Hanoi Hustle

In Hanoi haben wir dann zum ersten Mal seit Langem wieder Deutsche Touristen getroffen. Das sind übrigens die schlimmsten: die arbeiten den Reiseführer regelrecht ab, von Frommers bis Lonely Planet wird nichts unangetastet gelassen. Das sind die, die an völlig nichtigen und uninteressanten Stellen der Stadt stehen bleiben und nachlesen, dass an just diesem Ort mal irgendwas so unwichtiges war, dass selbst die Vietnamesen keinen Bock mehr drauf hatten. Für die ist das kein Urlaub, für die ist das Studium! Und bloß kein Kapitel auslassen! Alles mit Fähnchen und verschiedenen Farben markieren! Wir müssen alles sehen hop hop hop hop hop.

Spaß haben die jedenfalls nicht, zeee Dschermans. Die sind auch definitiv Schuld daran, dass wir immer mit den tempelgeilen Brillenschlangenopfern in einem Zimmer landen, weil die stilvollen Spanier, die easy-going Franzosen und die coolen Schweden nämlich sehr viel Abstand von den überkorrekten, humorlosen und biederen Deutschen nehmen. Deshalb sage ich auch nicht, dass ich aus Deutschland komme. Ich sage immer, ich hätte mein Gedächtnis verloren und suchte jetzt meine Vorfahren (mein südostasiatischer Look spricht eindeutig für diese Ecke der Welt). Im Notfall tu ich so, als käme ich aus der Schweiz. Neutraler geht es nicht mehr.

Aber wenigstens sind die Deutschen harmlos. Sie mögen mich auf die Palme bringen, aber sind im Nervfaktor nicht zu vergleichen mit anderen Nationen. Amerikaner sind zwar seltener in diesen Gefilden anzufinden, aber wenn sie kommen, dann direkt in einem Rudel von sechs bis fünfzehn Mann und Frau die alle laut rumkreischen, “like, uh, like” stottern und eigentlich immer alles falsch machen, was es falsch zu machen gibt. Es ist zwar immer lustig, aber nur, weil man über sie und nicht mit ihnen lacht. Gott, wie naiv diese Kids sind, und in welche Fallen die immer tappen, kein Wunder, dass die den Krieg verloren haben, da musste ja nur ne pralle Vietnamesin drüberrutschen damit die alle mal keinen Bock mehr auf Geballer hatten.

Am penetrantesten dürften dafür die Engländer versus die Australier sein (ich kann mich wirklich nicht entscheiden, wer schlimmer ist, obwohl es auf beiden Seiten bisher auch angenehme Ausnahmen gab). Auf einer einsamen Insel von allen kulturellen Einflüssen abgeschottet aufzuwachsen muss schwierig sein, denn alles, was die machen, ist saufen. Saufen saufen saufen saufen saufen. Saufen saufen. Drölftausend Trinkspiele kann man mit denen spielen, und alle enden damit, dass man nackt ist. Und betrunken. Und überhaupt: ich habe auf dieser Reise mehr Engländer getroffen, als in meinem ganzen Leben zuvor in Europa, inklusive Kurztrip nach jolly britain. Und die zwanzig Australier, die es einst mal im fernen Pazifik gab, haben sich auch in Rotation mit ihren Vorfahren auf dem Restplaneten verteilt. Was wird mich dort eigentlich erwarten, eine Horde deutscher Work&Travel Besucher, alle auf der Suche nach dem letzten Australier? Gibt es überhaupt noch Engländer und Australier in ihren respektiven Ländern? Sind noch welche da geblieben, oder begnügen die sich jetzt alle damit, thailändisches Billigbier zu saufen und Ladyboys abzuschleppen?

Am unentschlossensten bin ich immer noch bei Holländern und Israelis. Holländer sind ganz ganz fantastische Menschen, aber ich spüre immer ein starkes Verlangen, denen in einen Becher zu pinkeln, wenn sie nach Heineken fragen. Noeken in de Koekn. Israelis sind einfach nur schwierig, weil bisher zwar alle nett waren, aber jeder direkt die Politikschiene mit meinem arabischen Hintergrund einfahren wollte, und dann bin ich ja auch noch Deutsche, eigentlich geht es gar nicht schlimmer, und dann reden die den ganzen Tag auch über nichts anderes mehr außer das und wenn man abhauen will verfolgen sie einen. Aber wenigstens sehen sie meistens sehr, sehr gut aus. Auf einer Skala von Eins bis “Er darf ihn auch mal reinhalten” im Durchschnitt auf dem besten Platz.

Also, ich weiß nicht wie eure Weltreise so ist, aber meine schürt die Vorurteile sehr gut. Jeder tolerante Mensch sollte so eine Reise machen, wenn er mal öfter in Schubladen denken möchte! Wenigstens kommen die armen Vietnamesen bei meiner Abrechnung ganz gut weg. Im Prinzip tun die keinem was Böses, aber das Essen, das kann man nicht mehr retten, das ist ein absoluter Horrortrip und ganz weit weg von den kulinarischen Genüssen, die unsere Gaumen aus Thailand gewohnt waren. Überall Schweinefleisch, Schweinefleisch, Schweinefleisch, ODER Rindfleischsuppe, und egal wie gut die sein mag, ich kann es nicht mehr sehen. Gott, dieses Schweinefleisch macht mich fertig.

Im Übrigen merkt man den Vietnamesen an, dass sie Freude am Aufbau haben. Alle arbeiten, aber wirklich alle, ich habe noch nie so ein arbeitswütiges Volk gesehen. Jeder ackert sich Tag und Nacht den Arsch ab. Die einen verdienen ihr Geld vor allem durch mich, weil ich zu blöd bin, die 10.000 Dong von den 100.000 Dong zu unterscheiden, und die anderen verdienen ihr Geld damit, Schweinefleisch zu verkaufen. Und dann gibt’s ja auch noch die Moskitostämme, die ich ganz alleine mit meinem Körper durch den harten Winter gebracht habe, ja, ich alleine bin verantwortlich für eine Horde wilder Moskitobabies…

Alle haben gesagt, wir sollen uns vor dem Verkehr in Acht nehmen. Und zugegeben ist er ein bisschen anstrengender als in anderen Städten, aber wer sein halbes Leben in Damaskus verbracht hat ohne draufzugehen, der hat’s auch in Hanoi nicht schwer. Nur dass es in Damaskus den Durchfall für weniger Geld gibt, verhurter Wechselkurs. Zurück zum Verkehr: es ist wirklich nicht so schlimm, wie alle immer rumheulen. Hier ein Beweisvideo.

Es wurde auch schon öfter angesprochen, dass ich mich hier sehr oft beschwere und damit diese vom Tourismus abhängigen Länder nicht gerade schön darstelle. Aber oh meine Fresse, wer einen ausgeglichenen Reisebericht lesen möchte, der kann ja Donnerstags und Samstags VoxTours einschalten, oder Die Auswanderer, Top-Qualitätsfernsehen, und wem das auch nicht reicht, der kann sich ja das Lonely Planet Forum zu Herzen nehmen, das macht auch ganz ganz viel Spaß, und wenn das immer noch nicht genug ist, dann spart euch die paar Cent selbst zusammen, schießt euren eigenen Fotos und spritzt am Ende schön auf euren wunderbaren Erfahrungen ab. HABT IHR MEINEN BLOG ÜBERHAUPT SCHON MAL GELESEN? WENN ICH MICH HIER NICHT BEKLAGEN KANN, JA WO DENN DANN? LECKT MICH DOCH AN MEINER HAARIGEN VOLUMINÖSEN RECHTEN TITTE IHR GEIER.

October 31st, 2010 Posted in Urlaub | 14 Comments »

Big Pimpin’

Ihr kennt das: man kommt in einen Raum rein und stuft die sich darin befindlichen Menschen direkt ein. Jeder hat dafür seine eigenen Kategorien, aber – wir sind erwachsen, wir dürfen jetzt ehrlich sein und das mit den Märchenwelten ausblenden – eigentlich kommt es nur auf sehr wenige Abstufungen an. Davon ganz unten “Oh Gott gib mir mein Augenlicht zurück”, in der goldenen Mitte “Hmm kann man machen” und natürlich die heiligste aller heiligen und seltenen Kategorien “Muss ich SOFORTwegballern sonst fallen mir die Klöten ab.”

Jetzt werden vor allem viele Gentlemen und -women der älteren Generationen erschrocken und gar empört erwidern, dass ich ja nicht alle Tassen im Schrank hätte und mit meinen Worten wieder nur provozieren möchte, aber, ey, sorry: wenn das nicht jeder so macht, dann lass ich mich direkt einweisen. Wir sind hier in der Gruppentherapie. Ich möchte damit auch gar nicht behaupten, dass man auf diese kategorische Zuweisung unbedingt handelt. Bei manchen Typen kann man das gezielt beobachten, bei Frauen ebenso (auch, wenn das zumeist subtiler ausfällt). Nicht alle reagieren. Aber machen wir uns nichts vor: diese Zuweisungen sind wichtig, damit wir im Leben klar kommen und uns von unseren instinktiven Trieben sagen lassen können, auf welche Pheromone wir anzuspringen haben. Wir tun es doch nur für die Kinder, die nicht aussehen sollen wie Monsterhöllengeburten.

Anyway. Was ich eigentlich sagen wollte: bei Frauen fällt mir diese Kategorisierung erheblich leichter. S macht die Bitches klar, ihr wisst Bescheid. Bei Männern ist das Einstufen immer ein bisschen auch Verzweiflungsakt, weil man plötzlich über Liga und Klassengesellschaft nachdenken muss sobald man einen Mann so gut aussehend findet, dass man sich Ponys und Regenbögen vorstellt. Bei Frauen geht das irgendwie klar, da kann man das, wenn man selber Angehörige dieser wahnsinnigen Zucht ist, einfach objektiver bewerten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei Frauen nur vier bis fünf wichtige Labels gibt, und die werde ich jetzt euch offenbaren. Vorarbeiten nennt man das.

Zuckertörtchen – die Frau, die niemals alt wird. Einfach unglaublich süß, mädchenhaft, versprüht eine Aura die leise BESCHÜTZ MICH schreit. Da denkt man nicht ans Ficken, Jungs. Da denkt man nur an Liebe machen am Sandstrand, und weiße Schimmel reiten, und sowas. Und ganz, ganz doll fest halten. Ladylike im Abendkleid, selbst wenn sie ihre Haare nur wild hochstecken sehen sie aus wie Cinderella. Ein umwerfendes, völlig entwaffnendes Lächeln. Frauen wollen ihre beste Freundin sein. Manchmal verprügel ich sie einfach. Aus Neid. Weil Zuckertörtchen keine Büffelhüften haben wie meine Wenigkeit. Und so niedlich zärtlich aussehen. Und nie Pickel hatten. Ja, man könnte sagen, Zuckertörtchen sind vom Aussterben bedroht und zwar nur Dank mir und den  Schlägerbitches mit Bartwuchs.

Fick-Mich-Gesichter – Fick Mich Gesichter sind die ÜBER Pornohauptdarsteller. Facettenreich, von braun bis blond, von groß bis klein, von Mediterran-Muschi bis Moskau-Madonna. Ausstrahlung ist hier der Schlüssel. Fick-Mich Gesichter haben meistens riesige Augen und tragen ständig Strapse. Man sieht das nicht, okay, man kann das nicht sehen, aber jede andere Frau im Umkreis von 500 km kann es mindestens fühlen, die schwarzen Sex-Strapsen, und schärft schon mal ihre Krallen für den Kampf um ihren Stecher. Penisse merken das auch, ohne irgendeine Emotion ihres Besitzers. Wenn man Zuckertörtchen und Fick-Mich Gesichter übrigens zusammenschmeisst, kriegt man meistens das urtypische Mann-Drama mit, dieses “Oh nein, das hier soll die Mutter meiner Kinder werden, aber ich bin so heiß auf das Fick-Mich-Gesicht aus meiner Firma!” Fick-Mich-Gesichter tragen damit viel Verantwortung und haben wahrscheinlich den größten Applaus verdient, weil sie sich durch alle Altersgruppen ziehen und chamäleonartig umschalten können, wenn es mal seriös gehen soll.

The Girl Next Door – Früher hießen The Girl Next Doors auch “Sporty Spice”, aber an die 90er will sich ja keiner mehr erinnern, und an Mel C, das olle Butterface, schon mal gar nicht. Deshalb hat man Mitte der 2000er diese ganz neue Hybridkategorie eingeführt, irgendwo zwischen Fick-Mich-Gesicht und Zuckertörtchen, sozusagen der unerreichbare Traumwagen der Pseudo-Unkonventionen. The Girl Next Door bekifft sich mit Typen, fickt herum, ohne jemals als Schlampe entlarvt zu werden, hört gute Musik, kennt sich eigentlich sowieso immer und überall aus und säuft andere unter den Tisch ohne danach contenancelos in die Ecke zu kotzen oder wahllos Schwänze zu lutschen. Im Gegeteil- bei sieben Promille lackiert sie sich die Fingernägel noch knallrot, drückt verwirrten Jungs einen dicken Kuss auf die Wange und geht ihren exzentrischen Hobbies (Busfahren, beispielsweise, wegen der Atmosphäre und so weiter) nach. Sie trägt Festivalbändchen und Hippiekleidchen oder Jogginghosen und Super-Sneaker. Sie ist hübsch, wird aber von Zuckertörtchen und Fick-Mich-Gesicht in den Schatten gestellt, und erst nach dem dritten hingucken von Kerlen ihres Alters bemerkt (ihre ausreichende sexuelle Erfahrung sammelte sie vor allem mit haarigen Männern mit gepflegten Moustaches). Wahrscheinlich macht sie Musik. Sie spielt Triangel. Sie könnte auch Zooey Deschanel heißen.

Butterface – Das Butterface ist eigentlich nur der weibliche Wingman, völlig unbedrohlich. Obwohl Butterface ja schon sehr diskriminierend ist, ist dieses Mädchen selten wirklich hässlich – ich meine, wer ist schon hässlich auf dieser Welt, jeder ist schön, außer deine Mutter – aber sie steht im Schatten ihrer Selbst, gefressen von Unsicherheiten und einer irgendwie porrös wirkenden Haut und damit wirkt sie automatisch hässlich. Männer können mit ihr nichts anfangen, weil sie so nervös wird bei einer Unterhaltung, dass sie anfängt zu stammeln und im nervösen high-pitch anfängt hysterisch zu lachen. Mit der Zeit wird sie zum Mauerblümchen. Sie entwickelt seltsame, geheime Fetische, die sie eines Tages mit ihrem glatzköpfigen Liebhaber ausleben kann. Sie ist sozusagen die Charlotte aus Sex and The City – mit mehr Komplexen. Wer es mit ihr aufnimmt und über die anfänglichen Hürden hinwegkommt, wird mit viel Zuneigung, viel Spaß, Spannung und Action belohnt, denn hier trifft der Spruch “Stille Wasser sind tief” ganz großartig zu.

Schlägerbitches – Sie reissen jedem dem Arsch auf, Männern, Frauen, Priestern, Müttern, Präsidenten, Chuck Norris. Die Schlägerbitch hat die größte Klappe, und will dir nur auf’s Maul hauen und schreien “HOL DEINEN BRUDER DU HURENSOHN”. Oh ja, Schlägerbitches- auf dem ersten Blick beeindruckend maskuline Ausstrahlung und beängstigende Muskelbespannung, aber irgendwo findet sich (nach vielen Schlachten, wenn man das denn herausfordern möchte) auch ein weicher Kern.. nicht, dass man danach mit weniger blauen Flecken davon kommt, aber sobald sich die Schlägerbitch auf deiner Seite befindet kommst du nie wieder als Verlierer aus einer dicken Klatscherei heraus. Schlägerbitches kann man übrigens sehr leicht mit Fick-Mich-Gesichtern verwechseln, weil sie genauso selbstsicher auftreten, allerdings würde ich jedem von diesem Fehler abraten. Schlägerbitches ergeben sich vor allem der Berufung als Dominatrix oder Cougar, was ich persönlich ja nur gutheißen kann.

Jungs; ihr könnt mir dankbar sein, dass ich das für euch so aufgebröselt habe. Ab sofort müsst ihr euch nie wieder fragen, ob das, was ihr fühlt, eigentlich rational erklärbar sein muss oder nicht. Huldigt mich, ich habe euch gerettet.

August 24th, 2010 Posted in Uncategorized | 51 Comments »