Die meisten Leute würden sich schwer über eine 3 Stunden Flugverspätung auf Kurzstreckenflügen aufregen. Sie würden Gerechtigkeit, Revolution, mindestens aber einen Essensgutschein verlangen. Die meisten Leute sind aber auch hässlich und dumm, wäre also nicht der erste Unterschied zu meiner wunderbaren Persona. Ich nämlich, ich nutze die Gunst der Stunde(n) und vor allem das kostenlose Wi-Fi, das nicht nach MB-Verbrauch limitiert ist und downloade gerade alles, was mir zwischen die Finger kommt. Die Dropbox synchronisiert, die Torrents werden wahllos angeklickt, der Reader wird durchgelesen und dabei rein aus Prinzip alles gesaugt, was auch nur anseitsweise saugbar aussieht.
In der Zwischenzeit läuft im Fernsehen am Gate ein Live Bericht über die Überschwemmungen an der Ostküste; ich habe viele Freunde und Bekannte, die dort wohnen oder zur Zeit sich dort aufhalten, und mache mir ein wenig Sorgen, was das für Auswirkungen haben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland viel davon ankommt, aber hier in Australien, wo generell eigentlich nichts passiert aus schwere Cricket-Fails und hin und wieder ein Krokodiltoter, da ist das natürlich ein großes Ding. Es ist ja auch ein großes Ding, da stehen tausende Häuser unter Wasser, und selbst der Damm, der nach der letzten Flut vor dreißig Jahren prophylaktisch dahingeklotzt wurde ist schon übergelaufen.
Bis jetzt bin ich davon nicht wirklich betroffen. Ich hatte sowieso nicht vor, die Ostküste hoch zu reisen. Zu viele neunzehnjährige, fickgeile Spastenkinder auf dem Weg. Vielleicht fliege ich über Brisvegas raus und schaue mir auf dem Weg noch ein paar Sachen an, nur so, um da gewesen zu sein. Aber bisher hat die Ostküste nur negativ-Schlagzeilen im meinem Kopf gedruckt. Größte Flutkonsequenz ist ja das Fehlen von frischem Knoblauch in Sydney (fragt mich bitte nicht, wieso). Außerdem habe ich eine eher berechtigte Angst vor Krokodilen, und die mussten im Zoo die Dinger wohl anketten damit die nicht in den Fluten mitgetragen werden und irgendwelche Menschen in der Rutschpartie mitnehmen. Da säuft man schon in seiner eigenen Stadt fast ab, muss sich vor herumgeworfenen Autos ducken, und auf einmal kommt da ein Krokodil an. Na herzlichen Glückwunsch.
Ich weiß eigentlich sowieso nicht, wie es genau weiter geht. Ich fliege jetzt nach Melbourne und habe genau zwei Optionen, die irgendwie interessant erscheinen: entweder, ich finde einen Job, für den ich mir nicht zu schade bin und kann mir so noch ein bisschen Geld zusammensparen und wie geplant weiterreisen. Oder, ich finde keinen Job und bin dann auch zu faul um mich mit meinem Restkleingeld durch die Welt zu hustlen und fliege heim, wo mich hoffentlich bis dahin der knackende Frühling erwartet.
Aber eigentlich weiß ich von nichts, und vielleicht ist das auch mal ganz gut so.