Anscheinend weiß immer noch keiner, wer Captain Murphy ist, aber ich schiebe es Tyler, The Creator in die Schuhe. In jedem Fall aber ist es die Odd Future Gang, niemandem sonst traue ich so viel Schabernack in einer gesunden Mischung mit Talent zu. Ich kann mir nicht vorstellen dass Earl Sweatshirt sein erstes Release nach dem Exil zu einer hypnotischen Psycho-LSD-Anleitung für Sektengründer macht. Im Übrigen meine ich den Flow identifizieren zu können, aber da lag ich schön öfter falsch, also verwettet nicht eure Organe bei einem dubiosen russischen Kartenspiel drauf.
Fever Ray ist das musikalische Pendant zu jedem Psycho-Horror-Film, der euch je zum zittern gebracht hat. Psycho. Der Exorzist. Dirty Dancing. Wer sich bei Karin Dreijers Stimme nicht zu seiner Mutter unter die Bettdecke verkriechen will, der hat als Kind bestimmt auch die Nachbarskatze gequält und den größten Spaß daran gehabt, fette Kinder zu verprügeln.
Das Soloprojekt der Schwedin kommt meiner Meinung nach zwar noch nicht mal ansatzweise an das glorreiche “The Knife” Projekt heran; aber vielleicht sollte ich auch einfach aufhören, diesen Anspruch zu stellen. Mir gefällt Fever Ray in dieser schaurigen Gruselmärchen-Manier, und ich hoffe, dass dieses Projekt auch fortgeführt wird. Und weil es so schön ist: das bereits erschienene Album, “Fever Ray“, wird bald noch mal als Deluxe-Edition aufgelegt. In dieser Auflage finden sich zwei Cover, “Stranger Than Kindness” (Nick Cave & Anita Lane), “Here Before” (Vashti Bunyan), sowie eine Bonus Disc mit voller Liveshow und einer DVD mit allen bisher veröffentlichten Fever Ray Videos.
Vanity Fair hat exklusiv das Video zu “Stranger Than Kindness” ergattern können, aber weil das Medium absoluter Scheiss ist und ich soetwas nicht auf meinem Blog einbinden will, gibt es nur den Link- in jedem Fall ist das Video genauso sehenswert und düster wie die Vorgänger.
Diese Gelegenheit werde ich trotzdem nutzen, nämlich für einen anderen großartigen Song, erschienen im Jahre 2003, der mich nicht nur im Wesentlichen The Knife hat lieben lassen, sondern die Grundlage für meine Minimal/Techno Obsession wurde und den Weg in eine unglaublich schöne (und schmerzhafte) Freundschaft ebnete. Und an diese Zeit erinnert mich “Pass This On“. Dafür danke ich Schweden: mitsamt Ikea, H&M und The Knife.