Die Foals haben mir eine emotionale Achterbahnfahrt beschert, damals, im Jahre 2010, bevor alles irgendwie total chaotisch war. Bei Spanish Sahara haben wir – glaube ich – in den virtuellen Sternenhimmel geguckt, gelacht und gedacht “mensch, das fühlt sich aber komisch an”. Und jetzt fühlt sich das unendlich lange her an. Und ganz andere Sachen sind komisch.
Ich kann mich nicht daran erinnern, je Lecs Luther erwähnt zu haben. Der irische Rapper hat sich stark an den Odd Future / Tyler, The Creator Schwag in ihrer Primetime angelehnt, allerdings nicht vergeblich: der Stil steht ihm. Obwohl ich anfangs skeptisch war – so viel geklaute Innovation kann ich nicht feiern – bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher, ob die Beurteilung fair war. Sein neuer Track “Lost in Empathy” – der Künstler heißt übrigens mittlerweile Rejjie Snow – fährt weiterhin eine konsequente Linie, die nicht zwingend abkopiert sondern schön umgesetzt wirkt.
Ich bin genervt von Travis Porter. Ihre Stimmen und Sounds sind Kopien von Kopien. Keiner braucht Travis Porter. Aber das ist so wie mit jedem Dieter Bohlen Song: irgendwann hat er sich. Und dann brüllt man mit den anderen an Karneval plötzlich aus ganzer Seele YOU’RE MY HEAAAART, YOU’RE MY SOOUUUL und glaubt mit Überzeugung, dieser Titel sei die größte musikalische Errungenschaft der deutschen Musikgeschichte.
Am 1.2.2013 ist Kendrick Lamar live on Tour in Berlin – und zwar im Huxley’s. Das ist ein bisschen so, als würden sich 1000 Leute dem blechernden, kaputten Reisefön meiner Mitbewohnerin ans Ohr halten – für zwei volle Stunden. Irgendwo im Hintergrund brüllt das an Tourette erkrankte Nachbarskind mit türkischen Schimpfwörtern gegen Erwachsene auf der Straße an und zwischendurch hört man noch durch die rauschenden Frequenzen eines kaputten Duschradios den Beat, für den man knapp 30 Euro bezahlt hat. So ungefähr ist es, wenn man sich “Musik” im Huxleys anhören möchte.
Anscheinend weiß immer noch keiner, wer Captain Murphy ist, aber ich schiebe es Tyler, The Creator in die Schuhe. In jedem Fall aber ist es die Odd Future Gang, niemandem sonst traue ich so viel Schabernack in einer gesunden Mischung mit Talent zu. Ich kann mir nicht vorstellen dass Earl Sweatshirt sein erstes Release nach dem Exil zu einer hypnotischen Psycho-LSD-Anleitung für Sektengründer macht. Im Übrigen meine ich den Flow identifizieren zu können, aber da lag ich schön öfter falsch, also verwettet nicht eure Organe bei einem dubiosen russischen Kartenspiel drauf.
Ich bin derzeit auf der wütenden Suche nach neuer Musik. Nicht nur, weil mein unersättliches Wesen immer das erste mit dem neuesten heißen Scheiss sein möchte – die Hipsterjahre sind vorbei – sondern weil ich ja bald, ahem, auflegen werde (“auflegen” und “wegziehen” sind die einzigen zwei Optionen, die nach vier Jahren Berlin noch zur Verfügung stehen). Und deshalb begegne ich gerade vielen verschiedenen Genres und Klängen. Ich werde sie allesamt ignorieren. Vor Publikum zu spielen bedeutet für mich, Mariah Carey und *NSync auf Repeat zu bringen. Ihr wisst, dass ich das tun werde. Es funktioniert immer.
Um euch auf diesen kollateralen Zusammenbruch der Coolness in Kreuzberg vorzubereiten möchte ich euch wie immer ab und zu meine Fundstücke nicht vorenthalten. Auch nicht die neu-alten, die zwar erst drei Sekunden online sind aber trotzdem schon über alle Blogs gingen. Ich werde sie hier gebührend ehren und ihr müsst es aussitzen. Mehr Informationen darüber, wann und wo ihr mich öffentlich für meine Pop-Party auslachen könnt, werdet ihr niemals erfahren und schon gar nicht jetzt.
Während ihr schon mal eure Schlagringe poliert möchte ich euch allerdings darauf hinweisen, dass Feel My Bicep eine unglaublich schöne Sache mit ihrer 80s Mucke veranstalten. Ich denke an flackernde Kinderzimmerlichter und die Kindergarten-Modenschau 1992, die ich natürlich nicht gewonnen habe. Das ist der Sound meiner pre-pubertären Jugend und ich finde es toll, dass den irgendjemand für mich greifbar aufarbeitet. Damals, das waren noch Zeiten. Da standen mir alle Clubs offen. Der Badminton-Club, der Karate-Club, der Reitclub, und so weiter. Und jetzt hat sich alles geändert. House-Nostalgie ist die beste Nostalgie.
Falls euch mein Enthusiasmus und Recherchedrang nicht genug ist solltet ihr einen Blick auf die einzigen anderen würdigen Premium-Ladies in diesem Internet werfen. Sie lernten einst, dass ich ihre Mutter bin. Um mich stolz zu machen haben sie Fähigkeiten entwickelt die meine schon längst übersteigen. Für afrikanisches Bambule und royally vergoldete Kevlarschutzwesten müsst ihr zum Einzelstück EZP an der Ecke Tabor/Bodega vorbei (bei 500 Facebook Likes hat sie übrigens Nacktbilder versprochen und ich garantiere dass der Anblick sich lohnt). Für ungesund gute Laune und ausschließlich chemischen Zusätzen geht zu Wenke, die eigentlich Shan-deeq heißen und in den Projects für Prügelei sorgen müsste.
Jetzt wo Trap und Hip Hop und die ganze Rap-Revolution und damit auch die SoCa-Beats und UK-Kram und Garage und 2Step und Notting Hill Carnival und all diese interessanten und exotischen Dinge auch im Alltag angekommen sind, müssen wir auch Daggering noch mal zur Sprache bringen. In diesem kleinen Film sieht und hört man alles was essentiell für das Verständnis dieser Tanzrichtung ist.
Ey yo fuck it. Hier gibt es zwei Sachen zu lernen: 1. Daggering ist verdammt verrückt, und das nicht nur für den “Uh, ich komme aus Deutschland und ich bin total bieder was Sexualität in der Öffentlichkeit angeht” Maßstäbe, sondern auch für so ziemlich alle anderen. Daggering, die ABC-Massenvernichtungswaffe unter den jugendlichen Freizeitaktivitäten die gegen die Erziehungsberechtigten gerichtet ist! Da war das Geklimper der Beatles von wegen Freiheit und Drogen nichts dagegen. No copy, alter. Wie viel Willenskraft muss ein friedlicher Mensch besitzen, um bei so viel Trockensex nicht gewalttätig zu werden?
Meine Leidenschaft für Reefer, karibische Beats, Daggering und Diplo waren bisher kein Geheimnis und ich werde mich auch zukünftig nicht davon distanzieren wenn Major Lazer weiterhin solche verräterischen Videos produzieren (siehe Get Free, siehe Express Yourself) und damit eine Horde weißer Jugendlicher auch in Bad Schwalbach dazu bringen sich dem Daggering anzunehmen. Ich hoffe so hart, dass dieser Tanzstil nach Jumpstyle der nächste Trend wird. Akward Junge reibt seinen Schritt an das flachbusige Mädchen mit Sommersprossen während im Hintergrund die Radiowerbung von Obi oder irgendeinem anderen Bauhaus läuft. Jabadaiai Yippie Yippie Yay. Ausnahmezustand auf deutschen Schulhöfen.
Ein ausgewogener wenn auch nicht kritikloser Bericht zum Watch The Throne Konzert und der extremen Reise nach Frankfurt und zurück wird folgen. Doch erstmal lassen wir Yeezy einen seiner besten und fettesten Teile der letzten Monate pumpen. Das Video spricht mich und mein arabisches Erbe hart an. Der Style ist bombastisch. Ich liebe ihn. Ich liebe ihn einfach. Fuck the haters. GOOD MUSIC.
Lady Gaga meets Nicki Minaj? Der Punkt ist, dass Hip Hop ausgebrochen ist. Das ganze Spektrum der menschlichen Gehirnsoße kann nun im Rahmen von Beats und Raps neue Output-Formen finden. Das ist sowohl beängstigend als auch unglaublich erfrischend. Nicht, dass das nicht vor zehn Jahren möglich gewesen wäre. Vielmehr ist jetzt auch eine entsprechende Resonanz da, die das ganze auf einen Mainstream torpedieren könnte. “Hip Hop ist tot” ist auch nur etwas, was ein elitärer Schwanz von sich geben könnte. Scheiss Hipster.