"Girl gone wide."


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BBCs Radio 1 setzt die Messlatte für gute Musiksendungen im öffentlichen britischen Radio – oder generell überall – ziemlich hoch. Immer wieder holen sich die Moderatoren für ihre Sendungen die angesagtesten und heißesten DJs ins Studio, die ihre raffinierten Tanzmusik-Selektionen für die Ohren ungeschulter auflegen. Ich bin ein großer Fan vieler dieser Mixe – man erinnere sich an James Blake, Jamie XX und viele andere Sendungen, die es regelmäßig in den Umlauf schaffen.

Für Radio 1s Rob Da Bank durfte nun Cyril Hahn seine Kunst zum Besten geben. Eine halbe Stunde gut komponierte House-Exzellenz! Whoop Whoop! House hat sowieso derzeit sein großes Comeback. Man denke da an Bicep, die mit ihren 90er Jahre Synth wieder ein bisschen die Stimmung aufpeppen. Cyril Hahn bleibt allerdings klassisch ruhig und gewohnt uneklektisch: stringente Beats und magische Vocals.

Cyril Hahn hat mit seinem Destinys Child Bootleg “Say My Name” vor einigen Wochen einen Monster-Hit für alle House-Besessenen erschaffen. Immer häufiger werden die klassischen R&B- & Popsongs der frühen 2000er gesampelt, sodass der Erinnerungswert, Mitsinggehalt und Eingängigkeit der bereits erfolgreichen Stücke in das House-Genre transportiert werden. Cyril Hahn perfektioniert dieses Anliegen, und sein neuester Mix kann sich – überraschenderweise ohne die kontemporäre EDM-Trap-Bass-HipHop Schiene zu fahren – voll und ganz sehen lassen. Schade, dass die meisten Club DJs nicht so richtig wissen, wie man abwechslungsreiche und spaßbringende House-Musik auflegt. Ich wäre mit Sicherheit wieder öfter beim Tanzen zu finden.

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by yeahs in Musik

Die aktuelle Entwicklung von Pop-Musik sieht man am besten an Ushers Diskographie. Er ist nicht nur schon ziemlich lange dabei, er ist dabei auch konsequent erfolgreich. Und das nicht trotz, sondern weil er sein Genre subtil (und dann nicht mehr ganz so subtil) mit der Zeit in etwas anderes reformiert hat. Einst von R&B geformt ist er nun die Bronze-Statue auf dem Dancefloor der elektronischen Tanzmusik.

Usher: My Way (1997)

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by yeahs in (Pop)Kultur Musik


Kinder, ich sag euch: das war eine fette Party. 60 Minuten Boiler Room mit Jimmy Edgar im Stattbad Wedding. Es war wirklich fantastisch und sollte öfter mal passieren.

by yeahs in Berlin Musik

Eher wegen den Visuals als wegen dem Song (obwohl der auch gut fett ist, wa) – hier habe ich meinen Sommer verbracht. So en Vogue bin ich schon.

(via)

by yeahs in Musik


Mein Leben ist ein absurder Traum geworden, der von glitzernden Belanglosigkeiten und Einhornfleisch angereichert wird; er trinkt Feenstaub-Diesel… das ist er, ein Ball aus eingebildetem Konfetti mit schönen Menschen und schöneren Illusionen…

Aber bei näherer Betrachtung findet sich ganz schnell ein IMPOSTOR– es ist nicht mein Traum. Ich gehöre hier nicht hin. Alle Türen sind verschlossen. Jede noch so kleine Bewegung, die ständige Erinnerung, die Nummer Zwei, ich gehöre nicht zu diesen Leuten, ich bin jemand anderes, ein verhallendes Echo, ein Nebel, aus dem ich nicht herauskomme, eine Suche, die nirgendwo endet, eine Geschichte ohne Höhepunkt.

Das, was so magisch wirkt, das ist eigentlich nur die Droge, die sich von meinen Fußzehen bis in meine Augenlieder streckt, ein ewiger Flug der gerade in ein Luftloch geraten ist, ein kleines Fenster nach draußen und eine Wolke auf der ein Schriftzug draufgepinkelt ist:

“Du gehörst nicht zu uns!”

Kein Konfetti, nur Sägespähne.

Aber nein, aber nein, ich will das nicht wahr haben, und sobald sich das Loch schließt, fliege ich wieder hoch oben mit den anderen mit und hoffe, dass sie mich niemals genauer anschauen, denn ich bin kein Adler, ich bin eine Taube, ich bin kein Drache, ich bin eine Eidechse, ich bin kein fliegendes Einhorn, ich bin ein gebrochenes Pony, das im Farbnebel seiner Gebärmutter wohnt, eingelullt von NICHTS, nur Luft, die so aussieht, als könnte sie etwas bewegen.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Was denkt man, wenn man in Panik gerät? Wenn man in einer riesigen Masse plötzlich anfängt zu schwitzen, hektisch zu werden, wenn man gedrückt und gedränkt wird, der schwere Geruch von Alkohol und Zigaretten in der Luft — vermehrt Schreie hören, losrennen, mit einem kurzen Blick nach unten vielleicht noch ein Gesicht sehen, das leer und ausdruckslos nach oben schaut, reintreten, regelrecht über Wasser halten, den Retter auch noch mitertränken–

Kontrolle – über sich selbst ist schon schwer – aber dann noch über andere. In meiner Gehirnrinde bohrt sich die Frage durch, schleichend und stechend, was hättest du getan – aber ich hätte nichts anderes tun können, die Frage ist nur da, um mich zu sensibilisieren, mein Herz zu öffnen, und nicht einfach nur wegzuschauen — das hättest du sein können, auf dem letzten Rave — Raves, die völlig unorganisiert und unkontrolliert sind. Das hätte die brennende Eisfabrik sein können. Wir sind so verantwortungslos in allem, und dann traf es diejenigen, die der Verantwortung und der Gewissenhaftigkeit vertrauten–

Fragt sich, wer die Verantwortung jemals tragen kann – wenn sogar jegliche strikte Organisation nutzlos wird. Gänsehaut im Nacken– das waren wir. Das sind unsere Leute gewesen, Kids, die den Beat unter der Haut spüren wollten. Keine Druffis, keine Schlägertrupps, keine willkürlichen Kämpfe gegen die Staatsgewalt; nur willkürlicher Tod, der völlig unnötig war, und Konsequenzen, die sich nicht ermessen lassen können. Wenn Worte nicht mehr leer sind. Wenn Eltern stumm zusammenbrechen. Wenn Arbeitgeber fassungslos den Telefonhörer fallen lassen. Wenn Sanitäter nicht von Routine, sondern von absolutem Horror überrascht werden. Wenn sich Beamte verantworten müssen. Wenn die Erde sich weiterdreht für alle anderen, und die Party morgen weitergeht – nur für die Menschen nicht, die heute Opfer für nichts wurden.

Heute gibt es keine Helden. Es tut mir unendlich leid.

by yeahs in Crystal Meth State of Mind


Ed Banger ist längst kein Namen mehr, sondern ein Synonym. Es steht für die konsequenteste Inszenierung elektronischer Musik, die es je gab. Für die reine Eskalation der Feierei. Für Beatgemetzel und Synthie-Terror. Ed Banger ist drei Stunden durchdrehen und dann in irgendeinem coolen T-Shirt von coolcats abstürzen, während ein französisches Model einem die Hand hält. Es ist der hedonistische Nullpunkt. Techno-Rock-n-Roll.

Das französische Label ist eine elektronische Hypefabrik in der die Komposition von Krach perfektioniert wird. Am konsequentesten verkörpern natürlich JUSTICE die Philosophie des Labels, die nach ihrem Debüt-Album und spektakulären Live-Shows zu absoluten Superstars wurden. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuhören wenn am nächsten Donnerstag SebastiAn im Rahmen der Levi’s Colors of Noise Tour, das Ed Bangerische Lebensgefühl durch die Boxen des Dice Cubs pressen wird. Der Pariser, jugoslawischer Abstammung, ist seit 2005 dabei und hat sich vor allem als Support der legendären Daft Punk Tour internationale Beachtung erspielt. Ich habe ihn an Silvester in Amsterdam erlebt und kann nur sagen: es gibt hart was auf die Ohren und in die Fresse. Nach seiner Show wird man vollkommen erschöpft in der Ecke liegen und sich fragen wie intensiv Leben eigentlich sein kann. Allerdings bildet SebastiAn nur den Höhepunkt eines elektronischen Gourmet-Abends. Denn die Organisatoren haben das Programm ähnlich gekonnt zusammen geschneidert wie eine gute alte Levi’s 501.

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by N in Berlin Musik


Jeder kennt diesen Moment. Der Meister am Tisch dreht es leiser, es zappelt und es blitzt auf, aber es kommt noch nicht. Die Anspannung macht sich in den Gesichtern der Teilnehmer breit. Eine Unruhe entsteht, die Beine und die Arme wippen mit dem Drang nach mehr, nach schneller, nach jetzt oder nie. Dann kommt es, wie ein Donner, der Bass kracht runter, die Füße berühren den Boden nicht mehr, die Welt verstummt und spielt sich nur noch in Zeitlupe ab während Arme in die Luft fliegen, Augen geschlossen und kleine, lachende Münder gezaubert werden. Alles hält an. Gedanken und Gefühle, Leben und Tod. Der völlige Verlust von Verstand und Vernunft. Alles für diesen Moment aufgespart, für diese Welt aufgespart, wo Schreie nicht gehört werden. Alles aufgestaute Frust und Wut in Liebe und Musik und Ekstase verpackt und für einen Moment in den Himmel geschrien. Alles, während der Beat unsere Vernunft zersägt.
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by yeahs in Berlin Crystal Meth State of Mind Gangster


Nosaj Thing, der versprochene Killerabend, es kostet mich meine ganze Kraft das zu sagen: ausgefallen. Wir haben den Abend noch recht erfolgreich verbracht, ja, aber nichts konnte die Vorfreude kompensieren, nichts die bittere Enttäuschung ruhig stimmen. Als die Sonne aufging prasselte es Regen auf unsere Clubköpfe hinab, frei nach dem Motto: es ist noch nicht so weit, der Sommer ist noch nicht da, der Rave noch nicht ready.

Aus Last Night The DJ Saved My Life wird “Oh DJ, Where Art Thou?” und einem großen Wochenende, welches den Händen und Köpfen der elektronischen Musikmachern gewidmet war, wurde ein Stück Belanglosigkeit, von kleinen Wassertropfen des Hauptstadtfrühlings weggeschwemmt…

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by yeahs in Berlin Musik

Gekauft habe ich mir das Berliner Techno-Protokoll STROBO von Airen nur, weil ich es als gerecht empfunden habe, jemanden zu unterstützen, der ohne den merklich nachwirkenden Versuch der Rechtfertigung einen Lebensabschnitt dokumentiert hat, für den sich kein Mut der Welt lohnen würde.

Die Tatsache, dass STROBO kein Roman ist, das irreal und exzessiv diskutierte Debütwerk einer zu jungen Autorin jedoch schon, lässt jeden inhaltlichen Vergleich beider Werke völlig absurd erscheinen. ROADKILL ist wahrscheinlich um Klassen besser geschrieben, mit mehr Schmalz und mehr Überlegungen, wie ich mir hab sagen lassen, allerdings ist ein Protokoll wie STROBO nun mal ein Protokoll.

Der Reiz an STROBO war für mich eben genau dieser Aspekt.

Ist das Protokoll lesenswert? Oh mann, ja. Ist es. Während des Lesens der vielen unendlich scheinenden Redundanzen, der stillstehenden Zeit – eher der respektlosen Außerkraftsetzung eines Gefühls dafür, kamen mir im Gedanken an den Zuhälter- und Einsamkeitsbericht DER MINUSMANN von Heinz Sobota, in der am Ende vor allem das einem nagt, das ich eingangs erwähnt habe: Keine Rechtfertigung.

Am Ende von STROBO gibt es ein Nachwort von Bomec, das mich ganz eigenartig berührt hat. Warum, weiß ich einfach nicht.

Ich habe viele Bücher gelesen, die so viel mehr zu sagen hatten, als STROBO. Berichte, die ebenso authentisch wirkten, wie das Techno-Fragment des Airen.

Bücher, die im Regal verstauben und gute, gelesene Bücher bleiben. Mehr nicht. Bücher, die ich Freunden empfehle. Oder Bekannten.

Bücher wie DER MINUSMANN oder STROBO kann ich allerdings nicht einfach so empfehlen.

Sie bleiben in der Erinnerung kleben. Ich fasse sie nur fasziniert und flau im Bauch wieder an. Sie sind das, was ich nicht begreife. Sie machen mir komische Gefühle, Gedanken und stellen gerade wegen der authentischen Nähe eine erbarmungslos laute Distanz zwischen mir und fremden Welten her.

STROBO hat mich irgendwie bezwungen. Letzte Seite, Buch zuklappen und ungesehene Bilder vergessen. Und die Gedanken, ob das alles wahr ist, einfach beiseite schieben. Faszination, Ekel und Lachen. Das, was viele in ihrem Leben benötigen (wollen).

Es ist und bleibt etwas Einzigartiges. Und wir glotzen drauf und sitzen am Ende verwirrt da. Das, was so ein Protokoll beabsichtigt, kann kein Roman dieser Welt. Und das soll er auch nicht.

Umso interessanter wird es ab Ende März 2010, wenn Airens Zweitwerk in mein Bücherregal wandert: I AM AIREN MAN.

Ich bin gespannt. Denn es handelt sich hierbei um einen ebenso wahrscheinlichen Bericht über Wahrheit, Exzess und Subjektivität. Worin in jedem dieser drei Dinge wohl die Fiktion ebenso zuhause ist. Es ist ein Roman. Von einem Schriftsteller. Nicht wie in STROBO, an dem sich jeder Vergleich zerreibt. In dem kein Schriftsteller schreibt, sondern ein Erzähler festhält.

Exzessiv.

(via Deef Pirmasens)

by B in (Pop)Kultur Berlin