Quote.FM

Veröffentlicht September 6, 2011

Quote.FM hat mich in seiner ganzen Entstehungszeit nur latent berührt (Marcel hat ja hier und da mal was darüber geschrieben). Ich muss sagen, dass ein Dienst, bei dem ich Texte zitieren und in einem Stream mit Freunden teilen konnte, für mich eher redundant erschien. Letztendlich habe ich doch schon genügend Streams zum folgen, und wenn ich etwas teilen möchte, dann habe ich genügend (auch beachtete Kanäle) dafür. Twitter, Facebook, diverse Blogs und letztendlich auch mein kleines Moodboard yeahsara.com, welches ich für genau diesen Zweck nutze: um Zitate und Fragmente aus meinem virtuellen Leben zusammenzuführen und ohne großes Schauspiel mit Interessierten (meine Freunde) zu teilen. Wie ein Tumblr reitet dieses Objekt über die chaotischen Netzwege und sammelt Inspirationen, Einflüsse und kurze Gedanken auf entfremdeter Basis, ohne die Subjektivität zu verlieren. Warum man sowas braucht, weiß ich schlussendlich auch nicht.

Überraschenderweise hat mir Matze dann einen Invite-Code für die Beta Version von Quote.FM zukommen lassen und da ich unglaublich viel Spaß daran habe, virtuelle Profile zu erstellen, erschien es mir nur sinnvoll es wenigstens mal auszuprobieren. Und nun bin ich ziemlich gefesselt von der Idee, halte die Umsetzung für gelungen und die investierte Arbeit für eine herausragende Leistung. Wer schon mal in einem Start Up gearbeitet hat (egal in welchem und egal als was) wird sich durchaus vorstellen können, was in der Entwicklungsphase eines solchen Projektes alles nicht klappt, scheitert, und wie viele Nachtschichten man für die scheinbar geringsten Probleme aufwenden muss. Angesichts dieser Erfahrungen und des Alters der Jungs weiß ich alleine die Leistung eines “halbfertigen Betaprojektes” hoch zu schätzen. Auch, wenn ich mit den Machern, den W-W-W-s dieser Welt, nicht viel zu tun habe und unsere Existenzen sich in der deutschen Blogosphäre nur parallel bewegen, das ist ein gutes Projekt. Da wurde Intelligenz verbaut. Intelligenz! Nicht nur intelligente Software, sondern das Gefühl, hier seiner Intelligenz ein perfektes Schaumbad einzulassen.

Worum es genau geht: auf Quote.FM können (prägnante) Zitate aus Artikeln jeglicher Form und Sprache im eigenen Stream gepostet werden (über ein Bookmarklet, wie z.B. bei Tumblr). Empfohlen und “geliked” werden können sie von Followern. Da es sich nur auf textlichen Content beschränkt, ist schon mal eine Art Niveau-Anzeiger. Es schließt schon mal den herkömmlichen Facebook-Müll aus: keine Bilder, keine YouTube Videos. So, wie ich es verstanden hat, werden die “Likes” auch dazu genutzt um die Quotes zu bewerten. Selbst wenn nicht: durch die Auswahl der Zitierenden, denen man folgen möchte, kann man das für sich selbst auch ziemlich gut steuern.

Jetzt mal ganz im Ernst: wie oft erlebt man im Netz, dass sich Menschen mit Literatur, mit Text, mit anstrengenden, zusammenhängenden Sätzen auseinandersetzen? Bisweilen siegt ja die Kurzlebigkeit von 140-Zeichen, Headlines lesen reicht in Bild-Zeitung-Manier um mitreden zu können. Hier setzt Quote.FM an, das ist mein Punkt, wenn ich von Intelligenz rede: die User müssen den Text gelesen haben, um den Kern oder die Aussagekraft der Publikation zitieren zu können. Sie müssen sich damit auseinandersetzen. Ich fühle mich bei Quote.FM umgeben von Menschen, die nicht nur für den schnellen Kick und für das lustige Gif leben. Das mag eine elitäre Haltung sein, aber: zu wissen, dass ich nicht nur einen Link geklickt habe, sondern eine Empfehlung von jemandem bekommen habe, der schon einen guten Teaser-Text ausgewählt hat, bereichert mich innerlich. Es macht mich glücklich. Und im besten Falle bilde ich mich weiter, kann Wissen vertiefen oder neues aneignen.

Für mich ist das großartigste an Quote.FM derzeit aber, dass ich entdecke. Auf YeahSara.com habe ich bisher immer nur selbst gepostet. Auf Quote.FM entdecke ich zahlreiche Quellen und interessante Texte aus Nischen, denen ich keine Beachtung schenken würde. Auch muss ich keinen Datenmüll im Feedreader sammeln, nur um festzustellen, dass eine Publikation vielleicht 2 Mal im Jahr etwas veröffentlicht, was mich tangiert, sondern kann mich auf die charakterliche Diversität der User verlassen.

Noch ist offen, in wel­che Rich­tung sich das Zitier-​​Netzwerk ent­wi­ckeln wird. Es könnte den jet­zi­gen Qua­li­täts­stan­dard bei­be­hal­ten, dabei die per­sön­li­chen Inter­es­sen­la­gen sei­ner Nut­zer wei­ter­hin ehren und för­dern und sich auf diese Weise zu einem Kom­pen­dium der Must-​​Reads ent­wi­ckeln. Dies wäre zu wün­schen. Auf der ande­ren Seite könnte sich aber auch ein Quote.fm-Typos ent­wi­ckeln: Likes und Recom­men­da­ti­ons wür­den für die User zu einem zen­tra­len Ziel, das eine inhalt­li­che Anglei­chung her­bei­füh­ren und die Platt­form an Viel­falt ver­ar­men ließe. Dies wäre der mut­maß­li­che worst case. Memes und Virals wür­den Time­lines domi­nie­ren, Quote.fm wäre nur eine wei­tere Mög­lich­keit unter vie­len, sich über seine Emp­feh­lun­gen zu profilieren. – L’esprit d’escalier

Nach so viel Überschwänglichkeit kann ich nur hoffen, dass die Jungs auf ihrem Kurs bleiben. Letztendlich waren heute ungefähr 12 Zitate in meiner Timeline, die sich mit dem Pseudonym-Shit von Google+ beschäftigten. Was mich sehr stark an die selbstreferierenden Beiträge bei Google+ selbst erinnerte. Aber ich freue mich schon darauf, wenn noch mehr Leute den Zugang zu Quote.FM bekommen und die literarische und journalistische Landschaft an vielen Stellen ergänzen. Das, Kinder, ist endlich mal die gewünschte Verschnaufpause im Zeitalter der rennenden Informationsjunkies. Jeder User beweist mit seinem Zitat, dass er sich mit dem empfohlenen Text beschäftigt hat und gibt diesen Input weiter. Das ist Bildungskultur in the making. Ich hoffe wirklich, dass Quote.FM Ausdauer beweist, den Erfolg hätten die Jungs mit dieser Idee redlich verdient.

Quote.FM · Kategorien: Netzwelt · 6 Kommentare
 
 

Corporate Blog

Veröffentlicht December 3, 2009

Es gibt einige Dinge im Leben, die ignoriert man so lange, bis sie einfach im Nebel der Nichtigkeiten verschwinden: Kummer. Depressionen. Herpes. Ihr wisst, was ich meine. Auch ich, trotz meiner unverkennbaren Genialität und umwerfenden Schönheit, habe da ein paar Anliegen in letzter Zeit verdrängt: Die Mitesser auf meiner Nase. Die Mitesser in meiner WG. Meinen Chef. Ihr wisst schon.

Und dann ist da noch das Thema “Blogs”, vielleicht auch “BlogBlues“, oder “Metadiskussion zu Blogs”. Und das Thema “Arbeit”, auch genannt “Sklaverei”, vielleicht auch vielmehr “Prostitution”. Die Leute kommen und fragen, “Hey S, was machst du eigentlich den ganzen Tag, und wieso verbringst du so viel Zeit im Internet? Hast du etwa kein Leben? Trägst du Kopftuch oder so? Bist du zu fett um aus dem Haus zu gehen?” Und jedesmal muss ich verschämt zur Seite blicken und leise murmelnd antworten: “Nein man.. ich bin… ich arbeite im Online-Marketing”. Bäm.

working-lady

Eine Frau fällt in Ohnmacht, nachdem sie einen lauten Schrei des Entsetzen ausstößt. Die anderen treten einen Schritt zurück, irgendwie wissen sie nicht, was sie mit dieser Ansage anfangen sollten. Einige beginnen zu tuscheln, andere lachen. Alles in allem wenden sie sich ab, und meine Erklärungsversuche gehen unter. Ja, ich wäre auch lieber wieder fett. Ich schäme mich. Wie kann ich nur meine Internetkenntnisse, die mir Pro-Bono von anderen Bloggern und der ganzen Community so warmherzig und selbstlos beigebracht wurden, einfach so verkaufen? A fucking sell-out, that’s what it is.
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Gesichtsklaus auf robo.to

Veröffentlicht September 21, 2009

Und nun in der Kategorie “Weitere Nutzlose Dienstleistungs-Start Ups, die das nächste Twitter werden könnten”, stelle ich euch mein neues Lieblingsspielzeug vor: robo.to.

Auf robo.to kann man ein Profil erstellen. Auf diesem Profil kann man dann viersekündige (ja, vier Sekunden) Videos aufnehmen, Status Updates drankleben und mit diversen anderen Profilen verbinden (zum Beispiel Facebook oder Twitter). Diese Vier-Sekunden-Videos sind ton- und effektlos, haben keinerlei Existenzberechtigung, erfüllen aber wieder meine Theorie, dass alles schneller und kürzer sein muss, damit wir es bei der aktuellen Informationsflut (ach, Informatiosflut– das ist eher ein katastrophaler Bildungstsunami mit der Note 6, “Thema verfehlt!”) noch irgendwie verarbeiten können, ohne gleich vor Anstrengung nach Luft zu schnappen.

Weil ich das größte Opfer der ADS-Generation bin, finde ich dieses schöne Schnipsel an Internetsperrmüll so großartig, wie man es sich nur vorstellen kann. Vor allem, weil ich mich sogar traue, mit einer fetten Pickelexplosion mein Gesicht zu zeigen. Da können andere nur von träumen, so mutig zu sein.

robo.to

Jetzt wäre das Tool ja so noch sehr einsam, weshalb sich die Typen wohl gedacht haben: Lasst uns eine Channel-Funktion einbauen! Dabei werden die aktuellsten Videos in einem Stream angezeigt. Die Status Updates sind, wie bei einem Twitter-Update, im besten Fall mit Hashtags versehen, sodass man direkt eine visuelle Reaktion zu einem aktuellen Thema serviert bekommt. Es ist toll und ich werde es nie wieder loslassen.

PS: Justin Timberlake hat da wohl eine Finanzspritze gegeben, bei dem ganzen Gerät. Der ist wohl auch proaktiv am Mitmachen, der junge Mann. I approve of this.

 
 
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