"Girl gone wide."


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Ach, dieses Umsturzgefühl schon wieder. Lyrik, Literatur, gute Texte, eine Aneinanderreihung von Wörtern, die ja auch irgendwie Sinn machen sollen. Es will ja auch keiner in der kargen verfügbaren Zeit, die man sonst mit Möpsen, lustigen .Gifs oder absolut durchbrechenden Schlagzeilen verbringen könnte, irgendwelche Texte lesen wo jemand mit vielen Adjektiven beschreibt, wie er gerade melancholisch aus dem Fenster guckt und über zwischenmenschliche, emotionale Scheisse grübelt.

Das will einfach keiner lesen, ich ja auch nicht. Es langweilt mich ja schon wenn ich JDs (durchaus auch humorvollen!) Gedankengänge bei Scrubs folgen muss und mir dann gegen Ende jeder Episode fast eine Träne herunterkullert weil das wieder so schwergängig und moralisch wertvoll war. Lieber poste ich noch einen Song, Worte zählen nicht, geht zurück dahin, wo ihr herkommt, konsumiert fleißig bedeutungslos weiter, am Ende des Tages läuft es doch alles auf dasselbe hinaus. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass dieses mir auferlegte Hobby des Schreibens eine immer sinnlosere Richtung annimmt. Vielleicht sollte ich auch einfach die Fresse halten und Musik machen, so, wie jeder andere Mensch, der heute (im Internet und außerhalb) auch mal Erfolg haben möchte.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Ich bin wieder zurück im Land, und bevor ich meinem Internet- und Schreibentzug gerecht werde, möchte ich einen aktuellen Seth Godin Artikel zitieren. Dazu muss man auch erwähnen, dass ich wirklich jedes Wort aus der Feder dieses Mannes nehmen und mir auf den Körper tättowieren könnte in voller Überzeugung, dass es sich um wahre Aussagen handeln; ja tatsächlich niemals mehr Wahrheit im Leben existiert hat. Seth Godin könnte der erste Mann sein, mit dem ich eine währende Beziehung führe und für die ich kein Ende absehen kann. Eine Quelle der Inspiration der es lediglich an Existenz fehlt.

“Art is what we call…

the thing an artist does.

It’s not the medium or the oil or the price or whether it hangs on a wall or you eat it. What matters, what makes it art, is that the person who made it overcame the resistance, ignored the voice of doubt and made something worth making. Something risky. Something human.

Art is not in the eye of the beholder. It’s in the soul of the artist.”

- Seth Godin, God of Words

by yeahs in (Pop)Kultur

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen Protagonisten eines anderen Lebens (anderer Welten, Dimensonen, Zeiten und Gesellschaftsformen) ihre Gedanken, Erlebnisse und Traumata hier. Manche sind Alter Egos ihrer selbst, einige gibt es wirklich, doch die meisten haben nie existiert. In einem Zustand des Nicht-Da-Seins finden sie ihren Frieden darin, in die Außenwelt zu schreien, was sie nicht mehr in sich tragen können. Um ihre Anonymität zu wahren, werden nur ihre Pseudonyme preisgegeben. Willkommen in der Restrealität…

[Anm. von B: Der folgende Beitrag wurde von Paula Luca verfasst, die mit Ebbé und Mbum hier schreibt. Wir danken für dieses wirklich einzigartige, offene und mutige Statement. Und mit meinen eigenen Worten möchte ich sagen, dass mir Dinge wie das im folgenden Text Geschilderte, solche Schicksale irgendwie selber Mut geben und mir zeigen, dass man sich - verflucht noch mal - der Verantwortung für sein eigenes Leben bewusst werden muss. Und einsehen muss, dass man neben Mut auch die Begabung haben muss, durchzuhalten und nicht zu verzweifeln. Selbst wenn, ganz wichtig, man das Glück hat und aufrichtigen Beistand an seiner Seite hat.]

Ein Anruf – Enttäuschung. Die Frage nach dem Warum. Seit Jahren. Eigentlich ist es nicht so schlimm. Eigentlich – aber irgendwie auch doch. Angst. Scham. Angst. Eigentlich – aber, dass wissen nur wenige Menschen. Man ist stark. Man ist normal.

Als normal würden mich wohl auch die meisten Menschen in meinem Umfeld beschreiben. Sie sind maximal darüber verwundert, dass man lieber zur Club Mate greift als zum Bier. Sie fragen. Fragen bleiben im Raum stehen. Es ist nicht so wichtig.

Sind mir die Menschen wichtig, dann versuche ich zu erklären. Mich zu erklären, mich zu rechtfertigen, obwohl ich das nicht müsste. Aber ich muss es – für mich.

Ich bin krank. Ich sitze nicht im Rollstuhl, brauche keine Krücken, ich verliere keine Haare – man sieht es mir nicht an. Ich sehe nicht krank aus. Ich bin nicht eingeschränkt in meinem Handeln. Ich kann studieren. Ich kann arbeiten. Ich kann feiern gehen und Freunde treffen. Ganz normal eben. Nur schlucke ich jeden Morgen eine Hand voll Tabletten – Morbus Wegener. Nicht vererbt. Nicht ansteckend. Spontane Mutation des Körpers – falsch programmiert, selbstzerstörerisch.

morbus_wegener[Fotografie: via]

Mit 17 die Diagnose – nicht weiter schlimm, dachte ich mir. Fünf Monate später – ich werde das Krankenhaus die nächsten 12 Wochen nicht mehr verlassen. Es sind prägende Wochen. Wochen, die mein Leben und mich irgendwie verändern. Im Inneren bis heute. Die heute noch Angst schüren und Tränen in die Augen steigen lassen.

Schmerzen im Magen – unerträglich. Cortison und Co. machen es besser – kurzfristig. Körperlicher Verfall – schnell. Nichts hilft. Ich fühle mich machtlos. Kann aber nicht mehr darüber nachdenken. Mir geht es zu schlecht. Schmerzen im ganzen Körper – er zerstört sich selber. Lässt sich nicht besänftigen.

Medikamentencocktail.

Untersuchungen.

Spezialisten.

Künstliche Ernährung.

Weit weg von zu Hause – meine Eltern, meine Familie immer für mich da.

Eine Nacht – der Kopf macht nicht mehr mit. Hirnblutungen. Er schaltet ab. Es ist ihm einfach zu viel. Die Erinnerung setzt erst eine Woche später wieder ein. In der Zwischenzeit: Intensivstation. Notoperation. Künstliches Koma.

Ich wache auf. Immer noch weit entfernt von der Realität. Ein Film spielt sich ab, den ich nicht steuern kann. Aber es fühlt sich irgendwie gut an. Die Schmerzen sind weg. Mein Körper so schwach, dass jede eigenständige Bewegung unmöglich ist.

Es ist okay. Man macht mir bewusst, dass ich fast tot gewesen wäre. Es ist nicht mehr okay. Wenige Worte bedeuten mehr als Wochen in Ungewissheit. Mir ist schlecht. Ich weine. Heute noch.

Es wurde besser. Das Übel der Schmerzen war beseitigt. Eine lange Narbe blieb zurück – vom Brustbein bis zur Scham. Neue Medikamente stabilisierten den Rest. Der Körper wurde wieder stärker – langsam. Erst greifen, dann sitzen, dann laufen.

Zu Hause. Der Blick in den Spiegel – erschrocken. Eine andere Person schaute zurück. Alte Bekannte liefen in der Stadt an mir vorbei, weil sie mich nicht erkannten. Cortison ist Gott und Teufel zugleich.

Nach einem halben Jahr, in dem ich krankgeschrieben war, habe ich schnell angefangen wieder ein normales Leben zu führen. Studium in einer neuen Stadt. Neue Freunde und Bekannte und damit auch das Bedürfnis mich erklären zu wollen. Sie kannten das frühere Ich nicht, aber ich kannte es und die Geschichte dazu und diese beeinflusste und beeinflusst auch heute noch mein Leben. Irgendwie.

Es ist die Angst vor dem, was passieren könnte, nicht mehr die Stärke zu haben so etwas noch einmal durchstehen zu können. Die Enttäuschungen bei der Nachricht nicht besser oder schlechter werdender Blutwerte. Zerstörung der Hoffnung irgendwann ohne Medikamente leben zu können – Kinder zu bekommen. Beruhigen. Alles hat Zeit. Ich habe Zeit. Hoffentlich.

Ich bin stark dank den Menschen, die darüber Bescheid wissen und für mich da sind. Die mich auffangen, wenn es mir schlecht geht. Die sich Sorgen machen. Die mich ganz normal behandeln. Für die mir an dieser Stelle die Worte fehlen, weil ihnen so viele Worte gebühren. Danke.

Ich habe mich erklärt. Selbsttherapie.

by B in Restrealität