TOTD: Come Closer

TOTD: Come Closer

Wo wir schon beim “Do You Want Me” waren, hier gleich die andere Seite in etwas animalischerer Atmosphäre: I Want You, I Want You, I Want You. Der Track wäre mir niemals aufgefallen, hätte ich ihn nicht live gehört (und das, obwohl Octo Octas Album “Between Two Selves” rauf und runter lief. Manche Tracks gehören eben in den Club und nicht auf die private, schrammelige Anlage.

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October 22nd, 2013 Posted in Track Of The Day | 1 Comment »

I Love College

Studenten. Ich bin in erster Linie skeptisch, als ich am ersten Tag – das Semester hat noch nicht begonnen – das Unigebäude betrete. Nach drei Jahren der akademischen Abstinenz werde ich mich nun wieder in Hallen der Bildung begeben. Meine Erwartungen sind hoch: ich werde mit ungefähr Gleichaltrigen die Philosophie des Lernens erleben. Ich werde mit Gleichgesinnten, mit kulturinteressierten Menschen den Hörsaal teilen und Zeuge eines Reifeprozesses werden. Ich werde mit intelligenten und gebildeten Leuten philosophieren und diskutieren können.

Gemeinsam werden wir das System kritisieren, und wir werden Erfolg haben. Wir sind immerhin die Elite unserer Generation, wir sind diejenigen, die die Welt und unser Land vorantreiben. Wir sind jung und stark. Wir werden, wie schon viele junge Geisteswissenschaftler und Akademiker vor uns, die ersten sein, die protestieren. Wir sind die 10%, die gesellschaftlich was ausmachen können.

Es dauerte ungefähr 10 Minuten, bis ich meine Vorstellungen zusammenklappte und zurück zu den anderen verstaubten Ideen stellte (Weltfrieden, Gerechtigkeit in der 3. Welt, G.W. Bush als Präsident). Studenten sind ab sofort meine Erzfeinde.
Mir war nicht klar, dass die Schule schon einen ziemlich guten Einblick darin bietete, wie die Welt funktioniert. Die Menschen in meinem Abiturjahrgang waren mitunter in drei Kategorien einzuteilen: die Streber, die Slacker und die absoluten Vollidioten.

Die Streber sind ausnahmsweise mal die Guten. Sie mögen zwar Pferdemädchen und Nerd-Jungs gewesen sein, aber sie hatten ihren eigenen Swag, nämlich Intelligenz und Ausdauer und, wenn man das so sagen möchte, Leidenschaft. Auch, wenn diese Leidenschaft augenscheinlich uncoolen Subjektiven wie etwa “Jugend Forscht” oder anderen Handfurz-Hobbies galt (Turnen, Modelleisenbahnsammeln, und so weiter). Nur, weil ich nicht dazu gehöre und meinen eigenen Style kultiviere, heißt das ja nicht, dass ich diese Nische für ihren Style verurteile. Nein, nein. Diese Jungs und Mädels gehören nicht zu meinem Kreis, aber ihr eigener ist definitiv berechtigt, sinn- und wertvoll. Nerds haben gewonnen, vor Kurzem sogar mit 10% bei Landtagswahlen. Sie werden die seltsamen Ingenieure, die krassen Informatiker und die sozial ein bisschen abgestümmelten Mathematiker.

Die Slacker haben alle sehr diverse Profile. Ihre einzige Einsamkeit besteht in der Rebellion gegen das deutsche Bildungssystem. Sie sind gleichzeitig unter- und überfordert. Texte, Fakten, Daten auswendig lernen? Lieber kiffen, skaten, zocken oder anderen Scheiss bauen. Musik machen, Filme gucken und sich irgendwie durch die Schule schummeln. Das sind zwar keine schulkonforme Wege, aber sie zahlen sich aus: hier wird der Unternehmer in Spe schon gebaut. Mit so wenig Aufwand wie möglich so gut wie möglich abschneiden, das ist das schulische Ziel der Faulen. In diesem Prozess erlernen sie eben ganz andere Dinge, die das Leben später meistern, fast in jeglicher Hinsicht.

Beide Gruppierungen waren Minderheiten in der Schule. Der Rest meines Jahrgangs bestand aus einer ganz anderen, viel wesentlicheren Gruppe an Menschen, die mir – wie ich erschrocken feststellen musste – auch auf der Uni wieder begegnet. Jeden Tag, und zwar zu 90% aller Anwesenden, werden die Hallen, Räume, Sääle und wertvollen Mensatische von ihnen belegt. Man kann nicht vor ihnen flüchten. Es sind genau dieselben Menschen, die mir auf meiner Reise durch Südostasien begegnet sind und am härtesten stanken. Es sind die Bremsen.

Die Bremsen: das sind die süßen Mädchen und die “interessierten” Jungs, die eigentlich wie Streber aussehen, aber gerne Slacker wären. Sie sind nichts von beidem. In der Schule waren es immer die, die sich zu Wort gemeldet haben, um genau das zu sagen, was der Lehrer eben schon gesagt hatte. Konsequent, jedes Mal. Es sind die, die nach jeder Klausur weinten, weil sie sich sicher waren, sie würden “eine SECHS!!” bekommen, um später dann eine 2+ zu kassieren und sich trotzdem noch darüber aufzuregen. Das sind die, die den Abiturball so behindert organisiert haben dass man als normaler Mensch nach der Todesstrafe für Kitsch und Geschmacklosigkeit fragte.

Die Bremsen, Kinder, sie sind überall. In der Uni melden sie sich zu Wort um zu diskutieren, obwohl der Professor überhaupt keine Diskussion möchte. Sie kauen einem das Ohr mit irgendwelchen politischen oder humanistischen Motiven ab, ohne selber zu verstehen, worum es geht. Die Bremsen, das sind die Leute, die tatsächlich die Summe all ihrer Begegnungen sind, denn sie haben keinen eigenen Charakter. Sie studieren Geisteswissenschaften, wie sie früher Deutsch- und Englisch-LK gewählt haben, nicht aus wahrem Interesse, sondern weil sie ihre Slacker-Streber-Gelüste hier entfalten können.

Meine persönliche Suche nach geistiger Entfaltung kommt also auch im Unigebäude wieder zum Stillstand, und wieder hänge ich mich lieber an die Slacker und suche mir auch ein paar coole Streber, um beiläufig nicht an sozialem Schwund zu verkümmern. Doch das ist leichter gesagt, als getan: viele Bremsen treten nämlich erst in Aktion, wenn sie unbeobachtet von ihren neuen, “coolen” Freunden sind, und so verbringt man erst ein paar angenehme Stunden mit jemandem, der angenehm wirkt, es aber doch nicht ist (wie sich vor allem während der Seminare ergibt).

Die Dozenten sind da auch keine große Hilfe. Das in der Schule noch halbwegs pädagogisch mit den minderbemittelten Hirnleerständen umgegangen werden muss erschließt sich mir. An der Uni jedoch – da erwarte ich Härte und Stränge. Stattdessen fühle ich mich wie auf einer Waldorfschule, alles, was fehlt, ist dass wir soziologische Theorien nachtanzen. Anstatt eine falsche Antwort als auch solche zu kennzeichnen, sagen Dozenten gerne soetwas wie: “Ja, ja, aha, interessant, aber gibt es sonst noch jemanden, der etwas dazu sagen würde?” Nein, lieber Dozent, gibt es nicht, denn wenn es nicht im Buch steht oder nicht gerade von Ihnen schon vorgekaut wurde (ach, und selbst dann!), gibt es keine Hoffnung – außer die Slacker/Streber erlösen das Kollektiv von ihrem Leid, gebremst zu werden. Aber dafür sind diese Gruppen sozial entweder zu eingeschüchtert oder zu abgehoben.

Für die Bremse ist die Transferleistung ein riesiges, schwarzes Loch. Sie können viel reden, aber ihr Gelaber ist inhaltlos. Genau diese Menschen sollten nicht Philosophie oder Kulturwissenschaften studieren. Sie gehören zu Jura oder zu BWL, dort haben sie genaue Anleitungen, müssen sich nur um eine geregelte Festanstellung bemühen, können beim Radiohören in der Mittagspause mit ihren Kollegen tratschen und für immer ein glückliches Dasein auf Erden genießen. Aber sie finden ihren Platz einfach nicht, und bremsen mich in meiner wirklich sehr stark ausgeprägten Euphorie.

Auch meine Versuche, mich zumindest in das statische Mobiliär der Universität zu verlieben, scheiterten an der (eher hässlichen) Modernität der Bauten als auch an der Umgebung (Brandenburg?!). Was mich aber am meisten und auf täglicher Basis irritiert: die heiligen Hallen sind Werbetafeln für Politik, Religion und Versicherungen. Studenten werden day by day gefüttert mit Dingen, die ihnen als “Vorteile” serviert werden (und mit widerlichem Mensaessen), stattdessen sind sie nur eine weitere (schlecht angezogene und sehr geldarme) Zielgruppe für die Werbebranche. Das wäre nur ein kleines Problem, wenn diese angeblich bedachten und bewussten Menschen (ich meine, das ist doch die wachsende Elite unserer Nation, oder?) das hinterfragen würden. Aber Bremsen hinterfragen nicht, Streber züchten Bakterien und Slacker schwänzen wahrscheinlich sowieso. Wieder ein Bildungssystem, das nicht gerade zur intrinsischen Motivation beiträgt.

Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen. Meine Einteilung in Menschengruppen und meine Bilder von Bremsen und Strebern dienen nicht der Realität, sie dienen einer persönlichen Überheblichkeit und einem Drang, in die Sterne zu greifen. Sich nicht zufrieden zu geben mit bürokratischen Bergen, seine Zeit weder als One Man Wolf Pack abzusitzen noch sie mit den Bremsen zu verschwenden. Ich lasse mich nicht von den Pfeifen zermürben, und ich werde weiterhin nett bleiben. Mit Bremsen habe ich immerhin viel gemeinsam: sie haben inhaltsleere Aussagen, und ich habe konsequenzenlose Ansagen. Wir sitzen alle im selben Boot, aber wenn es hart auf hart kommt, werde ich trotzdem ans Ufer schwimmen können. Watch me.

November 6th, 2011 Posted in Gangster | 9 Comments »

Bachelor of Hartz

Ich werde also mein dekadentes Luxusleben der 40-Stunden-Woche ablegen um wieder für einige Jahre (hoffentlich mehr als vierzig) ein Liebe-gesteuertes Hippie-Kind mit filzigen Dreadlocks zu spielen. Ich werde mir an sonnigen Nachmittagen im Park die Haare aus der Arschritze ziehen, werde Dienstagmorgens verschwitzt und komplett zerstört aus einer Party direkt in die Uni hechten, um für 1,50 miesen Kater-Fraß zu inhalieren und verteile an diversen Semesterparties Blowjobs auf den Männerklos.

So ist das. In meiner Freizeit werde ich oft und gerne bei Poetryslams anwesend sein und beim Klatschen aufstehen. Ich werde die großen Philosophen kennen lernen und mit meinen Freunden bei gutem Wein, der mehr als fünf Ösen kostet, über die wichtigen Dinge des Lebens reden: behaarte Achseln, die Wichtigkeit der Demokratie, koreanische Delikatessen, hungernde Kinder im Kongo und medizinische Ethik. All das wird gesponsort vom Staat, denn zuerst wird der kilometerlange Bafög-Antrag bearbeitet, dann wird man direkt zum Hartz-4 Amt weitergereicht. Und was sollte man als angebrochener Mensch mit einem Bachelor in Kulturwissenschaften auch sonst tun? Im besten Fall bricht man wahrscheinlich nach dem 4. Semester ab um Drillinge auf die Welt zu setzen – dann ist es eh nicht mehr mein Problem. Im schlechtesten Fall bricht man trotzdem ab, dann kann man wenigstens behaupten, man hätte nicht seine Zeit verschwendet, um dann doch dasselbe Resultat zu produzieren.

Ich sag euch ehrlich wie es ist: wenn das bedeutet, dass ich die nächsten 6 Jahre gediegen kiffen kann (wenn auch nur unter gelegentlichem Besuch des Hartgeldstrichs), dann nehme ich die darauffolgende Arbeitslosigkeit gerne in Kauf. Scheisse noch mal, vielleicht überlebt das Wirtschaftssystem ja auch nur, wenn es so Menschen wie mich gibt. Menschen, die sich selber umbringen möchten, wenn sie morgens ins Büro gehen um Arbeiten zu verrichten, die keinerlei gesellschaftlichen Zweck erfüllen. Seriously. Ich bin so weit, putzen zu gehen, Kindernanny zu spielen, im Zirkus als behaarteste Frau aller Zeiten aufzutreten, nur damit das ein Ende hat. Nicht, dass ich mir das je aussuchen könnte, immerhin muss ich ja auch irgendwie Klopapier kaufen. Und Make Up. Hauptsächlich Make Up.

Das ist also der Stand der Sachen: ich werde wieder Hippy, ich werde höchstwahrscheinlich auch wieder pleite sein. Ich werde wieder mehr Zeit für solche lapidaren Dinge wie “mich selbst mitteilen” haben, ich werde eventuell auch irgendwann irgendwas gegen diese Geschlechtskrankheiten tun, die sich “Stresspickel” nennen und zu einer kompletten Sammlung aller Rot-Töne in meinem Gesicht sorgen.

August 24th, 2011 Posted in Gangster | 6 Comments »

Internetprofis

Ich kann den (gefühlsmäßigen) Drang zur Professionalisierung derzeit in meinem Umfeld nicht nachvollziehen. Gerade in ewas kreativen Gefilden – so wie etwa dem Bloggen/Schreiben, Webdesign/Mediengestaltung, Fotografieren, und vielen anderen Dingen. Selbstverständlich ist es schön, sich sein Geld und damit seine Sicherheit im Leben mit etwas zu verdienen, dass einem Spaß macht und vielleicht sogar auch liegt. Aber für mich kommt das fast nicht in Frage.

Gerade heute, wo wir viele Freiheiten haben, uns mit neuen (und auch alten) Technologien eigenständig umzuschauen und Horizonte zu versetzen, macht es natürlich auch Sinn, in vielen Gewässern mal abzutesten ob man auch darin schwimmen kann und nicht erfroren untergeht. Ich habe das an einigen meiner mittlerweile erfolgreichen Freunden beobachten können, die sich ausprobierten um festzustellen: hey, das ist was für mich. Das will ich machen. Nichts anderes: nur das.

Ich schreibe für mein Leben gerne, aber ich habe überhaupt kein Bedürfnis, das zu meinem Standbein im Leben zu machen. Ich freue mich darüber, wenn es in seltenen Augenblicken auch etwas abwirft… aber nicht unbedingt, weil es notwendig ist, sondern weil es zufällig ist. Viele Blogger allerdings haben diesen seltsamen Business-Aspekt im Blick, aber die Wahrheit ist: nein, ein Blog hat nicht die Konsequenz, durch Erfolg auch zu einem vielgelesenen Magazin zu werden. Und das muss er auch nicht.

Meine Freude am Fotografieren wird mir oft von arroganten Pennern genommen, die mich an jeder Stelle kritisieren: hey, das sieht scheisse aus, oder hier, da kennst du dich aber auch noch nicht genug aus. Und wie, du kennst den-und-den nicht, der ist super berühmt, also wenn du das schon nicht weisst, wird das mit dir ja nie was in der Branche. Hä? Wer hat denn je behauptet, dass ich in irgendeine Branche will? Ich will fotografieren, das mache ich auch. Wenn ich Lust habe, mich zu belesen, weil ich besser werden möchte, dann mache ich das in meiner Freizeit auch. Erst letztens habe ich eine Diskussion überhört, die mich extrem genervt hat: es ging darum, wie ätzend es ist, dass heutzutage jeder Spast mit seinem iPhone irgendwelche App-Fotos macht und damit alles so generisch wirkt – anstatt sich mal mit Fotografie auseinanderzusetzen, anstatt mal eine richtige Kamera ohne diese scheiss Effekte zu kaufen, und so weiter.

Ich sehe das völlig anders: ich freue mich, wenn auch Leute, die sich noch nie mit soetwas auseinandergesetzt haben, einen Spaß an Kreativität entdecken und einfach drauf los machen. Das gilt für Blogger und für Fotografen und für Webdesigner und für Hobbysportler. Geht ja auch keiner in den Verein um eines Tages Geld damit zu verdienen. Scheisse, und wenn jemand nebenher gerne Matheaufgaben löst, dann soll er das tun, und es erwartet auch keiner, dass er Astronaut wird.

Warum ich darüber nachdenke: ich bin zur Zeit in Überlegungen vertieft, wie meine Zukunft aussehen soll. Ich bin noch nicht bei der genetischen Zusammensetzung meiner perfekten Kinder angelangt, da sind noch einige Jahre, die mit Plänen gefüllt werden müssen. Ich würde mir gerne die Zeit nehmen, in den nächsten paar Jahren noch an meiner vergänglichen Schönheit zu zehren und lieber zur Uni gehen als wie die letzten zwei Jahre stramm für eine doch aufgegebene Karriere zu arbeiten. Wenn ich das gegenüber Bekannten erwähne, dann heisst es immer: ganz klar, du schreibst doch so gerne, dann schreib doch ein Buch! Oder studiere Literaturwissenschaften! Journalismus! Irgendwas mit Medien! Aber ich verstehe das nicht.

Ich verstehe nicht, wieso ich mich durch ein Studium quälen soll, was mir im schlechtesten Falle das versaut, was ich gerne mache (weil es zur Aufgabe wird), und im besten Fall einfach uninspirierend wird, weil ich mich mit nichts mehr umgebe, worüber ich tatsächlich schreiben kann. Irgendwie hat das doch was destruktives. Ich kann doch erstmal etwas machen, dass ich nicht gerne mache, weil ich es nicht kann. Ich will etwas lernen, meinen Horizont erweitern. Wenn ich dann immer noch (darüber) schreiben will, dann hält mich nichts davon ab.

Kids, lasst euch nicht den Spaß nehmen von irgendwelchen nörgelnden Profis, die meinen, sie hätten sich durchgesetzt. Das inflationäre Aufgebot unserer professionellen Kreativwelt ist so lächerlich wie auch überflüssig, und am Ende kommt man doch nicht ganz groß raus, weil man sich ständig nur in einem Feld bewegt. Wie es schon Jan Delay mal gesagt hat:

“Wer Hip Hop macht aber nur Hip Hop hört betreibt Inzest”

March 2nd, 2011 Posted in Gangster | 20 Comments »