Tattergreis-Humor
Karamellbonbons, gehäkelte Topflappen, Nachttöpfe und immer dieses Bild von Leichenschauhaus hinter den Glasaugen: Senioren sind die stärksten Horror-Motive, die ich mir in meiner jungen Welt vorstellen kann. Zombies, Wolfmenschen, Aliens, Psychokiller – anytime. Aber sobald da so ein Hans Maulwurf um die Ecke schneckt und sich in Zeitlupe die Karamellbonbon-Überreste aus dem Gebiss pult geht mir das Arschwasser wie beim besten Thriller nicht ((diese völlig politisch unkorrekten Aussagen stemmen aus meiner eigenen, überwältigenden Angst, eines Tages alt und zittrig zu sein.))

Aber es kann auch Vorteile haben, zum Gammelfleisch zu gehören. Erstens kann man sich ganz legal den ganzen Tag irgendwelche Pillen schmeissen um besser drauf (oder überhaupt auch nur irgendwie drauf) zu sein, und zweitens hat man eine ganze Ladung alter Wörter, die keiner mehr kennt und einen immer an die großartigen Zeiten erinnern, die man mit Omma und Oppa hatte. Oder vielleicht finde ich das auch nur so toll, weil ich diese Zeiten ausgerechnet nicht hatte, da meine Großeltern fernab von Deutschland geboren sind. Egal.
Jedenfalls bildet die Sprache unserer Seniors eine Art eigenen Rentner-Slang, den ich großartig finde. Die regen sich über die Jugend von heute auf? Die sollten sich mal selbst hören, mit ihrem Muckefuck und Büstenhaltern und Lausebuben. Ich muss zum Beispiel beim Wort “Tattergreis” schon mal ein bisschen furzen vor lachen. Hier eine Liste mit weiteren Goldstücken:
Backpfeife Firlefanz Papperlapapp Schabernack Liebkosen Muffensausen Gemächt Harlekin Luftikus Obacht! Kokolores Potzblitz Donnerwetter! Mumpitz Hottentotten Straßenland Hurtig Trottoir Haudegen Brimborium
Großartig. Und was gibt’s noch?

