"Girl gone wide."


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Das letzte Mal, als ich einen Song von Wy Lyf postet, war es Mai. Das Video enthielt mächtige Szenen und gewaltvolle Bilder von Aufständen, Protesten und Märschen. Das Video war eine Ode an die Demonstration. Ich machte mir meine Gedanken dazu – sagte aber nichts. Manchmal spricht eine Collage, die audiovisuell funktioniert, mehr als die Sprache, derer wir uns mächtig sind.

Im Mai, das war irgendwie vor und nach dem Arabischen Frühling gleichzeitig. Das war noch vor den Englischen Riots, das war vor den Occupy Wall Street Protesten in New York. Das war nach Fukushima. Das war noch, bevor Levis sich entschied seine Kampagne “Go Forth!” global aufzubauen und in Berlin neu zu formulieren. Das war bereits sehr lange nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktes und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, aber es war noch vor dem Zusammenbruch der Europäischen Gemeinschaft dank der Verschuldungspolitik von Staaten.

Ich habe damals, im Mai, einen Text geschrieben, der zu Gewalt aufforderte. Vielmehr: Auflehnung. Ich habe damals ein Gefühl genommen, welches in mir ruhte und langsam herausbröckeln sollte, und es in die einzigen Bilder gesteckt, die ich ausmachen konnte: Fäustschläge und brutalste Eskalation. Es war passiv-aggressive Stimmung, die ich nicht einordnen konnte. Dieses Nicht-Können machte mich wütend. Der Geist, die Gedanken, sie sind abhängig von der Sprache, und die Sprache ist genauso abhängig von ihnen. Wie konnte ich empfinden, ohne es formulieren zu können? Diese Machtlosigkeit vor dem abstrakten Gerüst der Realität lässt einen gewalttätig werden wollen, denn nun gibt es kein Ventil mehr für das, was sich tief drinnen aufstaut.

Es war eine globale Stimmung, die durch die Medienlandschaft transportiert wurde. Völlig egal, ob es sich dabei um ein Bild oder eine Nachricht handelte, die Atmosphäre des Auflehnens war schon im Mai zu spüren. Sie war schon die letzten Jahre dagewesen, aber subtiler, stellenweise, ohne besondere Reaktion. Die Rebellion der iranischen Jugend war eine kleine Welle der Gerechtigkeitsforderungen, doch er versank in den Tiefen, am Grund des Ozeans. Die entstandenen Strömungen jedoch, sie waren weiterhin da – sie zeichnen sich heute umso deutlicher ab. Unsere jungen Menschen, Generation Facebook, Generation Internet, Generation Hipster, ihnen wird der Nihilismus, der gedankenlose Konsum, die Resignation vorgeworfen — doch müssen sie sich beweisen, profilieren, gegen die Punks, gegen die Hippies, gegen die 68er, gegen alle Bewegungen, die die Vorarbeit geleistet haben. Kein Wunder – wer will da nicht resignieren, bei Erwartungen, die kaum einzuhalten sind? Was haben die Generationen vor uns geschafft, wenn nicht die Fehler, die wir heute ausbaden müssen? Wie kann man sich da noch trauen, nach Idealen oder Gutmenschlichkeit zu streben? Friss oder stirb sind unsere großzügigen Alternativen, die all diese reaktionären Subkulturen vor uns, für uns erarbeitet haben. Sie haben es nicht besser gewusst, und ihre Versuche scheiterten. Wir wollen es besser machen: es gar nicht erst versuchen.

Das Gesicht der Menschheit hat sich zu einem hässlichen verändert, wo es schwieriger geworden ist, zwischen gut und schlecht, zwischen Kollektiv und Individuum zu unterscheiden, ohne daran zu zerbrechen. Wir bekommen das Erbe unserer großen Brüder und Schwestern ausgehändigt mit den Worten, “Jetzt ist alles gut”, und kriegen gar nicht mit, wie schlecht alles ist. Wir zucken resigniert die Schultern, denn man hat uns alle Waffen aufgrund eines Friedensversprechens genommen.

Aber diese Stimmung, dieses unaussprechliche Gefühl, das gedämpfte Raunen in einer Masse voller anonymen, schulterzuckenden, katzenrettenden Schatten von Menschen, es ist der Beweis dafür dass wir noch nicht am Ende sind. Wir sind nicht abgestumpft. Wir sind keine willenlosen Marionetten, keine konsum- und marketingverblendeten Hipster, jedenfalls nicht immer. Wir sind frei, wir sind jung, wir haben alle Möglichkeiten, die Welt zu verbessern und wollen das auch, aber wir resignieren – manchmal – eben im Angesicht der Problemberge, die man vor uns stellt und geben uns mit einer kleinen Welt voller Narzissmus und Ich und Ich und Ich zufrieden. Unser kleines Ghetto der Unwirklichkeit. Doch die Stimmung vernichtet unsere heile Welt der Ignoranz. Sie steckt uns über Kontinente, soziale Netzwerke und Medienberichterstattung an. Wir merken: wir fühlen uns nicht ungerecht behandelt. Aber an diesem Gefühl stimmt etwas nicht.

Wu Lyf haben ein neues Video aus ihrem Album Go Tell Fire To The Mountain veröffentlicht. Ich führe das an, weil das ganze Album in seiner Gesamtheit, aber das Video und der Song “We Bros” speziell, diese von mir als unbetitelte “Stimmung” zusammengefasste Atmosphäre einfängt. Diese Dringlichkeit, die aufgekratzte Stimmung des englischen Quartetts, dieses unfertige, schrammelige, aber irgendwie doch ziemlich harmonische Ding, das spricht so viel aus, was unsere Generation vielleicht gerade auszuformulieren versucht. Ich glaube daran, dass wir uns auflehnen können, dass wir es besser machen können, wenn wir weiter machen, und dieses Gefühl durch alle Netze und Schichten durchtransportieren, bis wir endlich, endlich, endlich die Musik zur Politik machen.

Im Video rennen Kinder vor etwas davon. Erst am Ende sehen wir, was es ist. Sie rennen vor unserer Welt weg. Wir rennen vor unserer Welt weg. Wir werden ständig dazu aufgefordert, Dinge zu verstehen. Was, wenn wir die Dinge einfach sein lassen könnten? Wenn wir alles liegen lassen – die Supermärkte, die Gesellschaftstrukturen, die Staatsgewalten und die Normative unserer von Dichotomien zusammengesetzten Kultur – und irgendwo, frei davon, unserer Kinder zur Welt bringen und ihnen dabei zusehen, wie sie es machen?

It’s a sad song that makes a man put
money before life
a sad song that puts a man for sale
A sad song that make a man put
money before life

In jedem Fall kann ich euch Go Tell Fire To The Mountain nur ans Herz legen. Es inspiriert mich, und es wird euch inspirieren. Hört es euch an und sagt mir, dass ihr auch diese Ernsthaftigkeit unserer Schritte auf dieser Erde spürt. Sagt mir, dass euch nicht alles egal ist.

Dass das Deutsche Rote Kreuz nicht ganz der Samariter ist, den man sich als hilfsbereiter Deutsche vorstellt, weiß ich schon seit dem Jahre 2008. Objektiv gesehen kann man dem DRK nicht vorwerfen, dass es seine Arbeit nicht machen würde, darum geht es hier auch nicht. Aber persönlich bin ich schon häufiger über Stolpersteine gestoßen, die mich grundsätzlich überlegen lassen, wie moralisch wertvoll unsere Spenden und unser Mitwirken für Hilfsorganisationen ist. Ich bin in den Sommerferien zwischen Abitur und Studium für eine Marketing-Agentur in die Eifel gereist. Es hat gestunken, es war weit weg von der Zivilisation und die Sprache, die dort gesprochen wurde, habe ich nicht verstanden.

Meine Aufgabe bestand darin, von Hügel zu Hügel zu marschieren und in der prallen Mittagssonne oder wahlweise im strömenden Regen zwischen Fliegen und Kuhfladen Abos zu verkaufen. Spendenabos, um genauer zu sein. Für das Rote Kreuz. Motiviert wurde ich hauptsächlich durch die Provision. Ein Abo wurde auf einen Jahr abgeschlossen. Ab fünf Euro im Monat profitierte auch ich davon. Mein Ziel lag also weit darüber: am liebsten zwanzig.

Die Zeiten waren ganz schön hart. Man stand um 8 Uhr morgens auf und kam um 8 Uhr abends nach Hause. Ich muss nicht erwähnen, das Klinkenputzen ein ziemlich beschissener Job ist, selbst wenn man sein Dekollté bei den Hausmännern weit rausreckte oder sehr, sehr oft die Karamellbonbons der Rentner annehmen musste. Es gab sehr viele Rentner. Jeden Tag besuchten wir einen anderen Ort. Ich hielt es nicht lange aus – zwei von sechs Wochen, danach ging ich nach Hause.

Der Job selbst war es aber nicht, der mich so erschütterte, sondern die regelrechte Abzocke, die stattfand. In einer Unterhaltung mit unserer Teamführerin kam einiges ans Licht: das erste Jahr der Spenden geht an die Agentur, das sind Marketingkosten. Erst, wenn die großzügigen Rentner, die an die kleinen, hungernden Kinder in Afrika denken, vergessen das Abo zu kündigen, geht das Geld auch tatsächlich an das Rote Kreuz. Und von dort geht es auch sehr selten nach Afrika; vielmehr werden vor allem Verwaltungskosten durch die Abos gedeckt. Das diese Regiekosten auch gedeckt werden müssen, um eine Hilfsinfrastruktur aufzubauen, ist natürlich klar. Aber im Großen und Ganzen weckt diese Organisation dennoch meine Skepsis, immerhin wird ja auch aus dem Verkauf von Blutspenden Profit gemacht (wer sich ein eigenes Bild dazu machen möchte, kann das vor allem hier tun, wo ein Vorwurf von der DRK beantwortet wird).

Ob schwarz oder weiß lässt sich nicht sagen. Ich bin dem DRK gegenüber auf jeden Fall sehr skeptisch eingestellt. Das NGOs und Hilfsorganisationen Marketing machen und wirtschaften müssen ist einerseits verständlich, und andererseits auch widerlich. Aber nichts irritiert (und entsetzt mich zugleich) so sehr wie der Umgang mit den Kleiderspenden. Jedes Jahr wieder ist es ein großes Thema, das von Zeitungen oder TV-Produzenten aufgegriffen wird, und jedes Mal wieder frage ich mich, wieso Leute noch ihre Kleider spenden. Auch die Zeit hat das Thema in ihrer aktuellen Ausgabe (KW 44) beschrieben.

Es läuft folgendermaßen ab: die DRK ist eigentlich nur Namensgeber für die Spendencontainer. Die eigentliche Firma Soex, die die Ware abholt und sortiert, verschenkt sie allerdings nicht kostenlos an die ärmsten Regionen unserer Welt. Die Klamotten werden zu Spottpreisen verkauft und bremsen somit die eigenheimische Textilindustrie aus.

Godfrey Mwenda steht auf dem Ubungo Big Braza Market in Dar es Salaam und greift nach einem Stapel Shirts: »Diese Kinderkleidung hier? Ich bin sicher, dass die Menschen, die sie gespendet haben, etwas Gutes tun wollten. Sicherlich rechnet keiner damit, dass sie uns in eine schreckliche Katastrophe gestürzt haben.« 24 Jahre hat Mwenda in der tansanischen Textilindustrie gearbeitet, bis sie aufhörte zu existieren. Mwenda kann seinen Zorn kaum verbergen: »Vor 20 Jahren haben wir solche Hemden selber produziert. Aber unsere Fabriken hatten keine Chance, vergleichbare Ware zu einem so niedrigen Preis herzustellen.« Inzwischen ist Mitumba konkurrenzlos. Godfrey Mwenda führt aus Dar es Salaam hinaus Richtung Morogoro. Hier stand einmal die größte Textilfabrik Tansanias. Alle 9.000 Beschäftigten mussten gehen, inzwischen steht nicht einmal mehr das Fabrikgebäude, denn die verarmten Textilarbeiter zerschlagen die Mauern zu Schotter, den sie für einen Hungerlohn an den Straßenbau verkaufen. Etwas anderes bleibt ihnen nicht. Quelle: Zeit Online

Jedes Jahr wieder geht dieses Thema sang- und klanglos unter. Wir spenden für den Aufbau und die Entwicklungshilfe, um dann innerhalb weniger Sekunden wieder alles zu vernichten. Wir sind die Vereinten Nationen der Klugscheisser und Selbsthelfer. Und wir sind eine gutherzige Gemeinde, die blindlings für ein System arbeitet, welches dann die eigenen Taschen wieder füllt. Herzlichen Glückwunsch.

by yeahs in Gangster


Vom engen NYC wieder ins gefühlt riesige Berlin einreisen… eine Mischung aus Freude und Reisewehmut stellt sich ein. Aber nicht so große Gefühlsexplosionen, dass die Müdigkeit darunter verschwinden würde. Leider.

Nur ist die Hood nicht Hood ohne ein vollständiges Crew-Set; meine allerliebsten Jungs, Maggi und Nico, die die Video-Welt zum Erzittern bringen und sich vor nichts fürchten, sind gerade mit dem Freunde von Freunden Team unterwegs und weisen den Planeten ein. Guckt euch ihre Freizeitdokumentationen auf dem FvF-Tumblr an und schwärmt ein bisschen mit.

by yeahs in Urlaub

28 Days Later ist einer meiner Lieblingsfilme, schon immer gewesen, weil der Score erstens genauso viel Gänsehaut erzeugt wie der Blauschimmelkäseauflauf von meinem Vater, zweitens wegen der Anwesenheit von Zombies im Film, und drittens, weil Cilian Murphy aussieht wie ein soziopathischer Serienmörder. Ich wählte diese Einleitung aber auch nur, weil ich einen Grund für ein Bild von Cilian Murphy haben wollte ((jetzt muss ich mir das Bild noch die ganze Woche oben im Header angucken. Großartig)).

Auch ein Werk über das Verkommen der Menschheit: I Am Legend, wobei mir der Film bis auf die monumentale Stille und einige hübsche Bilder nicht sonderlich gefiel (und, um ehrlich zu sein, sowieso nur ein Abklatsch von 28 Days Later war, jetzt mal im Ernst). Aber es regt einen ja auch zum Nachdenken an. Scheisse, was würde ich eigentlich tun, wenn ich der letzte Mensch auf der Welt wäre? Porsche ausleihen, Kampfschreie im Supermarkt, Dinge eintreten, Pillen schmeissen, Mukke auf der Straße, endlich mal genug Zeit haben, auch die alten Sachen im Internet zu durchforsten. Kurzgesagt, ich würde genau das tun, was ich sonst auch so mache.

Auf Reddit hat jemand diesen Plan mal etwas ausführlicher beschrieben. Ich tippe da auf Cilian Murphy, wer ist denn bitte so gestört?

Pre-Phase Phase

  • Before Anything: Eat Exotic Fresh Fruits while they are around. They come from so far away that, odds are depending where you live, you will never ever get to have Banana, Pomegranite, Starfruit or Mango again in your life. Savor every bite. Make Fruit Leathers and Freeze what you cannot stomach to consume. You will also need to bone up on Vitamin C while you’re doing the most work.
  • Unless you plan on maintaining and protecting cows for the rest of their/your life… you’re unlikely to have a fresh glass of cold milk ever again. There are dehydrated milks (Klim) but it’s not the same.
  • Bacon. Eat all of what you can find. Cook it all up and dehydrate what you cannot stomach. Even if you hate it. You will never have the opportunity to consume bacon again.

Lest euch auf jeden Fall das ganze Posting durch, es ist großartig.

by yeahs in Ohne Worte