You Got Me

Somebody told me that this planet was small / we used to live in the same building on the same floor / and never met before / until I’m overseas on tour

October 29th, 2010 Posted in Musik | 2 Comments »

Spinning Away


Ich sitze gerade im Restaurant unserer Unterkunft. Es gibt W-Lan, das halbwegs schnell läuft, und im Hintergrund dudelt ein Thai mit einer schönen Stimme Bob Dylan Klassiker auf der Gitarre für drei anwesende Leute herunter. Meine Haut schält sich endlich vom Sonnenbrand; ich sehe aus wie unser neues Haustier, der Gecko Mustafa aus unserem Bad, dem anscheinend die diversen Enddarmausscheidungen gefallen, denn abhauen will er nicht.

Alles in allem eine sehr beruhigte Stimmung. Ich reise mit zwei alten Bekannten – Cat, mit der ich schon im Kindergarten war und in unserer Jugend eine intensive on/off Beziehung führte, und JJ, der damals mit meinem großen Bruder in die Klasse ging und mittlerweile einen Freundeskreis in meinem Alter aus meiner Heimat bequemt. Als ich nach Berlin ging, flüchtet ich genau vor diesen Leuten: Menschen, deren Horizont nicht über ihr Kaff hinaus ging, die Art von Typen, die nur einen Club kennen, sich dort 3 Tage Tony Montana einbuchten und denn wieder ihrem ewig öden Drama vs Arbeitsleben nachgehen, wo jeder jeden betrügt. Hier werden Soaps geschrieben. Und dennoch ist es gut, mit ihnen unterwegs zu sein- einerseits für mich, weil ich das niemals mit guten Freunden hätte machen können, ohne mich grundtief für meine alltägliche Scheisse zu schämen (inkl. meine iTunes Shuffle Liste, die absolut unerträglich ist, wenn man mit coolen Leuten rumhängt, haha), andererseits, weil ey, Menschen können sich ändern. Und auf Reisen ändert man sich. Und so ist das gerade für uns: wir verändern uns zusammen, einerseits zum Positiven, andererseits so, wie es keiner hätte erwarten können.

Aber ich kann es nicht verleugnen. Es ist schwieriger, viel, viel schwieriger, als ich es mir hätte vorstellen können, einfach komplett loszulassen. Die Zeit bleibt für einen gewissen Augenblick stehen, und spätestens, wenn man dann einen Song hört oder kurz online geht– stellt man fest, dass man für ein Jahr weg sein wird. Und das die Zeit nur für einen selbst stehen geblieben ist, und nicht für den Rest der Welt. Nicht für Berlin, nicht für die Crew, nicht für die Eltern, da geht alles weiter. Alle sagen “S, man, das ist so cool, dass du das machst!”, aber ich frage mich hauptsächlich, wieso man weg geht, wenn alles gut ist, und wieso man Entscheidungen, die in gänzlich anderen Lebenssituationen getroffen wurden, eigentlich nicht einfach genauso spontan über den Haufen wirft wie man sie gemeißelt hat um nicht einen riesigen Riss in seiner Zeitleiste zu verursachen?

Nach zwei Wochen voller Abenteuer und geflasht sein sind solche Momente wohl selbstverständlich für jeden Reisenden. Ich warte noch auf den Augenblick, an dem ich mich voll im Momentum wiederfinde und vergesse, dass es jemals soetwas wie ein zu Hause gab. Vielleicht ist das dann auch der Moment, an dem ich nie wieder zurückkehren möchte. Vielleicht einer, wo ich nicht mehr mit soetwas wie einem zu Hause umgehen kann, wo das Reisen mich einfach mittreibt, weil man es gewohnt ist. Vielleicht ist das dann der Augenblick, an dem ich zurückkehre und feststelle, dass nichts mehr für mich übrig geblieben ist. Vielleicht passiert das auch nie, und ich kehre bereits in wenigen Monaten zufrieden zurück, in dem Wissen, das es nichts auf der Welt gibt, was mich mehr bewegen kann als das, was ich eh schon habe.

Vielleicht werde ich mit der Zeit an einen ganz anderen Horizont gespült- da, wo es keinen Anfang und kein Ende gibt, wo ich mir nicht mehr vorstellen kann, jemals wieder ein Teil vom Alltag zu sein. So wie es damals war, das was vor einem Monat war, das was mir jetzt schon wie vor tausend Jahren vorkommt. Vielleicht ist es auch genau jetzt Zeit, sich einmal davon zu lösen, und sich davon zu distanzieren, was mal war. Nur das “warum”, das erschließt sich mir jetzt noch nicht genau. Warum man weggeht, wenn alles gut ist. Und warum es so lange dauert, bis das Momentum kommt.

October 13th, 2010 Posted in Urlaub | 5 Comments »

wahlheimat

Ich hätte jetzt gerne dolle Arschkirmes, anstatt hier wie ein grenzdebiler Kern-Asi alleine am PC zu chillen, eine Nacht, bevor ich fliege, eine Nacht, bevor sich Deutschland zum lächerlichsten Mal wieder einigt um doch wieder woanders Mauern zu erlauben, eine Nacht, bevor ich mich von allen möglichen Menschen für sehr, sehr lange Zeit endgültig verabschieden muss. Ich skommer hier rum wie Hartz 4 in Meck-Pomm, und ich habe jegliche Motivation verloren etwas anderes zu machen außer mich mit Mauwi Wauwi vollzudröhnen. Ich konsultiere in solchen Fällen ja gerne meine Vagina für eine professionelle Hormon-Meinung, aber alles, was die gerade kann, ist sich über einen Hefescheidepilz aufzuregen (nicht ihr eigener).

Die letzten Wochen waren verdammt anstrengend. Ich habe so viele Leute um meinen Abgang getröstet und mich selbst wieder in tausend Teile gesprengt, da sind die aufmunternden Worte und Unterstützungsrufe aus der Ferne (vor allem die, die vor 9 Monaten noch aktuell waren) nicht mehr ganz so eindringlich und intensiv. Ich bin wie geleert, und alle Vorfreude ist in den Wind geschossen worden. An Party, Dröhnung, Urlaub gar nicht zu denken. Meine Mutter bietet mir Geld an, um hier zu bleiben, mein Vater macht mir Vorwürfe, weil ich seine Beerdigung angeblich verpassen könnte. My Gucci Boyfriend muss den Winter alleine überleben, meine Crew hat keinen Joker mehr, meine Heimat keine Berlin-Geschichten. Ich bin so scharf auf Backpacking wie fette Kinder auf Sellerie. Sellerie ist scheisse.

Ich weiß, in dem Augenblick, wo ich das Flugzeug betrete und diejenige bin, die sich den neuen Eindrücken ergeben kann, wird alles anders. Ich weiß es – a), weil ich Erfahrungsberichte in diversen Foren gelesen habe, und b), weil ich mich selbst ganz gut einschätzen kann. Für euch wird das etwas härter, und das tut mir leid. Ihr werdet das nicht vergessen, meine Mom wird das nicht vergessen, dass ich auf unbestimmte Zeit woanders bin. I’m sorry. Aber ich mache mir jetzt nichts mehr vor: dieses Leben ist meins. Das ist mein Ding. Und während ich noch sehr lange versuchte, Großstadt, Vorort, Lokalpatriotismus, Zugehörigkeit, Herkunft, Migrantenhintergrund, Wahlheimat in meinem Leben einordnen zu können, breitete sich genau eine Erkenntnis aus: ich gehöre nicht in physische Grenzen gesteckt. Ich gehöre überall hin. Wenn ich mich auf dem Weg verliere, habe ich euch, um in kleinen Schritten wieder zurückzukehren. Aber ich flüchte nicht, und ich bin auch nicht auf der Suche. Das ist mein Normalzustand. Ich will, das ihr alle ein Teil davon seid, und das werdet ihr auch. Home is where my laptop is. Wir sehen uns.

October 2nd, 2010 Posted in Urlaub | 3 Comments »

Tombouctou

Amateurs In Africa

Ich fasse es immer noch nicht, das mein Ex-Mitbewohner, liebevoll “der Australier” genannt ((er heisst Ben, was jetzt auch nicht unbedingt für die Kreativität dieser Australier spricht… alle Australier heißen Ben. Es ist WIRKLICH so!)), noch nicht voll am Alkohol zergangen ist. Am Vorabend seiner Abreise nach Osteuropa hat er sich 36 Jägermeistershots (und hier und da ein Bier nebenbei) reingefahren und sich einen Rekordhelden nennen dürfen. Ich weiß nicht, ob das so gut sein kann für die Leber, aber er kann’s. Noch.
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May 7th, 2010 Posted in Uncategorized | 2 Comments »