"Girl gone wide."


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Wir müssen jetzt das als Wahrheit annehmen, was wir bislang nur vermutet haben (und mit “wir” meine ich hauptsächlich mich und meine Filzläuse): wir werden medial gespalten. Die Welt besteht nun aus zwei Lagern, denjenigen, die sich noch von Fernsehen und Radio und damit der kulturellen Geschmacklosigkeit zuballern lassen, und denjenigen, die im Internet ihre Heimat gefunden haben. Sie beißen sich im Archiv aller Möglichkeiten fest, um altes zu neuem zu machen und im Zuge dessen auch zu revolutionieren. Auf internationaler Ebene, eben im Internet.

Interessanterweise hängen beide Stränge aber untrennbar miteinander zusammen, denn die “Trends” kommen eben aus dem Internet (s. Lovestep Nation, oder: wie Dubstep sich in zwei Richtungen entwickelt, einmal nämlich in Richtung melodischer R&B und IDM, und ein einmal in “How Much Is The Fish” Verstümmlung), werden später aber potenziell genutzt, um ein Genre oder eine Bewegung kommerziell groß aufzublasen (und wieder so glatt zu produzieren, dass all das, was mal individuell und interessant daran war, kaputt gestampft wird).

Aber das sind nur einige Gedanken, die mich zum 90s Hip Hop Spirit bringen sollten, es leider aber doch nicht tun. Mein Punkt war eigentlich: auch Hip Hop entwickelt sich gerade in tausend plus fünf explodierende Richtungen. Man, wie wir alle dachten, dass der Old School tot ist und es nur noch um Titten und Fuffis um Club geht. Und ey, das gibt’s ja auch noch, und das wird auch immer größer (meistens in Kombination mit ekligem Rave-Shit), aber die Alternative dazu war bisher nur ganz langsamer, monotoner und irgendwie gleichbleibender Conscious Rap. Es zählte bislang nicht mehr, wer am geilsten rappen und schreiben konnte und einen krassen Flow draufhatte, sondern wer am besten aussah, das optimale Zeitgeist-Image vertreten konnte und die besseren Producer hatte. Das alles nehme ich niemandem übel, aber es ist durchaus Zeit für eine weitere Kategorie an Talenten, die all das kombinieren können.

Enter Nitty Scott MC (ICH MEINE SIE HAT DA EIN “MC” STEHEN, DAS IST WIE SICH SELBST EINEN DOKTORTITEL GEBEN, NICHT MAL DAS MACHEN DIE RAPPER VON HEUTE NOCH!), die ich ohne Probleme neben solche Vorzeigekandidaten wie Kendrick Lamar und Earl Sweatshirt stellen kann. Denn es geht eben nicht nur um die fettesten Beats und die krasseste Show, es geht auch um ein Gefühl für den Sprachgesang, um eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit Themen, um einen schlagfertigen Charakter in der Stimme, irgendetwas, was sie von der trüben Masse der Spaßrapper hervorhebt. Und ich meine jetzt gar nicht: lasst uns alle wieder Dead Prez sein und nur noch von Politik und gesellschaftlichen Zuständen singen, denn auch das ist eine ignorante Schiene, die ich langweilig finde. Im Gegenteil: ich will alles. Das ganze Paket. Ich will Feuer, ich will Potenzial, ich will krasse Töne und krassen Flow. Natürlich gehört auch ein Vorreiter wie Lupe Fiasco in diese Liste, aber ey, logo, das ist genau das was ich meine: er hat es mal so weit gebracht, jedem die Stimme zu verschlagen, dann wurde er in die Mangel aller wichtigen Geldmacher dieser Welt genommen und zack, das letzte Album war ein Flop, weil es sehr, sehr weit weg von dem war, was er einst konnte. Ich nehme ihm das nicht übel- das ist der Verlauf der Dinge.

BB: I ask this questions seriously because you brought up a good point when you described that people suggest collaborations. Do you feel the industry yet?

NS: Oh, yeah, definitely. I get hit with it all the time. I get a lot of feedback that’s like, “Yo, you’re dope. I love your sound. I love what you’re doing. But if you ever want to become a household name, if you ever want to become a megastar you’re going to have to do this.”

BB: Where’s that coming from? From your fans? From people in general? From Industry people?

NS: Not fans. I think it’s the industry approach to the situation because my fans specifically, I think they just love what I do. I don’t think they love me because they want me to get to “the next level.” I think they just appreciate it for what it is because my definition for success is not that. I’m here for longevity. I’m here to have a career. I’m not here for my 15 minutes. I’m humble about it and I get a lot of people that hit me with the industry [perspective], wanting me to switch up my whole style to be more mainstream and more commercial. That’s not my thing. I think an Emcee like myself, I think I can bridge gaps in a way that I can f*ck with the Underground and the Mainstream. I think the issue with an Underground artist getting to a certain height is that their sound and their message is going to be sacrificed. It’s not that we’re mad that you’re where you are. It’s more that when you get there, everything you sold us up until now gets thrown out the window. So, I feel like if you sort of make that promise to your fans like, “Yo, I’m going to be me. I’m going to stay true to what made you gravitate to me in the first place no matter where my career takes me. If you give them that security, you can go to the next level with your shit and not have to sacrifice anything because you’re fan base was built from the ground up. It wasn’t bought or sold or shoved down anyone’s throat. It was very grassroots from the bottom. They liked what I was doing. So the bigger it gets, it’s just getting bigger. It’s just being seen on a larger platform. It doesn’t mean that I’m switching everything up. There are ways to do that. Not every artist can break that mold without losing the respect of the Underground, but I think that I can do that. – (via)

Aber: ich fände es sehr, sehr schön, wenn sich dieser Trend, zurück zum Rap zu gehen, auch medial konstituiert und man zukünftig wieder damit Kohle scheffeln kann, ein einzigartiges Talent zu sein.

Nitty Scotty MC verkörpert da ja vor allem nicht nur genau meine persönliche Forderung (Authentizität, Talent, Durchschlagkraft und das Potenzial, kommerziellen Erfolg zu haben ohne gleich in den Pop-Wolf zu kommen), nein, sie ist erst verdammte 20 Jahre alt und dazu noch eine coole Frau. Sie wirkt tough und so, als wüsste sie genau was sie wollte. Das ist ‘ne Backmischung für den perfekten Kuchen. Jetzt fehlt nur noch die Aufmerksamkeit, aber an der zweifle ich keine Sekunde. Aber das eigentlich ein Kind die Wurzeln des Hip Hops aufspüren kann (im Internet), sich daran festbeisst und sie wieder hochbringt, das ist etwas ganz großes. Die Zukunft von (qualitativ hochwertigem) Rap & Hip Hop könnte gerettet sein, zumindest für mich.

(Übrigens gehe ich bei allen Beobachtungen nur von mir aus. Sicherlich gab es auch zwischenzeitlich herausragende Talente und es gibt sie bestimmt auch unter den besserverdienenden. Allerdings bemerke ich immer mehr, wie eben auch Freiräume für solche jungen Künstler geschaffen werden, die ihnen dienlich sind. Das finde ich gut.)

Vielen Dank an EeazyP für die Entdeckung.

by yeahs in Musik

Ich bin ja schon immer ein Fan von coolen Freestyles und innovativen Beats gewesen. Dieses Video auf YouTube kassiert aber definitiv den Hit des Monats. Erstens sind die Lyrics sehr nice, zweitens macht der Typ das ganz alleine, und drittens könnte der Beat von ‘nem Top-Producer kommen.

Bin ich eigentlich die einzige, die rappende Männer zu 100% und ohne Ausnahme attraktiv findet? Wobei man hier stark differenzieren muss zwischen Rap und FAIL! à la 50 Cent. Die Atmosphäre, die manche Typen On Stage erschaffen, ist einfach einzigartig. Es ist einfach nur traurig, dass Rap als Trendmittel ausgeschlachtet wird und solche Acts fast gar nicht beachtet werden, Leute, die echt was zu sagen haben, es verdammt gut sagen könnten, wenn sie die Chance bekämen.

Das erinnert mich auch ein bisschen an meinen Kurztrip nach Amsterdam: Weil man da überall breit rumliegen kann, ist Amsterdam im Sommer stark von Amerikanern und Engländern besucht. In unserem Hotel gab es eine Gruppe von Rappern und ihren Freunden, die sich gerade in Europa zu etablieren versuchten (wobei fraglich ist, wie etabliert die schon in den USA sind). Wir haben uns ziemlich gut mit ihnen verstanden und sind ab und zu gemeinsam um die Häuser gezogen. Abgesehen davon, dass Amerikaner es verstehen, jedes Klischee zu bedienen (laut, naiv, ein bisschen ungebildet und selbst als liberale Menschen immer noch sehr konservativ), war es “hella nice” mit den Jungs.

Die haben ihren Trip dadurch finanziert, dass sie sich abends in die Touri-Ecken gestellt haben und rappten. Talentiertes Freestyling trotz Gangster-Attitüde ist einfach nicht zu vergleichen mit dem ganzen Rotz, der auf MTV und in den Billboard Charts hoch- und runtergespielt wird.

Enzyme Dynamite

Abgesehen davon, dass die gut rappen konnten- die Jungs waren dazu auch noch ziemlich cool drauf. Vom Party machen haben die was verstanden, und von Musik sowieso. Ganz besonders abgedreht war Enzyme Dynamite, der ständig irgendwelche seltsamen Hüte hervorzauberte und immer so bekifft war, dass er drei Stunden für einen Satz brauchte. Ich glaube, der hatte ein bisschen ADS. Der hat die ganze Zeit Shrimps gegessen und dabei über Amsterdam gerappt und ständig Leute gefragt, ob sie Gras kaufen wollten. In Amsterdam. Dann hat er uns zu einer Goa-Party geschleppt und auf der Fähre komplett psychopathische Videos gedreht, von denen ich befürchte, dass sie bald auf YouTube landen werden…

Eh. Ich finde, es sollte mehr Rapper geben auf dieser Welt, die rappen können. Hier ist ein Track von Enzyme Dynamite. Sein neues Album, StereoVision, ist auch gerade bei iTunes erschienen. Geht aber mehr in die Richtung Electro. Wer drauf steht, hört’s sich einfach an.

by yeahs in (Pop)Kultur Musik