One Night In Bangkok

Obwohl unserer letzter Aufbruch aus Bangkok eher einer Flucht glich, waren wir heute geradezu euphorisch, als der Bus in die Stadt einfuhr. Endlich wieder bekanntes Territorium, besuchtes Land, kein schwarzer Fleck auf der Karte, nix Command & Conquer: einfach eine fantastische, wenn auch ueberwaeltigende Grossstadt, die wieder das Heimweh nach Hundekacke-Berlin einschaltet…

Ueber Kambodscha und Vietnam werde ich bestimmt demnaechst noch mal berichten, oder auch nicht. In jedem Fall bin ich sehr froh, wenn ich nie wieder nach Vietnam muss, und sehr traurig darueber, nicht mehr Zeit im fantastischen Kambodscha verbracht zu haben. Mehr muss man eigentlich auch gar nicht sagen.

Bangkok ist nur ein wichtiger Zwischenstopp fuer uns, um diverse Angelegenheiten in Bezug auf Geld, Visum, Weiterfluege und Busfahrten zu regeln. Am Donnerstag geht es weiter in den Sueden, wo das Wetter zwar ziemlich beschissen ist aber immerhin Tauchschein und Full Moon Party warten (Full Moon Party wird uebrigens so aussehen, dass ich definitiv zu cool dafuer bin und schmollend in der Ecke sitze und alles scheisse finde und ganz besonders die Ibiza House Vocal Musik. Dass die nicht mal NSync spielen koennen!).

November 16th, 2010 Posted in Urlaub | 4 Comments »

Sexy Saigon: Best Friends Forever

Sperre drei Menschen in einen Aufzug mit Spiegeln und du erhälst den chinesischen Akrobatenzirkus aus Europa, der noch nie so etwas Tolles gesehen hat und sich unbedingt wie bekloppt mit allen möglichen Grimassen fotografieren muss. Willkommen im einsamen Behindertenverein, der seine Krankheit jetzt auch in deinem Land ausbreitet!

Wenn man so lange aufeinander hockt, und sein Leben ohne Ausnahmen teilt, dann bleibt einem nicht viel anderes übrig als sich dieser neuen Familie hinzugeben und die Reibereien, die gute Laune und die beschissenen Regentage in Saigon zu genießen. Dann brüllt man sich manchmal von Straßenseite zu Straßenseite irgendwelche Fäkalausdrücke an die Köpfe, springt sich gegenseitig zum Spaß in den Rücken, klaut sich gegenseitig das Essen vom Teller und redet offen und ehrlich über den nicht funktionierenden (oder zu gut funktionierenden) Stuhlgang. Neue Menschen in der Gruppe werden kritisch beäugt und erst nach einer langen Phase (2-4 Städte) evaluiert.

Und es setzt Routine ein: der erste Tag wird mit kulinarischen Genüssen verbracht. Beefsteak zum Beispiel. Am letzten Tag wird gepackt und überlegt, wie es als nächstes weiter geht und wer sich darum kümmert, ein Hotel rauszusuchen. Das endet dann immer in blutigen Schlägereien, dicken Klatschen ans Kinn und Frankfurter Wurst in den Popo. Aber so muss es sein.

Alles in allem sind wir wie Tiere, die sich überhaupt nicht verstehen, aber auch nicht ohne einander können. Wir motzen uns gegenseitig an, weil wir dreilagiges Klopapier vermissen und mal wieder Lust auf Vollkornbrot hätten und uns die Augenbrauen bis in die Stirn wachsen, aber eigentlich ist die Liebe voll in der Luft, man muss nur hinter den Horizont schauen, da, wo sich unsere Herzen in einer Pisslache von Reiseschwierigkeiten spiegeln. Es fehlt nur noch, dass wir uns nachts brutal die Schmockpickel ausdrücken um am nächsten Tag über die Narben unserer Freundschaft zu lachen. Ein herrliches Schauerspiel, verfasst von Sartre, gespielt von drei Amateuren aus dem deutschen Vorstadtdschungel.

Aber es ist voll gut so, und ich erlebe jeden Tag unzählige Momente, an denen ich Schurzen muss vor Lachen und mich kaum noch einkriege, weil das Teamwork ist, diese Hass-Liebe, und ich das so noch nie mit jemandem teilen durfte. Und hoffentlich nie wieder darf. Sexy Saigon gehört der Vergangenheit an, morgen geht es in die Zukunft nach Kambodscha. Wir sind gespannt – vor allem auf die kulinarischen Köstlichkeiten, die uns an Tag 1 erwarten.

November 8th, 2010 Posted in Urlaub | 3 Comments »

Hoi An

Viel zu teuer, alles viel zu teuer hier. Vietnam macht mich arm. Kleiner Trostpreis: nach mehr als einer Woche Regenwetter und quälenden 15-Stunden Busfahrten, bei denen wir die komplette Modern Talking Diskografie erleiden mussten, sind wir endlich am Strand angekommen. Und die Sonne scheint. Es könnte ein guter Tag werden… der letzte Tag im vietnamesischen Outback, und ab übermorgen dann Saigon. Aber hauptsache, wir haben Hoi An erst einmal überlebt..

November 5th, 2010 Posted in Urlaub | Comments Off

Hanoi Hustle

In Hanoi haben wir dann zum ersten Mal seit Langem wieder Deutsche Touristen getroffen. Das sind übrigens die schlimmsten: die arbeiten den Reiseführer regelrecht ab, von Frommers bis Lonely Planet wird nichts unangetastet gelassen. Das sind die, die an völlig nichtigen und uninteressanten Stellen der Stadt stehen bleiben und nachlesen, dass an just diesem Ort mal irgendwas so unwichtiges war, dass selbst die Vietnamesen keinen Bock mehr drauf hatten. Für die ist das kein Urlaub, für die ist das Studium! Und bloß kein Kapitel auslassen! Alles mit Fähnchen und verschiedenen Farben markieren! Wir müssen alles sehen hop hop hop hop hop.

Spaß haben die jedenfalls nicht, zeee Dschermans. Die sind auch definitiv Schuld daran, dass wir immer mit den tempelgeilen Brillenschlangenopfern in einem Zimmer landen, weil die stilvollen Spanier, die easy-going Franzosen und die coolen Schweden nämlich sehr viel Abstand von den überkorrekten, humorlosen und biederen Deutschen nehmen. Deshalb sage ich auch nicht, dass ich aus Deutschland komme. Ich sage immer, ich hätte mein Gedächtnis verloren und suchte jetzt meine Vorfahren (mein südostasiatischer Look spricht eindeutig für diese Ecke der Welt). Im Notfall tu ich so, als käme ich aus der Schweiz. Neutraler geht es nicht mehr.

Aber wenigstens sind die Deutschen harmlos. Sie mögen mich auf die Palme bringen, aber sind im Nervfaktor nicht zu vergleichen mit anderen Nationen. Amerikaner sind zwar seltener in diesen Gefilden anzufinden, aber wenn sie kommen, dann direkt in einem Rudel von sechs bis fünfzehn Mann und Frau die alle laut rumkreischen, “like, uh, like” stottern und eigentlich immer alles falsch machen, was es falsch zu machen gibt. Es ist zwar immer lustig, aber nur, weil man über sie und nicht mit ihnen lacht. Gott, wie naiv diese Kids sind, und in welche Fallen die immer tappen, kein Wunder, dass die den Krieg verloren haben, da musste ja nur ne pralle Vietnamesin drüberrutschen damit die alle mal keinen Bock mehr auf Geballer hatten.

Am penetrantesten dürften dafür die Engländer versus die Australier sein (ich kann mich wirklich nicht entscheiden, wer schlimmer ist, obwohl es auf beiden Seiten bisher auch angenehme Ausnahmen gab). Auf einer einsamen Insel von allen kulturellen Einflüssen abgeschottet aufzuwachsen muss schwierig sein, denn alles, was die machen, ist saufen. Saufen saufen saufen saufen saufen. Saufen saufen. Drölftausend Trinkspiele kann man mit denen spielen, und alle enden damit, dass man nackt ist. Und betrunken. Und überhaupt: ich habe auf dieser Reise mehr Engländer getroffen, als in meinem ganzen Leben zuvor in Europa, inklusive Kurztrip nach jolly britain. Und die zwanzig Australier, die es einst mal im fernen Pazifik gab, haben sich auch in Rotation mit ihren Vorfahren auf dem Restplaneten verteilt. Was wird mich dort eigentlich erwarten, eine Horde deutscher Work&Travel Besucher, alle auf der Suche nach dem letzten Australier? Gibt es überhaupt noch Engländer und Australier in ihren respektiven Ländern? Sind noch welche da geblieben, oder begnügen die sich jetzt alle damit, thailändisches Billigbier zu saufen und Ladyboys abzuschleppen?

Am unentschlossensten bin ich immer noch bei Holländern und Israelis. Holländer sind ganz ganz fantastische Menschen, aber ich spüre immer ein starkes Verlangen, denen in einen Becher zu pinkeln, wenn sie nach Heineken fragen. Noeken in de Koekn. Israelis sind einfach nur schwierig, weil bisher zwar alle nett waren, aber jeder direkt die Politikschiene mit meinem arabischen Hintergrund einfahren wollte, und dann bin ich ja auch noch Deutsche, eigentlich geht es gar nicht schlimmer, und dann reden die den ganzen Tag auch über nichts anderes mehr außer das und wenn man abhauen will verfolgen sie einen. Aber wenigstens sehen sie meistens sehr, sehr gut aus. Auf einer Skala von Eins bis “Er darf ihn auch mal reinhalten” im Durchschnitt auf dem besten Platz.

Also, ich weiß nicht wie eure Weltreise so ist, aber meine schürt die Vorurteile sehr gut. Jeder tolerante Mensch sollte so eine Reise machen, wenn er mal öfter in Schubladen denken möchte! Wenigstens kommen die armen Vietnamesen bei meiner Abrechnung ganz gut weg. Im Prinzip tun die keinem was Böses, aber das Essen, das kann man nicht mehr retten, das ist ein absoluter Horrortrip und ganz weit weg von den kulinarischen Genüssen, die unsere Gaumen aus Thailand gewohnt waren. Überall Schweinefleisch, Schweinefleisch, Schweinefleisch, ODER Rindfleischsuppe, und egal wie gut die sein mag, ich kann es nicht mehr sehen. Gott, dieses Schweinefleisch macht mich fertig.

Im Übrigen merkt man den Vietnamesen an, dass sie Freude am Aufbau haben. Alle arbeiten, aber wirklich alle, ich habe noch nie so ein arbeitswütiges Volk gesehen. Jeder ackert sich Tag und Nacht den Arsch ab. Die einen verdienen ihr Geld vor allem durch mich, weil ich zu blöd bin, die 10.000 Dong von den 100.000 Dong zu unterscheiden, und die anderen verdienen ihr Geld damit, Schweinefleisch zu verkaufen. Und dann gibt’s ja auch noch die Moskitostämme, die ich ganz alleine mit meinem Körper durch den harten Winter gebracht habe, ja, ich alleine bin verantwortlich für eine Horde wilder Moskitobabies…

Alle haben gesagt, wir sollen uns vor dem Verkehr in Acht nehmen. Und zugegeben ist er ein bisschen anstrengender als in anderen Städten, aber wer sein halbes Leben in Damaskus verbracht hat ohne draufzugehen, der hat’s auch in Hanoi nicht schwer. Nur dass es in Damaskus den Durchfall für weniger Geld gibt, verhurter Wechselkurs. Zurück zum Verkehr: es ist wirklich nicht so schlimm, wie alle immer rumheulen. Hier ein Beweisvideo.

Es wurde auch schon öfter angesprochen, dass ich mich hier sehr oft beschwere und damit diese vom Tourismus abhängigen Länder nicht gerade schön darstelle. Aber oh meine Fresse, wer einen ausgeglichenen Reisebericht lesen möchte, der kann ja Donnerstags und Samstags VoxTours einschalten, oder Die Auswanderer, Top-Qualitätsfernsehen, und wem das auch nicht reicht, der kann sich ja das Lonely Planet Forum zu Herzen nehmen, das macht auch ganz ganz viel Spaß, und wenn das immer noch nicht genug ist, dann spart euch die paar Cent selbst zusammen, schießt euren eigenen Fotos und spritzt am Ende schön auf euren wunderbaren Erfahrungen ab. HABT IHR MEINEN BLOG ÜBERHAUPT SCHON MAL GELESEN? WENN ICH MICH HIER NICHT BEKLAGEN KANN, JA WO DENN DANN? LECKT MICH DOCH AN MEINER HAARIGEN VOLUMINÖSEN RECHTEN TITTE IHR GEIER.

October 31st, 2010 Posted in Urlaub | 14 Comments »

Halong Bay – Liar

An einem einsamen Strand nachts unter den Sternen zu liegen hatte auf dem Kitschometer gerade noch gefehlt, aber woanders konnte ich nicht hin; in der Hütte spielten die Engländer und Australier gerade sündenpfuhlige Trinkspiele und zogen sich gegenseitig aus, und um 7 Uhr schlafen gehen war sogar für meine müden Knochen zu heftig. Neben mir lag die Kanadierin. Wir waren schon eine Weile zusammen gereist, ohne viel miteinander zu tun zu haben. Sie erklärte mir, dass das kein schöner Himmel sei. In Kanada könne man zur richtigen Zeit so viel mehr sehen. Ich wusste dasn ich war nur sehr froh, nicht mit den Holzfällerprimaten aus der Hütte zu Ibizamusik saufen zu müssen.

Ich rechnete nicht mit der Flut, die unsere Beine bei Sonnenaufgang bedeckte. Ich rechnete nicht mit dem Engländer, der neben uns lag, mit Sand in seinem Prinz Harry Gesicht und seinem T-Shirt als Kissen zerknittert, ich rechnete nicht damit, dass wir uns je wieder sehen würden. Ich rechnete nicht mit den Muscheln, die sich als Ganzkörperabdruck in mein Fleisch gedrückt hatten, ich rechnete nicht damit, dass es morgens so kalt sein würde. Ich hatte mit nichts von all dem gerechnet, aber alles war eingetreten.

Im Bus legt der Engländer mir die Hand auf die Schulter, und flüstert mir ins Ohr, dass wir definitiv weiterreisen müssten, raus aus Vietnam müssten. Nach London müssten. Bei einem Raststopp lacht die Kanadierin darüber, dass ich es wirklich schön fand auf Halong Bay zu cruisen, sie sagt, in Cayman (wo sie seit mehr als fünf Jahren wohnt) würde ich erst wissen, was ein schöner Strand ist. Aber ich will nicht nach Cayman, und ich will auch nicht nach London.

In Hanoi winkt mir jemand von der anderen Straßenseite heftig entgegen, als wir scharfe Pho Bo Suppe schlürfen und mein Magen gerade rebellieren will. Es ist der New Yorker, den ich vor langer Zeit mal in Frankfurt traf, was für ein Zufall, du hier, ich auch. Ich rechnete nicht mit ihm, und ich rechnete nicht mit dem schönen Abend, den wir im Hustle von Hanoi verbrachten, ich rechnete nicht mit seinem schnellen Scooter, ich rechnete nicht mit seinem Unfall, ich rechnete nicht mit dem Geld, ich rechnete mit gar nichts, und als er mich umarmte und sagte, er hoffe, dass wir uns wieder sehen würden, da wusste ich, dass ich auch nicht nach New York will.

Bevor ich schlafen ging, sortierte ich meine Bilder durch, und ich sah den Berliner aus alten Zeiten, mir zuzwinkern und Grimassen schneiden, aber meine Gefühle waren nicht da, und damit rechnete ich nicht: dass ich eines Tages nicht zurück nach Berlin gehen wollen würde, das überraschte mich, aber es war nur eine von vielen Sachen, und heute fahren wir weiter nach Hue. Der einzige Ort, an dem ich gerade sein möchte.

I know you can feel it too / don’t hide, you’re a liar

October 30th, 2010 Posted in Urlaub | 7 Comments »