"Girl gone wide."


Info

Posts tagged Roman

Leider nur ein Buch und kein Rap-Album geworden: Dackelkrieg.

Wer Ada Blitzkrieg nicht kennt, der hat schon verloren. Die witzigste Hundeschnauze im Web 2.0 hat nun ihren Debütroman auf virtuellem Papier niedergebracht und kehrt ein in die Hall of Fame derjenigen, die vom Blogstein bis zur Skyline hinaufgeklettert sind. “Dackelkrieg: Rouladen und Rap” heisst die Bibel der Hundephilosophie und ist eine Ansammlung von sprachlichem Wortwitz und amüsanten Hunde- und Alltagsbeobachtungen.

(more…)

by yeahs in (Pop)Kultur

Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen Lebensabschnitt dokumentiert hat, für den sich kein Mut der Welt lohnen würde.

Die Tatsache, dass STROBO kein Roman ist, das irreal und exzessiv diskutierte Debütwerk einer zu jungen Autorin jedoch schon, lässt jeden inhaltlichen Vergleich beider Werke völlig absurd erscheinen. ROADKILL ist wahrscheinlich um Klassen besser geschrieben, mit mehr Schmalz und mehr Überlegungen, wie ich mir hab sagen lassen, allerdings ist ein Protokoll wie STROBO nun mal ein Protokoll.

Der Reiz an STROBO war für mich eben genau dieser Aspekt.

Ist das Protokoll lesenswert? Oh mann, ja. Ist es. Während des Lesens der vielen unendlich scheinenden Redundanzen, der stillstehenden Zeit – eher der respektlosen Außerkraftsetzung eines Gefühls dafür, kamen mir im Gedanken an den Zuhälter- und Einsamkeitsbericht DER MINUSMANN von Heinz Sobota, in der am Ende vor allem das einem nagt, das ich eingangs erwähnt habe: Keine Rechtfertigung.

Am Ende von STROBO gibt es ein Nachwort von Bomec, das mich ganz eigenartig berührt hat. Warum, weiß ich einfach nicht.

Ich habe viele Bücher gelesen, die so viel mehr zu sagen hatten, als STROBO. Berichte, die ebenso authentisch wirkten, wie das Techno-Fragment des Airen.

Bücher, die im Regal verstauben und gute, gelesene Bücher bleiben. Mehr nicht. Bücher, die ich Freunden empfehle. Oder Bekannten.

Bücher wie DER MINUSMANN oder STROBO kann ich allerdings nicht einfach so empfehlen.

Sie bleiben in der Erinnerung kleben. Ich fasse sie nur fasziniert und flau im Bauch wieder an. Sie sind das, was ich nicht begreife. Sie machen mir komische Gefühle, Gedanken und stellen gerade wegen der authentischen Nähe eine erbarmungslos laute Distanz zwischen mir und fremden Welten her.

STROBO hat mich irgendwie bezwungen. Letzte Seite, Buch zuklappen und ungesehene Bilder vergessen. Und die Gedanken, ob das alles wahr ist, einfach beiseite schieben. Faszination, Ekel und Lachen. Das, was viele in ihrem Leben benötigen (wollen).

Es ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wir glotzen drauf und sitzen am Ende verwirrt da. Das, was so ein Protokoll beabsichtigt, kann kein Roman dieser Welt. Und das soll er auch nicht.

Umso interessanter wird es ab Ende März 2010, wenn Airens Zweitwerk in mein Bücherregal wandert: I AM AIREN MAN.

Ich bin gespannt. Denn es handelt sich hierbei um einen ebenso wahrscheinlichen Bericht über Wahrheit, Exzess und Subjektivität. Worin in jedem dieser drei Dinge wohl die Fiktion ebenso zuhause ist. Es ist ein Roman. Von einem Schriftsteller. Nicht wie in STROBO, an dem sich jeder Vergleich zerreibt. In dem kein Schriftsteller schreibt, sondern ein Erzähler festhält.

Exzessiv.

(via Deef Pirmasens)

by B in (Pop)Kultur Berlin