"Girl gone wide."


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Wie ich letztens schon erwähnte, war ich eines Abends sehr kurz davor, einen bahnbrechenden Erfolg des musikalischen Zusammenspiels hinzulegen. Die Epiphanie kam zwar und manifestierte sich so, dass ich sie nicht mehr los wurde, doch leider waren meine tatsächlichen Fähigkeiten zu eingeschränkt um den Ansprüchen meines inneren Genies zu genügen.

Dennoch wollte ich der Welt nicht vorenthalten, was sich an diesem Abend in meiner Seele zusammenbraute. Ich hatte ständig das Bild (und, zugegeben, den Geruch) einer Rauchwolke vor mir – eine, die so dick ist, dass man sich reinlegen kann. Eine, die zum schweben einlädt, wo die Füße anfangen zu kribbeln und der Bauch so tut, als hätte man gerade eine Dauerkarte zum Achterbahnfahren gelöst. Dieses Gefühl, vom ersten Zug bis zum letzten Versuch, seine Sinne zu ordnen, wenn plötzlich die Synapsen durchpeitschen und Dinge sogleich klar und verworren sind und die Augen auf Halbmast hängen; das ist das Gefühl, welches nach einem entsprechenden Soundtrack verlangt.

Im ersten Akt ist ein grinsender Protagonist zu beobachten. Man ist mit einer entspannten, geradezu schleichenden Aufregung erfüllt. Vorfreude. Eine gewisse Leichtigkeit. Der zweite Akt erzählt schon klar und deutlich die Geschichte, auf die man sich gefreut hat. Der erste Kontakt mit dem Gefühl, dass der Kopf langsamer wird, die Muskeln ihre Steifheit verlieren und das Kopfkino sich einschaltet. Der dritte Akt taucht die Wolke in ein dunkles schwarz, eine düstere Atmosphäre sozusagen, die die Stimmung dieses besonderen Augenblicks wieder geben soll. Das hier, das weiß man jetzt, ist keine Fressattacke, keine freundschaftliche Kommunikation, keine Lust auf Aktivität- das ist jetzt Lähmung. Im vierten Akt sind wir am Höhepunkt unserer Gedanken angekommen, wo alles ineinander verschwimmt, die Zeit stehen bleibt und die Sekunden sich wie Kaugummi in die Unendlichkeit strecken. Im fünften und sechsten Akt kommen wir langsam zurück, diese beiden Akte sind untrennbar, müssen sozusagen fließend ineinander übergehen, um einen Rückfall oder negative Rückschlüsse auf den kleinen Flug auszuschließen. Am Ende des sechsten Aktes sehen wir uns blinzelnd um, und fragen uns, was eigentlich in den letzten Stunden passiert ist.

STONER by Yeah Sara on Grooveshark

Im Übrigen ist der thematische Zusammenhang kein besonderer; er dient vor allem der Repräsentation meines derzeitigen Lieblingssounds, der vor allem von einer gewissen Atmosphäre bestimmt wird und genreübergreifend wie ein Virus durch das Internet-Land zieht.

PS: das Grooveshark Widget ist ja mal richtig, richtig mies. Falls jemand eine Alternative zum Einbetten kennt, holla at your girl.

by yeahs in Musik


photo by Valentin Ottone

Clean sein. Kein Hämmern mehr, kein Tinnitus mehr. Kein atomarer Mundgeruch mehr. Die Hände riechen nicht so, als hätte man einen Aschenbecher gefingert. Die Haare stinken nicht. Die Klamotten müssen nicht gewaschen werden. Keine Dehydrierung. Keine Halsschmerzen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich noch nie physisch so wohlgefühlt habe (mal abgesehen von dem Schwabbelwabbel am Bauch, der zehn Minuten nach einem Anstoß noch für Nachbeben sorgen kann). Ich bin fit, man. Ich bin so fit, ich tanz’ nachts um drei hauptsächlich mit schnuckeligen schwulen Butterschnitten noch zu Apparat und laufe fast komplett von Kulturbrauerei bis Reinickendorferstraße, weil ich keine Lust habe auf die U-Bahn zu warten – und auch nicht zu betrunken bin, und nicht tot hinfalle, wenn ich es versuche. Und auf dem Weg durch den frühen morgen ist es auch nicht schlimm daran zu denken, dass ich am nächsten Tag wieder arbeiten muss, mit 21 kann man schon mal nur zwei Stunden pennen und trotzdem gut drauf sein (das wusste ich nicht, ich hab mit sechzehn schon geglaubt, ich wäre alt).

Die ersten Vögel geben den Takt zu den Beat aus meinen Kopfhörern und die ersten Sonnenstrahlen bewandern die Straßen (so, dass sogar die potthässliche BND-Baustelle irgendwie romantisch aussieht). Ich nicke und singe laut mit zu den Songs in meiner Playlist weil niemand da ist, den das stören könnte (bis auf die zwei, die am Fenster standen und mir entsetzt zugesehen haben, bis ich sie bemerkte und mich erschreckte und lachte und weinend wegrannte).

Das Verlangen ist nicht mehr da. Die Gewohnheit ist nicht mehr da. Vierzehn Tage! Und nicht einmal habe ich überhaupt mit dem Gedanken gespielt. Es ist einfach… weg. Wie kam das? Ich weiß es nicht. Fast drei Jahre habe ich versucht, es loszuwerden. Zum 10. Tag wachte ich nachts weinend und schwitzend und schreiend auf, und habe meine Fäuste ins Kissen geschlagen, weil ich dachte, ich hätte geraucht. Ich hasste mich. Ich habe nicht verstanden, wieso ich jetzt geraucht hatte. Aber das war nur ein böser Traum gewesen.

Seitdem will ich einfach nur noch tanzen und vielleicht einen Marathon laufen (und vor allem möchte ich viel Zucker und Fett in mich hineinschaufeln). Wenn man bei Flickr nach Raucherthemen sucht, kommen meist Frauen zum Vorschein, die ein sexy-verrucht rebellisches Image verkörpern wollen/sollen. Falten, Husten und grüne dicke Brocken rausschleimen sind irgendwie nicht sexy. Stinken auch nicht. Wenn man damit verführerisch aussehen will, darf man halt nicht mehr als 2-3 Zigaretten pro Jahr rauchen. Viel Glück dabei, ich bin raus.

by yeahs in Gangster