New York, New York

Veröffentlicht May 30, 2011

Dieser New York Trip, man. Der kriecht mir immer noch aus den Knochen hoch bis ins Rückenmark, so in manchen Momenten. Ich stand gestern zum Beispiel auf der Tanzfläche eines Raves und bewegte meinen unförmigen Puddingkörper zum Boogie der KeineMusik Menschen und ließ mich von der Sonne an diversen Geschlechtsteilen kitzeln und dachte mir so: hey, das gibt es nur in Berlin. Du hast alles richtig gemacht!

Und kurz darauf sehnte ich mich dann wieder nach dieser ultimativen New York Überforderung. Man hat in dieser Stadt immer das Gefühl, unreif zu sein, sich noch weiter nach vorne treiben lassen zu müssen, auch mal über die Absperrung zu klettern, Hals hochrecken, nicht untergehen. Ich verstehe aus eigener Erfahrung in Berlin, wie anstrengend das ist, sich unter so viel Druck zu setzen und sich gegen alles und jeden stemmen zu wollen; but on the other hand.. that’s how we roll… und es ist auch Motivation, und Neugierde, und Begierde, und Leidenschaft.

Und Shake Shack, natürlich. Shake Shack war fantastisch. Hier noch einige Bilder in schwarzweiß, die ich eigentlich löschen wollte. Dachte mir aber so: fuck it. We’ll do it in Black and White!

 
 

Freunde auf Reisen

Veröffentlicht May 26, 2011

Vom engen NYC wieder ins gefühlt riesige Berlin einreisen… eine Mischung aus Freude und Reisewehmut stellt sich ein. Aber nicht so große Gefühlsexplosionen, dass die Müdigkeit darunter verschwinden würde. Leider.

Nur ist die Hood nicht Hood ohne ein vollständiges Crew-Set; meine allerliebsten Jungs, Maggi und Nico, die die Video-Welt zum Erzittern bringen und sich vor nichts fürchten, sind gerade mit dem Freunde von Freunden Team unterwegs und weisen den Planeten ein. Guckt euch ihre Freizeitdokumentationen auf dem FvF-Tumblr an und schwärmt ein bisschen mit.

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Das MoMa und das Auto

Veröffentlicht May 23, 2011

New York, Volkswagen, MoMa, Hotel, Dinner, Party, Pressekonferenz, Ausstellung – Okay, Rewind. Zusammen mit einigen mir bereits bekannten und unbekannten Atzen aus dem Restinternet habe ich einen Flieger nach New York City bestiegen, und keiner wusste so richtig, worum es geht- nur dass VW irgendwas mit MoMa und wir und Berichterstattung und dies das. Aber wer sagt schon nein, wenn man in eine fantastische Stadt eingeladen wird? Wir jetzt also hier, heute morgen, und lauschten der Verkündung der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und dem Museum of Modern Art.

Auf der Pressekonferenz wurde der Kern des millionenschweren und auf lange Sicht geplanten Projekts vorgestellt: es nennt sich “International Discovery” und soll eine internationale Ausstellung fördern. Von New York über Kapstadt nach Berlin sollen sich Künstler mit sozial- und umweltkritischen Themen auseinandersetzen und ihre Werke dazu einreichen. Zusätzlich wurden von Volkswagen zwei Werke von Francis Alys an das MoMa geschenkt, und auch das MoMa-Lehrprogramm soll nun dank Förderung erweitert werden. Es treffen sich zwei unabhängige Institutionen von exorbitanten Dimensionen – Kunst und Wirtschaft – um Arbeit zu leisten. Die gemeinsamen Themen finden sich hinter den aktuellen Leitprinzipien von VW: Fortschritt, Progress, aber ohne dabei die Umwelt zu vergessen. So wurde auf der PK auch die Öffnung eines neuen Werkes in den USA verkündet, welches sich fast ausschließlich um diese Themen der Zukunft kümmern wird (Stichtwort “Think Blue“). VW sichert sich so natürlich eine besondere Nische im amerikanischen Markt und wird diese moderne Consciousness hoffentlich mit Verantwortung tragen.

Aber die Pressekonferenz – so faszinierend es auch sein mag, diesem Trubel einmal beizuwohnen und dem ganzen Schauspiel zu zusehen – war für mich mit Sicherheit nicht das Highlight dieser Reise (obwohl, angeblich war es die erste pünktliche Pressekonferenz. Ich behaupte mal, es liegt an der Deutsch-Quote der Teilnehmer). Vielmehr bin ich jetzt schon begeistert von den Früchten (und den Privilegien) dieser Kooperation. Die Ausstellung von Francis Alys, sowohl im MoMa PS1 als auch die im MoMa selbst. Kinder, ich sag euch was: wenn euch Klaus Biesenbach, einer der wohl interessantesten und auch wichtigsten Menschen der Kunstszene, persönlich durch eine Ausstellung führt, dann könnt ihr euch nur noch wie in einer anderen Welt führen. Mit welcher Leidenschaft er Alys’ Werke beschrieb und wie er gekonnt durch komplizierte Themen führte, ohne zu überfordern (man muss dazu sagen, dass zur Ausstellung auch eine absurde mexikanische Marschband durch das ganze Gebäude lief und sich in jedem Augenblick auch mal daneben stellte und performte, was die Sache so unglaublich komisch machte). Nicht zu vergessen Alys’ “A Story Of Deception” selbst, Ideen über Ideen über Ideen die einen Normalsterblichen wie Meinesgleichen recht klein aussehen lassen. Aber das ist zwischen mir und anderen Künstlern ja schon immer so ein latentes Issue gewesen, wa.

Es ist eben auch eine kleine Entdeckungsreise: Charaktäre aus vielen Branchen treffen aufeinander und geben ein interessantes, hetereogenes Bild ab, dass man so im Alltag nicht zu Gesicht bekommt. Print, Online, Deutsch, Amerikanisch, Unternehmer, Künstler, Kuratoren und Manager — ach ja, und die Profiblogger natürlich – sitzen beim Lunch und unterhalten sich über die Zukunft von privaten Kunsthäusern, über die Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischen Sponsoring und natürlich Blogging und “echtem Journalismus”. Aber wir merken alle auch, dass wir uns trotz der Diversität ähnlich sind, dass wirklich jeder einzelne am Tisch Lust auf große Dinge hat, dass solche Momente und Kräfte wie zwischen VW und dem MoMa eben auch schon an kleinen Tischen passieren. Das ist viel mehr wert als die Skyline Manhattans bei Nacht, und ich sage euch, die ist echt nicht schlecht. Und gerade verliebe ich mich auch ein bisschen in die amerikanische Art, Dinge erst mal im positiven, visionärem Blick zu sehen. Sicherlich ist Kritik wichtig und gerade in der Wirtschaft und Politik angemessen, aber Deutsche timen meist sehr schlecht. Abwarten und gucken, wie die Dinge sich entwickeln – kritisieren kann man immer noch, aber ausbremsen kann unverzeihlich sein.

Und ansonsten? Shoppen, Sightseeing, von den Eindrücken inspirieren lassen, öfter Mal Schelle verteilen und ab morgen wieder Air Max tragen. Heute Abend wird noch aufgemotzt, um der Aftershow-Party beizuwohnen, wo einige bekannte Gesichter erwartet werden (vornehmlich mein eigenes). Ich werde über den Roten Teppich über meine Hacken stolpern und dafür sorgen, dass ungemein lustige YouTube Videos entstehen. Stay Tuned und checkt ab was die anderen zu vermelden haben: McWinkel, Jeriko, i-ref, LesMads, WeLikeThat, Castor&Pollux

 
 

Packing NYC

Veröffentlicht May 19, 2011

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Ferias no Brasil

Veröffentlicht March 2, 2011

Ich hatte ja überlegt, meine Reisevideos zu einem lamen Urlaubsvideo zusammenzuschneiden, aber nachdem ich das hier gesehen habe, verzichte ich dann doch auf die Blamage.

 
 

John The Vagabond

Veröffentlicht February 24, 2011

Zugegeben, meine Reiseerfahrungen beschränken sich auf die letzten fünf Monate in einer halb-flashgepackten Attitüde mit viel Geld und angenehmen Komfort, deshalb werde ich mich nicht sehr stark über die Vergangenheit auslassen. Allerdings habe ich von vielen älteren, in gewissen Maßen “hängengebliebenen” Reisenden, auch viel darüber gehört, wie sehr sich das Backpacken verändert hat und wie sehr heutzutage die Abenteuermentalität auf Kosten von modernen Kommunikationsformen leiden muss.

Ja- es sind nicht die günstigen Flugpreise, es sind nicht die Menschen selbst, sondern es ist von allen Dingen die Kommunikation, die das (pseudo-abenteuerliche) Reisen beschweren. Ich habe in Australien John kennen gelernt, der seit mehr als zwanzig Jahren nun die Welt bereist. John ist ein ganz schwer zu beschreibender Mensch- er hat so unglaublich intensive Augen, die einem unangenehm in die Seele starren. Er ist groß und muskulös und augenscheinlich verwahrlost. Struppiges Haar, zerfetzte Klamotten, schlechte Tattoos, aber mit einem Lächeln, dass die Welt verzaubert. John wirkte ernst und gleichzeitig fallengelassen, als ob es nichts gäbe, was ihn auf der Welt noch überraschen könnte. Und vielleicht ist das auch so. In einem Schneckentempo arbeitet er sich wortwörtlich durch alle Kontinente; er arbeitet, wenn er kein Geld mehr hat, und wenn es genug ist um weiterzuziehen, dann tut er das. Er führt ein Kofferleben, das ihm mehr gefällt als die Idee vom Hamsterrad. Ein Amerikaner, der sich in der Romantik des Vagabundenlebens ein zu Hause gebaut hat, so paradox es auch klingen mag. Ich traf ihn in einem Café in Melbourne, wo er sich für einen Tag etwas Freizeit leistete, bevor er zurück auf die Farm ging, für die er (illegal) arbeitete. Dort kocht er für die Working Holiday Makers. Er schreibt, er hört Musik, er trinkt abends mit den Farmbesitzern Bier. Er ist ein unglaublich intelligenter und inspirierender Mensch und ich bin sehr traurig darum, nicht mehr Zeit mit ihm verbracht zu haben. Vor allem bin ich traurig, weil ich ihn wahrscheinlich nie wieder sehen werde. Denn anders als die meisten anderen Reisenden, die ich getroffen habe, hat er keinen Facebook Account. Er hat auch keine E-Mail Adresse. Er ist ein smarter Typ, knappe fünfzig Jahre alt, er kennt sich mit Computern aus; daran liegt es nicht. “Wenn du ständig Kontakt hälst, wo bleibt dann der Zufall, der einst die Basis einer solchen Reise bildete?”

Seit unserer Begegnung muss ich über diese Aussage nachdenken. Ich bin in einer Welt aufgewachsen, die sich von Kommunikation nährt: Fernsehen, Handys, Internet, all das macht es mir sehr leicht von unterwegs auch zu Hause zu sein. Auf der Reise habe ich das oft mitbekommen, der Kontakt zu Freunden und Familie war nicht nur da, er war überwiegend das, worum ich mich in den stillen Momenten (oder in den Wi-Fi bedeckten Zonen) gekümmert habe. Natürlich ist das gut, weil es viele Probleme, Sorgen oder den Stress der Entfernung beschwichtigt. Aber es gibt auch den wesentlichen Nachteil, den John so treffend formulierte: der Zufall bleibt auf der Strecke. Und das hat vor allem etwas mit virtuellen Netzwerken wie Facebook zu tun.

Ich sitze gerade hier zu Hause und kann beobachten, wo sich alle meine Begegnungen auf der Reise gerade befinden. Durch ihre Bilder und ihre Status Updates weiß ich nicht nur, was sie machen, sondern auch mit wem sie unterwegs sind, wo sie als nächstes hingehen, was sie gerade beschäftigt während sie die Welt erkundigen. Sicherlich regt das nicht nur im minimalen Maße mein Fernweh, aber darum geht es nicht mal. Alleine diese Informationen während man unterwegs ist zu haben bedeutet oft, bewusst oder unbewusst einen kleinen Bogen um den ursprünglichen Plan einzuschlagen, um diese Menschen wiederzusehen. Es ist diese Bequemlichkeit der bereits bekannten Begegnungen, die einen anzieht; und genau diese Bequemlichkeit, die man ja eigentlich vermeiden wollte, als man auszog, um ein Abenteuer voller Spontanität und Ungewissheit zu erleben.

John macht das nämlich anders. Er hält keinen Kontakt zu den Leuten, die ihn auf seiner Reise sporadisch begleiten. Er lebt nach dem Motto des Schicksals oder des Zufalls und sagt, “wenn es bestimmt ist, dass wir uns auf dieser Reise wieder begegnen, dann wird es so sein.” Und in seinen zwanzig Jahren on the road ist es mehrmals passiert, dass er Menschen wiedergetroffen hat, mit denen er einst auf einem ganz anderen Kontinent schon mal ein Bier getrunken hat. Nicht nur das; er fesselte sich nicht an diese beruhigende Art des bereits Bekannten (das gilt sowohl für Menschen als auch für Orte). Kein “Date” mit jemandem auf dem Weg zu haben, so wie ich es mehrmals hatte (Status Update: “I’m in Ko Chang at Sunrise Bungalows, if anyone of you guys is here too let’s meet up!”), zwingt einen quasi dazu aus seiner Comfort Zone heraus zu treten und weitere, neue Gesichter in sein Universum eintreten zu lassen. Entweder das, oder man vereinsamt, aber das wäre dumm.

Ich fragte John, ob er sich denn nicht jemals wünscht, jemanden Besonderes wiederzusehen – und ob es ihn denn nie reizen würde, die offensichtlich verfügbare Möglichkeit des Internets dafür zu nutzen. Heute hat jeder ein Facebook Account, der reist, weil es einem eben einfach macht, den Überblick zu behalten ohne große Kontaktpflege zu leisten. John meinte darauf hin zu mir, dass es ihm den Spaß nehmen würde. Dass eine besondere Person in seinem Leben entweder da ist, oder eben nicht da sein soll.

Es ist natürlich eine Sache der Erfahrung und auch der Einstellung, wie man das Reisen angehen soll. Alleine, mit Freunden, mit Facebook und der ganzen Welt oder eben so wie John. Ich bin ziemlich dankbar gewesen für ein Medium, dass mich mit den Menschen, die ich in meinem Leben haben wollte – ob Reise oder nicht – in Verbindung setzen konnte. Aber mir fällt eben auch auf, dass das nicht die einzige Art ist, so eine Reise zu erleben, ganz im Gegenteil; dass die ultimative Form “Abenteuer Reise” erst dann eintreffen kann, wenn man sich von dem Luxus der Bequemlichkeiten abstrahiert und den Schritt, das Risiko wagt, zu stranden… und frage mich konsequenterweise, ob ich es beim nächsten Trip auch so machen würde.

 
 

Momente aus Marrakech

Veröffentlicht February 23, 2011

Mutter’s Kommentar über die Innenstadt: “So viele Hawaks und Kanacken und Maroks, das hätten wir in Offenbach auch haben können.” Fremdenfeindlichkeit und Zynismus sind bei mir ganz offensichtlich erblich veranlagt.

Man glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich Deutsche bin. Selbst, wenn ich Deutsch spreche, glaubt man mir nicht.

Ich verstehe jetzt, wieso sich so viele Ausländer über den Ruf zum Gebet am Morgen (oder egal um welche Tageszeit) beschwerten, obwohl ich mich daran erinnere, das in Damaskus immer als ganz großartigen Moment erlebt zu haben. Der Unterschied liegt in der Koordination der Akustik. In Marrakech kann man immer und überall jeden Imam und jede Moschee hören, sodass man das Gefühl bekommt, den Alarm einer Naturkatastrophe mitzubekommen. Und das fünf Mal am Tag. In anderen Städten (ich kann nur für den Libanon und für Syrien attestieren) kann man meistens immer nur eine Moschee hören. Keine Stimme war schöner als die unserer Moschee in Damaskus… seitdem ich denken kann stehe ich jedes Mal auf dem Balkon um dem Gesang zuzuhören, wenn es so weit ist, und jedes Mal fesselt es mich. Ich hoffe, dass es eine Aufnahme ist, und dass ich das für immer hören werden kann. In Marrakech wollte ich mir in den Kopf schießen.

Meine Mutter und ich haben uns nicht viel zu sagen, und wir mussten feststellen, dass wir beide unsere Süchte mit uns tragen: sie das Fernsehen, ich das Internet. Um den Verlust unserer Stimulanten zu kompensieren, guckten wir uns die einzige Serie an, die ich auf meinem Laptop hatte: Bored to Death. Eine komplette Staffel in zwei Tage. Bored to Death mit seiner konservativen, islamischen Mutter zu gucken, ist in etwa so wie mit einem Priester einen Porno auszuleihen. Überraschenderweise fand sie die Serie sogar lustig; könnte aber auch an den Entzugserscheinungen gelegen haben.

Marrakech kann man sich getrost in 3 Tagen anschauen. Das Essen ist fantastisch, aber es gibt nicht viel zu tun. Die “Neue Stadt”, außerhalb der Medina, ist keine Stadt. Sie ist eine Ansammlung von teuren Geschäften und Sandsteinplattenbauten. Überall stehen Resorts und Kameltreiber, die Touristen abziehen. In der Medina selbst verirrt man sich meistens nur. Am dritten Tag wurde uns schon langweilig und wir machten einen Ausflug nach Ourika und Sitti Fatma mit dem jungen Mann, der sich um unser Riad (also unser Hotel) kümmerte. Hätte ich gewusst, dass wir dort einen Wasserfall besichtigen, hätte ich mich nicht dazu aufgerafft, aber so ist es; es ist mein Schicksal, jeden Wasserfall auf der Welt angucken zu müssen, und dabei gibt es nichts, was ich langweiliger finde. Wasser fällt Berg hinunter. Ganz, ganz große Sache. Ich wäre gerne in die Sahara gefahren aber dafür hat die Zeit natürlich nicht gereicht.

Backpacken ist natürlich etwas gänzlich anderes, als mit der Mutter in den Kurzurlaub zu düsen. Backpacken, das ist ganz zufällig gucken wo man als nächstes hingeht, und zwar voll und ganz an den Menschen orientiert, die man trifft. Oder an den Karten, die man sieht oder an den Reiseberichten, die man lies. Alleine die Tatsache, dass ich in Marrakech nach drei Tagen gelangweilt war, jedoch nicht weiter konnte (schließlich musste ich nach Hause fliegen), hat mich voll irritiert. In einem anderen Land noch Fernweh haben, genau das ist das, was das Backpacken so erfüllt: man kann weiter. Und es hat mich in den Füßen gejuckt, ich wollte weiter in den Süden, durch ganz Afrika reisen und niemals aufhören. Stattdessen saß ich ein paar Tage später wieder im Flugzeug zurück und musste schlucken. Was für eine Krankheit, dieses Reisen.

Klar, dass man im Alter auch mal mehr Ängste ertragen muss: Angst vor dem Tod, vor Routine, Geldsorgen, solche Sachen. Dass ich in meinem Alter langsam Angst vor dem Fliegen bekomme ist eher verwunderlich. Mir hat das Fliegen nie etwas ausgemacht, aber je öfter ich im Flugzeug sitze, desto eher werde ich nervös. Ich fliege seit dem ich denken kann mindestens ein Mal im Jahr, und dieses Jahr – wir haben erst Februar – habe ich es schon geschafft, in 8 verschiedenen Fliegern zu sitzen. Vielleicht ist das das Gesetz der Statistik. Ich hatte jetzt bestimmt schon über 200 gut gelaufene Flüge in meinem Leben und mein Bewusstsein (also die Angst) möchte mir wahrscheinlich durch die Blume hin mitteilen, dass mein Kontingent an Glück und Wahrscheinlichkeit bald aufgebraucht ist. So wird also jeder weitere Flug, der mich näher an mein Ziel bringt (welches ich bisher noch nicht definieren kann) mir ein Stück meiner Seele rauben. Ich schreibe ein Buch, ich nenne es “Gefickt vom Leben, oder: wie Gott einen einzigen Mensch hasste.”

Ich werde fett. Ich merke, dass es Zeit wird, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, weil ich schon nicht mehr weiß, wie sich Hunger anfühlt. Ich muss wieder anfangen zu rauchen und mich von Thai-Essen ernähren um meine Figur zu halten. Außerdem wird es Zeit, von zu Hause abzuhauen, wenn die Mutter Dinge sagt wie “Du bist hier nicht im Urlaub, mach was für den Haushalt”. Es wird Zeit.

 
 

Marrakech

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Ich bewundere Menschen, die in ihren Ambitionen und Leidenschaften auch eine berufliche Zukunft sehen, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dabei auch noch verdammt cool aussehen. Das gilt nicht für jeden Beruf, es gibt nämlich kein Universum, in dem Sportreiten oder Kunstturnen als “cool” bezeichnen werden könnte, aber lassen wir das.

Mein ganzes Leben lang wollte ich nichts anderes außer auf der Couch skommern und hin und wieder schlechten GV praktizieren, aber es sollte nicht sein. Ich musste mich einem unfairen System unterwerfen, Mathe und Physik lernen, mit den Opfern unseres Planeten zur Schule gehen und auch noch mit Firlefanzen wie Eltern und Religion und ganz furchtbar rücksichtslosen Männern ertragen. Also runter von der Couch, ganz bestimmt keinen GV und dem elendigen Leben nachgehen. Der einzige Pluspunkt bei dieser Qual war, dass ich anfing mich in Geschichten zu verstecken und irgendwann selber Lust hatte, Geschichten zu schreiben. Glücklicherweise habe ich die FanFiction-Phase eines jeden 12-Jährigen Autors übersprungen und bin direkt zum Bloggen gekommen. Und das ist sowohl der Anfang, als auch das Ende meiner künstlerischen Passion. Ich schreibe gerne auf, welch Pein und Höllenleiden meine Nerven zwingen, weil ich sonst meinen Kopf auf Beton aufschlagen würde. Nicht zu schreiben ist für mich wie für einen Heroin Junkie nicht zu fixen, wie Charlie Sheen nicht zu ficken, wie für Xena nicht zu fisten und wie für Guttenberg nicht zu fußnoten. Eine durstige Notwendigkeit also.

Das alleine sagt leider nichts über die Qualität meines Gekritzels aus; ich rede und reflektiere meine eigenen Texte nicht sehr gerne und mir fehlt die Geduld, die Ausdauer, die Motivation, daran irgendetwas zu ändern. Ich habe keine gesunde Beziehung zu Meta-Ebenen. Themen so lange in Wörter aufzulösen bis sie verschwinden ist wie so lange ein Wort laut aufzusagen bis es seinen Sinn verliert. Einigen wir uns auf die Tatsache, dass ich hier bin, weil ich hier sein muss, und ihr hier seid, weil ihr sonst nichts Besseres zu tun habt und weil ich gut aussehe.

Aber egal, wie sehr ich es brauche und liebe, mir fehlen Worte. Mir fehlen Sätze, ganze Konzepte, Strukturen. Ich kann viel über die Gehirnwindungen gestörter Menschen (also ich) philosophieren, aber ich kann nichts beschreiben, ich kann keine Situationen oder Momente oder Äußerlichkeiten in Worte fassen. Ich kann sagen, was ich denke; das kann jeder Stammtischbesucher. Ich kann keine Filme und keine Musik kritisieren oder reflektieren, weil mir Vokabeln fehlen und ich keine Metaphern finde. Ich fliege in den Urlaub und rieche und sehe unglaubliche Dinge und könnte bestimmt Romane darüber schreiben, aber tatsächlich kann ich es nicht. Ich höre und fühle und nicht ein Wort lässt sich finden um das für immer in Papier (oder in die digitale Alternative) zu prägen. So lange, wie meine Erinnerungen reichen, und dann… nichts mehr.

Also habe ich mir eine Kamera gekauft. Nicht, dass ich fantastische Fotos schießen würde, das meine ich nicht; deshalb auch meine anfängliche Bewunderung für Menschen, die in ihrer Freizeit etwas finden, was sie in ihrem Leben erfolgreich (also mit Anerkennung und ohne finanziellen Stress) integrieren können. Versteht mich nicht falsch; mein Drang, etwas zu fotografieren, hat nichts mit der Aussortierung meines kranken Kopfes zu tun, kompensiert also nicht die fehlenden Worte. Aber das Werkzeug der Fotografie ist wertvoll, unglaublich wichtig, um vielleicht, eines Tages, wenn meine eigenen Bilder schon verblasst sind, endlich die richtigen Worte zu finden…

Leider reicht alles nicht an die Farben und Momente und fantastischen Explosionen der Inspiration und Ästhetik meiner Kurzreise nach Marrakech heran. Dieser Ort ist toxisch und ansteckend in seiner Schönheit und in seinem Chaos. Obwohl ich selbst in Damaskus schon viele Male in der alten Stadt war und dort eher genervt war von herumlaufenden Hühnern und ständig pöbelnden Verkäufern, war dasselbe Bild mit einer Kamera verfolgt und mit einem ganz anderen Auge für die schönen Dinge ein komplett anderes. Auf einmal juckt es mich umso mehr, in den Mittleren Osten zu reisen und all die Dinge, die mich vorher so frustriert haben, weil ich sie nicht benennen konnte, für immer auf Bildern zu verbannen. Selbst, wenn sie auf Ewigkeiten in meiner Schublade (oder halt auf meiner Festplatte) zerrotten, das ist es mir wert. Und an dieser Stelle bedanke ich von ganzem Herzen bei meiner guten, alten Canon. Ohne sie hätte mir das alles nicht halb so viel Spaß gemacht (und aus Prinzip auch ein ganz spezielles Dankeschön an mein Moleskine).

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Monday Bloody Monday

Veröffentlicht February 7, 2011

Es ist Montag. Seit fünf Monaten ist es das erste Mal Montag für mich, und ich mache Papierkram – Arbeitsamt, Versicherung, Banken, Steuererklärung. Vielmehr, ich versuche es zu machen. Meine Gedanken schwenken ab zu den letzten Bildern aus Melbourne, die sich wie ein schlechtes, gestrecktes .gif ständig wiederholen. Ich kann es nicht abschalten. Ich kann über nichts anderes aus meiner Reise nachdenken, ich erinnere mich nicht mal mehr. Ich kann mir die Bilder nicht angucken, weil ich Angst habe, dass es noch mehr dieser Loops hervorruft. Mein Melbourne-Loop quält mich. Ich versuche etwas anderes zu sehen.

Was ich sehe: wie die Freunde, die ich mir auf der Reise gemacht habe, weiterreisen. Was ich sehe: dass ich die nächsten zwei bis vier Monate, je nach dem, wie schnell ich das Geld für die nächste Planetenwanderung zusammgenspart habe, einfach nutzlos vor mich hinvegetieren werde. Ich weiß noch nicht mal, was mich mehr frustrieren würde: jetzt arm und total am hustlen in Australien mein Geld zu verlieren, oder hier den Erwachsenen zu spielen und alles noch mal neu zu strukturieren. Ich weiß ja, wieso ich nach Hause geflogen bin, aber ich hätte ja nicht ahnen können, dass das so schwierig wird; nicht auf Reisen, nicht in Berlin, mit dem Kopf voll in Papierkram und die Lungen bis zum Zerbersten mit Purple Haze. Willkommen in der Vorstadt.

Ich fasse, klaglos, desillusioniert, enttäuscht und gleichzeitig stolz zusammen: das schönste daran, zu Hause zu sein, ist auch das schlimmste. Das fast schon panische Schreien und die Tränen meiner Mutter, als ich durch die Tür gefallen bin, stoned und erschöpft von Turbulenzen und Hangovern und allergischen Reaktionen; meine wunderbaren Freunde, die mich am Flughafenausgang mit ihrem absolut bescheuertem Banner (YEAH SARA IS BACK) in die emotionale Knie gezwungen haben; die Erleichterung, in einer RMV-Bahn zu sitzen, wohlwissend, dass mich hier definitiv keiner beklauen wird und ich meinen Scheiss deshalb einfach liegen lassen kann. Alles Gründe, um hier zu sein, und alles Gründe, um direkt wieder abzuhauen.

Ich hänge in der Luft herum. Ich hasse die Tatsache dass es noch kalt ist, und dass es einfach schwer ist, sich hier vom Arsch hochzubewegen. Im Internet passiert nichts Neues, ich werde nichts haben, worüber ich schreiben kann, die Parties werden sich wiederholen und der saubere Geruch und die geradelinigen Autobahnen werden mich in den Wahnsinn treiben. Wenn ich nur dieses beschissene Studium endlich abschließen könnte, halt, endlich anfangen könnte, dann hätte ich wenigstens die Rechtfertigung (und überhaupt die Möglichkeit) im asiatischen Ausland zu arbeiten, weiter zu reisen, Australien zu überspringen, wieder zu arbeiten, und so weiter, und so fort. Um nicht daran zu denken, dass das alles noch ein paar Jahre dauern wird, denke ich lieber an das, was unmittelbar vor mir steht.

Döner, ich freue mich auf Döner. Und Falafel. Schwarzbrot mit Nutella. Das Essen von meiner Mama. Eine gute Feierei mit den Freunden. Auto fahren. Koks für 60 Euro im Sonderschnitt (FICK DICH AUSTRALIEN, FICK DICH!). Unendlicher Musikdownload. Meine DSLR. The Cure laut aufdrehen und sich in die Winterjacke einlümmeln und kalte, weiße Luft ausatmen. Ich freue mich vor allem darauf, meinen nächsten Trip zu planen. Bald. Morgen schon. Das muss doch irgendwie. Verdammt noch mal.

 
 

Life of Y

Veröffentlicht February 1, 2011

Menschen ziehen an fremde Orte auf der Suche nach einem besseren Leben. Das bessere Leben erweist sich meist in der Reise selbst, zumindest müssen das viele bisher so festgestellt haben, denn es hat sich herumgesprochen und heutzutage ist es normal, ja verdammt noch mal erwartet, dass man den Arsch hochbekommt und weggeht um vielleicht, eventuell, mit Zufriedenheit zurückzukommen, oder, im wortwörtlichen „sehnsüchtigem Sinn“, irgendwo das bessere Leben tatsächlich zu finden.

Ich habe Menschen kennen gelernt, die sind stehen geblieben. Nicht anders, als auch in ihrer Heimat, nur eben woanders. Im seltensten Fall war diese Entscheidung aufgrund von örtlicher Begebenheiten getroffen worden, sondern aufgrund von Umständen; Menschen, die man trifft und die zu Freunden werden, Arbeit, die man schon immer machen wollte und plötzlich (oder zufällig) angeboten wird. Wenn man das Meer und den ewigen Sonnenschein addiert, erscheint einem alles viel einfacher als in, sagen wir mal, Deutschland.

Für mich war (und ist) Berlin ein Ort, der mir vieles beigebracht hat, mir in einer ausschlaggebenden Phase des Lebens bei- oder im Weg stand, aber immerhin immer da war, wenn ich ihn gebraucht habe. Der Grund für meine Reise – und das wird mir jetzt erst klar – ist gar nicht die Flucht gewesen, oder sogar die Suche nach einem besseren Leben. Die Reise war (und ist) ein wohlgeformter, mit dem Zirkel gemalter Kreis, der mich immer wieder ohne Anfang oder Ende nach Berlin zurückbringen wird. Um für immer irgendwo bleiben zu wollen, muss man sich sicher sein, dass man nirgendswo anders sein möchte. Ich dachte, ich könnte mir das per Anhalter durch sieben Kontinente beweisen, mein Herz beweist mir allerdings etwas anderes: die schönen Länder, Städte und Gelegenheiten der Welt verblassen im strahlenden Sonnenschein der fantastischen Begegnungen und der dadurch entstandenen Freundschaften, die damals in Berlin ihren Platz gefunden haben. Meine Freunde und mein Leben, das ich verlassen habe, haben mich nicht verlassen. Niemals. Und mein Heimweh ist keine Sehnsucht nach Sicherheit oder Commitment oder Settlement; mein Heimweh ist pure Liebe und ein Herz, platzend vor Glück, das viel aufnehmen und durchstehen und ertragen kann, ohne jemals aufzuhören für die Menschen zu pochen, die das magische Berlin zu meinem zu Hause gemacht haben.

Ich bin mir bei all dem, mit meinen unglaublich jungen zweiundzwanzigeinviertel Jahren ziemlich sicher. Wieso – diese Frage wird sich wohl kaum jetzt beantworten lassen – fällt es mir also so schwer, von meiner Reise Abschied zu nehmen und nach Hause zu finden? Genauso schwer, wie vor meiner Reise Abschied von meiner Heimat zu nehmen? Oder von meiner Familie, als ich ausgezogen bin? Von meiner Schule, als ich Abitur gemacht habe?

Jede Entscheidung weiterzuziehen wurde bewusst abgewogen, jedes einzelne Mal habe ich mich schlecht gefühlt, nur um nach wenigen Monaten des Durchbeissens an ein Hoch zu kommen, dass ich mir nie erträumt hätte… um dann alles abzubrechen und wieder weiterzumachen. Nur zu gerne würde ich die Ironie des Schicksals für so viele Widersprüche verantwortlich machen, aber ich weiß es viel besser: es muss so sein. Denn wie in jedem Kreis gibt es nicht nur Abschiede, sondern auch Widersehen.

Und auf die freue ich mich ganz besonders.

Life of Y · Kategorien: Weltreise · 6 Kommentare
 
 
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