I Told My Therapist About You

Veröffentlicht June 22, 2010

Vielleicht kommen die Zweifel von der Bucket List, die ich seit sechs Jahren führe, und von der ich mittlerweile fast monatlich einen Punkt runterstreiche um dafür zwanzig Dinge hinzuzufügen. Wie immer, wenn es in die Nähe einer Ziellinie geht, dieses aufkeimende, schmerzhafte Bauchgefühl, zuerst Zufriedenheit, bis es irgendwann zur quälenden Unruhe wird. Und dabei ist das Ziel völlig nebensächlich, es ist der Weg, das beschäftigt sein, das nicht-nachdenken, das “der nächste Schritt ist abgesichert”. Nur- wie lange?

… in einer kleinen Seifenblase voller unrealistischer Erwartungen leben, ein bisschen Ehrgeiz und gute Laune und Oberflächlichkeit durchmischen und einen Teig voller Chaos und Unwissen erhalten. Nein, ich will nicht die beste sein, ich will nicht undankbar sein, ich will auch nicht im absoluten Stillstand verweilen- aber wann hört die Suche nach “ausgewogen” auf? Wann darf ich ausatmen und mich glücklich zurücklehnen – für mehr als nur einen temporären Zeitpunkt – für mehr als nur einem Ziel, das ich von meiner Liste abhaken kann?

Was kommt nach einer Weltreise? Was kommt nach einer Großstadt? Was kommt nach der Liste? Was kommt nach Unruhe, Ungeduld, nach pleite sein, nach reich sein, nach hungrig sein, nach schlank sein, nach fett sein, nach Mann, nach Frau, nach gelangweilt sein, nach verrückt sein, nach verliebt sein, nach bekifft sein, nach wach sein, nach fertig sein, nach fertig sein?

 
 

BEST OF: Schwester Sekt

Veröffentlicht December 7, 2009

Im Sommer 2007 musste ich, um mein Taschengeld ein wenig aufzustocken, einen Job finden. Prompt nahm man mich in einer Gastwirtschaft, weil ich die einzige war, die sich bewarb. Und natürlich wegen meiner üppigen Oberweite. Ich hatte viel Spaß im Job, weshalb ich schon nach sechs Wochen wortwörtlich das Handtuch warf und mit meiner gesparten Kohle meine Schuldner beglückte. In einem schwachen Augenblick dokumentierte ich einige meiner Erlebnisse, und möchte, dass auch die Nachwelt noch in den Genuß meiner Eindrücke kommt…

restaurant

Kellnern: ein bisschen ist es ja wie in die Großstadt fahren und erstmal ohne Geld eine Existenz aufbauen, immer hart am Rande des Versagens, während man dann nachts zu Hause noch an seiner Kunst arbeitet. Rede ich hier von Coyote Ugly? Ja, ich rede hier von Coyote Ugly. Welch Überraschung also, dass ich nicht in einer Szene-Bar in NYC einen gewaltigen Strip auf der Tequila-Theke hinlege, sondern einem, nun ja, “gemütlichen” Biergarten im heimatlichen Kaff die fetten Fußballwampen bedienen muss.

Ich meine, ich arbeite in einer guten Gegend, nicht in irgendeiner Studententränke, nicht in einer öligen Asiaabsteige, nicht in der Russendisko aus dem Nachbarort. Es ist ein Restaurant mit gutem Ruf, in einer sauberen Gegend mit anständiger Kundschaft. Allerdings vermute ich eine gewisse Gleichheit unter Restaurantbesucher auf der ganzen Welt, unabhängig vom Ambiente und vom Preis: Man ist temporärer Sklave für Menschen, die ständig Sprüche raushauen. Sprüche, die, ganz grob gesagt, schlichtweg scheisse sind und definitiv gegen den ersten Artikel im Grundgesetz verstoßen. Manchmal hole ich extra mein Lexikon für Säufer und Arschlöcher raus, um sie zu verstehen.

“Hier wird nüschd weggehaun!”, wenn man ein Glas abräumen will, weil man nicht zehn Sekunden warten möchte, bis der Herr den letzten Spuckschluck auch ausgetrunken hat.

„Mach ma Luft naus.”, welches übersetzt bedeutet “Ey du Tier, du arbeitest doch hier, füll ma’ mein Glas auf!”.

Wirklich interessant wird es, wie ich letztens merken durfte, wenn das T-Shirt um einen Spalt nach unten verrutscht. Besonders an der Bar. In animalischer Gewalt werden da Wampen von exorbitanten Ausmaßen gezüchtet: Bier, Spare Ribs, Fußball, hin und wieder ein erleichternder Furz. In dem raren Augenblick, in dem dieses Ereignis statt findet –  oh mein Gott, zwei Millimeter Dekollté (umgangsprachlich als “Dökoll-te” bezeichnet) bei einer richtigen Frau mit richtigen Möpsen, die 40 Jahre Kampf mit der Schwerkraft noch vor sich haben – herrscht plötzlich Stille im Laden. Jedenfalls fast: man hört noch das übrig gebliebene, leises Frauengemurmel, welches normalerweise von den tiefen Bässen der Kneipenkaiser übertönt wird (und man ist sich ziemlich sicher, dass diese Grazien dazu erzogen wurden, nur über das Sortieren verschiedener Wäschesorten und/oder diverse Schweinsbratenrezepte Konversation zu führen). Und auf einmal ist es scheiss egal, welche Mannschaft verliert. Das Team besteht jetzt ausschließlich aus zwei Spielern: Meinen Titten.

Dann gibt es noch die Gesellschaften, die besonders hohe Ansprüche haben. Wie zum Beispiel: Bitte im Salat keinen Salat, das Dressing in einer extra Schüssel, Tomaten bitte schälen und die Gurken ohne Kerne. Gibt es die Schweinshaxe auch vegetarisch? Könnten wir bitte nach der siebten Ladung nochmal kostenlos Brot haben, weil wir zu geizig für ein Hauptgericht sind?

Mit gerührtem Pipi in den Augen musste ich später feststellen, dass mein Trinkgeld ungefähr doppelt so hoch ist wie mein Gehalt und plötzlich ist mir klar geworden, warum man sich Erniedrigungen wie “Haben sie nie gelernt, wie man ein Hefe zapft?!” ((WEIL ES IM LEBEN NICHTS WICHTIGERES GIBT, ALS ZU LERNEN, WIE MAN HEFE ZAPFT, DENN WENN MAN DAS NICHT WEISS KANN MAN DIREKT VOR DEN ZUG SPRINGEN, ABER SELBST DER WIRD EINEN BOGEN UM MICH HERUM MACHEN, WEIL, OH MEIN GOTT SIE KANN KEIN HEFE ZAPFEN, SIE VERDIENT NOCH NICHT MAL DEN TOD, SIE MUSS DIE HÖLLENLEIDEN IHRER SCHAM DURCHSTEHEN BEVOR SIE STERBEN DARF!)) antun will, ja aufgrund dieser wirtschaftlichen Ebene regelreicht gezwungen dazu bin.

Denn am Ende des Tages, wenn der Jungesellenabschied den Synapsenfasching feiert und später noch laute Parolen durch den Laden schreit (sowas wie “Und wirft der Arsch auch falten, wir bleiben doch die Alten“) und ich in der Ecke stehe und mich fremdschäme für diese Bestien und warum ich jetzt auch noch deren Geschiss wegräumen muss, UND KANN MAN EIGENTLICH AUCH IN DIE ASCHENBECHER ASCHEN ODER IST DAS ZU SCHWER FÜR EUCH IHR PENNER, fuck dude, am Ende des Tages gehe ich nach Hause mit richtig vielen Geldscheinen und wundere mich, was ich dafür eigentlich ganz aktiv getan habe: Ich habe mein Gehirn ausgeschaltet, dann habe ich Teller und Gläser serviert so wie abgeräumt. Manchmal hab ich es auch nicht so weit geschafft, weil ich ein Körperklaus bin und gerne Dinge fallen lassen. Und manchmal muss ich fast lachen, wenn meine Kollegin an der Bar steht, spaßeshalber “Geschüttelt oder gerührt?” fragt und als Antwort vom Stammidioten “Ich wäre gerührt, wenn du mir einen schüttelst” kommt. Ich lache aber eben nur fast. Aus Protest.

Ich bin auch nicht wirklich gut in diesem Job. Mein Gott, ja, als gute Tochter arabische Eltern hätte ich das servieren natürlich aus dem FF können müssen, aber wie es das Schicksal wollte, rebellierte ich gegen diese Klischees. Ich vergesse ständig, welche Gläser für welches Getränk sind, ganz zu schweigen von den Tischnummern (es macht ja auch VOLLKOMMEN und RECHTMÄSSIG Sinn, dass in einem Restaurant mit knapp 30 Tischen alle Tische dreistellige Zahlen haben. Ich meine, what?), und außerdem kann ich noch keine Fragen zur Speisekarte beantworten, weil ich mir schon merken muss, welche Weine nach was schmecken. “Nuss. Frucht. Bitter.”

kellner

Ich dachte früher immer, Kellnern wäre der erste Schritt zum Hartgeldstrich, mittlerweile glaube ich aber, dass es genau andersherum der Fall ist. Wer gekellnert hat, freut sich auf die Prostitution, weil da die Kunden wenigstens noch dankbar für diese Aufopferungstat sind. Und man verdient sich dumm und dämlich. Im Restaurant? Tja, da ist man nur Abschaum, wird von allen Seiten zusammengebrüllt und hat meistens dabei auch noch Achselkaffee unter’m Arm. Kellnern ist wie Sex. Alleine. Ohne Hände.

Das Problem bei der ganzen Demütigungsgeschichte ist aber eigentlich nur, dass ich mich selbst in den Gästen wiedersehe. Die Drecksteenager, die das Geld ihrer Eltern für Porsche und eine XBox 360 ausgeben dürfen, weil Mami und Papi halt können, genießen süffisant ihre Apfelschorlen und ein Garnelenpfännchen (“Bitte ohne Knoblauch, man weiß ja nie welchen Traumprinzen man noch trifft, HAR HAR FUCKING HAR“), räkeln sich dabei genüsslich unter dem strahlend weißen Sonnenschirm, rauchen ihre Marlboros und sehen aus wie aus der Raffaelo-Werbung rausgekackt: das sind die, die die Bedienung behandeln wie den letzten Dreck. Außer sie sehen gut aus (“oh Gott, das ist ein Arschpirat, HUNDERPRO, schwul, definitiv, egal, ich himmel ihn trotzdem bis ins Verderben an!”). Das machen sie, weil sie überzeugt davon sind, nie in dieser Hölle des einfachen Handwerks zu landen,  oh Gott, wie kann man nur anderen Menschen DAS ESSEN AN DEN TISCH BRINGEN ICH GEH LIEBER KLEBER INHALIEREN. DAS, meine lieben Leute, DAS bin ich. Das wäre ich zumindest, wären meine Eltern reich und würden mir hin und wieder Diamant in den Arsch blasen.

Aber ich denke, jeder Kellner muss schlecht behandelt werden, damit auch jeder Kellner zu dieser grundsätzlichen Erleuchtung kommt, es ist sozusagen ein gewisses berufliches Privileg, weil der Kellnerjob etwas so besonderes ist, ein Einblick in die Psyche der Menschheit, wenn man will. Einfach für einige Stunden eine so mittelalterliche Rolle einnehmen und feststellen, dass man nichts anderes ist als das einfach Proletariat. S, die Bierschubse.

Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte.

 
 

Der osmanische Tsunami

Veröffentlicht November 18, 2009

Schon wieder irgendwo bei Twitter aufgegabelt. Die Comedy hinter diesen beiden Videos ist unbeschreiblich. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob ich dem kritisch gegenüber stehen soll, oder mich einfach nur schnell mal unter Tisch bepisse.

Ich entscheide mich mit eindeutigem Teufels-Veto für letzteres und erfreue mich an meinen hessischen Freunden und Kollegen, die sich den größten Spaß gemacht haben, sogar meine Heimatstadt Rodgau zu benennen. Dies ist wahrscheinlich das erste und einzige Mal, dass Rodgau überhaupt irgendwo erwähnt wird. Es macht mich stolz zu sagen: ja, solche Idioten kommen tatsächlich aus Rodgau und wäre ich ein Mann geworden dann wäre ich jetzt der Typ mit dem Hantelbankspruch. Hätte ja auch mehr Spaß gemacht.

 
 

Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free

Veröffentlicht November 17, 2009

Als ich 15 war, bin ich kurzzeitig von zu Hause ausgebüchst. Ich habe niemals jemandem davon erzählt, was aber jetzt nicht so tragisch ist, weil ich ungefähr vier Stunden (“Ich geh in die Bibliothek”) durch die Gegend geirrt bin und aus Trotz nicht nach Hause gegangen bin, weiß Gott wieso. Naja, als es kalt wurde bin ich wieder zurückgekrochen und habe mir hoch und heilig geschworen, ich würde es am nächsten Tag durchziehen (hab ich nicht).

Ich war damals die Ausgeburt der Depression, glaube ich. Ich bemitleide im Nachhinein alle, die so einen schwierigen, melancholischen und depremierten Teenager um sich herum ertragen mussten, ein Teenager, der dachte, er wäre in seinem Weltschmerz einzigartig. Das erinnert mich auch immer an das furchtbare Schicksal, dass Kunstkritiker erleiden müssen, wenn sie sich die Werke von jungen Menschen zu Gemüte führen, die die Kunst ausschließlich als Ventil für ihren Schmerz nutzen. Nicht, dass man ihn deshalb weniger Ernst nehmen sollte– aber irgendwann merkt man eben doch, dass fast jeder diese Entwicklung durchmacht… das nimmt der Sache ihren Charme.

… ich habe den Gefühlszustand nicht vergessen. Ich weiß, wie aufgeschmissen ich war. Daran erinnert mich immer wieder ein einziger Song, der mittlerweile aber auch mehr ist, als nur die Oper meines anstehenden Suizids (ich war mir ziemlich sicher, dass ich mit 21 nicht mehr Leben würde– ich bin mir heute auch noch ziemlich sicher, dass ich spätestens mit 24 an einem Herzinfarkt krepiere, aber wohl kaum freiwillig).

“To Be Free”, aus dem Album Love In the Time of Science von Emiliana Torrini (Affiliate Link), die bis heute mit jedem Song ein Stück meines Herzens bewegen kann. Eine wunderschöner Song für einen nassen Herbst. Übrigens macht das Island auch wieder ein ganzes Stück sympathischer.

Rewind: Emiliana Torrini, To Be Free · Kategorien: Musik · Comments Off
 
 

Mommy

Veröffentlicht October 26, 2009

My mom is more beautiful than your mom. Suck on it.

Mommy

Auf dem Foto ist sie etwas jünger als ich heute, wahrscheinlich kurz vor der Hochzeit. Ich liebe dieses Foto, weil meine Mom schon damals fett Style hatte und mich daran erinnert, dass sich wohl in dreißig Jahren immer noch cooler anziehen wird als ich. Meh.

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Das Stichpunkt-Leben

Veröffentlicht October 5, 2009

Als ich vierzehn war (und dick), hatte ich eine grauenhaft pampige Phase, in der ich mit niemanden reden wollte. Schon gar nicht mit meinen Eltern. Ich habe mir die Fingernägel schwarz angemalt, fett genuschelt, wütende Texte geschrieben und laut Disturbed gehört. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Mutter das aushalten konnte. Vor allem, weil das bis kurz vor meinem Auszug auch ewig so weiter ging. Ich war so in meinem Kopf gefangen und vor allem so überzeugt davon, dass es FÜR IMMER so bleiben würde, und dass ich FÜR IMMER so Denken würde (und dabei tatsächlich alle zehn Minuten irgendeine andere Meinung hatte), und das ALLE um mich herum einfach zu beschränkt sind, um das zu sehen.

weisheiten

Heute muss ich ja ein bisschen schmunzeln, wenn ich die Kids sehe, die genau das gleiche durchmachen. Und hey, ich bin keine weise fünfundsiebzig Jahre alt, aber immerhin schon so weit, dass ich das mit einem Schulterzucken hinnehme, ohne mir (wie früher) zu denken “OMG IHR SEID SO FAKE, NUR ICH HAB VOLL DEN DURCHBLICK!!”. Stellt euch vor, man hätte mir damals erzählt, “jaja, das macht jeder mal durch, wir waren alle so!”– ich wäre trotzig und wutentbrannt geflüchtet vor so viel Blasphemie. Aber hey, so what.

Das alles fällt einem auf, wenn man merkt, dass man schon ein Jahr lang offiziell erwachsen ist- in meinem Fall das erste Jahr, das ich nicht mehr bei meinen Eltern gewohnt habe. Ich weiß jetzt, wie man Weiße Textilien richtig bleicht und das beste Chili der Welt fabriziert. Den Rest habe ich auf einige Punkte heruntergebrochen, die vielleicht falsch sind, aber in diesem Augenblick meines Lebens genau das ausdrücken können, was ich empfinde.

Übrigens veröffentliche ich hoffentlich bald ein Selbsthilfe-PDF für pubertierende Emos.

  1. Gute Freunde sind schwer zu finden, weil es verdammt schwierig ist, selbst ein guter Freund zu sein.
  2. Kaffee macht nicht wacher, er überdeckt nur den Schmerz in den Augen.
  3. Fett ist ein Geschmacksträger der in Unmengen genutzt werden muss, wenn man etwas Gutes kochen will.
  4. Der Nachgeschmack einer schlechten Entscheidung ist immer noch besser als das Gefühl niemals eine Entscheidung getroffen zu haben.
  5. Immer wenn man sich Gedanken darüber macht was andere von einem halten könnten, macht man sich eigentlich Gedanken darüber, was man selbst von sich hält.
  6. Man sollte den Maßstäben, die man sich selbst anlegt, treu bleiben. Alles andere ist sowieso egal.
  7. Wissen ist auch nur Glauben.
  8. Geburtstage sind nicht für das Geburtstagskind da, sondern für die Leute, die sich das restliche Jahr nicht mehr melden müssen wenn sie gratuliert haben.
  9. Abschlüsse sagen nichts über die Intelligenz oder die Fähigkeiten einer Person aus.
  10. Etwas Unverzeihliches zu verzeihen macht einen nicht zum Helden sondern zum Idioten.
  11. Mach viele Bilder, eines Tages wirst du dankbar sein.
  12. Motivation steht und fällt mit den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.
  13. Ein Chef macht seinen Job nur richtig, wenn seine Mitarbeiter recht haben dürfen.
  14. Man kann sich nie an den ersten Eindruck erinnern wenn man jemanden liebt.
  15. Zähne putzen reicht nicht aus um Mundgeruch loszuwerden.
  16. Schulden sind wie Fesseln, die ein Jugendlicher niemals spüren sollte.
  17. Jeder präsentiert sich am liebsten so, wie er gerne wäre, und nicht wie er eigentlich ist.
  18. Die größte Sucht der Menschheit ist die Bequemlichkeit.
  19. Ein Risiko einzugehen macht überhaupt keinen Sinn, wenn man mit den Konsequenzen nicht leben kann oder will. Deshalb heisst es ja auch “Risiko”
  20. Dramatik ist NUR im Fernsehen etwas, was man auch haben will.
  21. Selbstreflektion sollte nicht mehr als zwanzig Minuten am Tag einnehmen.
  22. Vorurteile und Klischees birgen Wahrheiten in sich. Die Herausforderung besteht darin, darüber hinweg zu sehen.
  23. Organisiert sein heißt Macht haben.
  24. Mama hatte recht, es war tatsächlich “nur eine Phase”.
  25. Gerechtigkeit ist immer subjektiv.
  26. Kinder verstehen alles ziemlich schnell, solange man sich kurz fasst.
  27. Es gibt reiche Menschen, die wirklich viel Geld haben, und es gibt reiche Menschen, die in fetten Autos rumfahren und sich dafür nur noch von Haferflocken ernähren.
  28. Jeder Mensch ist unsicher, was das eigene Aussehen betrifft.
  29. Es gibt Probleme, die macht man sich selbst, und Probleme, die andere einem machen: es ist wichtig, den Unterschied zu kennen, aber am Ende des Tages muss man die Verantwortung trotzdem auf sich nehmen.
  30. Auf der Arbeit sollte man niemals auf die Uhr gucken.
  31. Lernen kann man auch ohne Studium.
  32. Eine Rechtfertigung ist kein Grund.
  33. Die Wahrheit ist nur eine Option von vielen.

Was sagt ihr? Was habt ihr in euren jungen Jahren dazu gelernt?

 
 

Drama ist Porno

Veröffentlicht September 25, 2009

Leute fragen mich: “S., wieso ziehst du dir diesen Scheiss rein?”, und ich sage: “Lasst mich in Ruhe, das ist der Hammer”, und plötzlich wenden sie sich alle von mir ab und glauben, ich sei ein Loser, ein Feiergeier, ein hirnloses Stück Fleisch, dass vor sich hinvegetiert, und ja, das trifft manchmal sogar zu, aber fuck yeah das tut gut.

Gossip Girl Rolling Stone

Man, ja, ich stehe auf Muschi-Serien, Dramen, und wenn ich es mir leisten könnte würde ich mir auch diese Sülz-Romane aus dem Supermarkt kaufen. Die, die Sabine und Michaela nach der zweiten Scheidung und dem dritten Kind kaufen, wenn backen und Sekretärin sein irgendwann keinen Spaß mehr macht ((Was? Guckt mich nicht so an, ich hab nicht gesagt, dass mit diesem Blog auch meine Vorurteile oder meine Arroganz ausgeschaltet werden! Und ich hab ja persönlich nichts gegen Sabine und Michaela, und ich werde euch auch nicht verurteilen, wenn ihr so heißt, aber ihr habt halt die Arschkarte gezogen und das muss jetzt mal so festgehalten werden!)). Ich bin genau so. Ach was, ich bin noch viel schlimmer, weil ich mir kein Kitschpapier kaufe, sondern das noch mit einer gewissen “angesagten” Coolness retuschiere. Immerhin ist es ja schon wieder in-style, wenn man auf uncoole Sachen steht. Quasi-Soaps gehören dazu, auch wenn es sich auf einem anderen Niveau als GZSZ begibt (aber auch nur grenzwertig).

Ich rede vor allem über meine aktuelle Obsession über Gossip Girl (und den sechstausend anderen Serien, die noch darauf warten, gesehen zu werden, jetzt, wo die Season wieder angefangen hat). Ich war ja noch nie ein besonders großer Fan von Snob-Portraits, soetwas wie O.C. California oder ähnliches kam mir nicht in die Glotze, weil ich immer lieber arm als reich war, also gab es ein Identifikationsproblem (lieber arm als reich heißt lieber heisst im Prinzip nur, dass ich Reiche dafür verurteilt habe, dass sie reich sind, und mich selbst gerne bemitleidet habe, weil das eben so ist und ich natürlich die Faust Satans in aller Macht seiner Ungerechtigkeit spüren konnte, blah blah blah. Oh man, Teenager sein hat echt Spaß gemacht). Aber jetzt, wo es sowieso nur noch darum geht, nach der Arbeit ein bisschen Eye Candy abzubekommen und meine Freunde keine aufregenden Bettgeschichten zu erzählen haben, ja jetzt will ich mir nur noch anschauen, wie sich andere junge Menschen die Birne zukoksen und ein viel aufregenderes Leben führen als ich.

Nate Archibald

Ich bin nicht die einzige Frau, die das emotionale Gefühlschaos so fest in sich verankert. Und viele, viele Typen stehen erstmal mit einem Fragezeichen in der Fresse rum, verstehen nicht, warum ihre Weiber so abdrehen. Ich sage dann immer: Jungs, dieses Drama– das ist nichts anderes als unsere Form von Porno. Im Porno lebt ihr eine animalische Fantasie aus (die wir durchaus auch teilen können, wenn wir vorher genug mit Drama gefüttert wurden), und wer süchtig danach ist, kann am besten nachvollziehen, warum Frauen auf Soaps und diese Dramas stehen. Es ist Gefühlsporno. Eine Fantasie. Prince Charming? Wir wissen, dass es den nicht gibt, genauso wenig wie es eine vollbusige Blondine gibt, die euch zum Dank für die spontane Autoreparatur eine Extra-Massage verpasst.

Alter, wenn ich ‘ne Uschi am Start hätte, die den ganzen Tag irgendwelchen Romeo-Idealen hinterherhechelt- ich würde sie direkt in die Therapie schicken, genauso, wie jede Frau einen Pornojunkie schnell abtreten würde. Das sind keine gesunden Beziehungen und auch keine gesunde Einstellung.

Leighton Meester

Das Leben ist nicht so wie in diesen Dramen. Das Leben ist einfach. Es gibt hier und da ein paar Ausschläge, negativ wie positiv, die aber nie deutlich von der geraden Linie in den Tod abweichen. Ganz einfach, ganz simpel. Aber irgendwann hat uns Disney erzählt, wie es eigentlich zu sein hat, und seitdem? Boom, eine Millionen Frauen sind unglücklich in ihren Beziehungen weil Typ nicht den Anforderungen einer Mädchenfantasie entspricht, und Typ klickt sich durch Fetischpornos durch, weil er genau weiß, dass er das niemals haben kann. Das hat Kurt Vonnegut wohl am besten erklärt.

Ein Drama ist der Geschmacksverstärker für’s Leben, die älteste Form des menschlichen Highs, Smack für die Seele, ein Arschtritt für einen sonst eher nichtsaussagenden Alltag. Uh, ich liebe Dramen. Mir braucht auch keiner zu erzählen, “S, fuck, geh mal raus, du verpasst das ganze Leben“, weil nö, is halt nicht so. Wenn sich jemand ‘ne Tüte dreht sagt doch auch keiner “Man du erlebst ja gar nichts”, stattdessen erzählt man ihm dass er mal ein bisschen langsamer machen soll mit der Sucht und den Nebenwirkungen. Bei Seelenporno denkt da aber wieder niemand dran.

Dan Humphrey

Und schiebt es jetzt nicht auf die Fernsehverblödung, das hat es nur noch leichter gemacht, uns eine Flucht zu bieten.

 
 

United Lamer Kids

Veröffentlicht September 13, 2009

Es gibt Dinge, die kann man nicht in Worte fassen. Alt werden, zum Beispiel. Da kleben noch so viele Erinnerungen an verbappten Nintendo-Controllern, zwischen vergilbten Schulheften und in Mamas alten Fotoalben: ich wüsste nicht schon nach zwanzig Jahren nicht mehr, wo ich mit meiner Geschichte eigentlich anfangen müsste.

Scheisse, wir waren damals Badass. Wir waren zwar nur kleine Kids, aber wir wussten, wie man in Bäumen rumturnt und aus Pappmaché nutzloses Zeug bastelten. Und jetzt ist das alles vorbei, für ein bisschen Kohle und Sicherheit, die wir nie gebraucht haben. Jetzt bin ich ein Lamer, ein Niemand. Jemand den niemand kennt, jemand, der nichts mehr ansagt. Als Kind war das ganz anders. Als Teenager hatte ich meine Crew. Und als Erwachsene? Da habe ich ein Lamer-Leben.

Will ich schon wieder in der Vergangenheit rumpulen? Will ich schon wieder erwähnen, dass ich die tollen Fußballstars vermisse, und dass ich will, dass meine Mama nachts in mein Zimmer kommt, um mir nochmal einen Kuss auf die Stirn zu geben? Will ich schon wieder Dinge aufzählen, die mich in eine andere Zeit katapultieren? Näh, echt nicht. Das werden wir noch in unzähligen anderen Postings abhandeln. Ich liege morgens um vier im Bett – seit drei Stunden – weil ich es auf eine der angesagtesten Partys in Berlin nicht länger als fünfundvierzig Minuten ausgehalten habe, und lese mir Nachrichten durch und schaue mir jahrzehnte alte Musikvideos an. Man, ich habe als Teenager so ziemlich jede Phase der Rebellion durchlebt. Ich finde, bis zur nächsten Midlife Crisis habe ich mir eine Pause verdient.

Die Hipster gehen tanzen, und ich chill zu Hause, mit meinem Kopf, einem Zettel und einem Bleistift, und hier bastel ich mir meine eigene Party zusammen. Ich chill hier, weil ich als Säugling fett war und ausgesehen habe wie Wolfgang Petry. Das hat mir beigebracht, einfach die besten Partys zu feiern ((Kausalitäten werden an dieser Stelle außer Acht gelassen)). Ich schlaf gleich ein, während andere gerade den neuen Trend kreieren, den ich in 3-4 Monaten dann für mich entdecke. Ich habe mir die Fingernägel rot lackiert, weil ich es tatsächlich gut finde, und ich habe mich dazu entschlossen, morgen mal einen Putztag einzuräumen, obwohl ein echt guter Rave stattfindet. Ich habe ausgedient, und das mit Recht.

Ich bin ein Lamer, weil ich als Kind ein Badass war.
badass kids

United Lamer Kids · Kategorien: Uncategorized · 2 Kommentare
 
 
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