"Girl gone wide."


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Als mein kleiner Bruder in der Grundschule war sollte einen Aufsatz über seine Familie schreiben. Ich erinnere mich daran, weil ich ihn zur Strafe für das Resultat an den Kompost-Zaun kettete, ihm gammlige Socken in den Mund stopfte und den ganzen Tag Simply Red laufen ließ.

Ein Satz, für den er heute noch bei jeder Gelegenheit fette Nackenschellen kassiert.

“Ich habe eine große Schwester, sie ist fett und ihr bester Freund ist der Computer.”

Ich weiß, schwer vorstellbar, dass ein so intelligentes und bezauberndes Wesen wie ich jemals in solch eine prekäre Situation der Verleumdung geraten würde, aber… es stimmt. Ich war fett. Oh Boy. Ich war so fett, ich hätte praktisch den Mond ersetzen können. Aber darum geht es jetzt hier nicht.

Es geht um die Entwicklung von Kids meiner Generation, die vom Internet erzogen wurden (frage mich, inwiefern sich hier „fett“ und „Internet“ bedingen). Das ist keine Aussage über die Fehlerziehung meiner Eltern, die haben alles richtig gemacht. Immerhin verkaufe ich weder Drogen an Kinder, noch haben sie mir das Tattoo erlaubt, dass ich mit zwölf Jahren haben wollte. Es war ein Tribal. Danke Mama.

Heute ist das Standard. Morgens E-Mails, nachmittags Surfen, ein paar Songs runterladen, Status updaten, Restaurant suchen. Nachts die Fetischpornos. Normal. Das war’s vor 10 Jahren noch nicht. “Du chattest? Was ist chatten? Mit wem chattest du denn? Was gibt’s denn zu chatten?” Keine Ahnung. Ich weiß es nicht mehr.

Ich weiß nur, dass es Menschen aus der ganzen Welt waren. Nerds, Studenten, Ärzte, Punks, Programmierer. Damals gab es ja auch kein “deutsches” Internet, nicht so wie jetzt. Da musste man gezwungenermaßen Englisch lernen. Aktzentfrei. Wer im IRC Chat mithalten wollte, der musste auch mit 10 Fingern tippen können. 104 Wörter pro Minute. Webseiten gab’s nicht auf Knopfdruck. HTML, CSS, PHP, Photoshop (zugegeben, talentlos). Wenn der PC kaputt war, musste man ihn selbst reparieren. Hardware, Software. Wenn die Eltern auf schmuddeligen Seiten surften, musste man die Kindersicherung selber einstellen. Privacy. Musik gab’s “kostenlos”. The Clash, The Cure, The Smiths.

Klar, auch heute kann das jeder haben. Die Frage ist wie dringend man es will, wenn es so selbstverständlich ist; wenn man nichts mehr entdecken muss, jedenfalls nicht so wirklich. Wieso holpriges Land wenn es Autobahnen gibt? Man, was für Harry Potter Hogwarts und für die anderen bekloppten Kinder Narnia war (ich hasse Narnia), das war das Internet für mich: Perspektive. Das Land der unendlichen Möglichkeiten. Ich entwickelte eine natürliche Neugier, weil sie gestillt werden konnte (so erkläre ich mir das natürlich im Nachhinein. Vielleicht war ich auch einfach nur ein Kellerkind und hatte keine Freunde). Man lernte zu lernen. Kochen? Internet. Schlösser aufknacken? Internet. Wände tapezieren? Internet. Kritisch denken? Zumindest teilweise Internet. Alle Voraussetzungen für meinen jetzigen Job? Definitiv: Internet.

Aber nur, weil ich jetzt so viel weiß und ein Genie bin (Achtung, abwertende Anmerkung die Sarkasmus impliziert, eigentlich aber ernst gemeint ist), heisst das natürlich nicht, dass wir deshalb die Schule abschaffen und stattdessen jeden Tag einen neuen Wikipedia-Artikel auswendig lernen. Ohne Schule wüsste ich ja nicht, wie ich mit offenen Augen schlafe. Und, okay, ich wüsste auch nicht wie ich meinen Horizont nicht nur über meine Interessen hinaus erweitere, sondern auch vertiefe.

On the left is Mr. Largo, my music teacher at school? He taught me that even the noblest concerto can be drained of its beauty and soul. - Lisa Simpson

Street Smart. So nennt man Menschen, die gelernt haben, mit den nötigsten Mitteln auf der Straße das Beste aus ihrer Situation zu machen. So ist es auch mit dem Internet gewesen (etwas weniger dramatisch vielleicht). Man wurde halt Netzmart (heh, ich weiß, “Net Smart”, “Netzsmart”, clever, heh).

Ja, es klingt noch einfacher heute, aber das ist es nicht. Ich schaue mir meinen kleinen Bruder an, die perfekte Zielgruppe für Küchenutensilien wie das iPad, und weiß, dass er niemals Netzmart sein wird. Netzmart ist nicht Google richtig benutzen oder Apps programmieren: es ist sich im Wirrwarr der Möglichkeiten durchschlagen und daraus lernen können, in einem eigentlich sehr beengtem Umkreis, gerade wenn man noch so jung ist. Aus einem Kaff-Kind wird ein virtueller Backpacker, ein Online-McGyver mit intrinsischer Motivation sich zu bilden, weil es plötzlich geht.

Selbstverständlichkeit hin oder her, viele werden wahrscheinlich auch ohne diese Erfahrung lernen zu lernen und auch umzusetzen, es gibt einen Haufen cleverer Kids da draußen, die auch über Abschlüsse und den ganzen System-Firlefanz mit Schule/Studium/Sterben hinaus erfolgreich sein werden. Nur tendenziell werden es eher weniger als mehr, zumindest habe ich das im Gefühl (FYI, Gefühl ist das neue empirische Wissenschaft).

Vielleicht ist es auch nur die Wehmut; zu wissen, dass meine Schulzeit vorbei ist und die globale Vernetzung nur dann funktioniert, wenn man seine Comfort-Zone verlässt und auch in der Realität zu leben weiß. Vielleicht werde ich nur alt und habe das erste Mal das Gefühl, auf eine “Ära”, wenn auch eine persönliche, zurückblicken zu können.

Und vielleicht – aber nur vielleicht – braucht der kleine Bruder einfach nur mal wieder eine Nackenschelle dafür, dass er immer noch mit dem Internet Explorer surft…

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by yeahs in Gangster


Es kostet $26000 einen 160 GB iPod legal mit Musik zu füllen (via).

Ein bisschen reißerisch, so eine Headline. Man geht davon aus, dass ein Song bei iTunes $0.99 kostet, ein Song circa 6 MB groß ist und dass es tatsächlich Menschen auf diesem Planeten gibt, die einen 160 GB iPod ausschließlich mit Musik füllen können. Auf meinen 30 GB iPod passen circa. 5200 Songs (und die sind auch drauf). Im iTunes Store kostet ein Song €0.99 ((Zeit, mir eine Kreditkarte anzuschaffen und die Tracks per Dollar zu kaufen)). Das heisst, ich bin knapp 5200 € los, wenn mein iPod voll mit Musik laufen soll (was ich hier nicht berücksichtigt habe: ein Album mit 10 Songs ist durchaus günstiger als 10 einzelne Tracks. Ich kaufe mir aber grundsätzlich keine Alben, und höre mir Musik auch nicht in Alben an, deshalb will ich diesen Fall hier ausschließen).

Young Music

Ich bin jetzt 21 Jahre alt. Ich würde sagen, ich habe ganz bewusst angefangen, mich für Musik zu interessieren (und auch Geld dafür auszugeben), als ich dreizehn wurde. Das sind also 8 Jahre. Angenommen, ich hätte acht Jahre lang jeden Monat 30 € für Musik ausgeben können (was gänzlich unrealistisch ist, weil ich bis ich 16 wurde noch nicht mal über Taschengeld verfügte): Dann hätte ich heute 2909 Songs. Und ich würde noch die nächsten 6 Jahre und vier Monate brauchen, um auf die 5200 zu kommen.

Das ist natürlich alles sehr überspitzt, vor allem aber auch Sache der eigenen Nachfrage. Wie wichtig ist mir denn die Musik, dass ich wirklich so viel Geld reinstecken muss? Wo liegen meine Opportunitätskosten? Es gibt immerhin auch noch Radio, TV, Last.FM, YouTube, Spotify– angenommen, ich würde mir nicht jeden Song direkt “besorgen”, sobald jemand ihn erwähnt. Angenommen, ich würde erst einige Male streamen und im Radio darauf warten, dass dieser Song läuft, ihn genau anhören, um mich dann entscheiden zu müssen, etwa wie bei einem Klamottenkauf: vielleicht würde ich den Song dann mehr zu schätzen lernen. Wenn ich tatsächlich einen Euro investieren muss, ändert sich mein Konsumverhalten gegenüber der Musik dramatisch, zum Besseren oder zum Schlechteren sei mal dahingestellt.

Man, Musik ist Kunst. Und in Kunst musste man früher Zeit investieren, Geduld, Mühe! Nicht jeder CD-Laden hatte genau das, wonach man gesucht hat, und es war umso schwieriger, etwas Neues zu finden, das gefiel. Ich bin 21 Jahre alt, und ich bin mir ziemlich sicher, ich habe bisher schon mehr Musik gehört, verinnertlich und gelebt als die meisten 40-Jährigen da draußen. Ich bin auch noch lange nicht durch, denn die letzten 7 Jahre habe ich damit verbracht, in der Gegenwart an aktueller Musik mitzuhalten, genauso wie die Kunst aus den letzten 50 Jahren nachzuholen. Wenn ich mich mit Menschen anderer Generationen über Musik unterhalte, bemerke ich, wie krass unterschiedlich die Auffassungen sind. Während für viele Musik auf verschiedene Lieblingsbands aufgeteilt ist, die man von Konzert zu Konzert verfolgt hat und deren komplette Diskographie wie ein Heiligtum aufbewahrt wird, ist für mich der Künstler und die Performance in erster Linie völlig uninteressant.

Ja, am Ende des Tages gehe ich auf das Konzert, wenn mich die Musik wirklich beeindruckt. Dann bin ich auch voll bereit dazu, mehr zu investieren, das Album in hochwertiger Qualität zu kaufen und Merchandise zu beschaffen, koste es was es wolle. Aber es interessiert mich im seltensten Fall, was Bob Dylan überhaupt für ein Typ war. Ich höre seine Musik, das ist das wichtige. Seine Songs bedeuten etwas für mich, egal, ob ich viel zu jung bin, um das Gefühl von damals zu verstehen. Ich hänge mir auch keine Poster auf (um nicht zu sagen, dass ich das früher nicht gemacht hätte; mit irgendetwas muss man sich als Teenager ja beschäftigen), ich sammel keine Zeitungsausschnitte, ich lese keine Interviews, es interessiert mich keine Interpretation des Albums und auch keine Kritiken. Gott, die meiste Zeit kenne ich nicht mal die Musikvideos der Bands, die Geschichten oder die Gesichter dahinter, geschweige denn die Namen.

Here’s the thing: Ich würde mir Alben kaufen, weil es auf Dauer günstiger wäre. Ich würde mich wieder für die Künstler interessieren, genauso, wie ich mich dafür interessiere, ob ich meinen Pullover jetzt bei 40 oder 60 Grad wasche, immerhin habe ich dafür viel Geld bezahlt. Ich würde mehr Zeit investieren, weil das Geld es so diktiert. Gleichzeitig würde ich definitiv weniger Musik kennen, weniger Künstler vergangener Tage, weniger Eindrücke sammeln, weniger Inspiration, wüsste jetzt nicht so gut, was ich eigentlich hören will, wenn ich etwas höre, und wäre wahrscheinlich weniger offen für neue Dinge, weil mich das nur verbittern würde in Anbetracht meiner finanziellen Lage (die ja nicht immer gut oder komfortabel sein muss).

Ich war mir beim Schreiben dieser Gedanken die ganze Zeit unsicher, ob ich überhaupt das illegale Beschaffen und die Piraterie von Musik ansprechen soll, aber vielleicht eine Randbemerkung: Es ist eine Definitionssache, eine Rechtsangelegenheit. Das Urheberrecht ist nicht nur in Bezug auf die Musik veraltet, so sehe ich das zumindest. Dass man deshalb Kunst und Kultur mit einem fetten Copyright-Stempel ausbeutet, das kann nicht sein, und schadet nur dem Künstler. Wie das jeder für sich persönlich nun abhandelt– eben, das ist eine persönliche Sache.

Aber das hat nichts mit der Allgegenwärtigkeit von losen MP3s zu tun, die man entweder im iTunes Store, bei Amazon oder eben über eine illegale Plattform schnell finden kann. Das hat etwas damit zu tun, dass man Musik in seiner Form anders wahrnehmen kann. Die technischen Einschränkungen, wie etwa bei Vinyl oder CD, sind nicht mehr vorhanden, die Beschaffung der Artikel geht innerhalb weniger Klicks, genauso wie das Entfernen. Die Produktionsverfahren haben sich geändert, der Vertrieb findet hauptsächlich virtuell statt, das Marketing geschieht auf einem ganz anderen Level.

Was genau definiert heute den Erfolg eines Musikers, ab wann ist man ein Fan, oder fehlt mir einfach nur die Loyalität? Ist das wie mit einem Fußballteam, in das man viel Schweiß, Liebe und Hoffnung setzt, und auch zehn Jahre später nicht verlässt, weil man schon so viel investiert hat– egal wie schlecht die Mannschaft ist? Oder ist das völlig legitim, Wegwerf-Musik, Einmal-Songs, Listen and Ditch immediately, wie ein schnelles High, bis das nächste in Form eines anderen Tracks daherkommt?

crowd

Eine Frage, die ich am Anfang des Beitrages gestellt habe: Wie wichtig ist es mir überhaupt, dass ich so viel Geld in Musik investiere? An diesem Punkt meines Lebens würde ich behaupten, dass ich fast 500 € im Monat – locker – für Musik ausgeben könnte und wahrscheinlich sogar würde. Davon wären dann 50 Tracks tatsächlich auch sticky in meiner Bibliothek, davon widerrum ungefähr 10, die ich auch so gut finde, dass ich sie in meine “Faves” Playlist verschiebe. Vielleicht sollte ich mich aber was ganz anderes fragen: wäre es mir jemals so wichtig gewesen, wenn ich nicht irgendwann mit 12 oder 13 Napster entdeckt hätte?

Ich weiß nicht, wie es je anders hätte sein können als so. Ich habe es ja nie anders kennen gelernt.

by yeahs in Musik


Ich bin enttäuscht von der Zukunft. Twitter, Latitude, Wave, Facebook- großartig, noch mehr Erinnerungen daran, dass ich überhaupt keine Freunde habe und ständig nur irgendwelche Links mit Fremden austausche. Fremde, mit denen ich meistens im echten Leben bewusst und verständlicherweise nichts zu tun hätte.

We Used To Be Friends

Ich habe letztens ein N95 gefunden ((ich habe es nicht zurückbringen können, ihr unsportlichen Moralaposteln, und abgesehen davon ist es jetzt bereits das sechste Mobiltelefon, dass ich so vom Boden aufklaube, irgendwann reicht es auch mit dem positiven Karma und man steckt den Scheiss halt ein. Es war höhere Gewalt!)), und habe mich tierisch gefreut dass auch ich jetzt den Schritt in die Zukunft mache und mobil im Netz bin. Bis mir auffiel, dass es mich nicht kickt, nicht bockt, und ich viel lieber meine Bettwäsche aufhängen möchte. Ich habe nichts zu erzählen aus meinem “Unterwegs-Leben”, weil ich kein Unterwegs-Leben mehr habe.

Und jetzt will man mich vielleicht auf meine Ignoranz hinweisen und sagen, dass dies die notwendigen Schritte in die Zukunft sind, und das wir so alle immer enger vernetzt werden, Brücken schlagen können zu Menschen, mit denen man ansonsten nicht in Berührung kommen würde. Man möchte mich doch bitte wachrütteln und mir zeigen, dass ich selbst der Informations- und Kommunikationssucht erlegen bin, das deutlichste Beispiel diese Plattform! Ich könne das alles ja nur nicht richtig schätzen, und man muss ja auch die positive Seite sehen. Aber am Ende läuft es trotzdem darauf hinaus, dass wir über das Leben auf einer Metaebene schwadronieren, ohne überhaupt mehr zu wissen, was das Leben eigentlich ist.

Es sollte aus mehr bestehen als Fakten, Informationen, Essays und Tweets. Mehr als nur das geschriebene Wort. Mehr als nur ein Video von etwas, was vielleicht gar nicht passiert ist. Aber das gibt es nichts, denn uns passiert nichts mehr. Wir setzen uns nur noch einen virtuellen Helm auf, der uns in eine unendliche Welt eintauchen lässt. Wir stellen uns lieber vor, wie wir Berge erklimmen, anstatt es zu tun. Das ist gut und das ist schlecht. Aber vor allem ist es deprimierend, wenn man so sehr an der Zukunft teilnehmen möchte und feststellt, dass der Fortschritt dorthin selbst es ist, der einen davon abhält.

Ich rede hier nicht von Kausalitäten und dem “gefährlichen Internet”, aber ich kann verstehen, wieso Leute an Überfettigung oder wegen eines Amoklaufes sterben: von einem Extrem ins Nächste, wenn das alles ist, was uns übrig bleibt. Und die Diskussion darüber? Es verändert sich nichts, außer die Plattformen, auf denen wir unsere inhaltslosen Nachrichten verbreiten. Die gleichen Themen und Best Of’s wie vor drei oder sechzehn Jaren. Nicht nur in anderen Wörtern, sondern auch in anderen Gewändern. Diesmal aber nicht auf einem Blog, im Fernsehen oder in der Zeitung, sondern in einem Wave. Oder in einem Tweet. Oder bei Ffffound.

Der Kontext bleibt auf der Strecke. Plötzlich sammeln wir irgendwelche Grafikschnipsel, auf denen weise Zitate stehen. Wir haben keine Zeit mehr, das ganze Buch zu lesen, weil wir vielleicht den Tagesstream verpassen könnten. In ein paar Jahren werden diese Spruchfetzen auf Häuserwände projeziert, nämlich per Laserstick aus der Hosentasche heraus. Und so drücken wir uns dann aus. Nicht mehr mit Händen und Füßen, nicht mehr mit Papier und Stift, sondern mit Lichteffekten und ohne Kontext. Wir sehen nicht, wer hinter der Kunst steht. Wir drehen nur noch Filme, die von Filmen inspiriert sind, nicht von der Realität. Ist es Sucht, ist es ein Überfluss an Synthetik, ist das das natürliche Habitat des Menschen, ist das Evolution oder Depression? Und dann stellt sich die ganz großartige Frage, so klar oder vielleicht doch nicht so klar: wer braucht noch Kommunikationsmittel, wenn es nichts mehr zu kommunizieren gibt, und niemanden, mit dem man kommunizieren will?

Ein Haufen Pixel auf einer ewig langen Timeline.

Versteht mich nicht falsch: ich finde das alles nicht schlecht. Oh, im Gegenteil. Ich bin der größte Fan von kurzlebigen Informationsfluten, die dann wieder langsam aus meinem Gehirn bröckeln. Und ja, ich bin die erste, die sich dieser Sucht, Leidenschaft, Krankheit hingibt. Aber es bleibt nicht ohne bitteren Nachgeschmack, wenn ich das Gefühl habe, nach 15 Stunden Arbeit im Internet genug gelebt zu haben.

Und es macht mir Angst zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin.

by yeahs in (Pop)Kultur Gangster


Hm, ich bin ja kein besonders politischer Mensch. Das mit den Piraten ist ja mehr ein Trend, sozusagen eine Proteststimme meinerseits, als tatsächliches Interesse an der Politik, und letztendlich hat es bei mir nur dann etwas mit Leidenschaft zu tun, wenn es persönlich wird.

Sineads Hand

Daher bin ich immer sehr zurückhaltend, was Kommentare zu Parteien, Politik und so weiter angeht (mal abgesehen davon, dass meine Kommentare wenig hilfreich wären). Eben habe ich allerdings ein Video gesehen, dass es definitiv wert ist, mal ein Wort zu verlieren – vor allem, weil es einen durchaus zum nachdenken anregt. Das Video wurde in Irland gedreht und soll für die Rechte Homosexueller einstehen. Ich möchte es so ausdrücken: wenn Werbespots so gut wären, würde ich definitiv häufiger auch fernsehen. Und hier die politische Frage:  Wieso müssen Homosexuelle immer noch protestieren, für ihre Recht betteln?

Seitdem ich in Berlin wohne, bin ich mit vielen Leuten zusammen, die eine völlig andere Weltansicht haben als ich. Ich dachte früher, nur die letzten Dinosaurierer in Deutschland würden noch CDU oder SPD wählen, in die Kirche gehen und “sich nicht für Musik interessieren”. Ausgerechnet in Berlin, dem hedonistischen Gefilde der Seligen,  musste ich dann kapitulieren. Junge Menschen, gebildete Menschen, mit Verstand, Herz und Charme– das können Leute sein, die den Download von urheberrechtlich geschützten Dateien für Diebstahl halten, oder die einfach mit den Achseln zucken, wenn es um Atomkraft geht. Das sind Leute, die wissen nicht, was Blogs sind und keinen Lieblingsfilm haben. ICH MEINE, WIE KANN MAN KEINEN LIEBLINGSFILM HABEN?

Ja, für die meisten mag das jetzt keine Überraschung sein, jeder hatte schon mal das Vergnügen mit dem opportunistischen Streber in der Oberstufe, der in seiner Freizeit Junge Union Sticker verteilte. Damals dachte man, dass seine Eltern ganz schön kaputt gewesen sind. Ich meine, wem macht schon Politik Spaß? Natürlich wurde der dazu gezwungen, der Klaus! Und Klaus hat einfach bestimmt noch nie Zucker gegessen oder ein Schmuddelmagazin in der Hand gehalten.

Ich will das ja gar nicht verurteilen, auch wenn sich das in erster Linie so anhört. Am Anfang war das, wie schon erwähnt, einfach neu, nicht nur mit Gleichgesinnten zusammen zu sein. Sei es aus beruflichen Gründen oder einfach, weil man sich selbst auch ein bisschen ändert und aufhört, mit dem Kopf im Arsch die Welt zu betrachten. Also, keine Kritik. Im Gegenteil: diese Begegnungen haben mich in meinem eigenen Horizont bereichert. Ich kann nur hoffen, dass diese Begegnungen (mit mir) auch in irgendeiner Form bereichernd war, selbst wenn die meisten jetzt nur glauben, dass meine Frisur noch schlimmer ist als die von Wolle Petry.

Doch genau so ist es, wenn man sich sein Leben lang fragt, wer eigentlich diese drei Millionen Leute sind, die angeblich jeden Tag die Bild Zeitung lesen. Sind das alles Typen ohne Schulabschluss und Vokuhila? Sind wir/bin ich wirklich schon so verblendet in meiner eigenen Arroganz, dass ich in die gleichen Fallen tappe, die ich so großmäulig kritisiere?

Es ist gefährlich, Menschen den Maßstab anzulegen, den man für sich selbst in langer Arbeit erschaffen hat (und meistens merkt man gar nicht, wie hoch die Fluktuation der eigenen Prinzipien ist). Es ist vor allem dann gefährlich, wenn man nicht sieht, das man auf weiter Flur alleine da ist mit seiner Meinung, weil man ganz fest daran glaubt, dass man eines Tages diese ganzen Zurückgebliebenen ausrotten kann. Und schon wird das “irgendwann” zum “heute”, und die Bild Zeitung in den Händen der Menschen verschwindet aus dem Blickfeld und man sieht nur noch Gleichgesinnte, die das “doch einfach verstehen müssen“.

Freunde kann man sich aussuchen, Gesellschaftsformen, Maßstäbe von Moral und Normen allerdings nicht. Wer das versucht, erschafft sein eigenes Loch. Es hilft genauso wenig, Menschen neue und revolutionäre Technologien und Philosophien aufzudrücken, wie den Iraq einzunehmen und da Demokratie zu pflanzen, wo der Boden noch gar nicht vorbereitet ist.

Es frustriert mich, ja! Es frustriert mich, mit Menschen über Dinge zu diskutieren, nur um dann festzustellen, dass jegliche Logik einfach ausgesiebt und durch wertlose Meinungen und Überzeugungsarbeit ersetzt wird. Es bedrückt mich, weil ich weiß, es wird noch so lange Dauern, bis Homosexuelle gleiche Rechte haben und bis jeder gerafft hat, dass man alte Methoden zur Unterdrückung von Kriminalität nicht in heutigen Zeiten anwenden kann; aber ich will nicht die andere Partei unterschätzen. Und vor allem will ich nicht als letzte Wissen, wenn ich doch einen Denkfehler gemacht habe.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: Jeder Mensch muss fünf Wochen damit verbringen, jeden Tag einem anderen Menschen zuzuhören, und zwar mindestens 50% des Tages. Vielleicht gibt es dann einige weniger, die sich mit Menschenbildern das Leben ausmalen.

Obwohl ich wahrscheinlich nie davon Gebrauch machen muss, weil ich weder einen Mac besitze noch in England wohne, ist dieses schnieke Teil eine sehr gelungene Innovation:

folding plug system

When people carry laptops with U.K plugs in a bag, it always causes problems such as tearing paper, scratching laptop surfaces and, sometimes, it breaks other stuff. ‘Folding Plug’ changes the shape form the normal U.K plug into a 10mm thickness object, solving these damaging problems.

Meh. Ich will auch Zeug erfinden können. Mehr zum Folding Plug System.

by yeahs in (Pop)Kultur

Ameisen gehören zwar nicht zu meinen Lieblingstieren, aber die Technologie der Makroaufnahmen ist faszinierend genug, um mir auch das mal aus der Nähe anzugucken. Und wenn ich “Nähe” sage, dann meine ich auch motherfucking Nähe.

ant-views from Jörg Brönnimann on Vimeo.

Sweet! Die musikalische Untermalung befriedigt mich auch rundum. Vimeo ist echt eine Goldgrube.

by yeahs in (Pop)Kultur