Facebook ist ein Segen und ein Fluch gleichzeitig. Einerseits bin ich froh, mich mit so vielen Menschen auf meinem Weg durch das elendig lange und von Idioten bespickte Leben vernetzen zu können, und andererseits schrecke ich dann doch wieder vor Entsetzen zurück, wenn ich mir die Ausmaße der Menschheit in so unmittelbarer Nähe zu Gemüte führen kann. Da wäre zum Beispiel Sabrina, meine beste Freundin aus der Grundschule, die heute ihren Lebensabend (mit 22) damit verbringt, Bier zu saufen und die Frankfurter Eisbären zu befeiern. Jedes Bild ist im Trikot, und Statusupdates… hier nun einer als Beispiel:
“Ain’t No Sunshine.. Ohne Eishockey”.
Nun habe ich ja nichts gegen Eishockey. Aber wenn der Rest nur aus “Krebs, dein Tageshoroskop” und “Sabrina liked Osama Bin Laden ist Tot, der Alte Hurensohn hat’s verdient”, dann stellt sich durchaus die Frage: wieso? Wieso tu ich mir das an? Und die Antwort ist ganz klar auf der Hand und als einzige gültig: damit ich mich besser fühle darin, dass ich nicht so bin.
So viel Ehrlichkeit muss man sich ja auch zur Abwechslung mal eingestehen. Es ist auch gleichzeitig bizarr, dass ihr Leben (genau so wie meins für sie wahrscheinlich) einfach so unfassbar anders ist und mich das irgendwie an- und doch wieder abtörnt.
Aber Facebook begleitet mich bei vielen anderen Dingen ja auch. Wie etwa auf meinen Reisen, und die Freunde, die man unterwegs für’s Leben macht, bleiben tatsächlich auch für’s Leben, denn man macht sich im News Feed der jeweils anderen bemerkbar. Und schon hat man Networking Galore. Hat jemand einen Kleiderschrank übrig? Will jemand mit mir in den Urlaub? Kann mir jemand einen Job besorgen? Ab 500+ Freunde sollten alle Probleme eigentlich geregelt sein.
Nur eine Sache, eine klitzekleine Sache, hält mich von der ultimativen Facebook-Devotion ab, nämlich die Frage, ab wann man Menschen eigentlich adden sollte und überhaupt, in welcher Situation findet sich das richtige Ausmaß an Kommunikation? Angenommen, man trifft einen interessanten, vielleicht auch sexuell anregenden Menschen auf der Straße (oder auf einer Party) und man unterhält sich über ein paar gemeinsame Themen (oder fällt sich im absoluten Endsuff um den Hals und übt den regen Speichelaustausch) und tauscht dann Nummern aus, um das ganze Spiel zu wiederholen (oder um endlich Geschlechtsverkehr zu praktizieren). Wenn man diese Person JETZT nach seinem Facebook Profil fragt, kann unweigerlich nur eines passieren: man stalkt. Man beobachtet. Man wittert ob es passt oder nicht anhand von Status Updates. Sie lügen nicht, die Status Updates. Die Likes auch nicht. Die Profilbilder kann man getrost ignorieren, die getaggten Bilder sind das, was zählt.
Und schon ist eine zuckersüße, intellektuelle Freundschaft (oder eine heiße Affäre mit einem heißen Typen) gestorben, weil er in seinem Profil auflistet, dass er an der Weltuntergangsparty 2012 teilnimmt und Stone Cold Steve Austin als Vorbild angibt. Sein Profilzitat ist “Kein Schwanz ist so hart wie das Leben” und ich kotze mir ein bisschen in den Mund. Der Mann, der alle Chancen bei mir hatte, hat sein Facebook Profil mit dem unsäglichen Inneren seines Hirnes vergewaltigt und damit wurde jeder Kontakt abgebrochen.
Männer, Frauen dieser Welt, hört mir zu. Wenn ihr euer Facebookprofil nicht mysteriös, ein bisschen interessant und auf gar keinen Fall ehrlich gestaltet (wenn ihr nicht gerade ehrlich eine coole Sau seid), dann traut euch erst über dieses Medium zu kommunizieren, wenn ihr schon bei Base 4 wart und eure Hosen gerade wieder anzieht. Wirklich. Denn auch diesmal muss unsere Protagonistin hier ohne GV auskommen, und ich weiß nicht direkt, ob ich Facebook dafür danken oder verfluchen soll.
Das ist jetzt ungefähr vier Männer her, dass ich in meinem Leben die Bremse gezogen und gesagt habe “okay, vergiss es, das wird nichts, konzentriere dich auf andere Dinge”, und seit dem passiert nichts anderes als eine emotionale Achterbahn, die mich von einem zum nächsten schmeisst und ich das immer erst bemerke wenn es schon viel zu spät ist.
Es gibt da diesen einen, der mich nicht in Ruhe lässt. Physisch. Den ich mehr will als alles andere gerade — der aber nicht da ist. Und es gibt den anderen, der eine Mensch, der mich unter tausenden von Menschen so ungefragt berührt hat, mit dem ich Zeit verbringen will — aber nicht darf. Und dann gibt es da noch den Typen, der mich aus diesen unschuldigen Augen anguckt und nicht weiß, was er falsch gemacht hat, und ich blicke zurück und hoffe auf der Stelle tot umzufallen weil ich es ihm nicht sagen kann.
Die einzige Moral, die ich bezüglich Männern aus den vergangenen 12 Monaten für den Rest meines Lebens mitnehmen darf, ist dass ich ein Beziehungskiller für alle Beziehungen um mich herum bin, dass ich es selbst nicht schaffe zu formulieren, was ich überhaupt möchte, dass ich immer erst merke, dass mich jemand will, wenn es schon viel zu spät ist, dass ich immer erst jemanden will, wenn es schon viel zu spät ist, dass ich in all meinem Elan darin ein guter Freund zu sein manchmal vergesse, dass ich Brüste habe und kein kleines Kind mehr bin das sich nach Wärme und Streicheleinheiten sehnt.
Als wäre es so schwer, einfach mal den Kopf auszuschalten und nicht darüber nachzudenken.
Ihr kennt das: man kommt in einen Raum rein und stuft die sich darin befindlichen Menschen direkt ein. Jeder hat dafür seine eigenen Kategorien, aber – wir sind erwachsen, wir dürfen jetzt ehrlich sein und das mit den Märchenwelten ausblenden – eigentlich kommt es nur auf sehr wenige Abstufungen an. Davon ganz unten “Oh Gott gib mir mein Augenlicht zurück”, in der goldenen Mitte “Hmm kann man machen” und natürlich die heiligste aller heiligen und seltenen Kategorien “Muss ich SOFORTwegballern sonst fallen mir die Klöten ab.”
Jetzt werden vor allem viele Gentlemen und -women der älteren Generationen erschrocken und gar empört erwidern, dass ich ja nicht alle Tassen im Schrank hätte und mit meinen Worten wieder nur provozieren möchte, aber, ey, sorry: wenn das nicht jeder so macht, dann lass ich mich direkt einweisen. Wir sind hier in der Gruppentherapie. Ich möchte damit auch gar nicht behaupten, dass man auf diese kategorische Zuweisung unbedingt handelt. Bei manchen Typen kann man das gezielt beobachten, bei Frauen ebenso (auch, wenn das zumeist subtiler ausfällt). Nicht alle reagieren. Aber machen wir uns nichts vor: diese Zuweisungen sind wichtig, damit wir im Leben klar kommen und uns von unseren instinktiven Trieben sagen lassen können, auf welche Pheromone wir anzuspringen haben. Wir tun es doch nur für die Kinder, die nicht aussehen sollen wie Monsterhöllengeburten.
Anyway. Was ich eigentlich sagen wollte: bei Frauen fällt mir diese Kategorisierung erheblich leichter. S macht die Bitches klar, ihr wisst Bescheid. Bei Männern ist das Einstufen immer ein bisschen auch Verzweiflungsakt, weil man plötzlich über Liga und Klassengesellschaft nachdenken muss sobald man einen Mann so gut aussehend findet, dass man sich Ponys und Regenbögen vorstellt. Bei Frauen geht das irgendwie klar, da kann man das, wenn man selber Angehörige dieser wahnsinnigen Zucht ist, einfach objektiver bewerten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei Frauen nur vier bis fünf wichtige Labels gibt, und die werde ich jetzt euch offenbaren. Vorarbeiten nennt man das.
Zuckertörtchen – die Frau, die niemals alt wird. Einfach unglaublich süß, mädchenhaft, versprüht eine Aura die leise BESCHÜTZ MICH schreit. Da denkt man nicht ans Ficken, Jungs. Da denkt man nur an Liebe machen am Sandstrand, und weiße Schimmel reiten, und sowas. Und ganz, ganz doll fest halten. Ladylike im Abendkleid, selbst wenn sie ihre Haare nur wild hochstecken sehen sie aus wie Cinderella. Ein umwerfendes, völlig entwaffnendes Lächeln. Frauen wollen ihre beste Freundin sein. Manchmal verprügel ich sie einfach. Aus Neid. Weil Zuckertörtchen keine Büffelhüften haben wie meine Wenigkeit. Und so niedlich zärtlich aussehen. Und nie Pickel hatten. Ja, man könnte sagen, Zuckertörtchen sind vom Aussterben bedroht und zwar nur Dank mir und den Schlägerbitches mit Bartwuchs.
Fick-Mich-Gesichter – Fick Mich Gesichter sind die ÜBER Pornohauptdarsteller. Facettenreich, von braun bis blond, von groß bis klein, von Mediterran-Muschi bis Moskau-Madonna. Ausstrahlung ist hier der Schlüssel. Fick-Mich Gesichter haben meistens riesige Augen und tragen ständig Strapse. Man sieht das nicht, okay, man kann das nicht sehen, aber jede andere Frau im Umkreis von 500 km kann es mindestens fühlen, die schwarzen Sex-Strapsen, und schärft schon mal ihre Krallen für den Kampf um ihren Stecher. Penisse merken das auch, ohne irgendeine Emotion ihres Besitzers. Wenn man Zuckertörtchen und Fick-Mich Gesichter übrigens zusammenschmeisst, kriegt man meistens das urtypische Mann-Drama mit, dieses “Oh nein, das hier soll die Mutter meiner Kinder werden, aber ich bin so heiß auf das Fick-Mich-Gesicht aus meiner Firma!” Fick-Mich-Gesichter tragen damit viel Verantwortung und haben wahrscheinlich den größten Applaus verdient, weil sie sich durch alle Altersgruppen ziehen und chamäleonartig umschalten können, wenn es mal seriös gehen soll.
The Girl Next Door – Früher hießen The Girl Next Doors auch “Sporty Spice”, aber an die 90er will sich ja keiner mehr erinnern, und an Mel C, das olle Butterface, schon mal gar nicht. Deshalb hat man Mitte der 2000er diese ganz neue Hybridkategorie eingeführt, irgendwo zwischen Fick-Mich-Gesicht und Zuckertörtchen, sozusagen der unerreichbare Traumwagen der Pseudo-Unkonventionen. The Girl Next Door bekifft sich mit Typen, fickt herum, ohne jemals als Schlampe entlarvt zu werden, hört gute Musik, kennt sich eigentlich sowieso immer und überall aus und säuft andere unter den Tisch ohne danach contenancelos in die Ecke zu kotzen oder wahllos Schwänze zu lutschen. Im Gegeteil- bei sieben Promille lackiert sie sich die Fingernägel noch knallrot, drückt verwirrten Jungs einen dicken Kuss auf die Wange und geht ihren exzentrischen Hobbies (Busfahren, beispielsweise, wegen der Atmosphäre und so weiter) nach. Sie trägt Festivalbändchen und Hippiekleidchen oder Jogginghosen und Super-Sneaker. Sie ist hübsch, wird aber von Zuckertörtchen und Fick-Mich-Gesicht in den Schatten gestellt, und erst nach dem dritten hingucken von Kerlen ihres Alters bemerkt (ihre ausreichende sexuelle Erfahrung sammelte sie vor allem mit haarigen Männern mit gepflegten Moustaches). Wahrscheinlich macht sie Musik. Sie spielt Triangel. Sie könnte auch Zooey Deschanel heißen.
Butterface – Das Butterface ist eigentlich nur der weibliche Wingman, völlig unbedrohlich. Obwohl Butterface ja schon sehr diskriminierend ist, ist dieses Mädchen selten wirklich hässlich – ich meine, wer ist schon hässlich auf dieser Welt, jeder ist schön, außer deine Mutter – aber sie steht im Schatten ihrer Selbst, gefressen von Unsicherheiten und einer irgendwie porrös wirkenden Haut und damit wirkt sie automatisch hässlich. Männer können mit ihr nichts anfangen, weil sie so nervös wird bei einer Unterhaltung, dass sie anfängt zu stammeln und im nervösen high-pitch anfängt hysterisch zu lachen. Mit der Zeit wird sie zum Mauerblümchen. Sie entwickelt seltsame, geheime Fetische, die sie eines Tages mit ihrem glatzköpfigen Liebhaber ausleben kann. Sie ist sozusagen die Charlotte aus Sex and The City – mit mehr Komplexen. Wer es mit ihr aufnimmt und über die anfänglichen Hürden hinwegkommt, wird mit viel Zuneigung, viel Spaß, Spannung und Action belohnt, denn hier trifft der Spruch “Stille Wasser sind tief” ganz großartig zu.
Schlägerbitches – Sie reissen jedem dem Arsch auf, Männern, Frauen, Priestern, Müttern, Präsidenten, Chuck Norris. Die Schlägerbitch hat die größte Klappe, und will dir nur auf’s Maul hauen und schreien “HOL DEINEN BRUDER DU HURENSOHN”. Oh ja, Schlägerbitches- auf dem ersten Blick beeindruckend maskuline Ausstrahlung und beängstigende Muskelbespannung, aber irgendwo findet sich (nach vielen Schlachten, wenn man das denn herausfordern möchte) auch ein weicher Kern.. nicht, dass man danach mit weniger blauen Flecken davon kommt, aber sobald sich die Schlägerbitch auf deiner Seite befindet kommst du nie wieder als Verlierer aus einer dicken Klatscherei heraus. Schlägerbitches kann man übrigens sehr leicht mit Fick-Mich-Gesichtern verwechseln, weil sie genauso selbstsicher auftreten, allerdings würde ich jedem von diesem Fehler abraten. Schlägerbitches ergeben sich vor allem der Berufung als Dominatrix oder Cougar, was ich persönlich ja nur gutheißen kann.
Jungs; ihr könnt mir dankbar sein, dass ich das für euch so aufgebröselt habe. Ab sofort müsst ihr euch nie wieder fragen, ob das, was ihr fühlt, eigentlich rational erklärbar sein muss oder nicht. Huldigt mich, ich habe euch gerettet.
Zigarette nach Zigarette, ein Joint, ein Vodka zwischendurch, das Kratzen an der Haut. Tränen, Dreck unter den Fingernägeln, Sperma, Blut von den Lippen, vermischt zu einem erhitzten—
Jede Berührung zerflossen, jedes Wort geflüstert. Bisse, Tritte, veredelte Vampiraugen, ein widerlicher Geschmack im Mund. Mit Fingernägeln aufgeritzte Hautstellen, herunterhängende Fetzen, getrocknetes Blut. Traum und Realität. Ein drogenangereichertes Delirium. Musik. Dröhnung. Verstrahlung. Leblose Augen… Sonnenaufgang.
Ich halte nichts von dem Mythos der sexuellen Entlastung bei sportlicher Betätigung. Der gute Sigmund mag mit seiner These vielleicht einigen Frauen einen Gefallen getan haben, damit sie keine Vergewaltigung mehr fürchten müssen, wenn sie mal wieder eine Migräne vortäuschen; allerdings kann man ja nur allzu gut beobachten, wie sich Männer abreagieren. Kriege, Amokläufe und Filesharing. Und das alles nur wegen unzureichender Geschlechtsverkehrsversorgung.
Deshalb kann ich auf eine Historie der Sport-Ablehnung meinerseits zurückblicken. Meine Faulheit überzeugte mich schon in meinen jungen Jahren davon, dass Hungern um einiges angenehmer ist als Bewegung; das geht sowieso Hand in Hand, eine Mahlzeit bereitet sich ja auch nicht selbst zu. Mama hatte auch nicht jeden Tag Zeit, sich um ihre verwöhnten Kinder zu kümmern. Anders ausgedrückt: Es muss etwas Schreckliches passiert sein, damit ich mich dazu entschließe, Sport zu machen.
Die Fettschwarte, die sich um meine Organe gelegt hat, ist wohl Grund genug geworden. Und das, obwohl ich mich sogar gesünder ernähre als noch vor 1,5 Jahren. Damals, als ich jeden Tag zu Mäcces anstatt zur Schule gefahren bin. Aber so ist es halt. Das Arbeitsleben verändert mich und zerstört mein tief verankertes Prinzip: “Was du heute kannst besorgen, das sollte in Armlänge erreichbar sein.”
…
Nun ist es also soweit. Ich bin im Fitnessstudio angemeldet und darf Markus Kavka und Till Lindemann beim Pumpen zugucken. Das beschränkt sich meistens auch wirklich nur darauf, da Aktivitäten meinerseits in Schweißbädern und Atemnot, Schlaganfall und Herzinfarkt enden. Die lässigen Kippen, die mir seit knapp fünf Jahren aus dem Mundwinkel hingen und es ab und zu immer noch tun, sind nicht mehr ganz so lässig, wenn ich rückwärts vom Laufband fliege und den dritten Stock runterkrache. Die Fettflecken kommen dann auch nicht mehr so schnell raus. Dabei grunzen sich die Latte Machiatto Muttis, die gerade ihren achten Wurf Kinder hinter sich haben, mehrere Stunden den Stepper belegen und dabei genüsslich die Gala verzehren, zustimmend zu, weil sie sich in ihrer Fitness bestätigt wurden. Ich werde von Sabine und Michaela ausgelacht. SABINE UND MICHAELA!!
Man kann richtig sehen, wie die Muttis nach so-und-so vielen Jahren endlich wieder soziale Kontakte knüpfen, Gott Dank dem Fitnessstudio! Yoga Kurse mit gleichgesinnten Frauen, die ihre Männer leider nicht den ganzen Tag lang in den Hobbykeller verbannen können und selbst eine Flucht vor Kind und Haushalt suchen, Pilates, und abschließend werden die übrigen Zelluliteringe gezählt. Best. Friends. Forever.
Ich kriege schon den übelsten Achselterror und fange an auf 45 Kilometer gegen den Wind nach Angstschweiß zu riechen, wenn ich das Wort “Crosstrainer” nur höre. Nach einer Stunde auf so ‘ner Maschine brauche ich erstmal Nachkriegs-Reha, glaubt mir. Und ich meine, der Widerstand bei den Geräten steht auf 0.
Aber die sind ja nicht dumm. Die blicken komplett durch, diese Gebärmaschinen, die sich gegenseitig Tipps für das aktuelle Brot-Angebot beim Bäcker nebenan geben. Die signalisieren sich in einer mir unverständlichen Muttersprache, dass sie die Konkurrenz (“junge Hüpfer”) nicht fürchten müssen. Das tut mir irgendwie fast schon Leid, dass ich diesen Frauen etwas vormache, nur weil ich ein wirklich ganz schlechtes Exemplar für die holde und geile Weiblichkeit bin, die ihre Männer so anziehend finden. Wenn die wüssten, was sonst noch so auf den Straßen rumläuft, die würden gleich mal schneller steppen.
Wo wir gerade bei Männern sind: Ich hatte mir fest vorgenommen, mich als vollständig Sex-Neutrales Wesen zu betrachten, wenn ich in der Foltergerätekammer bin, und zwar nur, um mir nicht ständig Sorgen um die fettigen Haare und die exorbitanten Achselschweißflecken zu machen. Das ist allerdings wirklich schwer, wenn ein gutaussehender Typ nach dem anderen den Raum betritt, sich mit seinem Herkules-Oberkörper erstmal einen Überblick über die Geräte verschafft und dann fast zusammenbricht vor lachen, wenn er Schweinchen Babe beim Sterben zusieht. Übertrumpft wird das nur noch davon, dass man entweder laut loslachen muss, weil die Olympia-Blooper gerade gezeigt werden, oder davon, dass man die ganze Zeit leise Knoblauchrülpser loslässt, weil man den ganzen Tag schon Wasser mit Kohlensäure säuft.
Was für mich furchtbar ist, kann für die anderen nur unerträglich sein.
Dennoch ist das (wie ich mir ständig wieder in den Kopf rufe) wirklich das kleinere Übel. Schlimmer ist nur, wenn der Schwabbel keine Intimrasur mehr zulässt und die Oberschenkel sich trotz Grätsche an jeder Stelle berühren, weil sie so fett geworden sind. Das würde dann in etwa auch die Frage klären, warum der Sex ausbleibt. Freud kann mich mal. Sport ist kein Sexkompensator, sondern Vorraussetzung für Geschlechtsverkehr außerhalb von Fett-Fetisch-Pornos.
… übrigens soll das alles jetzt nichts über mein Sexleben aussagen. Wirklich.
Wir hatten definitiv nicht genug Sex hier in letzter Zeit. Ihr wisst schon. Diesen dreckigen Untergrund-Swinger-Club-Bisexuell-Sex, der mit Zigarettenrauch und dunklen Kameraeinstellungen á la Calvin Klein Commercial. Das mit den scharfen Dessous. Ihr wisst schon. Der, der mit feinstem Synth-Pop hinterlegt wird, der, in dem sich auch Lindsay Lohan wohl fühlt..
Ihr wisst schon. Wie Ali Love’s neues Video zu “Love Harder”.
Die allgemeingültige Entschuldigung für “Wieso hast du eigentlich keinen festen Freund?” ist ja heutzutage irgendwas zwischen “Ich habe nicht den richtigen Kerl mit den richtigen Skinny Jeans und dem richtigen Musikgeschmack gefunden” und “Ich bin jung und wild und will noch an mehreren Orgien teilnehmen, bevor ich mich festlege“. Wenn diese Frage auftaucht, sieht man, wie ich mich leise im Hintergrund aus dem Zimmer zu stehlen versuche. Bitte nicht schon wieder.
Diese Frage verfolgt mich mein ganzes Leben schon ((In dem kurzen Zeitraum, als ich tatsächlich einmal einen “Freund” hatte und tatsächlich irgendwie “verliebt” war, hat mich natürlich keiner danach gefragt.)). Aber was antwortet man schon auf so etwas, wenn man die Antwort selbst nicht kennt?
Wie sagt man zu erwachsenen Menschen, Arbeitskollegen und anderen neugierigen Leuten, “nein, ich habe keinen Freund, aber keine Angst– ich werde trotzdem regelmäßig durchgeflext.”?Und wie erklärt man ihnen, dass man seit Jahren nicht mehr soetwas wie Liebe empfunden hat und selber nicht weiß, wieso? Wie sagt man: ich flüchte lieber in Affären mit Haltbarkeitsdatum, um eine Intensität zu erreichen, die sonst nicht möglich wäre. Und um Problemen aus dem Weg zu gehen, die unweigerlich kommen würden?
Definiere: Ich liebe ihn nicht, aber ich vermisse ihn, wenn er nicht da ist. Definiere: Ich will nicht mein ganzes Leben mit ihm verbringen, aber ich küsse ihn trotzdem in der Öffentlichkeit. Definiere: ich genieße die Zeit, in der er da ist, aber ich werde nicht weinen, wenn er geht. Wie sage ich: Menschen langweilen mich nach einiger Zeit. Wie sage ich: Um fair zu sein, gehe ich nichts ein, was realisierbar ist. Wie sage ich: Ich gebe mich nur dann hin, wenn ich weiß, dass es nur für einen kleinen Augenblick sein wird. Reisende, ja. Flüchtigkeitsbekanntschaften. Nachtmenschen. Die andere Frau sein. Bloß: kein Commitment. Ich ruf dich irgendwann an, und vielleicht auch nicht.
Vielleicht habe ich selbst irgendwann mein Herz ausgeknipst. Aber diese Vorstellung ist sogar für mich zu pathetisch. Stattdessen: ich stelle mir vor, dass ich eine andere Richtung einschlage: vielleicht will ich eine andere Sorte Mensch. Vielleicht fällt irgendwann mal meine Traumfrau vom Himmel. Ich hoffe es jedenfalls. Denn ansonsten stehe ich ohne Grund da. Ohne Ursache. Und damit auch ohne eine Lösung. Es erfüllt mich mit Angst zu wissen, dass ich auf weiter Flur für immer dieses Spiel spielen werde: das Spiel der Flucht, der Vertrauenslosigkeit, der Verantwortungslosigkeit. No Strings Attached. No Hard Feelings. Das Leben ist zu kurz, um sich festzulegen, zu schmal, um alle Gefühle im Vollen auszuleben. Kurze, intensive Kicks: Mann Frau Sex Party Harder Better Faster Stronger, und dann ist alles vorbei, der Rauch verschwindet, und schon warte ich wieder auf das nächste Mal, das mich ein Stück leerer zurücklässt.
Aber versteht mich nicht falsch: ich bin nicht unglücklich damit. Ich bin sogar sehr zufrieden mit dieser Art zu Leben, weil ich es nicht besser kenne, und weil ich mich nicht danach sehen, das zu verändern. Normalerweise nicht. Nur dann passiert etwas, plötzlich tut etwas in meinem Bauch weh… dann merke ich, dass vielleicht doch etwas nicht stimmt. Dass es doch nicht nur an einer bequemen Entschuldigung wie “ich bin halt so” liegt. Dass ich nicht anders bin als alle anderen, sondern mich nur anders benehme.
Ich verurteile jeden, der so mit diesen Gefühlen spielt, selbst wenn es die eigenen sind. Ich bin die erste, die damit am Pranger steht und das nicht nur bewusst, sondern auch noch wiederholt. Und am Ende liege ich wieder alleine da, starre in Schlaflosigkeit an die Decke und bin überzeugt davon, dass es anders gehen kann. Bis es so weit ist, und ich wieder einfach weggehe. Aus Selbstverständlichkeit. Aus Langweile. Aus Angst. Denn so ist es ja immer.
B, die fette Titte, ist gerade auf seinem Weg von Jena nach Berlin und wird das ganze Wochenende mit meiner Wenigkeit auf Koks & Nutten machen. Sprich: höchstwahrscheinlich werden bei der stürmischen Begrüßung an der Haustür unsere Köpfe mit voller Wucht zusammenknallen, sodass wir die nächsten zwei Tage sabbernd im Koma liegen. B wird dabei seine Hand im Schritt haben.
Aber, aber: ich freue mich gerade wie Hans-Wurst darauf und habe mir schon meinen Moustache zurechtfrisiert. Und weil’s so schön ist, gibt’s oben drauf noch ein bisschen Porno. Und damn, liebe Gemeinde, wenn ich Porno sage, dann meine ich Porno (ach so, die Uschi könnt ihr übrigens ignorieren, es geht hier im Wesentlichen um den Song… und so).