Bastard Bali – Kuta Beach

Es regnet auf Bali. Natuerlich regnet es auf Bali, denn nur, weil ich den haertesten Winter aller Zeiten (laut Dauerbericht CNN- ueberhaupt, was soll die Scheisse mit den Medien, da will man schon mal fluechten und ausnahmsweise Mal im auslaendischen TV zappen, doch alles, was man hoert: ‘Chaos, Tod, Flughaefen gesperrt’, der neueste Small Talk auf den schoensten Inseln der Welt? ‘DU KOMMST AUS DEUTSCHLAND? WIRKLICH? DA LIEGT DOCH GERADE VOLL VIEL SCHNEE!’ – ja, du Hirnschmalzlaster, da liegt Schnee, und ja, du Arschkimmenlecker, da ist es kalt, WIE JEDES JAHR. Und Facebookbilder, wirklich? Von Schnee? ICH WEISS WIE SCHNEE AUSSIEHT, ICH WEISS WIE ER SICH ANFUEHLT, JEDER WEISS ES, ALLE WISSEN ES, UND JEDES JAHR TUN SIE WIEDER SO UEBERRASCHT) in Europa gerade ueberspringe, heisst das ja nicht, dass ich jetzt nur noch von Sonnenschein begleitet werde. Nein, nein. Seit drei Monaten schwitze ich entweder in Bussen und Zuegen, oder ich stehe im suedostasiatischen Tropenregen. Ich wette mit jedem, der es mir anbietet, dass meine Haut blasser ist als vorher.

Das einzige bisschen wohlig Sonnenschein und Strandfeeling durfte ich in meiner ersten Woche mitnehmen, ausgerechnet am Strand der menschlichen Muellhalde von Pattaya, wo ich mir Verbrennungen 80. Grades holte und tagelang nur noch ‘two-face’ von meinen Freunden genannt wurde. Sogar die fetten Kinder haben ueber mich gelacht. Ich hasse fette Kinder. Aber noch mehr als fette Kinder hasse ich das Arschlochkind aus Pai. Ich hasse es so sehr. Es ist mein Erzfeind. Mein Nemesis. Jeden Tag lief ich an seiner Veranda vorbei, und dieses kleine, blonde, schlacksige Arschlochkind aus Oberbayern (Vermutung, alle Kinder aus Oberbayern sind Arschlochkindern) wuerde auf seinem TRAMPOLIN (!!) springen und mich beim Vorbeigehen beobachten. Zeitlupe. Ein Sprung, das blonde Haar weht im Wind, sein Blick auf mich gerichtet. Als wuerde es sagen wollen ‘ich habe ein Trampolin. Und was willst du jetzt machen, hm?’. Sprung. Sein Nacken dreht sich in meine Richtung, doch ich lasse den Kontakt nicht abbrechen. Dann passiert das unglaubliche, jeden Tag. Er wuerde vom Trampolin gehen, sein iPad (!!) holen, und wieder auf’s Trampolin gehen. Sprung. Eine Trampolin-App. Sprung. Blickkontakt.

Ich habe mir geschworen, im Fall eines Wiedersehens, werde ich ihn seinen Eltern fuer viel Geld abkaufen und nach Minsk schmuggeln, wo er dann hoffentlich in einem Paedo-Snuff Film endet. Ich hasse dieses Arschlochkind.

Jedenfalls werde ich die naechsten verregneten Tropentage damit verbringen, noch mal billig zu shoppen und den Kuta Beach mit einem halbvermoderten Surfbrett unsicher zu machen. Ich weiss noch nicht genau, ob ich auch tatsaechlich surfen werde, ich finde ja, dass ich zu cool dafuer bin. Hipster surfen nicht, man. Aber hier sind so viele dumm-durchtrainierte Australier die bereit dafuer sind, GV mit mir zu praktizieren, wenn ich mir ein Wet Shirt anziehe und mein Brett wachse, diese unwirkliche Verfuehrungsmoeglichkeit moechte ich doch ausnutzen duerfen. Ich werde einen dieser gutgebauten, braungebrannten fuer-immer-Hedonisten besteigen, mein Wet-Shirt von der Brust reissen und schreien ‘WANN IST EIN MANN EIN MANN’ und die einzige Antwort darauf ist, ‘oh Gott, ich habe so viel Angst vor dir’. Sexfantasien, meine lieben Freunde, aendern sich, wenn man in ein gewisses Alter kommt.

Ich weiss, ich weiss, das wollt ihr alles nicht hoeren; ihr wollt auch nicht hoeren, dass ich meinem Hawak-Outfit fuer den vier Stunden Flug von Bangkok nach Bali in die Business-Class upgegraded wurde, obwohl ich nicht mal danach gefragt habe. Ihr wollt auch nicht hoeren, dass es hier regnet, weil ihr gerade unter dicken Schichten von Schnee steckt und mit euren haesslichen Familien Weihnachten feiern muesst waehrend ich mir gerade den Busen von flinken indonesischen Haenden mit Mousse au Chocolat durchkneten lasse. Ja, und es quaelt euch zu wissen, dass Mushroom Shakes und Joints rumgehen als waeren es die ausgeleierten Vaginas eurer lokal bekannten Dorfmatratze, und dass ich gerade fuer wenig Geld viel einkaufen kann und euch nichts davon abgeben werde und in einem Hotelzimmer wohne und nichts putzen oder aufraeumen muss. Ausserdem sind es trotz Regen 26 Grad und es gibt jeden Abend ein Feuerwerk, welches wohl so viel sagen soll wie ‘haha, fickt euch, ich bin hier, und ihr nicht‘. Ich weiss das, und es tut mir Leid, dass ich es euch unter die Nase reiben muss, aber ich erwaehne es nur fuer euer eigenes Wohl, denn letztes Jahr ging es mir genau so.

Letztes Jahr, genau an diesem Tag, war ich hochgradig depressiv und gestoert. Ich bin immer noch hochgradig depressiv und gestoert, aber wenigstens sitze ich nicht im Schnee vergraben und friere mir meinen Muschistaender ab, also da, bitte. Naechsten Winter moechte ich euch alle nicht in Deutschland, oder ach, Europa haben (nicht mal auf Spanien ist mehr Verlass, Puta!), sondern irgendwo, wo es viel waermer ist, dann koennt ihr naemlich ueber mich lachen (oder mit mir lachen, je nachdem, wo ich mich befinden sollte) und wir koennen uns alle an den Haenden fassen und im Kreis drehen und dabei wie in einem Winter-Exorzismus ‘Trallala, Trallala’ im saechsischen Akzent singen, einfach nur so, weil wir koennen, und weil alle anderen, inklusive Europa, im Winter einfach schwarzen Schwanz in der Hoelle lutschen. Ja, auch deine Mama.

Im Endeffekt werde ich also doch (noch) nicht mit Schildkroeten im Gepaeck auf Delfinen gen Horizont reiten oder tatsaechlich braun werden, bevor ich nach Australien weiterfliege (um dort Silvester zu verbringen, bei meinem Glueck explodiert die staatliche Feuerwerkfabrik schon einen Tag vorher), und braun werde ich auch nicht mehr, aber wenigstens habe ich sechzig Kanaele und wunderbares Essen und billiges Vergnuegen. Ich habe mich abgefunden. Ich will der schlechteste Tourist der Welt sein. Gebt mir ein Ed Hardy Shirt mit Strass Steinen, Jungs. Es ist so weit.

December 21st, 2010 Posted in Urlaub | Comments Off

Chiang Mai Province – Waspy

Das mit dem Trekken durch den Dschungel war mir ja bereits vor der Reise sehr suspekt. Möchten sich Menschen wirklich in ihrem Urlaub aktiv, gar sportlich betätigen? Ich gebe mir hier redlich Mühe, sogar vom Reis noch Fett zu werden. Dazu kommt mein derzeitiger Anblick: behaart von Kopf bis Fuß inklusive Medusahaaren, zerstochen und zugeschwollen von wütenden Mücken, halb verbrannte, sich abpellende Schlangenhaut in chamäleonartig sich ändernden Farbtönen, Bangkokschmockpickel im Gesicht, ständig sonnenbedingt schielende Augen, ein kauerndes Humpeln vom tonnenschweren Rucksack und der ewige Gestank, der sich nicht mehr abwaschen lässt. Zu groß also die Gefahr, im Urwald für einen selten hässlichen Big Foot gehalten zu werden. Scheisse, sogar die Ameisen machen mittlerweile einen Umweg, wenn sie mich rollen hören.

Anyway. Trekking. Wenn man denn schon mal in der Nähe von Käfern, Spinnen, Moskitos und anderen wilden Viechern ist und sich noch nicht verausgabt genug fühlt, dann ist es ja nur selbstverständlich, dass man das bequeme Hotel für eine Holzpritsche und akuter Verstopfung aufgibt. Zumindest ist das der allgemeingültige Konsens wenn man Backpacker vom Fach fragt. Das sind übrigens die gleichen Typen, die auch damals in der Schule gefragt haben, ob man denn jetzt endlich die Hausaufgaben abgeben könne, und damit alle anderen in die Scheisse ritten, die sie nicht gemacht hatten. Scheiss CDU-Wähler sind das, elendige.

Zudem kommt, dass “Trekking”, der Begriff selbst, in Thailand verschiedenen Interpretationen geläufig ist. Es kann bedeuten, dass man im Dschungel mit dem Auto durchgekarrt wird, zwischendrin anhält, um einen besonders langweiligen Baum zu betrachten um dann ins hässliche Hotel verfrachtet zu werden oder die strunzdumme Bootsfahrt zu machen. Trekking kann bedeuten, dass man zwanzig Minuten von A nach B läuft um dort seltene Tiere zu sehen, Tiger oder Affen oder Spiderschwein, also irgendwie eine Art Safari in anstrengend. In unserem (gebuchten) Fall hieß Trekking tatsächlich Wandern und wir sahen uns plötzlich mit Schlamm, Bergen und gefühlten zweihundert Kilo auf dem Rücken konfrontiert.

Kurze Story: Hoch und runter, durch Matsch, durch Lehm, wir sind ausgerutscht und haben uns gegenseitig angefaucht und das Wasser in unsere Rachen gekippt, darauf wartend, dass sich diese Qual lohnen würde. Leider blieb der ersehnte Moment aus. Bei so einer verdammten Anstrengung bleibt nicht viel Zeit, sich der Natur zu erfreuen, und wenn man nicht gerade in der Vogel- oder Gekrabbelkunde bewandt ist, kann man mit der Flora und Fauna auch nicht viel anfangen. Die Szenerie wiederholt sich nach wenigen Stunden bereits. Die Wasserfälle sind zwar schön und angenehm kühl, wenn einem die Brühe gerade den Arsch langläuft, aber in diesem speziellen Fall hätte ich mich auch in Elefantenpisse gewälzt und es wäre gut gewesen.

Weiter im Trekkfieber erwartet einen im Dorf auf dem höchsten Berg, den sich die bekloppten Nomaden je aussuchen konnten, das völlig ausgeleierte und bereits zerfressene Moskitonetz über der Knastpritsche, Streunerhunde mit Krätze und lauwarmes Bier. Und dann betankt man sich mit dem Dorfobersten, weil es nichts anderes zu tun gibt, wenn es um 6 Uhr stockeduster wird und man wirklich keine einzige andere Quelle der Unterhaltung findet. Der Dorfoberste ist ein alter Mann in kulturell relevantem Gewand und einer Pfeife im Maul. Ich bin mir nicht sicher, ob die wirklich so rumlaufen (immerhin fahren die auch Roller), oder ob das nur für uns so aufgemacht wurde. Und da fängt für mich die ganze Problematik auch schon an. Man soll die Ureinwohner kennen lernen und verstehen, man kriegt viele Geschichten erzählt, wieso und weshalb und am Ende darf man sogar (!) dem ehrenwerten Herren eloquente Fragen stellen, wie etwa “wieso wohnen Sie eigentlich auf dem Dorf am Sack von Herkules und nicht in der Stadt”? Dabei fällt mir leider bisher immer noch keine gute Begründung dafür ein. ER geht ja auch nicht runter in die Stadt und begafft den modernen Homo Behindertus bei seinem täglichen Kampf gegen das Leben selbst. Der Tourismus spült nötiges Geld ins Dorf, aber ich frage mich, welche Lehre ich für mein persönliches Seelenheil daraus ziehen soll. Mein Gott, ich frage ja auch nicht Frau Hildebrandt aus Villingen-Schwennigen, wieso sie lieber mit Neandertalern zusammenlebt als mit den feschen Leuten aus der Metropole. Ich wander auch nicht durch den Schwarzwald und sammel auf dem Weg interessante Steine. Nennt mich einen Kulturbanause; aber wieso ich das alles jetzt auf einmal in Thailand machen muss, das kommt mir nicht in den Schädel. Ungeachtet dessen war es natürlich eine interessante Erfahrung. Und immerhin weiß ich jetzt, dass ich nicht im Dschungel leben werde. Wenn ich da mal nichts über mich selbst gelernt habe, dann weiß ich auch nicht.

Erwähnenswert ist auch der Ritt auf Elefanten, den wir dank falscher Buchung nun schon zum zweiten Mal machen durften. Lasst euch eines gesagt sein: Elefanten sind keine Gazellen, und bequem sind sie auch nicht, und wenn man auf einem Elefant schon mal geritten ist, hat man alle Elefanten schon mal geritten. Und Kamele, und andere Packtiere. Zumal die Tour nicht gemacht wurde, um als Teil des Trekks von A nach B zu kommen, sondern um halt mal auf Elefanten im Kreis zu reiten. Wie authentisch. Instant-Eingeborene, ein voyeuristischer Einblick in ein Leben, das es nicht gibt, das nur angelehnt an die Vergangenheit konstruiert wurde, um als Abenteuer auf meiner Lebens-To-Do-Liste abgehakt werden zu können. Nicht traurig… aber irgendwie eine sehr nüchterne Erkenntnis.

Um dem ganzen doch noch etwas Positives abzugewinnen (ich habe mich übrigens entschieden, diese Reise durchweg negativ darzustellen, damit ihr nicht so neidisch werdet): zwei Nächte in absoluter Hilflosigkeit zu verbringen schweisst sogar die fremdesten und verfeindetsten Menschen, wie etwa Deutsche und Engländer, zusammen. Und so wundert man gemeinsam bei Trunk und Tabak, wieso man sich freiwillig durch die Pampa führen lässt (und sogar dafür bezahlt). Man schmiedet gemeinsame Reisepläne, bewundert sich gegenseitig für die Ekelresistenz und hat am Ende der Nacht, wenn auch die letzte Dose ausgetrunken wurde, sogar Blutsbrüderschaft geschworen. Best Friends Forever. Das Leben ist schön.

If real life hit her she wouldn’t know what it was…

October 16th, 2010 Posted in Urlaub | 11 Comments »