das jetzt noch Retro-Pop, oder ist das außerordentlich bescheuert? Sind Festivals in den USA jetzt in? Will man sich jetzt MDMA und Speed schmeißen, um wie in den Londoner Clubs abzugehen?

Irgendwo in mir brodelt die Hoffnung, dass die USA schon bald wieder ihre Souveränität auf dem internationalen Politikparkett wiederfinden, um vielleicht auch ihr popkulturelles Selbstbewusstsein wieder anzustacheln. Mehr Hip Hop aus Compton, bitte, mehr Indie Rock aus Seattle und mehr Popmusik aus Miami, aber eine ganze Zielgruppe zu entwickeln, die sich gehirnlos in nicht-existierende Kulturen verliebt, das ist nicht nachhaltig. Und nur weil sich die Inspirationswege verkürzt haben, heißt das ja nicht, dass man jetzt auch alles machen muss, was die anderen machen. Das soll mal weiterhin den Deutschen überlassen werden.

by yeahs in Musik


Ich weiss nicht, was creepier ist, der Film selbst oder dieser absolut furchtbare Trailer. In jedem Fall musste ich vor Kurzem an The Blue Lagoon denken und wie ich ihn heimlich (also, was heisst heimlich – lazy Saturday afternoon at the S-Headquarters ohne elterliche Aufmerksamkeit) zum ersten Mal geguckt habe und nichts davon verstanden habe. Ausser dass ich bei den Kuss- und Fickifickiszenen nicht weggeschaltet habe, wie es mir meine Eltern sonst auferlegt haetten, und ich mit grossen Augen davor sass und meine kriminellen Aktivitaeten als grossartige Gefuehlsebene interpretierte fuer ein Leben voller Wahnsinn und Abenteuer.

Irgendwann fiel mir dann auf dass ich keine Ahnung hatte worum es in dem Film ueberhaupt geht.

Jedes Mal, wenn ich Fight Club lese, komme ich zu dem Schluss dass das Buch eindeutig nicht dem Film gerecht wird. Ich weiß, es ist eigentlich anders herum, aber was Finchipinchi aus Brad Pitt und Eddie Norton rausgeholt hat ist einzigartig und kann nicht in Worte gefasst werden. Auch nicht in die Worte der Person, die sich das ganze Konzept der Fight Club Dimension ausgedacht hat. Ich weiß nicht, ob man das in die Kategorie “Ironie” fassen kann, wenn Interpretationen oder Visionen besser sind als die eigentliche Idee, aber interessant bleibt es trotzdem. Ich glaube, Chuck P. hat das selber irgendwann gesagt, dass erst der Film das Buch zu dem gemacht hat, was es ist.

Nur eine einzige Stelle wurde ausgelassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im Rahmen audiovisueller Welten den Rahmen gesprengt hätte, aber es ist die wichtigste Szene der Geschichte, und im Film wird sie ausgelassen. Das macht mich jedes Mal wieder traurig.

I’ve met God across his long walnut desk with his diplomas hanging on the wall behind him, and God asks me, “Why?” Why did I cause so much pain? Didn’t I realize that each of us is a sacred, unique snowflake of special unique specialness? Can’t I see how we’re all manifestations of love? I look at God behind his desk, taking notes on a pad, but God’s got this all wrong. We are not special. We are not crap or trash, either. We just are. We just are, and what happens just happens. And God says, “No, that’s not right.” Yeah. Well. Whatever. You can’t teach God anything.

by yeahs in (Pop)Kultur Musik

Featuring: (Blog’s Not Dead) ist eine Sammelbox der Perlen aus dem Web. Wir dachten, sie wären tot, vom Bloggersterben befallen, aber sie sind hier, sie sind unter uns, man muss nur die Augen offen halten. Und so halten wir ständig Ausschau nach dem, was uns am Schreiben hält, und laden Blogger ein, zu unserer Schatzkiste beizusteuern…

Gastautorin: Charlotteteilweise/partiallygegenwart.wagemut.kulturpessimismus

das eigentlich meinerseits geliebte sz magazin proklamiert: der pop, die gebliebene leitkultur/strömung, ist tot.

was folgt ist ein abgesang auf die aussichtslosigkeit, die inhaltslosigeit und die kulturelle endlosschleife der jungen generation. nun, wo also mit michael jacksons tod die apokalypse besiegelt ist bleibt nicht mehr: kulturelle leere, hier und da heidi klum und detlef d! soost.  weltuntergangsstimmung. ich will kotzen.

in den medien ist immer wieder die rede von der ziellosen generation. uns, die nichts eigenes schaffen, nicht rebellieren, die unpolitisch sind. verleudmung und kulturpessimismus. die arroganz der vergangenheit.

was bleibt. der versuch eines manifests. einer verklärung. eines zeit ideals. nicht des tot erklärens der gegenwart, aufgrund des vergangenen. die erklärung einer gegenwart an der schnittstelle von möglichkeit und realtität.

1. definitionen sind wertlos

zu defninieren bedeutet festzulegen. in einer zeit, in der der technische fortschritt jedoch jeder statik trotzt, sind zeit-definitionen überholt. in einer zeit der globalisierung und der flexiblen gesellschaft gibt es keine unveränderlichen menschen, keine unveränderlichen umstände und wahrheiten mehr.

veränderung ist die einzige konstante.

2. konsum und kunst

während in der  (“verstorbenen”) popart konsum zur kunst erhoben wurde, erhebt die gegenwart kunst zum konsum. die gegenwart hat an mode den anspruch ein menschliches kunstwerk zu schaffen, an alltagsgegenstände den der außergewöhnlichkeit, der individualität, der form, des designs. street art, virtuelle kollektionspräsentationen, blogs haben den zugang zu kultur demokratisiert.

3. realität statt utopie

während der gegenwart ein mangel an idealen/ideologien verschrieben wird, trotzt die global city jeder nationalen beschränkung und einseitigkeit. freies wissen, weltgemeinschaft, vernetzung und creative commons sind der sound der neuen generation. statt der alten träume und der politischen ideologien wandern ideen durch die welt, geteilt, optimiert und weltweit verwirklicht. weltgemeinschaft statt weltfremde.

4. die straße ist kein politisches medium mehr

während sich die straße sich selbst auf plakatslogans und eine vergleichbar geringe wirkung, bzw. nur die mediale feststellung, “dass da was war” reduzieren muss, ist organisation und aussagekraft im netz effektiver und deutlicher. anstelle von kurzen slogans treten websites und blogs.

5. es gibt keine klare richtung mehr

es gibt keine kulturelle hauptströmung. kultur ist individualisiert, die außergewöhnlichkeit tritt anstelle der eintönigkeit und der trends. schaffenskraft und inspiration mulipliziert sich. es gibt tausend meinungen und antriebe,gesamtgesellschaftlicher konformismus ist unmöglich.

6. überfluss/verzicht/bewusstsein

politische und ethische überzeugungen äußern sich mehr praktisch als theoretisch. menschen der gegenwart entscheiden bewusst über konsum und verhalten. einzelteile statt massenware.

7. neue moral

alte maßstäbe und falsche vorwände sind überflüssig geworden. der einfluss schein und doppelmoralischer leitbilder nimmt ab. ethik ist eine persönliche entscheidung und entwicklung, alte definitionen werde durch neue ersetzt.

8. wandel

die gegenwart hat kein einzelnes gesicht, sondern viele. leitkultur ist passé, leitkulturen sind real. einfluss ist international, nationalität ist mehr und mehr unbedeutend. die agierenden menschen haben sich schneller vernetzt und freundschaft geschlossen, als die politischen spitzen.

9. menschen

alte rollenbilder lösen sich auf. menschen statt geschlechter. unabhängigkeit statt abhängigkeiten. freiheit statt determination.

gegenwart: freiheit, vielfalt, schnelllebigkeit, individualismus, purismus, bewusstsein, global city, kreatives teilen.

by yeahs in Ohne Worte