Weeds: Lieber Aggressive als Agrestic

Veröffentlicht September 2, 2009

Okay, Weeds? What. The. Fuck. Ich meine, wirklich, was zur Hölle ist das gewesen? Eben das Finale der fünften Staffel gesehen, und schon muss ich mich vor Aufregung ein bisschen betatschen.

Weeds

Ich versuche ja schon krampfhaft, mich mit meinem Fangirl-Gelaber zurück zu halten. Wenn man schon den Leuten im echten Leben keine Ruhe mehr gibt von seinem ständigen Gekrächze über die ach so tolle Serienkultur der Amerikaner, dann kann man sich wenigstens im virtuellen (oder rechtsfreien) Raum zurückhalten. Aber nein, nein, nein, VERDAMMTE SCHEISSE NEIN. Ich meine, habt ihr das gesehen, das Staffelfinale? Ich würde sagen, die Challenger, das World Trade Center und Bolt höchstpersönlich können da nicht mithalten (wetten, jetzt kommen wieder die ganzen Pfosten und nölen wieder rum? “Ähh, S., das war  voll der komische Vergleich, mehhh, mach das mal weg” HABT IHR DAS EIGENTLICH GESEHEN WAS DA LIEF? DAS WAR EPISCH, IHR POPKULTURFASCHISTEN).

Weeds war ja schon von Anfang an eine eher aufgeblasene Show. Die ersten drei Staffeln hatte ich mich zwar beim Zuschauen noch nicht so gefühlt wie ein Crackjunkie im tiefsten Delirium, aber die (für damalige Verhältnisse anstrengenden) Dimensionen von Realität und Humor, vermischt mit dem zögerlichen Duft von frisch brennendem Gras, ja, das gab dem ganzen doch einen sehr arroganten Stil. Irgendwie unrealistisch, irgendwie ein bisschen lame, aber innovativ und zeitlich gesehen auch kurz genug, um immer wieder in einem tiefen Zustand der Zufriedenheit zu geraten. Makaber, tiefschwarz, intelligent und doch irgendwie konventionell genug, um bei der großen Masse anzukommen- so wie den dicken besten Freund ((ich bin selber Dick, also GTFO)), den man hat. Und Weeds.

Nachdem die komplette Location, die halbe Crew und mit Sicherheit hundert Prozent der Storyline ausgetauscht wurden, hätte man meinen können, dass sich hier ein verzweifelter Versuch der Wiederbelebungsmaßnahmen anbahnt. Atem? Null. Puls? Null. Todesuhrzeit: Vierte Staffel.

Denkste.

Wenn Tarantino Serien machen würde, dann wäre Weeds sicherlich seinem Spektrum an Trash am nächsten. Vor Gewalt wird nicht zurückgeschreckt, Sex ist akuter Bestandteil jeder Folge (und hey, ich würde mich darüber nicht beschweren, solange noch attraktive Schauspieler mitmachen), Drogen sind das Hauptthema und außerdem würde sich die Supernanny angesichts dieser Familienprobleme selbst erstmal ‘ne Spritze fertig machen. Man weiß irgendwie nicht, ob das ganze eine Karikatur kaputter Gesellschaftszustände ist, oder einfach nur die Alien-Abtreibung der sehr lebhaften Fantasie eines LSD-Junkies, auf Meth, in dick, ohne Freunde, in der unsportlichen Komplettausführung “Jungfrau”. Ich weiß es nicht. Ich bin verzweifelt.

Diese Serie muss doch voll der Hit sein in den spärlichen Nervenanstalten der Welt! Da kann es einem doch nur besser gehen nach jeder Folge (da lässt sich doch ein neues Marketingkonzept riechen: Weeds, noch gestörter als das, was du in deinem Kopf hast)! Von MILFs bishin zu mexikanischen Shemales über Shane. Shane, mit Sicherheit der großartigste Teenager-Charakter, der jemals in einer TV Serie leben durfte. Ihr wollt Columbine erklären? Shane. Shane ist die Antwort auf alle pubertierende Pseudo-Künstler, die immer nur traurige Löcher in schwarzen Universen malen. Mein Gehirn ist damit offiziell gesprengt.

Ich lüge nicht, nein, nein, nein, genau so, wie es ist, ist es einfach rundum perfekt. Diese letzte Folge hat mich so zerschossen, ich kotze hin und wieder mal kleine Brocken vom Restorgamus in einen Kübel neben dem Bett, weil mein Magen so viel Euphorie gar nicht ertragen kann. Denn obwohl ich mich früher immer darüber aufgepisst habe, dass Weeds zu kurz, zu oberflächlich, zu schwammig ist, um irgendwie als Drama ernst genommen zu werden, ist mittlerweile genau diese Oberflächlichkeit zu echter Poesie mutiert. Hier zählen weder Gedanken noch Interpretationen der Hauptrollen, hier spielen einzig und allein die Taten, die Auswirkungen von lang vergessenen Erlebnissen und Konsequenzen. Verdammt. Viele. Konsequenzen.

Wie es im richtigen Leben nunmal so ist, wird nicht alles zwölfmal hinterfragt und am Ende kommen zwei zusammen die sich ganz dolle liebhaben und für immer zueinander gehören wollen. Nein, meine lieben Freunde, packt die Tatort DVD wieder in die Special Edition Box, hier kommt etwas Außergewöhnliches. Und ob es gut oder schlecht ist, sei mal jedem (ohne Spoiler) überlassen; aber eins ist klar: sowas wie Weeds, das gibt’s wirklich nicht nochmal.

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