Joy

Ich mag das aktuelle Wetter: Sonnenschein und eine unfreundliche, aber kuschelige Kühle. Wenn ich die Reichenberger Straße runtergucke, dann ist alles in so einem goldenen Licht gehüllt. Es ist nicht kalt, aber es ist auch nicht warm, und ich erkenne das Ende der Straße nicht, weil die Sonne so blendend durch die Bäume scheint.

Alles hat was verschlafenes, wie am Neujahresmorgen fühlt sich das dann an. Als ob man sich jetzt die Augen reiben müsste, jeden Morgen, weil man viel schwieriger aus dem warmen Bett kommt. Mein Bus fährt die Oranienstraße lang, wo vor 10 Uhr morgens eigentlich nur die Early Bird Touristen zu sehen sind. Das fühlt sich dann so an, wie selbst auf einer kleinen Reise sein, mit dieser “früh aufstehen!” Stimmung, wenn alles noch so ruhig ist und man den Tau von den Holzbänken ablecken könnte und die Straßen von Kaffee und Kehren murmeln.

Ich mag das sehr, mich dann nochmal gedanklich umzudrehen, einzukuscheln und am Ende vom Sommer zu riechen.. jetzt kommt der Herbst. Alle Karten werden neu gemischt. Der Sommer ist vorbei. Der Ausnahmezustand ist vorbei. Jetzt gucken wir, ob sich das alles auch für das richtige Leben bewahren kann, ohne Wärme, ohne Sonnenschein, ohne das Gefühl von kurzer Hose und Strand, die uns etwas schönreden, was vielleicht nie schön war. Der Herbst scheut sich nicht vor der Wahrheit.

September 20th, 2011 Posted in (Pop)Kultur | Comments Off

Flood Me

Die meisten Leute würden sich schwer über eine 3 Stunden Flugverspätung auf Kurzstreckenflügen aufregen. Sie würden Gerechtigkeit, Revolution, mindestens aber einen Essensgutschein verlangen. Die meisten Leute sind aber auch hässlich und dumm, wäre also nicht der erste Unterschied zu meiner wunderbaren Persona. Ich nämlich, ich nutze die Gunst der Stunde(n) und vor allem das kostenlose Wi-Fi, das nicht nach MB-Verbrauch limitiert ist und downloade gerade alles, was mir zwischen die Finger kommt. Die Dropbox synchronisiert, die Torrents werden wahllos angeklickt, der Reader wird durchgelesen und dabei rein aus Prinzip alles gesaugt, was auch nur anseitsweise saugbar aussieht.

In der Zwischenzeit läuft im Fernsehen am Gate ein Live Bericht über die Überschwemmungen an der Ostküste; ich habe viele Freunde und Bekannte, die dort wohnen oder zur Zeit sich dort aufhalten, und mache mir ein wenig Sorgen, was das für Auswirkungen haben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland viel davon ankommt, aber hier in Australien, wo generell eigentlich nichts passiert aus schwere Cricket-Fails und hin und wieder ein Krokodiltoter, da ist das natürlich ein großes Ding. Es ist ja auch ein großes Ding, da stehen tausende Häuser unter Wasser, und selbst der Damm, der nach der letzten Flut vor dreißig Jahren prophylaktisch dahingeklotzt wurde ist schon übergelaufen.

Bis jetzt bin ich davon nicht wirklich betroffen. Ich hatte sowieso nicht vor, die Ostküste hoch zu reisen. Zu viele neunzehnjährige, fickgeile Spastenkinder auf dem Weg. Vielleicht fliege ich über Brisvegas raus und schaue mir auf dem Weg noch ein paar Sachen an, nur so, um da gewesen zu sein. Aber bisher hat die Ostküste nur negativ-Schlagzeilen im meinem Kopf gedruckt. Größte Flutkonsequenz ist ja das Fehlen von frischem Knoblauch in Sydney (fragt mich bitte nicht, wieso). Außerdem habe ich eine eher berechtigte Angst vor Krokodilen, und die mussten im Zoo die Dinger wohl anketten damit die nicht in den Fluten mitgetragen werden und irgendwelche Menschen in der Rutschpartie mitnehmen. Da säuft man schon in seiner eigenen Stadt fast ab, muss sich vor herumgeworfenen Autos ducken, und auf einmal kommt da ein Krokodil an. Na herzlichen Glückwunsch.

Ich weiß eigentlich sowieso nicht, wie es genau weiter geht. Ich fliege jetzt nach Melbourne und habe genau zwei Optionen, die irgendwie interessant erscheinen: entweder, ich finde einen Job, für den ich mir nicht zu schade bin und kann mir so noch ein bisschen Geld zusammensparen und wie geplant weiterreisen. Oder, ich finde keinen Job und bin dann auch zu faul um mich mit meinem Restkleingeld durch die Welt zu hustlen und fliege heim, wo mich hoffentlich bis dahin der knackende Frühling erwartet.

Aber eigentlich weiß ich von nichts, und vielleicht ist das auch mal ganz gut so.

January 12th, 2011 Posted in Urlaub | 1 Comment »

Hoi An

Viel zu teuer, alles viel zu teuer hier. Vietnam macht mich arm. Kleiner Trostpreis: nach mehr als einer Woche Regenwetter und quälenden 15-Stunden Busfahrten, bei denen wir die komplette Modern Talking Diskografie erleiden mussten, sind wir endlich am Strand angekommen. Und die Sonne scheint. Es könnte ein guter Tag werden… der letzte Tag im vietnamesischen Outback, und ab übermorgen dann Saigon. Aber hauptsache, wir haben Hoi An erst einmal überlebt..

November 5th, 2010 Posted in Urlaub | Comments Off