"Girl gone wide."


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Ich weiß, ihr alle hättet gerne zorningen, düster brodelnden, anonymen Sex in einem Hotelzimmer mit Film Noir Ästhetik. Ich weiß aber auch, dass ihr alle verpickelte Teenager seid, die nicht wissen, dass die Realität ganz und gar nicht so schweigsam, intensiv und heroinbespritzt ist. Ihr kriegt ausschließlich neonfarbige Bettwäsche mit Mickey Mouse Muster und habt Bordüren die zum Terrakotta-Anstrich in Schwammtechnik passen. Das ist ein hartes Schicksal für all die blühenden Hormone, das verstehe ich. Und deshalb soll wenigstens eurem Gehörgang ein bisschen geschmackvolle Zärtlichkeit gebühren.

Das neue Album “Held” von Holy Other – die mit “Touch” ja bereits einen auditiven Softporno erschaffen haben, der einem lange nicht mehr in Ruhe lässt – liefert auf jeden Fall die passende Stimmung für a) jede Beerdigung oder b) jedem Beischlaf, der in einsamen Tränen endet. Wie sehr die Leidenschaft der Geschlechter an Schmerz und düstere Abgründe grenzt, das muss jeder individuell herausfinden. Aber keine Frage: diese Musik ist tragisch in ihrer Ehrlichkeit. Weiche Synths und wortlose Harmonien umschlingen sich in schwarz-weiß, ergeben sich den Sollbruchstellen der Bassline und kreieren ein Nahtoderlebnis, das auf dem Höhepunkt nur noch mit einem Orgasmus verglichen werden kann: flüchtig und doch zeitlos, geheim und doch für jedermann zu sehen und zu empfinden.

Die entstellen Vocals und die Mollakkorde machen einen von Zigarettenrauch erfüllten Raum der Klänge. Held, ich kann es gar nicht anders sagen und verzichte auch nicht auf das offensichtliche Wortspiel, ist mein persönlicher Held und hat mich an verletzlichen Stellen berührt – so, wie es bisher nur Burial konnte (und dieser Vergleich mag zwar nicht abwegig sein, bringt es dennoch nicht auf den Punkt). Extase und Freudenrausche benebeln die Sinne in Form von Musik. Was soll ich noch sagen, außer, dass es für so etwas kein Genre gibt, kein Raster, in dass es sich einfügen kann? Es ist eine formvollendete Ausführung des Zeitgeistes, minimalistisch, düster, aber aussagekräftig und zwischen Hoffnung und dem definitiven Ende gefangen.

Die LP ist auf TriAngle erschienen, dem britischen Label, das auch How To Dress Well und Clams Casino vertritt. High Quality Supershit. Zu kaufen gibt es Held auf Amazon.

by yeahs in Musik

Als ich klein war, wollte ich viele Dinge werden, deshalb bringt es jetzt nichts in nostalgische Wege zu verfallen. Hervorheben kann man aber den intensiven Wunsch, eines Tages eine unglaublich intelligente (und verdammt gutaussehende) Diebin oder mindestens Spionin zu werden, zwei Berufe, die sich lediglich in ihrer Moral unterscheiden.

Nicht Geldgier oder Armut haben mich zu solchen verwerflichen Träumen animiert, lediglich die Herausforderung eines Jobs, der viel Smartheit verlangt und ein hohes Risiko bedarf. Ja, das sind die Dinge, die mich am Leben halten, so tragisch es auch klingen mag. Ich hatte mir das Training in einem rumänischen Zigeunerlager so vorgestellt wie die Schulung eines Ninjas: unfassbar schwierig, harte Aufnahmeprüfung, und so weiter, und so fort. Eine romantische Vorstellung, die aber scheinbar nicht nur meine ist, wie ich heute in diesem (traurigen) Artikel von Slate feststellen konnte.

But even if Fagins abounded in the United States, it’s unclear whether today’s shrinking pool of criminally minded American kids would be willing to put in the time to properly develop the skill. “Pickpocketing is a subtle theft,” says Jay Albenese, a criminologist at Virginia Commonwealth University. “It requires a certain amount of skill, finesse, cleverness, and planning, and the patience to do all that isn’t there” among American young people. This is “a reflection of what’s going on in the wider culture,” Albenese says. If you’re not averse to confrontation, it’s much easier to get a gun in the United States than it is in Europe (though the penalties for armed robbery are stiffer). Those who have no stomach for violence can eke out a living snatching cell phones on the subway, which are much easier to convert to cash than stolen credit cards, or get into the more lucrative fields of credit card fraud or identity theft, which require highly refined skills that people find neither charming nor admirable in the least. Being outwitted mano a mano by a pickpocket in a crowded subway car is one thing; being relieved of your savings by an anonymous hacker is quite another.

Meine eigene Motivation, diesen unglaublichen Beruf am Leben zu erhalten, beschränkt sich auf eine leicht kleptomantische Ader im zarten Alter von zehn Jahren. Ich habe damals herausgefunden dass die meisten Kindermagazine und -comics zu schlecht für mein Charles Dickens gewöhntes Niveau waren, und professionalisierte mich darin, lediglich die Überraschungen aus den Heften zu klauen. Jede Micky Maus Ausgabe in meinem Dorf musste regelmäßig dran glauben. Später brach diese kriminelle Ader wieder aus, wenn die Schlangen bei H&M zu lang waren, um eine halbe Stunde für Ohrringe zu verschwenden, aber ach, was soll ich sagen. Aus mir ist nichts geworden, und mein Talent beschränkte sich auf wertlosen Ramsch. Weshalb ich aufhörte.

Auch wenn ich diejenige sein werde, die abgezockt wird: ich bin froh, dass es die talentierten Pickpockets wenigstens in Europa noch gibt. Wir sollten manche Traditionen, so negativ sie sich auf das Individuum auch auswirken, einfach am Leben erhalten – für die Romantik.

by yeahs in Gangster


Ein Weinfest in der Heimat: es wird getrunken, es wird getanzt, es wird geflirtet und alle halten sich – auf eine ganz familiäre Art und Weise – für das Coolste, was es gibt. Es ist Fashion Week ohne die Anonymität (und mit einer schlechten Tanzkapelle, die mir die Ohren bluten lässt).

Alte Freunde, bekannte Gesichter, falsches und echtes Lachen, kleine Dramen, viel beschämtes Weggucken, weil man sich dann doch nicht gut genug kennt, und zwei Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit… kleine Konversationen werden angeknuspert, und plötzlich ist da auch so eine kleine Erkenntnis, dass die Menschen hier gar nicht so anders sind als die in der Großstadt. Nur das mit den Träumen ist so gegenwärtig.

Alle haben so viele Träume. Sie reden von Existenzgründungen, von Selbstständigkeit; von Reisen und von Ausbrüchen und von der trägen Berechenbarkeit ihrer Leben. Sie treffen sich jährlich am Weinfest und haben ihren Spaß, ja, aber mit Wehmut in der Stimme. Ich bin wie ein Tampon, der diese Träume aufsaugt und verwirklicht, und sie werden es nicht Leid, mir das zu erzählen: du bist nach Berlin gezogen, du hast etwas anderes gemacht, du hast Geld verdient, du machst so eine Reise. Es erklingt kein Unglück, das nicht. Sie sind zufrieden und glücklich. Aber da ist so eine Sehnsucht, wie Träumer sie verpacken. Diese Konnotation des Unwirklichen, Unschaffbaren, Unrealistischen. Das ist ein Traum. Es wäre schön, aber es ist nicht. Schön ist, was wir hier haben. Damit muss man halt leben.

Ich finde nicht, dass das die schlechtere Variante ist zu leben. Überhaupt nicht: Gelegenheiten kommen und gehen im Leben, manche Menschen haben mehr Glück, es gibt keine Gerechtigkeit und mal sehen, wie zufrieden oder unzufrieden ich in fünfzehn Jahren bin. Aber darum geht es gar nicht. Es geht um die angeblichen Träume, denen man für ein glückliches Leben folgt. Ich bin glücklich. Ich bin jung, ja, da ist noch sehr viel Zeit für Unglück. Aber: Ich bin meinen Träumen nicht gefolgt. Weil es keinen konkreten Traum gab. Nur Hunger. Und Angst, sehr viel Angst, aber auch Entschlossenheit. Ich wollte machen, ich war ungeduldig, unzufrieden, und ich hatte Angst und ich habe immer noch Angst und ich werde wohl mein Leben lang Angst haben. Es ist so eine einfache und genauso berechenbare Formel gewesen wie das Einmaleins-Leben auf dem Land; es ist keine Pionierarbeit und es ist keine besondere Charakterstärke. Es ist nichts besonderes, aber im Kontrast wirkt es so.

In Berlin vergisst man das oft, weil so viele Menschen hergekommen sind, um Dinge umzusetzen. Ich sehe keine Träume in Berlin; maximal, wenn mir jemand Einsicht in seine Gedankenwelt gibt. Ich sehe nur Ergebnisse, ich sehe viel Kunst hier, ich sehe kreative Köpfe mit aufsteigendem Rauch aus den Ohrenkaminen, weil so viel gearbeitet wird. Eine unglaubliche Motivationsenergie, dieses kollektive “Schaffen”, nicht, weil man seine Aufgabe im Wirtschaftsrad unserer Gesellschaft erfüllt; vor allem wegen dem Hunger, den instinktiven Drang, diesen Hunger aber auch zu stillen und nicht nur auszuhalten.

Ja, es ist ein starker Kontrast. Nicht, weil hier Träume in Erfüllung gehen. Ich weiß nicht, was meine Träume sind. Ich weiß nicht, wie ich in 20 Jahren am zufriedensten bin – ich weiß nicht, was ich mal machen will, wenn ich groß bin. Ich mache einfach jetzt. Ich mache den ganzen Tag. Ich bin zukunftslos. Ich bin das schlechteste Vorbild, das man sich für ein Kind vorstellen möchte; aber in meiner Stimme erklingt keine Wehmut, zumindest noch nicht. Und ich gehe das Risiko ein, weil es keine Träume gibt, die ich mir verbauen könnte.

Vielleicht ja auch “Traum”, ein anderes Wort für Unzufriedenheit. Vielleicht sind Träume etwas für Unfallopfer, die keine Beine mehr haben und gerne wieder laufen möchten. Vielleicht sind Träume nur das, was wir in unserem Schlaf erleben. Vielleicht liege ich völlig falsch: vielleicht bin ich ein Loser der Träume, vielleicht nicht romantisch genug, vielleicht ist das aber auch nur eine Frage der korrekten Definition.

Vielleicht ist wirklich nur der Weg das Ziel, und alles andere völlig nebensächlich.

by yeahs in Berlin Gangster


Wer hätte es gedacht – der Frühling wurde vom Winter einfach plattgewälzt und ich hab mir vom Zittern einen halben Zahn abgeschlagen. Nun ist der Sommer aber eingekracht. Von null auf fünfundzwanzig Grad in zwei Tagen. Wie gut, dass mir das nächstes Jahr erspart bleibt, wenn alle wieder frierend warten. Ich lache dann ein bisschen hämisch, während ich in Australien meinen Hautkrebs nähre. Ihr werdet mich hören.

Es war eine bittersüße Freude, den unfassbar kalten März mit Mayer Hawthorne in den Ohrstöpseln zu verbringen; erwärmt wurde leider lediglich das naive Gehirn und das strunzdumme Herz, umso weniger dafür die Zehen, der Speckmantel um die Hüfte und die Nasenspitze, die dafür nach dem ersten leichten Sonnenbrand im Juni gut kross durchgebraten daherkommt. Scheiss drauf: hurra, der Sommer ist da, und mit ihm kommen auch wieder die Beats, die Muse, der Rhythmus und die Fußballweltmeisterschaft. Normal, dass ich da etwas für euch vorbereite. Alles sehr, sehr mellow, so wie dieser Sommer hoffentlich wird. Ein Sommer mit Höhenflügen, hoffe ich. Unspektakulär und klein glitzernd zwischen frischen grünen Grashalmen durch lunsen wir dann bei diesen Sounds heraus; kriechen über taufeuchten Böden, lassen unsere Rücken und Hände warm werden und spüren das Kitzeln der Ameisen an unseren Füßen. Wir sammeln dann das minimale Lachen, das die Sonne uns beschert, in unseren Herzen, wo es dann bis in den nächsten Winter hoffentlich noch hineinstrahlt.

Macht die Augen zu, lasst euch bestrahlen, freut euch, dass die Winterdepression vorbei ist.. und feiert jeden Tag, an dem es nicht kalt ist. Wenn uns der letzte Winter eines beigebracht hat, dann wohl das unsere Natur nicht nach Uhrwerk funktioniert und nicht selbstverständlich ist. Geht im Meer baden, so lange wir es noch nicht eigenhändig zerstört haben. Geht auf Festivals, so lange wir noch in unserer freien Landluft atmen können. Feiert den Tag, wer weiß, wie lange es ihn noch gibt…

Hash: #mt09laidbacksummer
Tracklist, diesmal in audiovisuellem Format:

Mac Miller – Nikes On My Feet

Der erste Track, der mir von Mac Miller in die Ohren kam, war Snap Back. Oh, war das Sample übel. Furchtbar. Aber der Flow stimmt. Es ist ein bisschen so, als hätte er in seinem Leben ausschließlich im Sommer gechillt, an dicken Dübeln gezogen und ohne jegliche Hektik oder Aggression Wörter zu Reimen umgestaltet. Es hört sich auch wirklich wie typisch Kiffer an: die Wörter fallen regelrecht aus seinem Mund, als ob sein Kiefer zu entspannt wäre, richtige Konsonanten zu formen; man hat das Gefühl, er sammelt den Speichel irgendwo und er müsste gleich spucken, und was er spuckt, ist absolut fantastisch. Nikes on My Feet ist für mich der absolute Killersong für diesen Sommer mit einem bombastischen, schrägen IDM-Beat der an Flying Lotus oder Nosaj Thing erinnert (die ja sehr stark an Hip Hop orientierten Beats angelehnt arbeiten). Zwar nicht auf A Laid Back Summer, aber auch unfassbar sommerlich, ist sein Track “The Finer Things” aus dem Mac Miller “The High Life” Mixtape, was ich euch nur ans Herz legen kann – genauso wie sein anderer Phat-Track Live Free. Wenn das nicht ein einziger Sommer ist, dann weiß ich auch nicht ((und da wir das Thema Weiße Rapper erst letztens hatten: ich sehe schon eine MGK/MM Kollabo voraus. Wait for it!))

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by yeahs in Musik


Es gibt selten Projekte die ich so sehr unterstütze wie Sonic Iceland: es hat Island, es hat gute Musik, es hat den seltsamen Typen aus Köln der so fantastische Fotos macht und es hat so viel Potenzial, da würde ich am liebsten meine eigene Kohle reinstecken!

… wenn da nicht das kleine Problem wäre, dass ich selber etwas plane, und daher leider selber nicht so flüssig bin. Aber dafür gibt es ja bekanntlicherweise besser betuchte Sponsoren, die so direkt positiv in den Gedanken ihrer Zielgruppe verbleiben und einen wirtschaftlichen Profit aus der ganzen Sache ziehen. Ist jedenfalls besser als Links kaufen oder Blogkommentare zuspammen, glaubt mir.

photo by Kai Müller

Was ist Sonic Iceland?

Kai Mueller, blogger and photographer from Cologne and Marcel Krueger, German expat living in Dublin, are travelling to Iceland. Our aim is to create a portrait of Iceland and its music – and this not as the stereotype music journalists visiting Reykjavik for a long weekend. We are enthusiastic about music, and especially about the diversity of the Icelandic music.

We are going to meet the Icelandic people to see how they live, work, play and of course how they create their music – and how the country, its current situation and the incredible landscape is connected to all of this.

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by yeahs in (Pop)Kultur