Free Run

Ich bin ja sonst nicht so der funktional-pragmatische Mensch, der sein Geld überlegt investiert. Ich bin der Typ Frau, die bei Ebay mehr für ein Produkt bezahlt als bei Amazon, einfach nur um die Auktion zu gewinnen. Meistens für Dinge, die ich nach der Paketübergabe auch direkt wieder wegschmeisse.

Bei den Nike Free Run Schuhen ergab sich so etwas wie eine spontane Liebe, die auch zweifellos schnell hätte enden können. Doch die Tragödie blieb aus. Es war die beste fußbezogene Entscheidung meines Lebens. In diesen Schuhen ist alles wie wattiert. Joggen, Tanzen, Reisen. Ich bin so erstaunt darüber dass ich nach einigen Wochen der Überlegung jetzt aber diese Empfehlung auch öffentlich ausspreche. Übrigens liegt man aber auch nur noch ein paar Monate im Trend, wenn man sich die jetzt besorgt: sie werden schon bald nur noch der einzige Laufschuh sein, den man ernst nehmen kann. An den Look gewöhnt man sich, auch wenn es durchaus einige Farbkombos gibt, die Gehirnkrebs hervorrufen. Noch nie hat Cellulite so viel Spaß gemacht wie mit dieser geeigneten Kampfausrüstung.

May 18th, 2012 Posted in Konsumbehindert | 4 Comments »

Chiang Mai Province – Waspy

Das mit dem Trekken durch den Dschungel war mir ja bereits vor der Reise sehr suspekt. Möchten sich Menschen wirklich in ihrem Urlaub aktiv, gar sportlich betätigen? Ich gebe mir hier redlich Mühe, sogar vom Reis noch Fett zu werden. Dazu kommt mein derzeitiger Anblick: behaart von Kopf bis Fuß inklusive Medusahaaren, zerstochen und zugeschwollen von wütenden Mücken, halb verbrannte, sich abpellende Schlangenhaut in chamäleonartig sich ändernden Farbtönen, Bangkokschmockpickel im Gesicht, ständig sonnenbedingt schielende Augen, ein kauerndes Humpeln vom tonnenschweren Rucksack und der ewige Gestank, der sich nicht mehr abwaschen lässt. Zu groß also die Gefahr, im Urwald für einen selten hässlichen Big Foot gehalten zu werden. Scheisse, sogar die Ameisen machen mittlerweile einen Umweg, wenn sie mich rollen hören.

Anyway. Trekking. Wenn man denn schon mal in der Nähe von Käfern, Spinnen, Moskitos und anderen wilden Viechern ist und sich noch nicht verausgabt genug fühlt, dann ist es ja nur selbstverständlich, dass man das bequeme Hotel für eine Holzpritsche und akuter Verstopfung aufgibt. Zumindest ist das der allgemeingültige Konsens wenn man Backpacker vom Fach fragt. Das sind übrigens die gleichen Typen, die auch damals in der Schule gefragt haben, ob man denn jetzt endlich die Hausaufgaben abgeben könne, und damit alle anderen in die Scheisse ritten, die sie nicht gemacht hatten. Scheiss CDU-Wähler sind das, elendige.

Zudem kommt, dass “Trekking”, der Begriff selbst, in Thailand verschiedenen Interpretationen geläufig ist. Es kann bedeuten, dass man im Dschungel mit dem Auto durchgekarrt wird, zwischendrin anhält, um einen besonders langweiligen Baum zu betrachten um dann ins hässliche Hotel verfrachtet zu werden oder die strunzdumme Bootsfahrt zu machen. Trekking kann bedeuten, dass man zwanzig Minuten von A nach B läuft um dort seltene Tiere zu sehen, Tiger oder Affen oder Spiderschwein, also irgendwie eine Art Safari in anstrengend. In unserem (gebuchten) Fall hieß Trekking tatsächlich Wandern und wir sahen uns plötzlich mit Schlamm, Bergen und gefühlten zweihundert Kilo auf dem Rücken konfrontiert.

Kurze Story: Hoch und runter, durch Matsch, durch Lehm, wir sind ausgerutscht und haben uns gegenseitig angefaucht und das Wasser in unsere Rachen gekippt, darauf wartend, dass sich diese Qual lohnen würde. Leider blieb der ersehnte Moment aus. Bei so einer verdammten Anstrengung bleibt nicht viel Zeit, sich der Natur zu erfreuen, und wenn man nicht gerade in der Vogel- oder Gekrabbelkunde bewandt ist, kann man mit der Flora und Fauna auch nicht viel anfangen. Die Szenerie wiederholt sich nach wenigen Stunden bereits. Die Wasserfälle sind zwar schön und angenehm kühl, wenn einem die Brühe gerade den Arsch langläuft, aber in diesem speziellen Fall hätte ich mich auch in Elefantenpisse gewälzt und es wäre gut gewesen.

Weiter im Trekkfieber erwartet einen im Dorf auf dem höchsten Berg, den sich die bekloppten Nomaden je aussuchen konnten, das völlig ausgeleierte und bereits zerfressene Moskitonetz über der Knastpritsche, Streunerhunde mit Krätze und lauwarmes Bier. Und dann betankt man sich mit dem Dorfobersten, weil es nichts anderes zu tun gibt, wenn es um 6 Uhr stockeduster wird und man wirklich keine einzige andere Quelle der Unterhaltung findet. Der Dorfoberste ist ein alter Mann in kulturell relevantem Gewand und einer Pfeife im Maul. Ich bin mir nicht sicher, ob die wirklich so rumlaufen (immerhin fahren die auch Roller), oder ob das nur für uns so aufgemacht wurde. Und da fängt für mich die ganze Problematik auch schon an. Man soll die Ureinwohner kennen lernen und verstehen, man kriegt viele Geschichten erzählt, wieso und weshalb und am Ende darf man sogar (!) dem ehrenwerten Herren eloquente Fragen stellen, wie etwa “wieso wohnen Sie eigentlich auf dem Dorf am Sack von Herkules und nicht in der Stadt”? Dabei fällt mir leider bisher immer noch keine gute Begründung dafür ein. ER geht ja auch nicht runter in die Stadt und begafft den modernen Homo Behindertus bei seinem täglichen Kampf gegen das Leben selbst. Der Tourismus spült nötiges Geld ins Dorf, aber ich frage mich, welche Lehre ich für mein persönliches Seelenheil daraus ziehen soll. Mein Gott, ich frage ja auch nicht Frau Hildebrandt aus Villingen-Schwennigen, wieso sie lieber mit Neandertalern zusammenlebt als mit den feschen Leuten aus der Metropole. Ich wander auch nicht durch den Schwarzwald und sammel auf dem Weg interessante Steine. Nennt mich einen Kulturbanause; aber wieso ich das alles jetzt auf einmal in Thailand machen muss, das kommt mir nicht in den Schädel. Ungeachtet dessen war es natürlich eine interessante Erfahrung. Und immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht im Dschungel leben werde. Wenn ich da mal nichts über mich selbst gelernt habe, dann weiß ich auch nicht.

Erwähnenswert ist auch der Ritt auf Elefanten, den wir dank falscher Buchung nun schon zum zweiten Mal machen durften. Lasst euch eines gesagt sein: Elefanten sind keine Gazellen, und bequem sind sie auch nicht, und wenn man auf einem Elefant schon mal geritten ist, hat man alle Elefanten schon mal geritten. Und Kamele, und andere Packtiere. Zumal die Tour nicht gemacht wurde, um als Teil des Trekks von A nach B zu kommen, sondern um halt mal auf Elefanten im Kreis zu reiten. Wie authentisch. Instant-Eingeborene, ein voyeuristischer Einblick in ein Leben, das es nicht gibt, das nur angelehnt an die Vergangenheit konstruiert wurde, um als Abenteuer auf meiner Lebens-To-Do-Liste abgehakt werden zu können. Nicht traurig… aber irgendwie eine sehr nüchterne Erkenntnis.

Um dem ganzen doch noch etwas Positives abzugewinnen (ich habe mich übrigens entschieden, diese Reise durchweg negativ darzustellen, damit ihr nicht so neidisch werdet): zwei Nächte in absoluter Hilflosigkeit zu verbringen schweisst sogar die fremdesten und verfeindetsten Menschen, wie etwa Deutsche und Engländer, zusammen. Und so wundert man gemeinsam bei Trunk und Tabak, wieso man sich freiwillig durch die Pampa führen lässt (und sogar dafür bezahlt). Man schmiedet gemeinsame Reisepläne, bewundert sich gegenseitig für die Ekelresistenz und hat am Ende der Nacht, wenn auch die letzte Dose ausgetrunken wurde, sogar Blutsbrüderschaft geschworen. Best Friends Forever. Das Leben ist schön.

If real life hit her she wouldn’t know what it was…

October 16th, 2010 Posted in Urlaub | 11 Comments »

Karate Kids

Auch wenn ihm ein großer Teil meines Kinderherzens gehört: Karate Kid war nicht der beste Kampfsport-Film seiner Zeit, HURR! Allerdings ist er durchaus ein Teil der Top 3 der trashigen Jean Claude Van Damme Filme (ich weiß, der spielt nur in Karate Tiger mit, aber das tut nichts zur Sache, in meinem Kopf ist er in allen drei Filmen dabei und teilt schön in die Fresse aus).

Also aus gegebenem Anlass (dieses Wochenende durfte ich nochmal jung sein), und weil ich bald hoffentlich auf den Bauchmuskeln bekannter Blogger Trampolin springen darf (eine Aussage, die ausnahmsweise nicht sexuell gemeint ist), hier also ein kleines Stück “Papa darf ich bitte bitte länger aufbleiben” Erinnerung:

Karate Tiger, 1986

Karate Kid, 1984

American Shaolin, 1991

Wer diese Filme nicht kennt hat keine schöne Kindheit gehabt. Diese Filme und die Ninja Turtles und Cornflakes Samstagsmorgens und Nutella auf Fladenbrot. Hah.

January 17th, 2010 Posted in Uncategorized | 9 Comments »